AURALiC Mini

Oder:  … wenn nicht sein kann, was nicht sein darf.

Lesen Sie hier einen Bericht über den Streamer „AURALiC Mini“ –
aber auch etwas darüber, wie eine CD gelesen wird,
über das Streamen an sich,
über das Rippen von CDs,
über Musik-Portale und über HighResAudio-Downloads.
Kurz: Lesen Sie etwas darüber, wie das Musikhören der nächsten Jahre aussehen könnte.

Und sorry!  Der Bericht ist mal wieder “etwas länger” geworden.

Früher –

da haben wir uns doch tatsächlich Widerstände angehört!
Nein – keine politischen Parolen!
Sondern diese kleinen elektronischen Bauteile meine ich.

Sie hatten alle den gleichen Wert, sagen wir mal 30 Ohm.

30 Ohm sind 30 Ohm sagen Sie? Korrekt!
Aber erstens gibt es Toleranzen und zweitens gibt es Klangunterschiede.
Oder genauer:
Unterschiedliche Qualitäten führen zu unterschiedlichen Klangergebnissen.

„Military Quality“ –  das höchste der Gefühle!?
Jedenfalls nicht selten – genau die richtige Wahl!

Heute –

halte ich eine meiner Lieblings-Test-CDs in der Hand (Just Friends von LA4) – aber nicht, um sie gleich in einen sündhaft teuren CD-Player zu stecken, der mit „per Gehör selektierten Widerständen in Military-Quality“ vollgestopft wurde, sondern um sie in den externen Billig-DVD-Brenner zu stecken, der an meinem MAC angeschlossen ist.

Der Grund ist:
Ich soll das tun, um ihr zu noch besserem Klang zu verhelfen!

Haben Sie gerade lauter Fragezeichen vor den Augen?
Hatte ich auch!
Ich soll diese CD auf Geheiss eines guten Bekannten „rippen“, also mit einem Computer einlesen.
Die gerippte CD soll ich mir dann über den AURALiC Mini, einem Streamer für 499,- € Ladenpreis anhören –

… und ab dann angeblich die Welt nicht mehr verstehen – sagt er.

Ich verstehe sie jetzt schon nicht mehr.

Und was hat es eigentlich mit diesem AURALiC Mini auf sich?

Kaum jemand aus der Szene, ob Hersteller oder Vertreter, der in letzter Zeit nicht erwähnt hätte, dass er sich auch diesen AURALiC Mini angeschafft hat, anschaffen will …

Hab ich einen Trend verpasst? Ist da was völlig an mir vorbeigegangen?

Nun – jetzt nicht mehr, denn vor mir steht:  Ein AURALiC Mini!

Gehört das Runde wirklich in das Eckige?

Alles in mir wehrt sich immer noch dagegen, diesen audiophilen Silberling in diesen „Billigbrenner“ schieben zu müssen.
Aber ich überwinde mich.

Beim Rippen entziehe ich mich zunächst noch jeder berechtigten oder unberechtigten Diskussion über die weltbeste Ripp-Software und das weltbeste digitale Format und nutze stattdessen für diesen Test einfach die Bordmittel meines Betriebssystems.
Und die heißen in meinem Fall „iTunes“.
In angenehm kurzer Zeit sind alle Titel der CD gerippt und liegen mir nun als AIFF-Dateien vor.
Diese schiebe ich auf einen USB-Stick und den stecke ich hinten in den besagten AURALiC Mini  … und starte die Musik.

… und was ich jetzt höre, das haut mich tatsächlich vom Hocker! Ganz ehrlich!

Das ist nicht nur „ganz gut für 500,- Euro“ – es ist erstaunlich gut!
Nein, natürlich nicht so gut, dass wir jetzt alle unsere Plattenspieler oder edlen CD-Player wegschmeißen müssen, aber doch erheblich besser, als es eine solche Geldausgabe erwarten lassen würde.

Kann das sein?
Darf das sein?

Was genau ist der AURALiC Mini eigentlich?

Der AURALiC Mini ist ein Streamer.
Also ein Gerät, das digitale Dateiformate lesen, oder Musik aus dem Internet holen und wiedergeben kann. Gleichgültig, ob sie nun von einem Internet-Radio-Sender stammt, von der eigenen Festplatte kommt oder von einem Streaming-Portal.

Der Mini kann dabei eine überzeugend große Anzahl an Datei-Formaten lesen, jedenfalls alle, die zurzeit in audiophilen Kreisen angesagt sind und die, die noch angesagt sein werden – in ein paar Monaten oder Jahren vielleicht.

Er ist natürlich nicht der einzige Streamer auf dem Markt!
Schon unter 100,- Euro sind einige seiner Mitbewerber zu haben. Aber ihre Preise schrauben sich auch gern schon mal in luftige Höhen.

Um mit einem Streamer Musik hören zu können, brauchen wir auf jeden Fall noch einen D/A-Wandler. Denn der Streaming-Part öffnet ja praktisch nur die Datei. Im nächsten Schritt muss die digitale Information in eine analoge umgewandelt werden, damit wir sie hören können.
Auch D/A-Wandler gibt es in allen Preisklassen.
Welche Kombi ist hier wohl sinnvoll?
Das vermag ich jetzt noch nicht zu sagen, ich kenne den Mini ja noch gar nicht richtig.
Ich nutze deshalb erst einmal den analogen Ausgang des Minis, also seinen internen D/A-Wandler. Und selbst der macht seine Sache schon überzeugend gut!

Kann das sein?
Darf das sein?

Lassen sich nun CDs in einem Billig-Computerlaufwerk veredeln?

Zurück zu meiner CD.
Gibt es wirklich einen Trick, sie mit dem DVD-Brenner „veredeln“ zu können?
Nun, in gewisser Weise schon. Lassen Sie mich das erläutern.

Ausgangspunkt ist natürlich unsere CD, denn auf ihr ist ja die Musik gespeichert.
Die für alle CDs gültigen „technischen Daten“ lauten 44,1 kHz bei 16 Bit. Das ist das Maximum an Qualität, was wir von einer üblichen Musik-CD erwarten können.
Und selbstverständlich kann jeder CD-Player diese Datenmenge auch verarbeiten.

Die Anforderungen steigen – endlich!

In letzter Zeit jedoch wird die Forderung immer lauter, digitale Musik-Dateien mit besseren Werten zu verwenden, also z.B. mit 96 kHz bei 24 Bit. Manche fordern 192 kHz oder gar 384 kHz bei 32 Bit, was andere wieder für völligen Unsinn halten.

Eines haben die neuen Dateien jedoch sowieso gemeinsam:
Es passt nicht mehr genug Musik auf eine CD.
Um so große Dateien verkaufen zu können, muss nach einem neuen Vermarktungsweg gesucht werden, wobei sich wohl ein Download als beste Lösung erweist.

Und das ist jetzt irgendwie doppelt und dreifach doof.

Denn die Zielgruppe mit der größten Kaufkraft, also die Ü50-, wenn nicht sogar die Ü60-Generation – die steht zum großen Teil immer noch mit allem auf dem Kriegsfuß, was mit Computern, Tablets oder Smartphones zu tun hat.
Die will immer noch etwas „im Laden kaufen und mit nach Hause nehmen“.

Die jüngere Generation hat einerseits nicht genug Kohle – und andererseits auch keinen Anspruch mehr an die Musik-Qualität.
Genau diese „nachwachsende Zielgruppe“ hat man sich nämlich in den letzten 30 Jahren regelrecht versaut. Ihr hat man erzählt, dass man 90% der Musik einfach weglassen kann, weil wir angeblich sowieso nur 10% hören.

Wie will man diese Generation jetzt wieder für eine gute Musikwiedergabe gewinnen?

Nun, wir dürfen gespannt sein, was die Industrie sich da einfallen lässt.

Der gerade aufkommende und immer stärker werdende Trend, Original-Masterbänder in HighResAudio-Qualität anzubieten, ist dabei aus meiner Sicht ganz bestimmt ein guter Anfang! Erhöht dies doch den Druck auf die Tonstudios, mal wieder richtig gut aufgenommene Musik zu produzieren.

Zurück zu meiner CD:

Wie genau veredelt man sie denn nun mit so einem Billig-DVD-Brenner?

Die Antwort: Selbst der billigste DVD-Brenner kann möglicherweise „mehr Qualität“ von einer CD holen, als es der beste CD-Player vermag.

Dem HiFi-Vertreter bereiten nämlich die Stellen auf der CD echte Probleme, die er nicht “in Echtzeit” korrekt lesen kann. Ihm ist es nicht gestattet, diese „schwierigen Stellen“ einfach so lange neu zu lesen, bis er weiß, was dort für Informationen vorhanden sind!
Ähnlich wie ein Musiker in einem Orchester, der sich vertan hat, kann auch er nicht einfach “wieder zurück” und es erneut spielen, sondern Musiker wie auch CD-Player müssen so tun, als hätte es den Fehler nicht gegeben, damit der Musikfluss nicht unterbrochen wird.

CD-Player haben eine “künstliche Intelligenz”.

Der CD-Spieler besitzt hierfür so etwas wie eine „künstliche Intelligenz“ und füllt problematische Stellen einfach mit einem „ähnlichen Musikmuster“ aus.
Ein zum Original „ähnliches Musikmuster“ kann aber nicht authentisch sein, sondern wirkt sich immer klangverschlechternd aus.

Ein an den Computer angeschlossenes CD-ROM-Laufwerk nimmt jedoch beim Rippen der CD keine Rücksicht auf den Musikfluss.
Seine Aufgabe besteht darin, dem Computer die Daten der CD so korrekt und vollständig wie möglich zu übermitteln.
Wenn Stellen nicht eindeutig gelesen werden konnten, dann wird der Lesevorgang eben wiederholt – zur Not auch etliche Male – bis man die Information mit einer ausreichend hohen Genauigkeit erfasst hat.

Musik zu hören, ist mit diesem Verfahren undenkbar.

Hinweis:
Natürlich kann man auch mit einem CD-ROM-Laufwerk eine Musik-CD abspielen und dabei anhören, aber in dem Moment, da wir den „Player“ starten, wird aus dem CD-ROM-Laufwerk ebenfalls ein  „ganz normaler“ CD-Player, der sich genau so „intelligent“ die fehlenden Musikbereiche ausdenken kann und muss.

Wer jetzt glaubt, eine neue oder gut gepflegte CD hätte keine „Problemstellen“, der irrt sich!
Genau genommen, ist sogar die komplette CD eine einzige Problemstelle.

Schauen wir uns mal an, was beim Lesen einer CD geschieht.

Ein CD-Laufwerk schickt einen Laserstrahl in Richtung CD und misst mit einem Sensor die Menge des reflektierten Lichts. Die Oberfläche der CD wirkt wie ein Spiegel. Die Menge des reflektierten Lichts ist deshalb entsprechend hoch und der Sensor interpretiert diesen Zustand als den digitalen Wert „Null“.

Auf der CD befinden sich aber auch kleine „Hügel“ (die „Pits”), die den Laserstrahl in alle Richtungen zerstreuen und die zusätzlich durch die gewählte Höhe dafür sorgen, dass sich die reflektierten Wellen mit den ausgestrahlten Wellen auslöschen (Berg auf Tal, Tal auf Berg – Sie wissen schon).

Kommt zu wenig Licht beim Sensor an, interpretiert er diesen Zustand als den digitalen Wert „Eins“.
Schauen Sie sich zur Erklärung einmal folgende Zeichnung an. Die Wellenlinie zeigt die Menge des reflektierten Lichts an.

Sensor erkennt eine “Null”

In der nebenstehenden Zeichnung sehen Sie die Phase, in der der Laserstrahl auf die spiegelnde Fläche trifft.

100%

Sensor erkennt eine “Eins”

Nebenstehend sehen Sie die Phase, in der der Laserstrahl auf ein Pit trifft.

Eins

Sensor erkennt einen Wechsel

Der Wechsel zwischen spiegelnder Oberfläche und Pit findet nicht „rechteckig“ statt, sondern es gibt ein Auf und Ab, weil sich ein Pit nun einmal erst komplett unter den Laserstrahl bewegen muss und ihn danach ja auch „fließend“ wieder verlässt..

50%

Es entsteht eine analoge Lichtwelle

Der Sensor im Laufwerk „sieht“ eine an- und absteigende Lichtmenge. Ab einer definierten Menge geht er davon aus, dass der Laserstrahl die spiegelnde Oberfläche der CD getroffen hat und damit kein Pit vorhanden ist. Nimmt die Lichtmenge ab, wird dies als Pit gewertet.
Jetzt kann man sich aber vorstellen, dass dieser Lesevorgang ziemlich leicht gestört werden kann.
Schließlich rotiert die CD im Laufwerk und vibriert natürlich dabei.
Vielleicht ist die CD aber auch schmutzig oder verkratzt?
Möglicherweise dringt störendes Fremdlicht in das Laufwerk ein oder der Laserstrahl wird im CD-Material ungünstig abgelenkt?
Können Sie sich noch daran erinnern, dass es mal „Mode“ war, die Kanten seiner CDs schwarz zu malen? So ganz dumm ist das gar nicht gewesen!
All diese Ursachen können nun also die Reflektion des Laserstrahls stören und zu falschen Ergebnissen führen.

Diese Zeichnung zeigt uns eine ziemlich stark beeinflusste Lichtwelle, die das Lesegerät nun interpretieren muss. Hierfür gibt es ausgeklügelte Verfahren, die dem Modul bei der Entscheidung helfen. So „weiß“ dieser Wandler zum Beispiel, dass es in dem dargestellten Zeitrahmen gar keine elf unterschiedlichen Informationen geben kann.  Die Zeichnung zeigt uns 5 Pits – die in diese Zeitspanne nicht hineinpassen. Also geht das Modul her und streicht die „unwahrscheinlichsten“ Pits  (die kürzesten)  einfach weg.

Das größte Problem dabei ist wohl, dass Anfang und Ende der Pits nicht sauber getrennt werden können. Trifft das Modul eine Fehlentscheidung, passt das nächste Pit nicht so richtig in seine „Wahrscheinlichkeitsrechnung“ und wird möglicherweise ebenfalls unkorrekt interpretiert.

Und hier sind wir auch schon wieder beim großen Unterschied zwischen einem Computer-Laufwerk und einem CD-Player. Das Computerlaufwerk kann es sich „leisten“, eine nicht sauber lesbare Stelle immer und immer wieder neu zu lesen und die Information erst dann weiter zu geben, wenn es sich sicher genug ist, die Information korrekt gelesen zu haben.

Der Musikfluss hat beim CD-Player oberste Priorität

Für den CD-Player hat der Musikfluss absoluten Vorrang – und was er nicht genau genug lesen konnte, das „denkt er sich dann eben aus“.
Es ist also weder die CD, noch ist es die Qualität der Laufwerke die einen Unterschied ausmachen, sondern die Kombination aus der mechanisch/optischen Leseweise des CD-Players und der Verpflichtung, die Musik nicht zu unterbrechen.
Liegt die Musik dagegen als Datei auf unserem Speicher – und das logischerweise am besten auf einer SSD – dann haben wir die Probleme eines CD-Players eliminiert.

Zusammenfassung:
Bemerkt ein HiFi-CD-Player einen Fehler, muss er so tun, als gäbe es ihn gar nicht und einfach „irgendetwas“ weiterspielen – auch wenn es nicht das ist, was eigentlich auf der CD drauf ist.
Bemerkt ein Computer beim Rippen einen Fehler, lässt er die Stelle auf der CD eben noch einmal lesen. Ist die fehlerfreie Datei dann auf einer SSD-Festplatte gespeichert, gibt es keine Lesefehler mehr.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!

Nutzt man nun zum Rippen spezielle Computer-Programme (EAC, XLD …), kommt sogar noch eine weitere „Kontroll-Instanz“ hinzu.
Wer nämlich mit ihnen eine CD rippt, der baut eine Online-Verbindung zu der Vergleichs-Datenbank AccurateRip auf. Alle anderen Nutzer – weltweit – die vor uns mit einer solchen App bereits die gleiche CD gerippt haben, die haben ihre Ergebnisse als Vergleichsmuster in dieser Datenbank abgelegt.

Wurden durch diese Datenbank anfangs nur Kontrollsummen (CRC-Prüfsummen) verglichen, geht die neuere „CUETools-Datenbank” (CTDB) noch einen Schritt weiter und kann fehlerhaft gelesene Sektoren erkennen und die Fehler durch die korrekten „Referenz-Sektoren“ ersetzen oder uns zumindest anzeigen.
Die Qualität dieses Dienstes wächst mit jedem Nutzer und jeder eingelesenen CD und er sollte wohl noch seine beste Zeit vor sich haben.

Da kann der CD-Player nur neidisch blicken!

Ein High-End-CD-Player wird aber auf solch eine Lösung immer nur neidisch blicken können. Ihm fehlt die Zeit für solche Kontroll-Mechanismen!

Fazit:
Wir müssen erkennen, dass es beim Rippen nicht darauf ankommt, ein besonders gutes und teures Laufwerk zu verwenden, sondern es reicht, ein gutes Program zu verwenden, das unsere Lese-Ergebnisse mit einer Online-Datenbank abgleicht und uns auf Fehler aufmerksam macht.

Kommen wir zurück zum AURALiC Mini

Dass er uns gerippte CDs in einer hervorragenden Qualität reproduzieren kann, das hat er mir schnell und eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Aber was kann er denn sonst noch so, der Mini?

Als „Ausstattungswunder“ ist er ja nicht gerade zu bezeichnen.
Wenn wir seine Feature-Liste betrachten, kann er nicht einmal gegen ein Apple-TV  für rund 75,- € bestehen.
Das ATV kann nämlich im Gegensatz zum Mini nicht nur Musik streamen, sondernd auch Bilder, Videos, DIA-Shows, Youtube-Filmchen und noch eine Menge mehr.
Kein Wunder also, dass es der Mini in manchen Foren derzeit schwer hat und sich dort mit verbalen Fußtritten malträtiert sehen muss.

„So teuer und dann auch noch aus China?“

Ein solches Vorurteil – dass auch von mir stammen könnte, entpuppt sich beim AURALiC Mini aber als Fehler.
Im Vergleich zu anderen Mitbewerbern, die ebenfalls im reinen Musikbereich bleiben, kann er dann schon allein mit der Menge der digitalen Formate, die er beherrscht, einen deutlichen Punktsieg einfahren:

Herstellerangaben zu den Formaten:
AAC, AIFF, ALAC, APE, DIFF, DSF, FLAC, MP3, OGG, WAV, WV und WMA
Herstellerangaben zu den Abtastraten:
PCM 44,1 – 384kHz mit 16 – 32 bit, DSD 64,128, 256

Wer den Mini als Gesamtpaket betrachtet, muss erkennen, dass er wohl niemals dafür gebaut worden ist, sich gegen irgendwelche Multiroom-Multimedia-Kommerz-Produkte behaupten zu müssen.
Seine Zielgruppe ist vielmehr die audiophile Gemeinde, deren Portemonnaie weder Hose noch Jacke ausbeult, denn für den Anspruch, den er erfüllen kann, ist er ein echtes Schnäppchen.
… und den Vergleich mit deutlich teureren Streamern braucht er auch nicht zu fürchten.

Let`s have a look

Schauen wir uns das Teilchen doch einfach mal genauer an.
Das Symbol eines angebissenen Apfels suchen wir vergebens – aber es würde hier durchaus auch gut auf den Deckel passen!

Auf der Rückseite findet man folgende Anschlüsse:

  • Die analogen Cinch-Ausgänge, denn der Mini hat ja bereits einen Wandler integriert.
  • Einen digitalen Cinch-Ausgang
  • Einen digitalen optischen Ausgang
  • Zwei USB-Anschlüsse
  • Einen Netzwerkanschluss

Vorne gibt es drei Bedienelemente – das war`s.
Intern gibt es dann noch WLAN und Bluetooth als drahtlose Verbindungen und einen Slot für eine Notebook-Festplatte.
Eine Fernbedienung gibt es nicht.
Allerdings gibt es eine kostenlose App namens Lightning DS für Android und Apple und die App findet man sogar im App-Store.

Die Inbetriebnahme

Die erste Inbetriebnahme ist ein Kinderspiel, wenn man sie mit der nötigen Portion Gelassenheit angeht. Mit Hektik bringt man hier nur das durcheinander, was sich ganz von alleine konfiguriert.
Sobald das Gerät ans Stromnetz angeschlossen wird, beginnt der Mini nämlich damit, ein eigenes WLAN-Netz aufzubauen. Diesem Vorgang sollte man am besten überhaupt keine Beachtung schenken, sondern einfach mal 10 Minuten gar nichts tun. Nach abgeschlossener Erst-Installation fügt sich der Mini nämlich gerne in das vorhandene WLAN-Netz ein.
Wer seiner Erfahrung und seinem Gefühl folgt und meint, er würde dem Mini etwas Gutes tun, wenn er auf die Netzwerkkabel-Verbindung zurückgreift, der macht möglicherweise einen Fehler.
Der Vertrieb empfiehlt nämlich den WLAN-Betrieb, weil hierdurch eine völlige elektrische, also galvanische Trennung der Geräte stattfindet.

Sein Passwort für das Heimnetz sollte man also parat haben.
Ist die Integration abgeschlossen, geht es an die Einbindung der Musik-Bibliothek.
Hat man eine solche nicht – ist man eigentlich auch schon fertig.

Auf der linken Seite der App findet man ein Menü mit mehreren Icons.
Ein Eintrag davon ist für das Internetradio.
Mit einem Klick auf das Symbol erscheinen rechts unzählige Radiosender und damit ist es dann auch schon vorbei mit der Ruhe im Haus.  🙂
Doch nur zum Radiohören kauft man sich natürlich keinen AURALiC Mini.

Ich habe ein NAS, also einen Netzwerkspeicher und darauf eine eigene Partition für Musik, die ich vor mehr als 15 Jahren mal zusammengestellt habe. Die Qualität ist gruselig, weshalb ich davon auch schon ewig nichts mehr hören wollte.
Hier geht es mir aber mehr darum herauszufinden, wie schnell der Mini, bzw. die Lightning DS-App, diese Bibliothek erfasst.

Wie ein Rennwagen!

Und an dieser Stelle muss man dem Mini ein riesiges Lob aussprechen. So rasant hat bisher noch kein einziges Programm bei mir eine Bibliothek mit rund 600 GB MP3-Dateien durchforstet und erfasst.

Wer seine Musik auf externen Festplatten oder Sticks gespeichert hat – kommt genau so schnell, wenn nicht sogar noch schneller zum gleichen Erfolg. Einfach eine der beiden USB-Buchsen verwenden und die Integration starten.

Wer jedoch mit dem AURALiC Mini seine Streamer-Ära starten will, der baut am besten noch schnell eine interne Notebook-Festplatte ein (hier ist natürlich eine lautlose SSD die erste Wahl!!) und kann dann dort auch gleich seine Musik speichern. (Datensicherung aber nicht vergessen!!)

Und die Musik-Portale?

Kommen wir zum nächsten Schritt, besser gesagt zum nächsten Icon, das für Musikportale steht.
Zunächst bin ich enttäuscht, dass ich hier Spotify nicht finden kann.
Ich nutze halt Spotify – die Qualität hat mir bisher gereicht und ich habe etliche Playlisten erstellt. Weihnachten mit Kindern, irischer Abend, Titel, die ich mir nochmal anhören möchte …
Spotify – das ist für mich schon Musik-Konsum – aber auch Kennenlern-Möglichkeit — für das Genießen habe ich sowieso andere Dinge!

Ich sehe ein Icon für TIDAL und natürlich weiß ich, dass sich dahinter ein Portal für Musik in besserer Qualität verbirgt, als man sie bei Spotify bekommt. Daneben sieht man die Icons für WIMP und für Qobuz.
WIMP ist der Vorgänger von TIDAL und es wundert mich, dass ich es hier noch finde. Nach einem Klick auf das Symbol gelangt man zu einer Seite, auf der man seinen WIMP-Account in einen TIDAL-Account umwandeln kann – nun gut.

Ich hatte bisher beides nicht, denn TIDAL oder WIMP über ein Apple-TV zu hören, das wäre ja wohl Perlen vor die Säue geworfen.
Die Anmeldung bei TIDAL geht schnell und unkompliziert vonstatten – es gibt einen Monat als Probe-Abo für lau – das ist jetzt genau das richtige.
Wer Spotify gewohnt ist, findet sich bei TIDAL zunächst nur schwer zurecht – das gilt jedenfalls für mich.
Die Musikangebote auf den Startseiten lassen unschwer erkennen, wer als Geldgeber hinter TIDAL steckt, aber das Angebot ist auch darüber hinaus erstaunlich vielfältig.

Ich starte also ein paar Songs – und bin zutiefst enttäuscht!

Das soll besser sein als Spotify?
Im Leben nicht!

Dafür soll ich doppelt so viel bezahlen wie für Spotify?
Im Leben nicht!
Der AURALiC Mini soll beim Streamen besser klingen als ein Apple-TV?
Im Leben nicht!

Doch lassen Sie mich das alles hier gleich auflösen – der Dumme  – bin eindeutig ich.
Ich bin nämlich davon ausgegangen, dass TIDAL mir automatisch die versprochene beste Qualität anliefert.
Doch dem ist leider nicht so!
Ohne eine entsprechende Konfiguration meines Accounts steht nämlich alles auf „Normal“, also auf MP3 – und da gibt es logischerweise keinen Qualitätsunterschied zu Spotify. Erst nachdem man das Häkchen bei „HiFi“ gesetzt hat, tut sich eine andere Klangwelt auf.

Wer hat uns eigentlich MP3 angetan?

Und diese “HiFi-Qualität” setzt sich derart deutlich von der MP-3-Qualität ab, dass ich mich einerseits frage, wieso wir uns eigentlich diese MP3-Dateien gefallen lassen und uns nicht mit aller Kraft gegen sie wehren und andererseits, ob jetzt nicht doch HighResAudio noch einen weiteren „Klangschub“ auf Lager haben könnte.

Wie komme ich aber jetzt an ein paar HighResAudio-Dateien?

Tja – und da nützen mir meine suchenden Blicke, die durch meinen Raum gleiten – gar nichts! Ein solch hoch aufgelöstes Digitalformat hat bisher den Weg zu mir noch nicht gefunden.
So etwas gibt es nicht auf Datenträgern zu kaufen. So etwas muss man „downloaden“ und kann es dann auf einer Festplatte speichern.

Das ist nicht gerade billig – meine ersten Ausflüge auf die Seiten der HighResAudio-Anbieter ergaben dann auch locker mal so 25,- Euro für ein Uralt-Album von Simon and Garfunkel.
Zu teuer – meine Meinung.

Aber – gab es in dem Portal-Menü vom AURALiC nicht noch ein drittes Icon?
Ich schaue nach und da ist es:

Qobuz !

Seltsamer Name, den werde ich mir wohl schwer merken können.
Laut Wikipedia verbirgt sich dahinter ein fernöstliches Musik-Instrument – aber auch davon hatte ich noch nie etwas gehört.

Bevor ich mich bei „so etwas“ anmelde, googele ich natürlich erst und  – ach Du Schreck:
„Qobuz insolvent“ – „Qobuz pleite“ steht da an erster Stelle.

Ich lese die Berichte und erfahre, dass es Ende 2015 (und das ist ja gerade mal ein paar Wochen her) eine Übernahme gegeben hat. Ein französischer Geldgeber pumpt soeben insgesamt 12 Millionen Euro in „sein neues Portal“. Das lässt wieder hoffen, wenigstens für ein paar Jahre.
Ich besuche also die Qobuz-Seite und irgendwie gefällt sie mir.

Das Musik-Angebot ist toll!
Es gibt viel Klassik, was auf Spotify ja mal gar keinen Spaß gemacht hat, aber auch die Pop-Rock-Indie-Musik, die mir liegt, ist ziemlich stark vertreten. Zum Teil sogar umfassender als bei Spotify. Weltmusik? Auch kein Problem! Das ist wirklich prima!

Die einfache Aufmachung ist gefällig!
Natürlich muss man sich auch hier umstellen, wenn man von Spotify kommt – aber mal ganz ehrlich! Wie oft musste ich mich denn in den letzten Jahren selbst bei Spotify schon umstellen!? Und dass alles immer besser geworden ist, kann ich auch nicht sagen.

Der redaktionelle Teil ist klasse!
Es gibt viel zu lesen – über die Künstler – über die Musik – über Abspielgeräte … Es macht Spaß, sich auf dieser Seite aufzuhalten und neben dem Musikhören zu surfen.

Da ist sie ja – die Quelle für meine HighResAudio-Dateien!

Und ich kann meine Lieblingsmusik auch kaufen!
Sie meinen, es sei hirnrissig, Musik zu kaufen, die man innerhalb seines Abos uneingeschränkt streamen kann?

Ja – da haben Sie grundsätzlich wohl Recht – aber hier bei Qobuz kann ich die Titel als HighResAudio-Dateien herunterladen!
Und der Preis dafür ist akzeptabel!
Im Schnitt liegt so ein Album hier bei 15,- Euro.
Und wenn ich das „Sublim-Abo“ wähle, bekomme ich sogar noch mal so etwa 5,- Euro pro Album Nachlass – na, damit sollte man doch leben können, oder?
Ein Album in Masterband-Qualität für „nen Zehner“?
Akzeptiert!

Insgesamt bietet uns Qobuz drei verschiedene Abo-Modelle an:
Premium
Das ist Spotify-Qualität zum Spotify-Preis.
HiFi
Das ist TIDAL-Qualität zum TIDAL-Preis.
Ein Zufall?
Wohl eher nicht.
Das interessanteste Angebot jedoch hört wie schon gesagt auf den Namen Sublim.

Sublim –
steht für das „Erhabene“, also für etwas Großes, Außergewöhnliches.

Tatsächlich scheint mir der Name durchaus passend gewählt zu sein, denn wer bereit ist, seinen Jahres-Abo-Betrag vorab zu bezahlen, der bekommt für 219,99 €/Jahr nicht nur einen Nachlass von fast 10 % auf den Abo-Preis, sondern noch diesen erstaunlichen Rabatt auf seine  Downloads dazu.

Ich habe mich jedenfalls gleich mal bei Qobuz angemeldet.
Spotify brauche ich nicht mehr – tschüss MP3!!!!

Und eine SSD habe ich auch gleich in den Mini eingebaut.
Als nächstes will ich mir das “bessere Netzteil” ordern …

… hm – jetzt hat es doch tatsächlich ein digitales Produkt geschafft, mich für sich einzunehmen?
… und ich schäme mich gar nicht dafür?

Tja – genau so ist es. Tue ich nicht!

Obwohl ich die Kritiken an den Mini verstehen kann – denn wer nicht über eine wirklich gute Stereoanlage verfügt, der kann nicht verstehen, was an einem Mini “so toll” sein soll, steht für mich fest, dass der Mini seinen festen Platz in meinem Wohnzimmer eingenommen hat.
Für Bilder und Videos habe ich ja mein Apple TV.

Sollten Sie gerade im Begriff sein, sich einen teuren Streamer oder CD-Player zuzulegen, kann ich Ihnen nur empfehlen, sich den AURALiC Mini trotz aller Vorbehalte vorher (!) einmal anzuhören.
Möglicherweise haben Sie urplötzlich mehrere tausend Euro für Festplatten und Downloads über!

Wenn Sie Lust darauf bekommen haben, die in diesem Bericht geschilderten Aussagen einmal selbst zu prüfen, dann kommen Sie doch bei uns vorbei und hören sich das gute Stück bei uns an!

Oder bestellen Sie doch gleich Ihren eigenen AURALiC Mini!

Null Risiko!

Wenn er Ihnen nicht gefällt, schicken Sie ihn uns wieder zurück! So einfach geht das!

Das einzige Problem bei diesem Teil ist, dass derzeit mehr Bestellungen vorliegen als Geräte produziert werden können.
Ein wenig Geduld ist also schon angesagt.

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Bitte beachten!!! Kein Versand vom 23.09. - 30.09.2017. Verstanden