Creek Evolution mit Ruby Teil 1

schon vor „ewigen Zeiten“ baute der Radio- und Fernseh-Händler Michael Creek in der Nähe von London richtig gut klingende Tuner und HiFi-Verstärker für seine damals eher „minderbemittelten“ Bewohner in der Nachbarschaft.

Seitdem hat sich zwar viel getan – allerdings ist der Stolz auf diese lange Geschichte über ein halbes Jahrhundert hinweg so groß, dass man nicht müde wird, immer und immer wieder auf sie zu verweisen. Und man lässt sich davon auch nicht dadurch abbringen, dass schon längst der Sohnemann das Schiff übernommen hat.

Ergebnis:   Creek? Ja sicher – klingt gut, aber ist doch auch ziemlich „Old Scool“, altbacken, langweilig!
Was soll der „User von heute“ noch mit so einem Verstärker von Creek?

AUFWACHEN!!!!!

Creek ist längst in der Gegenwart angekommen – und Ihnen möglicherweise sogar schon einen Schritt voraus!?
Ich lehne mich da verdammt weit aus dem Fenster?
Prüfen Sie es:

Smartphone-Generation?

Sie hören Musik über Ihr Smartphone? Nutzen Portale wie Spotify, Deezer, Apple-Music, …? Streamen es von Ihrem NAS? Hören Radio nur noch im Auto oder mal am Samstag – für Fußball?

Aber lassen Sie mich raten:  „Funzt klasse – klingt bescheiden!“

Irgendwie passt diese neue Art des Musikhörens noch nicht zu der vorhandenen HiFi-Anlage und wird in der Regel eben auch getrennt betrieben.
Das könnte sich jetzt bald ändern!

Creek hat zur Entwicklung der beiden aktuellen Vollverstärker unter den Bezeichnungen Evolution 50A (1.125,- Euro) und Evolution 100A (2.100,- Euro) in Ihr Wohnzimmer hinein gesehen und Sie ganz genau beobachtet.
Entdeckt – hat man dabei sowohl den klassischen Musikhörer, der ist nämlich mit dem Verstärkerkauf schon fertig, als auch die „Smartphone-Generation“.
Und dieser zweite Halbsatz, der bereitet mir gerade außergewöhnlich viel Freude.

Oh Ruby …

Zwar tun einem die 550,- Euro Aufpreis für die auf den Namen  „Ruby“ hörende DAC-Platine möglicherweise zunächst etwas weh, aber danach präsentiert sich der Creek als ein Vollverstärker, wie er heute sein sollte. Für mich führt daran gar kein Weg vorbei, den Ruby dazu zu nehmen und ich würde mir fast wünschen, es gäbe die Creeks nur noch so.

Die Ruby-Platine erweitert den Evolution-Verstärker durch:

2 x TOSLINK-Eingänge –
das sind die genormten Lichtleiter-Verbindungen, wie wir sie zum Beispiel auch am Apple-TV vorfinden.

2 x S/PDIF-Eingänge –
das sind die digitalen Cinch-Verbindungen, wie sie von vielen Wandlern oder Laufwerken als Ausgang genutzt werden.

1 x USB-Eingang –
damit kann ich dann z.B. meinen PC oder mein Notebook anschließen.

1 x Bluetooth-Eingang/-Antenne –
das ist für mich der absolute Knaller! Endlich einfach mit dem Smartphone oder dem Tablet direkt – ohne irgendein anderes Gerät dazwischen – zum Verstärker streamen!

1 x UKW-Empfangsteil –
und dafür ist natürlich ebenfalls ein Antennenanschluss vorhanden.

Jetzt mag sich der eine oder andere fragen: „Und warum gibt es keinen Netzwerk-Eingang?“. Dann kann ich doch direkt aus dem Internet in meinen Verstärker streamen!?

Doch mit dieser Frage zielen wir auf ein Thema, das man wohl als äußerst kritisch bezeichnen muss. Unzählige Entwickler verbrennen sich gerade fortlaufend die Finger an dieser sich rasant entwickelnden Angelegenheit und ich bin heilfroh, dass sich Creek dagegen entschieden hat. Und das ist ja auch gar nicht nötig!
Die Netzwerkverbindung baut ja Ihr Smartphone oder Ihr Tablet auf – und dort haben Sie ja auch die entsprechende App installiert.
… und sind es gewohnt, diese fortlaufend auch updaten zu müssen/zu können oder sie einfach zu wechseln.

Sollte sich die Situation mal ändern, wird uns sicher auch Creek so einen „Digital-Streamer“ präsentieren, aber ich glaub, das dauert noch.

So viel zur Theorie – jetzt zur Praxis:

Ich habe die Ruby-Platine in meinen Evolution 100A (geht mit dem 50A genau so) eingebaut und schließe den Verstärker an die neuen Ausnahmewandler Extreme 3 von Progressive Audio an.

Zunächst will ich einmal Radio hören. Zur Bedienung muss man kurz in die Anleitung schauen, da es die speziellen Radio-Knöpfe nicht gibt, aber da das Radioteil wie andere Tuner auch funktioniert, sind die Sender schnell gefunden und gespeichert. Die mitgelieferte „Wurfantenne“ bringt es aber definitiv nicht. Wie üblich quittiert sie jede meiner Bewegungen mit einem veränderten Rauschteppich – so macht das keinen Spaß. Eine gescheite Antenne muss her – also mehr zum UKW-Empfang in einem späteren Teil des Creek-Berichts.

Jetzt schließe ich meinen Solisto-Digitalwandler an den Line 1-Eingang des Evolution an.

Dieser Eingang kann – wenn man es so will – mit einer Phonoplatine versehen werden, sodass man auch einen Plattenspieler direkt anschließen kann. Hierzu gibt es je nach Bedarf sogar drei verschiedene Ausführungen: eine für MM-Systeme, eine für „laute“ MC-Systeme und eine dritte für „leise“ MC-Systeme.
Ich habe aber im Moment nicht vor, an dem Evolution einen Plattenspieler zu betreiben, daher läuft mein Line 1-Eingang zurzeit als Hochpegel-Eingang.

Der Solisto wird von meinem Apple-TV II über ein Lichtleiterkabel gespeist. Und mein Apple-TV erhält seine Signale von meinem iPAD Mini. So höre ich das schon eine ganze Weile.
Das Apple-TV hat leider nicht viel Auswahl an Verbindungen anzubieten und die bisherigen Verstärker boten mir keinen TOSLINK-Eingang an. Langer Rede kurzer Sinn – ich höre, was ich seit Monaten über diese Konstellation höre – an verschiedenen Verstärkern.
Auch am Evolution klingt das – trotz Spotify und MP3 und so – schon richtig gut. Ich spiele gerade zufällig einen Song aus meiner Playliste „Can wie go home now“ von The Roches. Das ist harmonisch, das macht Spaß. Ist so, wie ich es kenne.
Danach folgt Gotye mit seinem „Somebody used to know“. Macht genau so viel Spaß.

Zwei Kunden „stören“ gerade diesen Test, wollen ein Kabel abholen. Sie setzen sich dazu und ich höre ihre Fragen:  „Da läuft jetzt Spotify? Ist das nicht MP3? Wir hören jetzt tatsächlich iPAD – Apple-TV – Wandler – Verstärker – Boxen, und das klingt so gut? Unglaublich!“ Die Beiden waren offensichtlich noch niemals auf die Idee gekommen, Spotify über die Stereo-Anlage zu hören.
Doch dieser Begeisterung folgte eine schnelle Wandlung ins Gegenteil. Ich stoppte die Musik und schaltete am Evolution auf den Bluetooth-Eingang um. Zunächst galt es, die Lautstärke-Unterschiede auszugleichen, da die Musik über den Bluetooth-Empfänger deutlich lauter ist.
Ich starte erneut „Can we go home now“ – und frage mich auf der Stelle, wieso die Stimmen jetzt auf einmal da sind, wo sie nun herkommen. Da waren sie vorher definitiv nicht. Ich schalte wieder weiter auf „Somebody used to know“ – da gibt es auf einmal ein „echtes Xylophon“ und nicht mehr so eins aus Garageband oder so. Nicht, dass ich etwas gegen Garageband, Logig X und Co. hätte, ich mache da wahnsinnig gerne selber Musik mit, aber dieses Xylophon wird gerade von einem Menschen „in echt“ gespielt, was klar und deutlich anhand der unterschiedlichen Anschläge zu vernehmen ist.

Ich will noch einmal prüfen, woher die Stimmen vorher kamen und wie sich das Xylophon über Apple-TV und Wandler anhören, aber alles, was meine beiden Kunden und ich nach dem erneuten Umschalten und dem Pegelausgleich höre ist, dass das so kein fairer Vergleich sein kann. Zwischen diesen beiden Ergebnissen liegen Galaxien und ich breche den Test hier ab.

Mein Blick geht hin zu den Beipack-Strippen vom Apple-TV und vom Wandler. Bisher hatten sie mich nicht interessiert. Dass die Musik auf Spotify „nur MP3“ ist, habe ich ja gewusst. Ich wollte ja auch nur neue Künstler und neue Songs kennen lernen und nicht anspruchsvoll Musik hören. Zu keiner Zeit bin ich bisher auf die Idee gekommen, das Apple-TV mal an einen richtig guten Wandler zu hängen.
Doch hier kommen mir im Sekundentakt neue Fragen in den Kopf und ich glaube, dieser Test wird deutlich umfangreicher, als ich das bisher schon geahnt hatte.

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