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Foto von Schallplatte bunt

Der MFSL Skandal – ein Tritt in die Weichteile der Analog-Szene?

Der MFSL Skandal –
ein Tritt in die Weichteile der Analog-Szene?

Der MFSL Skandal –
ein Tritt in die Weichteile der Analog-Szene?

In meinem Bericht „Der MFSL Skandal – ein Tritt in die Weichteile der Analog-Szene?“ möchte ich auf ein Thema eingehen, dass in letzter Zeit immer häufiger an mich herangetragen wird.

Worum geht es eigentlich?

Kurzform:
Jemand besucht die Tonstudios von MFSL und wird dort zu seinem großen Schrecken damit konfrontiert, dass es bei MoFi in der Schallplattenherstellung digitale Zwischenschritte, sprich: digitale Kopien der Masterbänder (!) gibt.
Zur Begründung wird angegeben, dass man durch diesen digitalen Zwischenschritt die Klangqualität der Schallplatten deutlich verbessern kann.  Noch einmal:

Dadurch, dass MFSL digitale Musikdateien statt analoger verwendet, ist man in der Lage, besser klingende Schallplatten zu erzeugen.

Mit dieser Aussage glaubt man sich bei MFSL komplett Im Recht zu sein, denn der Kunde bekommt ja sogar etwas “besseres” geliefert als er erwartet hatte.
Was man bei MoFi dann doch recht kleinlaut zugibt, ist die Tatsache, dass man diese Vorgehensweise nicht offen kommuniziert und sogar konkrete Anfragen über Jahre hinweg falsch beantwortet hat.
Aus diesem Grund laufen derzeit in den USA mehrere Klagen gegen MFSL.
Weil man ja aber allzeit gute Qualität geliefert hat, glaubt man bei MFSL nicht an einen Erfolg der Klagen.

Meine Frau meint dazu:

„Wenn ich mir einen Kaschmir-Pullover kaufe, dann verbinde ich mit diesem Begriff bestimmte Erwartungen. Wenn ein Hersteller nach vielen Jahren plötzlich keine Kaschmirwolle mehr verwendet, mich aber in arglistiger Weise weiterhin in dem Glauben lässt, dann würde ich mich betrogen fühlen. Auch dann, wenn die andere Wolle angenehmer zu tragen wäre! “.

Da muss man ihr wohl zustimmen, oder?

MFSL selber, der deutsche MFSL-Vertrieb und verschiedene HiFi-Redakteure versuchen denn auch seitdem, die Vorgehensweise gut zu reden und das Thema allein auf die unzweifelhaft gute Klangqualität zu lenken.
Denjenigen, die sich trotzdem verärgert zeigen, spricht man ab, Musikliebhaber zu sein und man wirft ihnen vor, die Platten als reine Spekulationsobjekte gekauft zu haben.

Nachdem man jahrelang an ihnen gut verdient hat!

Nun, warten wir mal ab,
ob diese Klagen in den USA Erfolg haben werden oder nicht.
Wobei das für mich eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Der Analog-Szene hat MFSL damit ganz sicher einen Bärendienst erwiesen.

Ausgerechnet das analoge Aushängeschild MFSL wird “überführt”, klammheimlich digital bearbeitete Dateien auf ihre Schallplatten zu pressen und der analogen Szene fällt nichts besseres dazu ein, als darauf hinzuweisen, dass so eine digitale Bearbeitung der Klangverbesserung dient!?

Genau solche Aussagen sind es doch, die sich am Ende nicht gegen MFSL, sondern gegen die gesamte analoge Szene richten wird!
Die erste PR-Verwirrung, also Schallplatten, auf denen man stolz so viele “Ds” (für digital) präsentierte wie nur möglich, hat die analoge HiFi-Szene damals mit nur wenigen blauen Flecken gut überstanden.
Diese zweite Verwirrung, bei der man dem leichtgläubigen Kunden nun erzählen will, dass seine analoge Schallplatte nur deshalb so toll analog klingt, weil sie ja digital produziert worden ist – die dürfte wohl ein paar größere Verletzungen hinterlassen.

Offensichtlich setzt man darauf, dass man seine Kunden mit diesen Aussagen schnell wieder beruhigen kann und diese Vermutung zieht man wohl kurzfristig aus der Tatsache, dass bisher noch kein Ausverkauf der Sammlerstücke stattfindet.
Die “MFSL-Börse” bei Discogs und Co. hat also noch nicht reagiert.

Aber der Kunde ist in der Lage langfristig zu denken.

Denn der Kauf eines tollen Plattenspielers ist für viele von uns eine enorm hohe Ausgabe.
Und heute muss er sich doch die Frage stellen:

Wieso sollte ich mir noch eine analoge Schallplatte kaufen, wenn ich weiß, dass sie sogar bei MFSL digital produziert wurde? 

Wieso sollte ich zuhause auf eine anscheinend veraltete analoge Technik setzen, wenn sogar die Produzenten meiner analogen Musikträger längst auf die modernere Digitaltechnik umgestiegen sind?

Man produziert ein digitales Produkt und wandelt es dann am Ende (für mich) in ein analoges Produkt um.
… und sagt dann seinen analog-begeisterten Kunden, dass man den Klang digital viel besser hinbekommt, als es analog möglich wäre.
Auf einmal ist es also der ewig gestrige Kunde, der ja unbedingt am Analogverfahren festhalten muss, weil der sich ja nicht umstellen kann und nicht umstellen will?

Die Leser meiner Berichte wissen, dass ich seit 2014 ein glühender Verfechter des High-Resolution-Audio-Streamings bin und sogar eine ganze Broschüre geschrieben habe. 
Trotzdem komme ich täglich auch mit Kunden zusammen, die den guten alten Plattenspieler immer noch toll finden und auch ich selber nenne ein wunderschönes Stück mein Eigen.

Dass ausgerechnet aus der Analog-Szene nun Argumente pro digital geliefert werden, damit hätte ich nicht gerechnet.

Und ich frage mich: Wieso lässt man die digital so perfekte Aufnahme dann nicht einfach digital und stellt sie mir als Kunden zur Verfügung? Als digitale Datei!? Zum Streamen!?

Klar – die Antwort können wir uns selber geben:
Weil man mit einer Schallplatte, die 99,- USD kostet, natürlich viel mehr Geld verdienen kann.
Und die Plattenspieler-Industrie liebt MFSL!
Sie würde ja auch ohne gute Schallplatten gar keine Überlebenschance haben.

Aber hält dieses Konstrukt auch dann noch, wenn dem Analogi bewusst wird, dass er eigentlich nur noch die Schallplatten hören darf, die mindestens 40 Jahre alt sind?

Ein Kaufanreiz sind anders aus, oder!?

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