HiFi-Zubehoer – ein Garant für besseren Musik-Genuss?

Klangverbesserndes HiFi-Zubehör …

… lediglich so etwas wie eine „sprudelnde Einnahmequelle“ für Hersteller und Händler, oder eine unverzichtbare Voraussetzung für einen wahren Musik-Genuss?

Die Betreiber eines Tierbedarf-Handels kennen die Situation, wenn frisch gebackene Frauchen und Herrchen zusammen mit einem jungen Welpen auf der Suche nach der „Erstausstattung“ euphorisch das Ladenlokal betreten und beim Verlassen den halben Warenbestand mitnehmen.

So ähnlich erging es mir gestern.
Ein Kunde, dem ich vor ein paar Tagen eine Anlage geliefert hatte, war so begeistert, dass er wohl am liebsten alles an Zubehör mitgenommen hätte, was wir auf Lager hatten.
Damit bildete er natürlich den krassen Gegensatz zu all denen, die in HiFi-Zubehör nur einen Versuch von skrupellosen Herstellern sehen, genau solche Situationen auszunutzen, um ihr nutzloses Zeug an den Mann zu bringen.

Menschen sind erfolgsorientiert und begeisterungsfähig.
Wenn etwas prima funktioniert hat, dann versuchen sie es logischerweise wieder. Der Kunde hat etwas gekauft, es hat gut geklungen, also kauft er noch mehr, damit es noch besser klingt. Er folgt damit einer ganz einfachen logischen Struktur, so sind wir Menschen.

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Heute las ich im Kreise der Familie einen Bericht, in dem ein Arzt die Pharmaindustrie beschuldigte, mit ihren vielen Vitaminpräparaten, die niemandem nützen würden, die Menschheit aus reiner Geldgier krank zu machen.

Sofort interpretierte mein Schwiegervater, der nicht einmal seine wichtigsten Medikamente ohne Gegenwehr einnimmt, den Bericht so, dass für ihn nun alle Medikamente Humbug seien und verkündete mal wieder, seine Pillen nicht mehr schlucken zu wollen.
Ein anderer jedoch schimpfte über diesen Arzt und meinte nur, dass es ihm viel besser gehen würde, seitdem er regelmäßig diese Vitamine nehmen würde. Der Arzt wolle sich mit diesem Artikel doch nur wichtig machen.

Nun, mir viel jedenfalls auf, wie sehr sich unsere Einstellung zu und unser Umgang mit HiFi-Zubehör und Medikamenten gleichen.
Wo läge wohl heute unsere Lebenserwartung und wie hoch wäre unsere Lebensqualität, gäbe es immer noch keine Medikamente?
Ohne Zweifel verfügen wir doch über nützliche, geradezu lebensrettende Heilmittel, oder?

Doch womit wird das Geld verdient?
Richtig! Mit den Pillen zum Einschlafen, mit denen zum Aufwachen, mit denen zum Appetit zügeln und denen zur Appetitanregung, mit denen gegen schlaffe Haut, alte Haut, faltige Haut, fettige Haut … und natürlich mit Vitaminen, weil die ja so gesund sind.

Klar, könnte man auch einfach mit dem Rauchen oder dem Trinken aufhören, sich gesünder ernähren und Sport treiben.
Doch das ist anstrengend und erfordert Disziplin.

Zurück zur High-Fidelity.
Wir sitzen vor unserer Anlage und fragen uns, ob sie nicht noch besser klingen könnte.
Natürlich könnten wir jetzt die Boxen ein wenig verschieben und uns selbst ein Stück von der Rückwand weg setzen; die Kontakte ordentlich sauber machen, noch ein Regal mehr aufstellen, einen Teppich auf den Boden legen, um die Raumakustik zu verbessern, …

Aber das alles macht uns keinen Spaß.

Diese neuen Entkoppler für die Boxen, die sehen ja mal klasse aus! Und die neue Gerätebasis dort in der Zeitschrift – total edel! Und diese energieaufsaugenden Pucks, die man auf die Geräte legt, …

Mag alles richtig sein,
so wie manch einem ganz sicher auch die Pillen zum Einschlafen gute Dienste leisten, oder die zum Aufwachen. Und doch wird mit all dem Schindluder getrieben.

Die alles bestimmende Frage lautet:
Haben wir es mit einem gesunden Menschen oder mit einem Patienten zu tun?
In die HiFi-Welt übersetzt lautet sie:
Klingt unsere Anlage so toll wie sie klingen kann oder leidet sie unter vorhandenen Fehlerquellen?

Verdeutlichen wir die Parallelität zwischen HiFi-Zubehör und Medikamenten noch einmal durch eine kleine Geschichte, um es deutlicher zu machen, wann HiFi-Zubehör sinnvoll ist und wann nicht.

Stellen Sie sich vor, Sie betreten eine Apotheke, weil Sie ein paar Nasentropfen holen wollen. Plötzlich ertönt ein Tusch, ein Plakat rollt herunter, auf dem steht: Unser 1.000.000-ste Kunde!
Der Apotheker gratuliert Ihnen und teilt Ihnen mit, dass Sie heute probieren dürfen, was Sie wollen.

„Wir wäre es mit diesen Pillen hier, die sind gegen Darmblutungen!? Wirken auf der Stelle! Was halten Sie von Salbe gegen juckenden Ausschlag?  Soll ich Ihnen vielleicht ein kleines Potpourri zusammenstellen, so gegen Bluthochdruck, Übelkeit, Durchfall und Fußpilz?“

Was würden Sie dem Apotheker wohl sagen?
Also ich würde ihn sicher fragen, ob er noch ganz bei Sinnen wäre, denn schließlich würde ich diese Medikamente ja überhaupt nicht benötigen, weil ich die Krankheiten ja zum Glück alle gar nicht habe.

Und wie passt das Beispiel zur High-Fidelity?

Nun, ganz einfach:
Wir brauchen kein Zubehör, was Probleme beseitigt, die wir gar nicht haben!
Wessen Lautsprecher nicht diffus klingen, der braucht auch keine Spikes unter den Boxen, wer keinen zu fetten Bass hat, der braucht keine Schaumstoffkeile in den Zimmerecken und wer seine Komponenten nicht gerade auf Glasplatten gestellt hat, der braucht auch keine Geräte-Basen. Ausnahmen ausgenommen.

Trotzdem stürmen gerade die, deren Anlagen schon super klingen, in die Läden und kaufen HiFi-Zubehör, während die, deren Sound auf eine echte “Krankheit” schließen lässt, jedes Zubehörteil verdammen und es sogar verweigern, sich auch nur gedanklich mit solchen Themen auseinander zu setzen.

Brauchen wir jetzt einen HiFi-Arzt, der uns die richtige Medizin in der richtigen Dosis verschreibt, weil wir selber zu solch einer Einschätzung nicht fähig sind?
Verkehrt wäre das sicher nicht, aber für unsere eigene Weiterentwicklung wäre das ja wohl eher hinderlich, oder?

Zum Glück ist es so, dass HiFi-Zubehör keinen Schaden anrichten kann. Zwar kann es damit schlechter klingen als vorher, aber das lässt sich ja schnell wieder ändern.

Wer also braucht denn nun tatsächlich HiFi-Zubehör und welches?

Hierzu muss man wissen, dass es zwei Sorten von Zubehör gibt. Mit der ersten können wir vorhandene Fehlerursachen beseitigen und mit der anderen manipulieren wir den Klangcharakter.

Ein Beispiel für die erste Sorte ist die Gerätesicherung.
Seit Anbeginn der High-Fidelity-Zeit sind diese Sicherungen den Entwicklern ein Dorn im Auge, denn weder geht das Kamel durch ein Nadelöhr, noch passiert der Strom so eine Sicherung in der Art und Weise wie es erforderlich wäre, um gute Musik entstehen zu lassen. Welche Klangverbesserung an dieser Stelle möglich ist, könnte man herausfinden, wenn man die Sicherung mit einem Kabel überbrücken würde, was man allerdings tunlichst unterlassen sollte.
Einige Hersteller haben versucht, Geräte ohne Sicherungen zu bauen und sich dabei eine „blutige Nase“  geholt, weil so eine Sicherung ja nun einmal eine wichtige Sicherheitsfunktion zu erfüllen hat.

Ich bin deshalb unsagbar froh darüber, dass es Tüftler gibt, die sich über alle wirtschaftlichen Aspekte hinwegsetzen und ein Produkt wie die High-End-Gerätesicherung entwickeln, um damit dieses uralte Problem ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Und das alles durchaus im Bewusstsein, dass sie sich nicht nur Lob einhandeln, sondern auch Schimpf und Schande über sich ergehen lassen müssen. Weil sie für so eine Sicherung 20,- Euro verlangen, wo es doch schon 10 normale Sicherungen für einen Euro zu kaufen gibt. Und es sind die gleichen Freaks, die über diesen hohen Preis schimpfen, die über 50.000,- € für ihre Lautsprecher ausgegeben haben. Aus Prinzip eben und weil man den Sinn solch einer Sicherung nicht verstanden hat.
Bessere Gerätesicherungen? Für mich ein absolutes Muss! Und die Beseitigung einer Fehlerursache in so gut wie jeder HiFi-Komponente.

Ein Beispiel für die zweite Sorte sind Gerätefüße und -basen.
Kein Zweifel besteht daran, dass HiFi-Komponenten ihren Klang verändern, wenn man sie „auf was anderes drauf stellt“.

Ende der 80-er haben wir mal mit unseren Kunden einen Workshop durchgeführt. Hierzu gehörte auch folgender Test:
Eine Person hob dabei einen Vorverstärker an und ein anderer wechselte die Gerätebasis, während die Musik weiter lief. Die Unterschiede waren für jeden leicht nachvollziehbar.
Am besten hat es aber immer geklungen, wenn der Helfer das Gerät gerade angehoben hatte.  🙂

Bleibt festzuhalten, dass es mal härter, mal weicher, mal analytischer, mal diffuser geklungen hat. Die „Stellschrauben“, an denen man hier drehen kann, sind nicht zählbar. Material, Materialstärke, Materialmischung, Sandwichbauweisen, mit Spikes, mit Pucks, mit Gel, mit Luft …
Ein riesiges Experimentierfeld tut sich da auf. Und dann gibt es da noch die Komponenten, die gar nicht daran denken, anders zu klingen, nur weil sie „auf was anderes drauf gestellt“ werden.

Wie lautet also mein Rat?
Gehen Sie das „Pimpen“ Ihrer Anlage in zwei Schritten an:

Erster Schritt – Beseitigung von Fehlerursachen
Beseitigen Sie vorhandene Fehlerquellen wie die besagten Gerätesicherungen, schlechte Kabel, vor allem auch die Stromkabel, Stecker, Steckdosen, Stromverteiler …
Wenn Ihr Raum Probleme macht, werden Sie kein gutes Ergebnis hinbekommen, solange Sie das akzeptieren.
Fehlerquellen sind vergleichbar mit Krankheiten beim Menschen. Unser Ziel ist, für eine Gesundung zu sorgen, also die Beseitigung der vorhandenen Fehlerquellen.

Zweiter Schritt:
Jetzt geht es daran, das gute Ergebnis zu perfektionieren, indem Sie die Klangeigenschaften so manipulieren, wie sie Ihnen am besten gefallen.

Symbolisch gesprochen, sorgt hier also ein gesunder Mensch durch ausreichend Schlaf, Sport und der richtigen Ernährung dafür, dass er sich noch besser fühlt.
Wir passen also einen bereits guten Klang unserem Geschmack an.

Bei beiden Schritten lautet der allerwichtigste Rat:
Probieren Sie alles aus, was Sie ohne Kosten probieren können. Kaufen Sie nichts, was Sie nicht wieder zurückgeben können, leihen Sie es sich am besten und hören Sie ganz genau hin!
Eine Veränderung ist nicht immer eine Verbesserung!
Und was wir heute als Verbesserung empfinden, kann sich morgen doch wieder als falsch erweisen.

Doch haben Sie irgendwann etwas gefunden, was den Klang aus Ihrer Sicht –  nach Ihrem Geschmack  – verbessert, dann hören Sie auf Ihre Ohren und nicht auf die Stimmen, die Ihnen sagen wollen, dass dieses Bauteil den Preis nicht wert ist.

Seien Sie selbstbewusst und gehen Sie Ihren eigenen Weg, auch bei der Auswahl von HiFi-Zubehör.
Es ist Ihr Geld, Ihre Anlage, Ihre Musik.

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