High-Fidelity  – quo vadis?

High-Fidelity  – quo vadis?

Wir haben uns die Frage gestellt: “High-Fidelity – quo vadis?” Was passiert da gerade und wohin wird es uns führen?

Kann es sein, dass Sie auch gerade den Überblick über die zurzeit angebotenen HiFi-Geräte verlieren und die Frage nicht mehr beantworten können, welches Gerät man als Musikliebhaber im Jahre 2016 … nutzen muss, um damit „en vogue“ zu sein?

Welcher Typ sind Sie?

Kommt 2016 der endgültige digitale Durchbruch zu Ihnen ins Haus mit einem digitalen Vollverstärker, einem eigenen WLAN für HiFi, drahtlos arbeitenden aktiven Lautsprechern, von denen man mehr als 20 Stück im Haus verteilen kann, mit einem Streamer, einem Ripper und einem Musik-Server, der Ihre Musik zentral zur Verfügung stellt?

Oder sind Sie da eher der Fels in der Brandung und lassen sich von den tosenden Werbewellen nicht im geringsten beeinflussen?

So oder so hat die digitale Zukunft in viele Wohnungen schon längst Einzug gehalten.
Der Fernseher ist ein Smart-TV, mit dem man weitaus mehr anstellen kann als einfach nur fern zu sehen – und so natürlich auch Musik hören!
Daran hängt ein Apple-TV, ein Raspberry, eine Boxee-Box … irgend ein kleiner Kasten jedenfalls, der die Lücken auffüllen soll, die die Programmierer des Smart-TV noch gelassen haben.
Fast jeder besitzt heute wie selbstverständlich ein Smart-Phone, ein Tablet, ein Notebook, einen PC …
Und auch mit diesen „Devices“ kann man Musik hören.
Rund um die Uhr und überall, also auch unterwegs.

Es geht nicht mehr ums Können!

Und schon lange geht es auch überhaupt nicht mehr ums Können.
Können – könnten wir.
Aber wollen wir auch?
Mit der Antwort auf diese Frage fühlen wir uns zunehmend überfordert.
Wollen wir?
Und wenn ja, was genau wollen wir?
Und wieso machen wir es nicht schon längst, wenn wir es doch könnten?

Was klingt denn heute noch wirklich gut?

Ich glaube, die Ursache dafür liegt darin, dass wir diesen neuen Dingen nicht so recht über den Weg trauen, wenn es um die Bewertung ihrer klanglichen Qualitäten geht und schon lange nicht mehr wissen, was eigentlich noch gut klingt und was nicht.

Ach, wie schön einfach war es doch noch vor gar nicht so langer Zeit.
Analog? Der eine so der andere so.
CD? Ja logisch! Was sonst?

Wenn ich mich heute mit jungen Kunden unterhalte, stelle ich fest, dass sie keine einzige LP besitzen.
Das ist nun einmal so.
Aber was mich wundert: Sie haben auch keine einzige CD mehr!
Nicht einmal einen CD-Player!
Außer natürlich diesen “BluRay-DVD-CD-MP3-Dingsbums-Alles-Player-Brenner-und-Sauger”, der am Fernseher hängt.

Sie hören Musik digital und mobil.

Ohne Zweifel hat sich dabei das MP3-Format durchgesetzt. (MP3 ist die Kurzform von „MPEG-1, Layer III“, wobei MPEG für Moving Picture Experts Group steht)  MP3-Dateien sind klein, nehmen also wenig Speicher weg und lassen sich blitzschnell übertragen.
Die Theorie lässt aber keinen Zweifel daran aufkommen, dass MP3-Dateien eine ziemlich miserable Klangqualität haben müssen. Alles, was man einer Sound-Datei Böses antun kann, das hat man ihr auch angetan.
Man hat ihre Informationen heruntergerechnet, komprimiert, reduziert – kurz:

MP3 ist mit Kartoffelbrei-Pulver zu vergleichen.

Und so traurig, dass man darüber fast schon wieder schmunzeln muss, ist eine zweite Analogie zum Kartoffelbrei-Pulver:
So wie unsere Kinder keinen selbstgemachten Kartoffelbrei mehr mögen, empfindet die Generation, die mit MP3 herangewachsen ist, den Klang der MP3-Datei einer CD gegenüber als deutlich besser. Langjährige Studien an verschiedenen Universitäten beweisen dies. Immer mehr Menschen haben sich so sehr an den MP3-Sound gewöhnt, dass sie diesen Klang subjektiv für besser halten und den CD-Klang als „seltsam“ ablehnen.

Aber dies ist nicht die einzige Kröte, die die CD-Produzenten derzeit zu schlucken haben. Die zweite kommt in Form von FLAC-Dateien daher.  (Free Lossless Audio Codec]

Und die ist eine so fette Kröte, dass man zurecht bezweifeln darf, dass die CD sie heruntergewürgt bekommt.

Hinweis:  Lesen Sie mehr über digitale Formate unter:  https://audiosaul.de/auralic-mini/ 

Jedenfalls frage ich mich an dieser Stelle, ob nun so eine FLAC-Datei, die ich aus dem Internet heruntergeladen habe, ob die nun besser oder schlechter ist, als meine CD.

Ich schaue also beispielsweise mal bei acousticsounds.com vorbei, einem der vielen Download-Anbieter von FLAC-Dateien – und entdecke sofort zwei gute alte Bekannte: Simon & Garfunkel Greatest Hits und Getz/Gilberto, das Album mit dem berühmten Song „The girl from Ipanema“. Die erste Scheibe stammt aus dem Jahre 1972, die zweite ist aus den 60-ern. Beide Masterbänder stammen also noch aus der rein analogen Ära.
Und beide Alben habe ich als LP und die Simon & Garfunkel sogar auch als CD. Alle Songs finde ich heute auch auf Spotify im MP3-Format.
Nun kann ich sie hier bei acousticsounds.com für jeweils 24,98 Dollar downloaden und ich frage mich gerade,
für wie bescheuert man mich eigentlich hält?

Wie oft muss man die gleiche Musik denn noch kaufen?

Erst hab ich 20,- Mark für die LP bezahlt, dann 20,- Euro für die CD, nun drücke ich schon jeden Monat 10,- Euro für Spotify ab und möglicherweise bald auch noch 20,- Euro monatlich für den Zugang zu einem High-Res-Audio-Portal und am Ende soll ich mir hier für 24,98 Dollar genau die gleichen, uralten Songs noch einmal als FLAC-Dateien herunterladen?
Und nächstes Jahr dann vielleicht noch einmal für 36,- Euro als „MQA“ oder wie?

Wobei ich ja den FLAC-Anbietern mit meiner Schimpferei zugegebenermaßen Unrecht tue.
Die CD hätte ich mir sparen sollen.

Aber da haben wir doch das Problem.
Es ist ja nicht nur der „Kampf der Formate“.
Das alles dehnt sich ja auch auf die Komponenten aus.
Downloaden oder streamen kann ich doch durchaus mit meinem Smartphone oder dem Tablet. Ich streame es über eine „kleine Kiste“ oder einen Bluetooth-Eingang zu meiner Anlage.
Das ist die einfachste und billigste Variante.
Genau das gleiche kann ich jetzt aber auch mit einem 18.000,- Euro High-End-Streamer vollziehen.
Und ich frage mich:
Kann ich nun zum Downloaden ein preisgünstiges Gerät verwenden und erst beim Abspielen das Signal von einem High-End-DA-Wandler wieder rekonstruieren lassen und alles klingt toll, weil es ja nur auf den DA-Wandler ankommt oder brauche ich auch schon einen 18.000,-Euro Streamer/Downloader?

Schon habe ich die ersten Kunden, die mit einem speziell „getunten“ Notebook ausschließlich über Akku-Betrieb und nur zu ganz bestimmten Tages- äh wohl mehr Nachtzeiten die Dateien downloaden, weil sie sonst nicht „gut genug“ sind.

Gespeichert wird das alles auf einer SSD, weil ja bei einer normalen Festplatte wieder der mechanische Lesevorgang zum klang-endscheidenden Faktor wird, oder?

Macht der Kunde das alles wirklich mit? Geht es mit uns in diese Richtung?

Richtig teure Musik-Server – (ich meine richtig teure!) – brauchen bis zu 20 Minuten, um eine CD einzulesen, zu rippen, zu taggen …
Ich habe ausgerechnet, dass ich dabei etwa 2 Jahre brauche (mit Urlaub und so) , um alle meine CDs einzulesen.

Und danach habe ich sie dann im Format 44,1 kHz bei 16 Bit auf einer Festplatte.
Eben im CD-Format, was sich gerade irgendwie den Ruf einhandelt, nur „zweite Wahl“ zu sein.
Die teuren Musik-Server können da heute schon mehr!
Manche Server bieten mir deshalb an, meine CDs auf 192 kHz hoch zu rechnen.
… also einfach eine Qualität zu erfinden?

Also Kartoffelbreipulver für 89 Cent die Tüte lasse ich mir ja gefallen – zuhause, mal eben schnell wieder angerührt – mit einem Stich guter Butter dran, da kann man es durchaus mal essen – aber ich lass mir doch nicht in einem 5-Sterne-Restaurant für richtig viel Geld zeigen, was ein Koch-Künstler aus Kartoffelbreipulver alles zaubern kann, oder hab ich da die falschen Ansichten?

Beschreibe ich hier eigentlich gerade den winzig kleinen High-End-Markt, der ja schon immer verrückt war, oder gilt das auch schon alles 1:1 für den Konsumer-Markt?

Was sagt denn unsere „Industrie“ zu diesem Thema?

Die Unterhaltungselektronik-Industrie steckt in einer Krise. Lassen sich doch neue Geräte nur dann an den Mann bringen, wenn man ihm klar machen kann, dass seine alten Geräte nicht gut genug sind.
Das allerdings zwingt sie dazu, dem Kunden das Qualitätsmerkmal schlechthin “in CD-Qualität” weg zu nehmen und sich selbst als Lügner zu bezichtigen.
So scheinen sich die Hersteller darin einig zu sein, den Mund zu halten und den Verbraucher ganz von allein dahinter kommen zu lassen.
Die High-Ender wissen es bereits, der Konsument interessiert sich zum Glück nicht so sehr dafür.
Aber auch er wird es irgendwann schon noch merken.

Schlecht hören kann man ja auch schon mit dem Handy gut!

Ja, der Industrie spielt es derzeit gut in die Karten, dass der moderne Mensch praktisch alles mit seinem Smartphone machen will, also auch Musik hören. Zum mobilen Streamen eignet sich sowieso nur das MP3-Format und damit ist ja alles in Butter, oder?

Der Mensch ist Jäger und Sammler.

Wie kommt er in einer rein digitalen “Online-Musik-Welt” zurecht – so ganz ohne Trophäen?

Und wie stellen Sie sich persönlich Ihre Zukunft und die Ihrer HiFi-Anlage vor?
Machen Sie da mit, bei diesen Neuentwicklungen, halten Sie an dem fest, was Sie haben, oder gehen Sie gar einen Schritt „zurück in die Zukunft“ und kaufen sich doch wieder einen Plattenspieler?
Lassen Sie uns doch an dieser Stelle mal gemeinsam eine allgemeine „Standortbestimmung“ durchführen.

Rückblick

Im Jahr 1980 noch
… sah die HiFi-Welt ziemlich aufgeräumt aus.
Den Kern einer „Stereoanlage“ bildeten der Verstärker und die Lautsprecher. Als „Quellen“ gab es den Plattenspieler und den Tuner, also das Radio.
Lediglich zum Aufnehmen musste man sich entscheiden, ob man mehr der Kassetten-Typ war oder sich eines von diesen „fetten“ Tonbandgeräten zulegen wollte.

Ein paar Jahre später fand dann das „Erdbeben“ unter dem Namen CD statt.

Die LP und der Plattenspieler waren von da an „altes, überflüssiges Gerümpel“.
Noch weniger wert (falls das überhaupt geht) war alles, was mit dem Kassettenrekorder oder den Bandmaschinen zu tun hatte.

Das digitale Format mischte sich nämlich auch schon bald in das Thema „Aufnehmen“ ein und der Markt bescherte uns einige mehr oder weniger segensreiche digitale Erfindungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt hätten die großen Entwickler erkennen müssen, dass der Kunde nicht bereit ist, jeder Fahne hinterher zu rennen, nur weil sie heftig geschwenkt wird.
Dabei waren sie selbst so kurzsichtig, uns zunächst digitale Aufnahme-Medien anzubieten (z.B. die DCC), bei denen der größte bisherige Nachteil der analogen Medien erhalten blieb – nämlich diese nervende Vor- und Rückspulerei.

Wo hören wir eigentlich Musik?

Der typische Verbraucher hört seine Musik an unterschiedlichen Orten. Hauptsächlich jedoch zuhause und im Auto.
Will man ihn zu einem Formatwechsel „verführen“, muss man ihm nicht nur das neue Equipment fürs Wohnzimmer anbieten, sondern auch eine Lösung fürs Auto.
Und da hatten wir eben unsere Kassetten.
Das schöne an der Kassette war doch, dass sie „billig und robust“ war.
Sie durfte im Fahrgastraum herumfliegen, beim Öffnen der Tür herausfallen, nass regnen, geklaut werden …
Aber wer wollte schon eine Kassette klauen?
Sie konnte ja jederzeit ersetzt werden und hatte einfach keinen Wert. Jedenfalls nicht die Kassette, die wir fürs Auto aufgenommen hatten.
Sollte man sich jetzt etwa ein neues Autoradio für teure digitale Kassetten oder Mini-Discs kaufen?
Also ganz ehrlich – ein solcher Schritt stand doch wohl niemals zur Debatte, oder?

Erst als die Seifenblase vom „Märchen von den staub- und keimfreien Laboratorien“, ohne die  angeblich eine CD niemals herzustellen sei, in Form von 40,- Euro-CD-Brennern zerplatzte, die man per USB an seinen eigenen PC anschließen konnte, gab es ein neues Medium fürs Auto:
Die CD – und hier eben vor allem die selbst gebrannte CD.
Alles, was wir über die Kassette gesagt haben, traf nun auch auf dieses Medium zu. Der Rohling war ziemlich wertlos, jederzeit ersetzbar und damit genau richtig fürs Auto.
Über die LP und den Plattenspieler sprach niemand mehr – bis auf ein paar Unbelehrbare, „ewig Gestrige“.

Und so hätte es eigentlich auch wunderbar weitergehen können, wenn nicht die Zeit so dreist gewesen wäre, voran zu schreiten und mit ihr der „technologische Fortschritt“.
Erst etablierte sich der Computer und dann auch noch das Internet.
Vor allem der zweite Punkt eröffnete uns heute gleich mehrere unterschiedliche Optionen und sorgt aktuell dafür, dass sich selbst eingefleischte HiFi-Freaks unsicher werden.

Zurück in der Gegenwart

Neben dem Besitz unserer gekauften Medien, in welcher Form auch immer, öffnet uns das Internet gerade die Tür zu einer Musik-Menge in unvorstellbarem Ausmaß. Und vieles davon völlig kostenlos.
Geben Sie den Titel von irgendeinem Song bei youtube ein – ich denke, Sie werden ihn finden. In mehreren Interpretationen, mit schönen Fotos hinterlegt, als Konzert-Mitschnitt, unplugged – wie auch immer.
Wem das nicht reicht, der richtet sich ein kostenpflichtiges Konto bei einem der Musikportale ein.
Spotify, Deezer, Apple Music, TIDAL HiFi, Qobuz, Amazon Primemusic, Napster, rdio, Soundcloud, XBox Music, Google Music, Baboom, rara, Juke mymusic, und jetzt auch noch ALDI life.

Hab ich einen vergessen? Ganz sicher! Denn es scheint sich gut Geld verdienen zu lassen mit diesen Portalen. Doch wer erhält das viele Geld? Die Musiker sehen jedenfalls nicht sonderlich glücklich aus dabei.

TIDAL HiFi, der Nachfolger von WIMP, wirbt mit dem FLAC-Format. So ein FLAC-Download hat den Vorteil, dass uns nun kein billiger und schlechter CD-Spieler mehr einen Teil der auf der CD vorhandenen Klangqualität vorenthalten kann.

Zum Digitalisieren unserer LPs, Kassetten und Tonbänder brauchen wir dann noch einmal die ehemaligen Abspielgeräte, die wir uns zumindest so lange leihen müssen, bis alles digitalisiert und auf unserem zentralen Musik-Server abgelegt ist.
Den müssen wir dann Nacht für Nacht auf einen zweiten Speicher sichern, damit wir nicht eines Tages mit einer kaputten Festplatte oder einem gestohlenen Musik-Server dastehen und alles „weg ist“.  Das wäre der GAU!
Versuchen Sie mal, von Ihrer Versicherung das Geld für monatelanges Rippen einzufordern!

Vielleicht haben wir ja aber Glück und „unsere Musik“ ist längst bei Spotify und Co. gelandet. Mit weniger Rauschen als wir es auf unseren Kassetten hören mussten, ohne Knistern, Knackser und ohne Cola in den Rillen; sogar ohne Rückstände von angetrockneten Nassfahrmitteln und …
ganz ohne Arbeit und Zeitaufwand. Sie ist einfach schon da!
Mit Informationen über den Interpreten, mit Hinweisen zu „ähnlichen Künstlern“ und mit der Möglichkeit, Playlisten zu erstellen, um auf die unterschiedlichsten Situationen vorbereitet zu sein. Party, Hintergrundmusik, Irischer Abend, Weihnachten mit Kindern, Schmusen …
Man muss so eine gut gefüllte Playliste nur starten und von da an macht sie Musik – so lange, wie Lieder in der Liste sind.

Das ist ohne Zweifel eine tolle Sache und ich kann und muss mich hier outen:
Ich nutze Spotify!

Bleibt die immer noch offene Frage nach der Qualität. Die MP3-Qualität ist aus meiner Sicht völlig ausreichend, um Künstler und Songs kennenlernen zu können.
Manche Alben gefallen mir aber so gut, dass ich die Musik kaufen will, um sie in einer noch besseren Qualität hören zu können. Welches Medium soll ich mir da heute kaufen? Soll ich es als FLAC downloaden? Reichen 24 Bit bei 96 kHz, müssen es 192 kHz sein oder noch viel mehr?
Oder soll ich es gar nicht kaufen sondern von TIDAL oder Qobuz streamen?

Fühlen Sie sich beim Lesen dieser Zeilen gerade auch so unwohl wie ich beim Schreiben?

Ich brauche eine Pause.

Bin zurück. Ich habe mir in der Pause den vierten Akt aus Verdis „Il Trovatore“ angehört (LSC-2617 Living Stereo 1962 mit Leontyne Price). Natürlich auf Schallplatte! Jetzt geht es mir wieder gut.

Und beim Hören habe ich doch tatsächlich etwas wiedergefunden, was mir in diesem Beitrag bislang völlig gefehlt hat:

Den Aspekt der Wertigkeit.

Mal so am Rande:
Wenn Sie sich auf einen besonderen Anlass vorbereiten, wechseln Sie dann Ihre Armbanduhr? Haben Sie für so etwas ein paar besonders edle Schuhe im Regal stehen? Gibt es da einen edlen Tropfen in Ihrem Schrank, den Sie sich nur zu solchen Anlässen gönnen?

Welche Wertigkeit kann eine Musik besitzen, die wir überall und zu jeder Zeit vor uns hin dudeln können?
Mit welchem Gefühl höre ich einen Song, der auf meinem NAS liegt und von dem ich noch zwei Kopien besitze, weil ich mich vor einem Festplatten-Crash schützen will?

Oder reicht es schon, wenn die Musik an sich eine Wertigkeit besitzt?
Muss Musik überhaupt eine Wertigkeit besitzen?
Muss das Medium eine Wertigkeit besitzen, das die Musik in sich oder auf sich trägt?

Die LP, die ich gerade gehört habe, die knistert schon hier und da – sie ist nicht mehr so wie sie mal war.
Sie ist älter geworden.
So wie ich.
LPs sind genau so vergänglich wie wir.
Die Zeit nagt an Ihnen, aber sie verknüpft sie auch mit Erinnerungen. Wenn wir eine LP-Hülle in die Hand nehmen, sehen wir es wieder vor unseren Augen, wie das damals war, als wir sie geschenkt bekommen haben, als wir sie nach dem Konzert in Berlin vom Interpreten selbst gekauft haben.

Das Inlay mit den Texten haben wir in den ersten Tagen verschlungen, bis wir alle Texte auswendig kannten. Hier und da haben wir vielleicht etwas hinein gekritzelt. Wir wissen oft noch ganz genau, wann und mit wem wir die LP gehört haben.
Irgendwie fühlen wir uns mit ihr verbunden.

Es ist unsere LP.

Besitzen wir eine Kopie von ihr? Haben wir sofort für eine Redundanz gesorgt? Muss so etwas sein?

Gibt es etwa von uns selbst eine Kopie?
Oder von den Menschen, die wir lieben?
Wäre eine Redundanz unserer Person erstrebenswert?
Wenn der eine von uns zu müde ist noch auszugehen, schnappen wir uns eben den anderen? Der ja noch „frisch im Schrank steht“?
Ich rede Unsinn, zugegeben.

Dabei hatte ich Ihnen ja versprochen, Ihnen dabei zu helfen, sich nach dem Lesen dieses Beitrags besser mit diesen ganzen Geräteangeboten auszukennen, die es schon gibt und die noch auf uns zukommen werden.
Und genau das will ich jetzt auch wieder tun.

Denn die Lösung ist eigentlich ein Kinderspiel. Wir müssen nur verstehen, dass wir uns der Musik auf zwei unterschiedliche Arten nähern können:
Konsumieren oder genießen.

Über das Konsumieren brauchen wir überhaupt nicht die Nase zu rümpfen – das ist doch gar nichts schlechtes!
Im Radio, im Auto, beim Joggen, im Garten … wir alle konsumieren Musik, weil wir Musik mögen.

Und genau dafür sind diese neuen Musik-Portale neben dem klassischen Radio wirklich toll.
Welches von ihnen Ihre Zuneigung findet, das ist reine Geschmacksache. Dem einen gefällt die eine  „Oberfläche“ besser dem nächsten eine andere. Der eine will es so billig wie möglich, der nächste stellt höhere Ansprüche an die Qualität.
Und eines ist sicher: Je mehr wir darüber schimpfen, wie teuer Musik ist – umso mehr müssen wir diese Portale lieben.

30 Millionen Songs für 10,- Euro im Monat.  Billiger – hat es das noch nie gegeben!

Kurz und gut:
Ich möchte Sie dazu ermuntern, diesen Portalen eine Chance zu geben.

Schon allein die Möglichkeit, viele unbekannte Musiker kennen lernen zu können, ist den Monatsbeitrag ganz bestimmt wert. Und ob Sie das Portal unterwegs, im Büro oder nur zuhause am PC oder über die „gute Anlage“ nutzen oder ein Gemisch aus allem – diese Portale sind der richtige Weg hin zu neuer, toller Musik.

Erstes Fazit also:   Portale?  Ja, unbedingt!

Kommen wir zu den Streamern, den Rippern und den Musik-Servern, die es ja oft genug auch als Kombi zu erwerben gibt. Wer sich lieber sein eigenes Musikportal aufbauen möchte, mit einer Zusammenstellung aus seinen eigenen digitalisierten oder gerippten Medien, der kann das mit diesen Geräten tun, hat aber viel Arbeit vor sich.
Nach der Arbeit kann er alle seine LPs in den Hüllen und seine CDs in den Regalen stecken lassen und komfortabel z.B. über sein Tablet auf diese Musik zugreifen, um sie im ganzen Haus oder sogar unterwegs hören zu können.
Funktionieren tut das gut – ob man es braucht, muss man selber beurteilen.

Fazit:

Man muss das Schießpulver nicht verdammen, sondern richtig einsetzen.

Musik-Portale verschaffen uns den Zugang zu unvorstellbar viel Musik und der Umgang mit ihnen ist so komfortabel wie wir uns das immer erträumt haben. Wer es sich leisten kann, der unterstützt uns Musikliebhaber, indem er zu den Portalen mit den besseren digitalen Formaten wechselt, um für eine bessere digitale Zukunft zu sorgen und den Betreibern ein klares Zeichen zu senden.

Die Schallplatte erfüllt unsere Ansprüche an eine Wertigkeit, ohne die unser Leben jeden Glanz verliert.

Aber bei aller Liebe zur Schallplatte, die ich ganz sicher in meinem Leben nie verlieren werde, muss man zurzeit am Ende eines erkennen:

Das Original eines jeden Albums ist nun einmal das Masterband.

Bei der Schallplatte verwenden wir es, um es 1:1 auf ein analoges Medium zu pressen.
Bei der CD mussten wir den Inhalt des Masterbandes so lange misshandeln, bis die Datenmenge klein genug war, um auf eine silberne Scheibe zu passen.
Doch der Download einer High-Res-Audio-Datei bringt uns das Masterband quasi im Original zu uns nach Hause.

Das hat es so noch nie gegeben!!
Und schon gar nicht für 10,- Euro, wie diese Alben heute schon angeboten werden.

Also ich weiß jetzt, was ich machen werde:
Unterwegs höre ich MP3.
Zuhause streame ich meine Playlisten in CD oder HighRes-Audio-Qualität.
Besonders gute Aufnahmen kaufe ich als Download in Masterbandqualität und speichere sie auf meinen NAS oder Server.
Und wenn mir mal der Sinn nach etwas ganz besonderem steht, dann lege ich eine meiner Lieblings-Schallplatten auf und gönne mir dabei einen guten spanischen Rotwein.

Ich glaub, es ist grad schon wieder so weit.
Wo zum Teufel ist denn jetzt wieder der Korkenzieher hingekommen?
🙂

 

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