MQA- doch nicht das Klangparadies

MQA, doch nicht das Klangparadies

MQA, doch nicht das Klangparadies

“Jetzt müsste man Mäuschen spielen dürfen …”

Es bewegt sich gerade sehr viel rund um das Thema MQA  — leider hinter verschlossenen Türen.

Der Schock der Woche:

Die Brüder Frank und Lothar Kerestedjian aus Berlin haben die Tore in ihrem Portal highresaudio.com für MQA erst einmal wieder geschlossen. Das öffentliche Statement hierzu wurde allerdings nach kurzer Zeit wieder von der Seite genommen.
Nun können wir Mutmaßungen anstellen und dabei unserer Phantasie freien Lauf lassen.
Kurzzeitig war zu lesen, dass man die Qualität einer MQA-Datei bei highresaudio.com subjektiv als „nicht besser“, ja sogar als „schlechter“ bewertet, dass MQA nicht verlustfrei arbeitet und noch dazu jede Möglichkeit fehlt, MQA zu messen oder überhaupt auch nur zu belegen.

highresaudio.com führt seit jeher umfangreiche Messungen durch, um weder irgendwelche Mogelpackungen einzukaufen, noch an seine Kunden weiter zu reichen.
Da war es nur eine logische Folge, dass man keine MQA-Dateien anbieten will, die vielleicht gar keine MQA-Dateien sind. Zumal das ja auch unter Umständen erhebliche rechtliche und damit finanzielle Folgen nach sich ziehen könnte.

Dennoch, die Entscheidung bei highresaudio.com gegen MQA ist schon ein heftiger Tritt zwischen die Beine des Unternehmens.
Allerdings kann man auch das Auftreten von MQA derzeit nur als ziemlich provokant und fast schon überheblich bezeichnen.

Hier mal eine Metapher, um das zu erläutern:
Seit der „Erfindung“ von digitalen Sensoren für Fotokameras werden diese fortlaufend verbessert.
MQA stellt sich nun her und behauptet im übertragenen Sinn:  „Alle bisherigen Sensoren arbeiten fehlerhaft! Aber durch unser MQA-Verfahren erhalten wir zum ersten mal natürlich wirkende Bilder!
Und das erreicht man bei der kamerainternen Umwandlung vom RAW-Format zum JPEG.
Das allerdings funktioniert nur mit neuen Sensoren.
Nämlich solchen, die eine MQA-Lizenz besitzen.
Und deshalb kann man das Wandeln auch nicht mehr länger Lightroom und Co. erlauben!
Es sei denn, die erwerben die MQA-Lizenzen und sind auf Computern installiert, deren Prozessoren und Chips allesamt eine MQA-Lizenz besitzen.
Eine 100,- €-Einsteiger-Kamera mit MQA liefert laut MQA ab sofort bessere Bilder als das Profi-Flaggschiff ohne MQA!
Na, da ist es ja nur gut, dass man das Profi-Flaggschiff ganz bestimmt auch bald in der MQA-Version kaufen kann.
Damit auch deren Bilder dann “natürlicher” aussehen.

MQA = Des Kaisers neue Kleider?

Wieder zurück in der HiFi-Welt heißt das, dass sich weder die Auflösung noch die Abtastrate durch MQA verbessern. Alles, was man uns verrät ist, dass man bei MQA eine andere Filtereinstellung wählt.
Eine Einstellung, die die bisherigen Wandler-Chips angeblich überhaupt nicht beherrschen, weshalb man neue braucht.

Daran melden einige Fachleute arge Zweifel an.

Genau deshalb fordern sie, dass man bei MQA jetzt mal endlich die Dollarzeichen aus den Augen nimmt und stattdessen den Chip- und Geräteherstellern diese Filtereinstellung offen legen soll, damit diese dann neben „Präzise“, „Sanft“ oder „Balance“ zukünftig eben auch die anwählbare Einstellung „MQA“ integrieren können. Um so dem Besitzer selbst die Entscheidung zu überlassen, ob er es als besser oder schlechter empfindet und nutzen will oder nicht.

Ob das so technisch möglich wäre – vermag ich nicht zu sagen.
Ich weiß nur, dass es aus meiner Sicht eine faire Vorgehensweise wäre.

Aber MQA verweigert ja sogar Herstellern die Lizenz, die eine MQA-De-Kodierung im Streaming-Client vornehmen, wodurch dann jeder x-beliebige DAC die MQA-Dateien wandeln und wiedergeben könnte. (siehe:  http://support.auralic.com/hc/de/articles/222512427-Wird-AURALiC-in-Zukunft-MQA-unterstützen- )
Heißt das nicht einfach, dass jeder (!!!) auf dem Markt befindliche DAC MQA-Dateien wandeln kann, wenn man ihm nur vorweg einen MQA-Dekodierer spendiert?
Diese Möglichkeit aber durch Lizenz-Verweigerung zu verhindern kann doch nur einen einzigen Zweck verfolgen:
Man will Geld verdienen und allein deshalb die Verbraucher dazu zwingen, sich neue Geräte kaufen zu müssen, die sie sich tatsächlich überhaupt nicht kaufen müssten.
Und das ist ja auch das stärkste Argument, mit dem man die Geräte-Hersteller auf seine Seite holen will:  Geld!  Viel Geld!
Selbst die HiFi-Redaktionen dieser Welt stellen sich ja schon auf eine Unmenge neuer Tests ein und sind ihrerseits natürlich ebenfalls von MQA begeistert. Jedenfalls die Redaktionen, die  kommerziell ausgerichtet sind.

Einfach auf MQA upgraden?

Viele Gerätehersteller setzen schon lange auf eine Upgrade-Fähigkeit ihrer Hardware. Neue Filtereinstellungen wären also ohne Neukauf und ohne ein aktives Eingreifen „automatisch über Nacht“ zu integrieren. Doch mit MQA geht das angeblich nicht! Man braucht zwingend neue Hardware. Sowohl im Tonstudio als auch zuhause.

So eine – mit MQA-LED!

Erst wenn sie leuchtet – ist Weihnach – äh Quatsch – hören wir Musik in Vollendung.
Alle Entscheidungen der Musik-Industrie und Hardware-Hersteller beruhen – das vermute ich –  auf der Angst, einen wichtigen Zeitpunkt und eine riesige Chance zu verpassen. Man integriert deshalb vorsichtshalber MQA und man will diese LED – aber man lehnt sich andererseits irgendwie auffallend wenig für MQA aus dem Fenster.

Ist das so wie das Gebet eines Ungläubigen im Sterbebett?
„… kann ja nicht schaden!“?

Aber will der Markt MQA überhaupt?

Wollen wir es?
Spätestens wenn wir uns mal mit Schätzungen befassen, muss man sich fragen, was denn eigentlich wirklich hinter MQA stecken könnte.
Ich sage jetzt einfach mal (vielleicht kennt ja jemand die echten Zahlen), dass 80% der Verbraucher in Europa mit MP3 gut zufrieden sind und nicht einmal ein Interesse an HighResAudio haben. Spotify und Co. machen ihre Arbeit gut und es macht Spaß damit Musik zu hören.
Von den restlichen 20% lehnen derzeit noch etwa 18% alles ab, was irgendwie mit Computer, Internet, Download oder Portalen zu tun hat. Man setzt nach wie vor auf die CD oder die LP – basta.
Bleiben 2%, die sich gerade mit dem Thema Streaming von HighResAudio-Dateien auseinander setzen oder bereits solche Geräte gekauft haben.
Und selbst wenn wir jetzt einmal davon ausgehen, dass alle (!!) Besitzer von Streaming-Komponenten sofort auf MQA umsteigen, sobald sie einmal hören konnten, dass es wirklich besser ist, dann reden wir immer noch von lediglich 2% des Marktes!
Und ich werde dreist und verdreifache diese Zahl nun einfach mal – lande damit also bei 6%.

Ohne jemals zu irgendeinem Weltkonzern gehört zu haben, kann ich doch vermuten, dass ein Manager, der für diese 6% große Beträge in die Hand nimmt und sich dabei auch noch von anderen abhängig macht, wohl morgen schon auf dem Arbeitsmarkt zu haben sein wird, oder?.
Also entweder haben Firmen wie Warner und Universal das MQA-Format zum „Anfüttern“ geschenkt bekommen, oder die wissen etwas, was wir noch nicht wissen.
Denn wie man es auch betrachtet – MQA ist nur dann kommerziell interessant, wenn man damit „in die Breite gehen“ kann. Die größte Überzeugungsarbeit dürfte dabei wohl diese „doofe“ (Entschuldigung) MQA-LED übernehmen müssen.
Mit der kann der Käufer wunderbar seinem Schwager signalisieren: “Jetzt wird es gleich richtig gut! Und mit Deinen Geräten ohne MQA-LED bist Du aber mal so richtig von gestern!”

So eine MQA-LED zieht „in der Breite“ ganz sicher. Und schon bald wird es sie vermutlich aus Fernost für alle Geräte nachzukaufen geben.

Nur eines passt dabei überhaupt nicht:

Diese „Breite“ hört MP3 und nicht HighResAudio!
Und die „Breite“ hört schon keinen Unterschied zwischen MP3 und CD!
Wie will man diesen Kunden denn ein angeblich noch besseres Format verkaufen als HighResAudio?

Nein, so wird das ganz bestimmt nichts mit der „Breite“ als Zielgruppe!

Der Hammer wäre deshalb, gäbe es MQA auch für MP3 und damit auch für unterwegs!

Eine MQA-MP3, die angeblich besser klingt als eine 24 Bit/192KHz-HighResAudio-Aufnahme! Geil!
Eine „Masterband-MQA-MP3“, bei der die MQA-LED an unserem Smartphone so hell leuchtet, dass alle anderen in der U-Bahn sie sehen können!
Zugegeben – das wäre wirklich etwas für die „Breite“ und das Weihnachtsgeschäft 2017 könnte kommen!

Uhps – hab ich MQA da gerade etwas vorweg genommen?
Oder auf eine Idee gebracht?
Wir werden es sehen.

Meine derzeitige Empfehlung zu MQA?

Nun, um es mit Anke Engelke zu halten:  „Aufpassen!“ 🙂

Aber – wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es sicherlich, dass es mit MQA irgendwie doch funktionieren würde. Aus einem ganz einfachen Grund:

Zurzeit streamen wir zuhause in CD-Qualität (16 Bit, 44,1KHz). Schöner wäre es, wenn wir jede (!) Aufnahme in der besten zur Verfügung stehenden Qualität, also eben auch als 24Bit/192KHz streamen könnten, oder?
Alle Titel – und nicht nur die, die wir „gekauft“ haben.

Kaufen und Downloaden ist von gestern. Wir wollen streamen!

Und wenn mir da jetzt jemand sagen würde, dass die Datenmengen dafür zu groß wären und MQA hier helfen könnte – und dass dann auch alles wirklich besser klingen würde – und man so eine MQA-Datei auch testen könnte, damit man uns nicht anschmieren kann – und wenn sich MQA damit zufrieden geben würde, an so kleinen Dekodierern als Zusatzgeräte zu meiner bestehenden Hardware zu verdienen – ich also meinen Gerätepark behalten darf – dann wäre MQA durchaus auch etwas für mich.

Ja ja – ich hör ja schon auf zu träumen.

Die drahtlosen Verbindungen des Auralic Altair

Die drahtlosen Verbindungen des Auralic Altair

Die drahtlosen Verbindungen des Auralic Altair

Hinweis:
Bluetooth ist ein geschütztes Markenzeichen von Bluetooth SIG, Inc.
AirPlay® , iPAD und iPOD sind geschützte Markenzeichen von  Apple Inc.
Songcast ist eine Open-Source Software von oss.linn.co.uk
Roon ist ein geschütztes Markenzeichen von Roon Labs LLC a New York Limited Liability Company

In diesem Bericht geht es um die Nutzung der „drahtlosen“ Schnittstellen eines Auralic Altair.
(Der Mini verfügt über eine eingeschränkte Konnektivität)

Wichtiger Hinweis!
Um die drahtlosen Verbindungen verwenden zu können, muss sich der Altair zwingend im Streaming-Betrieb befinden.
Sollten Sie ihn soeben im reinen DAC-Betrieb als Wandler für eine digitale Quelle verwenden, sind alle Streaming-Module heruntergefahren. Das geschieht, um den DAC nicht bei seiner Arbeit zu stören und somit die Voraussetzungen für einen bestmöglichen Klang zu schaffen.
In dieser Betriebsart stehen aber trotz einer möglicherweise korrekten Konfiguration die drahtlosen Verbindungen nicht zur Verfügung.

Auralic Display Streamingbetrieb

Auralic Display Streamingbetrieb

Am einfachsten drücken Sie dafür auf der Fernbedienung die Taste „iPOD“ – damit starten Sie den Streaming-Betrieb und die Module für die drahtlosen Verbindungsarten. Bis der Altair den Streaming-Betrieb wieder „hochgefahren“ hat, kann bis zu einer Minute vergehen. Sie erkennen die Bereitschaft des Altair an der Anzeige im Display. (siehe Grafik links)

Bluetooth wireless technology

(Schulnote Klang: 3 bei gutem Quellmaterial)
Wichtig zu wissen:
Für die Bluetooth-Übertragung wird das Audiomaterial (falls erforderlich) komprimiert und entspricht danach etwa der Qualität einer MP3-Datei.
Der Empfang und die erforderliche Wandlung/Komprimierung der Original-Tonsignale in das Bluetooth-Format erfolgt durch das eingesetzte mobile Gerät (Sender). Der Altair (Empfänger) gibt also lediglich die Musikqualität wieder, die er vom Sender geliefert bekommt und kann sie in dieser Betriebsart nicht verbessern.

Herstellung der Bluetooth-Verbindung

Hierzu ist sicher zu stellen, dass im Konfigurationsmenü des Altair der Schalter „Bluetooth“ auf „on“ steht.
Der Bluetooth-Betrieb ist nicht auf IOS-Geräte beschränkt! Sie können also jeden beliebigen Bluetooth-Sender mit dem Altair verbinden. Hierzu gehen Sie in das Konfigurationsmenü Ihres mobilen Gerätes und stellen die Bluetooth-Verbindung zum Altair her. Befolgen Sie hierzu bitte die Anleitung des Geräteherstellers.
Sobald Ihr Gerät Ihnen den Status „verbunden“ anzeigt, dient Ihre Stereoanlage nun als Lautsprecher für alle Tonsignale, die Ihr Mobile-Device ausgibt. Sie können sowohl Musik aus den unterschiedlichen Portalen streamen als auch den Ton Ihrer Videos  über den Altair an Ihre HiFi-Anlage ausgeben.

Parallelübertragung von Bild und Ton:

Empfehlung:
Senden Sie Bild und Ton an einen Bluetooth-Empfänger (Set-Top-Box …) und verbinden Sie dieses Gerät zur Tonübertragung per Kabel (XLR, Coax, Toslink, USB)  mit dem Altair (für den Ton) und parallel dazu mit einem zweiten Kabel (z.B. HDMI) mit dem TV (fürs Bild).

Parallele drahtlose Übertragungen von Bild und Ton sind möglich, führen aber zu Verzögerungen. (Versatz der Mundbewegungen)

 

Airplay

(Schulnote Klang: 2 bei gutem Quellmaterial)

Format:  16Bit 44,1 KHz, höhere Auflösungen werden gesampelt.
Clock;  Es wird die Clock des Senders (z.B. iPAD, PC/MAC) verwendet.

Über Airplay übertragene Musikdateien sind in etwa mit der Wiedergabequalität einer CompactDisc zu vergleichen.

Wichtig zu wissen.
Der Empfang und die Wandlung der Original-Tonsignale in das Airplay-Format erfolgt durch das eingesetzte mobile Gerät (Sender). Möglicherweise steht die Musikwiedergabe im Airplay-Betrieb der Klangqualität im Auralic-Streaming-Betrieb um einiges nach.

Herstellung der Airplay-Verbindung

Zunächst ist sicher zu stellen, dass im Konfigurationsmenü des Altair der Schalter „Airplay“ auf „on“ steht.

Kontroll-Zentrum

Kontroll-Zentrum (rechtes Feld “Sie hören”)

An Ihrem iPAD wischen Sie nun vom unteren Displayrand das “Kontroll-Zentrum“  ins Display und schieben Sie das Menü ganz nach links, sodass Sie am rechten Bildschirmrand zum Bedienungsfeld „Sie hören“ gelangen. Hier finden Sie alle airplayfähigen Geräte aufgelistet. Tippen Sie dort den Namen Ihres Altairs an, warten Sie, bis die Verbindung aufgebaut ist und danach können Sie den Altair als Ihre Airplay-Brücke verwenden.

 

Sie können nun sowohl Musik aus den unterschiedlichen Portalen streamen, als auch den Ton Ihrer Videos  über den Altair an Ihre HiFi-Anlage ausgeben.

Parallelübertragung von Bild und Ton:

Empfehlung:
Senden Sie Bild und Ton an einen Airplay-Empfänger (Set-Top-Box …) und verbinden Sie dieses Gerät zur Tonübertragung per Kabel (XLR, Coax, Toslink, USB)  mit dem Altair (für den Ton) und parallel dazu mit einem zweiten Kabel (z.B. HDMI) mit dem TV (fürs Bild).

Parallele drahtlose Übertragungen von Bild und Ton sind möglich, führen aber zu Verzögerungen. (Versatz der Mundbewegungen)

 

Songcast (Linn)

(Schulnote Klang: 2 bei gutem Quellmaterial)

Format:  Max. 16Bit 44,1 KHz, höhere Auflösungen werden gesampelt.
Hinweis: Songcast selbst kann bis zu 24Bit/192KHz übertragen – die Betriebssysteme der PC/MAC limitieren derzeit noch das Format.
Clock;  Es wird die Clock des Senders (PC/MAC) verwendet und mit der des Empfängers synchronisiert.

Die Nutzung von Songcast setzt eine entsprechende Installation und Konfiguration der Software auf Ihrem PC/MAC voraus.
Eine Anleitung hierzu finden Sie unter:

http://support.auralic.com/hc/de/articles/206084348-Songcast-mit-Ihrem-Lightning-Gerät-nutzen
oder hier:
http://oss.linn.co.uk/trac/wiki/Songcast_4_2_DavaarManual

Songcast bringt Ihren PC/MAC dazu, seine Audiosignale nicht an die interne Soundkarte auszugeben, sondern über das Heimnetz den zur Verfügung stehenden Songcast-Empängern zuzustellen.
Hierdurch werden alle interne Sound-Bausteine in Ihrem PC/MAC übergangen und die für den Klang wichtigen Aufgaben an den Auralic Altair übertragen.

Parallelübertragung von Bild und Ton:

Über Songcast können nach meinem Kenntnisstand keine Bildinformationen übertragen werden.
Parallele drahtlose Übertragungen von Bild und Ton (über Bluetooth oder Airplay) sind möglich, führen aber zu Verzögerungen. (Versatz der Mundbewegungen)

Roon Advanced Audio Transport (RAAT)

(Schulnote Klang: 1 bei gutem Quellmaterial)
Format:  Max. 32Bit/ 192KHz, Mehrkanal.
Clock;  Es wird die Clock des Empfängers verwendet.

Die Nutzung der Roon-Software setzt eine kostenpflichtige Lizenzierung und die Installation der Server-Software (Core) auf einem leistungsfähigen PC/MAC oder einem geeigneten NAS voraus.  Die Server-Software muss den Geräten im Heimnetz jederzeit zur Verfügung stehen. Wird der PC/MAC von Ihnen nicht verwendet, muss er dennoch eingeschaltet und im Netz verfügbar sein.
Diese Aussage prädestiniert wohl eher einen NAS für diese Aufgabe, denn dieser steht uns ja in der Regel bereits aus anderen Gründen permanent zur Verfügung.
Als Musik-Quelle ist Roon aktuell auf Tidal und auf lokal gespeicherte Musiksammlungen begrenzt.

Parallelübertragung von Bild und Ton:

Über RAAT können nach meinem Kenntnisstand keine Bildinformationen übertragen werden.

Da Roon derzeit seine Musiksignale lediglich aus Tidal-Audio und aus lokalen Musik-Bibliotheken beziehen kann, eignet sich Roon nicht für eine parallele Bild- und Ton-Übertragung.

Roon und ELAC Discovery

Roon und ELAC Discovery

Roon und ELAC Discovery

Was haben Roon und ELAC Discovery miteinander zu schaffen?
Und was ist eigentlich Roon?

roon

roon

Wer mit dem Gedanken spielt, sich einen Streaming Client zuzulegen und dabei auf den ELAC Discovery stößt, der wird dabei auch zwangsläufig auf den Begriff „Roon“ treffen und sich möglicherweise die Frage stellen, was denn wohl hinter diesem Begriff stecken könnte.

Die Tatsache, dass eine „Lifetime-Lizenz“ für die Roon-Software mit 499,- USD zu Buche schlägt, lässt die einen frohlocken und die anderen die dollsten Spekulationen über die Anteile für Hard- und für Software anstrengen.

Tatsache ist, dass jeder, der Roon toll findet, damit bereits genug Argumente dafür gesammelt hat, sich einen ELAC Discovery und nicht „irgend einen“ Streamer zu kaufen.

Bleibt aber für die anderen immer noch die Frage offen:

Was ist denn dieses Roon überhaupt?

Beim ELAC Discovery ist es vor allem erst einmal die Bedienungssoftware für das Gerät.
In dieser Beziehung ist sie weder deutlich besser noch schlechter als die Apps, die wir so kennen, weshalb wir hier also keine hinreichenden Antworten finden.

ELAC_logo

ELAC_logo

Im zweiten Schritt ist dann jedoch erst einmal ELAC an der Reihe, für Roon etwas zu tun, nämlich ausreichend Rechenleistung zur Verfügung zu stellen.

Roon braucht da einiges, um zu funktionieren und ohne den ELAC Discovery wird man die zwingend erforderliche, zentrale Server-App (bei Roon „Core“ genannt) wohl  nur auf einem leistungsfähigen PC oder MAC installieren können, was dann aber wieder zwei weitere Fragen entstehen lässt:

Woher? – Wohin?

Woher – soll heißen:  Wo liegt denn die Musik?
Gehören wir zur „modernen Welt“, dann befindet sie sich auf einem USB-Stick, einer externen Festplatte, einem NAS oder online in einem Musik-Portal.
Roon kann mit all diesen Quellen umgehen und sie zu einer Bibliothek zusammenführen.
Das ist nicht selbstverständlich!

Wohin – soll heißen: Wer spielt denn die Musik?
Besitzen wir keinen ELAC Discovery und haben Roon auf dem PC/MAC/Laptop/MacBook installiert, dürften uns die dort intern verbauten „Quäker“ ganz sicher nicht zufriedenstellen. Also muss die Musik irgendwie an unsere Stereoanlage ausgeliefert werden, doch wie?
Die Lösung, unseren PC/MAC direkt oder über einen DAC an eine HiFi-Anlage anzuschließen, missfällt vielen Usern, denn der PC/MAC wird ja meist auch an anderer Stelle gebraucht – und er stört auch irgendwie die Optik.
Wir brauchen also früher oder später eine Komponente, die vom Design her in unsere Anlage passt, dort stehen bleiben kann und die so eine Roon-Server-Software (Core) bereits in sich trägt.

So ein Ding gibt es und es heißt ELAC Discovery  🙂

Was aber immer noch nicht die Frage beantwortet, was Roon ist und was an ihr jetzt 500,- USD wert sein soll.
Um das zu beantworten, können wir die gedankliche Verbindung zum Discovery hier erst einmal kappen. Die Antwort hat mit ihm nichts zu tun, wird nur noch einmal verdeutlichen, dass Roon als „Zugabe“ einen wirklich erstaunlichen Benefit mit sich bringt – jedenfalls für alle, die mit Roon etwas anfangen können.
Ob Sie mit Roon etwas anfangen können, beurteilen Sie am besten selbst nach folgenden zwei Kriterien:

“Focus”  (Blickpunkt)

Es gibt in Roon eine Such- und Filter Funktion, die sich hinter dem Button „Focus“ versteckt. Tippen wir darauf, öffnet sich ein neues Fenster, in dem wir verschiedene Möglichkeiten angeboten bekommen, die Musikauswahl einzugrenzen.

Most played
Hier können wir uns aussuchen, ob wir die 25, 50, 100, 250, 500 oder gar 1000 von uns meistgespielten Titel hören wollen.

Played in the last
Hier wählen wir zwischen den am letzten Tag, der letzten Woche, im letzten Monat, in den letzten 3 Monaten, … 6 Monaten, im letzten Jahr oder eben zu jeder Zeit von uns gespielten Titeln.

Import
Die gleiche Auswahl wird uns für das Import-Datum angeboten, also wann wir die Titel unserer Bibliothek hinzugefügt haben.

Released
Darunter finden wir eine Grafik, in der wir eingrenzen können, aus welchem Jahr die Titel stammen dürfen. Tippen wir darauf, öffnet sich ein kleines Fenster, in dem wir entweder durch Tippen auf „plus“ und „minus“ oder durch Verschieben der Balken, einen Zeitrahmen festlegen können. In Sekunden haben wir damit also in Verbindung mit der Genre-Auswahl eine „80-er Party-Musik“ zusammengestellt.

Genre
Rechts daneben geht es mit einer Kreisgrafik für das Genre weiter.

Durch einen Tipp auf den Pfeil nach rechts gelangen wir dann noch zur Auswahl zwischen
„Vorschläge“ (Picks),
„Lyrics“ (mit Songtext)
oder „Live“.

Zuletzt dürfen wir dann die Auswahl noch beschränken auf „Performers“ (Künstler), Composers“ (Komponisten), Production“ (Produzent),  Label (Das Plattenlabel), „Format“ (Dateiformat) und „Inspector“ (diverse Zusatzinformationen).
Jeweils nach einem Tipp auf die Kriterien werden uns die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten angeboten.
.
Wer also gerne Musik über Filter aussucht, wird von der Fokus-Funktion begeistert sein. Mehr Auswahlkriterien findet man siucher in keiner anderen App.

Credits
(Zugaben)

Kommen wir zum zweiten Punkt und damit wohl zu “dem” Argument, das den hohen Preis der Roon-App vollumfänglich rechtfertigen kann, nämlich den Zugriff auf die Datenbank der Musik-Redaktion, die sich hinter Roon verbirgt.
Ich schreibe das deshalb so deutlich, weil wir im direkten Vergleich – trotz des hohen Preises – leicht den Mehrwert der Roon-App erkennen können.

Haben Sie ein Abo für eine Musikzeitschrift?

Wenn Sie zu den Abonnenten einer Musik-Zeitschrift gehören, dann wird Sie dieses Abo in der Regel rund 60,- bis 70,- € im Jahr kosten.
Aber bekommen und haben Sie damit genau die Informationen, die Sie suchen?

Roon funktioniert so, wie die heutige Welt funktioniert.

Wir erhalten Informationen nicht mehr nach dem veralteten Gieskannenprinzip, wobei wir immer nur einige Tropfen des Informationsüberflusses abbekommen und alles, was uns gerade nicht interessiert im Boden versickert und verloren geht.
Heute „rufen wir nur genau die Wassertropfen ab“, die wir gerade brauchen! In dem beruhigenden Bewusstsein, dass alle anderen Informationen auch da sein werden, wenn wir sie abrufen möchten.

Wenn Sie sich also z.B. mal wieder „Wish you were here“ anhören und wissen wollen, wer denn eigentlich das Saxophon so überzeugend gut gespielt hat, dann tippen Sie doch einfach auf „Credits“.
Möchten Sie herausfinden, an welchen Projekten der Schlagzeuger sonst noch mitgewirkt hat oder wer die Background-Sängerinnen waren?    … bei welchem Künstler sie heute mitsingen und ob es vielleicht sogar aktuelle Konzertdaten gibt?
Diese Software stellt Ihnen alles Wissen der Musik-Redaktion zur Verfügung.
Sie haben also einen “Generalzugang” zu deren Datenbank!
Ist das was für Sie?

Lohnt sich Roon jetzt also oder nicht?

Die Antwort darauf können Sie sich nur selber geben.
Wenn es Ihnen ausreicht, Musik zu hören und Ihnen die Informationen dahinter gleichgültig sind, dann brauchen Sie Roon nicht.
Wenn Sie aber Freude daran haben, mehr zu erfahren und Zusammenhänge zu erkennen, dann wird Sie Roon begeistern. Und wenn Sie Roon nutzen möchten, aber einen PC/MAC im Wohnzimmer nicht dulden, dann tun sich da nicht wirklich viele Optionen auf.

Wenn Sie also jetzt von Roon begeistert sind …
und es haben wollen …
Ihnen aber 499,- USD zu teuer sind …
und Sie sowieso gerade einen Streaming-Client suchen …
dann hätten wir da jetzt einen wirklich tollen Tipp für Sie!

Und der fängt mit „ELAC“ an, hört aber mit „Discovery“ noch lange nicht auf!

Wissen sollten Sie, dass die Informationen von Roon nur in englischer Sprache vorliegen und dass Roon zurzeit nur mit Tidal zusammenarbeitet, also nicht mit Qobuz. Aber das dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein.

Auralic Lightning DS Anleitung

Auralic Lightning DS Anleitung

Auralic Lightning DS Anleitung

Never read the fu…ng manual?

Ja – ich weiß, es gibt nicht viele Dinge, die noch weniger Spaß machen, als eine Bedienungsanleitung lesen zu müssen. Aber ich verspreche Ihnen, dass ich mir sehr viel Mühe damit gemacht habe, diese hier “unterhaltsam” zu gestalten.
Natürlich – es bleibt eine Bedienungsanleitung. Sorry!

Auralic Lightning DS

 

Anleitung als pdf-Datei downloaden (54 MB)

High-Fidelity 2016

High-Fidelity 2016

High-Fidelity 2016

Die Welt der High-Fidelity im Jahre 2016
… nicht mehr länger nur schwarz-weiß.

 

Analog und digital

2016 hat uns nicht nur tolle neue Plattenspieler in jeder erdenklichen Preisklasse gebracht, sondern hat uns auch gezeigt, dass „digital“ nicht immer die schlechtere Wahl sein muss. In die Upper-Class der Analogwelt steigt man sehr souverän bereits mit einem Pro-Ject Xpression Carbon Classic für 840,- € ein und einen Streaming-Client wie den Auralic Aries Mini können sich für 498,- € wohl viele leisten. Und der ist mehr – viel mehr – als nur der Einstieg in die Welt des Streamings.

Pro-Ject Xpression Carbon Classic

Xpression Carbon Classic Mahagoni

High-End und Kommerz

Elac bringt einen Vollverstärker für 698,- € auf den Markt, der damit weniger kostet als die meisten Kommerz-Verstärker und genau so gut klingt wie so manch ein High-End-Bolide. Damit ist er weder schwarz noch weiß und erst recht nicht „kleinkariert“!  🙂

elac ea101eq-g-front

elac ea101eq-g

 

Kisten und Kunst

Was lange Zeit von den Herstellern für absolut unmöglich erklärt wurde, ist 2016 zum Trend geworden. Q-Acoustics gab mit der Concept 40 den Startschuss und andere folgten. Oder ist es etwa Zufall, dass eine ELAC Uni-Fi FS U5 auf den Cent das gleiche kostet, wie die unglaubliche Concept 40 und uns mit aller Macht zeigt, dass man auch in Kiel ganz und gar nicht schläft!?

Q Acoustic Concept 40 weiss

Q Acoustic Concept 40 weiss

Kabel und Komponenten

Endlich kann der geneigte Kunde die kilometerlangen Regalwände der Discounter mit den aus der Werbung gut bekannten Massenartikeln verlassen und sich beim kleinen Fachhändler vor Ort Kabel von spezialisierten Manufakturen ausleihen, die den Geldbeutel schonen, aber die Störquelle „schlechte Kabel“ endgültig beseitigen. Ob es sich dabei um ein Stromkabel von Supra-Cable für unter 100,- € handelt oder um die QED „Performance Original“ -Lautsprecher-Strippe für nur 5,90 € pro Meter, das Klangerlebnis ist immer eines der besonderen Art und lässt selbst die Abwehr eingeschworener Kabelklang-Gegner endlich dahinschmelzen.

Supra lorad_3x2_5mm

Supra LoRad 3x2,5mm

Das Beste kann man nicht verbessern

2016 hat dazu geführt, dass wir uns von unseren beiden liebsten Vollverstärkern, dem A1 von Progressive Audio und dem Emitter von ASR trennen mussten.
… um unsere beiden liebsten Vollverstärker wieder zurück zu bekommen. Der A1 heißt jetzt A901 und der Emitter hat den Zusatz „HV“ für Hochvolt erhalten, aber beide Verstärker stiegen wie Phönix aus der Asche und zeigen zweifelsfrei, wie lebendig die deutsche High-End-Szene noch ist und dass man eben selbst das Beste doch noch verbessern kann.

Progressive Audio Messe 2016-3

Progressive Audio A901

Das Original den Reichen, die Kopien den Armen

Um an ein Original-Master-Band eines Tonstudios zu gelangen, musste man in der Vergangenheit  locker ein paar Tausend Euro hinblättern.
Im Jahr 2016 brauchte ich lediglich ein Abo bei einem High-Res-Audio-Portal für 20,- € im Monat, um an Tausende von Alben in Masterband-Qualität zu gelangen. Bald schon wird es selbstverständlich sein, dass wir uns nicht mehr länger mit komprimiertem Datenmüll zufrieden geben müssen.

Qobuz

Qobuz Sublime

Kunterbunt statt nur schwarz-weiß

Das Jahr 2016 hat uns Produkte gebracht, die in der Lage sind, die Grundmauern des HiFi-Marktes einzureißen. Fast schon als billig zu bezeichnende Geräte warten mit Klangqualitäten auf, die man bisher ausschließlich in deutlich höheren Preisklassen erwarten durfte. Die Entwickler der teuren Produkte spüren das und werden ihrerseits rege. Man darf also gespannt sein, wo die Reise hingehen wird.

Das ist gut so, aber es macht den Markt nicht einfacher.
Die fast schon als Gesetz geltende Aussage: „Gutes muss teuer sein!“ ist neu zu überdenken. Das nimmt dem Kunden eine seiner wichtigsten Orientierungsmöglichkeiten und damit den guten Fachhandel in die Verantwortung.
Wer als Händler diese Verpflichtung annimmt und seine Kunden gut berät, der wird auch weiterhin bestehen können und muss sich weder vor den Versendern noch vor den Flächenmärkten fürchten.

Nie war es so einfach, einen HiFi-Kunden für neue, tolle Produkte zu begeistern.
Die Welt der High-Fidelity ist bunt geworden und macht wieder richtig Spaß.

Die HiFi-Hoerschule

Die HiFi-Hörschule

Die HiFi-Hörschule

Hören und beurteilen lernen anhand von Musikbeispielen

Um heraus zu finden, wie gut eine HiFi-Anlage klingt, muss man einfach nur gut hinhören.
Doch haben Sie dabei auch manchmal das Problem, dass Sie nicht so genau wissen, worauf Sie beim Hören achten müssen?
Haben Sie sich deshalb schon mal gewünscht, Ihnen würde jemand anhand von Musikbeispielen verdeutlichen, wie man „richtig hört“ und das Gehörte zu beurteilen ist?

Nun – genau das will ich mit meiner „HiFi-Hörschule“ versuchen.

Zwar gibt es zur Bewertung einer HiFi-Anlage eine Vielzahl von Kriterien die zu beachten sind und einige davon eignen sich überhaupt nicht dafür, sie in einem Bericht zu beschreiben, aber ich bin mir sicher:
Wenn Sie erst einmal den ersten Schritt gemacht haben, dann kommen die anderen ganz von allein.
Denn wie immer ist auch hier das Anfangen das schwierigste.
Also los!

Was Sie zum Mitmachen brauchen.

Da diese HiFi-Hörschule auf Musikbeispielen basiert, brauchen Sie natürlich die besprochenen Musik-Titel. Hierbei ist es egal, ob Sie sie auf CD besitzen, auf LP oder aus dem Netz streamen.
Um Ihnen die Chance einzuräumen, auf alle Titel zugreifen zu können, habe ich mich auf Songs und Veröffentlichungen beschränkt, die auf Qobuz, Tidal und Spotify zum Streamen bereitstehen.
Perfekt wäre es also, wenn Sie einen Streamer wie den Auralic Aries Mini (gerne auch einen Altair) oder den Discovery von ELAC zur Verfügung hätten.

Keine Ursachenforschung!

Diese HiFi-Hörschule ist nicht dazu geeignet, die Ursache dafür zu ermitteln, wenn Sie meine Beschreibungen an Ihrer Anlage nicht nachvollziehen können. Es geht hier auch nicht um die Frage, welche Wiedergabe „richtig“ und welche „falsch“ ist. Es geht nur darum, dass die Aufnahmen sehr unterschiedlich sind. Von Titel zu Titel muss also auch bei Ihnen eine Veränderung zu hören sein. Nur darum geht es hier.

Das Thema: Der Aufnahmeraum

Auf der einen Seite steht der Künstler, auf der anderen die Tontechniker.
Wer als aktueller Star nur mal eben schnell den nächsten Sommerhit produzieren will, dem ist es vermutlich gleichgültig, von welchem Studio sein Titel produziert wird.
Doch ein Künstler mit hohem Anspruch an die Klangqualität, der sucht natürlich schon nach dem „besonderen“ Aufnahmestudio.
Haben sich die beiden gefunden – geht uns High-Endern das Herz auf.

Unterpunkte des Themas „Der Aufnahmeraum“ sind die folgenden Begriffe:

  • Räumlichkeit
  • Ortbarkeit
  • Breitenstaffelung
  • Tiefenstaffelung
  • Vertikale Abbildung
  • Größenabbildung
  • Abstand der Musiker zueinander

Theoretischer Teil – oder: Die Aufnahme

Musik nehmen wir mit einem Mikrofon auf.
Ein (!) Mikrofon – das bedeutet: Mono oder eben nur ein Kanal.
Es bedeutet auch:  Keine Dreidimensionalität.

Um dreidimensional sehen oder hören zu können, brauchen wir zwei Augen, zwei Ohren.
Um Musik dreidimensional aufnehmen zu können, brauchen wir zwei Mikrofone.
Diese beiden Mikrofone so aufzustellen, dass alle Stimmen, alle Instrumente und auch die Rauminformationen so aufgezeichnet werden, dass man beim Abhören glaubt, sich wieder im Aufnahmeraum zu befinden, das ist die „hohe Kunst“ der Tonmeister und -techniker.

In manchen Aufnahmesituationen sind aber auch die größten Könner unter ihnen mit dieser Aufgabe überfordert und dann brauchen auch sie einfach mehr als zwei Mikros.
Deshalb wurde die Mehrspurtechnik entwickelt.
Mit ihr konnte man nun mehr als zwei Mikrofone aufstellen, einzelnen Stimmen und Instrumenten eigene Mikros, also eigene Spuren geben, sie sogar zeitlich nacheinander oder an völlig unterschiedlichen Orten aufzeichnen. Waren sie so wie man sie haben wollte – also fehlerfrei eingespielt, mischte man alle Spuren zu einer Zweikanalaufnahme zusammen.

Einige Tontechniker unterlagen den Reizen der Mehrspurtechnik und so entstanden die berühmten Ping-Pong-Aufnahmen, wie wir sie z.B. von frühen Beatles-Aufnahmen kennen. Zieht man den Stecker vom rechten Kanal ab – ist Paul McCartney verschwunden, zieht man den linken Stecker, macht Ringo eine Pause.

Der nächste technische Schritt lag dann darin, dass man diese einzeln aufgenommenen Spuren am Mischpult dreidimensional „im Raum verschieben“ konnte.
Der Tontechniker von Pink Floyd war z.B. davon so begeistert, dass er bei Grantchester Meadows das Gezwitscher eines Vogels eindrucksvoll – aber völlig unrealistisch – dreidimensional durch den Raum schwirren lässt.

Durch die Mehrspurtechnik gelang es, auch sehr schwierige Aufnahmesituationen zu meistern, z.B. große Orchester aufnehmen und abmischen zu können.
Doch was wird aus der „Rauminformation“, wenn jedes Instrument einzeln, an einem anderen Ort, in einem anderen Raum und zu einer anderen Zeit aufgenommen wurde? Wenn es also unterschiedliche Aufnahmeräume gegeben hat?
Antwort:  Es kommt darauf an.
Entweder, der Tonmeister verzichtet einfach auf „den Raum“, oder er gönnt ihm vielleicht eigene Spuren. Oft erzeugt er ihn aber auch künstlich durch Hall und Echo oder er „ruft ihn ab“. Ein Knopfdruck und wir sind im Concertgebouw in Amsterdam, in der Carnegie Hall in New York – oder wo auch immer.
Für uns zuhause heißt das nichts anderes, als dass unsere Anlage uns im besten Fall mit jedem neuen Titel auch in einen neuen Raum hineinführen sollte.

Praktischer Teil

Titel 1

Kommen wir jetzt zu den Musikbeispielen und beginnen wir mit dem Stück „For the good times“ von Al Green. (Aus dem Album „I`m still in Love with you“. Das Original stammt aus dem Jahr 1972, die Portale präsentieren uns die Neuauflage aus dem Jahr 2013)

Der Titel beginnt mit einem „sehr kleinen“ Schlagzeug, das nur ganz knapp nach links (vom Hörer aus gesehen) aus der Mitte versetzt ist und einer Elektroorgel, die sich den Standplatz mit dem Schlagzeuger zu teilen hat. Einen Hinweis auf den Aufnahmeraum suchen wir vergebens.
Wie der Schlagzeuger seine „Schießbude“ aufgebaut hat, erfahren wir ebenfalls nicht. Die Snare, die Base-Drum und das Hi-Hat scheinen allesamt am gleichen Ort zu stehen. Auch ein „Oben“ und „Unten“ gibt es nicht wirklich. Alles befindet sich etwa einen Meter über dem Fußboden. Das ist zumindest für die Base-Drum zu hoch.
Nach wenigen Sekunden setzen dann links die Streicher ein. Auch hier gibt es keinen Hinweis auf den Aufnahmeraum, der ja jetzt eigentlich „recht groß“ sein müsste.
Wenn Al Green zu singen beginnt, wird es zunehmend „seltsam“, denn er scheint „mitten im Schlagzeug“ zu sitzen. Zu sitzen deshalb – weil auch seine Stimme ihren Ort der Entstehung (Mund genannt) gerade einmal einen Meter über dem Boden zu haben scheint.
Nach etwas mehr als einer Minute setzt dann rechts der Background-Chor ein.
Auch er verfügt wieder über keinen „Raum“, steht aber für einen Background-Chor viel zu weit vorne.
Bei etwa 1:20 gibt es dann ein kleines „Yeah“ der zweiten Stimme, die – wenn man es böse ausdrücken wollte – so wirkt, als säße ein Papagei auf der rechten Schulter von Al Green.
Ab 1:40 zeigt uns dieser „Papagei“ dann aber zum Glück, dass er uns mit einer sehr schönen Stützstimme für Al Green überraschen kann.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden – ich mag diese Aufnahme sehr, jedoch ist sie ein wunderbares Beispiel dafür, dass manche Aufnahmen leider völlig ohne „Rauminformationen“ auskommen müssen. Wenn wir versuchen, in den Raum hinein zu hören, kommen wir zu der Überzeugung, dass hier „das Licht ausgeschaltet“ war – es herrschte einfach völlige Dunkelheit.
Manche sprechen davon, dass man das Gefühl hat, die Musiker würden unter einer Wolldecke spielen und singen.

Räumlichkeit
Es gibt hier keinen Hinweis auf den Aufnahmeraum.

Ortbarkeit
Die Ortbarkeit beschränkt sich auf die vom Tontechniker gewählten Rechts-Links-Informationen. Links die Streicher, rechts der Background-Chor, alles andere ist leicht nach links aus der Mitte versetzt. Und zwar alles am gleichen Platz!

Breitenstaffelung
Die Stereobreite wird durch eine künstliche Positionierung der Streicher und des Chors recht gut ausgenutzt.

Tiefenstaffelung
Die gesamte Aufnahme findet in einem Abstand von ein bis zwei Metern hinter den Boxen statt.
Das kann so nicht stimmen, denn allein die Streicher haben sicherlich einen größeren Platzbedarf gehabt.

Vertikale Abbildung
Streicher und Chor sind etwas höher angesiedelt, alles andere findet auf einer Höhe von etwa einem Meter statt. Sowohl die Base-Drum als auch Al Greens Gesang.

Größenabbildung
Vor allem das Schlagzeug ist viel zu klein.

Abstand der Musiker zueinander
Schlagzeug, Orgel, Gesang und Zweitstimme müssen sich den selben Platz in der Mitte teilen. Die Streicher und der Chor wurden vom Tontechniker nach rechts und links „verschoben“, damit es sich „im Radio schön anhört“.

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Das Beispiel kann problemlos nachvollzogen werden. Durch gewisse Ungenauigkeiten fallen die Fehler aber weniger auf.

Titel 2

Ich wechsle zu folgendem Titel:  „Pretend“ vom Album „Shadows – Songs from Nat King Cole“, gesungen von Hugh Coltman aus dem Jahr 2016.
Dieser Titel wirkt vom ersten Ton an völlig anders, weil er mit einer E-Gitarre auf der linken Seite beginnt, die dreidimensional im Raum zu stehen scheint. Eine E-Gitarre „hat keinen Raum“ – dennoch ist es dem Tontechniker gelungen, uns mit dem Aufziehen der Mikrofone sofort in die Szene hinein zu ziehen und dieser E-Gitarre tatsächlich einen Platz im Raum zuzuweisen.
Das gibt der Aufnahme einen starken Life-Eindruck, der noch dadurch verstärkt wird, dass die Gitarre nicht ganz sauber gespielt wird. Es ist also offenbar nicht die Perfektion, die hier im Vordergrund stand, sondern der Wunsch, dem Hörer das Gefühl zu geben, bei der Aufnahme life dabei zu sein.
Man hört zwar zunächst nichts als diese E-Gitarre – aber der „Raum“ ist bereits da. Man ahnt schon, dass sich in ihm noch mehr Musiker versammelt haben und ist gespannt darauf, was noch wo passieren wird.
Auch der nach wenigen Sekunden einsetzende E-Bass lässt wieder keinen Zweifel daran, dass er sich fast mittig im Raum und zur Gitarre etwas nach hinten versetzt befindet und damit ebenfalls einen Platz zugewiesen bekommen hat. Man kann die Augen schließen und sieht sich förmlich vor einer kleinen Bühne stehen.
Der einsetzende Gesang wird begleitet von einem mächtigen Tritt auf die etwas schlaff gespannte Base-Drum, die dadurch riesig wirkt und eher schlecht zu orten ist.
So ist es in Wirklichkeit auch!
Hi-Hat und Snare werden schön in unterschiedlichen Höhen und wie es sich gehört – nebeneinander (!) abgebildet.
Hugh Coltman steht vor seinem Mikrofon, er steht dort – mittig auf der Bühne und man kann „sehen“, wie er lässig eine Hand in der Tasche hat und mit viel Gefühl diesen alten Song präsentiert.  Auf der rechten Seite „klimpert jemand am Klavier“. Hören Sie sich dieses Klavier an! Wenn das nicht auf einer Holzbühne in einem “Tanzraum” steht – dann kann ich nicht hören.
Man ist mittendrin in einer Party-Szene zu vorgerückter Stunde.
Hier hört man keine „bis zum „Geht-nicht-mehr“ ausgefeilte Studioaufnahme, sondern man ist auf der Feier!
Die Lichtorgeln wechseln langsam ihre Farben und irgendwo dreht sich eine Spiegelkugel. Girlanden ziehen sich um die Bühne.
Man hört nicht einfach nur zu – man ist dort!
Wer hier nicht zwischen sich und Hugh Coltman eng umschlungene Paare verliebt tanzen „sieht“, der sollte sich diesen Titel noch einmal anhören, wenn er in einer anderen Stimmung ist.

Räumlichkeit
Kein Zweifel, wir sind im Garten oder in einer Tenne, einer „Tanzdiele“.

Ortbarkeit
Hier wird das Unmögliche möglich gemacht. Selbst elektronische Musikinstrumente bekommen einen Platz im Raum, als seien sie zu akustischen Instrumenten verzaubert worden. Nur die Stimme ist etwas groß geraten, aber man glaubt sofort, dass das dort „eben so gewesen ist“.

Breitenstaffelung
Sie ist glaubhaft – genau dadurch, dass nicht die maximale Stereobreite ausgenutzt wird. Hierdurch entsteht ein natürlicher Abstand zwischen uns und der Bühne. Wer allerdings genau hinhört, der wird das Gefühl bekommen, dass der Raum selbst rechts, links und nach hinten überhaupt keine Grenzen (Wände) zu haben scheint.

Tiefenstaffelung
Auch hier schöpft die Aufnahme ihre Qualität daraus, dass nichts übertrieben wird. Kleinste Unterschiede werden deutlich. Der Bassist steht weiter weg von uns als Hugh Coltman, aber eben nicht mehrere Meter weit, sondern nur „ein Stück weit“.

Vertikale Abbildung
Die Musik spielt eine Winzigkeit „höher“ als wir es gewohnt sind. Auch das verstärkt den Eindruck, dass auf einer Bühne gespielt wird.

Größenabbildung
Man muss nur die Augen schließen und glaubt, zu jedem Musiker hingehen zu können. Da ist keine Spur von einem kleinen „Mäusekino“ oder „Puppentheater“.
Das Schlagzeug wird auch nicht so weit auseinander gezogen, dass der Schlagzeuger drei Meter lange Arme braucht.

Abstand der Musiker zueinander
Absolut glaubhaft. Niemand nimmt einem anderen den Platz weg, aber man steht auch nicht so weit auseinander, dass man nicht mehr zusammengehören würde. Mir macht es am meisten Spaß, dass die E-Gitarre und der E-Bass so abgebildet werden, wie akustische Instrumente.  Das ist nicht echt – macht aber Spaß!

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Das Beispiel kann mit einer MP3-Datei nur bedingt nachvollzogen werden. Die Stimme wird hier viel zu groß dargestellt. Die Instrumente sind nicht „punktgenau“ zu orten, sondern bedecken große „Flächen“ im Raum. Die Raumtiefe ist nicht wahrnehmbar. Der Life-Eindruck geht verloren, die Aufnahme wirkt hier einfach nur „zermatscht“.

Titel 3

Kommen wir zum nächsten Beispiel für einen eindrucksvoll präsentierten Aufnahmeraum und damit zum neuen Album „Spotlight“ von Rolf Kühn (2016). Hieraus habe ich den Titel „Laura“ ausgesucht.
Der Titel beginnt mit der von Albrecht Mayer gespielten Oboe. Sobald die Mikros „aufgezogen“ werden, befinden wir uns mitten im Aufnahmeraum. Zwar hören wir zunächst eigentlich nur die Oboe, die sich wieder einmal halblinks befindet, aber obwohl im rechten Kanal noch nichts zu hören ist, zweifeln wir keine Sekunde daran, dass auch dort die Mikros „offen“ sind, wir die Luft dort ahnen können und da jemand auf seinen Einsatz wartet.
Verstärkt wird dieser Raumeindruck von einem seltsamen, leisen Geräusch, das genau aus der Mitte kommt und zunächst so klingt, als wären dort sehr weit in der Raumtiefe Trommeln zu hören.
Doch diese Trommeln entpuppen sich immer mehr als Kontrabass, für den sich hier Oliver Potratz verantwortlich zeigt. Nach nicht ganz einer Minute setzt dann auch Rolf Kühn wie vorausgeahnt auf der rechten Seite mit seinem Klarinettenspiel ein.
Über den gesamten Titel hinweg bleibt der abgebildete Raum authentisch und glaubhaft.
Und das auch, obwohl man sich denken kann, dass die Instrumente tatsächlich einzeln im Studio eingespielt wurden.

Räumlichkeit
Es ist „Luft“ vorhanden und man glaubt, sich in einem Raum zu befinden indem diese Musiker gemeinsam spielen. Hinweise auf die Größe des Raums oder die Beschaffenheit der Wände erhalten wir jedoch nicht.

Ortbarkeit
Mit der Stecknadel können wir hier die Austrittsöffnung der Oboe fixieren und fast jede Bewegung dieses Instrumentes nachverfolgen. Und das gilt auch für die Klarinette und den Bass.
Die Tatsache, dass die Blasinstrumente bei wirklich jedem gespielten Ton wie festgemeisselt an ihren Standorten verbleiben und wir nachvollziehen können, wie die Musiker ihre Instrumente bewegen, ist um so beeindruckender, wenn man es auch anders kennt. (siehe MP3)

Breitenstaffelung
Es wurde auf das Maximum verzichtet, was glücklicherweise die Aufnahme natürlicher wirken lässt.

Tiefenstaffelung
Hier spielt man anfangs mit unseren Sinnen und täuscht sie. Der Bass scheint zunächst eine extrem weit hinten gespielte Trommel zu sein. Der Raum scheint also eine große Tiefe aufzuweisen. Erst nach und nach erschließt sich dann die Ursache der „Geräusche“ und wir sehen den Bass greifbar nahe.

Vertikale Abbildung
Fehlerfrei – ohne Tadel.

Größenabbildung
Auch in diesem Punkt ist es den Tontechnikern gelungen, in uns die Illusion zu erzeugen, wir dürften life bei der Aufnahme dabei sein.

Abstand der Musiker zueinander
Auf Grund der recht spärlichen Besetzung besteht keine Gefahr, dass sie zu eng beieinander stehen könnten, aber auch die gewollte Trennung der Instrumente zerreißt das Trio nicht, sondern lässt sie miteinander (!) kommunizieren.

Gehört mit einem Premium-Account auf Spotify:
Das Beispiel kann mit einer MP3-Datei nur bedingt nachvollzogen werden. Die Instrumente werden zerrissen. Die Oboe und die Klarinette scheinen je nach Tonhöhe an völlig unterschiedlichen Orten positioniert gewesen zu sein. Ich habe es nicht geschafft, mir den Titel länger als zwei Minuten anzuhören.

Titel 4

Kommen wir zum nächsten Musikbeispiel und damit zum Titel „Strange Fruit“ von Cassandra Wilsons Album „New Moon Daughter“, das uns auf den Portalen in der Blue-Note-Records-Version aus dem Jahre 2013 angeboten wird. Cassandra Wilson gilt als eine Art Vorzeige-Sängerin, wenn es darum geht, Musiker mit audiophilen Ansprüchen zu nennen.
Das Stück beginnt halblinks mit einem Geräusch, gefolgt vom Kontrabass in der Mitte. Dann setzt links die Trompete ein und rechts ein Saiteninstrument, vermutlich ein Banjo oder eine Mandoline.
Danach beginnt Cassandra Wilson halblinks mit ihrem Gesang.
Tolle Stimme – tolle Musik – absolut gestochen scharfe Ortbarkeit.
Keines der Instrumente lässt irgendeinen Zweifel daran aufkommen, wo genau es sich im Raum befindet.
Doch welche Hinweise erhalte ich auf den Raum?
Um es „höflich“ zu sagen: Nicht viele.
Die Stimme von Cassandra Wilson hat einen Hall und erweckt hier und da den Eindruck, wir könnten einen Raum wahrnehmen – aber das war es auch schon, denn dieser Raum wird von den Instrumenten so nicht bestätigt.
Der Hall, das Echo der Trompete müsste doch irgendwann – irgendwie einmal – wenigstens andeutungsweise – auch in der rechten Raumhälfte zu hören sein. Es ist doch ein lautes Instrument! Das ist aber nicht der Fall.
Auch der Raum auf der linken Seite müsste doch so etwas wie eine Raumhöhe haben, in die sich die Trompetentöne ausdehnen – aber auch hier:  Fehlanzeige! Wir hören einen kleinen Raum um die Trompete, aber nach 30 bis maximal 50 Zentimeter um sie herum ist sie nicht mehr zu hören. Immer wieder kommt ein kleiner Hoffnungs-Schimmer auf – aber er verschwindet so schnell wie er gekommen ist. Es gibt definitiv keinen “Gesamtraum” – es gibt im besten Fall kleine Räume um Cassandras Stimme und um jedes Instrument.

Räumlichkeit
Sie ist leider nicht vorhanden. Auf dieser Aufnahme gibt es keinen Aufnahmeraum, in den man sich „hineindenken“ kann.

Ortbarkeit
Gestochen scharf – mit der Bleistiftspitze können wir auf jedes Instrument tippen und seine Umrisse nachzeichnen.

Breitenstaffelung
Hier wird das Maximum nahezu ausgenutzt, aber dennoch wirkt die Aufnahme nicht künstlich auseinander gezogen.

Tiefenstaffelung
Zwar gibt es Instrumente, die weiter weg stehen als andere, aber über die Tiefe des Aufnahmeraums gibt es keine Informationen.

Vertikale Abbildung
Die korrekte Abbildung der Instrumente und Stimmen in der vertikalen Achse ist gelungen.

Größenabbildung
Jedes einzelne Instrument hat seine glaubhafte – natürliche Größe.

Abstand der Musiker zueinander
Authentisch – damit meine ich – so wie „in Wirklichkeit“.

Gehört mit einem Premium-Account auf Spotify:
Dadurch, dass die MP3-Datei unpräziser abbildet, verschwimmen die Instrumente ein wenig ineinander und wechseln tonhöhen-abhängig schon mal den Standort. Die Ortbarkeit wird dadurch schlechter, der Raumeindruck nimmt jedoch zu. Als MP3-Datei gehört glaubt man fast, dass doch ein realistischer Aufnahmeraum aufgezeichnet wurde.

Titel 5

Zum Abschluss dieses Berichts möchte ich es nicht versäumen, Ihnen noch eine meiner Lieblingsaufnahme zu empfehlen, die zeigt, wie man den Aufnahmeraum vorbildlich darstellen kann. Hierzu nehme ich den Titel „Death Scene“ von Chuck Mangione aus seinem Album „Children of Sanchez“ aus dem Jahre 1978.

Die Geschichte, die man sich zu dieser Musik erzählt lautet, dass Chuck die beiden Musiker Grant Geissman (Gitarre) und  Ron Leonard (Cello) zusammenbrachte und ihnen mitgeteilt haben soll, dass er keine Zeit mehr hätte, ein passendes Stück zu komponieren. Er brachte ihnen lediglich das musikalische Grundthema nahe und bat sie, etwas zur Sterbe-Szene passendes zu improvisieren.
Man erzählt sich, dass der allererste Versuch der beiden Musiker aufgenommen wurde und auf dem Album zu hören ist. Ich kann nicht nachprüfen, ob diese Geschichte wahr ist, aber ich glaube daran.

Geissman beginnt mit seinem Gitarrenspiel. Er sitzt ziemlich mittig und etwa zwei Meter hinter der Lautsprecher-Grundlinie. Er sitzt (!) – „oben/unten“ wird hier realistisch reproduziert.
Es kommt zu keiner Zeit ein Zweifel daran auf, dass wir den Aufnahmeraum hören können, dass wir uns „in ihm“ befinden. Je nachdem, wie er die Gitarre hält und abhängig von der Tonhöhe, schwingen die Töne abwechselnd nach rechts oder links in den Raum hinein und hallen dort von den Wänden und auch vom Fußboden zurück.
Das macht es uns manchmal schwer, die Gitarre zu orten. Aber so ist es auch, wenn wir life dabei sind.
Etwa bei 1:35 erhält Ron Leonard ein Zeichen von Geissman in Form eines sanft gespielten Akkords mit Einzeltönen (Arpeggio) und er setzt mit seinem Cello-Spiel ein. Leonard steht leicht rechts neben und hinter Grant Geissman. Obwohl wir bis zu diesem Zeitpunkt nichts von ihm gehört haben, überrascht es uns nicht, dass da plötzlich noch ein zweiter Musiker zu hören ist. Irgendwie hatten wir ihn schon die ganze Zeit über bemerkt. Während sich die hohen Töne des Cellos vor allem nach rechts oben in den Raum ausdehnen, füllen die tiefen Cello-Töne fast die gesamte linke vordere Raumhälfte aus und wir „sehen“ den Raum, als würde er von den Tönen „ausgeleuchtet“ werden wie von einer Taschenlampe.
Die extrem leisen, mit den Fingernägeln gespielten Gitarrentöne können wir absolut punktgenau orten, weil sie viel zu leise, zu hoch und irgendwie „zu klein“ sind, um sich in den Raum hinein ausdehnen zu können.
Erst ganz zum Schluss werden dann das Orchester und Chucks Stimme mit eingemischt, um uns wieder in die „Filmmusik“ zurück zu holen. Hierbei zerstört man zwar den Raumeindruck, aber genau dadurch, haben wir auch den direkten Vergleich zu dem, was uns noch vor einigen Sekunden so fasziniert hat.

Räumlichkeit
Mit dem Aufziehen der Mikros ist man im Aufnahmeraum. Es ist kein besonderer Raum, keine Kirche, kein Saal. Die beiden Musiker sind einfach in einem „Zimmer“. Und wir mit ihnen gemeinsam!

Ortbarkeit
Schlicht: genial.

Breitenstaffelung
Während sich die Instrumente mit der Raummitte begnügen, zeigen uns die reflektierten Schallwellen, dass es rechts und links noch „weiter geht“.  Die Resonanzen der Instrumente, die sich je nach Tonhöhe in unterschiedliche Richtungen ausbreiten, sind ein klarer Hinweis darauf, dass sie „im Raum stattgefunden haben“ und nicht künstlich hinzugemischt wurden.

Tiefenstaffelung
Ron Leonard ist weiter von uns entfernt als Grant Geissmann. Da das Cello einen höheren Pegel erreicht als die Gitarre, ist auch das für mich ein Beleg dafür, dass man die Aufnahme so perfekt „im Kasten“ haben wollte, dass niemand mehr daran etwas korrigieren musste.

Vertikale Abbildung
Geissmann sitzt, Leonard steht – die Resonanzen sind mal rechts oben, mal links unten. Hier wird nichts „erfunden“, aber was da ist – ist da.

Größenabbildung
Völlig realistisch. Beide Instrumente haben ihre natürliche Größe. Nichts wirkt aufgedunsen oder geschrumpft.

Abstand der Musiker zueinander
Hier gibt es kein PingPong – nicht die Gitarre links und das Cello rechts, hier werden keine Gelüste nach außergewöhnlichen Ereignissen befriedigt. Hier steht ein Cellist hinter und ganz leicht rechts neben einem sitzenden Gitarristen.  Wie sagt man so gerne?  Weniger ist mehr. Und genau das ist hier der Fall!

Gehört mit einem Premium-Account auf Spotify:
Das Beispiel kann nur sehr bedingt mit einer MP3-Datei nachvollzogen werden. Die Instrumente sind einfach viel zu groß und ungenau dargestellt. Die Gitarre „erschlägt“ uns bereits mit ihren ersten Tönen. Der Direktschall und der Diffus-Schall vermischen sich und an manchen Stellen ist es unmöglich zu sagen, wo die Musiker gespielt haben. Ein solches Juwel hört man einfach nicht als MP3-Datei!

Tipp

Vier Augen sehen mehr als zwei Augen und vier Ohren hören mehr als zwei Ohren.
Laden Sie sich einen Freund ein und hören Sie sich die Musikbeispiele mit ihm gemeinsam an.
Diskutieren Sie über die Aussagen in diesem Bericht und über das, was Sie selber wahrnehmen.
Es geht hier nicht darum, mir recht zu geben.
Es geht darum, dass Sie ein Gespür für das Thema bekommen.
Das Hören will geübt sein und Sie werden ganz sicher von Tag zu Tag merken, dass Sie sicherer werden.

Wenn Sie aber das Gefühl haben, irgendwie „völlig auf dem Schlauch zu stehen“ und gar nicht weiter zu kommen, dann melden Sie sich bitte bei mir.
Sollte Ihnen dieser Bericht gefallen haben, würde ich mich über einen Kommentar von Ihnen sehr freuen!

Haben Sie vielen lieben Dank dafür!
Ihr Wolfgang Saul

HiFi-Zubehör, Garant für Musik-Genuss?

HiFi-Zubehoer – ein Garant für besseren Musik-Genuss?

Klangverbesserndes HiFi-Zubehör …

… lediglich so etwas wie eine „sprudelnde Einnahmequelle“ für Hersteller und Händler, oder eine unverzichtbare Voraussetzung für einen wahren Musik-Genuss?

Die Betreiber eines Tierbedarf-Handels kennen die Situation, wenn frisch gebackene Frauchen und Herrchen zusammen mit einem jungen Welpen auf der Suche nach der „Erstausstattung“ euphorisch das Ladenlokal betreten und beim Verlassen den halben Warenbestand mitnehmen.

So ähnlich erging es mir gestern.
Ein Kunde, dem ich vor ein paar Tagen eine Anlage geliefert hatte, war so begeistert, dass er wohl am liebsten alles an Zubehör mitgenommen hätte, was wir auf Lager hatten.
Damit bildete er natürlich den krassen Gegensatz zu all denen, die in HiFi-Zubehör nur einen Versuch von skrupellosen Herstellern sehen, genau solche Situationen auszunutzen, um ihr nutzloses Zeug an den Mann zu bringen.

Menschen sind erfolgsorientiert und begeisterungsfähig.
Wenn etwas prima funktioniert hat, dann versuchen sie es logischerweise wieder. Der Kunde hat etwas gekauft, es hat gut geklungen, also kauft er noch mehr, damit es noch besser klingt. Er folgt damit einer ganz einfachen logischen Struktur, so sind wir Menschen.

—-

Heute las ich im Kreise der Familie einen Bericht, in dem ein Arzt die Pharmaindustrie beschuldigte, mit ihren vielen Vitaminpräparaten, die niemandem nützen würden, die Menschheit aus reiner Geldgier krank zu machen.

Sofort interpretierte mein Schwiegervater, der nicht einmal seine wichtigsten Medikamente ohne Gegenwehr einnimmt, den Bericht so, dass für ihn nun alle Medikamente Humbug seien und verkündete mal wieder, seine Pillen nicht mehr schlucken zu wollen.
Ein anderer jedoch schimpfte über diesen Arzt und meinte nur, dass es ihm viel besser gehen würde, seitdem er regelmäßig diese Vitamine nehmen würde. Der Arzt wolle sich mit diesem Artikel doch nur wichtig machen.

Nun, mir viel jedenfalls auf, wie sehr sich unsere Einstellung zu und unser Umgang mit HiFi-Zubehör und Medikamenten gleichen.
Wo läge wohl heute unsere Lebenserwartung und wie hoch wäre unsere Lebensqualität, gäbe es immer noch keine Medikamente?
Ohne Zweifel verfügen wir doch über nützliche, geradezu lebensrettende Heilmittel, oder?

Doch womit wird das Geld verdient?
Richtig! Mit den Pillen zum Einschlafen, mit denen zum Aufwachen, mit denen zum Appetit zügeln und denen zur Appetitanregung, mit denen gegen schlaffe Haut, alte Haut, faltige Haut, fettige Haut … und natürlich mit Vitaminen, weil die ja so gesund sind.

Klar, könnte man auch einfach mit dem Rauchen oder dem Trinken aufhören, sich gesünder ernähren und Sport treiben.
Doch das ist anstrengend und erfordert Disziplin.

Zurück zur High-Fidelity.
Wir sitzen vor unserer Anlage und fragen uns, ob sie nicht noch besser klingen könnte.
Natürlich könnten wir jetzt die Boxen ein wenig verschieben und uns selbst ein Stück von der Rückwand weg setzen; die Kontakte ordentlich sauber machen, noch ein Regal mehr aufstellen, einen Teppich auf den Boden legen, um die Raumakustik zu verbessern, …

Aber das alles macht uns keinen Spaß.

Diese neuen Entkoppler für die Boxen, die sehen ja mal klasse aus! Und die neue Gerätebasis dort in der Zeitschrift – total edel! Und diese energieaufsaugenden Pucks, die man auf die Geräte legt, …

Mag alles richtig sein,
so wie manch einem ganz sicher auch die Pillen zum Einschlafen gute Dienste leisten, oder die zum Aufwachen. Und doch wird mit all dem Schindluder getrieben.

Die alles bestimmende Frage lautet:
Haben wir es mit einem gesunden Menschen oder mit einem Patienten zu tun?
In die HiFi-Welt übersetzt lautet sie:
Klingt unsere Anlage so toll wie sie klingen kann oder leidet sie unter vorhandenen Fehlerquellen?

Verdeutlichen wir die Parallelität zwischen HiFi-Zubehör und Medikamenten noch einmal durch eine kleine Geschichte, um es deutlicher zu machen, wann HiFi-Zubehör sinnvoll ist und wann nicht.

Stellen Sie sich vor, Sie betreten eine Apotheke, weil Sie ein paar Nasentropfen holen wollen. Plötzlich ertönt ein Tusch, ein Plakat rollt herunter, auf dem steht: Unser 1.000.000-ste Kunde!
Der Apotheker gratuliert Ihnen und teilt Ihnen mit, dass Sie heute probieren dürfen, was Sie wollen.

„Wir wäre es mit diesen Pillen hier, die sind gegen Darmblutungen!? Wirken auf der Stelle! Was halten Sie von Salbe gegen juckenden Ausschlag?  Soll ich Ihnen vielleicht ein kleines Potpourri zusammenstellen, so gegen Bluthochdruck, Übelkeit, Durchfall und Fußpilz?“

Was würden Sie dem Apotheker wohl sagen?
Also ich würde ihn sicher fragen, ob er noch ganz bei Sinnen wäre, denn schließlich würde ich diese Medikamente ja überhaupt nicht benötigen, weil ich die Krankheiten ja zum Glück alle gar nicht habe.

Und wie passt das Beispiel zur High-Fidelity?

Nun, ganz einfach:
Wir brauchen kein Zubehör, was Probleme beseitigt, die wir gar nicht haben!
Wessen Lautsprecher nicht diffus klingen, der braucht auch keine Spikes unter den Boxen, wer keinen zu fetten Bass hat, der braucht keine Schaumstoffkeile in den Zimmerecken und wer seine Komponenten nicht gerade auf Glasplatten gestellt hat, der braucht auch keine Geräte-Basen. Ausnahmen ausgenommen.

Trotzdem stürmen gerade die, deren Anlagen schon super klingen, in die Läden und kaufen HiFi-Zubehör, während die, deren Sound auf eine echte “Krankheit” schließen lässt, jedes Zubehörteil verdammen und es sogar verweigern, sich auch nur gedanklich mit solchen Themen auseinander zu setzen.

Brauchen wir jetzt einen HiFi-Arzt, der uns die richtige Medizin in der richtigen Dosis verschreibt, weil wir selber zu solch einer Einschätzung nicht fähig sind?
Verkehrt wäre das sicher nicht, aber für unsere eigene Weiterentwicklung wäre das ja wohl eher hinderlich, oder?

Zum Glück ist es so, dass HiFi-Zubehör keinen Schaden anrichten kann. Zwar kann es damit schlechter klingen als vorher, aber das lässt sich ja schnell wieder ändern.

Wer also braucht denn nun tatsächlich HiFi-Zubehör und welches?

Hierzu muss man wissen, dass es zwei Sorten von Zubehör gibt. Mit der ersten können wir vorhandene Fehlerursachen beseitigen und mit der anderen manipulieren wir den Klangcharakter.

Ein Beispiel für die erste Sorte ist die Gerätesicherung.
Seit Anbeginn der High-Fidelity-Zeit sind diese Sicherungen den Entwicklern ein Dorn im Auge, denn weder geht das Kamel durch ein Nadelöhr, noch passiert der Strom so eine Sicherung in der Art und Weise wie es erforderlich wäre, um gute Musik entstehen zu lassen. Welche Klangverbesserung an dieser Stelle möglich ist, könnte man herausfinden, wenn man die Sicherung mit einem Kabel überbrücken würde, was man allerdings tunlichst unterlassen sollte.
Einige Hersteller haben versucht, Geräte ohne Sicherungen zu bauen und sich dabei eine „blutige Nase“  geholt, weil so eine Sicherung ja nun einmal eine wichtige Sicherheitsfunktion zu erfüllen hat.

Ich bin deshalb unsagbar froh darüber, dass es Tüftler gibt, die sich über alle wirtschaftlichen Aspekte hinwegsetzen und ein Produkt wie die High-End-Gerätesicherung entwickeln, um damit dieses uralte Problem ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Und das alles durchaus im Bewusstsein, dass sie sich nicht nur Lob einhandeln, sondern auch Schimpf und Schande über sich ergehen lassen müssen. Weil sie für so eine Sicherung 20,- Euro verlangen, wo es doch schon 10 normale Sicherungen für einen Euro zu kaufen gibt. Und es sind die gleichen Freaks, die über diesen hohen Preis schimpfen, die über 50.000,- € für ihre Lautsprecher ausgegeben haben. Aus Prinzip eben und weil man den Sinn solch einer Sicherung nicht verstanden hat.
Bessere Gerätesicherungen? Für mich ein absolutes Muss! Und die Beseitigung einer Fehlerursache in so gut wie jeder HiFi-Komponente.

Ein Beispiel für die zweite Sorte sind Gerätefüße und -basen.
Kein Zweifel besteht daran, dass HiFi-Komponenten ihren Klang verändern, wenn man sie „auf was anderes drauf stellt“.

Ende der 80-er haben wir mal mit unseren Kunden einen Workshop durchgeführt. Hierzu gehörte auch folgender Test:
Eine Person hob dabei einen Vorverstärker an und ein anderer wechselte die Gerätebasis, während die Musik weiter lief. Die Unterschiede waren für jeden leicht nachvollziehbar.
Am besten hat es aber immer geklungen, wenn der Helfer das Gerät gerade angehoben hatte.  🙂

Bleibt festzuhalten, dass es mal härter, mal weicher, mal analytischer, mal diffuser geklungen hat. Die „Stellschrauben“, an denen man hier drehen kann, sind nicht zählbar. Material, Materialstärke, Materialmischung, Sandwichbauweisen, mit Spikes, mit Pucks, mit Gel, mit Luft …
Ein riesiges Experimentierfeld tut sich da auf. Und dann gibt es da noch die Komponenten, die gar nicht daran denken, anders zu klingen, nur weil sie „auf was anderes drauf gestellt“ werden.

Wie lautet also mein Rat?
Gehen Sie das „Pimpen“ Ihrer Anlage in zwei Schritten an:

Erster Schritt – Beseitigung von Fehlerursachen
Beseitigen Sie vorhandene Fehlerquellen wie die besagten Gerätesicherungen, schlechte Kabel, vor allem auch die Stromkabel, Stecker, Steckdosen, Stromverteiler …
Wenn Ihr Raum Probleme macht, werden Sie kein gutes Ergebnis hinbekommen, solange Sie das akzeptieren.
Fehlerquellen sind vergleichbar mit Krankheiten beim Menschen. Unser Ziel ist, für eine Gesundung zu sorgen, also die Beseitigung der vorhandenen Fehlerquellen.

Zweiter Schritt:
Jetzt geht es daran, das gute Ergebnis zu perfektionieren, indem Sie die Klangeigenschaften so manipulieren, wie sie Ihnen am besten gefallen.

Symbolisch gesprochen, sorgt hier also ein gesunder Mensch durch ausreichend Schlaf, Sport und der richtigen Ernährung dafür, dass er sich noch besser fühlt.
Wir passen also einen bereits guten Klang unserem Geschmack an.

Bei beiden Schritten lautet der allerwichtigste Rat:
Probieren Sie alles aus, was Sie ohne Kosten probieren können. Kaufen Sie nichts, was Sie nicht wieder zurückgeben können, leihen Sie es sich am besten und hören Sie ganz genau hin!
Eine Veränderung ist nicht immer eine Verbesserung!
Und was wir heute als Verbesserung empfinden, kann sich morgen doch wieder als falsch erweisen.

Doch haben Sie irgendwann etwas gefunden, was den Klang aus Ihrer Sicht –  nach Ihrem Geschmack  – verbessert, dann hören Sie auf Ihre Ohren und nicht auf die Stimmen, die Ihnen sagen wollen, dass dieses Bauteil den Preis nicht wert ist.

Seien Sie selbstbewusst und gehen Sie Ihren eigenen Weg, auch bei der Auswahl von HiFi-Zubehör.
Es ist Ihr Geld, Ihre Anlage, Ihre Musik.

Streamer, Streamen, Streaming

Streamer, Streamen, Streaming

Streamer, Streamen, Streaming

Was hat das eigentlich mit diesem Streaming auf sich?

Begrifsserklärung

„Stream“ kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt „Strom“ im Sinne von „River“, also einem großen „Fluss“.
Allerdings sagt man im Englischen nicht, „the stream streams“ und auch nicht „the stream is streaming“ sondern üblicher ist es zu sagen, „the stream flows“ und eben auch wieder nicht „the stream ist flowing“.
Ein „ing” hängt der Engländer nämlich gerne immer dann an ein Wort, wenn er ausdrücken will, dass jemand dabei aktiv werden muss.
So wird aus einem Walk dann „walking” und aus Sleep wird sleeping. Was jetzt wieder etwas seltsam ist, denn es stellt sich ja die Frage, ob man aktiv werden muss, um zu schlafen!?  🙂

Konstruiert man nun aus dem Substantiv „Stream“ das Verb „streaming“, dann meint man wohl damit, dass jemand aktiv dafür sorgt, dass etwas „strömt“.
Und damit passt „Streaming“ dann am Ende doch wieder genau zu dem, was dieses Wortgebilde andeuten soll.
Man sorgt beim Streamen dafür, dass eine digitale Musik- oder Videodatei von „A“ nach „B“ strömt, ohne dabei auf „A“ gelöscht oder auf „B“ gespeichert zu werden. Sie wird also nicht kopiert, nicht verschoben und nicht heruntergeladen, sondern lediglich gestreamt.
Das hat praktische, aber auch rechtliche Gründe.
Beim Streamen befinden sich die Musikstücke nämlich niemals komplett auf „B“, also in unserem System, sondern immer nur ein kleiner Teil von einem Song. Haben wir uns diesen kleinen Teil angehört, wird er wieder gelöscht und nach dem Anhören des kompletten Songs ist er auch wieder vollständig aus unserem System verschwunden. Wir haben die Musik oder das Video ja nicht „gekauft“ sondern durften sie einfach nur anhören oder den Film eben anschauen – mehr nicht.

Die Vorgeschichte, oder: Deshalb gibt es das Streaming überhaupt

Das digitale Musik-Medium, was uns seit gut 30 Jahren angeboten wird, ist die CD.
Wenn wir eine Musik-CD kaufen, befinden sich darauf die einzelnen Titel in Form von digitalen Dateien und die gehören nach dem Erwerb uns.
Um uns diese Musik anhören zu können, brauchen wir zwingend unsere CD und ein Abspielgerät. Wir nehmen deshalb unsere CD auch gerne mit ins Auto oder zu unseren Freunden und spielen sie dort ab. Keine CD = keine Musik.

Doch so komfortabel uns anfangs so eine CD im Vergleich zur Schallplatte auch erschien, irgendwann empfanden wir es als zu umständlich, dass wir unsere CDs erstens immer gut sortiert aufbewahren und zweitens jedes mal erst „suchen und auflegen“ müssen, wenn wir sie hören wollen.
Und deshalb fingen wir an, nach einer alternativen Lösung zu suchen.

Die Idee: Man müsste alle seine CDs auf den Computer überspielen!

Der erste Schritt, den einige von uns gegangen sind, war,  alle seine CDs zu „rippen“, also auf einen Computer zu überspielen.
Denn wer seine CDs gerippt hatte, konnte sie in einen Umzugskarton packen und als Reserve irgendwo aufbewahren – er brauchte sie jetzt nicht mehr. Alle Titel befanden sich ja nun „auf dem Computer“.
Nein, verkaufen durfte er sie nicht – denn dann hätte er die Titel auch wieder vom PC löschen müssen!

Am meisten hat an dieser Vorgehensweise genervt, dass wir uns um die Ordnung in unserem Computer selbst kümmern mussten und dabei schwierige Fragen zu lösen hatten.

  • Sortiere ich die Titel nach Interpreten oder lege ich einfach alle im gleichen Ordner ab?
  • Lasse ich die Titel so zusammen, wie sie auf dem Album waren?
  • Ordne ich sie nach Genre und wenn ja, wer bestimmt dann, welcher Titel wo hin gehört?
  • Rippe ich einen Titel, den ich auf 4 Alben habe auch 4 mal?

Wer sich Playlisten, also Abspiel-Listen machen wollte, der musste diese Titel noch einmal zusätzlich in einen Ordner kopieren. Wollte man eine bestimmte Abspiel-Reihenfolge einhalten, wurde es richtig kompliziert.
Wir mussten begreifen, dass es keine Ordnung geben konnte, wenn die Titel nicht die notwendigen Informationen hierfür selbst kannten und in sich trugen.

Jeder einzelne Titel musste getaggt werden

„Taggen“ war das Stichwort und bedeutete, dass man den Titeln mit speziellen Programmen alle nur erdenklichen Informationen hinzufügen konnte.
Interpret, Komponist, Dirigent, Mitwirkende, Album-Zugehörigkeit, Genre …
Eine gut getaggte Datei beinhaltet diese und viele weitere Informationen und diese können dann von speziellen Programmen ausgelesen und genutzt werden.
Bis alle unsere Titel „gut getaggte Dateien“ waren, hatten wir aber eine Menge Arbeit vor uns.

Zum Glück wurden schnell Programme entwickelt und Online-Datenbanken erstellt, die uns das Taggen erleichterten, wenn nicht sogar komplett abnahmen.
So richtig komfortabel wurde es dann mit Software wie z.B. iTunes. Sie stammt aus dem Hause Apple, läuft aber auch auf Windows-Rechnern.
Mit diesen Programmen geht das Taggen vollautomatisch und alles was wir tun müssen ist, unsere CD in das CD-ROM-Laufwerk zu schieben und auf „importieren“ zu klicken.
Wenn wir vorher das Import-Format von MP3 auf FLAC (microsoft) oder ALAC (Mac) umgestellt haben, stehen uns alle Titel in unserem PC  sogar in echter CD-Qualität zur Verfügung.
Und das Foto vom Album-Cover liefern uns diese Programme auch noch gleich mit.

Aber auch iTunes und all die ähnlichen Programme können ein anderes Problem nicht beseitigen:
Da sich die Dateien ja jetzt auf der Festplatte im Computer befinden, sind sie nicht mehr einfach über unsere HiFi-Anlage abzuspielen, denn wer hat schon seinen Computer an der HiFi-Anlage angeschlossen?
Jetzt mussten wir also eine Möglichkeit finden, die Titel vom Computer zur HiFi-Anlage zu bringen.

Eine mögliche Lösung: Externe Festplatten

Zwar ist eine externe Festplatte größer und schwerer als z.B. ein USB-Stick – aber dafür ist ja auch auf ihr viel mehr Platz für Musik! Und diese Festplatte kann ich nun vom Computer lösen, mit ins Wohnzimmer nehmen und –  dort an meine HiFi-Anlage anschließen?
Nun – wohl eher nicht, oder!?

Uns fehlte dazu ein Gerät, das in der Lage ist, die Musik, die auf der externen Festplatte liegt, zu lesen und sie unserer HiFi-Anlage zuzuleiten.

Aber bevor wir hierfür eine Lösung gefunden hatten, brauchten wir sie eigentlich auch schon wieder nicht mehr – denn diese Idee mit der externen Festplatte ist ja auch nur wieder mit ziemlichen Umständen verbunden, oder?

Wir suchten also nach einer Lösung, bei der alle benötigten Komponenten einfach immer dort angeschlossen bleiben können, wo sie angeschlossen sind.
Selbst dann, wenn der PC im Büro steht und die HiFi-Anlage logischerweise im Wohnzimmer aufgebaut ist.
Tja – und was braucht man für so etwas? Richtig:

Ein Heim-Netzwerk muss her!

Doch Moment mal – haben wir nicht schon längst alle so ein Heim-Netzwerk?
Hat uns unser Telefonanbieter nicht so eine „Box“ geliefert, an die man auch Netzwerkkabel anschließen kann und die manche Geräte sogar ohne Kabel verbindet? Mit unserem Smartphone und unserem Tablet surfen wir zum Beispiel – kabellos.
Und haben wir nicht auch unseren Receiver und unseren Fernseher an das Netz angeschlossen?
Weil die doch so „smart“ sind?
Unser Computer ist jedenfalls ganz bestimmt am Netz angeschlossen, denn sonst könnten wir mit ihm ja weder surfen noch mailen.
Und wenn wir jetzt die externe Festplatte am PC angeschlossen lassen, dann muss uns der PC nur noch erlauben, „von überall im Netz“ auf die Festplatte zuzugreifen und …
… ja und – er muss natürlich eingeschaltet sein, wenn wir Musik hören wollen.

Das ist ja jetzt auch wieder irgendwie doof, oder?

Hat die Box vom Telefonanbieter nicht einen Anschluss für eine Festplatte?

Nun, einige dieser Boxen (Router) verfügen tatsächlich über einen USB-Anschluss und eine entsprechende Software, so dass wir unsere externe Festplatte daran anschließen können, um sie im Netz verfügbar zu machen.
Leider funktioniert das in der Praxis nicht immer ganz zufriedenstellend. So ein System stellt keine Geschwindigkeitsrekorde auf und die externen Festplatten „legen sich gerne mal schlafen“, wenn sie eine Weile nicht gebraucht wurden und müssen dann erst wieder geweckt werden. Hierzu müssen sich der Router und die Festplatte „verstehen“, was nicht immer gewährleistet ist. Ein Router ist ja nun auch erst einmal ein Router und kein Gerät, was sich mit externen Festplatten verstehen muss. Dafür gibt es ja:

NAS – Network attached storages!

Ein NAS ist eine externe Festplatte mit eingebautem Computer.
Verrückt, oder?
Es gibt Computer, die Festplatten eingebaut haben und es gibt Festplatten, die Computer eingebaut haben?
Ja, genau so ist es!

Der Vorteil von so einem NAS ist logischerweise, dass wir selbst wenn alle Geräte im Netz ausgeschaltet sind, trotzdem Zugriff auf alle Dateien haben, die auf diesem NAS liegen.
Sein integrierter Computer hält die Verbindung zum Netz aufrecht.
Und der „schläft nie“!
Natürlich schaltet auch er die integrierten Festplatten ab, wenn sie eine Weile nicht benötigt worden sind, aber er selbst lauert ununterbrochen darauf, dass wieder jemand etwas anfordert und sorgt dafür, dass die Festplatten wieder zuverlässig starten.

An unserer Stereo-Anlage brauchen wir jetzt also nur noch ein Gerät, was über das Netz auf diesen NAS zugreifen kann. Findet er dort unsere gerippten CDs, dann streamt er sie zu unserer Stereoanlage und wir hören unsere CDs, obwohl die selber im Umzugskarton liegen.
Praktisch, oder?

Software- oder Hardware-Streamer?

Gegenfrage:  Welche Anforderungen an die Klangqualität stellen Sie?
Die einfachste Möglichkeit zu streamen, ist eine App auf dem Smartphone.
Diese Streaming-App holt sich die Musik von unserem NAS und spielt sie ab.

Die anspruchsvollere Lösung ist ein Hardware-Streamer, der an unsere HiFi-Anlage angeschlossen wird.
Das ist doch genau das, was wir haben wollen, oder?

Aber ist das Rippen der eigenen CDs nicht irgendwie „total bescheuert“?

Kann es sein, dass wir nur deshalb unsere CDs rippen, weil sich im Moment alles viel zu schnell entwickelt und wir gedanklich mit den heutigen Möglichkeiten überhaupt nicht mehr Schritt halten können?

Schauen wir uns doch einmal den uns allen gut bekannten Vertriebsweg für digital angebotene Musik an:
Im Tonstudio wird die Musik aufgenommen und dort entsteht am Ende ein „Original-Masterband“.
Arbeitet das Studio mit Analogtechnik, muss das analoge Masterband noch in ein digitales Masterband umgewandelt werden.
Arbeitet es mit Digitaltechnik, erhalten wir direkt unser digitales Masterband.

Statt diese hohe Qualität des digitalen Masterbandes zu nutzen und uns zu verkaufen, wird die Musik stattdessen komprimiert und konvertiert – mit bösen Worten: So lange „misshandelt“, bis sie klein genug ist, um mit verkaufbarer Spieldauer auf eine CD zu passen.

Wir …
kaufen dann diese „verkorkste“ CD und schleppen sie mit nach Hause.
Was könnten wir denn auch tun?
Außer uns der CD zu verweigern und bei der analogen Schallplatte zu bleiben?

Doch unser Thema heißt Streamen und deshalb tun wir nun folgendes:
Wir rippen diese CD, unabhängig von der Frage, für wie gut wir die Qualität auf der CD halten und speichern ihre Dateien auf einem NAS, um sie dann mit einem Streamer in unsere HiFi-Anlage zu streamen und uns die Musik anzuhören.

Wieso machen wir so einen Blödsinn?

Kommen wir immer noch nicht gegen unsere Urinstinkte an, die uns zum Jagen und Sammeln zwingen? Zählt selbst die Kopie einer digitalen Datei für uns nur dann, wenn wir sie in einem Laden gekauft und samt Plastikhülle mit nach Hause genommen haben?

Frage:  Und wieso holen wir uns die Musik nicht einfach aus dem Internet?

Mehr als ein Dutzend Musik-Portale buhlen mittlerweile um unsere Gunst und da sind die reinen Download-Portale noch nicht mitgerechnet.
So ein Musik-Portal müssen wir uns vorstellen wie ein NAS, nur viel viel größer und mit viel viel mehr Liedern.
Mit 30 Millionen Titeln geben die meisten Portale derzeit die Anzahl der vorgehaltenen Musik-Dateien an. Aber jeder kann sich denken, dass sich diese Zahl fortlaufend erhöht und schon bald bei einem Vielfachen liegen wird.

Als Platzhirschen muss man hier wohl Spotify nennen. Dieses Portal arbeitet ausschließlich mit MP3-Dateien, was sehr niedrige Ansprüche an die Netzbandbreite stellt und sogar unterwegs mit dem Handy sehr gut funktioniert.

Wie will man mit der eigenen CD-Sammlung gegen diese Zahl von 30 Millionen Titeln anstinken?
Wer nennt ein jeweils fast vollständiges Repertoire an indischer, pakistanischer, mexikanischer … Musik sein Eigen? Wer besitzt wirklich alle Alben von den Beatles, den Stones, den Hollies, der Callas, oder Herbert von Karajan?
Ganz bestimmt niemand.
Also womit will man gegen ein MP3-Musik-Portal anstinken?

Richtig! Mit der besseren Qualität der CD!?

Viele richteten also einen Workflow ein, der mit den Erkundungsreisen auf Spotify und Co. begann und dann im CD-Laden mit dem Kaufen bestimmter CDs endete.

Die nächste Entwicklungsstufe waren dann aber die Download-Portale. Hier gab und gibt es nichts zu streamen, hier kann man nur kaufen. Und billig sind die Alben dort in der Regel nicht.
Wieso also sollte ich ein Album kaufen und dann auf meine Festplatte laden?

Richtig! Wieder wegen der besseren Qualität!

Unter dem Namen High-Resolution-Audio schlich sich eine echte Revolution in unsere Wohnzimmer. Mit diesem Verfahren wird es uns nämlich ermöglicht, tatsächlich die Original-Qualität der Masterbänder zu erwerben und auf unsere Festplatten zu ziehen und uns nicht mehr mit der CD-Qualität zufrieden geben zu müssen.

Wer nun behauptet, das sei doch wieder alles nur Werbe-Geplapper und deshalb argwöhnt, man wolle uns doch nur wieder an der Nase herumführen, so wie mit der CD, der reagiert absolut verständlich und liegt in seiner Einschätzung von meiner persönlichen auch gar nicht so weit entfernt.
Allerdings kann man diesen Standpunkt nur so lange beibehalten, bis man – so wie ich – einen richtig guten Streamer hören durfte.

Wer jemandem erklären will, was an einer High-Res-Audio-Datei anders (besser) ist als an dem CD-Format, der verstrickt sich und verliert sich in Zahlen und Abkürzungen, die niemand mehr versteht.

Dass „24 Bit mit 192 kHz“ (Beispiel für eine High-Res-Audio-Datei) wohl besser sein müssen als „16 Bit mit 44,1 kHz“ (CD-Format), das mag man ja noch irgendwie erkennen können, so wie ein Fotoapparat mit 24 MP ja auch wohl besser auflösen wird als eine Knipse mit nur 6 MP.
Aber am Ende folgt es doch nur der knabenhaften Vorstellung, dass immer nur die Länge zählt, oder?

Und spätestens, wenn sich die Fachleute über die Vorteile von „DSD“ gegenüber „PCM“ unterhalten und dann noch jemand die Abkürzung „MQA“ in den Raum wirft, muss sich jeder, der nicht Nachrichtentechnik und IT studiert hat, fehl am Platze fühlen, weshalb ich es an dieser Stelle auch unterlassen werde, diese Abkürzungen zu erläutern. (Was mir zugegebenermaßen auch wirklich schwer fallen würde)

Lassen Sie mich stattdessen von einer dritten Variante der Musik-Portale berichten, die ich so interessant finde, dass sie aus mir einen richtigen Streaming-Freak gemacht hat.

Hinter den Namen Tidal und Qobuz verbergen sich High-End-Streaming-Portale! Beide liefern Musik in einer Qualität, die die Verantwortung für einen gescheiten Klang jetzt wieder an den Besitzer einer HiFi-Anlage abschiebt. Bis seine Anlage sich der Qualität von Tidal und Qobuz angepasst hat, wird wohl der Gegenwert eines Mittelklassewagens über die Theke gewandert sein. Aber selbst eine günstige Anlage lebt auf, wenn man mit einem guten Quellgerät (Streaming-Client) Akzente setzt.

Ob man sich für Tidal oder Qobuz entscheidet, ist reine Geschmacksache, wobei Qobuz derzeit noch einen echten Vorteil aufweisen kann:
Immer dann, wenn mir ein Album (oder sogar nur ein einzelner Titel!!) klanglich so gut gefällt, dass ich die maximale Klangqualität haben möchte, kaufe ich den Titel oder das Album, lade es in der höchsten Auflösung herunter und speichere die Dateien auf meinem NAS oder einer Festplatte.
Mit meinem Streamer bringe ich dann diese Qualität in meine HiFi-Anlage und kann mir sicher sein, dass es in der heutigen Digital-Technik nichts besseres gibt.
Unter dem Namen “Sublim” vertreibt Qobuz ein Account-Konzept, bei dem ich die Downloads zu einem verbilligten Preis angeboten bekomme, so dass viele Alben nicht einmal mehr 10,- € kosten. Und gleichzeitig nutze ich die Streaming-Angebote – bei allen gekauften Titeln in der besten Qualität! Sonst eben “nur” in 16 Bit, 44,1 Khz.

Genau das bezeichne ich als Revolution und sie findet in meinem Wohnzimmern statt!

Endlich macht eine gute Anlage wieder Spaß

Wer sich in den letzten Jahren so nach und nach von seinen Traum-Komponenten getrennt hat, weil ihm das Musikhören einfach keinen Spaß mehr gemacht hat, der könnte das jetzt möglicherweise bitter bereuen, wenn er zufällig mal irgendwo so einen Streamer hören kann.
High-End-Lautsprecher wurden entwickelt, um feinste Klangnuancen darstellen zu können.
Klangnuancen, die ihnen leider in den letzten drei Jahrzehnten auch die besten Verstärker der Welt gar nicht mehr haben zukommen lassen können, weil die CD sie gar nicht in sich trug. Klangnuancen, die beim Konvertieren und Komprimieren aus wirtschaftlichen Gründen einfach „weggerechnet“ wurden, weil es „Fachleute“ gab, die behaupteten, Menschen könnten das alles sowieso nicht hören.
Sicher waren das die Nachkommen von den Fachleuten, die bei Einführung der Eisenbahn behauptet haben, der Mensch sei für Geschwindigkeiten von mehr als 20 km/h nicht geschaffen und sein Körper würde während der Fahrt zerrissen werden.

Festzustellen und zu vermuten bleibt wohl, das für ernsthafte Musikliebhaber eine Zeit heran brechen wird, von der die Menschheit bislang nur träumen konnte. Er kann sich für 10,- Euro eine 1:1-Kopie des Masterbands kaufen – Wahnsinn!
Und die “zweite Wahl” wird das Streamen in CD-Qualität sein.
Das muss man sich mal überlegen!

Ist da nur Licht und gar kein Schatten?

Eine solche Aussage wäre schlicht gelogen.
Die Integration eines Streamers in die HiFi-Anlage stellt recht hohe Anforderungen an das technische Know-How des Besitzers. Er muss in der Lage sein, das Gerät im Netzwerk anzumelden. Er muss mit einem PC umgehen können und wissen, wie man sich an einem Portal anmeldet. Er braucht ein Tablet, um den Streamer komfortabel bedienen zu können. Er muss einen Netzwerkspeicher konfigurieren können …
… naja – oder er muss jemanden kennen, der das alles kann und weiß.

Hat die CD diese „Schläge“ wirklich verdient?

In meinem Bericht stelle ich die CD-Qualität so dar, als ginge es bei ihr um so etwas wir Gammelfleisch – was natürlich nicht korrekt ist.
Zwar will ich den Leser mit diesem Bericht dazu bringen, über seine zukünftige Verhaltensweise intensiv nachzudenken, aber jede Kritik an der CD-Qualität ist:
„Stöhnen auf hohem Niveau“!

Bereits die MP3-Qualität ist unter Berücksichtigung gewisser Aspekte in der Lage, Spaß zu machen. Und die CD-Qualität liegt deutlich über einer MP3-Datei. Ich besitze über 2.000 CDs und werde auch in naher Zukunft noch meine Komponenten mit CDs vorführen und die von meinen Kunden zur Hörprobe mitgebrachten CDs abspielen, ohne mich vor dem Ergebnis zu fürchten.

Und doch behaupte ich, dass sie ihren Rang als “bestes digitales Medium” bereits heute nicht mehr halten kann.
Noch ist das nicht bei allen angekommen und noch erscheint vielen das Handling eines Streamers als zu kompliziert, aber das wird sich schnell ändern.

Musik nur noch online zur Verfügung zu stellen, klammert den Handel aus der Vertriebskette aus, was die Marge für die Labels erhöht. Leidtragende werden die Betreiber von CD-Läden sein.
So – wie die vielen Videotheken aus unseren Stadtbildern verschwunden sind, werden auch viele dieser CD-Läden schließen müssen.

Mein Wunsch, dass die Nachfrage nach der Schallplatte wieder so groß wird, dass die CD-Händler nur wieder auf Analog umzuschwenken brauchen, wird mir wohl nicht erfüllt werden.

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Wir haben uns die Frage gestellt: “High-Fidelity – quo vadis?” Was passiert da gerade und wohin wird es uns führen?

Kann es sein, dass Sie auch gerade den Überblick über die zurzeit angebotenen HiFi-Geräte verlieren und die Frage nicht mehr beantworten können, welches Gerät man als Musikliebhaber im Jahre 2016 … nutzen muss, um damit „en vogue“ zu sein?

Welcher Typ sind Sie?

Kommt 2016 der endgültige digitale Durchbruch zu Ihnen ins Haus mit einem digitalen Vollverstärker, einem eigenen WLAN für HiFi, drahtlos arbeitenden aktiven Lautsprechern, von denen man mehr als 20 Stück im Haus verteilen kann, mit einem Streamer, einem Ripper und einem Musik-Server, der Ihre Musik zentral zur Verfügung stellt?

Oder sind Sie da eher der Fels in der Brandung und lassen sich von den tosenden Werbewellen nicht im geringsten beeinflussen?

So oder so hat die digitale Zukunft in viele Wohnungen schon längst Einzug gehalten.
Der Fernseher ist ein Smart-TV, mit dem man weitaus mehr anstellen kann als einfach nur fern zu sehen – und so natürlich auch Musik hören!
Daran hängt ein Apple-TV, ein Raspberry, eine Boxee-Box … irgend ein kleiner Kasten jedenfalls, der die Lücken auffüllen soll, die die Programmierer des Smart-TV noch gelassen haben.
Fast jeder besitzt heute wie selbstverständlich ein Smart-Phone, ein Tablet, ein Notebook, einen PC …
Und auch mit diesen „Devices“ kann man Musik hören.
Rund um die Uhr und überall, also auch unterwegs.

Es geht nicht mehr ums Können!

Und schon lange geht es auch überhaupt nicht mehr ums Können.
Können – könnten wir.
Aber wollen wir auch?
Mit der Antwort auf diese Frage fühlen wir uns zunehmend überfordert.
Wollen wir?
Und wenn ja, was genau wollen wir?
Und wieso machen wir es nicht schon längst, wenn wir es doch könnten?

Was klingt denn heute noch wirklich gut?

Ich glaube, die Ursache dafür liegt darin, dass wir diesen neuen Dingen nicht so recht über den Weg trauen, wenn es um die Bewertung ihrer klanglichen Qualitäten geht und schon lange nicht mehr wissen, was eigentlich noch gut klingt und was nicht.

Ach, wie schön einfach war es doch noch vor gar nicht so langer Zeit.
Analog? Der eine so der andere so.
CD? Ja logisch! Was sonst?

Wenn ich mich heute mit jungen Kunden unterhalte, stelle ich fest, dass sie keine einzige LP besitzen.
Das ist nun einmal so.
Aber was mich wundert: Sie haben auch keine einzige CD mehr!
Nicht einmal einen CD-Player!
Außer natürlich diesen “BluRay-DVD-CD-MP3-Dingsbums-Alles-Player-Brenner-und-Sauger”, der am Fernseher hängt.

Sie hören Musik digital und mobil.

Ohne Zweifel hat sich dabei das MP3-Format durchgesetzt. (MP3 ist die Kurzform von „MPEG-1, Layer III“, wobei MPEG für Moving Picture Experts Group steht)  MP3-Dateien sind klein, nehmen also wenig Speicher weg und lassen sich blitzschnell übertragen.
Die Theorie lässt aber keinen Zweifel daran aufkommen, dass MP3-Dateien eine ziemlich miserable Klangqualität haben müssen. Alles, was man einer Sound-Datei Böses antun kann, das hat man ihr auch angetan.
Man hat ihre Informationen heruntergerechnet, komprimiert, reduziert – kurz:

MP3 ist mit Kartoffelbrei-Pulver zu vergleichen.

Und so traurig, dass man darüber fast schon wieder schmunzeln muss, ist eine zweite Analogie zum Kartoffelbrei-Pulver:
So wie unsere Kinder keinen selbstgemachten Kartoffelbrei mehr mögen, empfindet die Generation, die mit MP3 herangewachsen ist, den Klang der MP3-Datei einer CD gegenüber als deutlich besser. Langjährige Studien an verschiedenen Universitäten beweisen dies. Immer mehr Menschen haben sich so sehr an den MP3-Sound gewöhnt, dass sie diesen Klang subjektiv für besser halten und den CD-Klang als „seltsam“ ablehnen.

Aber dies ist nicht die einzige Kröte, die die CD-Produzenten derzeit zu schlucken haben. Die zweite kommt in Form von FLAC-Dateien daher.  (Free Lossless Audio Codec]

Und die ist eine so fette Kröte, dass man zurecht bezweifeln darf, dass die CD sie heruntergewürgt bekommt.

Hinweis:  Lesen Sie mehr über digitale Formate unter:  https://audiosaul.de/auralic-mini/ 

Jedenfalls frage ich mich an dieser Stelle, ob nun so eine FLAC-Datei, die ich aus dem Internet heruntergeladen habe, ob die nun besser oder schlechter ist, als meine CD.

Ich schaue also beispielsweise mal bei acousticsounds.com vorbei, einem der vielen Download-Anbieter von FLAC-Dateien – und entdecke sofort zwei gute alte Bekannte: Simon & Garfunkel Greatest Hits und Getz/Gilberto, das Album mit dem berühmten Song „The girl from Ipanema“. Die erste Scheibe stammt aus dem Jahre 1972, die zweite ist aus den 60-ern. Beide Masterbänder stammen also noch aus der rein analogen Ära.
Und beide Alben habe ich als LP und die Simon & Garfunkel sogar auch als CD. Alle Songs finde ich heute auch auf Spotify im MP3-Format.
Nun kann ich sie hier bei acousticsounds.com für jeweils 24,98 Dollar downloaden und ich frage mich gerade,
für wie bescheuert man mich eigentlich hält?

Wie oft muss man die gleiche Musik denn noch kaufen?

Erst hab ich 20,- Mark für die LP bezahlt, dann 20,- Euro für die CD, nun drücke ich schon jeden Monat 10,- Euro für Spotify ab und möglicherweise bald auch noch 20,- Euro monatlich für den Zugang zu einem High-Res-Audio-Portal und am Ende soll ich mir hier für 24,98 Dollar genau die gleichen, uralten Songs noch einmal als FLAC-Dateien herunterladen?
Und nächstes Jahr dann vielleicht noch einmal für 36,- Euro als „MQA“ oder wie?

Wobei ich ja den FLAC-Anbietern mit meiner Schimpferei zugegebenermaßen Unrecht tue.
Die CD hätte ich mir sparen sollen.

Aber da haben wir doch das Problem.
Es ist ja nicht nur der „Kampf der Formate“.
Das alles dehnt sich ja auch auf die Komponenten aus.
Downloaden oder streamen kann ich doch durchaus mit meinem Smartphone oder dem Tablet. Ich streame es über eine „kleine Kiste“ oder einen Bluetooth-Eingang zu meiner Anlage.
Das ist die einfachste und billigste Variante.
Genau das gleiche kann ich jetzt aber auch mit einem 18.000,- Euro High-End-Streamer vollziehen.
Und ich frage mich:
Kann ich nun zum Downloaden ein preisgünstiges Gerät verwenden und erst beim Abspielen das Signal von einem High-End-DA-Wandler wieder rekonstruieren lassen und alles klingt toll, weil es ja nur auf den DA-Wandler ankommt oder brauche ich auch schon einen 18.000,-Euro Streamer/Downloader?

Schon habe ich die ersten Kunden, die mit einem speziell „getunten“ Notebook ausschließlich über Akku-Betrieb und nur zu ganz bestimmten Tages- äh wohl mehr Nachtzeiten die Dateien downloaden, weil sie sonst nicht „gut genug“ sind.

Gespeichert wird das alles auf einer SSD, weil ja bei einer normalen Festplatte wieder der mechanische Lesevorgang zum klang-endscheidenden Faktor wird, oder?

Macht der Kunde das alles wirklich mit? Geht es mit uns in diese Richtung?

Richtig teure Musik-Server – (ich meine richtig teure!) – brauchen bis zu 20 Minuten, um eine CD einzulesen, zu rippen, zu taggen …
Ich habe ausgerechnet, dass ich dabei etwa 2 Jahre brauche (mit Urlaub und so) , um alle meine CDs einzulesen.

Und danach habe ich sie dann im Format 44,1 kHz bei 16 Bit auf einer Festplatte.
Eben im CD-Format, was sich gerade irgendwie den Ruf einhandelt, nur „zweite Wahl“ zu sein.
Die teuren Musik-Server können da heute schon mehr!
Manche Server bieten mir deshalb an, meine CDs auf 192 kHz hoch zu rechnen.
… also einfach eine Qualität zu erfinden?

Also Kartoffelbreipulver für 89 Cent die Tüte lasse ich mir ja gefallen – zuhause, mal eben schnell wieder angerührt – mit einem Stich guter Butter dran, da kann man es durchaus mal essen – aber ich lass mir doch nicht in einem 5-Sterne-Restaurant für richtig viel Geld zeigen, was ein Koch-Künstler aus Kartoffelbreipulver alles zaubern kann, oder hab ich da die falschen Ansichten?

Beschreibe ich hier eigentlich gerade den winzig kleinen High-End-Markt, der ja schon immer verrückt war, oder gilt das auch schon alles 1:1 für den Konsumer-Markt?

Was sagt denn unsere „Industrie“ zu diesem Thema?

Die Unterhaltungselektronik-Industrie steckt in einer Krise. Lassen sich doch neue Geräte nur dann an den Mann bringen, wenn man ihm klar machen kann, dass seine alten Geräte nicht gut genug sind.
Das allerdings zwingt sie dazu, dem Kunden das Qualitätsmerkmal schlechthin “in CD-Qualität” weg zu nehmen und sich selbst als Lügner zu bezichtigen.
So scheinen sich die Hersteller darin einig zu sein, den Mund zu halten und den Verbraucher ganz von allein dahinter kommen zu lassen.
Die High-Ender wissen es bereits, der Konsument interessiert sich zum Glück nicht so sehr dafür.
Aber auch er wird es irgendwann schon noch merken.

Schlecht hören kann man ja auch schon mit dem Handy gut!

Ja, der Industrie spielt es derzeit gut in die Karten, dass der moderne Mensch praktisch alles mit seinem Smartphone machen will, also auch Musik hören. Zum mobilen Streamen eignet sich sowieso nur das MP3-Format und damit ist ja alles in Butter, oder?

Der Mensch ist Jäger und Sammler.

Wie kommt er in einer rein digitalen “Online-Musik-Welt” zurecht – so ganz ohne Trophäen?

Und wie stellen Sie sich persönlich Ihre Zukunft und die Ihrer HiFi-Anlage vor?
Machen Sie da mit, bei diesen Neuentwicklungen, halten Sie an dem fest, was Sie haben, oder gehen Sie gar einen Schritt „zurück in die Zukunft“ und kaufen sich doch wieder einen Plattenspieler?
Lassen Sie uns doch an dieser Stelle mal gemeinsam eine allgemeine „Standortbestimmung“ durchführen.

Rückblick

Im Jahr 1980 noch
… sah die HiFi-Welt ziemlich aufgeräumt aus.
Den Kern einer „Stereoanlage“ bildeten der Verstärker und die Lautsprecher. Als „Quellen“ gab es den Plattenspieler und den Tuner, also das Radio.
Lediglich zum Aufnehmen musste man sich entscheiden, ob man mehr der Kassetten-Typ war oder sich eines von diesen „fetten“ Tonbandgeräten zulegen wollte.

Ein paar Jahre später fand dann das „Erdbeben“ unter dem Namen CD statt.

Die LP und der Plattenspieler waren von da an „altes, überflüssiges Gerümpel“.
Noch weniger wert (falls das überhaupt geht) war alles, was mit dem Kassettenrekorder oder den Bandmaschinen zu tun hatte.

Das digitale Format mischte sich nämlich auch schon bald in das Thema „Aufnehmen“ ein und der Markt bescherte uns einige mehr oder weniger segensreiche digitale Erfindungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt hätten die großen Entwickler erkennen müssen, dass der Kunde nicht bereit ist, jeder Fahne hinterher zu rennen, nur weil sie heftig geschwenkt wird.
Dabei waren sie selbst so kurzsichtig, uns zunächst digitale Aufnahme-Medien anzubieten (z.B. die DCC), bei denen der größte bisherige Nachteil der analogen Medien erhalten blieb – nämlich diese nervende Vor- und Rückspulerei.

Wo hören wir eigentlich Musik?

Der typische Verbraucher hört seine Musik an unterschiedlichen Orten. Hauptsächlich jedoch zuhause und im Auto.
Will man ihn zu einem Formatwechsel „verführen“, muss man ihm nicht nur das neue Equipment fürs Wohnzimmer anbieten, sondern auch eine Lösung fürs Auto.
Und da hatten wir eben unsere Kassetten.
Das schöne an der Kassette war doch, dass sie „billig und robust“ war.
Sie durfte im Fahrgastraum herumfliegen, beim Öffnen der Tür herausfallen, nass regnen, geklaut werden …
Aber wer wollte schon eine Kassette klauen?
Sie konnte ja jederzeit ersetzt werden und hatte einfach keinen Wert. Jedenfalls nicht die Kassette, die wir fürs Auto aufgenommen hatten.
Sollte man sich jetzt etwa ein neues Autoradio für teure digitale Kassetten oder Mini-Discs kaufen?
Also ganz ehrlich – ein solcher Schritt stand doch wohl niemals zur Debatte, oder?

Erst als die Seifenblase vom „Märchen von den staub- und keimfreien Laboratorien“, ohne die  angeblich eine CD niemals herzustellen sei, in Form von 40,- Euro-CD-Brennern zerplatzte, die man per USB an seinen eigenen PC anschließen konnte, gab es ein neues Medium fürs Auto:
Die CD – und hier eben vor allem die selbst gebrannte CD.
Alles, was wir über die Kassette gesagt haben, traf nun auch auf dieses Medium zu. Der Rohling war ziemlich wertlos, jederzeit ersetzbar und damit genau richtig fürs Auto.
Über die LP und den Plattenspieler sprach niemand mehr – bis auf ein paar Unbelehrbare, „ewig Gestrige“.

Und so hätte es eigentlich auch wunderbar weitergehen können, wenn nicht die Zeit so dreist gewesen wäre, voran zu schreiten und mit ihr der „technologische Fortschritt“.
Erst etablierte sich der Computer und dann auch noch das Internet.
Vor allem der zweite Punkt eröffnete uns heute gleich mehrere unterschiedliche Optionen und sorgt aktuell dafür, dass sich selbst eingefleischte HiFi-Freaks unsicher werden.

Zurück in der Gegenwart

Neben dem Besitz unserer gekauften Medien, in welcher Form auch immer, öffnet uns das Internet gerade die Tür zu einer Musik-Menge in unvorstellbarem Ausmaß. Und vieles davon völlig kostenlos.
Geben Sie den Titel von irgendeinem Song bei youtube ein – ich denke, Sie werden ihn finden. In mehreren Interpretationen, mit schönen Fotos hinterlegt, als Konzert-Mitschnitt, unplugged – wie auch immer.
Wem das nicht reicht, der richtet sich ein kostenpflichtiges Konto bei einem der Musikportale ein.
Spotify, Deezer, Apple Music, TIDAL HiFi, Qobuz, Amazon Primemusic, Napster, rdio, Soundcloud, XBox Music, Google Music, Baboom, rara, Juke mymusic, und jetzt auch noch ALDI life.

Hab ich einen vergessen? Ganz sicher! Denn es scheint sich gut Geld verdienen zu lassen mit diesen Portalen. Doch wer erhält das viele Geld? Die Musiker sehen jedenfalls nicht sonderlich glücklich aus dabei.

TIDAL HiFi, der Nachfolger von WIMP, wirbt mit dem FLAC-Format. So ein FLAC-Download hat den Vorteil, dass uns nun kein billiger und schlechter CD-Spieler mehr einen Teil der auf der CD vorhandenen Klangqualität vorenthalten kann.

Zum Digitalisieren unserer LPs, Kassetten und Tonbänder brauchen wir dann noch einmal die ehemaligen Abspielgeräte, die wir uns zumindest so lange leihen müssen, bis alles digitalisiert und auf unserem zentralen Musik-Server abgelegt ist.
Den müssen wir dann Nacht für Nacht auf einen zweiten Speicher sichern, damit wir nicht eines Tages mit einer kaputten Festplatte oder einem gestohlenen Musik-Server dastehen und alles „weg ist“.  Das wäre der GAU!
Versuchen Sie mal, von Ihrer Versicherung das Geld für monatelanges Rippen einzufordern!

Vielleicht haben wir ja aber Glück und „unsere Musik“ ist längst bei Spotify und Co. gelandet. Mit weniger Rauschen als wir es auf unseren Kassetten hören mussten, ohne Knistern, Knackser und ohne Cola in den Rillen; sogar ohne Rückstände von angetrockneten Nassfahrmitteln und …
ganz ohne Arbeit und Zeitaufwand. Sie ist einfach schon da!
Mit Informationen über den Interpreten, mit Hinweisen zu „ähnlichen Künstlern“ und mit der Möglichkeit, Playlisten zu erstellen, um auf die unterschiedlichsten Situationen vorbereitet zu sein. Party, Hintergrundmusik, Irischer Abend, Weihnachten mit Kindern, Schmusen …
Man muss so eine gut gefüllte Playliste nur starten und von da an macht sie Musik – so lange, wie Lieder in der Liste sind.

Das ist ohne Zweifel eine tolle Sache und ich kann und muss mich hier outen:
Ich nutze Spotify!

Bleibt die immer noch offene Frage nach der Qualität. Die MP3-Qualität ist aus meiner Sicht völlig ausreichend, um Künstler und Songs kennenlernen zu können.
Manche Alben gefallen mir aber so gut, dass ich die Musik kaufen will, um sie in einer noch besseren Qualität hören zu können. Welches Medium soll ich mir da heute kaufen? Soll ich es als FLAC downloaden? Reichen 24 Bit bei 96 kHz, müssen es 192 kHz sein oder noch viel mehr?
Oder soll ich es gar nicht kaufen sondern von TIDAL oder Qobuz streamen?

Fühlen Sie sich beim Lesen dieser Zeilen gerade auch so unwohl wie ich beim Schreiben?

Ich brauche eine Pause.

Bin zurück. Ich habe mir in der Pause den vierten Akt aus Verdis „Il Trovatore“ angehört (LSC-2617 Living Stereo 1962 mit Leontyne Price). Natürlich auf Schallplatte! Jetzt geht es mir wieder gut.

Und beim Hören habe ich doch tatsächlich etwas wiedergefunden, was mir in diesem Beitrag bislang völlig gefehlt hat:

Den Aspekt der Wertigkeit.

Mal so am Rande:
Wenn Sie sich auf einen besonderen Anlass vorbereiten, wechseln Sie dann Ihre Armbanduhr? Haben Sie für so etwas ein paar besonders edle Schuhe im Regal stehen? Gibt es da einen edlen Tropfen in Ihrem Schrank, den Sie sich nur zu solchen Anlässen gönnen?

Welche Wertigkeit kann eine Musik besitzen, die wir überall und zu jeder Zeit vor uns hin dudeln können?
Mit welchem Gefühl höre ich einen Song, der auf meinem NAS liegt und von dem ich noch zwei Kopien besitze, weil ich mich vor einem Festplatten-Crash schützen will?

Oder reicht es schon, wenn die Musik an sich eine Wertigkeit besitzt?
Muss Musik überhaupt eine Wertigkeit besitzen?
Muss das Medium eine Wertigkeit besitzen, das die Musik in sich oder auf sich trägt?

Die LP, die ich gerade gehört habe, die knistert schon hier und da – sie ist nicht mehr so wie sie mal war.
Sie ist älter geworden.
So wie ich.
LPs sind genau so vergänglich wie wir.
Die Zeit nagt an Ihnen, aber sie verknüpft sie auch mit Erinnerungen. Wenn wir eine LP-Hülle in die Hand nehmen, sehen wir es wieder vor unseren Augen, wie das damals war, als wir sie geschenkt bekommen haben, als wir sie nach dem Konzert in Berlin vom Interpreten selbst gekauft haben.

Das Inlay mit den Texten haben wir in den ersten Tagen verschlungen, bis wir alle Texte auswendig kannten. Hier und da haben wir vielleicht etwas hinein gekritzelt. Wir wissen oft noch ganz genau, wann und mit wem wir die LP gehört haben.
Irgendwie fühlen wir uns mit ihr verbunden.

Es ist unsere LP.

Besitzen wir eine Kopie von ihr? Haben wir sofort für eine Redundanz gesorgt? Muss so etwas sein?

Gibt es etwa von uns selbst eine Kopie?
Oder von den Menschen, die wir lieben?
Wäre eine Redundanz unserer Person erstrebenswert?
Wenn der eine von uns zu müde ist noch auszugehen, schnappen wir uns eben den anderen? Der ja noch „frisch im Schrank steht“?
Ich rede Unsinn, zugegeben.

Dabei hatte ich Ihnen ja versprochen, Ihnen dabei zu helfen, sich nach dem Lesen dieses Beitrags besser mit diesen ganzen Geräteangeboten auszukennen, die es schon gibt und die noch auf uns zukommen werden.
Und genau das will ich jetzt auch wieder tun.

Denn die Lösung ist eigentlich ein Kinderspiel. Wir müssen nur verstehen, dass wir uns der Musik auf zwei unterschiedliche Arten nähern können:
Konsumieren oder genießen.

Über das Konsumieren brauchen wir überhaupt nicht die Nase zu rümpfen – das ist doch gar nichts schlechtes!
Im Radio, im Auto, beim Joggen, im Garten … wir alle konsumieren Musik, weil wir Musik mögen.

Und genau dafür sind diese neuen Musik-Portale neben dem klassischen Radio wirklich toll.
Welches von ihnen Ihre Zuneigung findet, das ist reine Geschmacksache. Dem einen gefällt die eine  „Oberfläche“ besser dem nächsten eine andere. Der eine will es so billig wie möglich, der nächste stellt höhere Ansprüche an die Qualität.
Und eines ist sicher: Je mehr wir darüber schimpfen, wie teuer Musik ist – umso mehr müssen wir diese Portale lieben.

30 Millionen Songs für 10,- Euro im Monat.  Billiger – hat es das noch nie gegeben!

Kurz und gut:
Ich möchte Sie dazu ermuntern, diesen Portalen eine Chance zu geben.

Schon allein die Möglichkeit, viele unbekannte Musiker kennen lernen zu können, ist den Monatsbeitrag ganz bestimmt wert. Und ob Sie das Portal unterwegs, im Büro oder nur zuhause am PC oder über die „gute Anlage“ nutzen oder ein Gemisch aus allem – diese Portale sind der richtige Weg hin zu neuer, toller Musik.

Erstes Fazit also:   Portale?  Ja, unbedingt!

Kommen wir zu den Streamern, den Rippern und den Musik-Servern, die es ja oft genug auch als Kombi zu erwerben gibt. Wer sich lieber sein eigenes Musikportal aufbauen möchte, mit einer Zusammenstellung aus seinen eigenen digitalisierten oder gerippten Medien, der kann das mit diesen Geräten tun, hat aber viel Arbeit vor sich.
Nach der Arbeit kann er alle seine LPs in den Hüllen und seine CDs in den Regalen stecken lassen und komfortabel z.B. über sein Tablet auf diese Musik zugreifen, um sie im ganzen Haus oder sogar unterwegs hören zu können.
Funktionieren tut das gut – ob man es braucht, muss man selber beurteilen.

Fazit:

Man muss das Schießpulver nicht verdammen, sondern richtig einsetzen.

Musik-Portale verschaffen uns den Zugang zu unvorstellbar viel Musik und der Umgang mit ihnen ist so komfortabel wie wir uns das immer erträumt haben. Wer es sich leisten kann, der unterstützt uns Musikliebhaber, indem er zu den Portalen mit den besseren digitalen Formaten wechselt, um für eine bessere digitale Zukunft zu sorgen und den Betreibern ein klares Zeichen zu senden.

Die Schallplatte erfüllt unsere Ansprüche an eine Wertigkeit, ohne die unser Leben jeden Glanz verliert.

Aber bei aller Liebe zur Schallplatte, die ich ganz sicher in meinem Leben nie verlieren werde, muss man zurzeit am Ende eines erkennen:

Das Original eines jeden Albums ist nun einmal das Masterband.

Bei der Schallplatte verwenden wir es, um es 1:1 auf ein analoges Medium zu pressen.
Bei der CD mussten wir den Inhalt des Masterbandes so lange misshandeln, bis die Datenmenge klein genug war, um auf eine silberne Scheibe zu passen.
Doch der Download einer High-Res-Audio-Datei bringt uns das Masterband quasi im Original zu uns nach Hause.

Das hat es so noch nie gegeben!!
Und schon gar nicht für 10,- Euro, wie diese Alben heute schon angeboten werden.

Also ich weiß jetzt, was ich machen werde:
Unterwegs höre ich MP3.
Zuhause streame ich meine Playlisten in CD oder HighRes-Audio-Qualität.
Besonders gute Aufnahmen kaufe ich als Download in Masterbandqualität und speichere sie auf meinen NAS oder Server.
Und wenn mir mal der Sinn nach etwas ganz besonderem steht, dann lege ich eine meiner Lieblings-Schallplatten auf und gönne mir dabei einen guten spanischen Rotwein.

Ich glaub, es ist grad schon wieder so weit.
Wo zum Teufel ist denn jetzt wieder der Korkenzieher hingekommen?
🙂

 

Die Schallplatte – nicht nur schwarz

Die Schallplatte, nicht nur schwarz …

Die Schallplatte, nicht nur schwarz …

In unserem Bericht “Die Schallplatte, nicht nur schwarz …” betrachten wir ein paar interessante Hintergründe rund um die schwarze Scheibe.

Ein paar Informationen zur Schallplatte1954 erblickte ich das Licht dieser Welt.
Und wer so wie ich in dieser Zeit geboren wurde, der ist vermutlich in einem Haushalt herangewachsen, in dem es ganz bestimmt auch einen Schallplattenspieler gab.
Ob es jetzt ein besonders gutes Teil war oder lediglich der Perpetuum-Ebner Plattenwechsler hinter einer großen Holzklappe – man hatte auf jeden Fall einen Plattenspieler. Je billiger das Teil war, umso gefahrloser konnte man die damals beliebten „klingenden Postkarten“ mit den „schönen Grüßen aus Hawaii“ (wo natürlich nie jemand wirklich gewesen ist) abspielen.

Was ich damit sagen will ist, dass es für unsere Generation die Schallplatte irgendwie schon immer gegeben hat und man gefühlt doch höchstens “im Mittelalter” so etwas noch nicht gehabt hat. Dass die Schallplatte in der Ausführung, wie wir sie heute immer noch kennen, gerade einmal zwei Jahre älter ist als ich, das kann ich immer noch schwer glauben.

Sicherlich gab es die Schallplatte auch schon vor 1952, nicht nur die 78-er Schellackplatte. Aber 1952 war das Jahr, in dem die vom Label Columbia vorgegebene Schneidekennlinie von der RIAA (Recording Industry Association of America) fixiert und allen anderen Plattenherstellern empfohlen wurde. Die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) übernahm diese Empfehlung und wir Deutschen legten das dann mit der DIN 45 541 als Norm fest.

All diese Maßnahmen konnten jedoch nicht verhindern, dass die Plattenproduzenten in einem gewissen Rahmen ihr eigenes Süppchen weiter kochten. Selbst die Schellackplatte wurde ja noch bis 1972 weiter produziert.

Was genau verbirgt sich aber nun hinter der Bezeichnung Schneidekennlinie?

Um dies zu erklären, müssen wir uns zwar nicht „ganz doof“ stellen und es geht auch nicht um die „Dampfmaschine“, aber ich will doch „etwas weiter vorne“ anfangen:

Das Grammophon

… funktionierte vollständig mechanisch – also eben nicht elektrisch.
Dies bezieht sich keineswegs nur auf den Antrieb, also auf das Drehen der Schallplatte, sondern auch auf die Musikwiedergabe, also das Abtasten der Information auf der Schallplatte und die “Weitergabe”.
Bei der Schellackplatte waren die Frequenzen der Musik noch 1:1 in das Plattenmaterial geschnitten worden. Auch wenn wir vielleicht selbst nie ein Grammophon besessen haben, so wissen wir ja doch, dass das fürchterlich geknistert und vor allem gerauscht hat.
Rauschen nennt man ein Geräusch, das keine feste Frequenz hat. Das Gegenstück dazu ist der Sinuston mit einer definierten und messbaren Frequenz. Der Sinuston an sich ist allerdings nur eine recht theoretische Angelegenheit, da es praktisch kein einziges Instrument gibt, das einen reinen Sinuston erzeugt.
Aber kommen wir zurück zur Schellackplatte und zur Frage, wieso sie so sehr gerauscht hat.
Wer so ein Grammophon im Spielbetrieb beobachtet, der wundert sich überhaupt nicht über dieses Rauschen. „Mit einem Affenzahn“ kratzt die Nadel über dieses recht harte Plattenmaterial und dass so etwas rauschen muss – ist einem sofort klar.

Nur am Rande: Nach dem Abspielen von nur einer Plattenseite musste/sollte die Nadel getauscht werden, weshalb es sie in kleinen Blechdosen zu jeweils 100-er Mengen zu kaufen gab.

Eine 33-er LP dreht sich da deutlich langsamer, das Material (Vinyl) ist weicher und die Nadel ist viel kleiner – außerdem ist sie nicht mehr aus Metall sondern aus einem Diamanten geschliffen. Logisch also, dass das weniger rauscht.
Aber dafür gibt es eben doch noch einen weiteren Grund, auf den ich nun zu sprechen komme.

Rauschen und hohe Töne lassen sich schlecht voneinander unterscheiden

Rauschen, also diese „wilden Töne ohne feste Frequenzen“ gibt es vor allem im Hochtonbereich, weil sie in der Regel gar nicht stark genug ausgeprägt sind, um tiefe Frequenzen entstehen zu lassen.
Je höher die Frequenz eines “echten” Tones ist, desto schneller und mit weniger Auslenkung schwingt er. Auf einer Schallplatte werden seine Auslenkungen irgendwann so winzig klein, dass sie sich kaum noch von der “rauhen” Plattenoberfläche unterscheiden.  Die hohen Töne vermischen sich irgendwann mit dem Rauschen und sind nicht mehr zu erkennen. Genau das ist bei der Schellackplatte, also beim Grammophon geschehen.

Alles ist mechanisch

Die Nadel saß beim Grammophon direkt auf einer Membrane. Sie folgte beim Abspielen der Information in der Rille und brachte dadurch die Membrane zum Schwingen. Damit man das besser hören konnte, wurde ein Trichter auf diese Membrane gerichtet und der öffnete sich zum Hörer hin. Das hat gut funktioniert, nur nicht gut geklungen.

Dann wurde es elektrisch

Durch einen bedeutenden Entwicklungs-Schritt, bei dem die Mechanik durch Elektronik ersetzt wurde, eröffnete sich die Möglichkeit, beim Schneiden die Musikinformation zu manipulieren.

Wie funktioniert ein elektrischer Tonabnehmer?

Der „mechanische Tonabnehmer“ beim Grammophon saß wie bereits beschrieben auf einer Membrane und funktionierte wie das Dosentelefon, das wir als Kinder gebastelt haben.
Der elektrische Tonabnehmer wie wir ihn heute kennen, trägt eine Spule und einen Magneten in sich.
Bewegt sich eines von beiden, wird eine elektrische Spannung erzeugt.
Ja richtig, es ist das Dynamoprinzip, auf das wir immer wieder stoßen, wenn es entweder darum geht, Musik zu lesen, wie hier beim Tonabnehmer, oder darum, Musik zu erzeugen, wie beim Lautsprecher.
Das Prinzip dürfte genau so bekannt wie einfach zu beschreiben sein: Befindet sich ein Magnetstab in der Nähe einer Spule und bewegt man eines von beiden, wird eine elektrische Spannung erzeugt. Beim Fahrrad versorgen wir damit unsere Beleuchtung.

Der Tonabnehmer durchfährt nun mit seinem Diamanten die Plattenrille. Der Diamant ist auf einem Röhrchen befestigt. Im Tonabnehmer-Gehäuse ist an diesem Röhrchen entweder ein Magnet (MM-System – steht für moving magnet) oder eine Spule angebracht (MC-System – steht für moving coil).

Die grundsätzliche Funktionsweise ist in beiden Fällen identisch. Der Diamant bewegt sich, das Röhrchen bewegt sich, die Spule oder der Magnet bewegt sich und dadurch wird eine elektrische Spannung erzeugt. Diese elektrische Spannung wird zu einem Verstärker geleitet, der die empfangenen Signale in Musik umsetzt. Fertig!
Fertig?

Manipulation!

Nun – ich hatte Ihnen ja versprochen, dass wir die Musikinformation beim Schneiden manipulieren wollen und dazu kommen wir jetzt.
Stellen Sie sich vor, wir hätten eine Schallplatte ohne Rille drauf, also nur eine schwarze, glatte Vinylscheibe. Und darauf lassen wir jetzt unseren Tonarm absinken und hören uns das an. Was wir nun hören können, das sind Knister- und Knackgeräusche, und das Rauschen der Schallplattenoberfläche. Diese Geräusche werden logischerweise weniger, wenn wir den Lautstärkeregler an unserem Verstärker herunter drehen und lauter, wenn wir ihn wieder aufdrehen.
Genau diese Tatsache führt uns zur Lösung des Problems.
Die Musik muss so laut auf die Schallplatte geschnitten werden, dass wir den Lautstärkeregler beim Abspielen sehr weit herunter regeln müssen. Das sowieso schon recht leise Rauschen regeln wir also einfach mit dem Lautstärkeregler auf eine Lautstärke herunter, die wir nicht mehr hören können und die sowieso viel zu laut aufgenommene Musik wird dadurch in einer erträglichen Lautstärke – und ohne Rauschen – wiedergegeben.

Das wird viel zu breit!

Was die Höhen anging, war diese Idee eine hervorragend gute und funktionierende. In den tieferen Tonlagen jedoch führte dies zu derart starken Auslenkungen, dass die Rillen einfach zu breit wurden, um eine akzeptable Spieldauer zu gewährleisten. Wir wissen, dass unsere Schallplatten pro Seite etwa 20 bis 25 Minuten Musik in und auf sich tragen können. Diese Zeit sollte auf keinen Fall unterschritten werden – so die Vorgaben der Plattenindustrie, die ja Platten verkaufen wollte. Die Rillen durften also nicht so breit werden, wie es diese Lösung erfordert hätte.

Man müsste die Musik einfach “zerteilen”!

Im nächsten Schritt kam man auf die Idee, mit den tiefen Tönen genau das Gegenteil zu machen, was man mit den hohen Frequenzen angestellt hatte, man senkte sie in der Lautstärke ab. Rauschen war und ist in diesen Frequenzbereichen nicht wahrzunehmen, also sprach nichts gegen diesen Plan.
Man trennte also fortan die Anforderungen an die unterschiedlichen Frequenzbereiche und teilte “die Musik in drei Teile”:

  • den Tieftonbereich, der im Pegel gesenkt wurde
  • den Mittenbereich, der im Original belassen wurde
  • den Hochtonbereich, der im Pegel angehoben wurde.

In den Richtlinien der RIAA sind die Übergangsfrequenzen und weiteren technischen Parameter für diesen Vorgang (diese Manipulation)  genau definiert.
Dies ist deshalb so wichtig, da die Hersteller von Phonoverstärkern diesen Vorgang ja wieder rückgängig zu machen haben.
Sie müssen die Frequenzen je nach Höhe entsprechend der RIAA-Vorgabe anheben, belassen oder absenken.

Das klingt jetzt fast nach einem “Kinderspiel” , also nach einem ziemlich einfach zu bewerkstelligenden Aufwand – die Praxis zeigt uns jedoch, dass sich an dieser Stelle eher eine “Spielwiese” aufgetan hat. Entwickler können hier an unvorstellbar vielen “Klangschrauben” drehen, um ihrem Phonoverstärker einen eigenen Sound zu verleihen, oder ihm beizubringen, selbst die allerfeinsten Klangnuancen realistisch zu reproduzieren. Selbst dann, wenn ihre Informationen in kaum messbaren Spannungsstärken vom Tonabnehmer geliefert werden.

Doch neben diesen vielen Möglichkeiten zur Kreativität und zur Erfüllung eigener Ansprüche, gibt es zwei Parameter, die es Entwicklern von Tonabnehmern und Phonoverstärkern fast unmöglich macht, eine Schallplatte korrekt auszulesen.

Plattenlabel pfeifen was auf die RIAA-Kennlinie.

Wer sich einmal die Mühe macht, sich durch die Listen mit verwendeten Schneidekennlinien zu arbeiten, der wird feststellen, dass sich diese Kennlinien je nach Label und “Jahrgang” voneinander unterscheiden. (Hier finden Sie Beispiel-Listen)

In der Praxis erweisen sich diese Unterschiede zum Glück nicht als “gravierend”, aber sie sind durchaus vorhanden.

Der nächste Punkt betrifft die Form oder besser gesagt den Schliff-Winkel des verwendeten Schneidestichels. Auch die Hersteller dieser Schneidemaschinen haben zu jeder Zeit versucht, durch eigene Entwicklungen der Qualität der Schallplatte einen Vorschub zu leisten. Richtig tolle Ideen haben sich dabei ergeben. Leider waren einige davon kommerziell eher uninteressant, was die Umsetzung verhinderte. Geblieben sind aber die Unterschiede bei den Schneidesticheln, die eben mit verschiedenen Schleifwinkeln (zwischen 0,7 und 7,0 Mil) produziert wurden. Bei unseren heutigen Schallplatten finden wir zum Glück nur Stichel, die entweder mit 1 Mil oder 3 Mil geschliffen wurden.

Brauche ich 2 Tonabnehmer?

Nein, definitiv nicht. Zum einen ist es nicht immer einfach heraus zu finden, womit die vorliegende Schallplatte geschnitten wurde und zum anderen sind die Schliffe der Tonabnehmer da eher “universal”.

Der Nadel den richtigen Schliff verpassen

Der einfachste Schliff ist der so gescholtene „Besenstiel“, also die sphärisch geschliffene Nadel. Rundherum rund – so verzeiht sie einem fast jeglichen Einbaufehler und niemals ist die Platte in Gefahr, von der Nadel “zerschnitten” zu werden.

Neben der Tatsache, dass diese Nadel nicht sonderlich tief in die v-förmige Rille eintauchen kann und ihr dadurch feinere Informationen verborgen bleiben, kommt es bei diesem Schliff auch noch zu einer winzigen Zeitverschiebung beim Abtasten. Dadurch, dass sie auch nach hinten und nach vorne rund geschliffen ist, bekommt bei jedem Richtungswechsel der Rille jeweils eine Rillenseite einen Tacken früher Kontakt zur Nadel. Und das gleicht sich eben nicht durch den nächsten Richtungswechsel einfach wieder aus.
Um dem entgegen zu wirken, entwickelte man den elliptischen Schliff. Hierbei wird der „Besenstiel“ vorne und hinten abgeschliffen, bis nur noch die mittlere Scheibe vorhanden ist.
Tiefer in die Rille dringt dieser Schliff zwar auch nicht ein, aber zumindest die „Zeitverschiebung“ kann so eliminiert werden. Bei beiden Schliffen müssen wir jedoch damit leben, dass die Nadel rechts und links die Rillenflanke nur an winzig kleinen Punkten berührt.
Das Ziel, sich rechts und links „vollflächig“ an die Rillenflanke anlegen zu können, verfolgen dann die Schliffe, bei denen die Seiten der Diamanten gerade geformt sind. Für diese Schliff-Form verwendet jeder Hersteller seine eigene Bezeichnung, da diese Nadelspitzen dann auch noch vorne und hinten mit weiteren Facetten versehen werden, um den Abtastvorgang noch weiter zu verbessern.

Im Idealfall folgt eine Nadel mit diesem Diamantschliff exakt dem Winkel, mit dem auch der Schneidstichel die Rille geschnitten hat. Ist dies tatsächlich der Fall, dann kann die Nadel der Rille nach unten bis auf den Grund folgen und damit auch die allerletzte Information „aus der Rille kitzeln“.
Wäre die Nadel „steiler“ geschliffen als der Stichel es war, hätte sie niemals zu beiden Rillenflanken gleichzeitig Kontakt, sondern würde beim Abspielen „hin- und hergeworfen“ werden, was die Platte auf der Stelle ruinieren würde, da sie ja nun einmal weicher und damit derjenige ist, der nachgibt.
Ist die Nadel „stumpfer“ geschliffen als der Stichel nähert sie sich wieder dem Abtastverhalten der sphärisch oder elliptisch geschliffenen Nadel an, da sie nicht mehr flach an der Flanke anliegen kann, sondern wieder nur punktuell. Je nach Schleifwinkel tastet sie dann die Rillen an noch einer höheren Stelle ab, als die sphärische geschliffene Nadel.

Den Einbau und die Justage eines Tonabnehmers mit geradem Schliff sollte man unbedingt dem Fachmann überlassen, denn diese geraden Kanten sind in der Regel auch messerscharf. Baut man z.B. einen Tonabnehmer mit einem van-den-Hul-Schliff so richtig falsch ein, kann ein einziger Abspielvorgang die Schallplatte unbrauchbar machen. Hierzu reicht es möglicherweise bereits, den Tonarm am Lager zu hoch eingestellt zu haben. Die Nadel “pflügt” sich dann wortwörtlich in die Rille und betätigt sich im schlimmsten Fall als Schneidstichel. Die Platte ist verloren!
Bei einem zu tief eingestellten Tonarm kann es einem dagegen passieren, dass die Nadelspitze zu weit nach vorne zeigt und der Diamant sich lediglich mit einem oberen – breiteren Teil der Nadel an die Rillenflanken legt … und er sich dadurch wieder so verhält wie ein sphärisch geschliffener Diamant.

Wieso nur eine Rille und nicht zwei – wir hören doch in Stereo!?

Hierzu hat es zu Beginn der Schallplattenentwicklung tatsächlich unterschiedliche Lösungsansätze gegeben.
So gab es auch Schallplatten mit zwei getrennten Rillen, eben eine Rille für links und eine für rechts. Man kann sich vorstellen, dass eine LP die Hälfte ihrer Spieldauer einbüßt und dadurch vor allem viele klassischen Stücke nicht mehr auf eine Schallplattenseite passen.
Für zwei Rillen ist also kein Platz da.

Die logischste Lösung lautete danach, den einen Kanal in der vertikalen und den anderen in der horizontalen Richtung zu schneiden, was sich in der Praxis aber ebenfalls als problematisch erwies. Unter anderem, weil man dann bei tiefen Tönen auch sehr tief in das Plattenmaterial schneiden musste.
Als brauchbarster Kompromiss sollte sich dann die Idee erweisen, die Schneidrichtungen einfach um 45° in der Achse zu drehen. So wird der rechte Kanal nun von oben rechts nach unten links und der linke Kanal von oben links nach unten rechts geschnitten. (Von vorne auf den Tonabnehmer gesehen). Auf diese Weise arbeiten beide Kanäle unter nahezu identischen Bedingungen. Einzig und allein die Skatingkraft wirkt sich noch unterschiedlich auf den Abtastvorgang aus.  Aber zu diesem Thema an anderer Stelle mehr.

Hat man sich noch nie Gedanken drüber gemacht!?

Vielleicht sehen Sie die Schallplatte jetzt mit etwas anderen Augen und erkennen, wieso sie sich von einer CD unterscheidet, die wir einfach nur in eine “Schublade legen” können und bei der wir alles andere dann dem Player überlassen müssen.

Bei einer Platte gibt es viele Parameter, Fakten, Philosophien – auf die wir uns einlassen können, um “unserem” Plattenspieler Individualität zu verleihen.
Jeder Besitzer eines Plattenspielers kann selbst bestimmen, wie die Schallplatte klingen soll. Der richtige Tonabnehmer, die richtige Justage, der richtige Phonoverstärker … Am Ende habe ich einen Plattenspieler, wie es ihn nur ein einziges mal auf dieser Erde gibt. Ein Unikat!

Unser Plattenspieler klingt nämlich anders als alle anderen Plattenspieler!
Irgendwie viel besser! 🙂