MQA- doch nicht das Klangparadies

MQA, doch nicht das Klangparadies

MQA, doch nicht das Klangparadies

“Jetzt müsste man Mäuschen spielen dürfen …”

Es bewegt sich gerade sehr viel rund um das Thema MQA  — leider hinter verschlossenen Türen.

Der Schock der Woche:

Die Brüder Frank und Lothar Kerestedjian aus Berlin haben die Tore in ihrem Portal highresaudio.com für MQA erst einmal wieder geschlossen. Das öffentliche Statement hierzu wurde allerdings nach kurzer Zeit wieder von der Seite genommen.
Nun können wir Mutmaßungen anstellen und dabei unserer Phantasie freien Lauf lassen.
Kurzzeitig war zu lesen, dass man die Qualität einer MQA-Datei bei highresaudio.com subjektiv als „nicht besser“, ja sogar als „schlechter“ bewertet, dass MQA nicht verlustfrei arbeitet und noch dazu jede Möglichkeit fehlt, MQA zu messen oder überhaupt auch nur zu belegen.

highresaudio.com führt seit jeher umfangreiche Messungen durch, um weder irgendwelche Mogelpackungen einzukaufen, noch an seine Kunden weiter zu reichen.
Da war es nur eine logische Folge, dass man keine MQA-Dateien anbieten will, die vielleicht gar keine MQA-Dateien sind. Zumal das ja auch unter Umständen erhebliche rechtliche und damit finanzielle Folgen nach sich ziehen könnte.

Dennoch, die Entscheidung bei highresaudio.com gegen MQA ist schon ein heftiger Tritt zwischen die Beine des Unternehmens.
Allerdings kann man auch das Auftreten von MQA derzeit nur als ziemlich provokant und fast schon überheblich bezeichnen.

Hier mal eine Metapher, um das zu erläutern:
Seit der „Erfindung“ von digitalen Sensoren für Fotokameras werden diese fortlaufend verbessert.
MQA stellt sich nun her und behauptet im übertragenen Sinn:  „Alle bisherigen Sensoren arbeiten fehlerhaft! Aber durch unser MQA-Verfahren erhalten wir zum ersten mal natürlich wirkende Bilder!
Und das erreicht man bei der kamerainternen Umwandlung vom RAW-Format zum JPEG.
Das allerdings funktioniert nur mit neuen Sensoren.
Nämlich solchen, die eine MQA-Lizenz besitzen.
Und deshalb kann man das Wandeln auch nicht mehr länger Lightroom und Co. erlauben!
Es sei denn, die erwerben die MQA-Lizenzen und sind auf Computern installiert, deren Prozessoren und Chips allesamt eine MQA-Lizenz besitzen.
Eine 100,- €-Einsteiger-Kamera mit MQA liefert laut MQA ab sofort bessere Bilder als das Profi-Flaggschiff ohne MQA!
Na, da ist es ja nur gut, dass man das Profi-Flaggschiff ganz bestimmt auch bald in der MQA-Version kaufen kann.
Damit auch deren Bilder dann “natürlicher” aussehen.

MQA = Des Kaisers neue Kleider?

Wieder zurück in der HiFi-Welt heißt das, dass sich weder die Auflösung noch die Abtastrate durch MQA verbessern. Alles, was man uns verrät ist, dass man bei MQA eine andere Filtereinstellung wählt.
Eine Einstellung, die die bisherigen Wandler-Chips angeblich überhaupt nicht beherrschen, weshalb man neue braucht.

Daran melden einige Fachleute arge Zweifel an.

Genau deshalb fordern sie, dass man bei MQA jetzt mal endlich die Dollarzeichen aus den Augen nimmt und stattdessen den Chip- und Geräteherstellern diese Filtereinstellung offen legen soll, damit diese dann neben „Präzise“, „Sanft“ oder „Balance“ zukünftig eben auch die anwählbare Einstellung „MQA“ integrieren können. Um so dem Besitzer selbst die Entscheidung zu überlassen, ob er es als besser oder schlechter empfindet und nutzen will oder nicht.

Ob das so technisch möglich wäre – vermag ich nicht zu sagen.
Ich weiß nur, dass es aus meiner Sicht eine faire Vorgehensweise wäre.

Aber MQA verweigert ja sogar Herstellern die Lizenz, die eine MQA-De-Kodierung im Streaming-Client vornehmen, wodurch dann jeder x-beliebige DAC die MQA-Dateien wandeln und wiedergeben könnte. (siehe:  http://support.auralic.com/hc/de/articles/222512427-Wird-AURALiC-in-Zukunft-MQA-unterstützen- )
Heißt das nicht einfach, dass jeder (!!!) auf dem Markt befindliche DAC MQA-Dateien wandeln kann, wenn man ihm nur vorweg einen MQA-Dekodierer spendiert?
Diese Möglichkeit aber durch Lizenz-Verweigerung zu verhindern kann doch nur einen einzigen Zweck verfolgen:
Man will Geld verdienen und allein deshalb die Verbraucher dazu zwingen, sich neue Geräte kaufen zu müssen, die sie sich tatsächlich überhaupt nicht kaufen müssten.
Und das ist ja auch das stärkste Argument, mit dem man die Geräte-Hersteller auf seine Seite holen will:  Geld!  Viel Geld!
Selbst die HiFi-Redaktionen dieser Welt stellen sich ja schon auf eine Unmenge neuer Tests ein und sind ihrerseits natürlich ebenfalls von MQA begeistert. Jedenfalls die Redaktionen, die  kommerziell ausgerichtet sind.

Einfach auf MQA upgraden?

Viele Gerätehersteller setzen schon lange auf eine Upgrade-Fähigkeit ihrer Hardware. Neue Filtereinstellungen wären also ohne Neukauf und ohne ein aktives Eingreifen „automatisch über Nacht“ zu integrieren. Doch mit MQA geht das angeblich nicht! Man braucht zwingend neue Hardware. Sowohl im Tonstudio als auch zuhause.

So eine – mit MQA-LED!

Erst wenn sie leuchtet – ist Weihnach – äh Quatsch – hören wir Musik in Vollendung.
Alle Entscheidungen der Musik-Industrie und Hardware-Hersteller beruhen – das vermute ich –  auf der Angst, einen wichtigen Zeitpunkt und eine riesige Chance zu verpassen. Man integriert deshalb vorsichtshalber MQA und man will diese LED – aber man lehnt sich andererseits irgendwie auffallend wenig für MQA aus dem Fenster.

Ist das so wie das Gebet eines Ungläubigen im Sterbebett?
„… kann ja nicht schaden!“?

Aber will der Markt MQA überhaupt?

Wollen wir es?
Spätestens wenn wir uns mal mit Schätzungen befassen, muss man sich fragen, was denn eigentlich wirklich hinter MQA stecken könnte.
Ich sage jetzt einfach mal (vielleicht kennt ja jemand die echten Zahlen), dass 80% der Verbraucher in Europa mit MP3 gut zufrieden sind und nicht einmal ein Interesse an HighResAudio haben. Spotify und Co. machen ihre Arbeit gut und es macht Spaß damit Musik zu hören.
Von den restlichen 20% lehnen derzeit noch etwa 18% alles ab, was irgendwie mit Computer, Internet, Download oder Portalen zu tun hat. Man setzt nach wie vor auf die CD oder die LP – basta.
Bleiben 2%, die sich gerade mit dem Thema Streaming von HighResAudio-Dateien auseinander setzen oder bereits solche Geräte gekauft haben.
Und selbst wenn wir jetzt einmal davon ausgehen, dass alle (!!) Besitzer von Streaming-Komponenten sofort auf MQA umsteigen, sobald sie einmal hören konnten, dass es wirklich besser ist, dann reden wir immer noch von lediglich 2% des Marktes!
Und ich werde dreist und verdreifache diese Zahl nun einfach mal – lande damit also bei 6%.

Ohne jemals zu irgendeinem Weltkonzern gehört zu haben, kann ich doch vermuten, dass ein Manager, der für diese 6% große Beträge in die Hand nimmt und sich dabei auch noch von anderen abhängig macht, wohl morgen schon auf dem Arbeitsmarkt zu haben sein wird, oder?.
Also entweder haben Firmen wie Warner und Universal das MQA-Format zum „Anfüttern“ geschenkt bekommen, oder die wissen etwas, was wir noch nicht wissen.
Denn wie man es auch betrachtet – MQA ist nur dann kommerziell interessant, wenn man damit „in die Breite gehen“ kann. Die größte Überzeugungsarbeit dürfte dabei wohl diese „doofe“ (Entschuldigung) MQA-LED übernehmen müssen.
Mit der kann der Käufer wunderbar seinem Schwager signalisieren: “Jetzt wird es gleich richtig gut! Und mit Deinen Geräten ohne MQA-LED bist Du aber mal so richtig von gestern!”

So eine MQA-LED zieht „in der Breite“ ganz sicher. Und schon bald wird es sie vermutlich aus Fernost für alle Geräte nachzukaufen geben.

Nur eines passt dabei überhaupt nicht:

Diese „Breite“ hört MP3 und nicht HighResAudio!
Und die „Breite“ hört schon keinen Unterschied zwischen MP3 und CD!
Wie will man diesen Kunden denn ein angeblich noch besseres Format verkaufen als HighResAudio?

Nein, so wird das ganz bestimmt nichts mit der „Breite“ als Zielgruppe!

Der Hammer wäre deshalb, gäbe es MQA auch für MP3 und damit auch für unterwegs!

Eine MQA-MP3, die angeblich besser klingt als eine 24 Bit/192KHz-HighResAudio-Aufnahme! Geil!
Eine „Masterband-MQA-MP3“, bei der die MQA-LED an unserem Smartphone so hell leuchtet, dass alle anderen in der U-Bahn sie sehen können!
Zugegeben – das wäre wirklich etwas für die „Breite“ und das Weihnachtsgeschäft 2017 könnte kommen!

Uhps – hab ich MQA da gerade etwas vorweg genommen?
Oder auf eine Idee gebracht?
Wir werden es sehen.

Meine derzeitige Empfehlung zu MQA?

Nun, um es mit Anke Engelke zu halten:  „Aufpassen!“ 🙂

Aber – wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es sicherlich, dass es mit MQA irgendwie doch funktionieren würde. Aus einem ganz einfachen Grund:

Zurzeit streamen wir zuhause in CD-Qualität (16 Bit, 44,1KHz). Schöner wäre es, wenn wir jede (!) Aufnahme in der besten zur Verfügung stehenden Qualität, also eben auch als 24Bit/192KHz streamen könnten, oder?
Alle Titel – und nicht nur die, die wir „gekauft“ haben.

Kaufen und Downloaden ist von gestern. Wir wollen streamen!

Und wenn mir da jetzt jemand sagen würde, dass die Datenmengen dafür zu groß wären und MQA hier helfen könnte – und dass dann auch alles wirklich besser klingen würde – und man so eine MQA-Datei auch testen könnte, damit man uns nicht anschmieren kann – und wenn sich MQA damit zufrieden geben würde, an so kleinen Dekodierern als Zusatzgeräte zu meiner bestehenden Hardware zu verdienen – ich also meinen Gerätepark behalten darf – dann wäre MQA durchaus auch etwas für mich.

Ja ja – ich hör ja schon auf zu träumen.

High-Fidelity 2016

High-Fidelity 2016

High-Fidelity 2016

Die Welt der High-Fidelity im Jahre 2016
… nicht mehr länger nur schwarz-weiß.

 

Analog und digital

2016 hat uns nicht nur tolle neue Plattenspieler in jeder erdenklichen Preisklasse gebracht, sondern hat uns auch gezeigt, dass „digital“ nicht immer die schlechtere Wahl sein muss. In die Upper-Class der Analogwelt steigt man sehr souverän bereits mit einem Pro-Ject Xpression Carbon Classic für 840,- € ein und einen Streaming-Client wie den Auralic Aries Mini können sich für 498,- € wohl viele leisten. Und der ist mehr – viel mehr – als nur der Einstieg in die Welt des Streamings.

Pro-Ject Xpression Carbon Classic

Xpression Carbon Classic Mahagoni

High-End und Kommerz

Elac bringt einen Vollverstärker für 698,- € auf den Markt, der damit weniger kostet als die meisten Kommerz-Verstärker und genau so gut klingt wie so manch ein High-End-Bolide. Damit ist er weder schwarz noch weiß und erst recht nicht „kleinkariert“!  🙂

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elac ea101eq-g

 

Kisten und Kunst

Was lange Zeit von den Herstellern für absolut unmöglich erklärt wurde, ist 2016 zum Trend geworden. Q-Acoustics gab mit der Concept 40 den Startschuss und andere folgten. Oder ist es etwa Zufall, dass eine ELAC Uni-Fi FS U5 auf den Cent das gleiche kostet, wie die unglaubliche Concept 40 und uns mit aller Macht zeigt, dass man auch in Kiel ganz und gar nicht schläft!?

Q Acoustic Concept 40 weiss

Q Acoustic Concept 40 weiss

Kabel und Komponenten

Endlich kann der geneigte Kunde die kilometerlangen Regalwände der Discounter mit den aus der Werbung gut bekannten Massenartikeln verlassen und sich beim kleinen Fachhändler vor Ort Kabel von spezialisierten Manufakturen ausleihen, die den Geldbeutel schonen, aber die Störquelle „schlechte Kabel“ endgültig beseitigen. Ob es sich dabei um ein Stromkabel von Supra-Cable für unter 100,- € handelt oder um die QED „Performance Original“ -Lautsprecher-Strippe für nur 5,90 € pro Meter, das Klangerlebnis ist immer eines der besonderen Art und lässt selbst die Abwehr eingeschworener Kabelklang-Gegner endlich dahinschmelzen.

Supra lorad_3x2_5mm

Supra LoRad 3x2,5mm

Das Beste kann man nicht verbessern

2016 hat dazu geführt, dass wir uns von unseren beiden liebsten Vollverstärkern, dem A1 von Progressive Audio und dem Emitter von ASR trennen mussten.
… um unsere beiden liebsten Vollverstärker wieder zurück zu bekommen. Der A1 heißt jetzt A901 und der Emitter hat den Zusatz „HV“ für Hochvolt erhalten, aber beide Verstärker stiegen wie Phönix aus der Asche und zeigen zweifelsfrei, wie lebendig die deutsche High-End-Szene noch ist und dass man eben selbst das Beste doch noch verbessern kann.

Progressive Audio Messe 2016-3

Progressive Audio A901

Das Original den Reichen, die Kopien den Armen

Um an ein Original-Master-Band eines Tonstudios zu gelangen, musste man in der Vergangenheit  locker ein paar Tausend Euro hinblättern.
Im Jahr 2016 brauchte ich lediglich ein Abo bei einem High-Res-Audio-Portal für 20,- € im Monat, um an Tausende von Alben in Masterband-Qualität zu gelangen. Bald schon wird es selbstverständlich sein, dass wir uns nicht mehr länger mit komprimiertem Datenmüll zufrieden geben müssen.

Qobuz

Qobuz Sublime

Kunterbunt statt nur schwarz-weiß

Das Jahr 2016 hat uns Produkte gebracht, die in der Lage sind, die Grundmauern des HiFi-Marktes einzureißen. Fast schon als billig zu bezeichnende Geräte warten mit Klangqualitäten auf, die man bisher ausschließlich in deutlich höheren Preisklassen erwarten durfte. Die Entwickler der teuren Produkte spüren das und werden ihrerseits rege. Man darf also gespannt sein, wo die Reise hingehen wird.

Das ist gut so, aber es macht den Markt nicht einfacher.
Die fast schon als Gesetz geltende Aussage: „Gutes muss teuer sein!“ ist neu zu überdenken. Das nimmt dem Kunden eine seiner wichtigsten Orientierungsmöglichkeiten und damit den guten Fachhandel in die Verantwortung.
Wer als Händler diese Verpflichtung annimmt und seine Kunden gut berät, der wird auch weiterhin bestehen können und muss sich weder vor den Versendern noch vor den Flächenmärkten fürchten.

Nie war es so einfach, einen HiFi-Kunden für neue, tolle Produkte zu begeistern.
Die Welt der High-Fidelity ist bunt geworden und macht wieder richtig Spaß.

Alle 7 Sinne

Unsere Sinne

Unser sechster Sinn rettet uns manchmal das Leben.
Und ein andermal haben wir wohl unsere sieben Sinne nicht beisammen gehabt.
Aber hoppla – waren das nicht eigentlich nur fünf?

Nun, die Wissenschaft ist sich da mal wieder nicht so ganz einig.
Ungeachtet dessen, was man uns in der Schule beigebracht hat, also hören, sehen, schmecken, riechen und fühlen  macht insgesamt  5 Sinne, fügen die einen einfach noch den Gleichgewichtssinn hinzu. Andere halten den Sinn für`s Übernatürliche für den sechsten Sinn. Und wieder andere sehen im Sinn für die eigene Muskulatur einen siebten Sinn und ich bin mir sicher, könnte man neu entdeckte Sinne bei einem Amt anmelden, würde sich vor dem Gebäude schnell eine Schlange bilden.

Mir geht es aber nicht darum, unsere Sinne zu zählen. Ich will mich hier mit nur einem Sinn befassen, mit dem Hör-Sinn.

Die grundsätzliche Funktionsweise unserer Sinne ist schnell erklärt, sie sind Sensoren.
Unterschiedliche Sensoren, die auf ihre Aufgabe hin spezialisiert sind. Augen, Ohren, Nase, Zunge und Haut.

Schallwellen gelangen ins Ohr eines Mannes

Fotolia_88754239 © axel kock

Solche Sensoren bauen wir sogar schon nach.
Wir haben Kameras, die sehen können, Mikrofone, die hören können.
Doch halt – ist das so?
Kann eine Kamera wirklich sehen? Kann ein Mikrofon tatsächlich hören?
Oder „erfassen“ sie nur und das Sehen und Hören geschieht erst durch uns Menschen?
Ich befürchte, die Suche nach der Antwort führt mich weit in die Philosophie hinein, weshalb ich hier mal lieber auf sie verzichten möchte.

Tatsache ist, dass diese Sensoren – egal welche – ihre Feststellungen in entsprechende Informationen umwandeln und sie an unser Gehirn senden.

Schallwellen gelangen ins Ohr eines Mannes mit markiertem Gehörzentrum

Fotolia_85261828 © axel kock

Der Biologe wird jetzt darauf hinweisen, dass wir in unserem Gehirn Regionen haben, die für das Sehen zuständig sind, andere für das Hören und so weiter.
Aber auch damit will ich mich nicht lange aufhalten.

Mir geht es um die Feststellung, dass unsere Ohren auch „nichts weiter“ sind, als Schall-Sensoren.
Alle akustischen Ereignisse um uns herum werden von unseren Ohren erfasst und an unser Gehirn weiter geleitet.

Und mehr kann das Ohr nicht?

Was ist mit der Orientierung?
Stellen Sie sich vor, Sie stehen im stillsten Raum der Welt. Das ist zurzeit die Absorberkammer des Orfield Laboratories in Minnesota.
Es ist nichts zu hören. Nichts!
Selbst in einem wirklich leisen Schlafraum misst man etwa 30 Dezibel. In dieser Kammer sind es minus 9 Dezibel.
Und es ist stockfinster.
Sie versuchen, ein paar Schritte zu gehen und haben große Probleme dabei. Möglicherweise fallen Sie sogar um oder Sie müssen sich rechtzeitig hinknien oder setzen, um dies zu vermeiden.
So ergeht es Menschen, die sich in diesem „schalltoten Raum“ befinden.
Diese Absorberkammer können Sie übrigens bei Interesse mieten, wenn Sie es mal ganz still haben wollen. Aber begnügen Sie sich mit einer Stunde! Länger als 45 Minuten hat es dort nämlich noch kein Mensch ausgehalten. Unsere Psyche lässt das nicht zu.
Die Situation wird sofort um einiges besser, wenn das Licht wieder eingeschaltet wird. Selbst dann, wenn man Ihnen die Augen verbunden hat.
Das Geräusch des Lichts – nun, wohl eher der Lampen – reicht bereits aus, um uns wieder wohler fühlen zu können.
Uns wieder ansatzweise orientieren zu können.
Hersteller von Hörgeräten haben in einem Experiment angeblich festgestellt, dass Menschen, die ein Hörgerät benötigen, mit den eingeschalteten Hörgeräten deutlich besser balancieren konnten als ohne Hörgeräte.
Nun, es kommt wohl nicht von ungefähr, dass unser Gleichgewichts-Sensor mitten in unserem Ohr steckt!

Von großer Bedeutung

Für meinen Artikel sind diese „Erkenntnisse“ in einer bestimmten Weise von großer Bedeutung.
Unsere Augen können wir schließen, unsere Ohren nicht. Sie hören immer, auch im Schlaf. 24 Stunden am Tag.
Weil wir die Akustik brauchen – die Raumakustik.
Wir müssen wissen, wo wir uns befinden – ob die Raumakustik „in Ordnung“ ist.
Das geschieht unbewusst und wird nicht von unserem Bewusstsein gesteuert.
Doch können wir uns darauf verlassen, dass wir es sofort „gemeldet“ bekommen, wenn da etwas nicht stimmt – so wie in der Absorberkammer.

Ortung

Hören wir einen Ton, ein Geräusch – dann versuchen wir, es zu orten. Auch dieser Vorgang läuft ohne unser Bewusstsein ab.
Aus welcher Richtung kommt der Ton?
Wie weit ist der Ton von uns weg?
Wie weit oben oder unten ist der Ton?
Wie groß ist der „Körper“, der diesen Ton verursacht hat?
Wie viel Volumen hat dieser Körper?
Wie viel Abstand benötigt er zu anderen Körpern?
Wie ist die Tonhöhe?
Wie wird der Ton von seinen Obertönen geformt, welche Klangfarbe hat er also?
Welches Fundament erhält er durch seine Untertöne? (umstritten!)
Sorgen seine Obertöne für einen harmonischen Klang (liegen also die Obertöne im „mathematischen Vielfachen“ der Grund-Frequenz?) oder liegen sie dazwischen und der Ton wird von uns als disharmonisch – also „schief“ erkannt?
Von welchem „Material“ wird der Ton erzeugt (Holz, Metall, Glas, Körper eines Lebewesens)?

Erkennen wir, dass der Ton von einer menschlichen Stimme erzeugt wird, dann finden weitere Auswertungen statt.
Handelt es sich um eine Frau, einen Mann, ein Kind?
Wie alt ist der Sänger/die Sängerin?
Stammt der Sänger/die Sängerin eher aus den nordischen Ländern, aus Afrika, oder aus Fernost?
Mögen wir den Sänger/die Sängerin?
Entspricht die Stimme unseren Vorstellungen von einer „schönen“ Stimme?

Handelt es sich nicht nur um einen einzelnen Ton, sondern um eine Tonfolge, also um eine Melodie, dann prüfen wir diese nach weiteren Kriterien, die einerseits von unserer Umwelt und unserer Herkunft geprägt sind (Europäern erschließt sich z.B. die orientalische Musik nur schwer) und andererseits von unserem Geschmack. Mögen Sie Klassik oder lieber Jazz? Was halten Sie von Schlagern?

Und die Stereo-Anlage?

Und jetzt stellen wir uns vor, wir hören den Ton oder die Melodie über eine Stereo-Anlage.
Welche von den genannten Informationen erhalten wir?

Gute Anlagen sollten in der Lage sein, den Ton an sich ziemlich exakt nachzubilden, aber bekommen wir auch Hinweise auf den Aufnahmeraum?
Bedenken wir, wie lange wir Menschen bereits auf der Erde verweilen dürfen und stellen wir die Zeit dagegen, in der es die Möglichkeit gibt, Schallereignisse aufzunehmen und zu speichern, dann ist es wohl wenig verwunderlich, dass wir uns mit dieser Aufzeichnung und Wiedergabe noch schwer tun, oder?

Und wir Menschen haben auch noch keine rechte Sensorik dafür entwickelt, die Wiedergabe eines Aufnahmeraumes zu prüfen. Weder mit unseren Sinnen noch messtechnisch.

„Bis vor Kurzem“ hat jedes Schallereignis in „unserem Raum“ stattgefunden. Nun gut, vielleicht saßen unsere Vorfahren mal in einer kleinen Höhle und die Raubtiere fauchten und brüllten draußen vor dem Eingang, aber auch dann haben “wir” dieses Schallereignis so wahrgenommen wie es sich in der Höhle ausbreitete.

Von eingefrorenen Posthörnern

Und selbst als der Mensch gelernt hatte, Töne aufzuzeichnen und wiederzugeben, ging es ihm doch darum, den Ton zu erhalten und nicht die Raumakustik, oder? Was hier etwas „abfällig“ klingen mag, ist so gar nicht gemeint, denn die Tonaufzeichnung an sich ist ja lange Zeit ein ähnlicher, unerfüllbarer Menschheitstraum gewesen wie das Fliegen.
Viele Geschichten rankten sich bis dahin um Worte, die man in ein Gefäß sprach und die wieder heraus kamen, wenn man das Gefäß öffnete. Kein anderer als Münchhausen persönlich erzählte von Posthörnern, die bespielt wurden, während man sie einfror und die beim Auftauen diese Töne wieder von sich gaben.

Und auf einmal war der Mensch tatsächlich dazu in der Lage, Töne zu konservieren.

Um die Akustik des Aufnahmeraumes überhaupt aufzeichnen zu können, musste die Natur imitiert werden, also unsere beiden (!) Ohren.
Erst die Zweikanaltechnik (Stereophonie) konnte uns an so etwas denken lassen. Obwohl die Entwickler wohl mehr daran interessiert gewesen sind, eine Möglichkeit zur Ortung der Töne zu schaffen.

Ein riesiges Experimentierfeld tat sich mit Entwicklung der Zweikanaltechnik auf. Von der Kunstkopftechnik, bei der ein menschlicher Kopf nachgebildet wird und die Mikrofone statt Trommelfell in den modellierten Ohren stecken, über Mehrkanalaufnahmen wie Quadrophonie oder Surroundsound bis hin zur Wellenfeldsynthese, sozusagen einem Holographen für Töne, reichen die Versuche des Menschen, ein Klanggeschehen wieder dreidimensional im Raum entstehen zu lassen. Und handelt es sich um mehrere Töne, also mehrere Instrumente oder Stimmen, dann lautet das Ziel, jedes Instrument und jede Stimme wieder im richtigen Verhältnis zueinander reproduzieren zu können.
Peter links, Paul rechts und in der Mitte Mary … das war das Ziel. Im Idealfall kann man noch hören, dass Mary ein wenig weiter vorne stand als die beiden Herren.

Doch hören wir, in welchem Raum die Aufnahme stattgefunden hat? War es etwa die berühmte Carnegie Hall? Oder hat die Aufnahme im Studio stattgefunden?

Alte Normen

Die heute immer noch gültige DIN EN 61305 (ersetzte 1996 die DIN 45500) verliert kaum ein Wort über dieses Thema.
Die Wiedergabe der Raumakustik?
Vielleicht würde man diesen Faktor gerne mit in diese Norm aufnehmen, wenn man nur einen Weg finden würde, die Wiedergabe der Aufnahmeraum-Akustik messen zu können.
Doch wie misst man die Korrektheit einer reproduzierten Raumakustik? Möglichst in einem Labor und möglichst, ohne die Original-Räumlichkeit gemessen haben zu müssen!?

Der Mensch nimmt ja nicht nur die Größe eines Raumes wahr, er erfasst ja auch die Form des Raumes, das Material der Wände und den Inhalt.
Die Akustik in einem leeren Konzertsaal ist anders als die in einem voll besetzten Saal. Wir Menschen hören, ob ein Saal leer ist oder nicht, ob der Saal ein „Kasten“ ist oder ob es „Seitenschiffe“ gibt wie in einer Kirche; ob die Wände aus Holz sind, aus Beton oder ob man sie mit schweren Stoffen bespannt hat. Die Perfektion, mit der die besten Konzertsäle der Welt akustisch (messtechnisch) und musikalisch (nach Gehör) optimiert wurden, die nehmen wir sofort wahr und wir lassen uns davon beeindrucken.
Doch wie soll man so etwas messen können?

„Was man nicht messen kann, das gibt es nicht!“ – sagen die einen: „Wer viel misst, misst Mist!“ antworten die anderen.
Doch dieser Streit hilft uns nicht weiter.
Vermutlich sind wir alle zu früh geboren, um miterleben zu dürfen, wie eine neue Norm Methoden und Messwerte für die Aufnahme und authentische Wiedergabe der Raumakustik beschreibt.

Bis dahin begnügen wir uns doch damit, einfach zu hören, dass es HiFi-Anlagen gibt, die das Wunder vollbringen, etwas zu reproduzieren, was sich nicht messen und nicht beweisen lässt: Den Aufnahmeraum!

Und ich will auch gleich weitermachen mit einer zweiten, nicht belegten Theorie.

Zwei uralte Fähigkeiten

Sie basiert auf zwei Fähigkeiten der Menschen, auf die er seit Anbeginn seiner Zeit hin trainiert wurde.

Die Fähigkeit, etwas zu vervollständigen und zu korrigieren

Die erste Fähigkeit versetzt uns in die Lage, Teile einer Information oder nicht eindeutige Hinweise auf eine Information einfach ergänzen, berichtigen und zu einer vollständigen Information zusammenfügen zu können. Das mag früher vielleicht dazu gedient haben, dass wir nur die Pranke eines Säbelzahntigers erblicken mussten, um zu wissen, dass jetzt weglaufen angesagt war.

Beim Bewerten einer HiFi-Anlage ist diese Fähigkeit jedoch eher hinderlich.

Dazu näher:
In unserem Gehirn speichern wir alles was wir gehört haben, mit allen Informationen, die ich weiter oben bereits aufgeführt habe.
Nehmen wir nun als Beispiel eine Klavier-Aufnahme.
Irgendwann haben wir mal ein Klavier gehört und sei es nur im Schulunterricht und haben diesen Klang abgespeichert.
Von nun an wird es ziemlich gleichgültig, in welcher Qualität wir später wieder ein Klavier hören.
Beleg:
Starten Sie auf Ihrem Handy ein Musikstück mit Klavier und legen Sie das Handy zusätzlich noch in eine leere Keksdose vor sich auf den Tisch.
Auch wenn Ihre Ohren ein fürchterliches „Scheppern“ wahrnehmen, Ihr Gehirn hat das Klanggeschehen längst analysiert und das Klavier zielsicher als solches identifiziert.
Da die Information, also das Gehörte, so ganz und gar nicht dem gespeicherten „Original“ ähnelt, ersetzt unser Gehirn die “schlechte, verfälschte” Information durch die gespeicherten, “guten” Informationen und deshalb ist das Erkennen des Klaviers überhaupt kein Problem für uns. Auch nicht, wenn es alles andere als “schön” klingt.

Fähigkeiten einfach ausschalten

Schalten Sie diesen Vorgang jetzt einmal bewusst aus.

Das geht ganz einfach so:
Fragen Sie sich einfach, um was für ein Klavier es sich dort gerade handeln könnte. Falls Sie mit den Klaviermodellen jetzt nicht so recht vertraut seid, fragen Sie sich, ob es sich um ein echtes Klavier handelt oder um ein Keyboard (Synthesizer), das man einfach nur auf „Klavier“ umgestellt hat.
Und nun behaupte ich, dass Sie diese Frage unter diesen Umständen nicht beantworten können.

Fazit:
Wenn Sie also Musik über eine HiFi-Anlage anhören, dann lassen Sie es nicht zu, dass Ihr Kopf eine “schlechte” Information einfach durch eine “gute” ersetzt, eine unvollständige einfach ergänzt.
Blockieren Sie diesen Vorgang, indem Sie von „unbewusster Steuerung“ auf „bewusste Steuerung“ umschalten.
Schalten Sie also Ihre „Automatik“ aus und übernehmen Sie wieder selbst das Ruder!
Das ist ganz einfach!
Stellen Sie in Frage, dass das was Sie hören, echt und richtig ist und versuchen Sie, der tatsächlichen Tonquelle auf die Schliche zu kommen.
Sie werden erstaunt sein, wozu Sie da schon ganz schnell in der Lage sind!

Die Fähigkeit, die Echtheit zu erkennen

Jedoch gibt es da in unserem Kopf noch eine zweite Falle, nämlich unsere Fähigkeit, die Echtheit einer Information zu hinterfragen, sobald sie sich einem Original nähert.

Solange etwas stark genug vom gespeicherten „Original“ entfernt ist, greift unser Gehirn zur Methode „Ergänzen und Ersetzen“, sobald es aber dem Original „gefährlich nahe kommt“, erhält unser Gehirn ein „Alarmsignal“. Und dieses Alarmsignal startet einen feinen Prüfprozess.

Auch hier mag uns diese Fähigkeit früher in die Lage versetzt haben, z.B. zwischen all dem bunten Herbstlaub die sehr ähnliche Maserung einer Schlange entdecken zu können, aber beim Musikhören blockiert auch sie uns wieder und verhindert, dass wir das Gehörte genießen können.

Das ist verrückt, oder?
Klingt etwas deutlich anders als das Original – ergänzen und ersetzen wir es einfach.
Klingt etwas fast so wie das Original, aber eben nur fast, so lehnen wir es vollständig ab. Da gibt es “null Bereitschaft” in uns, etwas zu ergänzen oder zu ersetzen!

Das glauben Sie nicht?

Gut – lassen Sie mich ein paar Beispiel bringen:

Schauen Sie sich dieses Bild an:

Waldlandschaft

Waldlandschaft © Wolfgang Saul

Haben Sie bemerkt, dass es nur zweidimensional ist und die dritte Dimension, die Tiefe, fehlt?
Nein, haben Sie nicht bewusst bemerkt? Oder ja – ist ja klar, aber nicht drüber nachgedacht?
Weil Fotos nun einmal zweidimensional sind!?

Aber es gibt doch schon dreidimensionale Bilder!
Nur reizen die uns irgendwie nicht, oder?

Gehen Sie gerne in ein 3D-Kino?

Manche mögen diese aufregende Technik, vielen aber „wird ganz komisch“ im 3D-Kino und sie gehen lieber wieder in die „normale“ Vorstellung.

Normale Vorstellung?

Ist es schon so weit mit uns gekommen, dass wir die zweidimensionale Darstellung als „normal“ und die dreidimensionale als „unnormal“ empfinden?

Müsste uns nicht jede auch noch so schlechte 3D-Wiedergabe immer noch deutlich „normaler“ vorkommen als die allerbeste zweidimensionale Wiedergabe?

Aber nein – das tut sie nicht.
Was uns Menschen davon abhält, ist unsere Fähigkeit, Dinge, die uns vorgaukeln wollen, sie seien das Original, spielend einfach als Nachbildung zu entlarven. Und täuschend echte Nachbildungen empfinden wir als Bedrohung, als etwas Unangenehmes. Damit wollen wir nichts zu tun haben.

Und je dichter eine Nachbildung am Original dran ist, um so aufmerksamer und skeptischer werden wir.

Und erst wenn eine HiFi-Anlage es schafft, diese Hürde zu überwinden und uns eine Wiedergabe zu präsentieren, die wir als „Original“ bewerten, hat sie nicht nur unseren Segen, sondern erzeugt sogar in uns das Gefühl von Begeisterung.
Wir sehen und wir wissen, dass die „Musik aus den Lautsprechern kommt“ und doch geben wir uns gerne der Illusion hin, wir befänden uns im Konzertsaal oder im Studio.

Und woher kennen wir das Original?

Wie soll das Original denn bitte schön in unseren Kopf kommen, wenn wir bei der Aufnahme nicht dabei waren, wenn wir gar nicht wissen, welche Instrumente verwendet wurden, wie die Stimmen der Vokalisten klingen? Wo also soll das Original herkommen?

Diese Frage ist absolut berechtigt und auch hierzu habe ich eine Theorie.

Wir kennen von so vielen Dingen die Originale nicht und müssen dennoch über die Wahrscheinlichkeit urteilen, ob es Originale sein könnten.
Deshalb haben wir gelernt, mit dieser Aufgabe umzugehen und eine Lösung gefunden.

Sehen Sie sich das nachfolgende Bild an. (Die grüne Paprika wirkt auf manchen Monitoren arg grün, aber als Beispiel soll es reichen)

2 Paprika gruen

2 Paprika gruen

Und nun sehen Sie sich dieses Bild an.

Gelbe Paprika

Gelbe Paprika

Beide Fotos wird Ihr Gehirn problemlos als Original akzeptieren, stimmt`s?

Und nun sehen Sie sich dieses Foto an.

Paprika mit Lila Stielen

Lila Stiele

Schreit Ihr Gehirn hier nicht regelrecht: „Betrug! Vorsicht! Manipulation!“ ???

Und warum ist das so?
Weil Ihr Gehirn bemerkt hat, dass die Stiele in lila umgefärbt wurden.
Mit spielerischer Leichtigkeit entpuppt unser Gehirn das dritte Foto als Fälschung, auch wenn wir diese beiden Paprika nie gesehen haben, das Original also nicht kennen.
Und doch – wissen wir, wie diese Paprika im Original aussehen könnten und eben auf keinen Fall so wie auf dem dritten Foto!

Natürlich lassen wir uns auch gerne täuschen.
Welche Farbe die rechte Paprika nun wirklich hat, das können wir nicht wissen. Ist uns aber auch egal, oder?
Beide Paprika der ersten beiden Bilder sind für uns Originale, weil beide Fotos keinerlei Hinweise auf eine Fälschung enthalten. Es hätte für uns keine Bedeutung, zu wissen, welches die Originalfarbe ist.

Beim dritten Foto sind lediglich die Stiele anders – und doch – es reicht uns – wir mögen dieses Bild nicht.

Und jetzt schauen Sie sich das nächste Bild an.

Paprika Vintage

Paprika Vintage

Und? Schlagen hier Ihre Alarmglocken?
Nein! Wieso auch? Es ist doch ein übliches altes, vergilbtes Schwarzweiß-Foto!
Alles ist für uns “ganz normal” und alles ist gut!
Die Abbildung hat zwar nichts mit den Original-Farben zu tun, aber doch erscheint uns das Foto als “normal”. Weil die Inhalte wieder so stark vom Original abweichen, dass wir einfach wieder auf “ergänzen und korrigieren” umgeschaltet haben. Die rechte Paprika werden wir sogar noch auf diesem Schwarzweiß-Foto als gelbe Paprika identifizieren. Bei der linken werden wir uns nicht ganz sicher sein und von rot oder grün ausgehen, stimmt`s?

Schlussfolgerung:

Mein Rat im Bezug auf den Betrieb einer HiFi-Anlage geht also ganz klar in folgende Richtung:
Wenn Sie sich nicht auf die Aufgabe einlassen wollen, eine Anlage zu finden, die durch eine “täuschend echt und original wirkende” Wiedergabe überzeugen kann, dann sparen Sie sich viel Geld und kaufen eine, deren Wiedergabe weit weg vom Original ist. Alles andere ist beim Hören einfach nur anstrengend.

High-Fidelity – quo vadis?

High-Fidelity  – quo vadis?

High-Fidelity  – quo vadis?

Wir haben uns die Frage gestellt: “High-Fidelity – quo vadis?” Was passiert da gerade und wohin wird es uns führen?

Kann es sein, dass Sie auch gerade den Überblick über die zurzeit angebotenen HiFi-Geräte verlieren und die Frage nicht mehr beantworten können, welches Gerät man als Musikliebhaber im Jahre 2016 … nutzen muss, um damit „en vogue“ zu sein?

Welcher Typ sind Sie?

Kommt 2016 der endgültige digitale Durchbruch zu Ihnen ins Haus mit einem digitalen Vollverstärker, einem eigenen WLAN für HiFi, drahtlos arbeitenden aktiven Lautsprechern, von denen man mehr als 20 Stück im Haus verteilen kann, mit einem Streamer, einem Ripper und einem Musik-Server, der Ihre Musik zentral zur Verfügung stellt?

Oder sind Sie da eher der Fels in der Brandung und lassen sich von den tosenden Werbewellen nicht im geringsten beeinflussen?

So oder so hat die digitale Zukunft in viele Wohnungen schon längst Einzug gehalten.
Der Fernseher ist ein Smart-TV, mit dem man weitaus mehr anstellen kann als einfach nur fern zu sehen – und so natürlich auch Musik hören!
Daran hängt ein Apple-TV, ein Raspberry, eine Boxee-Box … irgend ein kleiner Kasten jedenfalls, der die Lücken auffüllen soll, die die Programmierer des Smart-TV noch gelassen haben.
Fast jeder besitzt heute wie selbstverständlich ein Smart-Phone, ein Tablet, ein Notebook, einen PC …
Und auch mit diesen „Devices“ kann man Musik hören.
Rund um die Uhr und überall, also auch unterwegs.

Es geht nicht mehr ums Können!

Und schon lange geht es auch überhaupt nicht mehr ums Können.
Können – könnten wir.
Aber wollen wir auch?
Mit der Antwort auf diese Frage fühlen wir uns zunehmend überfordert.
Wollen wir?
Und wenn ja, was genau wollen wir?
Und wieso machen wir es nicht schon längst, wenn wir es doch könnten?

Was klingt denn heute noch wirklich gut?

Ich glaube, die Ursache dafür liegt darin, dass wir diesen neuen Dingen nicht so recht über den Weg trauen, wenn es um die Bewertung ihrer klanglichen Qualitäten geht und schon lange nicht mehr wissen, was eigentlich noch gut klingt und was nicht.

Ach, wie schön einfach war es doch noch vor gar nicht so langer Zeit.
Analog? Der eine so der andere so.
CD? Ja logisch! Was sonst?

Wenn ich mich heute mit jungen Kunden unterhalte, stelle ich fest, dass sie keine einzige LP besitzen.
Das ist nun einmal so.
Aber was mich wundert: Sie haben auch keine einzige CD mehr!
Nicht einmal einen CD-Player!
Außer natürlich diesen “BluRay-DVD-CD-MP3-Dingsbums-Alles-Player-Brenner-und-Sauger”, der am Fernseher hängt.

Sie hören Musik digital und mobil.

Ohne Zweifel hat sich dabei das MP31-Format durchgesetzt. MP3-Dateien sind klein, nehmen also wenig Speicher weg und lassen sich blitzschnell übertragen.
Die Theorie lässt aber keinen Zweifel daran aufkommen, dass MP3-Dateien eine ziemlich miserable Klangqualität haben müssen. Alles, was man einer Sound-Datei Böses antun kann, das hat man ihr auch angetan.
Man hat ihre Informationen heruntergerechnet, komprimiert, reduziert – kurz:

MP3 ist mit Kartoffelbrei-Pulver zu vergleichen.

Und so traurig, dass man darüber fast schon wieder schmunzeln muss, ist eine zweite Analogie zum Kartoffelbrei-Pulver:
So wie unsere Kinder keinen selbstgemachten Kartoffelbrei mehr mögen, empfindet die Generation, die mit MP3 herangewachsen ist, den Klang der MP3-Datei einer CD gegenüber als deutlich besser. Langjährige Studien an verschiedenen Universitäten beweisen dies. Immer mehr Menschen haben sich so sehr an den MP3-Sound gewöhnt, dass sie diesen Klang subjektiv für besser halten und den CD-Klang als „seltsam“ ablehnen.

Aber dies ist nicht die einzige Kröte, die die CD-Produzenten derzeit zu schlucken haben. Die zweite kommt in Form von FLAC2-Dateien daher.

Und die ist eine so fette Kröte, dass man zurecht bezweifeln darf, dass die CD sie heruntergewürgt bekommt.

Hinweis:  Lesen Sie mehr über digitale Formate unter:  https://audiosaul.de/auralic-mini/ 

Jedenfalls frage ich mich an dieser Stelle, ob nun so eine FLAC-Datei, die ich aus dem Internet heruntergeladen habe, ob die nun besser oder schlechter ist, als meine CD.

Ich schaue also beispielsweise mal bei acousticsounds.com vorbei, einem der vielen Download-Anbieter von FLAC-Dateien – und entdecke sofort zwei gute alte Bekannte: Simon & Garfunkel Greatest Hits und Getz/Gilberto, das Album mit dem berühmten Song „The girl from Ipanema“. Die erste Scheibe stammt aus dem Jahre 1972, die zweite ist aus den 60-ern. Beide Masterbänder stammen also noch aus der rein analogen Ära.
Und beide Alben habe ich als LP und die Simon & Garfunkel sogar auch als CD. Alle Songs finde ich heute auch auf Spotify im MP3-Format.
Nun kann ich sie hier bei acousticsounds.com für jeweils 24,98 Dollar downloaden und ich frage mich gerade,
für wie bescheuert man mich eigentlich hält?

Wie oft muss man die gleiche Musik denn noch kaufen?

Erst hab ich 20,- Mark für die LP bezahlt, dann 20,- Euro für die CD, nun drücke ich schon jeden Monat 10,- Euro für Spotify ab und möglicherweise bald auch noch 20,- Euro monatlich für den Zugang zu einem High-Res-Audio-Portal und am Ende soll ich mir hier für 24,98 Dollar genau die gleichen, uralten Songs noch einmal als FLAC-Dateien herunterladen?
Und nächstes Jahr dann vielleicht noch einmal für 36,- Euro als „MQA“ oder wie?

Wobei ich ja den FLAC-Anbietern mit meiner Schimpferei zugegebenermaßen Unrecht tue.
Die CD hätte ich mir sparen sollen.

Aber da haben wir doch das Problem.
Es ist ja nicht nur der „Kampf der Formate“.
Das alles dehnt sich ja auch auf die Komponenten aus.
Downloaden oder streamen kann ich doch durchaus mit meinem Smartphone oder dem Tablet. Ich streame es über eine „kleine Kiste“ oder einen Bluetooth-Eingang zu meiner Anlage.
Das ist die einfachste und billigste Variante.
Genau das gleiche kann ich jetzt aber auch mit einem 18.000,- Euro High-End-Streamer vollziehen.
Und ich frage mich:
Kann ich nun zum Downloaden ein preisgünstiges Gerät verwenden und erst beim Abspielen das Signal von einem High-End-DA-Wandler wieder rekonstruieren lassen und alles klingt toll, weil es ja nur auf den DA-Wandler ankommt oder brauche ich auch schon einen 18.000,-Euro Streamer/Downloader?

Schon habe ich die ersten Kunden, die mit einem speziell „getunten“ Notebook ausschließlich über Akku-Betrieb und nur zu ganz bestimmten Tages- äh wohl mehr Nachtzeiten die Dateien downloaden, weil sie sonst nicht „gut genug“ sind.

Gespeichert wird das alles auf einer SSD, weil ja bei einer normalen Festplatte wieder der mechanische Lesevorgang zum klang-endscheidenden Faktor wird, oder?

Macht der Kunde das alles wirklich mit? Geht es mit uns in diese Richtung?

Richtig teure Musik-Server – (ich meine richtig teure!) – brauchen bis zu 20 Minuten, um eine CD einzulesen, zu rippen, zu taggen …
Ich habe ausgerechnet, dass ich dabei etwa 2 Jahre brauche (mit Urlaub und so) , um alle meine CDs einzulesen.

Und danach habe ich sie dann im Format 44,1 kHz bei 16 Bit auf einer Festplatte.
Eben im CD-Format, was sich gerade irgendwie den Ruf einhandelt, nur „zweite Wahl“ zu sein.
Die teuren Musik-Server können da heute schon mehr!
Manche Server bieten mir deshalb an, meine CDs auf 192 kHz hoch zu rechnen.
… also einfach eine Qualität zu erfinden?

Also Kartoffelbreipulver für 89 Cent die Tüte lasse ich mir ja gefallen – zuhause, mal eben schnell wieder angerührt – mit einem Stich guter Butter dran, da kann man es durchaus mal essen – aber ich lass mir doch nicht in einem 5-Sterne-Restaurant für richtig viel Geld zeigen, was ein Koch-Künstler aus Kartoffelbreipulver alles zaubern kann, oder hab ich da die falschen Ansichten?

Beschreibe ich hier eigentlich gerade den winzig kleinen High-End-Markt, der ja schon immer verrückt war, oder gilt das auch schon alles 1:1 für den Konsumer-Markt?

Was sagt denn unsere „Industrie“ zu diesem Thema?

Die Unterhaltungselektronik-Industrie steckt in einer Krise. Lassen sich doch neue Geräte nur dann an den Mann bringen, wenn man ihm klar machen kann, dass seine alten Geräte nicht gut genug sind.
Das allerdings zwingt sie dazu, dem Kunden das Qualitätsmerkmal schlechthin “in CD-Qualität” weg zu nehmen und sich selbst als Lügner zu bezichtigen.
So scheinen sich die Hersteller darin einig zu sein, den Mund zu halten und den Verbraucher ganz von allein dahinter kommen zu lassen.
Die High-Ender wissen es bereits, der Konsument interessiert sich zum Glück nicht so sehr dafür.
Aber auch er wird es irgendwann schon noch merken.

Schlecht hören kann man ja auch schon mit dem Handy gut!

Ja, der Industrie spielt es derzeit gut in die Karten, dass der moderne Mensch praktisch alles mit seinem Smartphone machen will, also auch Musik hören. Zum mobilen Streamen eignet sich sowieso nur das MP3-Format und damit ist ja alles in Butter, oder?

Der Mensch ist Jäger und Sammler.

Wie kommt er in einer rein digitalen “Online-Musik-Welt” zurecht – so ganz ohne Trophäen?

Und wie stellen Sie sich persönlich Ihre Zukunft und die Ihrer HiFi-Anlage vor?
Machen Sie da mit, bei diesen Neuentwicklungen, halten Sie an dem fest, was Sie haben, oder gehen Sie gar einen Schritt „zurück in die Zukunft“ und kaufen sich doch wieder einen Plattenspieler?
Lassen Sie uns doch an dieser Stelle mal gemeinsam eine allgemeine „Standortbestimmung“ durchführen.

Rückblick

Im Jahr 1980 noch
… sah die HiFi-Welt ziemlich aufgeräumt aus.
Den Kern einer „Stereoanlage“ bildeten der Verstärker und die Lautsprecher. Als „Quellen“ gab es den Plattenspieler und den Tuner, also das Radio.
Lediglich zum Aufnehmen musste man sich entscheiden, ob man mehr der Kassetten-Typ war oder sich eines von diesen „fetten“ Tonbandgeräten zulegen wollte.

Ein paar Jahre später fand dann das „Erdbeben“ unter dem Namen CD statt.

Die LP und der Plattenspieler waren von da an „altes, überflüssiges Gerümpel“.
Noch weniger wert (falls das überhaupt geht) war alles, was mit dem Kassettenrekorder oder den Bandmaschinen zu tun hatte.

Das digitale Format mischte sich nämlich auch schon bald in das Thema „Aufnehmen“ ein und der Markt bescherte uns einige mehr oder weniger segensreiche digitale Erfindungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt hätten die großen Entwickler erkennen müssen, dass der Kunde nicht bereit ist, jeder Fahne hinterher zu rennen, nur weil sie heftig geschwenkt wird.
Dabei waren sie selbst so kurzsichtig, uns zunächst digitale Aufnahme-Medien anzubieten (z.B. die DCC), bei denen der größte bisherige Nachteil der analogen Medien erhalten blieb – nämlich diese nervende Vor- und Rückspulerei.

Wo hören wir eigentlich Musik?

Der typische Verbraucher hört seine Musik an unterschiedlichen Orten. Hauptsächlich jedoch zuhause und im Auto.
Will man ihn zu einem Formatwechsel „verführen“, muss man ihm nicht nur das neue Equipment fürs Wohnzimmer anbieten, sondern auch eine Lösung fürs Auto.
Und da hatten wir eben unsere Kassetten.
Das schöne an der Kassette war doch, dass sie „billig und robust“ war.
Sie durfte im Fahrgastraum herumfliegen, beim Öffnen der Tür herausfallen, nass regnen, geklaut werden …
Aber wer wollte schon eine Kassette klauen?
Sie konnte ja jederzeit ersetzt werden und hatte einfach keinen Wert. Jedenfalls nicht die Kassette, die wir fürs Auto aufgenommen hatten.
Sollte man sich jetzt etwa ein neues Autoradio für teure digitale Kassetten oder Mini-Discs kaufen?
Also ganz ehrlich – ein solcher Schritt stand doch wohl niemals zur Debatte, oder?

Erst als die Seifenblase vom „Märchen von den staub- und keimfreien Laboratorien“, ohne die  angeblich eine CD niemals herzustellen sei, in Form von 40,- Euro-CD-Brennern zerplatzte, die man per USB an seinen eigenen PC anschließen konnte, gab es ein neues Medium fürs Auto:
Die CD – und hier eben vor allem die selbst gebrannte CD.
Alles, was wir über die Kassette gesagt haben, traf nun auch auf dieses Medium zu. Der Rohling war ziemlich wertlos, jederzeit ersetzbar und damit genau richtig fürs Auto.
Über die LP und den Plattenspieler sprach niemand mehr – bis auf ein paar Unbelehrbare, „ewig Gestrige“.

Und so hätte es eigentlich auch wunderbar weitergehen können, wenn nicht die Zeit so dreist gewesen wäre, voran zu schreiten und mit ihr der „technologische Fortschritt“.
Erst etablierte sich der Computer und dann auch noch das Internet.
Vor allem der zweite Punkt eröffnete uns heute gleich mehrere unterschiedliche Optionen und sorgt aktuell dafür, dass sich selbst eingefleischte HiFi-Freaks unsicher werden.

Zurück in der Gegenwart

Neben dem Besitz unserer gekauften Medien, in welcher Form auch immer, öffnet uns das Internet gerade die Tür zu einer Musik-Menge in unvorstellbarem Ausmaß. Und vieles davon völlig kostenlos.
Geben Sie den Titel von irgendeinem Song bei youtube ein – ich denke, Sie werden ihn finden. In mehreren Interpretationen, mit schönen Fotos hinterlegt, als Konzert-Mitschnitt, unplugged – wie auch immer.
Wem das nicht reicht, der richtet sich ein kostenpflichtiges Konto bei einem der Musikportale ein.
Spotify, Deezer, Apple Music, TIDAL HiFi, Qobuz, Amazon Primemusic, Napster, rdio, Soundcloud, XBox Music, Google Music, Baboom, rara, Juke mymusic, und jetzt auch noch ALDI life.

Hab ich einen vergessen? Ganz sicher! Denn es scheint sich gut Geld verdienen zu lassen mit diesen Portalen. Doch wer erhält das viele Geld? Die Musiker sehen jedenfalls nicht sonderlich glücklich aus dabei.

TIDAL HiFi, der Nachfolger von WIMP, wirbt mit dem FLAC-Format. So ein FLAC-Download hat den Vorteil, dass uns nun kein billiger und schlechter CD-Spieler mehr einen Teil der auf der CD vorhandenen Klangqualität vorenthalten kann.

Zum Digitalisieren unserer LPs, Kassetten und Tonbänder brauchen wir dann noch einmal die ehemaligen Abspielgeräte, die wir uns zumindest so lange leihen müssen, bis alles digitalisiert und auf unserem zentralen Musik-Server abgelegt ist.
Den müssen wir dann Nacht für Nacht auf einen zweiten Speicher sichern, damit wir nicht eines Tages mit einer kaputten Festplatte oder einem gestohlenen Musik-Server dastehen und alles „weg ist“.  Das wäre der GAU!
Versuchen Sie mal, von Ihrer Versicherung das Geld für monatelanges Rippen einzufordern!

Vielleicht haben wir ja aber Glück und „unsere Musik“ ist längst bei Spotify und Co. gelandet. Mit weniger Rauschen als wir es auf unseren Kassetten hören mussten, ohne Knistern, Knackser und ohne Cola in den Rillen; sogar ohne Rückstände von angetrockneten Nassfahrmitteln und …
ganz ohne Arbeit und Zeitaufwand. Sie ist einfach schon da!
Mit Informationen über den Interpreten, mit Hinweisen zu „ähnlichen Künstlern“ und mit der Möglichkeit, Playlisten zu erstellen, um auf die unterschiedlichsten Situationen vorbereitet zu sein. Party, Hintergrundmusik, Irischer Abend, Weihnachten mit Kindern, Schmusen …
Man muss so eine gut gefüllte Playliste nur starten und von da an macht sie Musik – so lange, wie Lieder in der Liste sind.

Das ist ohne Zweifel eine tolle Sache und ich kann und muss mich hier outen:
Ich nutze Spotify!

Bleibt die immer noch offene Frage nach der Qualität. Die MP3-Qualität ist aus meiner Sicht völlig ausreichend, um Künstler und Songs kennenlernen zu können.
Manche Alben gefallen mir aber so gut, dass ich die Musik kaufen will, um sie in einer noch besseren Qualität hören zu können. Welches Medium soll ich mir da heute kaufen? Soll ich es als FLAC downloaden? Reichen 24 Bit bei 96 kHz, müssen es 192 kHz sein oder noch viel mehr?
Oder soll ich es gar nicht kaufen sondern von TIDAL oder Qobuz streamen?

Fühlen Sie sich beim Lesen dieser Zeilen gerade auch so unwohl wie ich beim Schreiben?

Ich brauche eine Pause.

Bin zurück. Ich habe mir in der Pause den vierten Akt aus Verdis „Il Trovatore“ angehört (LSC-2617 Living Stereo 1962 mit Leontyne Price). Natürlich auf Schallplatte! Jetzt geht es mir wieder gut.

Und beim Hören habe ich doch tatsächlich etwas wiedergefunden, was mir in diesem Beitrag bislang völlig gefehlt hat:

Den Aspekt der Wertigkeit.

Mal so am Rande:
Wenn Sie sich auf einen besonderen Anlass vorbereiten, wechseln Sie dann Ihre Armbanduhr? Haben Sie für so etwas ein paar besonders edle Schuhe im Regal stehen? Gibt es da einen edlen Tropfen in Ihrem Schrank, den Sie sich nur zu solchen Anlässen gönnen?

Welche Wertigkeit kann eine Musik besitzen, die wir überall und zu jeder Zeit vor uns hin dudeln können?
Mit welchem Gefühl höre ich einen Song, der auf meinem NAS liegt und von dem ich noch zwei Kopien besitze, weil ich mich vor einem Festplatten-Crash schützen will?

Oder reicht es schon, wenn die Musik an sich eine Wertigkeit besitzt?
Muss Musik überhaupt eine Wertigkeit besitzen?
Muss das Medium eine Wertigkeit besitzen, das die Musik in sich oder auf sich trägt?

Die LP, die ich gerade gehört habe, die knistert schon hier und da – sie ist nicht mehr so wie sie mal war.
Sie ist älter geworden.
So wie ich.
LPs sind genau so vergänglich wie wir.
Die Zeit nagt an Ihnen, aber sie verknüpft sie auch mit Erinnerungen. Wenn wir eine LP-Hülle in die Hand nehmen, sehen wir es wieder vor unseren Augen, wie das damals war, als wir sie geschenkt bekommen haben, als wir sie nach dem Konzert in Berlin vom Interpreten selbst gekauft haben.

Das Inlay mit den Texten haben wir in den ersten Tagen verschlungen, bis wir alle Texte auswendig kannten. Hier und da haben wir vielleicht etwas hinein gekritzelt. Wir wissen oft noch ganz genau, wann und mit wem wir die LP gehört haben.
Irgendwie fühlen wir uns mit ihr verbunden.

Es ist unsere LP.

Besitzen wir eine Kopie von ihr? Haben wir sofort für eine Redundanz gesorgt? Muss so etwas sein?

Gibt es etwa von uns selbst eine Kopie?
Oder von den Menschen, die wir lieben?
Wäre eine Redundanz unserer Person erstrebenswert?
Wenn der eine von uns zu müde ist noch auszugehen, schnappen wir uns eben den anderen? Der ja noch „frisch im Schrank steht“?
Ich rede Unsinn, zugegeben.

Dabei hatte ich Ihnen ja versprochen, Ihnen dabei zu helfen, sich nach dem Lesen dieses Beitrags besser mit diesen ganzen Geräteangeboten auszukennen, die es schon gibt und die noch auf uns zukommen werden.
Und genau das will ich jetzt auch wieder tun.

Denn die Lösung ist eigentlich ein Kinderspiel. Wir müssen nur verstehen, dass wir uns der Musik auf zwei unterschiedliche Arten nähern können:
Konsumieren oder genießen.

Über das Konsumieren brauchen wir überhaupt nicht die Nase zu rümpfen – das ist doch gar nichts schlechtes!
Im Radio, im Auto, beim Joggen, im Garten … wir alle konsumieren Musik, weil wir Musik mögen.

Und genau dafür sind diese neuen Musik-Portale neben dem klassischen Radio wirklich toll.
Welches von ihnen Ihre Zuneigung findet, das ist reine Geschmacksache. Dem einen gefällt die eine  „Oberfläche“ besser dem nächsten eine andere. Der eine will es so billig wie möglich, der nächste stellt höhere Ansprüche an die Qualität.
Und eines ist sicher: Je mehr wir darüber schimpfen, wie teuer Musik ist – umso mehr müssen wir diese Portale lieben.

30 Millionen Songs für 10,- Euro im Monat.  Billiger – hat es das noch nie gegeben!

Kurz und gut:
Ich möchte Sie dazu ermuntern, diesen Portalen eine Chance zu geben.

Schon allein die Möglichkeit, viele unbekannte Musiker kennen lernen zu können, ist den Monatsbeitrag ganz bestimmt wert. Und ob Sie das Portal unterwegs, im Büro oder nur zuhause am PC oder über die „gute Anlage“ nutzen oder ein Gemisch aus allem – diese Portale sind der richtige Weg hin zu neuer, toller Musik.

Erstes Fazit also:   Portale?  Ja, unbedingt!

Kommen wir zu den Streamern, den Rippern und den Musik-Servern, die es ja oft genug auch als Kombi zu erwerben gibt. Wer sich lieber sein eigenes Musikportal aufbauen möchte, mit einer Zusammenstellung aus seinen eigenen digitalisierten oder gerippten Medien, der kann das mit diesen Geräten tun, hat aber viel Arbeit vor sich.
Nach der Arbeit kann er alle seine LPs in den Hüllen und seine CDs in den Regalen stecken lassen und komfortabel z.B. über sein Tablet auf diese Musik zugreifen, um sie im ganzen Haus oder sogar unterwegs hören zu können.
Funktionieren tut das gut – ob man es braucht, muss man selber beurteilen.

Fazit:

Man muss das Schießpulver nicht verdammen, sondern richtig einsetzen.

Musik-Portale verschaffen uns den Zugang zu unvorstellbar viel Musik und der Umgang mit ihnen ist so komfortabel wie wir uns das immer erträumt haben. Wer es sich leisten kann, der unterstützt uns Musikliebhaber, indem er zu den Portalen mit den besseren digitalen Formaten wechselt, um für eine bessere digitale Zukunft zu sorgen und den Betreibern ein klares Zeichen zu senden.

Die Schallplatte erfüllt unsere Ansprüche an eine Wertigkeit, ohne die unser Leben jeden Glanz verliert.

Aber bei aller Liebe zur Schallplatte, die ich ganz sicher in meinem Leben nie verlieren werde, muss man zurzeit am Ende eines erkennen:

Das Original eines jeden Albums ist nun einmal das Masterband.

Bei der Schallplatte verwenden wir es, um es 1:1 auf ein analoges Medium zu pressen.
Bei der CD mussten wir den Inhalt des Masterbandes so lange misshandeln, bis die Datenmenge klein genug war, um auf eine silberne Scheibe zu passen.
Doch der Download einer High-Res-Audio-Datei bringt uns das Masterband quasi im Original zu uns nach Hause.

Das hat es so noch nie gegeben!!
Und schon gar nicht für 10,- Euro, wie diese Alben heute schon angeboten werden.

Also ich weiß jetzt, was ich machen werde:
Unterwegs höre ich MP3.
Zuhause streame ich meine Playlisten in CD oder HighRes-Audio-Qualität.
Besonders gute Aufnahmen kaufe ich als Download in Masterbandqualität und speichere sie auf meinen NAS oder Server.
Und wenn mir mal der Sinn nach etwas ganz besonderem steht, dann lege ich eine meiner Lieblings-Schallplatten auf und gönne mir dabei einen guten spanischen Rotwein.

Ich glaub, es ist grad schon wieder so weit.
Wo zum Teufel ist denn jetzt wieder der Korkenzieher hingekommen?
🙂

 

Der Kabelklang, eine Frage des Glaubens?

Der Kabelklang, eine Frage des Glaubens?

Der Kabelklang, eine Frage des Glaubens?

Ist der Kabelklang nur eine Frage des Glaubens oder klingen unterschiedliche Kabel doch irgendwie anders?

Glaube versetzt Berge
… so heißt es.

Doch wie vielen Menschen mag ihr Glaube schon das Leben gekostet haben?

An welcher Stelle wir das große Geschichtsbuch der Menschheit auch aufschlagen, wir werden wohl immer etwas darüber lesen müssen, dass „die mit dem richtigen Glauben“ „die mit dem falschen Glauben“ gequält, gefoltert und hingerichtet haben.

Und die Geschichte wird gerade fortgeschrieben.
Der Mensch scheint einfach nichts zu lernen.

Selber mal am Pranger stehen

Wer ganz einfach mal am eigenen Leib erleben will, wie man sich fühlt, wenn man an das falsche glaubt, der muss nur in einem Internet-Forum darüber schreiben, dass er sich gerade ein Lautsprecherkabel für 2.000,- Euro gekauft hat.

„Zur Kreuzigung hier lang und jeder bitte nur ein Kreuz!“.

Gut, wenn man dann zu denen gehört, die wie Brian nie den Humor verlieren und die selbst ans Kreuz geschlagen noch ein lustiges Liedchen zu trällern wissen.
Wer sich in so etwas empfindlicher zeigt, den kann schon mal die kalte Wut packen.

Den eigenen Standpunkt verteidigen

In der Phase eins mag man dann ja noch versuchen, seinen Standpunkt zu verteidigen. Aber spätestens in der Phase zwei möchte man wohl am liebsten „aufrüsten und zum vernichtenden Gegenangriff ansetzen“.
Doch wie heißt es in dem Zitat eines Unbekannten?

Streite niemals mit Dummen! Sie locken Dich auf ihr Niveau und schlagen Dich dort durch ihre Erfahrung!

Wobei hier ja noch gar nicht geklärt ist, auf welcher Seite sich die Dummen tatsächlich befinden!

Wer ist denn jetzt der Dumme?

Die Argumente der Kabelklang-Gegner sind ja nicht blöd und ihre Bedenken nicht unberechtigt.
Tatsächlich sind nur sehr wenige Theorien der Kabel-Entwickler bewiesen oder wissenschaftlich belegbar.
Vieles von dem was so behauptet wird, ist zugegebenermaßen kaum nachvollziehbar und einiges sogar absolut unvorstellbar.

Die Argumente der Kabelklang-Befürworter sind meistens schon mit: „Ja, hör doch mal!“ abschließend beschrieben.
Daher ist es durchaus legitim und eben auch gar nicht dumm, nicht an die Klangunterschiede durch Kabel zu glauben.

Eigentlich – ist weder das eine noch das andere dumm.

Viel Geld für ein vermeintlich überteuertes Kabel auszugeben, mag ja dumm erscheinen.
Doch unser Geld für etwas auszugeben, was uns zufrieden macht, kann doch gar nicht dumm sein, oder?

Ist etwa der dumm, der sich nach der Einnahme von Placebos besser fühlt und für eine Weile frei von Schmerzen ist?
Nein!
Sondern der ist dumm, der nicht eher ruht, bis er den Placebo-Patienten davon überzeugen konnte, dass ihm das Einnehmen von Zuckerpillen gar nicht helfen kann und sie ihn danach tatsächlich nicht mehr von seinen Schmerzen befreien.

Bin ich ein Voodoo-Meister, ein Guru …?

Zu meinem Alltag gehört es seit 30 Jahren, HiFi-Anlagen durch passende Kabel zu optimieren und ihnen damit den letzten „Feinschliff“ zu verleihen.
Wer die Veränderungen selber hören kann, der fragt immer wieder: „Wieso?“.
Wieso – ist das so?
Wieso – kann man so etwas denn nicht belegen?
Wieso – werden diese Unterschiede von so vielen bestritten?

In meinem Handbuch will ich deshalb Erklärungsversuche unternehmen.
Andeuten, wodurch sich möglicherweise Klangunterschiede einstellen können.
Gerade weil so vieles nicht einmal ansatzweise erklärt oder bewiesen ist, gerade deshalb musste ich dieses Kapitel für das Buch einfach schreiben.

Gemeinsam die Wahrheit finden

Jeder, der die von mir zusammengetragenen Aussagen bezweifelt, ist aufgerufen, mit seiner Kritik, seinen Argumenten oder auch ganz neuen Ideen dazu beizutragen, dieses Handbuch besser zu machen.

Ich akzeptiere Sie alle, mit all Ihren unterschiedlichen Meinungen.
Nur nicht die, die mich erschlagen wollen, weil ich an das glaube, was ich wahrnehme.

HiFi-Zubehör, Garant für Musik-Genuss?

HiFi-Zubehoer – ein Garant für besseren Musik-Genuss?

Klangverbesserndes HiFi-Zubehör …

… lediglich so etwas wie eine „sprudelnde Einnahmequelle“ für Hersteller und Händler, oder eine unverzichtbare Voraussetzung für einen wahren Musik-Genuss?

Die Betreiber eines Tierbedarf-Handels kennen die Situation, wenn frisch gebackene Frauchen und Herrchen zusammen mit einem jungen Welpen auf der Suche nach der „Erstausstattung“ euphorisch das Ladenlokal betreten und beim Verlassen den halben Warenbestand mitnehmen.

So ähnlich erging es mir gestern.
Ein Kunde, dem ich vor ein paar Tagen eine Anlage geliefert hatte, war so begeistert, dass er wohl am liebsten alles an Zubehör mitgenommen hätte, was wir auf Lager hatten.
Damit bildete er natürlich den krassen Gegensatz zu all denen, die in HiFi-Zubehör nur einen Versuch von skrupellosen Herstellern sehen, genau solche Situationen auszunutzen, um ihr nutzloses Zeug an den Mann zu bringen.

Menschen sind erfolgsorientiert und begeisterungsfähig.
Wenn etwas prima funktioniert hat, dann versuchen sie es logischerweise wieder. Der Kunde hat etwas gekauft, es hat gut geklungen, also kauft er noch mehr, damit es noch besser klingt. Er folgt damit einer ganz einfachen logischen Struktur, so sind wir Menschen.

—-

Heute las ich im Kreise der Familie einen Bericht, in dem ein Arzt die Pharmaindustrie beschuldigte, mit ihren vielen Vitaminpräparaten, die niemandem nützen würden, die Menschheit aus reiner Geldgier krank zu machen.

Sofort interpretierte mein Schwiegervater, der nicht einmal seine wichtigsten Medikamente ohne Gegenwehr einnimmt, den Bericht so, dass für ihn nun alle Medikamente Humbug seien und verkündete mal wieder, seine Pillen nicht mehr schlucken zu wollen.
Ein anderer jedoch schimpfte über diesen Arzt und meinte nur, dass es ihm viel besser gehen würde, seitdem er regelmäßig diese Vitamine nehmen würde. Der Arzt wolle sich mit diesem Artikel doch nur wichtig machen.

Nun, mir viel jedenfalls auf, wie sehr sich unsere Einstellung zu und unser Umgang mit HiFi-Zubehör und Medikamenten gleichen.
Wo läge wohl heute unsere Lebenserwartung und wie hoch wäre unsere Lebensqualität, gäbe es immer noch keine Medikamente?
Ohne Zweifel verfügen wir doch über nützliche, geradezu lebensrettende Heilmittel, oder?

Doch womit wird das Geld verdient?
Richtig! Mit den Pillen zum Einschlafen, mit denen zum Aufwachen, mit denen zum Appetit zügeln und denen zur Appetitanregung, mit denen gegen schlaffe Haut, alte Haut, faltige Haut, fettige Haut … und natürlich mit Vitaminen, weil die ja so gesund sind.

Klar, könnte man auch einfach mit dem Rauchen oder dem Trinken aufhören, sich gesünder ernähren und Sport treiben.
Doch das ist anstrengend und erfordert Disziplin.

Zurück zur High-Fidelity.
Wir sitzen vor unserer Anlage und fragen uns, ob sie nicht noch besser klingen könnte.
Natürlich könnten wir jetzt die Boxen ein wenig verschieben und uns selbst ein Stück von der Rückwand weg setzen; die Kontakte ordentlich sauber machen, noch ein Regal mehr aufstellen, einen Teppich auf den Boden legen, um die Raumakustik zu verbessern, …

Aber das alles macht uns keinen Spaß.

Diese neuen Entkoppler für die Boxen, die sehen ja mal klasse aus! Und die neue Gerätebasis dort in der Zeitschrift – total edel! Und diese energieaufsaugenden Pucks, die man auf die Geräte legt, …

Mag alles richtig sein,
so wie manch einem ganz sicher auch die Pillen zum Einschlafen gute Dienste leisten, oder die zum Aufwachen. Und doch wird mit all dem Schindluder getrieben.

Die alles bestimmende Frage lautet:
Haben wir es mit einem gesunden Menschen oder mit einem Patienten zu tun?
In die HiFi-Welt übersetzt lautet sie:
Klingt unsere Anlage so toll wie sie klingen kann oder leidet sie unter vorhandenen Fehlerquellen?

Verdeutlichen wir die Parallelität zwischen HiFi-Zubehör und Medikamenten noch einmal durch eine kleine Geschichte, um es deutlicher zu machen, wann HiFi-Zubehör sinnvoll ist und wann nicht.

Stellen Sie sich vor, Sie betreten eine Apotheke, weil Sie ein paar Nasentropfen holen wollen. Plötzlich ertönt ein Tusch, ein Plakat rollt herunter, auf dem steht: Unser 1.000.000-ste Kunde!
Der Apotheker gratuliert Ihnen und teilt Ihnen mit, dass Sie heute probieren dürfen, was Sie wollen.

„Wir wäre es mit diesen Pillen hier, die sind gegen Darmblutungen!? Wirken auf der Stelle! Was halten Sie von Salbe gegen juckenden Ausschlag?  Soll ich Ihnen vielleicht ein kleines Potpourri zusammenstellen, so gegen Bluthochdruck, Übelkeit, Durchfall und Fußpilz?“

Was würden Sie dem Apotheker wohl sagen?
Also ich würde ihn sicher fragen, ob er noch ganz bei Sinnen wäre, denn schließlich würde ich diese Medikamente ja überhaupt nicht benötigen, weil ich die Krankheiten ja zum Glück alle gar nicht habe.

Und wie passt das Beispiel zur High-Fidelity?

Nun, ganz einfach:
Wir brauchen kein Zubehör, was Probleme beseitigt, die wir gar nicht haben!
Wessen Lautsprecher nicht diffus klingen, der braucht auch keine Spikes unter den Boxen, wer keinen zu fetten Bass hat, der braucht keine Schaumstoffkeile in den Zimmerecken und wer seine Komponenten nicht gerade auf Glasplatten gestellt hat, der braucht auch keine Geräte-Basen. Ausnahmen ausgenommen.

Trotzdem stürmen gerade die, deren Anlagen schon super klingen, in die Läden und kaufen HiFi-Zubehör, während die, deren Sound auf eine echte “Krankheit” schließen lässt, jedes Zubehörteil verdammen und es sogar verweigern, sich auch nur gedanklich mit solchen Themen auseinander zu setzen.

Brauchen wir jetzt einen HiFi-Arzt, der uns die richtige Medizin in der richtigen Dosis verschreibt, weil wir selber zu solch einer Einschätzung nicht fähig sind?
Verkehrt wäre das sicher nicht, aber für unsere eigene Weiterentwicklung wäre das ja wohl eher hinderlich, oder?

Zum Glück ist es so, dass HiFi-Zubehör keinen Schaden anrichten kann. Zwar kann es damit schlechter klingen als vorher, aber das lässt sich ja schnell wieder ändern.

Wer also braucht denn nun tatsächlich HiFi-Zubehör und welches?

Hierzu muss man wissen, dass es zwei Sorten von Zubehör gibt. Mit der ersten können wir vorhandene Fehlerursachen beseitigen und mit der anderen manipulieren wir den Klangcharakter.

Ein Beispiel für die erste Sorte ist die Gerätesicherung.
Seit Anbeginn der High-Fidelity-Zeit sind diese Sicherungen den Entwicklern ein Dorn im Auge, denn weder geht das Kamel durch ein Nadelöhr, noch passiert der Strom so eine Sicherung in der Art und Weise wie es erforderlich wäre, um gute Musik entstehen zu lassen. Welche Klangverbesserung an dieser Stelle möglich ist, könnte man herausfinden, wenn man die Sicherung mit einem Kabel überbrücken würde, was man allerdings tunlichst unterlassen sollte.
Einige Hersteller haben versucht, Geräte ohne Sicherungen zu bauen und sich dabei eine „blutige Nase“  geholt, weil so eine Sicherung ja nun einmal eine wichtige Sicherheitsfunktion zu erfüllen hat.

Ich bin deshalb unsagbar froh darüber, dass es Tüftler gibt, die sich über alle wirtschaftlichen Aspekte hinwegsetzen und ein Produkt wie die High-End-Gerätesicherung entwickeln, um damit dieses uralte Problem ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Und das alles durchaus im Bewusstsein, dass sie sich nicht nur Lob einhandeln, sondern auch Schimpf und Schande über sich ergehen lassen müssen. Weil sie für so eine Sicherung 20,- Euro verlangen, wo es doch schon 10 normale Sicherungen für einen Euro zu kaufen gibt. Und es sind die gleichen Freaks, die über diesen hohen Preis schimpfen, die über 50.000,- € für ihre Lautsprecher ausgegeben haben. Aus Prinzip eben und weil man den Sinn solch einer Sicherung nicht verstanden hat.
Bessere Gerätesicherungen? Für mich ein absolutes Muss! Und die Beseitigung einer Fehlerursache in so gut wie jeder HiFi-Komponente.

Ein Beispiel für die zweite Sorte sind Gerätefüße und -basen.
Kein Zweifel besteht daran, dass HiFi-Komponenten ihren Klang verändern, wenn man sie „auf was anderes drauf stellt“.

Ende der 80-er haben wir mal mit unseren Kunden einen Workshop durchgeführt. Hierzu gehörte auch folgender Test:
Eine Person hob dabei einen Vorverstärker an und ein anderer wechselte die Gerätebasis, während die Musik weiter lief. Die Unterschiede waren für jeden leicht nachvollziehbar.
Am besten hat es aber immer geklungen, wenn der Helfer das Gerät gerade angehoben hatte.  🙂

Bleibt festzuhalten, dass es mal härter, mal weicher, mal analytischer, mal diffuser geklungen hat. Die „Stellschrauben“, an denen man hier drehen kann, sind nicht zählbar. Material, Materialstärke, Materialmischung, Sandwichbauweisen, mit Spikes, mit Pucks, mit Gel, mit Luft …
Ein riesiges Experimentierfeld tut sich da auf. Und dann gibt es da noch die Komponenten, die gar nicht daran denken, anders zu klingen, nur weil sie „auf was anderes drauf gestellt“ werden.

Wie lautet also mein Rat?
Gehen Sie das „Pimpen“ Ihrer Anlage in zwei Schritten an:

Erster Schritt – Beseitigung von Fehlerursachen
Beseitigen Sie vorhandene Fehlerquellen wie die besagten Gerätesicherungen, schlechte Kabel, vor allem auch die Stromkabel, Stecker, Steckdosen, Stromverteiler …
Wenn Ihr Raum Probleme macht, werden Sie kein gutes Ergebnis hinbekommen, solange Sie das akzeptieren.
Fehlerquellen sind vergleichbar mit Krankheiten beim Menschen. Unser Ziel ist, für eine Gesundung zu sorgen, also die Beseitigung der vorhandenen Fehlerquellen.

Zweiter Schritt:
Jetzt geht es daran, das gute Ergebnis zu perfektionieren, indem Sie die Klangeigenschaften so manipulieren, wie sie Ihnen am besten gefallen.

Symbolisch gesprochen, sorgt hier also ein gesunder Mensch durch ausreichend Schlaf, Sport und der richtigen Ernährung dafür, dass er sich noch besser fühlt.
Wir passen also einen bereits guten Klang unserem Geschmack an.

Bei beiden Schritten lautet der allerwichtigste Rat:
Probieren Sie alles aus, was Sie ohne Kosten probieren können. Kaufen Sie nichts, was Sie nicht wieder zurückgeben können, leihen Sie es sich am besten und hören Sie ganz genau hin!
Eine Veränderung ist nicht immer eine Verbesserung!
Und was wir heute als Verbesserung empfinden, kann sich morgen doch wieder als falsch erweisen.

Doch haben Sie irgendwann etwas gefunden, was den Klang aus Ihrer Sicht –  nach Ihrem Geschmack  – verbessert, dann hören Sie auf Ihre Ohren und nicht auf die Stimmen, die Ihnen sagen wollen, dass dieses Bauteil den Preis nicht wert ist.

Seien Sie selbstbewusst und gehen Sie Ihren eigenen Weg, auch bei der Auswahl von HiFi-Zubehör.
Es ist Ihr Geld, Ihre Anlage, Ihre Musik.

Laissez-faire

Laissez-faire

… ein Versuch, der Ursache auf den Grund zu kommen, warum man als HiFi-Freak offenbar nicht tun und lassen kann, was man will.

Ich bin einmal durch Zufall an einem Sonntagmorgen zu einem Treffen von Motorradfahrern dazugekommen. Nach einer Weile fiel mir auf, dass die Typen, die durch ihr Äußeres durchaus Angst und Schrecken verbreiten konnten, tatsächlich nette und umgängliche Menschen waren und dass sie sich offen und neugierig den anderen Fahrern und deren Maschinen näherten, um mehr über sie zu erfahren. Wo ist denn der Auspuff her … und so weiter.

Ich schaute mir das Treiben dieser Motorradfahrer genau an und empfand die Differenz zwischen der gelebten Toleranz/Akzeptanz und dem äußeren Erscheinungsbild als sehr extrem.

Ich habe keine Ahnung, ob das immer so ist, oder ob ich da in ein „Treffen zum Muttertag“ geraten bin, aber es hat mir gut gefallen und es wollte mir nicht gelingen, eine Parallele zur High-Fidelity aufzubauen.

Trifft ein Röhren-Freak auf einen Transistorbesitzer, sind am Ende des Gesprächs beide doof. „… kann man nicht mit reden!“

Spätestens bei der Frage, ob ich mit Kabel den Klang beeinflussen kann, werden die Messer gewetzt und das Schlachtfeld wird vorbereitet.

Toleranz? Akzeptanz? Neugier? Offenheit?

Fehlanzeige!

Nach langem Grübeln und einigen Gesprächen mit befreundeten Motorradfahrern glaube ich heute, die Ursache dafür zu kennen:

Es ist das Geld!

Auf diesem Motorradtreffen, das ich erlebt habe, „war man unter sich“.
Was bedeutet: Da waren alle Maschinen „ungefähr gleich teuer“.  Also je nach Alter so zwischen 2.000,- und 8.000,- Euro.

Und man erklärte mir, dass ein Besitzer eines Motorrades für 30.000,- Euro es nicht wagen würde, sich auf solch einem Treffen mit seiner Maschine blicken zu lassen.

Auch diese Aussage entzieht sich meiner Nachprüfbarkeit, aber sie könnte durchaus ein geeigneter Denkansatz sein.

Bringt man zwei Menschen zusammen, bei dem A) kein Interesse daran hat, sich eine Stereoanlage zuzulegen und B) sich gerade eine solche für 3.000,- Euro gekauft hat, hält A) den B) für wahnsinnig.

Trifft B) auf C), der sich gerade für 3.000,- Euro ein Lautsprecherkabel gekauft hat, hält B) den C) für wahnsinnig.

Kabel-Klang-Code endlich geknackt!

Stellen wir uns vor, ein Wissenschaftler hätte den Kabel-Klang-Code geknackt und durch die nun endlich vorliegende Formel könnte man die besten HiFi-Kabel herstellen, die es jemals gegeben hat und das zu einem lächerlichen Preis von wenigen Euro pro lfd. Meter.

Ein schlechtes Kabel würde also genau das gleiche kosten wie ein richtig gutes.

Gäbe es dann immer noch jemanden, der diese Tatsache verleugnen würde und nicht bereit wäre, sich die „Kabel anzuhören“?

Wenn der beste CD-Player der Welt 200,- Euro kostet, wird dann immer noch bestritten, dass CD-Player überhaupt verschieden klingen können?

Ich habe keine Glaskugel und kann diese Fragen nicht beantworten, aber ich bin mir schon ziemlich sicher, dass sich in der High-Fidelity eine Menge ändern würde.

Wenn sich jemand darüber aufregen kann, ja völlig aus dem Häuschen ist, nur weil er hört, dass ein anderer 1.000,- Euro für ein Cinch-Kabel ausgegeben hat, dann ärgert er sich doch nicht darüber, dass der andere nicht das gleiche Kabel benutzt wie er selbst, sondern er ärgert sich darüber, dass der „so blöd“ ist, sich überhaupt ein Kabel zu solch einem Preis andrehen zu lassen.

Wenn ihm der Käufer dann aber sagt, dass er seit Monaten alle möglichen Kabel verglichen hat und dieses hier so unglaublich gut sei, dass er auch das Doppelte dafür bezahlt hätte, dann ist der Bogen schnell überspannt.

Je länger ich über diese Theorie nachdenke, desto wahrscheinlicher erscheint sie mir.
Der Grund für die an vielen Stellen fehlende Toleranz ist einzig und allein das Geld.

Und große Summen für HiFi-Komponenten zu bezahlen ist offensichtlich zurzeit nicht „Mainstream“.

Die schickeren ALU-Felgen dürfen 4.000,- Euro Aufpreis kosten, der Urlaub nach Fernost jährlich 8.000,- Euro verschlingen … aber HiFi ist out!

Ist das so?

Au man – dann bin ich total out!

… und kann da wunderbar mit leben.

Nun gut, ich mag das hierzu nötige Selbstvertrauen mittlerweile aufgebaut haben. Aber was ist mit all denjenigen, die gerade Spaß am Thema HiFi gefunden haben und sich durch die unterschiedlichen Aussagen völlig verunsichert fühlen?
Ihnen möchte ich den folgenden Rat geben:

Gehen Sie Ihren eigenen Weg!

Es wird Ihnen nicht gelingen, etwas zu kaufen, von dem nicht spätestens der dritte Gesprächspartner behaupten wird, dass Sie sich falsch entschieden haben.

Hören Sie nicht auf Argumente – hören Sie auf die Ergebnisse!

Sie können das!

Wenn die Farben an Ihrem Fernseher falsch eingestellt sind, dann sehen Sie das! Wenn eine Anlage falsch klingt, dann hören Sie das!

Sie können das!

Und wenn Sie sich dann für etwas entschieden haben, dann stehen Sie auch dazu! Sie haben das dann nämlich nicht gekauft, weil irgendwer Ihnen was darüber erzählt hat, weil irgendwer etwas geschrieben hat …

Sie haben es gekauft, weil es Ihnen am besten gefallen hat.

Sie lassen sich doch am Buffet auch nicht von anderen vorschreiben, was Sie essen müssen. Was nutzt es Ihnen zu hören, dass die Gambas ein Traum sind, wenn Ihnen das Wasser beim Anblick der Frikadellen im Mund zusammenläuft? Oder umgekehrt.

Wenn Sie gefragt werden, wieso Sie ausgerechnet diese Komponenten gekauft haben, dann ist es nicht gut, auf eine Zeitschrift mit Testergebnissen zu verweisen oder nur die Adresse Eures HiFi-Händlers nennen zu können.

Wenn Sie aber auf die klanglichen Eigenschaften der Komponenten hinweisen können, dann wird Ihr Gegenüber dem nichts entgegen zu setzen haben.

Und wenn Sie noch nicht so weit sind?

Dann üben Sie sich in Geduld!

Wenn Sie den Unterschied zwischen verschiedenen Lautsprechern, Verstärkern, CD-Playern und ja auch Kabeln – noch nicht selber hören können, dann ist der Zeitpunkt für einen Kauf noch nicht gekommen.

Und die Gefahr, sich etwas falsches zu kaufen, weil man doch wieder nur auf andere gehört hat, ist einfach zu groß.

Hören, hören, hören!

Wenn Ihnen dann die analytische Kette am besten gefällt – na prima!
Wenn Ihnen die Anlage mit dem vollen und warmen Klangbild am besten gefällt – auch gut!

Wenn Sie sich für „richtig viel Geld Ihre letzte Anlage in Ihrem Leben“ kaufen wollen, dann tun Sie das! Es ist Ihr Leben! Und Ihr Geld!
Wenn Sie nur ein sehr beschränktes Budget zur Verfügung haben, dann gleichen Sie das durch Kompetenz aus – auch das funktioniert!

Laissez-faire

Machen Sie, was Sie machen wollen und lassen Sie andere machen, was die machen wollen.