Skating und Antiskating beim Plattenspieler

Skating und Antiskating beim Plattenspieler

Haben Sie schon mal einen Bericht über die Skatingkraft lesen wollen, ihn dann aber angesichts der vielen komplizierten Formeln gleich wieder beiseite gelegt?

Emoticon mit Daumen nach unten

Willkommen im Club!

Von den meisten Erklärungen, die ich bisher so lesen konnte, habe ich nicht viel verstanden. Was wohl hauptsächlich daran liegt, dass ich sie für “ziemlich falsch” halte.
Wenn mir nämlich jemand erklären will, dass die Skatingkraft dadurch entsteht, dass die Reibung der Abtastnadel an der inneren Rillenflanke der Schallplatte größer ist als die an der äußeren Flanke, dann beschreibt er damit zwar eine Auswirkung, verschweigt aber deren Ursache.
Eine Skatingkraft, die durch die unterschiedlichen Reibungskräfte an den Rillenflanken erzeugt wird, die gibt es jedenfalls nicht!

Es soll die Skatingkraft nicht geben?

Finden wir nicht Berichte über sie in Hülle und Fülle – auch in wirklich ernst zu nehmenden, geradezu “wissenschaftlichen” Fachbüchern und natürlich auch bei Wikipedia?

Nun – das stimmt durchaus.
Doch hat uns diese Wissenschaft nicht schon viel größere Irrtümer beschert!?

Ein einziger falscher Rückschluss und schon war der gesamten westlichen Welt in den 60-er Jahren eine Glutamat-Unverträglichkeit bescheinigt worden, die bis heute nicht bestätigt werden konnte!

Eine ähnlich „verunglückte“ Auswertung hat aus meiner Sicht immer wieder bei der Betrachtung der Skatingkraft stattgefunden.
Nicht wenige bezweifeln deshalb diese Behauptungen und bauen die Antiskating-Vorrichtungen an Ihren Tonarmen wieder ab oder statten sie gar nicht erst damit aus.

Aber auch das ist falsch!

Weil es ohne eine korrekt eingestellte Antiskatingkraft zu Verzerrungen kommen muss!
Doch wieso brauchen wir eine Antiskatingkraft, wenn es die Skatingkraft gar nicht gibt?

Ganz einfach:
Weil es durchaus Kräfte gibt, die seitlich auf den Tonarm einwirken. Nur kommen sie nicht von der unterschiedlichen Reibung an den Rillenflanken, sondern diese unterschiedliche Reibung resultiert daraus.

Gehen wir der Angelegenheit doch mal systematisch auf den Grund:

Skating – was heißt das denn überhaupt?
Skating ist das englische Wort für Schlittschuhlaufen und darf wohl als Synonym für das „Gleiten über eine Oberfläche“ betrachtet werden. Mit oder ohne Rillen.

Namen sind Schall und Rauch und Skating passt gut zu dem, was tatsächlich geschieht, also bleibe auch ich in diesem Beitrag bei dieser Bezeichnung.

Damit wir erkennen können, was für Kräfte tatsächlich auf einer sich drehenden Schallplatte auftreten, habe ich mal ein kleines Demonstrations-Video gedreht. Nein, ein Spielberg ist sicher nicht an mir verloren gegangen, aber es sollte doch zu erkennen sein, was ich demonstrieren will.

Auf meinem guten alten Philips 504 dreht sich eine ausrangierte, mehr oder weniger “glatte” Antiskating-Mess-Schallplatte.
An einem Ende eines Bambus-Stabs habe ich ein Loch gebohrt und dort einen Faden hindurch gezogen. Mit diesem Faden habe ich den Stab in einen Halter eingespannt, so dass sich der Stab seitlich frei bewegen kann. Ich hätte das auch einfacher demonstrieren können, indem ich den Stab zwischen Daumen und Zeigefinger halte, aber ich befürchtete, danach zum zweiten Uri Geller erklärt zu werden und habe mich lieber mal für den Faden entschieden.  🙂

In dem Video kann man folgendes erkennen:
Es gibt auf der sich drehenden Scheibe drei Zonen, die unterschiedlich auf den Tonarm einwirken.

Skizze 1 "3 Zonen"

Skizze 1 “3 Zonen”

In der Mittel-Linien-Zone (Zone 1) bleibt der Tonarm/Stab dort stehen, wo er abgesetzt wird. Es gibt dort keine seitlich wirkenden Kräfte, also auch keine Skatingkräfte.
In der unteren Zone (Zone 2) wird der Tonarm/Stab nach links gezogen.
In der oberen Zone (Zone 3) wird der Tonarm/Stab nach rechts geschoben.

Skatingkraft
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Wird der Tonarm “nach links” gezogen, versucht er dieser Zugkraft zu folgen. Da er aber an seinen Lagerpunkt “gefesselt” ist, kann er der Schallplatte nicht folgen – er kann sich nur um seinen Lagerpunkt drehen. Die Kurve, die er hierbei beschreibt, führt ihn automatisch zum Schallplatten-Mittelpunkt und es sieht so aus, als würde der Tonarm zum Mitteldorn hin gezogen werden.

Befindet sich der Tonarm in der Zone 3 und wird er nach “rechts” geschoben, beschreibt er wieder nur die ihm bestimmte Kurve um seinen eigenen Drehpunkt und dreht sich damit nach außen zum Schallplattenrand hin.
Beide Bewegungen sind dem Lagerpunkt des Tonarmes geschuldet und haben nicht wirklich etwas mit “innen” und “außen” zu tun. Liegt der Tonarm/Stab exakt auf der parallelen Mittellinie auf, gibt es überhaupt keine seitlich einwirkenden Kräfte.
Hier eine Skizze zur Definition der parallelen Mittel-Linie.

Parallele Mittel-Linie

Skizze 2 “Parallele Mittel-Linie”

Bitte montieren Sie Ihren Tonarm nicht so, dass die Nadel die Schallplatte auf der parallelen Mittellinie berührt. Die sich hierdurch ergebende,  äußerst schlechte Tonarmgeometrie verhindert, dass die Nadel der Rille folgen kann und irgendwas geht dabei ganz bestimmt kaputt!

Zwischenfazit:
Es gibt auf der Schallplatte drei Zonen mit unterschiedlichen seitlich wirkenden Kräften auf den Tonarm.

Damit müssen wir aber jetzt zu der folgenden Frage kommen:

Wo ist denn der geometrisch günstigste Montagepunkt für einen Tonarm?

Da dieses Thema sehr umfangreich ist, finden Sie eine genaue Anleitung zur Tonarm-Montage und zur Tonabnehmer-Justage jeweils in einem eigenen Beitrag.

So viel sei aber an dieser Stelle verraten:
Bei einem korrekt justierten Tonarm trifft die Abtastnadel die Schallplatte im Bereich der zweiten Zone – also in der Zone, in der der Tonarm nach links gezogen wird. Sein Lager zwingt ihn in Richtung Plattenmitte. Auf einer glatten Schallplatte wie in meinem Video würde der Arm also sofort zur Plattenmitte gleiten.
Bei einer normalen Schallplatte geht das aber nicht, weil die Nadel “tief in der Rille” steckt und über die innere Rillenflanke nicht hinweg kommt. Allerdings drückt die Nadel nun gegen die innere Flanke und erzeugt damit eine hohe Reibung.
Der Druck auf die äußere Rillenflanke ist dementsprechend geringer.

Genau hier treffe ich mich also wieder mit allen, die behaupten, die Reibungskräfte an den Rillenflanken seien unterschiedlich stark.
Nur ist das eben eine Folge und keine Ursache.

Wie dem auch sei, eines steht fest:
Wir müssen diese starke Reibung an der inneren Rillenflanke durch eine Gegenkraft ausgleichen.

Es besteht nämlich die akute Gefahr, dass der Druck des Diamanten gegen die äußere Rillenflanke zu schwach wird, um dafür zu sorgen, dass die Nadel den Kontakt zu ihr halten kann. Verliert sie ihren engen Kontakt, kann sie die Information nicht mehr sauber lesen. Stattdessen schwebt die Nadel mit der äußeren Flanke  zeitweise “in der Luft”.

Hören können wir das deutlich, denn es äußert sich in Form von Verzerrungen im rechten Kanal, da die äußere Rille das Signal für den rechten Kanal in sich trägt.

Um genau das zu verhindern und die Zugkraft der sich drehenden Schallplatte auszugleichen, gibt es die Antiskating-Vorrichtungen, die wir auch tunlichst benutzen sollten.

Doch welche Anti-Skating-Vorrichtungen gibt es eigentlich und was taugen sie?

Um eine Bewertung vornehmen zu können, müssen wir uns zunächst folgendes vor Augen führen:

Es gibt einige Parameter, die die Auswirkungen der Skatingkraft beeinflussen:

a) Die Zugkraft-Stärke der sich drehenden Schallplatte.
Sie wird durch den Abstand der Abtastnadel zur parallelen Mittellinie (Zone 1) hin bestimmt. Je weiter entfernt von der parallelen Mittel-Linie sich die Nadel in der unteren Zone (Zone 2) befindet, um so stärker ist die Zugkraft nach links.
Ein gut justierter Tonarm befindet sich etwa in der Mitte der modulierten Fläche (die Fläche mit der Musik drauf)  am weitesten von der parallelen Mittellinie entfernt, weshalb hier die “Skatingkraft” am größten ist.

b) Die Fähigkeit des Tonarms, der Zugrichtung nach links zu folgen.
Am Außenrand der Schallplatte kann der Tonarm noch relativ leicht der Zugkraft der Schallplatte nach links folgen. Je weiter er sich der Plattentellermitte nähert, umso schwerer fällt es ihm, weil er immer weniger nach links und immer stärker nach oben wandern will.

c) Die korrekte 90°-Stellung zur Rille
Ein korrekt justierter Tonarm (siehe Beitrag zur Tonarmjustage) steht in zwei Bereichen der Schallplatte genau im richtigen Winkel zur Rille. Hier gleitet die Nadel dann auch mit dem geringsten Widerstand durch die Rille. In allen anderen Bereichen wirkt sich die Abweichung vom korrekten Winkel auch auf die Skatingkräfte aus.

d) Die Auflagekraft
Je größer der Druck der Abtastnadel auf die Schallplatte ist, um so stärker wirken sich auch die seitlichen Kräfte auf den Tonarm aus. Weshalb die allgemeine Empfehlung dahin geht, die Antiskatingkraft analog zur Auflagekraft einzustellen. Man kann aber bei Tonabnehmern mit ungewöhnlich hohen Auflagekräften (z.B. 5 gr.) wieder feststellen, dass sie auch mit weniger  starker Antiskatingkraft korrekt abtasten.

e) Die Gleit-Geschwindigkeit
Die Geschwindigkeit, mit der die Abtastnadel durch die Rille gleitet, ist außen natürlich deutlich höher als kurz vor der Auslaufrille. Mit der Geschwindigkeit steigt auch die Skatingkraft, weshalb sie außen stärker ist als innen.

f) Die waagerechte Aufstellung des Plattenspielers
Steht der Plattenspieler selber nicht “im Wasser”, wirkt sich das auch auf die Skating- und die Antiskatingkraft aus. Da es sich bei einem Tonarm um eine fast “ausgewogene Wippe” handelt mit leichtem Schwergewicht zum Tonabnehmer hin, kann man manchmal gar nicht voraussehen, wie sich eine Schrägstellung des Plattenspielers auswirken wird. Um zu verhindern, dass wir in einen experimentellen Bereich hineingeraten, sollte die waagerechte Aufstellung des Plattenspielers eine Grundvoraussetzung für die Tonarmjustage sein.

g) Tonarmlänge
Mit der Länge des Tonarms verbessert sich die Geometrie und die Spurfehlwinkel werden immer kleiner. Auch dies wirkt sich auf die Skatingkraft aus.

Zusammenfassung:
Die seitlich auf den Tonarm wirkenden Kräfte sind von verschiedenen Parametern abhängig und verändern sich während des Abspielvorgangs.
Es kann beobachtet werden, dass die Skatingkraft im Gesamtergebnis zur Schallplattenmitte hin kontinuierlich abnimmt. Außen ist sie also stärker, nach innen hin wird sie schwächer.

Diese Aussage führt uns zu der Erkenntnis, dass alle Antiskating-Lösungen, die mit einer Feder arbeiten, exakt umgekehrt zur tatsächlichen Entwicklung arbeiten. Außen ist die Feder noch schwach gespannt – nach innen hin spannt sie sich immer stärker. Sie entwickelt sich also entgegengesetzt zur Skatingkraft. Hier bleibt uns nur zu hoffen, dass sich der Tonarmhersteller dieser Tatsache bewusst war und eine Federkonstruktion gewählt hat, deren Kraftentwicklung zu vernachlässigen ist.

Besser sind diese Lösungen mit den “baumelnden Gewichten”, da diese Gewichte eben über den gesamten Bereich  gleich bleiben und sich damit schon mal nicht entgegengesetzt zur Skatingkraft entwickeln.

Noch passender sind Lösungen, bei denen die Gewichte auf einer Hebelkonstruktion angebracht sind. Befindet sich der Tonarm außen am Rand der Platte, schwebt der Hebel mit dem Gewicht in der Waagerechten. Damit befindet er sich in der größten Entfernung zu seinem Lagerpunkt und zieht am stärksten.
Je weiter der Tonarm nun nach innen wandert und an der Konstruktion zieht, stellt sich der Hebel mit dem Gewicht immer senkrechter. Das Gewicht nähert sich immer mehr seinem Lagerpunkt und seine Zugkraft wird damit immer geringer. Wenn man jetzt auch noch mit unterschiedlich hohen Gewichten arbeiten kann, dürfte einer korrekten Anti-Skating-Einstellung nicht mehr viel im Wege stehen.
Hier eine kleine Skizze zur Funktion dieser “Hebelgewichte”:

Antiskatinggewicht mit Hebel

Antiskatinggewicht mit Hebel

Alternative Lösungen:
Es gab die unterschiedlichsten Ansätze, um die Aufgabe noch besser zu lösen. Mit Elektromagneten wurde experimentiert, aber durchsetzen konnten sie sich nicht. Was einfach daran liegt, dass diese Magnete ja auch nur “irgendwie eingestellt” werden können. Damit Sie zu jeder Zeit korrekt wirken können, müssten erst Sensoren entwickelt werden, mit denen die tatsächliche Stärke der Skatingkraft mit samt der oben genannten Parameter gemessen und ausgewertet werden könnten.

Wie wichtig ist die korrekte Antiskating-Einstellung denn überhaupt?

Die Antwort ist ziemlich einfach:

Solange Sie keine Verzerrungen hören, weder im rechten noch im linken Kanal, ist alles in Ordnung und Sie brauchen überhaupt nichts zu verändern!
Stellen sich die Verzerrungen in beiden Kanälen gleichzeitig ein, so hat das nichts mit der Antiskating-Einstellung zu tun. Möglicherweise ist die Auflagekraft falsch eingestellt oder Tonabnehmer und Tonarm passen nicht zusammen.

Verzerrt es jedoch nur in einem Kanal, dann sollten Sie die Antiskating-Einstellung korrigieren, bevor Ihre Schallplatten Schaden nehmen.

Verzerrt es im linken Kanal – dann ist die Antiskating zu stark eingestellt – senken Sie den Wert ab!
Verzerrt es im rechten Kanal – dann ist die Antiskating zu schwach eingestellt – erhöhen Sie den Wert!

Kann man die Einstellung messen oder prüfen?
Es gibt eine Reihe von Mess- und Einstell-Schallplatten. Zum Teil arbeiten sie nur mit Ihrem Gehör, es gibt aber auch welche, zu denen eine Software gehört. Damit können Sie dann auch deutlich mehr messen als nur die korrekte Anti-Skating-Einstellung.

Tipp:
Trauen Sie Ihren Ohren – solange alles gut läuft und nichts verzerrt – lassen Sie die Antiskating-Einstellung so wie sie ist und sparen Sie sich die Mess-Schallplatten.

High-Fidelity – quo vadis?

High-Fidelity  – quo vadis?

High-Fidelity  – quo vadis?

Wir haben uns die Frage gestellt: “High-Fidelity – quo vadis?” Was passiert da gerade und wohin wird es uns führen?

Kann es sein, dass Sie auch gerade den Überblick über die zurzeit angebotenen HiFi-Geräte verlieren und die Frage nicht mehr beantworten können, welches Gerät man als Musikliebhaber im Jahre 2016 … nutzen muss, um damit „en vogue“ zu sein?

Welcher Typ sind Sie?

Kommt 2016 der endgültige digitale Durchbruch zu Ihnen ins Haus mit einem digitalen Vollverstärker, einem eigenen WLAN für HiFi, drahtlos arbeitenden aktiven Lautsprechern, von denen man mehr als 20 Stück im Haus verteilen kann, mit einem Streamer, einem Ripper und einem Musik-Server, der Ihre Musik zentral zur Verfügung stellt?

Oder sind Sie da eher der Fels in der Brandung und lassen sich von den tosenden Werbewellen nicht im geringsten beeinflussen?

So oder so hat die digitale Zukunft in viele Wohnungen schon längst Einzug gehalten.
Der Fernseher ist ein Smart-TV, mit dem man weitaus mehr anstellen kann als einfach nur fern zu sehen – und so natürlich auch Musik hören!
Daran hängt ein Apple-TV, ein Raspberry, eine Boxee-Box … irgend ein kleiner Kasten jedenfalls, der die Lücken auffüllen soll, die die Programmierer des Smart-TV noch gelassen haben.
Fast jeder besitzt heute wie selbstverständlich ein Smart-Phone, ein Tablet, ein Notebook, einen PC …
Und auch mit diesen „Devices“ kann man Musik hören.
Rund um die Uhr und überall, also auch unterwegs.

Es geht nicht mehr ums Können!

Und schon lange geht es auch überhaupt nicht mehr ums Können.
Können – könnten wir.
Aber wollen wir auch?
Mit der Antwort auf diese Frage fühlen wir uns zunehmend überfordert.
Wollen wir?
Und wenn ja, was genau wollen wir?
Und wieso machen wir es nicht schon längst, wenn wir es doch könnten?

Was klingt denn heute noch wirklich gut?

Ich glaube, die Ursache dafür liegt darin, dass wir diesen neuen Dingen nicht so recht über den Weg trauen, wenn es um die Bewertung ihrer klanglichen Qualitäten geht und schon lange nicht mehr wissen, was eigentlich noch gut klingt und was nicht.

Ach, wie schön einfach war es doch noch vor gar nicht so langer Zeit.
Analog? Der eine so der andere so.
CD? Ja logisch! Was sonst?

Wenn ich mich heute mit jungen Kunden unterhalte, stelle ich fest, dass sie keine einzige LP besitzen.
Das ist nun einmal so.
Aber was mich wundert: Sie haben auch keine einzige CD mehr!
Nicht einmal einen CD-Player!
Außer natürlich diesen “BluRay-DVD-CD-MP3-Dingsbums-Alles-Player-Brenner-und-Sauger”, der am Fernseher hängt.

Sie hören Musik digital und mobil.

Ohne Zweifel hat sich dabei das MP3-Format durchgesetzt. (MP3 ist die Kurzform von „MPEG-1, Layer III“, wobei MPEG für Moving Picture Experts Group steht)  MP3-Dateien sind klein, nehmen also wenig Speicher weg und lassen sich blitzschnell übertragen.
Die Theorie lässt aber keinen Zweifel daran aufkommen, dass MP3-Dateien eine ziemlich miserable Klangqualität haben müssen. Alles, was man einer Sound-Datei Böses antun kann, das hat man ihr auch angetan.
Man hat ihre Informationen heruntergerechnet, komprimiert, reduziert – kurz:

MP3 ist mit Kartoffelbrei-Pulver zu vergleichen.

Und so traurig, dass man darüber fast schon wieder schmunzeln muss, ist eine zweite Analogie zum Kartoffelbrei-Pulver:
So wie unsere Kinder keinen selbstgemachten Kartoffelbrei mehr mögen, empfindet die Generation, die mit MP3 herangewachsen ist, den Klang der MP3-Datei einer CD gegenüber als deutlich besser. Langjährige Studien an verschiedenen Universitäten beweisen dies. Immer mehr Menschen haben sich so sehr an den MP3-Sound gewöhnt, dass sie diesen Klang subjektiv für besser halten und den CD-Klang als „seltsam“ ablehnen.

Aber dies ist nicht die einzige Kröte, die die CD-Produzenten derzeit zu schlucken haben. Die zweite kommt in Form von FLAC-Dateien daher.  (Free Lossless Audio Codec]

Und die ist eine so fette Kröte, dass man zurecht bezweifeln darf, dass die CD sie heruntergewürgt bekommt.

Hinweis:  Lesen Sie mehr über digitale Formate unter:  https://audiosaul.de/auralic-mini/ 

Jedenfalls frage ich mich an dieser Stelle, ob nun so eine FLAC-Datei, die ich aus dem Internet heruntergeladen habe, ob die nun besser oder schlechter ist, als meine CD.

Ich schaue also beispielsweise mal bei acousticsounds.com vorbei, einem der vielen Download-Anbieter von FLAC-Dateien – und entdecke sofort zwei gute alte Bekannte: Simon & Garfunkel Greatest Hits und Getz/Gilberto, das Album mit dem berühmten Song „The girl from Ipanema“. Die erste Scheibe stammt aus dem Jahre 1972, die zweite ist aus den 60-ern. Beide Masterbänder stammen also noch aus der rein analogen Ära.
Und beide Alben habe ich als LP und die Simon & Garfunkel sogar auch als CD. Alle Songs finde ich heute auch auf Spotify im MP3-Format.
Nun kann ich sie hier bei acousticsounds.com für jeweils 24,98 Dollar downloaden und ich frage mich gerade,
für wie bescheuert man mich eigentlich hält?

Wie oft muss man die gleiche Musik denn noch kaufen?

Erst hab ich 20,- Mark für die LP bezahlt, dann 20,- Euro für die CD, nun drücke ich schon jeden Monat 10,- Euro für Spotify ab und möglicherweise bald auch noch 20,- Euro monatlich für den Zugang zu einem High-Res-Audio-Portal und am Ende soll ich mir hier für 24,98 Dollar genau die gleichen, uralten Songs noch einmal als FLAC-Dateien herunterladen?
Und nächstes Jahr dann vielleicht noch einmal für 36,- Euro als „MQA“ oder wie?

Wobei ich ja den FLAC-Anbietern mit meiner Schimpferei zugegebenermaßen Unrecht tue.
Die CD hätte ich mir sparen sollen.

Aber da haben wir doch das Problem.
Es ist ja nicht nur der „Kampf der Formate“.
Das alles dehnt sich ja auch auf die Komponenten aus.
Downloaden oder streamen kann ich doch durchaus mit meinem Smartphone oder dem Tablet. Ich streame es über eine „kleine Kiste“ oder einen Bluetooth-Eingang zu meiner Anlage.
Das ist die einfachste und billigste Variante.
Genau das gleiche kann ich jetzt aber auch mit einem 18.000,- Euro High-End-Streamer vollziehen.
Und ich frage mich:
Kann ich nun zum Downloaden ein preisgünstiges Gerät verwenden und erst beim Abspielen das Signal von einem High-End-DA-Wandler wieder rekonstruieren lassen und alles klingt toll, weil es ja nur auf den DA-Wandler ankommt oder brauche ich auch schon einen 18.000,-Euro Streamer/Downloader?

Schon habe ich die ersten Kunden, die mit einem speziell „getunten“ Notebook ausschließlich über Akku-Betrieb und nur zu ganz bestimmten Tages- äh wohl mehr Nachtzeiten die Dateien downloaden, weil sie sonst nicht „gut genug“ sind.

Gespeichert wird das alles auf einer SSD, weil ja bei einer normalen Festplatte wieder der mechanische Lesevorgang zum klang-endscheidenden Faktor wird, oder?

Macht der Kunde das alles wirklich mit? Geht es mit uns in diese Richtung?

Richtig teure Musik-Server – (ich meine richtig teure!) – brauchen bis zu 20 Minuten, um eine CD einzulesen, zu rippen, zu taggen …
Ich habe ausgerechnet, dass ich dabei etwa 2 Jahre brauche (mit Urlaub und so) , um alle meine CDs einzulesen.

Und danach habe ich sie dann im Format 44,1 kHz bei 16 Bit auf einer Festplatte.
Eben im CD-Format, was sich gerade irgendwie den Ruf einhandelt, nur „zweite Wahl“ zu sein.
Die teuren Musik-Server können da heute schon mehr!
Manche Server bieten mir deshalb an, meine CDs auf 192 kHz hoch zu rechnen.
… also einfach eine Qualität zu erfinden?

Also Kartoffelbreipulver für 89 Cent die Tüte lasse ich mir ja gefallen – zuhause, mal eben schnell wieder angerührt – mit einem Stich guter Butter dran, da kann man es durchaus mal essen – aber ich lass mir doch nicht in einem 5-Sterne-Restaurant für richtig viel Geld zeigen, was ein Koch-Künstler aus Kartoffelbreipulver alles zaubern kann, oder hab ich da die falschen Ansichten?

Beschreibe ich hier eigentlich gerade den winzig kleinen High-End-Markt, der ja schon immer verrückt war, oder gilt das auch schon alles 1:1 für den Konsumer-Markt?

Was sagt denn unsere „Industrie“ zu diesem Thema?

Die Unterhaltungselektronik-Industrie steckt in einer Krise. Lassen sich doch neue Geräte nur dann an den Mann bringen, wenn man ihm klar machen kann, dass seine alten Geräte nicht gut genug sind.
Das allerdings zwingt sie dazu, dem Kunden das Qualitätsmerkmal schlechthin “in CD-Qualität” weg zu nehmen und sich selbst als Lügner zu bezichtigen.
So scheinen sich die Hersteller darin einig zu sein, den Mund zu halten und den Verbraucher ganz von allein dahinter kommen zu lassen.
Die High-Ender wissen es bereits, der Konsument interessiert sich zum Glück nicht so sehr dafür.
Aber auch er wird es irgendwann schon noch merken.

Schlecht hören kann man ja auch schon mit dem Handy gut!

Ja, der Industrie spielt es derzeit gut in die Karten, dass der moderne Mensch praktisch alles mit seinem Smartphone machen will, also auch Musik hören. Zum mobilen Streamen eignet sich sowieso nur das MP3-Format und damit ist ja alles in Butter, oder?

Der Mensch ist Jäger und Sammler.

Wie kommt er in einer rein digitalen “Online-Musik-Welt” zurecht – so ganz ohne Trophäen?

Und wie stellen Sie sich persönlich Ihre Zukunft und die Ihrer HiFi-Anlage vor?
Machen Sie da mit, bei diesen Neuentwicklungen, halten Sie an dem fest, was Sie haben, oder gehen Sie gar einen Schritt „zurück in die Zukunft“ und kaufen sich doch wieder einen Plattenspieler?
Lassen Sie uns doch an dieser Stelle mal gemeinsam eine allgemeine „Standortbestimmung“ durchführen.

Rückblick

Im Jahr 1980 noch
… sah die HiFi-Welt ziemlich aufgeräumt aus.
Den Kern einer „Stereoanlage“ bildeten der Verstärker und die Lautsprecher. Als „Quellen“ gab es den Plattenspieler und den Tuner, also das Radio.
Lediglich zum Aufnehmen musste man sich entscheiden, ob man mehr der Kassetten-Typ war oder sich eines von diesen „fetten“ Tonbandgeräten zulegen wollte.

Ein paar Jahre später fand dann das „Erdbeben“ unter dem Namen CD statt.

Die LP und der Plattenspieler waren von da an „altes, überflüssiges Gerümpel“.
Noch weniger wert (falls das überhaupt geht) war alles, was mit dem Kassettenrekorder oder den Bandmaschinen zu tun hatte.

Das digitale Format mischte sich nämlich auch schon bald in das Thema „Aufnehmen“ ein und der Markt bescherte uns einige mehr oder weniger segensreiche digitale Erfindungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt hätten die großen Entwickler erkennen müssen, dass der Kunde nicht bereit ist, jeder Fahne hinterher zu rennen, nur weil sie heftig geschwenkt wird.
Dabei waren sie selbst so kurzsichtig, uns zunächst digitale Aufnahme-Medien anzubieten (z.B. die DCC), bei denen der größte bisherige Nachteil der analogen Medien erhalten blieb – nämlich diese nervende Vor- und Rückspulerei.

Wo hören wir eigentlich Musik?

Der typische Verbraucher hört seine Musik an unterschiedlichen Orten. Hauptsächlich jedoch zuhause und im Auto.
Will man ihn zu einem Formatwechsel „verführen“, muss man ihm nicht nur das neue Equipment fürs Wohnzimmer anbieten, sondern auch eine Lösung fürs Auto.
Und da hatten wir eben unsere Kassetten.
Das schöne an der Kassette war doch, dass sie „billig und robust“ war.
Sie durfte im Fahrgastraum herumfliegen, beim Öffnen der Tür herausfallen, nass regnen, geklaut werden …
Aber wer wollte schon eine Kassette klauen?
Sie konnte ja jederzeit ersetzt werden und hatte einfach keinen Wert. Jedenfalls nicht die Kassette, die wir fürs Auto aufgenommen hatten.
Sollte man sich jetzt etwa ein neues Autoradio für teure digitale Kassetten oder Mini-Discs kaufen?
Also ganz ehrlich – ein solcher Schritt stand doch wohl niemals zur Debatte, oder?

Erst als die Seifenblase vom „Märchen von den staub- und keimfreien Laboratorien“, ohne die  angeblich eine CD niemals herzustellen sei, in Form von 40,- Euro-CD-Brennern zerplatzte, die man per USB an seinen eigenen PC anschließen konnte, gab es ein neues Medium fürs Auto:
Die CD – und hier eben vor allem die selbst gebrannte CD.
Alles, was wir über die Kassette gesagt haben, traf nun auch auf dieses Medium zu. Der Rohling war ziemlich wertlos, jederzeit ersetzbar und damit genau richtig fürs Auto.
Über die LP und den Plattenspieler sprach niemand mehr – bis auf ein paar Unbelehrbare, „ewig Gestrige“.

Und so hätte es eigentlich auch wunderbar weitergehen können, wenn nicht die Zeit so dreist gewesen wäre, voran zu schreiten und mit ihr der „technologische Fortschritt“.
Erst etablierte sich der Computer und dann auch noch das Internet.
Vor allem der zweite Punkt eröffnete uns heute gleich mehrere unterschiedliche Optionen und sorgt aktuell dafür, dass sich selbst eingefleischte HiFi-Freaks unsicher werden.

Zurück in der Gegenwart

Neben dem Besitz unserer gekauften Medien, in welcher Form auch immer, öffnet uns das Internet gerade die Tür zu einer Musik-Menge in unvorstellbarem Ausmaß. Und vieles davon völlig kostenlos.
Geben Sie den Titel von irgendeinem Song bei youtube ein – ich denke, Sie werden ihn finden. In mehreren Interpretationen, mit schönen Fotos hinterlegt, als Konzert-Mitschnitt, unplugged – wie auch immer.
Wem das nicht reicht, der richtet sich ein kostenpflichtiges Konto bei einem der Musikportale ein.
Spotify, Deezer, Apple Music, TIDAL HiFi, Qobuz, Amazon Primemusic, Napster, rdio, Soundcloud, XBox Music, Google Music, Baboom, rara, Juke mymusic, und jetzt auch noch ALDI life.

Hab ich einen vergessen? Ganz sicher! Denn es scheint sich gut Geld verdienen zu lassen mit diesen Portalen. Doch wer erhält das viele Geld? Die Musiker sehen jedenfalls nicht sonderlich glücklich aus dabei.

TIDAL HiFi, der Nachfolger von WIMP, wirbt mit dem FLAC-Format. So ein FLAC-Download hat den Vorteil, dass uns nun kein billiger und schlechter CD-Spieler mehr einen Teil der auf der CD vorhandenen Klangqualität vorenthalten kann.

Zum Digitalisieren unserer LPs, Kassetten und Tonbänder brauchen wir dann noch einmal die ehemaligen Abspielgeräte, die wir uns zumindest so lange leihen müssen, bis alles digitalisiert und auf unserem zentralen Musik-Server abgelegt ist.
Den müssen wir dann Nacht für Nacht auf einen zweiten Speicher sichern, damit wir nicht eines Tages mit einer kaputten Festplatte oder einem gestohlenen Musik-Server dastehen und alles „weg ist“.  Das wäre der GAU!
Versuchen Sie mal, von Ihrer Versicherung das Geld für monatelanges Rippen einzufordern!

Vielleicht haben wir ja aber Glück und „unsere Musik“ ist längst bei Spotify und Co. gelandet. Mit weniger Rauschen als wir es auf unseren Kassetten hören mussten, ohne Knistern, Knackser und ohne Cola in den Rillen; sogar ohne Rückstände von angetrockneten Nassfahrmitteln und …
ganz ohne Arbeit und Zeitaufwand. Sie ist einfach schon da!
Mit Informationen über den Interpreten, mit Hinweisen zu „ähnlichen Künstlern“ und mit der Möglichkeit, Playlisten zu erstellen, um auf die unterschiedlichsten Situationen vorbereitet zu sein. Party, Hintergrundmusik, Irischer Abend, Weihnachten mit Kindern, Schmusen …
Man muss so eine gut gefüllte Playliste nur starten und von da an macht sie Musik – so lange, wie Lieder in der Liste sind.

Das ist ohne Zweifel eine tolle Sache und ich kann und muss mich hier outen:
Ich nutze Spotify!

Bleibt die immer noch offene Frage nach der Qualität. Die MP3-Qualität ist aus meiner Sicht völlig ausreichend, um Künstler und Songs kennenlernen zu können.
Manche Alben gefallen mir aber so gut, dass ich die Musik kaufen will, um sie in einer noch besseren Qualität hören zu können. Welches Medium soll ich mir da heute kaufen? Soll ich es als FLAC downloaden? Reichen 24 Bit bei 96 kHz, müssen es 192 kHz sein oder noch viel mehr?
Oder soll ich es gar nicht kaufen sondern von TIDAL oder Qobuz streamen?

Fühlen Sie sich beim Lesen dieser Zeilen gerade auch so unwohl wie ich beim Schreiben?

Ich brauche eine Pause.

Bin zurück. Ich habe mir in der Pause den vierten Akt aus Verdis „Il Trovatore“ angehört (LSC-2617 Living Stereo 1962 mit Leontyne Price). Natürlich auf Schallplatte! Jetzt geht es mir wieder gut.

Und beim Hören habe ich doch tatsächlich etwas wiedergefunden, was mir in diesem Beitrag bislang völlig gefehlt hat:

Den Aspekt der Wertigkeit.

Mal so am Rande:
Wenn Sie sich auf einen besonderen Anlass vorbereiten, wechseln Sie dann Ihre Armbanduhr? Haben Sie für so etwas ein paar besonders edle Schuhe im Regal stehen? Gibt es da einen edlen Tropfen in Ihrem Schrank, den Sie sich nur zu solchen Anlässen gönnen?

Welche Wertigkeit kann eine Musik besitzen, die wir überall und zu jeder Zeit vor uns hin dudeln können?
Mit welchem Gefühl höre ich einen Song, der auf meinem NAS liegt und von dem ich noch zwei Kopien besitze, weil ich mich vor einem Festplatten-Crash schützen will?

Oder reicht es schon, wenn die Musik an sich eine Wertigkeit besitzt?
Muss Musik überhaupt eine Wertigkeit besitzen?
Muss das Medium eine Wertigkeit besitzen, das die Musik in sich oder auf sich trägt?

Die LP, die ich gerade gehört habe, die knistert schon hier und da – sie ist nicht mehr so wie sie mal war.
Sie ist älter geworden.
So wie ich.
LPs sind genau so vergänglich wie wir.
Die Zeit nagt an Ihnen, aber sie verknüpft sie auch mit Erinnerungen. Wenn wir eine LP-Hülle in die Hand nehmen, sehen wir es wieder vor unseren Augen, wie das damals war, als wir sie geschenkt bekommen haben, als wir sie nach dem Konzert in Berlin vom Interpreten selbst gekauft haben.

Das Inlay mit den Texten haben wir in den ersten Tagen verschlungen, bis wir alle Texte auswendig kannten. Hier und da haben wir vielleicht etwas hinein gekritzelt. Wir wissen oft noch ganz genau, wann und mit wem wir die LP gehört haben.
Irgendwie fühlen wir uns mit ihr verbunden.

Es ist unsere LP.

Besitzen wir eine Kopie von ihr? Haben wir sofort für eine Redundanz gesorgt? Muss so etwas sein?

Gibt es etwa von uns selbst eine Kopie?
Oder von den Menschen, die wir lieben?
Wäre eine Redundanz unserer Person erstrebenswert?
Wenn der eine von uns zu müde ist noch auszugehen, schnappen wir uns eben den anderen? Der ja noch „frisch im Schrank steht“?
Ich rede Unsinn, zugegeben.

Dabei hatte ich Ihnen ja versprochen, Ihnen dabei zu helfen, sich nach dem Lesen dieses Beitrags besser mit diesen ganzen Geräteangeboten auszukennen, die es schon gibt und die noch auf uns zukommen werden.
Und genau das will ich jetzt auch wieder tun.

Denn die Lösung ist eigentlich ein Kinderspiel. Wir müssen nur verstehen, dass wir uns der Musik auf zwei unterschiedliche Arten nähern können:
Konsumieren oder genießen.

Über das Konsumieren brauchen wir überhaupt nicht die Nase zu rümpfen – das ist doch gar nichts schlechtes!
Im Radio, im Auto, beim Joggen, im Garten … wir alle konsumieren Musik, weil wir Musik mögen.

Und genau dafür sind diese neuen Musik-Portale neben dem klassischen Radio wirklich toll.
Welches von ihnen Ihre Zuneigung findet, das ist reine Geschmacksache. Dem einen gefällt die eine  „Oberfläche“ besser dem nächsten eine andere. Der eine will es so billig wie möglich, der nächste stellt höhere Ansprüche an die Qualität.
Und eines ist sicher: Je mehr wir darüber schimpfen, wie teuer Musik ist – umso mehr müssen wir diese Portale lieben.

30 Millionen Songs für 10,- Euro im Monat.  Billiger – hat es das noch nie gegeben!

Kurz und gut:
Ich möchte Sie dazu ermuntern, diesen Portalen eine Chance zu geben.

Schon allein die Möglichkeit, viele unbekannte Musiker kennen lernen zu können, ist den Monatsbeitrag ganz bestimmt wert. Und ob Sie das Portal unterwegs, im Büro oder nur zuhause am PC oder über die „gute Anlage“ nutzen oder ein Gemisch aus allem – diese Portale sind der richtige Weg hin zu neuer, toller Musik.

Erstes Fazit also:   Portale?  Ja, unbedingt!

Kommen wir zu den Streamern, den Rippern und den Musik-Servern, die es ja oft genug auch als Kombi zu erwerben gibt. Wer sich lieber sein eigenes Musikportal aufbauen möchte, mit einer Zusammenstellung aus seinen eigenen digitalisierten oder gerippten Medien, der kann das mit diesen Geräten tun, hat aber viel Arbeit vor sich.
Nach der Arbeit kann er alle seine LPs in den Hüllen und seine CDs in den Regalen stecken lassen und komfortabel z.B. über sein Tablet auf diese Musik zugreifen, um sie im ganzen Haus oder sogar unterwegs hören zu können.
Funktionieren tut das gut – ob man es braucht, muss man selber beurteilen.

Fazit:

Man muss das Schießpulver nicht verdammen, sondern richtig einsetzen.

Musik-Portale verschaffen uns den Zugang zu unvorstellbar viel Musik und der Umgang mit ihnen ist so komfortabel wie wir uns das immer erträumt haben. Wer es sich leisten kann, der unterstützt uns Musikliebhaber, indem er zu den Portalen mit den besseren digitalen Formaten wechselt, um für eine bessere digitale Zukunft zu sorgen und den Betreibern ein klares Zeichen zu senden.

Die Schallplatte erfüllt unsere Ansprüche an eine Wertigkeit, ohne die unser Leben jeden Glanz verliert.

Aber bei aller Liebe zur Schallplatte, die ich ganz sicher in meinem Leben nie verlieren werde, muss man zurzeit am Ende eines erkennen:

Das Original eines jeden Albums ist nun einmal das Masterband.

Bei der Schallplatte verwenden wir es, um es 1:1 auf ein analoges Medium zu pressen.
Bei der CD mussten wir den Inhalt des Masterbandes so lange misshandeln, bis die Datenmenge klein genug war, um auf eine silberne Scheibe zu passen.
Doch der Download einer High-Res-Audio-Datei bringt uns das Masterband quasi im Original zu uns nach Hause.

Das hat es so noch nie gegeben!!
Und schon gar nicht für 10,- Euro, wie diese Alben heute schon angeboten werden.

Also ich weiß jetzt, was ich machen werde:
Unterwegs höre ich MP3.
Zuhause streame ich meine Playlisten in CD oder HighRes-Audio-Qualität.
Besonders gute Aufnahmen kaufe ich als Download in Masterbandqualität und speichere sie auf meinen NAS oder Server.
Und wenn mir mal der Sinn nach etwas ganz besonderem steht, dann lege ich eine meiner Lieblings-Schallplatten auf und gönne mir dabei einen guten spanischen Rotwein.

Ich glaub, es ist grad schon wieder so weit.
Wo zum Teufel ist denn jetzt wieder der Korkenzieher hingekommen?
🙂

 

Die Schallplatte – nicht nur schwarz

Die Schallplatte, nicht nur schwarz …

Die Schallplatte, nicht nur schwarz …

In unserem Bericht “Die Schallplatte, nicht nur schwarz …” betrachten wir ein paar interessante Hintergründe rund um die schwarze Scheibe.

Ein paar Informationen zur Schallplatte1954 erblickte ich das Licht dieser Welt.
Und wer so wie ich in dieser Zeit geboren wurde, der ist vermutlich in einem Haushalt herangewachsen, in dem es ganz bestimmt auch einen Schallplattenspieler gab.
Ob es jetzt ein besonders gutes Teil war oder lediglich der Perpetuum-Ebner Plattenwechsler hinter einer großen Holzklappe – man hatte auf jeden Fall einen Plattenspieler. Je billiger das Teil war, umso gefahrloser konnte man die damals beliebten „klingenden Postkarten“ mit den „schönen Grüßen aus Hawaii“ (wo natürlich nie jemand wirklich gewesen ist) abspielen.

Was ich damit sagen will ist, dass es für unsere Generation die Schallplatte irgendwie schon immer gegeben hat und man gefühlt doch höchstens “im Mittelalter” so etwas noch nicht gehabt hat. Dass die Schallplatte in der Ausführung, wie wir sie heute immer noch kennen, gerade einmal zwei Jahre älter ist als ich, das kann ich immer noch schwer glauben.

Sicherlich gab es die Schallplatte auch schon vor 1952, nicht nur die 78-er Schellackplatte. Aber 1952 war das Jahr, in dem die vom Label Columbia vorgegebene Schneidekennlinie von der RIAA (Recording Industry Association of America) fixiert und allen anderen Plattenherstellern empfohlen wurde. Die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) übernahm diese Empfehlung und wir Deutschen legten das dann mit der DIN 45 541 als Norm fest.

All diese Maßnahmen konnten jedoch nicht verhindern, dass die Plattenproduzenten in einem gewissen Rahmen ihr eigenes Süppchen weiter kochten. Selbst die Schellackplatte wurde ja noch bis 1972 weiter produziert.

Was genau verbirgt sich aber nun hinter der Bezeichnung Schneidekennlinie?

Um dies zu erklären, müssen wir uns zwar nicht „ganz doof“ stellen und es geht auch nicht um die „Dampfmaschine“, aber ich will doch „etwas weiter vorne“ anfangen:

Das Grammophon

… funktionierte vollständig mechanisch – also eben nicht elektrisch.
Dies bezieht sich keineswegs nur auf den Antrieb, also auf das Drehen der Schallplatte, sondern auch auf die Musikwiedergabe, also das Abtasten der Information auf der Schallplatte und die “Weitergabe”.
Bei der Schellackplatte waren die Frequenzen der Musik noch 1:1 in das Plattenmaterial geschnitten worden. Auch wenn wir vielleicht selbst nie ein Grammophon besessen haben, so wissen wir ja doch, dass das fürchterlich geknistert und vor allem gerauscht hat.
Rauschen nennt man ein Geräusch, das keine feste Frequenz hat. Das Gegenstück dazu ist der Sinuston mit einer definierten und messbaren Frequenz. Der Sinuston an sich ist allerdings nur eine recht theoretische Angelegenheit, da es praktisch kein einziges Instrument gibt, das einen reinen Sinuston erzeugt.
Aber kommen wir zurück zur Schellackplatte und zur Frage, wieso sie so sehr gerauscht hat.
Wer so ein Grammophon im Spielbetrieb beobachtet, der wundert sich überhaupt nicht über dieses Rauschen. „Mit einem Affenzahn“ kratzt die Nadel über dieses recht harte Plattenmaterial und dass so etwas rauschen muss – ist einem sofort klar.

Nur am Rande: Nach dem Abspielen von nur einer Plattenseite musste/sollte die Nadel getauscht werden, weshalb es sie in kleinen Blechdosen zu jeweils 100-er Mengen zu kaufen gab.

Eine 33-er LP dreht sich da deutlich langsamer, das Material (Vinyl) ist weicher und die Nadel ist viel kleiner – außerdem ist sie nicht mehr aus Metall sondern aus einem Diamanten geschliffen. Logisch also, dass das weniger rauscht.
Aber dafür gibt es eben doch noch einen weiteren Grund, auf den ich nun zu sprechen komme.

Rauschen und hohe Töne lassen sich schlecht voneinander unterscheiden

Rauschen, also diese „wilden Töne ohne feste Frequenzen“ gibt es vor allem im Hochtonbereich, weil sie in der Regel gar nicht stark genug ausgeprägt sind, um tiefe Frequenzen entstehen zu lassen.
Je höher die Frequenz eines “echten” Tones ist, desto schneller und mit weniger Auslenkung schwingt er. Auf einer Schallplatte werden seine Auslenkungen irgendwann so winzig klein, dass sie sich kaum noch von der “rauhen” Plattenoberfläche unterscheiden.  Die hohen Töne vermischen sich irgendwann mit dem Rauschen und sind nicht mehr zu erkennen. Genau das ist bei der Schellackplatte, also beim Grammophon geschehen.

Alles ist mechanisch

Die Nadel saß beim Grammophon direkt auf einer Membrane. Sie folgte beim Abspielen der Information in der Rille und brachte dadurch die Membrane zum Schwingen. Damit man das besser hören konnte, wurde ein Trichter auf diese Membrane gerichtet und der öffnete sich zum Hörer hin. Das hat gut funktioniert, nur nicht gut geklungen.

Dann wurde es elektrisch

Durch einen bedeutenden Entwicklungs-Schritt, bei dem die Mechanik durch Elektronik ersetzt wurde, eröffnete sich die Möglichkeit, beim Schneiden die Musikinformation zu manipulieren.

Wie funktioniert ein elektrischer Tonabnehmer?

Der „mechanische Tonabnehmer“ beim Grammophon saß wie bereits beschrieben auf einer Membrane und funktionierte wie das Dosentelefon, das wir als Kinder gebastelt haben.
Der elektrische Tonabnehmer wie wir ihn heute kennen, trägt eine Spule und einen Magneten in sich.
Bewegt sich eines von beiden, wird eine elektrische Spannung erzeugt.
Ja richtig, es ist das Dynamoprinzip, auf das wir immer wieder stoßen, wenn es entweder darum geht, Musik zu lesen, wie hier beim Tonabnehmer, oder darum, Musik zu erzeugen, wie beim Lautsprecher.
Das Prinzip dürfte genau so bekannt wie einfach zu beschreiben sein: Befindet sich ein Magnetstab in der Nähe einer Spule und bewegt man eines von beiden, wird eine elektrische Spannung erzeugt. Beim Fahrrad versorgen wir damit unsere Beleuchtung.

Der Tonabnehmer durchfährt nun mit seinem Diamanten die Plattenrille. Der Diamant ist auf einem Röhrchen befestigt. Im Tonabnehmer-Gehäuse ist an diesem Röhrchen entweder ein Magnet (MM-System – steht für moving magnet) oder eine Spule angebracht (MC-System – steht für moving coil).

Die grundsätzliche Funktionsweise ist in beiden Fällen identisch. Der Diamant bewegt sich, das Röhrchen bewegt sich, die Spule oder der Magnet bewegt sich und dadurch wird eine elektrische Spannung erzeugt. Diese elektrische Spannung wird zu einem Verstärker geleitet, der die empfangenen Signale in Musik umsetzt. Fertig!
Fertig?

Manipulation!

Nun – ich hatte Ihnen ja versprochen, dass wir die Musikinformation beim Schneiden manipulieren wollen und dazu kommen wir jetzt.
Stellen Sie sich vor, wir hätten eine Schallplatte ohne Rille drauf, also nur eine schwarze, glatte Vinylscheibe. Und darauf lassen wir jetzt unseren Tonarm absinken und hören uns das an. Was wir nun hören können, das sind Knister- und Knackgeräusche, und das Rauschen der Schallplattenoberfläche. Diese Geräusche werden logischerweise weniger, wenn wir den Lautstärkeregler an unserem Verstärker herunter drehen und lauter, wenn wir ihn wieder aufdrehen.
Genau diese Tatsache führt uns zur Lösung des Problems.
Die Musik muss so laut auf die Schallplatte geschnitten werden, dass wir den Lautstärkeregler beim Abspielen sehr weit herunter regeln müssen. Das sowieso schon recht leise Rauschen regeln wir also einfach mit dem Lautstärkeregler auf eine Lautstärke herunter, die wir nicht mehr hören können und die sowieso viel zu laut aufgenommene Musik wird dadurch in einer erträglichen Lautstärke – und ohne Rauschen – wiedergegeben.

Das wird viel zu breit!

Was die Höhen anging, war diese Idee eine hervorragend gute und funktionierende. In den tieferen Tonlagen jedoch führte dies zu derart starken Auslenkungen, dass die Rillen einfach zu breit wurden, um eine akzeptable Spieldauer zu gewährleisten. Wir wissen, dass unsere Schallplatten pro Seite etwa 20 bis 25 Minuten Musik in und auf sich tragen können. Diese Zeit sollte auf keinen Fall unterschritten werden – so die Vorgaben der Plattenindustrie, die ja Platten verkaufen wollte. Die Rillen durften also nicht so breit werden, wie es diese Lösung erfordert hätte.

Man müsste die Musik einfach “zerteilen”!

Im nächsten Schritt kam man auf die Idee, mit den tiefen Tönen genau das Gegenteil zu machen, was man mit den hohen Frequenzen angestellt hatte, man senkte sie in der Lautstärke ab. Rauschen war und ist in diesen Frequenzbereichen nicht wahrzunehmen, also sprach nichts gegen diesen Plan.
Man trennte also fortan die Anforderungen an die unterschiedlichen Frequenzbereiche und teilte “die Musik in drei Teile”:

  • den Tieftonbereich, der im Pegel gesenkt wurde
  • den Mittenbereich, der im Original belassen wurde
  • den Hochtonbereich, der im Pegel angehoben wurde.

In den Richtlinien der RIAA sind die Übergangsfrequenzen und weiteren technischen Parameter für diesen Vorgang (diese Manipulation)  genau definiert.
Dies ist deshalb so wichtig, da die Hersteller von Phonoverstärkern diesen Vorgang ja wieder rückgängig zu machen haben.
Sie müssen die Frequenzen je nach Höhe entsprechend der RIAA-Vorgabe anheben, belassen oder absenken.

Das klingt jetzt fast nach einem “Kinderspiel” , also nach einem ziemlich einfach zu bewerkstelligenden Aufwand – die Praxis zeigt uns jedoch, dass sich an dieser Stelle eher eine “Spielwiese” aufgetan hat. Entwickler können hier an unvorstellbar vielen “Klangschrauben” drehen, um ihrem Phonoverstärker einen eigenen Sound zu verleihen, oder ihm beizubringen, selbst die allerfeinsten Klangnuancen realistisch zu reproduzieren. Selbst dann, wenn ihre Informationen in kaum messbaren Spannungsstärken vom Tonabnehmer geliefert werden.

Doch neben diesen vielen Möglichkeiten zur Kreativität und zur Erfüllung eigener Ansprüche, gibt es zwei Parameter, die es Entwicklern von Tonabnehmern und Phonoverstärkern fast unmöglich macht, eine Schallplatte korrekt auszulesen.

Plattenlabel pfeifen was auf die RIAA-Kennlinie.

Wer sich einmal die Mühe macht, sich durch die Listen mit verwendeten Schneidekennlinien zu arbeiten, der wird feststellen, dass sich diese Kennlinien je nach Label und “Jahrgang” voneinander unterscheiden. (Hier finden Sie Beispiel-Listen)

In der Praxis erweisen sich diese Unterschiede zum Glück nicht als “gravierend”, aber sie sind durchaus vorhanden.

Der nächste Punkt betrifft die Form oder besser gesagt den Schliff-Winkel des verwendeten Schneidestichels. Auch die Hersteller dieser Schneidemaschinen haben zu jeder Zeit versucht, durch eigene Entwicklungen der Qualität der Schallplatte einen Vorschub zu leisten. Richtig tolle Ideen haben sich dabei ergeben. Leider waren einige davon kommerziell eher uninteressant, was die Umsetzung verhinderte. Geblieben sind aber die Unterschiede bei den Schneidesticheln, die eben mit verschiedenen Schleifwinkeln (zwischen 0,7 und 7,0 Mil) produziert wurden. Bei unseren heutigen Schallplatten finden wir zum Glück nur Stichel, die entweder mit 1 Mil oder 3 Mil geschliffen wurden.

Brauche ich 2 Tonabnehmer?

Nein, definitiv nicht. Zum einen ist es nicht immer einfach heraus zu finden, womit die vorliegende Schallplatte geschnitten wurde und zum anderen sind die Schliffe der Tonabnehmer da eher “universal”.

Der Nadel den richtigen Schliff verpassen

Der einfachste Schliff ist der so gescholtene „Besenstiel“, also die sphärisch geschliffene Nadel. Rundherum rund – so verzeiht sie einem fast jeglichen Einbaufehler und niemals ist die Platte in Gefahr, von der Nadel “zerschnitten” zu werden.

Neben der Tatsache, dass diese Nadel nicht sonderlich tief in die v-förmige Rille eintauchen kann und ihr dadurch feinere Informationen verborgen bleiben, kommt es bei diesem Schliff auch noch zu einer winzigen Zeitverschiebung beim Abtasten. Dadurch, dass sie auch nach hinten und nach vorne rund geschliffen ist, bekommt bei jedem Richtungswechsel der Rille jeweils eine Rillenseite einen Tacken früher Kontakt zur Nadel. Und das gleicht sich eben nicht durch den nächsten Richtungswechsel einfach wieder aus.
Um dem entgegen zu wirken, entwickelte man den elliptischen Schliff. Hierbei wird der „Besenstiel“ vorne und hinten abgeschliffen, bis nur noch die mittlere Scheibe vorhanden ist.
Tiefer in die Rille dringt dieser Schliff zwar auch nicht ein, aber zumindest die „Zeitverschiebung“ kann so eliminiert werden. Bei beiden Schliffen müssen wir jedoch damit leben, dass die Nadel rechts und links die Rillenflanke nur an winzig kleinen Punkten berührt.
Das Ziel, sich rechts und links „vollflächig“ an die Rillenflanke anlegen zu können, verfolgen dann die Schliffe, bei denen die Seiten der Diamanten gerade geformt sind. Für diese Schliff-Form verwendet jeder Hersteller seine eigene Bezeichnung, da diese Nadelspitzen dann auch noch vorne und hinten mit weiteren Facetten versehen werden, um den Abtastvorgang noch weiter zu verbessern.

Im Idealfall folgt eine Nadel mit diesem Diamantschliff exakt dem Winkel, mit dem auch der Schneidstichel die Rille geschnitten hat. Ist dies tatsächlich der Fall, dann kann die Nadel der Rille nach unten bis auf den Grund folgen und damit auch die allerletzte Information „aus der Rille kitzeln“.
Wäre die Nadel „steiler“ geschliffen als der Stichel es war, hätte sie niemals zu beiden Rillenflanken gleichzeitig Kontakt, sondern würde beim Abspielen „hin- und hergeworfen“ werden, was die Platte auf der Stelle ruinieren würde, da sie ja nun einmal weicher und damit derjenige ist, der nachgibt.
Ist die Nadel „stumpfer“ geschliffen als der Stichel nähert sie sich wieder dem Abtastverhalten der sphärisch oder elliptisch geschliffenen Nadel an, da sie nicht mehr flach an der Flanke anliegen kann, sondern wieder nur punktuell. Je nach Schleifwinkel tastet sie dann die Rillen an noch einer höheren Stelle ab, als die sphärische geschliffene Nadel.

Den Einbau und die Justage eines Tonabnehmers mit geradem Schliff sollte man unbedingt dem Fachmann überlassen, denn diese geraden Kanten sind in der Regel auch messerscharf. Baut man z.B. einen Tonabnehmer mit einem van-den-Hul-Schliff so richtig falsch ein, kann ein einziger Abspielvorgang die Schallplatte unbrauchbar machen. Hierzu reicht es möglicherweise bereits, den Tonarm am Lager zu hoch eingestellt zu haben. Die Nadel “pflügt” sich dann wortwörtlich in die Rille und betätigt sich im schlimmsten Fall als Schneidstichel. Die Platte ist verloren!
Bei einem zu tief eingestellten Tonarm kann es einem dagegen passieren, dass die Nadelspitze zu weit nach vorne zeigt und der Diamant sich lediglich mit einem oberen – breiteren Teil der Nadel an die Rillenflanken legt … und er sich dadurch wieder so verhält wie ein sphärisch geschliffener Diamant.

Wieso nur eine Rille und nicht zwei – wir hören doch in Stereo!?

Hierzu hat es zu Beginn der Schallplattenentwicklung tatsächlich unterschiedliche Lösungsansätze gegeben.
So gab es auch Schallplatten mit zwei getrennten Rillen, eben eine Rille für links und eine für rechts. Man kann sich vorstellen, dass eine LP die Hälfte ihrer Spieldauer einbüßt und dadurch vor allem viele klassischen Stücke nicht mehr auf eine Schallplattenseite passen.
Für zwei Rillen ist also kein Platz da.

Die logischste Lösung lautete danach, den einen Kanal in der vertikalen und den anderen in der horizontalen Richtung zu schneiden, was sich in der Praxis aber ebenfalls als problematisch erwies. Unter anderem, weil man dann bei tiefen Tönen auch sehr tief in das Plattenmaterial schneiden musste.
Als brauchbarster Kompromiss sollte sich dann die Idee erweisen, die Schneidrichtungen einfach um 45° in der Achse zu drehen. So wird der rechte Kanal nun von oben rechts nach unten links und der linke Kanal von oben links nach unten rechts geschnitten. (Von vorne auf den Tonabnehmer gesehen). Auf diese Weise arbeiten beide Kanäle unter nahezu identischen Bedingungen. Einzig und allein die Skatingkraft wirkt sich noch unterschiedlich auf den Abtastvorgang aus.  Aber zu diesem Thema an anderer Stelle mehr.

Hat man sich noch nie Gedanken drüber gemacht!?

Vielleicht sehen Sie die Schallplatte jetzt mit etwas anderen Augen und erkennen, wieso sie sich von einer CD unterscheidet, die wir einfach nur in eine “Schublade legen” können und bei der wir alles andere dann dem Player überlassen müssen.

Bei einer Platte gibt es viele Parameter, Fakten, Philosophien – auf die wir uns einlassen können, um “unserem” Plattenspieler Individualität zu verleihen.
Jeder Besitzer eines Plattenspielers kann selbst bestimmen, wie die Schallplatte klingen soll. Der richtige Tonabnehmer, die richtige Justage, der richtige Phonoverstärker … Am Ende habe ich einen Plattenspieler, wie es ihn nur ein einziges mal auf dieser Erde gibt. Ein Unikat!

Unser Plattenspieler klingt nämlich anders als alle anderen Plattenspieler!
Irgendwie viel besser! 🙂

 

Bi-Wiring

Bi – Wiring – was genau steckt dahinter und was soll das eigentlich?

Die englische Bezeichnung “Bi-Wiring” steht für „zweifache Verkabelung“ und bezieht sich dabei auf die Verbindung zwischen Verstärker und Lautsprecher. Und nein, es sind nicht die beiden Kabel für rechts und links gemeint – und auch nicht die für rot und schwarz, sondern zwei vollständige Kabelsätze, also jeweils 2 x  „roter“ und 2 x „schwarzer“ Leiter – für rechts und noch einmal 2 x  „roter“ und 2 x „schwarzer“ Leiter für links.
(Wobei das mit den Farben jetzt nicht so ernst genommen werden muss!)

Nun gut – ich schaue mir meinen Verstärker mal von hinten genauer an.

Zu finden sind da jeweils rechts und links zwei Lautsprecher-Klemmen. Auf jeder Seite eine schwarze und eine rote Klemme.

Diese Klemmen können so genannte „Bananas“ aufnehmen, die man von hinten in die Buchsen steckt, oder aber Kabelschuhe, also solche U-förmigen Klemmen, die man mit diesen Buchsen so richtig festklemmen kann, oder man kann auch einfach lose Kabelenden in ein Loch im Gewinde schieben und ebenfalls festklemmen.

Aber – mehrere Möglichkeiten, ein Lautsprecherkabel aufnehmen zu können, die hat man ja wohl deshalb geschaffen, weil man nicht nicht wissen konnte, welche Anschlüsse die späteren Kabel haben werden – und nicht deshalb, damit man mehrere Kabel gleichzeitig anschließen kann, oder?

Und wozu auch? Weil ich mehr als ein Paar Lautsprecher anschließen will?

Das ist nicht ganz ungefährlich! Dadurch sinkt nämlich  der Widerstand und das mögen viele Verstärker ganz und gar nicht!

Also ganz klar – je länger ich auf meinen Verstärker schaue, umso sicherer werde ich, dass ich mit einem zweiten Kabelsatz nichts anfangen kann.

Oder doch?

Schauen wir doch mal auf meine Lautsprecher.

Und siehe da!

Da finden sich doch tatsächlich zwei Paar Anschlussklemmen an jedem Lautsprecher!

Die beiden roten und die beiden schwarzen Klemmen sind jeweils mit einem Metallstreifen verbunden. Und auf dem Anschlussfeld finden sich die Aufschriften „Low“ und „High“.

Wenn ich diese Metallstreifen entferne, kann ich also tatsächlich einen Kabelsatz im Mittelhochton- und einen im Bassbereich einsetzen.

Aber – soll ich jetzt die beiden Kabelsätze am Verstärker an ein und dem gleichen Terminal-Paar anschließen? Brauche ich für so etwas nicht einen ganz anderen Verstärker oder gar ein Zusatzteil wie eine aktive Weiche?

Jede Logik muss uns doch sagen, dass an diesen Terminals am Verstärker „die ganze Musik“ anliegt, also sowohl die tiefen als auch die hohen Töne.

Und tatsächlich gibt es sogar solche „Weichen“ – aber stecken die nicht schon in den Lautsprechern?

Natürlich stecken sie in den Lautsprechern!
Genau so, wie bei der Eisenbahn die Weichenstellung bestimmt, welcher Zug in welche Richtung weitergelenkt wird, so kann eben auch eine Weiche bestimmen, welche Töne zum einen und welche zum anderen Ausgang geschickt werden.

 

Also, um mit Grönemeyers Worten zu sprechen:  Was soll das?

Grundvoraussetzung dafür, sich überhaupt diesem Thema nähern zu können, ist die Anerkennung der These, dass die Musik-Informationen nur dann durch ein Kabel fließen, wenn sie auf der Lautsprecherseite auch eine „Arbeit“ zu verrichten, sprich: einen Treiber oder ein Chassis zu bewegen haben.

Ist das angesteuerte Chassis nicht in der Lage, bestimmte Frequenzen wiederzugeben, nehmen wir hier mal einen Hochtöner, der natürlich einen 100Hz-Ton nicht wiedergeben kann, dann fließt auch diese Frequenz mit 100 Hz und alles darunter gar nicht erst durch das Kabel.

Nehmen wir ein Bass-Chassis, das ab spätestens 200 Hz keinen Ton mehr von sich gibt, dann fließen durch das angeschlossene Kabel eben auch keine Frequenzen mehr ab 200 Hz aufwärts.

Weil sie keine „Arbeit“ zu verrichten haben.

Ein Einwand wäre jetzt zulässig, bei dem man darauf hinweist, dass ja im Lautsprecher eben so eine Weiche eingebaut ist, was möglicherweise bedeutet, dass ja doch alle Frequenzen, also z.B. auch die niedrigen zum Hochtöner geschickt werden.

Die hohen Frequenzen bewegen das Chassis, verrichten also ihre „Arbeit“ und die tiefen Frequenzen werden in der Weichenkonstruktion mit Spulen und Kondensatoren „vernichtet“.
Um in der Weiche vernichtet werden zu können, müssen sie ja aber auch erst einmal dort hin geflossen sein, oder?

Ein Einwand, den ich also nachvollziehen und auch nicht entkräften kann. Die Bi-Wiring-Theorie besagt jedoch beharrlich, dass nur die Frequenzen durch ein Kabel fließen, die vom Chassis auch genutzt werden. Alle anderen Frequenzen fließen eben nicht. Diese These verfolgt konsequent den Denkansatz, dass Weichen die ungenutzten Frequenzen nicht “vernichten”, sondern vielmehr “blockieren”. Damit dürften sie dann tatsächlich nicht fließen.

Dies bedeutet im Klartext:
Schließe ich ein Lautsprecherkabel an meinen Verstärker an und verbinde es mit einem Hochtöner, dann kann ich ein noch so bass-starkes Musikmaterial auflegen, durch das Kabel werden ausschließlich die hohen Frequenzen fließen und kein Bass!
Solange ich keinen Bass-Lautsprecher dazu anschließe – gibt es nur Höhen – Basta!

Und umgekehrt – schließe ich dieses Kabel an ein Bass-Chassis an, fließen eben keine hohen Frequenzen durch dieses Kabel.

So weit – so gut, gehen wir einmal davon aus, dass wir diese Theorie jetzt einfach so akzeptieren. Worin genau soll der Vorteil bei der Verwendung von zwei Kabeln liegen? Denn wissen wir nicht alle, dass Musik in der Regel sowohl aus tiefen als auch aus hohen Tönen, inklusive aller, die dazwischen liegen, besteht? Also müssen ja alle Frequenzen irgendwie vom Verstärker zum Lautsprecher gebracht werden!?

Da wir Menschen uns Strom irgendwie überhaupt nicht vorstellen können, man kann ihn ja weder sehen, noch riechen, noch hören – höchstens fühlen, aber meist halt nur ein mal – bleibt mir gar nichts anderes übrig, als hier „an den Haaren herbeigezogene“ Vergleiche anzubringen.

Nehmen wir also das Beispiel einer Rolltreppe.

Die effektive Fortbewegungsgeschwindigkeit einer Person, die auf einer Rolltreppe steht, entspricht der Geschwindigkeit mit der sich die Rolltreppe bewegt.

Läuft jemand auf der Rolltreppe selber mit, erhöht sich seine effektive Geschwindigkeit nach der Formel: Rollgeschwindigkeit plus Laufgeschwindigkeit = effektive Geschwindigkeit.

Das ist ja dann lustig, wenn eine Fliege im Überschallflugzeug von hinten nach vorne fliegt – dann fliegt sie nämlich effektiv schneller als das Flugzeug! 🙂

Läuft jemand der Rollrichtung entgegen, wird er effektiv deutlich langsamer und kann sogar rechnerisch Geschwindigkeiten im Minusbereich erreichen.
Wechselt er seine Laufrichtung immer wieder, verändert sich auch jedes mal seine effektive Geschwindigkeit.

Und jetzt stellen wir uns vor, die Rolltreppe selbst würde auch noch dauernd ihre Laufrichtung wechseln.

Zurück zum Musiksignal:

Ein tiefer 50 Hz-Ton wechselt pro Sekunde 50 mal die Flussrichtung. Dabei muss sehr viel „Strom fließen“, denn es gilt, ein großes, schweres Chassis anzutreiben.

Dieser 50 Hz-Ton übernimmt jetzt einmal in unserem Beispiel die Funktion der Rolltreppe und bewegt sich wie gesagt mit 50Hz immer hin und her.

Die Person in unserem Beispiel hat jetzt die Rolle eines 500 Hz-Tones zu übernehmen.

Er wechselt also sehr schnell seine Laufrichtung, so schnell, dass wir das mit unserem Auge nicht mehr wahrnehmen können und die „Wege“, die er zurücklegt, sind entsprechend kurz.

Mit anderen Worten: Wir sehen bei der Person praktisch keine Fortbewegung durch eigenes Laufen. Allerdings bewegt er sich im 50-Hz-Takt mal nach vorne, mal nach hinten.

Voran – kommt er damit nicht.

Und genau hier hakt dieses Beispiel.

Strom – also elektrische Signale müssen nicht „voran“ kommen, so wie eine Person auf einer Rolltreppe.

Strom bewirkt schon allein durch das „Hin und Her“ etwas.

Bei einem Wasserschlauch muss das Wasser aus dem Wasserhahn heraus durch den langen Schlauch hindurch fließen und kann dann vorne den Schlauch verlassen, um zum Beispiel unsere Blumen zu bewässern.

In einem Stromkabel und so auch in einem Signalkabel muss aber kein „Stromteilchen“ den ganzen Weg hindurch durch das Kabel fließen, um dann „hinten“ aus dem Kabel herauszufließen und dort eine Aufgabe zu erfüllen.

Damit Strom fließen kann, brauchen wir zwei Kabel, bzw. zwei Leiter oder Pole und die winzigste Hin- und Herbewegung bedeutet bereits, dass Strom fließt.

Mein Physiklehrer hat damals versucht, uns das mit einem Rohr zu verdeutlichen, das mit Kugeln gefüllt ist. Sobald ich an der einen Seite eine Kugel hineinstecke, fällt auf der anderen Seite eine heraus.

Nun – bei einem Lautsprecher fällt normalerweise zum Glück nichts heraus, aber lassen Sie mich an dieser Stelle auch zu der Funktionsweise eines konventionellen Lautsprechers etwas erläutern:

Man stellt sich am besten vor, wir halten in beiden Händen ein Band. Das linke Band ist vorne an einer Pappfläche befestigt. Das rechte Band ist an der Rückseite der Pappfläche befestigt, wird dann über eine Rolle ebenfalls nach vorne gelenkt und dort halten wir es in der rechten Hand.

Ziehen wir am linken Band, bewegt sich die Pappfläche nach vorne, ziehen wir am rechten Band, bewegt sie sich nach hinten.

Könnten wir jetzt 50 mal pro Sekunde unsere Zugrichtung ändern, hätten wir einen „mechanischen Lautsprecher“ gebaut, den wir sogar hören könnten.

In unseren elektrischen Chassis passiert genau solch ein Vorgang, nur dass der Verstärker nicht an Bändern zieht, sondern Strom zu den Chassis fließen lässt.

Dort gibt es dann eine Spule und einen Magneten. Fließt der Strom von plus nach minus bewegt sich das Chassis nach vorne, fließt er von minus nach plus, bewegt es sich nach hinten.

Und im Gegensatz zu uns ist ein Verstärker durchaus in der Lage, seine „Zugrichtung“ auch mehrere tausend mal pro Sekunde zu verändern.

Durch ein Signalkabel, also durch das Lautsprecherkabel fließen alle in der Musik vorhandenen Frequenzen gleichzeitig.

Finden Sie das nicht auch unglaublich?

Wie kann es sein, dass wir von einer Frauenstimme selbst die feinsten Details vernehmen können, obwohl gleichzeitig eine mächtige Bassunterstützung und große Pauken so „mächtige Ströme“ fließen lassen, dass doch eigentlich alle anderen Informationen „untergehen“ müssten?

Nun – das ist auch für mich nach wie vor immer noch ein Phänomen, dass ich mit meinem Kopf wohl niemals begreifen werde – aber es ist so. Unsere heutigen Geräte, die können das.

Aber geht das nicht besser?

Und genau da behauptet jetzt die Bi-Wiring-Theorie, dass wir das Klangbild verbessern können, wenn wir die hohen Töne von den tiefen Tönen getrennt durch zwei verschiedene Kabel leiten.

Ich für mein Teil muss sagen, dass ich das für das Logischste der Welt halte, eben weil ich mir nicht vorstellen kann, wie das mit allen Frequenzen in einem Kabel überhaupt funktionieren kann und mir liegt die Frage auf der Zunge:

Reicht das denn überhaupt?

Wäre es nicht besser, noch viel mehr Kabelsätze einzusetzen?

Doch – immer mal langsam mit den jungen Pferden:
Wie viele Kabelsätze maximal sinnvoll sein können, bestimmt ja die Anzahl der Chassis in unserem Lautsprecher.  Wenn ich nur zwei Chassis habe – was soll ich dann z.B. mit 10 Kabeln?

Das wäre ja dann so wie mit der Mülltrennung bei uns im Amt. Jeder bekommt drei Abfalleimer in drei unterschiedlichen Farben für drei unterschiedliche Abfallsorten. Die Reinigungskraft holt jeden Morgen alle drei Abfalleimer in den Flur und kippt die Inhalte in ein und dieselbe (!) große Tüte.

Doch selbst Lautsprecher mit drei oder mehr Chassis müssen nicht als Mehrwege-Lautsprecher konstruiert sein. Nicht die Anzahl der Chassis bestimmt nämlich die Anzahl der „Wege“ – dies übernimmt allein die Weiche.

Bi-Wiring richtet sich damit ausschließlich an Zwei-Wege-Boxen. Bietet der Lautsprecher drei Wege, so müsste man auch konsequenterweise Tri-Wiring betreiben.

Lassen Sie mich hier aber bei unserem Thema Bi-Wiring bleiben.

Die meisten Lautsprecher sind Zwei-Wege-Konstruktionen und damit eben geeignete Klienten für Bi-Wiring.

In der Praxis muss aber gesagt werden, dass nicht jeder Lautsprecher durch diese Maßnahme an Klang-Qualität gewinnt. Bei so manch einem ist das auch unmöglich.

So habe ich mal für einen Kunden die Innenverkabelung seiner Lautsprecher mit einem auf „Intelligenz zielenden“ Namen wechseln sollen. Diese Lautsprecher in halber „Telefonzellengröße“ wurden mit der Möglichkeit des Tri-Wiring-Betriebs beworben und hatten demnach an der Rückseite 3 Terminalpaare, die man auch noch einzeln schalten konnte.

Nachdem ich das Anschlussfeld herausgeschraubt hatte, offenbarte sich ein trauriges und überhaupt nicht intelligentes Bild: Alle drei Terminalpaare waren durch einen Draht miteinander verbunden. Völlig gleichgültig also, welches der Terminalpaare man verwendete, wie viele Kabel man benutzte und welche Schalterstellung man auch wählte – die tatsächliche Anschluss-Situation war immer identisch.

Dass der Besitzer einer solchen Box zwischen Single-Wiring, Bi-Wiring und selbst Tri-Wiring keine großen Unterschiede hören konnte, verwunderte nicht.

Allerdings gibt es auch hinreichend viele Beispiele für Lautsprecher, die im Bi-Wiring-Betrieb zu echten Höchstleistungen auflaufen.

Ob und wie ein Lautsprecher auf den Bi-Wring-Betrieb reagiert, dass hängt allein von seiner Konstruktion ab.

Nehmen wir als Beispiele die Elise I und die Pearl I aus meinem Lieferprogramm.

Während sich die Elise I durch Biwiring nicht noch weiter verbessern lässt, legt die Pearl I durch den Einsatz eines zweiten Kabelsatzes deutlich an Klangqualität zu.

Logischerweise bot der Hersteller die Elise I dann auch nicht mit Terminals für Bi-Wiring an.

Muss man zwei identische Kabelsätze verwenden oder dürfen es auch unterschiedliche Kabel sein?

Zugegeben – die Verlockung ist groß:

Der Bass ist schwammig?
Also nehme ich im Bassbereich ein Kabel, dass den Bass trockener und dünner werden lässt.

Die Höhen nerven?

Also nehme ich im Hochtonbereich ein Kabel, dass schöne, volle Höhen zaubert, oder?

Ja, sicher dürfen Sie das machen – es sind ja Ihre Lautsprecher, Ihre Kabel und es ist Ihr Geld!

Aber bei dieser Vorgehensweise muss man berücksichtigen, dass jedes Kabel eigene elektrische Parameter besitzt. Und wenn wir jetzt für den Bass und die Höhen unterschiedliche Kabel mit unterschiedlichen Parametern einsetzen, machen wir nichts anderes, als in die Weichenauslegung einzugreifen. Mit vollem Risiko! Das kann gut gehen, muss es aber nicht.

Keine Angst – Sie können nichts „kaputt machen“ – außer:  Den Klang!

Manchmal hören wir auf Anhieb, dass unsere Probleme beseitigt sind und freuen uns. Ein paar Tage später erkennen wir die neu hinzugekommenen Probleme, die regelmäßig unsere vorherigen Probleme übersteigen. Meine Empfehlung geht daher auf jeden Fall dahin, zwei identische Kabelsätze zu verwenden, oder zumindest zwei „ähnliche“ – vielleicht vom gleichen Hersteller.

Fazit:

Beim Bi-Wiring fließen die hohen und tiefen Frequenzen durch getrennte Kabel und manipulieren sich nicht mehr gegenseitig. Die Höhen werden nicht von den „großen Bass-Strömen“  beeinflusst und die Bässe klingen einfach sauberer – befreit von den „firlefanzigen“ Höhen.

Das alles funktioniert jedoch nur dann, wenn der Boxenentwickler die Weiche dafür ausgelegt hat. Wie so oft ist also mal wieder ausprobieren angesagt.

Kevin allein zu haus …

Geschichten aus der Praxis

Kevin allein zu haus …

Mein langjähriger Kunde und mittlerweile guter Freund Andreas B. aus Dinslaken ruft mich an.

„Wolfgang, irgendwas ist passiert, es klingt fürchterlich!“

„Ich bin schon unterwegs!“.

Tatsächlich klang es geradezu „gruselig“, um mal das Lieblingswort des ehemaligen Ortofon-Vertreters Herbert Schleicher auszuleihen.

„Was hast Du gemacht?“
„Nichts!“
„Kann nicht!“
„Doch!“

Um es kurz zu machen – wir kontrollierten die Polung der Lautsprecherkabel und was man eben so kontrollieren kann. Aber genau genommen hatten wir doch beide eher den Raum in Verdacht.

„Hast Du die Möbel verrückt? Ist was dazu gekommen, etwas entfernt worden?“

Nichts dergleichen.

Ich holte aus dem Auto ein paar andere Kabel,  aber was hier schief lief, das lag nicht an falschen Kabeln, das war deutlich mehr.

Nach etwa einer Stunde warf ich das Handtuch und rief Ralf Koenen an, da ich vermutete, dass entweder mit dem Verstärker (A1) oder mit den Boxen (Diablo) etwas nicht mehr stimmte.

Zum Glück waren ja beide Komponenten vom gleichen Hersteller und wir hatten zum zweiten mal Glück – Ralf sagte zu, sich sofort in sein Auto zu setzen und zu uns zu kommen.

Vor Ort war dann aber sein Gesichtsausdruck auch nicht viel „schlauer“ als der unsrige.

Nach etwa einer halben Stunde war sich Ralf sicher, dass da nichts „kaputt“ sein konnte. Dennoch bestätigte er das „gruselige“ Klangbild und hörte noch einmal kopfschüttelnd in ein paar mitgebrachte CDs hinein.

„Da scheint etwas mit der Phase nicht zu stimmen.“ meinte er: „Irgend etwas stört da ganz gewaltig! Alles, was aufgebaut werden soll, wird irgendwie aufgesogen, durcheinander gebracht. So als wäre noch ein Gerät angeschlossen, was hier alles mächtig durcheinander haut. So etwas kenne ich höchstens, wenn ein TV-Kabel-Empfänger mit angeschlossen ist. Die Kabelanschlüsse werden zum Teil einfach nicht fachmännisch verlegt und die Erdung nicht korrekt ausgeführt.“

„Aber ich hab da definitiv kein Videogerät …“ plötzlich erstarrte Andreas Mimik und er sprang auf.

„Meine Frau und ich waren am Wochenende verreist und der Sohn alleine …! Der wird doch nicht wieder …! Na klar! Hat er doch! Ich hab ihm schon tausend mal …!“

Der Sohn hatte tatsächlich den TV-Receiver an den A1 angeschlossen und stecken lassen. Andreas zog die Cinch-Kabel aus dem A1 heraus und schon war die Anlage wieder „repariert“.

Andreas war ziemlich sauer – Ralf und ich waren froh.
Froh darüber, dass die Ursache gefunden werden konnte und vor allem froh, dass jetzt mit der Anlage wieder alles in Ordnung war. Die „familiären Probleme“ sollte Andreas wohl alleine lösen können.

Hinweis:
Ein angeschlossenes TV- oder Video-Gerät muss sich nicht derart klangverschlechternd auswirken. Wenn die Installation fachmännisch durchgeführt wurde, sollten sich diese Geräte auch nicht so dramatisch klangverschlechternd auswirken können.

Tatsache ist aber, dass solche Geräte in einer High-End-Kette grundsätzlich nichts zu suchen haben. Wer nur hin und wieder den Fernsehton über seine Anlage hören will, der sollte sich angewöhnen, die TV-Quelle nach dem Hören wieder abzuziehen. Unbedingt am Verstärker! Niemals Kabel am Verstärker angeschlossen lassen, die nicht an einem Gerät angeschlossen sind!

Wer jedoch so oft über die TV-Quelle hört, dass dies keine akzeptable Lösung darstellt, der sollte zumindest einen Mantelstromfilter an den Antennenkabeln einsetzen. Damit sollte dann auch das möglicherweise vorhandene Brummen beseitigt sein.

Sie meinen, es müsse sich um einen schlechten Verstärker handeln, der nicht in der Lage ist, die unterschiedlichen Eingänge so voneinander zu trennen, dass sie sich nicht gegenseitig beeinflussen können?

Grundsätzlich ist diese Behauptung korrekt. Allerdings bedenkt sie nicht, dass es in einem nicht symmetrisch aufgebauten Gerät oder an einem nicht symmetrischen Eingang, also hier Cinch oder RCA, keinerlei Trennung zwischen den „kalten“ Polen der angeschlossenen Geräte gibt. Ein Cinchkabel hat den „heißen“ Pol und den „kalten“ Pol. Der kalte Pol ist (und das ist das Problem) der Masse-Pol. Dient aber gleichzeitig als zweite Signalführung.

Damit hängen alle kalten Pole aller angeschlossenen Geräte immer zusammen und können sich so ungehindert gegenseitig beeinflussen. Unabhängig davon, welchen Eingang man geschaltet hat.

Eine Lösung wäre eine rein symmetrisch aufgebaute Kette. Dort haben alle Geräte und Kabel drei statt nur zwei Pole. Zwei Pole übernehmen hier die Signalführung und der dritte ist nichts anderes als die Masseverbindung. Doch welches TV-Gerät ist schon symmetrisch aufgebaut?

Fazit:
Gibt es eine echte Störquelle wie hier den TV-Receiver, dann kann das einem ziemliche Probleme bereiten. Deshalb sollte man eine High-End-Kette unbedingt von allem was mit TV und Video zu tun hat trennen. Selbst bei der Stromversorgung! Spendieren Sie den TV-Geräten also eine eigene Verteilerleiste! Die muss ja nicht teuer sein.

Editorial

Editorial

Editorial

Wer sich heute als HiFi-Kenner bezeichnet, der blickt vermutlich auf einen langen Weg zurück, den er zu gehen hatte. Streckenweise war es sicher ein schöner Weg und das Motto „Der Weg ist das Ziel“ zutreffender denn je. Doch es gab ganz bestimmt auch steinige Abschnitte und vielleicht sogar die eine oder andere Sackgasse.

Seit mehr als drei Jahrzehnten befasse ich mich nun mit dem Verkauf von HiFi-Komponenten und habe viele Wege meiner Kunden mitgehen dürfen.

Nicht jeder erreichte das Ziel, manch einer blieb stehen oder kehrte gar um.
Denn es gibt einen besonders heiklen Punkt, an dem sich die Geister nach wie vor scheiden.

In unserem Weltbild stehen sich das Beweisbare und der Glaube gegenüber.
Entweder kann ich etwas wissenschaftlich belegen, dann hat es für uns eine hohe Qualität, oder ich „glaube es eben nur“.

Doch diese Sichtweise verschweigt die Existenz einer dritten Ebene:

Die Wahrnehmung.

Eine Wahrnehmung war schon lange vor einem Beweis da und sie ist es, die einen Wissenschaftler irgendwann dazu veranlasst hat, nach einem Beweis für sie zu suchen. Aber solange dieser Beweis nicht erbracht ist, ist sie nicht mehr und nicht weniger als eine Wahrnehmung.
Mehr als „nur ein Glaube“, weniger als ein Beweis. Irgendwas dazwischen.

Den einen stört der fehlende Beweis nicht, er vertraut seinen Sinnen, seinen Wahrnehmungen. Der nächste bestreitet ihre Existenz. Dies führt zu sehr konträren Diskussionen, die jemanden erschrecken können, der sich gerade dem Hobby HiFi zuwenden will.
Auch die Warnungen in meinen Beiträgen und die beschriebenen allseits lauernden Gefahren mögen nicht gerade dazu auffordern, ein HiFi-Enthusiast werden zu wollen.
Sollte es nicht Aufgabe eines Buchs über die High-Fidelity sein, Interessierte anzulocken!?
Ja, genau das will ich auch tun.
Aber nicht dadurch, dass ich jemandem etwas vormache.

Wer sein Kind auf ein Fahrrad setzt und ihm sagt, dass nichts passieren kann, der sagt nicht die Wahrheit. Ihm sollte es vielmehr gelingen, das Kind so sehr vom Fahrradfahren zu begeistern, dass es akzeptiert, hinfallen zu können.

Und genau das will ich mit diesem Buch versuchen. Ich will Sie so sehr für die High-Fidelity begeistern, dass Sie bereit sind, sich den „Gefahren und Verlockungen“  zu stellen.
Sehen Sie dabei dieses Buch als Ihre Stützräder ! Nutzen Sie diese Stützräder, um  jeden Tag ein wenig sicherer zu werden.
Und entscheiden Sie selbst, wann Sie sie abbauen wollen, weil Sie nun alleine und ohne Hilfe weiter fahren können.

Wolfgang Saul

Zuhause beraten lassen

Zuhause beraten lassen

Die Hemmschwelle, einen HiFi-Spezialisten aufzusuchen, ist naturgemäß schon sehr hoch und für viele einfach nicht zu überwinden. Winzig klein erscheint sie jedoch im Vergleich, wenn die Rede davon ist, dass man so einen Fachmann zu sich nach Hause bestellen soll.

My home is my castle – Du kommst hier nicht rein!

Ist das Eis erst einmal gebrochen, heißt es  dann allerdings nicht selten:  “Können Sie morgen noch einmal … oder übermorgen?”

Wir haben absolutes Verständnis für dieses Verhalten und unterscheiden uns da auch von Ihnen in keiner Weise! Vertreterbesuche sind uns genau so ein Grauen wie Ihnen. Ich mag es schon nicht, in einem Bekleidungsgeschäft von der Verkäuferin angesprochen zu werden, bevor ich sie um Hilfe bitte.
Doch hier geht es nicht um einen Vertreterbesuch und auch nicht ums Verkaufen!

Hier geht es oftmals um eine unumgängliche Maßnahme, ohne die man sich ziemlich unnötig das Leben schwer macht.

Und die allergrößte Angst, nämlich vor Ort so manipuliert zu werden, dass man schon Pleite ist, bevor der Berater das Haus verlassen hat, die ist absolut unberechtigt!
Sie können und sollten sich vor dem Besuch auf einen Preis für die Beratung einigen. Sollte der Händler in der Nähe wohnen, wird er in der Regel alle Kostenlisten in den Wind schlagen und seinen Service kostenfrei anbieten.

Händler wissen, wie schwer sich Kunden dazu durchringen können, jemanden ins Haus zu bestellen. Deshalb werden sie auch alles daran setzen, Ihnen ein richtig gutes Gefühl zu vermitteln. Und beim ersten Besuch sollte in der Regel gar nichts gekauft werden müssen. Es sei denn, Ihnen ging es genau darum.

Für einen Händler, der Ihre Beratung zu seinem Ziel macht, ist es sehr wichtig, “Sie kennen zu lernen”.

Welche Komponenten haben Sie in welcher Zusammenstellung mit welchen Kabeln?
Wie haben Sie die Lautsprecher aufgestellt?
Wie sind die akustischen Raumverhältnisse?
Welche Musik hören Sie?
Wie hören Sie gerne? Laut, leise, beides?

Und bitte lassen Sie alles so wie es immer ist. Mein Schwiegervater kriegt jedes mal am Tag vor seinem Gesundheits-Check eine Diätkost. Sind die Werte in Ordnung darf er sich auf dem Rückweg … na – Sie wissen schon.

Wenn Sie gerne Heino hören oder Rammstein – dann legen Sie diese Platten und CDs bereit! Was nutzt es Ihnen, wenn nach dem Besuch des Händlers die Aufnahmen in der schwedischen Kirche zwar authentisch rüberkommen, aber Ihre Musik klingt grottenschlecht?

Mir bleibt hier an dieser Stelle wirklich nur die Bitte, über Ihren Schatten zu springen und sich vor Ort helfen zu lassen. Gerade wenn Sie Einsteiger sind, kann man Ihnen die eine oder andere Fehlentscheidung ganz bestimmt ersparen.

Bekannte als HiFi-Ratgeber

Bekannte als HiFi-Ratgeber

Grundsätzlich kann ich Ihnen nur den Tipp geben:  Tun Sie es nicht!

Ich habe schon echte Freundschaften zerbrechen sehen.
Hier und da eine kleine Empfehlung einzuholen ist ja gut, aber oft freuen sich die Befragten so sehr, dass sie sich in einen wahren Beratungs-Rausch hineinsteigern. Endlich ist da jemand, der sich für das gleiche interessiert wie man selbst!

Und das sind dann Sie!
Von nun an haben Sie einen 24/7-Betreuer! Alle zwei Tage fährt er mit Ihnen zu einem anderen Händler, zu Messen, zu Ausstellungen zu …
… und gibt nicht eher Ruhe, bis Sie genau so “besessen und infiziert” sind wie er.

Doch ganz sicher wollen Sie nicht zu seinem Abbild werden und sich Ihr ganzes Leben lang anhören müssen, dass Sie diese tolle Anlage ja nur ihm zu verdanken haben, oder?

Kurz: Ihre Individualität bleibt völlig auf der Strecke. Irgendwann haben Sie gar keine andere Chance mehr, als ihm reinen Wein einzuschenken und seine weitere Hilfe abzulehnen.
Das ist dann eine Probe, die nicht gerade viele Freundschaften überleben.

Wichtiger Hinweis:

Dies habe ich nicht geschrieben, um Sie zu “Geheimnisträgern” zu verdammen, sondern um Sie dazu zu bringen, sich ganz genau zu überlegen, wie Sie am besten vorgehen, wenn Sie einen Bekannten um Rat fragen wollen.

Natürlich ist es verlockend, sich ganz in die Obhut eines Bekannten zu geben und ihn “alles machen zu lassen”. Aber dann müssen Sie auch konsequent bei dieser Entscheidung bleiben. Ihr Bekannter will Ihnen ja keinen Schaden zufügen! Er fühlt sich geschmeichelt, dass man seinen Rat schätzt. In der Reaktion baut sich bei ihm ein Verantwortungsbewusstsein auf und dieser Verantwortung ist er sich bewusst. Also reißt er sich ein Bein aus – für Sie.

Aber sobald Sie ihm nicht mehr folgen wollen, entsteht eine nur schwer zu meisternde Situation.
Das alles hat mit HiFi überhaupt nichts zu tun.

Stellen Sie sich vor, ein Bekannter nimmt Sie mit zu einer Weinprobe. Schon auf dem Hinweg berichtet er Ihnen, dass er seinen Keller bis oben hin voll hat mit Weinen von diesem Winzer. Und bei der Probe stellt Sie fest, dass die Weine “nicht schlecht” sind, aber dennoch nicht Ihren Geschmack treffen. Was tun Sie? Trotzdem kaufen, um die Freundschaft nicht zu gefährden?

Bei einem Karton Wein mag das ja in Ordnung sein, dann hat man wenigstens den passenden, wenn der Bekannte mal zu Besuch kommt – aber einen Verstärker oder einen Lautsprecher zu kaufen, nur um den Bekannten nicht zu enttäuschen?

Fazit:

Überlegen Sie sich gut, welchen Ihrer Bekannten Sie um Rat fragen und gehen Sie die Sache von vornherein so an, dass Sie klarstellen, jede Entscheidung ganz allein treffen zu wollen. Halten Sie die Distanz, die Ihnen Ihre Freiheit bewahrt.

 

Freaks als HiFi-Ratgeber

Freaks als HiFi-Ratgeber

Irgendwann erwischt es auch Sie, wetten!?
Sie sind mal wieder bei einem HiFi-Händler und wieder treffen Sie da auf “Frank”.

Frank ist zwar auch nur ein Kunde, gehört aber längst zum Inventar. Und nicht nur bei diesem Händler! Er kennt sie alle! Die High-End-Messe besucht er natürlich am Händlertag!
Abends macht er mit den Herstellern “einen drauf”. Ist mit allen längst per Du – und investiert Unsummen in HiFi.

Unsummen in HiFi?
Ja, wie soll das gehen? Hat der so viel Geld?

Nein! Hat er nicht. Er hat nur genug “Anhänger”, die ihm “aus der Hand fressen”.

Frank kennt sich aus – ganz sicher. Besser als die meisten Händler. Und Frank hat alles schon besessen. Kein Markenname, kein interessantes (oder auch uninteressantes) Produkt, das nicht schon durch sein Wohnzimmer gegangen wäre.

Wie er das macht?
Ganz einfach! Er schlägt zu, wann immer die Situation günstig ist.
Irgendwann hat jeder Händler mal ein Produkt, das er loswerden muss. Der Lautsprecher läuft einfach nicht, der Verstärker ist mehr zur Reparatur als in der Vorführung …

Dann kommt Franks große Stunde.
Meistens noch deutlich unter dem Einkaufspreis ergattert, schleppt Frank nach Hause, was da gerade angeboten wird.
Und schon auf dem Weg nach Hause hat er sich per Handy mit ein paar seiner Anhänger verabredet, die dann schon vor seiner Tür warten und die schweren Kartons in die Wohnung schleppen.

Dort erzählt er dann  – nicht unbedingt alles – nur – dass er bei diesem Schnäppchen einfach zuschlagen musste.

Seine Anhänger – das sind Sie, wenn Sie Frank auf den Leim gehen – bewundern ihn und ärgern sich schwarz darüber, dass sie selber nicht solche tollen Angebote finden können.

Doch Frank kann da helfen.

“Willst Du das haben?”
“Nein, das hast Du Dir doch gerade erst gekauft, das ist doch nagelneu!”
“Ja, aber ich brauch es nicht unbedingt. Ich musste nur zuschlagen, weil es im nächsten Moment weg gewesen wäre. Ein XZ-Verstärker zu diesem Preis! Da muss man ja bescheuert sein, wenn man da nicht zuschlägt!”
“Ja, wenn es Dir nichts ausmacht, würde ich ihn schon gerne nehmen!”

Den Rest können Sie sich denken – in wenigen Minuten hat Frank mal eben 500,- Euro oder mehr Gewinn gemacht.

Der “Anhänger” hat natürlich selbst überhaupt keine Ahnung, geht nur mit der vermeintlichen Gewissheit nach Hause, einen “Wahnsinnsfang” gemacht zu haben.

Doch das Ergebnis ist nur all zu oft: Das gewünschte Klangbild stellt sich zuhause nicht ein. Die vermeintliche Qualität ist nicht vorhanden. Die Illusion, ein Schnäppchen gemacht zu haben, wird zerstört, und zwar in dem Moment, wenn man versucht, dieses Schnäppchen zu einem Preis loszuwerden, der einem nicht ganz so weh tut. Und dann erkennen muss, dass das unmöglich ist.
Es sei denn, man verkauft es mit 1.000,- Euro Nachlass zurück an Frank.

Empfehlung:
Wenn Sie auf so einen Frank, Erwin, Manfred oder wie er auch immer heißen mag treffen, dann schalten Sie bitte Ihr Gehirn nicht völlig aus! Er ist nicht Ihr Freund und er wird nicht Ihr Freund werden!

Er lebt in einem System, das finanziert werden muss – von Ihnen!

Workshops und Messen als Ratgeber

Workshops und Messen als HiFi-Ratgeber

Ein einzelner Workshop und nur ein Messebesuch bringen Sie nicht weiter.
Auf diesen Events treffen Sie auf Hersteller und Entwickler, die ihre Produkte und ihre Philosophie verkaufen wollen und dies auch meist geschickt anstellen.

Deshalb sollten Sie mehrere Workshops, Messen, Ausstellungen usw. besuchen. Mit jedem Besuch wird sich Ihr Horizont ein wenig erweitern. Schon schnell sind Sie selbst in der Lage, einen schlechten Workshop von einem guten zu unterscheiden.

Aber irgendetwas nimmt man immer mit.

Meine Empfehlung lautet also ganz klar:

Ja! Besuchen Sie so viele Messen, Workshops und Ausstellungen wie Sie nur können.
Bis Sie der Meinung sind, dass Sie das nicht mehr nötig haben.