PrimeMini 5/i7 mit 32GB RAM und 512GB Samsung Pro 970 NVMe

PrimeMini 5/i7 mit 32GB RAM und 512GB Samsung Pro 970 NVMe

In meinem Bericht „PrimeMini 5/i7 mit 32GB RAM und 512GB Samsung Pro 970 NVMe“ geht es heute darum, einen PrimeMini nach allen Regeln der Kunst „aufzumotzen“.

Ist das überhaupt sinnvoll?

Entstanden ist die Idee in einem Gespräch mit einem guten Freund, der Roon ausprobiert hatte und jetzt vollkommen begeistert von dieser Software war.
Er aber wollte weder einen Nucleus noch einen PrimeMini und auch keine andere Fix-und-Fertig-Lösung akzeptieren, sondern er wollte sich einen PC so maximal konfigurieren, dass selbst einem Berufs-Gamer die Spucke wegbleiben würde.

Ein mächtiges Power-Netzteil, wassergekühlter Hochleistungs-Prozessor der neuesten Generation, 64GB RAM und und und…

Meinem Argument „das nutzt Roon doch alles gar nicht“, stand seine Aussage gegenüber, dass man von einem 12-Zylinder auch nicht immer die volle Leistung anfordern würde und trotzdem hätte man Spaß daran, so ein Auto zu fahren.

Als Händler stehe ich da normalerweise der Gruppe näher, die selbst bei einem i3 noch darüber sinniert, wie man ihn noch ein klein wenig preisgünstiger hinbekommen könnte, denn je günstiger etwas ist – umso mehr kann man davon verkaufen.

Ist ein getunter PrimeMini jetzt sinnvoll oder nichtl?

Irgendwie hatte mich heute dieser Gedanke gepackt und ich dachte darüber nach, wie ich einen PrimeMini bis über die Grenzen des Sinnvollen hinaus tunen könnte.

i3 – i5 – i7?

Natürlich musste dafür der aktuelle i7 mit 4 Kernen her – der war schon mal gesetzt. 

Arbeitsspeicher

Roon Labs gibt an, dass die Software 4 GB RAM nutzt.
8GB oder 2x 8GB gelten also eigentlich schon als über das Ziel hinausgeschossen.

Ich entschied mich dennoch für 2x 16GB RAM.

2x 16GB RAM im PrimeMini

2x 16GB RAM im PrimeMini

Systemfestplatte

Roon Labs stattet selbst den Nucleus+ mit einer einfachen 128GB M.2-SSD aus – das sollte doch einen Grund haben, oder?
Der PrimeMini wird als Standard mit einer 250GB M.2 SSD geliefert. Die ist zwar auch ein wenig schneller als die aus dem Nucleus aber der Hauptnutzen liegt wohl eher darin, dass mehr Platz für die Datenbank vorhanden ist.

Die 512 GB der Samsung 970 Pro sind definitiv überdimensioniert und sollten daher auch keinen besonderen Nutzen mit sich bringen. Die Tatsache, dass es sich hierbei um eine schnelle NVMe handelt vielleicht schon!?
Obwohl auch hier davon ausgegangen werden muss, dass sich das auf Roon nicht auswirken sollte.

Samsung 970 PRO NVMe M.2-SSD festschrauben

Samsung 970 PRO NVMe M.2-SSD festschrauben

 

Samsung 970 PRO NVMe M.2-SSD mit Isolierungsfolie

Samsung 970 PRO NVMe M.2-SSD mit Isolierungsfolie

Samsung 970 PRO NVMe M.2-SSD mit Kühlblech

Samsung 970 PRO NVMe M.2-SSD mit Kühlblech

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wichtiger Hinweis:
Die NVMe-SSD wird im Betrieb wärmer als die standardmäßig verbaute 860 EVO. Die Pro-Version benötigt deshalb dringend eine fachmännisch korrekt angebrachte Kühlung. 

Netzteil

Selbstverständlich wurde dieser Power-PrimeMini von einem Progressive Audio Netzteil gespeist. 

LAN-Kabel

Hier kamen nur die neuen NCF-Kabel von Furutech in Frage, die sich selbst vor einem audioquest Diamond für 1.000,- € nicht zu fürchten brauchen.

Der praktische Teil

Vom Konfigurationsaufwand her war das alles vergleichbar zum Standard-Gerät. Ob man einen 8GB oder einen 16GB Riegel in den Slot schiebt – ist am Ende ja egal.

Installation und Inbetriebnahme

Zwar braucht die Pro für die Installation ein paar Sekunden weniger, aber erstens braucht auch die normale Samsung nicht ewig und zweitens macht man das ja gerade ein (!) mal.
Ob in dieser Konstellation auch die Übertragung von großen Musiksammlungen schneller geht, habe ich gar nicht ausprobiert, denn auch das macht man ja in der Regel nur ein einziges mal.

Nutzung

Naja – zwar geht alles gefühlt ein wenig flotter von der Hand, aber das allein würde mich nicht dazu bringen, den Aufpreis zu akzeptieren.

Klangunterschied

“So ein Server kann gar nicht „klingen”!!”

Immer wieder höre ich diese Aussage.
Aber eine Falschaussage wird nicht zur Wahrheit, nur weil man sie oft genug wiederholt.
Der Unterschied zwischen einem i3, einem i5 und einem i7 ist klar und deutlich zu hören.
Auch ob ich Linux aufspiele, Windows, ROCK oder AudioLinux – immer klingt es nachvollziehbar anders.

Wobei es natürlich auch richtig ist, dass der DAC einen großen Einfluss auf den Klang hat.
Doch um all das geht es heute überhaupt nicht.

Mich interessiert die Frage, ob das Pimpen eines PrimeMini sich klanglich auswirkt, oder ob wir damit einfach nur einem weit verbreiteten Spleen nachkommen, der uns zu breiter, tiefer, schneller, weiter … drängt, nur um mehr zu haben und mehr zu können als die anderen.

Klangtest

Ich könnte ja mal ein wenig Abwechslung in meine Berichte bringen und ganz andere Titel spielen, als ich normalerweise spiele – aber hier geht es mal wieder nicht darum, Ihnen irgendwelche meiner Lieblingsstücke zu präsentieren, sondern hier geht es darum, Ihnen sagen zu können, ob ich einen Unterschied hören konnte oder nicht. Und deshalb brauchte ich hier wieder einmal meine „üblichen Verdächtigen“ wie Sangensemble Amanda, Patricia Barber, Nils Lofgren, Malin Pettersson, Hugh Masekela, Rolf Kühn …

Doch am Ende brauchte es nur einen einzigen Song, um zu belegen, dass sich der Klang verändert hat.
Um es direkt zu sagen:  Der Klangunterschied ist erstaunlich.

Doch es dauerte etwas, um die Veränderungen auch als positiv zu verstehen.

Erster Eindruck:

Mit der Lautstärke stimmt was nicht.
Alles wirkt so leise.

Ich erhöhe den Pegel.
Das was laut war, wird dadurch noch lauter, aber das was leise war, das bleibt leise.
Es wirkt auch alles ein wenig langsamer, träger, weniger dynamisch, weniger kraftvoll, weniger impulsiv.

Was seltsam ist, denn ich kann auf einmal die Stimmen dieses schwedischen Chors (Amanda) besser voneinander trennen, kann jeden einzelnen Standort einer Sängerin oder eines Sängers genauer definieren. Die Trommeln bei “Papa Loko” unterscheiden sich auf einmal viel deutlicher voneinander. Da gibt es tatsächlich welche, die deutlich größer sind und deshalb tiefer klingen. Sie klingen aber nicht einfach nur tiefer, sie haben auch mehr Druck. Aber es ist ein ganz anderer Druck. Dieser Druck hat mehr Volumen und erfasst meinen ganzen Körper, nicht nur Teile.

Nils Lofgren (Keith don`t go) spielt auf einmal, als wolle er mir erklären, wie ein einzelner Gitarrist diese vielen Töne und Rhythmen gleichzeitig spielen kann. 

Er berieselt mich nicht, er fasziniert mich – aber nicht nach dem Motto: „Hör einfach hin, das kannst Du sowieso nicht!“, sondern mehr wie: „Schau! So einfach geht das! Auf meinen rechten Daumen habe ich ein Plektrum geschoben, damit mache ich diese Töne, mit den vier Fingern mache ich diese Töne und mit der linken Hand mache ich das hier … ist doch ganz einfach, oder!?“.
Und ja – ich höre ihm zu und glaube ihm, das genau so spielen zu können. Es hört sich wirklich einfach an.
Doch ich bin 66 Jahre – habe vor ewigen Zeiten mal Gitarrenunterricht gehabt – und ich weiß, dass ich nichts – gar nichts von dem spielen könnte, was sich da gerade bei Nils Lofgren so einfach anhört.

Auf einmal ist es eindeutig

Plötzlich ist auch das Gefühl vollkommen weg, es könnte sich langsam, träge oder weniger dynamisch anhören. Ganz im Gegenteil, die Töne explodieren förmlich wie kleine Feuerwerke. Ich verliebe mich gerade neu in dieses Stück.

Und ich kann Ihnen gar nicht sagen, ob die neu eingesetzte Elektronik einen Moment lang Anlaufschwierigkeiten hatte oder eher meine Ohren. 

Das was hier gerade läuft – das ist ganz großes Kino.
Stück für Stück nimmt es mich mehr und mehr gefangen und …
… endlich kann ich mal das machen, was ich bei den Herstellern so oft kritisiere:

Nägel mit Köpfen!

Warum baut Ihr da nicht die besseren Buchsen ein?
Weil das Gerät dann zu teuer wird.

Immer und immer wieder ärgert man sich als Händler, wenn man ein Gerät vor sich hat, was das Potential dazu hätte, noch besser zu klingen, aber die Hersteller Angst davor haben, dass sie es dann nicht mehr verkauft bekommen, weil es angeblich zu teuer wird.

Hier bei diesem PrimeMini hatte ich es heute ganz alleine in der Hand.

Ich (!) habe beschlossen, zwei mal 16GB RAM einzubauen und
ich (!) habe beschlossen, eine 512GB große Pro NVMe-M.2-SSD als Systemfestplatte zu verwenden.
Und ich (!) habe heute gehört, dass dieser PrimeMini mir diese Konsequenz dadurch dankt, mir ein Klangbild zu liefern, wie man es sonst wohl nur von Geräten erwarten darf, deren Preise in den hohen vierstelligen Eurobereich hineinreichen.

Sind es die RAM oder ist es die SSD?

Ich statte einen zweiten PrimeMini mit Standard-SSD zur Probe mal mit 2x 16GB RAM aus.
… und ich kann wirklich nicht sagen, ob sich der Klang dadurch großartig verbessern lässt. Möglicherweise wäre ich dieser Meinung, wenn ich die komplette Aufrüstung vorher nicht gehört hätte. So aber weiß ich ja jetzt, was machbar ist und das erreiche ich nur dem RAM-Ausbau auf 2x 16GB offensichtlich nicht.

Die andere Variante – also eine Pro-SSD mit “nur” 2x 8GB RAM führt da schon eher zum gewünschten Ergebnis. Obwohl mich auch hier das Gefühl beschleicht, dass ich noch nicht ganz so weit gekommen bin wie mit der kompletten Aufrüstung.
Wer sich also zwischen den beiden Aufrüst-Maßnahmen entscheiden muss, der sollte auf jeden Fall die Pro-SSD wählen. Alleine deshalb schon, weil sich in einem zweiten Schritt die 2x 16GB RAM deutlich einfacher nachrüsten lassen.

Wer allerdings das nachvollziehen will, was ich hier heute erlebt habe, der kommt wohl um die folgende Einstellung nicht umhin:

Barfuß oder Lackschuh!

Fazit:

Wieder einmal kann man feststellen, dass die Gesetze der High-Fidelity keiner Logik folgen. Oder sagen wir es mal anders: … dass wir alle immer noch keine Vorstellung davon haben, was beim Streamen tatsächlich wichtig ist und was nicht. 

Wenn ich sehe, dass ein PrimeMini 5/i7 mit 2 x 16GB RAM und einer 512GB Samsung 970 Pro noch keine 1.800,- € kostet, dann kann ich jedenfalls nicht mehr länger so tun, als stünde dieser Aufpreis in einem schlechten Preis-Leitungsverhältnis.

Print Friendly, PDF & Email