Streaming – Apps

Streaming – Apps

In diesem Bericht geht es um die Streaming Apps, ohne die es heute einfach nicht mehr geht.

Ein Großteil der Verbraucher kann die Begriffe „Musik“ und „Streaming“ noch gar nicht zusammenbringen.
Das Wissen der anderen teilt sich auf in:

* „Ach, Sie meinen Spotify!“,

* „Ich habe meine Musik im Computer und streame sie in alle Zimmer.“

* … und einigen wenigen, die sich schon bei einem High-Res-Audio-Musik-Portal angemeldet haben.

Aber ein Feindbild hat man sich bereits zurecht gelegt:  Die Streaming-Apps.

Die App – das Problem, das alle haben.

Ich frage einen befreundeten Entwickler, ob er nicht auch ein Streaming-Gerät entwickeln will.

„Ja, bin ich denn verrückt!?“ so lautet seine Antwort: „Wo soll ich denn die zwanzig Programmierer und 5 Leute im Support herholen?
Die Hardware – die kann ich Dir nächste Woche liefern. Wenn Du (!) Dich um die Software kümmerst, bin ich dabei!“.

Mhh.

Elac hat das Problem recht elegant umschifft.
Statt sich selber um so eine App zu bemühen, stattet man dort seinen „Discovery“ einfach mit einer Lizenz „Roon für Arme“ aus. Die aber eigentlich auch völlig ausreicht.
Die anderen begnügen sich allenfalls mit „roon-ready“ und entwickeln lieber „was Eigenes“.
Irgendwie haben sie geschnallt, dass eine gute Bedien-App darüber entscheidet, wie erfolgreich man auf dem Markt sein kann.
Was sie erst zu spät geschnallt haben ist, wie schwierig es ist, so eine App zu entwickeln und vor allem, wie unmöglich es ist, sie auf dem Laufenden zu halten.

„Wenn Du eine Bank knacken willst, mach es alleine!“ – eine Weisheit, die uns Hunderte von Krimis gelehrt haben.

Doch alleine – geht beim High-Res-Audio-Streamen gar nichts.

Alles beginnt mit den Musik-Portalen.

Und genau da sind wir schon beim größten Problem:  beim Geld!
Nein! Diesmal fehlt es nicht – es ist in rauen Mengen vorhanden.
Aber man will noch mehr. Viel mehr.

Leider – oder zum Glück – hat niemand von den „Vordenkern“ eine funktionierende Glaskugel und so weiß man nicht genau, auf was man sich konzentrieren soll. Was macht der Verbraucher mit und was nicht?

Amazon, Apple, Google und mehr als ein Dutzend ähnlich bekannter Namen, ähnlich großer Namen, wären aufzuzählen, deren „Drahtzieher“ zurzeit schlecht schlafen.
Weil sie nicht wissen, in was sie investieren sollen und was ein Flop wird.

Rechnet sich High-Res-Audio?

Lohnt es sich, jetzt auf hochauflösende Formate umzusteigen?
Was darf man dafür verlangen?
Werden die 349,- €, die Qobuz zurzeit für ein Jahresabo mit Streaming-Zugang zu den allerbesten Dateiformaten verlangt, akzeptiert?
Tut man gut daran, sich an diesem Preis zu orientieren oder schafft man den ganz großen Clou, wenn man nur ein Viertel verlangt?

Qobuz und Tidal setzen alles daran, ihre Angebote tagtäglich zu verfeinern und noch besser auf die jeweiligen Zielgruppen zuzuschneiden. Sie gönnen sich da keine Pausen. Was gemacht werden kann, um sich den Platz in der Gunst der Kunden zu sichern, das wird gemacht. Manchmal vielleicht ein wenig voreilig und dann klappt das noch nicht so richtig.
Da muss halt nachgebessert werden. Macht man aber auch.

Klar, der Kunde schimpft dann. Er darf auch schimpfen, schließlich hat er viel Geld bezahlt.
Dafür erwartet er fortlaufende Verbesserungen einerseits und eine absolut stabil laufende Plattform andererseits.
Nein – er setzt keine Prioritäten – er will beides.

Nicht zu leisten?

Für die Hardware-Hersteller und vor allem für die App-Entwickler sind alleine die ständigen Anpassungen schon eine kaum zu leistende Aufgabe.
„Gestern lief doch alles stabil, heute geht es nicht mehr. Wieso nicht?
Warum sagt uns der Portalbetreiber das nicht rechtzeitig?
Jetzt können wir wieder hinterher rennen und kriegen auch noch die ganzen Schläge der Kunden ab.“

Ein paar Tage später geht es wieder – sogar besser als vorher, denn die neuen Funktionen sind klasse!

Der Kunde freut sich aber nur kurz, denn es geht schon wieder was nicht.
Ob das mit dem Betriebssystem-Update zusammenhängt, das er gestern auf seinem Tablet vorgenommen hat?
Oder kann es daran liegen, dass er auf seinem Router Mesh aktiviert hat?
Damit er im Büro auch streamen kann, hat er sich ja diesen Repeater gekauft.
Natürlich nicht vom gleichen Hersteller wie den Router, der war ihm zu teuer.

Jetzt findet diese blöde Streaming-App mein Device nicht mehr und sagt mir andauernd, dass ich diesen Titel nicht abspielen kann.
Da wird wohl mal wieder eine Mail an den Support fällig.
Nein, von dem Billig-Repeater sagt man besser nichts.

„Sollen die doch erst mal gucken!“

Oder ob der Sohnemann da was  … ?

Nee – jetzt geht wieder alles.
Aber wieso diese blöde App den Rolf Kühn nicht findet …!?
Komisch, Rolf Kuhn mit u statt ü oder ue findet er.

Serdar Ortaç findet er auch nicht. Liegt das etwa an diesem „Fliegenschiss“ unter dem c?

Wikipedia kennt 25 Sprachen mit Sonderzeichen, die von speziellen Tastaturtreibern abgedeckt werden können.
Gibt es überhaupt eine Datenbank, die alle Sonderzeichen beherrscht?
Aber Kari Bremnes mit Byssan Lull auf dem Sampler Go Natt Vol. 1 findet die App auch nicht! Und da sind keine Sonderzeichen drin!
Liegt das vielleicht daran, dass das Label diesen Titel mit „Various Artists“ benannt und den Namen Kari Bremnes verschwiegen hat?
… damit man keine Lizenz-Probleme bekommt?

Na egal – wir wissen ja jetzt, wo und wie wir es finden können.

Nanu?

Wieso ist denn meine Playlist verschwunden?
Wo sind denn die Titel hin, die ich gestern hinzugefügt habe?
Ach so, ja richtig, ich benutze ja das Tablet von meiner Frau.
Blöd, dass diese Playlists nicht irgendwo zentral …
ja sicher kann ich die auch bei Qobuz oder Tidal anlegen. Aber wenn ich dann mal kündige, ist alles weg, oder wie?

Und wenn mein Tablet kaputt geht, dann ist jetzt alles weg?
Oha – ja richtig!

Der Hardware-Hersteller bietet mir eine Cloud an, in der ich alles speichern kann?
Ja, bin ich denn verrückt!?
Die müssen doch nicht alles von mir wissen – da werde ich ja zum gläsernen Kunden!
Was?
Mit Soundiiz kann ich alle meine Playlists von einem Portal zum anderen übertragen und auch noch als Tabelle ausdrucken?
Das ist ja toll, aber erstens muss man dann Soundiiz alle Zugangsdaten übergeben (niemals!!!!) und zweitens geht das mit den Listen nur in der bezahlten Version – und die kostet – jährlich!
Mache ich aus Prinzip schon nicht.

Das sollen die mal schön in die App mit integrieren.
Hallo! Support!? Wieso ist das nicht schon lange drin in der App?
Wäre doch gut oder nicht?
Ihr arbeitet dran? Funktionierte schon mal, läuft aber jetzt wieder nicht stabil, weil der Portalbetreiber das Protokoll geändert hat?

Dann übt gefälligst Druck aus!

Wie? Ihr seid nur einer von etwa 280 Hardware-Herstellern, die alle ihr eigenes Süppchen kochen, weil auch in jedem Land irgendwie etwas anders ist? Und Standards gibt es nicht? Will auch keiner?

Und genau das sind die Probleme!

Alle Hardware-Hersteller kochen ihr eigenes App-Süppchen; viele haben eigene Übertragungs-Protokolle entwickelt; jede App greift anders auf die Datenbank zu; dem einen ist Multi-Room wichtig, dem anderen der Komfort bei der Suche; jedes Portal ist anders strukturiert und nutzt andere interne Datenbanken: die eine beherrscht die einen Sonderzeichen die andere eben die anderen; Labels liefern ganz bewusst nicht alle Informationen, Tablets und Smartphones bekommen Updates und manchmal geht da was schief; manche Heimnetze sind schlecht konfiguriert und es werden Komponenten zusammen eingesetzt, die nicht miteinander arbeiten wollen; …

… und nicht zuletzt haben sich manche Entwickler etwas richtig Komfortables ausgedacht, aber der Kunde will es überhaupt nicht.

Also – ich habe gerade meinen befreundeten Entwickler angerufen und ihm gesagt, dass er das Streaming-Gerät nicht zu bauen braucht. Denn um die App – kümmere ich mich ganz sicher nicht.  🙂

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