Wie gut sind meine Lautsprecher eigentlich?

Wie gut sind meine Lautsprecher eigentlich?

Haben Sie sich auch schon mal die Frage gestellt:  Wie gut sind meine Lautsprecher eigentlich?

Sicher hätte man sich die Frage wohl besser stellen sollen, bevor man sie gekauft hat, aber jetzt sind sie ja nun einmal da.
Und manchmal sitzt man dann davor und fragt sich, ob sie uns einfach nur gut gefallen oder ob sogar ein Fachmann uns einen guten Kauf bescheinigen würde.
… oder vielleicht doch besser nicht?  🙂

Wir kaufen nach dem LuL-Prinzip.

Gekauft werden die meisten Lautsprecher nach dem Logik- und Leumund-Prinzip (LuL).
Logik =  Wenn die Boxen nicht gut wären, würde es die Marke doch schon lange nicht mehr geben.
Leumund = Man weiß, dass Boxen von dieser Marke gut sind. Das sagen doch alle.
Was beim Wein das Schild mit den „95 Parker-Punkten“ ist, das sind bei Lautsprechern die Testergebnisse.

Schallwellen gelangen ins Ohr eines Mannes

Fotolia_88754239 © axel kock

Außer dem LuL-Prinzip gibt es halt nur noch das Prinzip „Anhören“.
Aber dafür glauben wir von uns, zu wenig zu wissen, zu wenig zu können.

 

 

 

 

 

Das machen sich spezielle Zeitschriften zu nutze und testen die Lautsprecher für uns.
Aber sind diese Testergebnisse ehrlich und nützlich? Irgendwie schon, aber irgendwie auch wieder nicht. Die Testzeitungen finden einfach alles gut.
Zuhause sitzt man dann möglicherweise vor einem Testsieger – einem von zig Testsiegern – denn in jedem neuen Heft gibt es ja wieder einen neuen Testsieger.
Und so fragt man sich immer noch:

Wie gut sind meine Lautsprecher eigentlich?

Möchten Sie das nicht auch endlich mal selber beurteilen können?

Na prima!
Ich helfe Ihnen dabei!

Fakten, die ich hier nicht berücksichtige, weil sie keine Aussage über die Klangqualität eines Lautsprechers zulassen:

* Der Preis (Es gibt in jedem Preisbereich tolle Boxen! … und es gibt die anderen)
* Der Preisnachlass (Jedes Super-Angebot hat seinen Grund! Finden Sie den heraus!)
* Testergebnisse (Motto: „Wes Brot ich ess`, des Lied ich sing“?)
* Das Design (Ein tolles Design muss nicht, kann aber bedeuten, dass der Entwickler seinen Schwerpunkt hier sieht und nicht im Klang)
* Der Leumund (Der HiFi-Markt lebt vom „selektiven Nachplappern“)
* Die Logik (Sie wissen schon, das mit den Millionen Fliegen …)

Wenn Sie jetzt das Gefühl haben, dass ich Ihnen gerade „alles weggenommen habe“, wonach Sie bisher Boxen beurteilt haben, so ist das von mir nicht ganz unbeabsichtigt gewesen.
Denn wir wollen es ja heute mal „ganz anders machen“, oder?

Heute hören Sie sich Ihren Lautsprecher mal ganz alleine an und lassen sich durch nichts dabei beeinflussen!
Sie können das! Sie müssen sich nur auf dieses kleine Abenteuer einlassen.

Das Problem:
Viele von uns haben noch niemals in ihrem Leben eine natürliche Wiedergabe über einen Lautsprecher gehört! Sie können sich nicht einmal vorstellen, wie so etwas klingen könnte.
Wenn man sie fragt, was denn einen guten Lautsprecher ausmacht, dann kommen immer die gleichen Antworten:

Er muss laut spielen können.
Er muss einen satten Bass haben.
Er muss klar und rein klingen.

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Bass

 

Sicher sind das die Punkte, die einfach jeder von uns bewerten kann.
Eine besondere Fähigkeit oder gar “Insiderwissen” beweisen wir damit aber nicht, oder?

 

 

 

Ich will Ihnen heute deshalb zwei weitere Punkte nahelegen, mit denen Sie sich durchaus eine  Kompetenz verschaffen können.
Der eine nennt sich „Natürlichkeit“, der zweite „Timing“.

Punkt eins – Natürlichkeit

Das seltsame an diesem Punkt ist, dass wir uns ihm umso näher fühlen, je weiter wir von ihm entfernt sind.

Schallwellen gelangen ins Ohr eines Mannes mit markiertem Gehörzentrum

Fotolia_85261828 © axel kock

Das liegt an unserem Gehirn.
Zwar bilden unsere Ohren die Sensoren für den Schall – aber was wir dann hören – was wir glauben zu hören, das bestimmt allein unser Gehirn.
Ihm macht es nichts aus, wenn etwas nicht natürlich – also nicht richtig –  klingt. Es weiß ja, wie es klingen müsste.

 

Sind die Instrumente viel zu klein?
Ist der Mund eines Sängers riesengroß?
Kein Problem! Es weiss doch, wie groß die Instrumente sind und wie klein ein Mund ist.

 

Eigentlich ist es also völlig gleichgültig, was wir hören und wie es klingt – unser Gehirn bringt das schon in Ordnung.
Unser Gehirn ist vertraut mit dieser Aufgabe – es macht den ganzen lieben langen Tag nichts anderes!

Wir glauben ja auch, die kleinen Menschen im Fernseher wirklich zu sehen. 🙂
Unser Gehirn erhält Informationen – wertet sie aus – und präsentiert uns das „übersetzte Ergebnis“, damit wir damit überhaupt etwas anfangen können.
Genau das sicherte unseren Vorfahren das Überleben!

Das Glückserlebnis

Umso größer ist das Glückserlebnis, wenn unser Gehirn plötzlich beim Musikhören „arbeitslos“ wird, weil es ein perfekt richtig und natürlich klingendes Ergebnis präsentiert bekommt, an dem es nichts mehr „auszuwerten“ gibt.
Dieses Gefühl muss man einfach mal erlebt haben, sonst glaubt man nicht, dass es möglich ist!

Sie hören ein Instrument oder eine Stimme und Ihr Gehirn ist sich sofort sicher – dass es das echte Instrument und die echte Stimme hört.
Manchmal hat man dann das Gefühl, man würde vor Endorphinen geradezu überlaufen – so toll fühlt man sich.
Weil alles so echt – so natürlich klingt und man gleichzeitig weiß, dass man ja alles „nur über Lautsprecher“ hört.

Es ist genau dieser Widerspruch. Diese perfekte Illusion, nach der man ganz schnell süchtig wird.

Automatische Gehirnfunktionen abschalten lernen.

Wer also lernen will, einen Lautsprecher zu bewerten, der muss lernen, die automatisierten Funktionen im Gehirn „auszuschalten“.
Damit uns das gelingt, müssen wir es austricksen.

Flügel

Fotolia_72992691 © Thatiana Shepeleva

Nehmen wir als gutes Beispiel das Klavier.
Wir machen es unserem Gehirn heute einmal unmöglich, uns mit der einfachen Loriot-Erkenntnis:  „Ein Klavier, ein Klavier!“ abzuspeisen.
Wir gehen jetzt an die Aufgabe, uns ein Klavier auszusuchen, was wir kaufen wollen!
Ob für uns selbst oder für jemanden, den wir kennen, egal  – wir wollen das Klavier kaufen, was am besten klingt.
Yamaha, Schimmel, Bösendorfer, Bechstein … der Preis spielt keine Rolle!

 

 

 

 

Sie kennen die Unterschiede zwischen diesen Marken überhaupt nicht?
Macht nichts! Für unseren Workshop ist es sogar besser so! … leichter so!
Der Kenner rutscht nämlich nur wieder viel zu schnell in die Automatismen hinein.
Wir aber wollen unser Gehirn ja heute herausfordern.
… es dazu zwingen, bewusst hinzuhören und eben nicht vorschnell zu urteilen und zu bewerten.

Und – halten Sie mich nicht für verrückt, dazu schauen und hören wir uns jetzt ein Video von Vinheteiro auf Youtube an.
Es ist völlig gleichgültig, wie schlecht der Sound an Ihrem PC auch immer ist – Sie werden einen Unterschied zwischen diesen Klavieren hören!

Und? Für welches Klavier oder welchen Flügel haben Sie sich entschieden?  🙂

Im zweiten Schritt hören wir uns jetzt, so „sensibilisiert“ wie wir nun sind, verschiedene Klavierstücke über unsere Lautsprecher an. Wir geben uns aber eben wieder nicht damit zufrieden, ein Klavier als Klavier zu erkennen, sondern fragen uns, was das jetzt wohl für ein Klavier sein könnte.

Und noch einmal:
Wir müssen nicht erkennen, um welches Klavier es sich handelt –  wir müssen nur dahin kommen, dass wir die Unterschiede hören und dass wir sie wahrnehmen – denn sie waren schon immer vorhanden und sind auch noch immer da!

Das ist der ganze Trick!

Wenden wir uns dem nächsten Thema zu, dem Timing.

Dazu müssen Sie jetzt nicht im Musikbuch nachschlagen!
Es geht hier nicht darum, Adagio, Moderato und Presto zu erkennen. Es geht allein um unser „Geschwindigkeitsgefühl“ beim Hören.

Was daran so wichtig ist?

Jazz Musiker

Fotolia_81087737 © inga

Nun, für mich ist der Punkt Timing das mit Abstand wichtigste Thema beim Musikhören überhaupt.

Klingt es irgendwie zu „langsam“, dann nervt es. Dann will ich die Musiker antreiben, den Dirigenten spielen und sie unmissverständlich dazu auffordern, mal „einen Zahn zuzulegen“.
… mal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und Begeisterung zu zeigen!

 

 

Das hat nichts mit der Musikart zu tun. Ich liebe Balladen, Requiems und andere „bedrückende Stücke“, mag es hin und wieder, in „Traurigkeit zu baden“.
Aber auch eine Ballade kann zu langsam wiedergegeben werden.

Das ist nicht „so auf der Platte“ !!!!! –
… das kommt von der Anlage und damit eben möglicherweise auch vom Lautsprecher!

Nehmen Sie zum Hören anfangs ein Stück mit spärlicher Besetzung, 1-4 Musiker – mehr nicht.
Und nun „schauen“ Sie sich die Gesichter der Musiker an.

Zu langsam?

Wenn es zu (!) langsam gespielt wird, dann klingt es lustlos. Da packt uns nichts, da reißt uns nichts mit, sondern wir beobachten Musiker, die anscheinend keine Lust mehr haben, dieses Stück noch mal und noch mal spielen zu müssen, bis der „gnädige Herr Tonmeister“ endlich zufrieden ist.
Eine solche Stimmung macht mir keinen Spaß. Ich will nicht dabei sein, wenn eine schlechte Laune herrscht. Ich will Musik genießen!
Oder es klingt einfach nur müde und langweilig.
Manchmal habe ich dann beim Hören das Gefühl, ich will mit einem schweren Karton auf dem Arm schnell in eine Poststelle, aber vor mir trödelt jemand. Bleibt dann auch noch mitten in der Eingangstür stehen, um sich mal intensiv darüber zu informieren, wie denn so die Öffnungszeiten sind.
Ich könnte dann „aus der Haut fahren“. Können Sie das nachvollziehen?
Und wenn eine Musik so lahm wiedergegeben wird, dann mache ich sie lieber gleich wieder aus.

Zu schnell?

Haben die Musiker scheinbar auf die Uhr geschaut und gesehen, dass sie noch woanders hin müssen? Rattert man den Titel jetzt mal eben schnell herunter und gönnt dem Stück nicht diese winzigen, aber so wichtigen Verzögerungen, von denen das Thema doch lebt?
Darf der Ton nicht ausschwingen, sondern muss man da mitten hinein einfach weiter spielen?
Also meine Meinung:  Wenn die Musiker jetzt keine Zeit dazu haben, diesem Stück die Ruhe zu gönnen, die es ausstrahlen will, dann sollen sie jetzt Schluss machen und eben später noch einmal zusammen kommen.
Ich nehme Ihnen diese Entscheidung dann ganz schnell ab und schalte die Anlage aus.

Genau richtig!!

Mein Gott! Haben diese Musiker heute einen Spaß daran, gemeinsam Musik zu machen. Sie mögen sich, sie mögen den Titel, sie mögen die Situation, sie mögen einfach alles!
Und ich mag sie!
Sie schauen sich an, versuchen sich mit ihrer Mimik Zeichen zu geben, sind gespannt auf den Moment, in dem das Tempo gewechselt werden muss und man spürt dieses Glucksen in ihren Bäuchen, wenn es noch besser geklappt hat als bei den Proben.

Es geht hier um Zeitbegriffe, die man mathematisch und in Noten gar nicht ausdrücken kann – das sind Verzögerungen und Akzentuierungen, die sich im emotionalen Bereich abspielen, die man einfach nicht messen und nicht vorgeben kann. Und die doch sein müssen.

Hat man das ein mal so zeitrichtig gehört – erfüllt uns das Gefühl, zu einem ganz besonderen Zeitpunkt an einem ganz besonderen Ort mit ganz besonderen Menschen zusammen gewesen zu sein und etwas ganz Besonderes genossen zu haben.
Musik macht hier nicht einfach nur Spaß, Musik bekommt hier eine ganz besondere Wertigkeit.

Ein sattes Honigkuchenpferd-Grinsen oder eine Gänsehaut am ganzen Körper ist der Beweis dafür, dass genau das gerade stattgefunden hat.

Punkte drei – vier  …?
Nebensächlich!

Wenn Sie einen Lautsprecher gefunden haben, der natürlich klingt und der dann auch noch das richtige Timing besitzt – dann ist alles andere nebensächlich.

Und was ist jetzt mit Bass, Höhen und Lautstärke?

Klar – auch diese Punkte bleiben wichtig.
Denn auch sie gehören zur Musik dazu.
Darauf verzichten zu müssen, nur um Natürlichkeit und Timing genießen zu können, würde in uns ein Gefühl der Entbehrung erzeugen. Das ist nicht gut und das muss auch nicht sein.
Denn es gibt sie – die Lautsprecher, die alles können.
Wie Sie diese finden können, das wissen Sie jetzt:

Sie müssen sie sich einfach nur anhören.

Damit Sie nie wieder fragen müssen:

Wie gut sind meine Lautsprecher eigentlich?

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