Der Resonanzkreislauf bei einem Plattenspieler

Der Resonanzkreislauf bei einem Plattenspieler

Der Resonanzkreislauf bei einem Plattenspieler

Der Resonanzkreislauf bei einem Plattenspieler

Selten ist es bei einem Plattenspieler so offensichtlich, dass der Resonanzkreislauf unterbrochen ist, wie bei dem Plattenspieler mit dem schwebenden Teller (Foto oben). 
Doch wie muss eigentlich ein Plattenspieler konstruiert sein, damit er gut klingt?

Hinweis vorab: Der nachfolgende Bericht beschreibt meine persönliche Sichtweise und beruht nicht auf belegten wissenschaftlichen Erkenntnissen. 

Schon in den frühen 1980-er Jahren experimentierte ich mit Laufwerken, Tonarmen und Tonabnehmern und irgendwann glaubte ich, schon beim Anblick eines Plattenspielers seinen Klangcharakter vorhersehen zu können.

Durch den Vergleich zwischen etlichen Plattenspielern stieß ich zunächst darauf, dass es eindeutige Fehler gab, die man bei der Konstruktion eines Laufwerks machen konnte.

So ist es z.B. unverzeihlich, den Tonarm auf einem eigenen Ausleger (Bild links) oder gar auf einem eigenen Standfuß zu montieren.

So wie Strom einen Kreislauf benötigt um fließen zu können, so braucht auch der Plattenspieler einen Resonanzkreislauf, um klingen zu können.

Der Resonanzkreislauf

Lassen Sie mich Ihnen den Resonanzkreislauf genauer beschreiben.
Wenn Sie vorab wissen wollen, was ich damit meinen könnte oder wenn Sie hören möchten, worüber ich hier berichten will, dann lassen Sie doch mal testweise eine Schallplatte laufen, ohne die Musikanlage einzuschalten.
Das ist übrigens auch eine gute Vorgehensweise, um einen Plattenspieler beurteilen zu können, ohne mit ihm Musik gehört zu haben. Probieren Sie das ruhig mal mit verschiedenen Plattenspielern. Sie werden feststellen, dass manche so laut und hektisch tönen, dass man es sich fast sparen kann, die Anlage einzuschalten und bei anderen muss man ganz dicht an das Laufwerk herangehen, um überhaupt etwas hören zu können. Doch wie dem auch sei – es geht genau um diese Resonanzen, die Sie da hören, denn die müssen ja irgendwo hin.

Station 1 – Die Schallplatte

Natürlich muss der Kreislauf mit der Schallplatte beginnen, denn auf ihr befinden sich ja die Informationen. Die Musik (wenn man das so sagen kann) befindet sich als geschnittene (gepresste) Rille auf der Schallplattenoberfläche.

Station 2 – Der Tonabnehmer

Die Rille der Schallplatte bringt die Nadel des Tonabnehmers dazu sich zu bewegen. Da so ein Tonabnehmer Spulen und Magnete in sich trägt, wird durch die Bewegung des Nadelträgers eine Spannung erzeugt, die wir durch das Phonoteil in verwertbare Musiksignale verwandeln lassen.  Diese Bewegungen versetzen aber den Tonabnehmer in Resonanzen – das ist unvermeidlich.

Station 3 – Der Tonarm

Seine Aufgabe ist es, den Tonabnehmer so ruhig und stabil wie möglich exakt über die nach innen wandernde Rille zu führen und dem Nadelträger dabei zu ermöglichen, sich frei bewegen zu können. Eigentlich – eine widersprüchliche Aufgabe, weshalb das Klangergebnis eben auch davon abhängig ist, wie gut Tonabnehmer und Tonarm zusammen passen. Das ist immer dann der Fall, wenn die so genannte Tonarmresonanz bei etwa 10 hz liegt. Zum Berechnen dieser Resonanz gibt es einfache Formeln, die wir uns hier aber mal sparen wollen.

Für den Resonanzkreislauf ist es wichtig, dass der Tonarm seine Resonanzen weiterleiten kann. Manchmal wird genau das aber durch die Konstruktion des Tonarms wirkungsvoll verhindert.
Ein Beispiel dafür sind Tonarme mit Einpunktlagerung. Hierbei liegt der Arm auf einer feinen Stahlspitze und hat kaum die Möglichkeit, seine Resonanzen an die Stahlspitze weiter zu geben. Stärkere Resonanzen verbleiben deshalb im Arm und wirken sich störend auf das folgende Abtastverhalten aus. 
Auch tangential geführten Tonarmen gelingt es schlecht, die Resonanzen weiter zu leiten. Um sich nach innen bewegen zu können, müssen sie in welcher Form auch immer über ein Lager gleiten können. Hierdurch kommt es wieder zu einer Unterbrechung des Resonanzkreislaufs.

Station 4 – Das Subchassis

Die einzige Möglichkeit für den Tonarm seine Resonanzen weiterleiten zu können, ist das Subchassis auf dem er montiert ist.
Genau das ist allerdings manchen Laufwerks-Konstrukteuren ein Dorn im Auge. Statt den Resonanzkreislauf zu nutzen, greifen sie auf Konstruktionen zurück, die ihn bewusst unterbrechen sollen. So sind diese “Ausleger” für den Tonarm sehr beliebt. Statt den Tonarm direkt auf das Chassis oder Subchassis zu montieren, bringt man am Laufwerk einen Ausleger an und montiert den Arm darauf. Während der Ausleger nun möglicherweise viel zu stark resonieren kann, kommt beim Subchassis zu wenig an, um einen Kreislauf aufrecht halten zu können.
Noch riskanter ist es, wenn der Tonarm komplett auf einer externen Basis montiert wird, die zum Subchassis hin überhaupt keinen Kontakt hat. 

Das Plattentellerlager

Dieses muss zwingend im Subchassis montiert sein, wenn es die Resonanzen aufnehmen und weitergeben soll. Konstruktionen, bei denen das Lager durch Schnitte im Subchassis daran gehindert werden, diese Resonanzen aufzunehmen, sind also eher kontraproduktiv. Auch magnetisch gelagerte Lager sind nach meiner Sichtweise unbrauchbar, da sie ganz sicher jegliche Weitergabe der Resonanzen verhindern.

Der Plattenteller

Um den Kreislauf zu schließen, muss er fest mit dem Lager verbunden sein. So kann er den noch verbliebenen Rest der Resonanzen aufnehmen und wieder an die Schallplatte abgeben – wo ja der Kreislauf begonnen hat – um ihn nun endgültig zu schließen. Logischerweise wird an dieser Stelle die Plattentellerauflage noch zu einem wichtigen Element. Ist sie zu weich, wird sie zu einer Unterbrechung. So kann es sein, dass ein perfektes Laufwerk durch die Wahl der falschen Auflage nicht mehr zeigen kann, was an ihm eigentlich hätte toll klingen können.

Fazit:

Die Theorie des Resonanzkreislaufs hat mir immer wieder geholfen, einen Plattenspieler bestmöglich zusammen zu stellen.
Es gibt so viele unterschiedliche Tonarme, Laufwerke, Tonabnehmer …
Theorien und fast schon Philosophien, dass keine andere Komponente so viel Individualität zulässt wie der Plattenspieler.
Man kann Fehler machen und dadurch glückliche Zufälle produzieren.
Man kann alles richtig machen und dann nicht verstehen, wieso es trotzdem nicht klingt.

Am Ende gibt es nur ein Ziel:  Wir müssen mit dem Ergebnis glücklich sein.
Und da entdecken wir dann wohl noch eine starke Verwandtschaft zum Wein.
Es sind nicht immer die besten Weine, die wir am liebsten trinken.

Wir sollten aber die Weine trinken, die uns am besten schmecken und nicht die mit den meisten Punkten – von wem auch immer.

Zarathustra S4 und Pluto Audio 7A Prestige – Revision Teil 2

Zarathustra S4 und Pluto Audio 7A Prestige – Revision Teil 2

Zarathustra S4 und Pluto Audio 7A Prestige – Revision Teil 2

Zarathustra S4 und Pluto Audio 7A Prestige – Revision Teil 2

Im Teil 1 dieses Berichts lesen Sie, wie man an einem Zarathustra S4 eine Revision durchführt. (Hier klicken)

Der Pluto Audio 7A Prestige

Der 7A Prestige ist noch ein Ur-Pluto-Audio-Tonarm, wie er in seiner Grundidee zu sein hat.
Das Tonarmrohr ist aus purem Titan und in Handarbeit aus dem Vollen gedreht. Das ist der Grund, weshalb er sich aus drei kurzen, kaskadierenden Rohren zusammensetzt.
Titan zu bearbeiten ist immer eine heikle Angelegenheit. Wird es zu heiß, brennt es einfach ab. 

Die Experimente von Eduardus Driessen aus dem niederländischen Hengelo mit fix-und-fertig gelieferten Titanrohren, verliefen bei Betrachtung der klanglichen Aspekte extrem ernüchternd, weshalb sich ihm am Ende kein anderer Ausweg bot, als bei den handgefertigten Rohren zu bleiben und sich dem Verarbeitungsrisiko Arm für Arm zu stellen.

Klanglich zeichnen sich seine Tonarme vor allem durch das völlige Fehlen eigener Klangbeigaben aus.
Tonarme klingen üblicherweise nach dem verwendeten Material, nach dem Lagertyp, nach der Konstruktionsweise …
Genau deshalb haben ihre Entwickler ja meistens auch die Konstruktionen ganz bewusst so gewählt.

Wer jahrelang verschiedene Tonarme montiert und Tonabnehmer justiert hat, der ahnt meistens schon vor dem Aufbau, was ihn gleich für ein Klangbild erwarten wird. Und meistens liegt er damit auch ziemlich dicht an der Wahrheit.
Man könnte also sagen, dass sich ein Analog-Händler in einer ähnlichen Situation befindet wie ein Wein-Händler.
Die Kunden suchen zwar immer nach “dem besten Wein” – den aber, kann es gar nicht geben.
Kompliziert wird das alles dadurch, dass es einerseits den Aspekt des persönlichen Geschmacks und andererseits aber dennoch echte Qualitätsunterschiede gibt und man nicht immer sagen kann, wo das eine anfängt und das andere aufhört.

Gehen wir an die Arbeit und zerlegen wir unseren 7A Prestige in seine Einzelteile.

Pluto Audio 7A Prestige demontiert
Pluto Audio 7A Prestige Anbauteile

Anbauteile im Bereich des Lagers

Im Bereich des Lagers finden wir das Gegengewicht, das wir mit zwei Fixierschrauben sichern können.

Alles andere ist Bestandteil der Anti-Skating-Vorrichtung.

Pluto Audio 7A Prestige Detailansicht Gegengewicht

Gegengewicht

Wir sehen eine Detailansicht des Gegengewichts. Bevor wir es nach hinten abziehen können, müssen wir sicherstellen, dass wir die beiden Fixierschrauben ausreichend gelöst haben.

Pluto Audio 7A Prestige Detailansicht Ausleger zur Befestigung des Antiskatinggewichts

Pluto Audio 7A Prestige Detailansicht Ausleger zur Befestigung des Antiskatinggewichts

An diesem Ausleger wird das Antiskatinggewicht befestigt.

Pluto Audio 7A Prestige Detailansicht Umlenkung der Antiskatingschnur

Umlenkung der Antiskatingschnur

Das Bild zeigt die Vorrichtung zur Umlenkung der Antiskating-Schnur.

Pluto Audio 7A Prestige ohne Anbauten und Fuß

Pluto Audio 7A Prestige ohne Anbauten und Fuß

Haben wir den Tonabnehmer und alle Anbauten entfernt, können wir die Justageschraube für den Tonarm im Fußbereich lösen und den Arm nach oben herausnehmen.

Pluto Audio 7A Prestige Fußplatte

Pluto Audio 7A Prestige Fußplatte

Die SME-kompatible Fußplatte trägt den Ausleger für den Lift und die Tonarmhalterung (Ruhestellung)

Pluto Audio 7A Prestige Fußplatte ohne Ausleger

Pluto Audio 7A Prestige Fußplatte ohne Ausleger

Nach dem Entfernen aller Anbauteile bleibt nur noch die SME-kompatble Fußplatte übrig.

Pluto Audio 7A Prestige Fußplatte von unten

Pluto Audio 7A Prestige Fußplatte von unten

Eine enorme Erleichterung der Montage wie auch der Demontage wird durch diese beiden Stege erreicht. So ist es überflüssig unterhalb des Tonarmes irgendwelche Muttern festhalten zu müssen. Zum Befestigen und zum Lösen braucht man lediglich den passenden Innensechskantschlüssel. Außerdem wird durch die Stege verhindert, dass sich zu kleine Muttern in das weiche Holz ziehen und das Subchassis beschädigen.

Pluto Audio 7A Prestige Ausleger für den Lift

Pluto Audio 7A Prestige Ausleger für den Lift

An keiner Stelle wird hier mit Material gegeizt und das aus gutem Grund. Jede zu dünne Platte, die beim Abtasten einer Schallplatte in Resonanzen versetzt werden kann, wird das Klangbild deutlich verschlechtern.

Pluto Audio 7A Prestige Ausleger für die Tonarmhalterung

Pluto Audio 7A Prestige Ausleger für die Tonarmhalterung

Beim 7A Prestige arbeitet Pluto Audio im Bereich der Tonarmhalterung (Ruhestellung) mit einer Zwischenetage. Sie sorgt dafür, dass wir einen 7A Prestige praktisch auf jeden Plattenspieler dieser Erde montieren können. Passt nicht – gibt’s nicht!

Pluto Audio 7A Prestige Tonabnehmer-Kabelschuhe an Deskadel Goldkabel

Pluto Audio 7A Prestige Tonabnehmer-Kabelschuhe an Deskadel Goldkabel

Diese Kabelschuhe wurden von einem Goldschmied an die Deskadel Goldverkabelung geschmiedet.
Das Deskadel-Kabel hat nicht nur einen “goldigen” Namen, sondern es besteht tatsächlich aus diesem edlen Material.
Lange hat Deskadel gebraucht, um dieses Kabel aus purem Gold zu entwickeln. So eine Innenverkabelung muss ja robust genug sein, um im Lagerbereich täglich bewegt werden zu können. Und das ist nun einmal bei Gold sehr schwierig. Wer aber dieses Ergebnis des belgischen Kabelherstellers einmal klanglich erleben durfte, der weiß, wovon er ab sofort träumen kann.

Pluto Audio 7A Prestige Deskadel Goldkabel

Pluto Audio 7A Prestige Deskadel Goldkabel

Hier sehen wir, wie das Deskadel Goldkabel im Bereich des Lagers im Tonarmfuß verschwindet, um dort an die Tiffany-Buchse geschmiedet zu werden.

Pluto Audio 7A Prestige Headshell

Pluto Audio 7A Prestige Headshell

Gut zu erkennen ist die massive Ausführung der Pluto Audio Headshell mit den Aussparungen für wirklich jeden edlen Tonabnehmer dieses Erdballs.

Reinigung und Aufarbeitung

Ist der Pluto Audio 7A Prestige komplett zerlegt, können wir uns an die Aufarbeitung und Reinigung der einzelnen Bauteile begeben. Hierzu muss man folgendes bedenken:
Die klangbedeutenden Bauteile sind aus massivem Titan gefertigt. Diese Bauteile wurden nicht behandelt, also nicht verchromt, auch wenn es so aussieht, sondern in Handarbeit poliert. 
Sind an Ihnen Gebrauchsspuren zu erkennen, kann man sie selber herauspolieren oder den Tonarm an den Hersteller übergeben, der dann alle Teile wieder in einen neuwertigen Zustand versetzt.

Ist das nicht erforderlich, reicht es völlig, alle Teile mit einem weichen Tuch abzureiben.

Ratsam ist es dabei dünne Baumwollhandschuhe zu tragen, denn sonst wird das alles zu einer Sisyphosarbeit. Nicht vollständig beseitigter Schweiß wird schnell wieder für eine unansehnliche Oberfläche sorgen.

Montage

Ein Pluto Audio 7A Prestige wurde dafür geschaffen, auf jeden nur erdenklichen Plattenspieler montiert werden zu können. Unterschiedlich hohe Plattenteller oder andere Dinge, mit denen Standard-Arme nicht klar kommen, stellen einen Pluto Audio 7A Prestige kaum vor eine größere Aufgabe.
Ist man ein Eigner eines extremen Laufwerks, kennt Eduardus Driessen ganz sicher eine Lösung. Das ist eben der unschätzbare Vorteil eines Produktes, das tatsächlich in reiner Handarbeit produziert wird.

Erster Schritt – Die Fußplatte

Eddy hat darauf geachtet, eine SME-kompatible Fußplatte zu entwickeln. Ist ihnen das Glück hold und haben Sie die Möglichkeit, von einem SME-Serien-Arm auf einen Pluto-Audio-Tonarm aufsteigen zu können, so brauchen Sie sich keine Sorgen darüber zu machen, dass der 7A Prestige nicht montiert werden kann.

So bereitet es mir auch hier keine Probleme, den Pluto-Arm auf das S4 zu montieren. Sowohl der Abstand zwischen Plattentellermitte und Tonarmlager-Mitte (223mm) als auch der Winkel, mit dem das Langloch gebohrt worden sind, passt ideal.

Zweiter Schritt – Der Ausleger für den Lift und die Tonarmhalterung

Um diesen Ausleger korrekt ausrichten und fixieren zu können, müssen wir den Tonarm in den Fuß einstecken, provisorisch ausrichten, Lift und Halterung einstellen und dann den Arm wieder entfernen, um das komplette Gebilde ordentlich festziehen zu können. Zu diesem Zeitpunkt ist es also ratsam, den Tonarm noch nicht zu fest zu montieren.

Sind wir mit der Ausrichtung der Anbauteile zufrieden, ziehen wir den Arm noch einmal aus dem Fuß heraus und befestigen die Anbauteile im Bereich des Tonarmlagers. 

Dritter Schritt – Die Anbauteile für das Antiskatinggewicht

Zunächst schrauben wir den Bügel für die Schlaufe des Antiskatinggewichts an den Arm (siehe Beitragsfoto ganz oben).
Dann folgt die Vorrichtung für die Umlenkung des Fadens.
Den Zylinder mit dem Teflon-Innenteil schrauben wir vom Bügel ab. Dann stecken wir den ersten kleinen Kunststoffring, die Schlaufe des Antiskatinggewichts und den zweiten Kunststoffring auf den Bügel. Zum Schluss schrauben wir den Zylinder wieder auf den Bügel. Er soll mit seinem Gewicht für eine Bedämpfung der Resonanzen im Bügel sorgen.

Gegengewicht

Nun stecken wir das Gegengewicht auf das hintere Ende des Tonarmrohres. Die Fixierschrauben sollten wir nur leicht anziehen- so dass wir das Gewicht noch so eben verschieben können. Wenn wir es wollen, können wir nach vollständiger Justage die Schrauben etwas fester anziehen, damit das Gegengewicht nicht aus Versehen verrutschen kann

Tonabnehmer

Montieren Sie nach Belieben entweder jetzt schon den Tonabnehmer oder erst, wenn der Tonarm in der Fußplatte montiert ist.

Die Justage des Tonabnehmers folgt auch bei einem Pluto-Audio-Tonarmen den Gesetzen der Physik und Geometrie.
Einzustellen sind in dieser Reihenfolge:

  • Auflagekraft
  • Tonarmhöhe
  • Kröpfung
  • Überhang
  • Antiskating

Einen ausführlichen Bericht zur Tonabnehmer-Justage finden Sie hier:

Die Tonabnehmer-Justage

Ist der Tonabnehmer komplett justiert, wird sich in der Regel auch die Tonarmhöhe noch einmal leicht verändert haben. Wir schrauben deshalb jetzt den Arm gut fest und begeben uns noch einmal an die Ausrichtung des Lifts und der Tonarmhalterung.

Der Lift

Der Lift wird mit einer kleinen Schraube seitlich fixiert und kann nach Bedarf nach oben oder unten verschoben werden. Reicht der Weg beim besten Willen nicht aus, kann man sich beim Hersteller einen passenden Liftausleger anfertigen lassen.
Der milchige Schlauch um den Ausleger sorgt dafür, dass sich der Tonarm auch bei Tonabnehmern mit einer extrem kleinen Auflagekraft beim Absenken nicht nach außen wegdreht. (Stichwort: Wandernder Tonarm) Das Antiskatinggewicht zieht ja den Arm ein kleinwenig nach außen, solange die Skatingkraft noch nicht wirken kann. Durch diesen Schlauch können wir aber den Arm recht gut genau dort absenken, wo wir ihn hinhaben wollen, ohne dass er beim Absenken nach außen wandert.

Die Tonarmhalterung

Sie soll den Tonarm in der Ruhestellung ganz leicht einklemmen. Um sie auszurichten, heben wir den Lift an und schieben den Arm auf dem Lift-Ausleger liegend nach rechts in Richtung Halterung. Dort muss der Arm ohne ihn anzuheben in die Halterung hineingleiten. Dadurch, dass der milchige Schlauch, der auf den Liftausleger gezogen ist, genau dann endet, wenn der Arm in der Halterung anstößt, sackt dieser hier eine Winzigkeit ab und klemmt sich somit fest.

Fertig!

Nun müssen wir nur noch das Tonarmkabel von unten in die Tiffany-Buchse einstecken und können uns auf schöne analoge Stunden mit außergewöhnlich guter Musikwiedergabe freuen. 

Ich hoffe, Ihnen hat der Bericht Spaß gemacht. Sollten Sie das hier beschriebene Laufwerk einmal hören wollen, so vereinbaren Sie doch einfach einen Termin mit uns. Auch für alle anderen Fragen rund um das Thema Analog stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Zarathustra S4 und Pluto Audio 7A Prestige – Revision Teil 1

Zarathustra S4 und Pluto Audio 7A Prestige – Revision Teil 1

Zarathustra S4 und Pluto Audio 7A Prestige – Revision Teil 1

Zarathustra S4 und Pluto Audio 7A Prestige – Revision Teil 1

Sie haben weder ein Zarathustra-Laufwerk noch einen Pluto-Audio-Tonarm?
Macht nichts!  Lesen Sie doch einfach trotzdem weiter und erfahren Sie ein wenig mehr über die vielen Aspekte, die es bei der Entwicklung eines Laufwerks oder eines Tonarms zu bedenken gibt.

Wenn man sich so manche Plattenspieler anschaut, meint man ja schnell, sie seien in wenigen Minuten montiert und spielbereit. Aber  stimmt das auch? Lesen Sie weiter und beurteilen Sie dann selbst.

In diesem ersten Teil geht es um das Laufwerk S4 von Zarathustra.

Zum zweiten Teil des Berichts, in dem es dann um den Tonarm Pluto Audio 7A Prestige geht, klicken Sie auf diesen Link.

Meine beiden hier gezeigten Komponenten stammen aus dem Jahr 1988 und hatten schon seit langem mal wieder eine Überprüfung nötig. Da sich ein Kunde für den Kauf der Objekte interessierte, beschloss ich, mir mal einen ganzen Tag dafür frei zu nehmen und die nächste gründliche Revision in Wort und Bild festzuhalten.
Nach der Demontage des Tonarmes sah es dann zunächst einmal so aus:

Pluto Audio 7A Prestige - demontiert
Zarathustra S4 und Pluto Audio 7A Prestige vor der Revision
Zarathustra S5

Ein paar Worte über dieses Laufwerk

Bei meinem S4-Laufwerk handelt es sich tatsächlich um den allerersten S4-Plattenspieler, den Simon Yorke jemals gebaut hat. Es ist ein  Vorserienmodell, das dann aber genau so in die Serie ging.
Und das alles kam so:
1987 besuchten mich Eduardus Driessen von Pluto Audio und Simon Yorke von Zarathustra. 
Mark Levinson hatte sich das S5-Laufwerk ausgesucht, um es unter dem Namen Cello zu vermarkten. Cello, so hieß die damalige Marke, die Mark Levinson zusammen mit Tom Colangelo gegründet hatte.

Mark gefiel es nicht, dass der Zarathustra eine matte Oberfläche hatte und der Pluto-Tonarm, den er ebenfalls bei seinen Cello-Plattenspielern verwenden wollte, aus glänzend poliertem Titan bestand. Er bat daher beide Entwickler, gemeinsam einen Weg zu finden, das optisch besser aufeinander abzustimmen.

Simon besuchte deshalb Eddy in Hengelo (NL) und beide machten sich auf den Weg zu mir, da ich 1986 die Distribution für Pluto Audio übernommen hatte. Sie wollten mich davon überzeugen, dass ich meine Tätigkeit auch unbedingt auf Simons Produkte ausdehnen müsste.

Natürlich fühlte ich mich geschmeichelt und hätte gerne den Vertrieb übernommen, aber eine Marke zu vertreiben, die lediglich ein einziges Laufwerk zum Preis von weit über 10.000,- DM produzierte (das Cello sollte sogar 16.000,- DM kosten), war nicht besonders reizvoll und ich fragte Simon, ob er nicht auch ein günstigeres Laufwerk konstruieren kann.
Das lehnte Simon entrüstet ab und meinte, dass er entweder das beste Laufwerk der Welt bauen wollte oder gar keins.
Ich legte Argumente nach und schilderte ihm meine Sichtweise:

“Das S5 hat ein schweres und zerbrechliches Glasgehäuse.
Das S5 hat eine schwere und fast ebenso zerbrechliche Schieferplatte.
Das S5 hat ein großes und teures Netzteil.
Solche Teile kann man doch zunächst weglassen und dann als optionales Zubehör zum Aufrüsten anbieten!”

Mit diesen Aussagen hatte ich wohl Simons Interesse geweckt und er versprach zumindest mal darüber nachzudenken.

Einige Wochen später bekam ich überraschend Post von ihm. Ein ziemlich großes und schweres Paket. In dem Karton befand sich das S4- Laufwerk, was Sie hier auf den Bildern in diesem Bericht sehen können.
Ich war auf der Stelle begeistert, montierte einen Pluto Audio Tonarm, probierte ein paar gute Tonabnehmer … und bestellte sofort ein halbes Dutzend dieser Laufwerke.

Das S4 verkaufte sich außerordentlich gut und schon 1989 erreichte mich ein Glückwunschschreiben von Simon mit einem Zertifikat. Darin bescheinigte er mir, dass nirgendwo auf der Welt mehr Zarathustra-Laufwerke verkauft worden sind als in Deutschland.

Woran lag das?

Es war dieses Design, diese konsequente Konzentration auf das Wesentliche und das Weglassen aller Dinge, die überflüssig waren und daher nur von der eigentlichen Aufgabe eines Plattenspielers ablenkten. Der Name “Zarathustra” war für Simon nicht nur ein Name, er war Programm. Eine Lebenseinstellung.

Weiterer Werdegang der Marke Zarathustra

Leider entwickelte sich Simons privates Leben in den folgenden Jahren nicht positiv und der finanzielle Druck stieg. Ich übergab deshalb die Distribution an einen Interessenten mit größerem Budget als er mir zur Verfügung stand. Allerdings ging der Plan nicht auf.
Kurz danach verschwand Simon und lebte eine Weile in Indien.

Den Markennamen Zarathustra und das Design des S4 hatte mein Nachfolger Simon abgerungen. Als Simon nach Europa zurückkehrte, blieb ihm nichts anderes übrig, als seine nachfolgenden Laufwerke einfach “Simon Yorke” zu benennen und mit einem neuen Design zu versehen.

Zarathustra S4 Lagerachse

Demontage des Laufwerks.

Haben wir den Tonarm vom S4 demontiert, entfernen wir den Antriebsriemen und heben den Plattenteller ab.

Doch Vorsicht!!!
Der Plattenteller klemmt dabei nämlich leicht die Lagerachse fest und dann zieht man sie mit nach oben, was gefährlich werden kann. 
Im Lager herrscht dann nämlich ein ansteigender Unterdruck. Irgendwann wird der Unterdruck so stark, dass die Achse aus dem Plattenteller rutscht und wie ein Bolzen beim Gewehr dafür sorgt, dass die beiden Lagerkugeln aufeinander prallen. Möglicherweise überleben sie das (die Kugeln), aber wahrscheinlich ist, dass sie Beschädigungen im Kontaktbereich davon tragen, die den sauberen Lauf von da an stören.

Also besser:
Holen Sie sich Hilfe. Heben Sie den Plattenteller (fast 15 kg!) so waagerecht wie möglich an, ohne ihn zu verkannten. Lassen Sie die zweite Person auf die Mittelachse drücken, damit die unten bleibt. 

Zur Plattentellerauflage

Einen nicht geringen Teil seines klanglichen Erfolges hatten die ersten Zarathustra-Laufwerke der Record-Interface-Matte zu verdanken, die fest mit dem Plattenteller verklebt wurde. Die Produktion dieser Auflage wurde Ende der 1980-er eingestellt, nachdem alle Welt nur noch CD-Player kaufte. Es folgte eine lange Phase des Experimentierens. Alle nachfolgenden Auflagen hatten ihre Vor- und Nachteile und man konnte mit ihnen die Stimmung der Musik beeinflussen. An die Neutralität und klangliche Bandbreite der Record-Interface-Matte kam jedoch keine andere Auflage heran.

Es geht weiter.

Ist der Plattenteller entfernt und liegt er auf einer weichen Unterlage, kann man nun die Lagerachse mit leichten Drehbewegungen langsam (!) aus dem Lager heben.

 

Zarathustra S4 demontiertes Lager
Zarathustra S4 Teflonfläche

Hinweis:
Geht das sehr leicht oder gibt es bei Ihnen gar keinen Unterdruck im Lager, dann stimmt was nicht mit dem Lager. Im besten Fall hatten Sie einfach nur zu wenig Öl im Lager. Dann muss man hoffen, dass es nicht all zu lange trocken gelaufen ist und die Achse keinen Schaden genommen hat.

Kommen Sie aber bitte nicht auf die Idee, die Achse schleifen und polieren zu lassen. Dadurch würde sie zu dünn werden. Der Durchmesser der Achse ist genau berechnet und darf nicht kleiner werden.

Im Lager wurden gelöcherte Teflonflächen eingeklebt (im Bild in gelb zu sehen). In diesen Löchern muss sich Öl sammeln können. Durch die Drehbewegung beim Spielen zieht die Achse (Stichwort: Oberflächenspannung) fortlaufend Öl mit sich und dieser Ölfilm liegt dann zwischen Achse und der Teflonschicht.
So muss es sein – aber dazu später noch mehr.

Zarathustra Lagerschlüssel

Lager demontieren

Um das Lager ausbauen zu können ohne den Gewindering zu beschädigen, benötigen Sie Spezialwerkzeug wie es auf dem Bild zu sehen ist. Ist das nicht vorhanden, suchen Sie sich zwei kurze Metallstäbe oder Schrauben, die genau in die beiden Löcher des Gewinderings passen. Sind sie zu dünn, dann stellen sie sich nur schräg und Sie können beim Aufdrehen abrutschen und sich verletzen. Nun legen Sie einen langen Gegenstand wie z.B. einen Kochlöffel zwischen die beiden kurzen Stäbe, benutzen ihn als Hebel und drehen den Gewindering ab. Danach kann man das Lager nach unten entfernen.

Zarathustra S4 Tonarm-Gegengewicht

Ausgleichsgewicht demontieren

Mit einem passenden Innensechskantschlüssel schrauben wir jetzt das Tonarm-Ausgleichsgewicht ab. Dieses ist grundsätzlich ausgelegt für mittelschwere bis schwere Tonarme. Sollten Sie einen leichten Tonarm verwenden wollen, brauchen Sie sich aber auch keine Sorgen zu machen. Das funktioniert auch mit dem gleichen Gewicht. Eventuell werden Sie später nur an dem Fuß vorne links ein paar Distanzscheiben mehr unterlegen müssen.

Tipp:
Wollen Sie das volle Klangpotential eines Zarathustra-Laufwerks ausschöpfen, sollten Sie bei einem schweren oder mittelschweren Arm bleiben. Ein Zarathustra kann durch eine fulminante, abgrundtiefe und rabenschwarze Basswiedergabe überzeugen, ohne sich dabei im Hochtonbereich limitierend auszuwirken. Eine übertrieben analog wirkende Wiedergabe mit “Hamilton-Effekten” ist nicht sein Ding. 

Zarathustra S4 Terminals

Terminals demontieren

Nun brauchen wir einen kleinen langen Innensechskantschlüssel, um von unten die Befestigungsschrauben der Terminals lösen zu können. Sind sie gelöst, lassen sich die Terminals einfach von den Achsen abziehen.

Zarathustra S4 Subchassis mit demontierten Terminals

Kontrolle des Subchassis

Nun sind alle Bauteile vom Subchassis entfernt die wir abbauen können. Die drei seitlich aus dem Chassis ragenden Stangen sollten wir auf keinen Fall entfernen, sondern lediglich daraufhin überprüfen, ob sie auch noch wirklich fest im Chassis stecken oder ob sie wackeln.
Haben wir uns von ihrem festen Sitz überzeugt, können wir uns mit der Reinigung und der nachfolgenden Montage des Laufwerks befassen.

Baby-Öl zur Reinigung und Pflege

Womit sollte ich die Teile reinigen?

Eigentlich reicht es aus den Staub abzuwischen. Hat sich Nikotin oder anderes auf der Oberfläche abgesetzt, verwende ich zur Reinigung und zur Pflege der Oberflächen handelsübliches Babyöl. Einfach deshalb, weil man die glasgestrahlten Oberflächen damit wunderbar sauber bekommt und das Öl nebenbei auch noch angenehm riecht.

Zarathustra Original Subchassis-Oberfläche

Das Subchassis …

besteht aus mehreren Schichten Zitronenholz.

Was hier jetzt fast nach Voodoo klingt und manche mögen sich auch schon wieder vorstellen, dass es sich dabei um speziell geweihte Bäume handelt, die von Jungfrauen in einer Vollmondnacht … ach lassen wir das.
Dieses Zitronenholz ist nicht wirklich etwas besonderes – wir können es am besten mit gewöhnlichem Sperrholz vergleichen. Wichtig für das Klang-Ergebnis ist nur, dass die Oberfläche gebeizt und nicht gespachtelt und lackiert wurde.

Sicher – so ein offenporig gebeiztes Chassis wirkt optisch nicht sonderlich edel. Man kann schon verstehen, dass designorientierte Mitmenschen den Wunsch verspürt haben, die Oberfläche mit einem deckenden Metallic-Lack zu versehen. Klanglich jedoch kommt das einer Manipulation, manchmal sogar einer Zerstörung gleich.

Das größte Problem besteht darin, dass Sie bei den lackierten Chassis nicht herausfinden können was Sie da genau besitzen, ohne es zu beschädigen. Was verbirgt sich also hinter dieser schönen Fassade? Ist es ein noch soeben gut klingendes Subchassis oder ist es völlig indiskutabel?
Nun gut – dieses Subchassis hier ist ein Original wie sich das gehört. Zur Reinigung und Pflege wische ich es ebenfalls mit ein paar Tropfen Baby-Öl sauber und mit einem neuen Lappen wieder trocken.

Zarathustra S4 Dreieck Bestandteile

Metallteile reinigen

Bei den Metallteilen handelt es sich überwiegend um Edelstahl, der glasgestrahlt wurde. Das kann nicht rosten und das sieht gut aus. Wenn Sie doch so etwas wie Rostflecken entdecken, dann handelt es sich dabei um Flüssigkeiten, die auf dem Stahl getrocknet sind. Auch die lassen sich mit dem Baby-Öl einfach wegwischen.

Zarathustra S4 Lager

Das alte Öl aus dem Lager entfernen.

Hierzu verwenden wir einfach Papier-Küchentücher. Drehen Sie eine Ecke zu einer Rolle und schieben Sie das Papier drehend in das Lager. Beim ersten mal wird es sich ziemlich stark voll Öl saugen und Sie werden erschreckt darüber sein, wie schmutzig das ist.
Nach und nach werden die Küchentücher aber immer sauberer das Lager verlassen.

Die untere Lagerkugel begutachten.

Drehen Sie das Lager um und prüfen Sie, ob die Kugel heraus fällt oder ob sie sich mit einer langen Pinzette lösen lässt. Wenn ja, holen Sie sie heraus und prüfen Sie die Kugel auf plattgeschliffene Stellen. Ansonsten leuchten Sie mit einer Taschenlampe in das Lager und versuchen Sie auf diesem Weg die Kugel zu begutachten. Haben Sie den Verdacht, dass die untere Kugel nicht mehr in Ordnung ist, geben Sie mit einem Schraubenzieher und einem kleinen Hämmerchen ein-zwei kurze, harte Schläge auf die Kugel. Dabei muss sie sich lösen und Sie können sie herausnehmen.

Sollte die Kugel tatsächlich eine plattgeschliffene Stelle haben und Sie keinen Ersatz beschaffen können, dann achten Sie einfach beim Einsetzen darauf, dass die platte Stelle nicht wieder genau oben zu liegen kommt.

Wer sicher gehen will, dass die Kugel sich später nicht verschieben oder verdrehen kann, der kann jetzt einen winzigen (!!) Tropfen Superkleber auf die Kugel geben und sie damit unten im Lager verkleben. Dazu benötigen Sie eine lange Pinzette, die bis hinunter in das Lager reicht.

Zarathustra S4 Lagerkugel an der Lagerachse

Die Kugel an der Achse prüfen

Ist sie in Ordnung, prüfen und reinigen wir die Achse selbst mit Autosol oder ähnlichem.
(Aber unbedingt hinterher mit Babyöl sämtliche Autosol-Rückstände entfernen!!!)

Die Achse selbst darf leichte Riefen aufweisen. Die kommen davon, dass die Achse in der gelöcherten Teflonschicht läuft und mit der Zeit selbst bei bester Ölung einfach ein paar „Laufspuren“ entstehen. Das ist in der Regel ohne Bedeutung. So lange Sie die Riefen nicht deutlich mit dem Finger spüren können brauchen Sie sich nicht zu sorgen.

Hinweis:
Füllen Sie jetzt noch nicht wieder das Öl in das Lager, das kommt erst viel später!

Zarathustra S4 Anziehen des Lagers

Die Montage

Wir beginnen die Montage damit, das Lager ohne Achse und ohne Öl in des Subchassis zu schrauben. Ohne Öl deshalb, weil wir das Subchassis noch mehrmals kopfüber halten müssen und das Öl dann immer wieder herauslaufen würde.
Legen Sie die große Unterlegscheibe über das Gewinde und drehen Sie dann den Gewindering fest. Benutzen Sie dazu das Spezialwerkzeug oder wie oben beschrieben den Kochlöffel und die beiden kurzen Stangen/Schrauben.

Ziehen Sie den Ring ruhig ordentlich fest, denn es klemmt das Holzchassis ein und dieses Material arbeitet je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit. “Ordentlich fest” ist gut. Auf gar keinen Fall darf das Lager wackeln oder durchrutschen wenn Sie versuchen, es mit der Hand zu drehen. Das Lager muss mit dem Chassis zu einer Resonanz-Einheit verschmelzen – das ist ganz wichtig für den Resonanz-Kreislauf – dazu später mehr.

Zarathustra S4 Montage Terminal 1
Zarathustra S4 Montage Terminal 2
Zarathustra S4 Montage Terminal 3
Zarathustra S4 Terminalbefestigung

Nun legen wir das Subchassis mit der Oberseite nach unten auf den Tisch und stecken die drei Terminals so auf die drei Achsen, dass wir an die Innensechskantschrauben heran kommen.
Welches Terminal Sie auf welche Achse schieben, ist dabei vollkommen egal – sie sind alle gleich.

Extrem wichtig ist allerdings der richtige Abstand zum Lager. Hierzu benutzen wir das zweite Spezialwerkzeug von Simon Yorke – eine Holzschablone, die man sich auch selber erstellen kann.
Wir beginnen mit einem Terminal und machen nach Belieben weiter – eine festgelegte Reihenfolge gibt es nicht.

Der korrekte Abstand zwischen Lager und Terminal ist für den Klang des Laufwerks von entscheidender Bedeutung.

Stimmt der Abstand dieser Terminals zum Lager hin, ergibt sich ein ausgeklügeltes Schwingverhalten der gesamten Konstruktion. Das Gewicht vom Plattenteller hat sich nicht einfach „so ergeben“ und bei den gewählten Federn hat man nicht etwa einfach genommen „was da war“. Alles ist Teil einer komplizierten Berechnung, die schon optisch wunderbar funktioniert.

Wer bei einem korrekt montierten Zarathustra nämlich leicht (!) auf die Mittelachse des Lagers drückt, der kann beobachten, wie die gesamte Subchassis-Konstruktion „pumpt“ als würde das Subchassis an Stangen geführt. Da wackelt nichts hin und her, da verdreht sich nichts und da taumelt auch nichts.

Der Takt in dem das Chassis pumpt liegt bei exakt 3,2 Hz. Auch dieser Wert ist das Ergebnis einer speziellen Formel, mit der Simon Yorke es verhindern wollte, dass die Resonanz des Eigenschwingverhaltens sich auf das Klangergebnis auswirken kann.

Die Idee geht aber eben nur auf, wenn man ein S4 exakt so aufbaut, wie es Simon Yorke festgelegt hat.

Zarathustra S4 Terminal
Zarathustra S4 Montage des Dreieckgestänges

Weiterer Aufbau – das Dreieck-Gestänge

Achten Sie beim Festschrauben der Innensechskantschrauben in den Terminals darauf, dass die Terminals flach auf dem glatten Untergrund liegen und sich nicht verkantet haben.

Nun können Sie das zuvor demontierte und mit Baby-Öl gereinigte Dreiecksgestänge wieder zusammenstecken und die drei Füße in die Terminals stellen. Achten Sie darauf, dass das Zarathustra-Zeichen später auch nach vorne zeigt.

Die ersten Dreiecke bestanden aus drei Stangen und das Zarathustra-Zeichen konnte man frei verschieben. Später bestand die vordere Seite (mit dem Zeichen) aus zwei kurzen Stangen. Hierdurch war noch etwas mehr Flexibilität zu erreichen. 

Zarathustra S4 Ausrichten der Terminals
Zarathustra S4 Sitz der Terminals

Die Füße

Die Füße des Dreiecks haben jeweils zwei Löcher für die Stangen und zwei Schrauben zur Fixierung der Stangen. Die jetzt zu bewältigende Aufgabe liegt darin, die Stangen so zu verschieben, dass sie in jeden Fuss ausreichend weit eingeschoben sind, damit sie von der Halteschraube auch erfasst werden und die Füße dabei so auszurichten, dass sie exakt über den Terminals schweben. Das kann eine Weile dauern und ein Helfer ist dabei mal wieder gut brauchbar.

Geben Sie nicht auf, bevor sich die drei Füße nicht wirklich absolut korrekt über den Terminals befinden. Wer hier schludert, der muss sich später nicht darüber wundern, wenn es nicht klingt oder das Laufwerk „schief“ aussieht.

Zarathustra S4 Tonarmausgleichsgewicht
Zarathustra S4 Fuß mit Gummiring

Tonarm-Ausgleichsgewicht wieder anschrauben

Haben wir auch das Ausgleichsgewicht gereinigt, dann können wir es jetzt wieder anschrauben. Das ist keine komplizierte Aufgabe, denn es gibt kein Langloch und so kommt das Gewicht wieder genau an die Stelle, an die es gehört. Wir nehmen einfach das Dreieckgestänge ab und schrauben das Gegengewicht an.

Lagerachse und Plattenteller montieren

Ist das gelungen, können wir das Dreieck auf den Tisch stellen, das Subchassis umdrehen und auf das Dreieck stellen.

Hierfür ist es von Vorteil, wenn man drei große, dicke Gummiringe hat, die man über die Füße schieben kann. 
Wer die passenden Gummiringe nicht zur Verfügung hat, der kann sich einfach drei Bierdeckel besorgen und das Subchassis mit den Terminals direkt auf die Bierdeckel stellen. Das Dreieck braucht man dann erst mal noch nicht.

Pluto Audio Lageröl

Welches Öl gehört in das Lager?

Zwar verfüge ich über ausgezeichnetes Lageröl von Pluto Audio, aber – ich mache mir da eigentlich gar keinen großen Kopf drum.
Weder die exakte Viskosität noch die Temperatur des Öls spielen bei einem Zarathustra-Lager eine entscheidende Rolle. Es darf natürlich nicht extrem zäh sein, denn dann bremst es den Teller und belastet den Motor unnötig. Es darf auch nicht verharzen.
Manche schwören auf Nähmaschinenöl, andere auf Ballistol und wieder andere auf Motoröle vom Auto. 

Ich sage mir:  Ein Öl, was extreme Temperaturen übersteht und über tausende von Kilometern die beweglichen Teile eines Automotors ausreichend schmiert, dass wird die Belastungen in einem Plattentellerlager ganz sicher auch heile überstehen und seine Aufgabe mit Bravour erfüllen. Oder sehen Sie das anders?

Klanglich habe ich jedenfalls zwischen verschiedenen Ölen nie Unterschiede feststellen können. Auch nicht mit viel Einbildungskraft. Aber das mag bei anderen Plattenspielern und Lagerkonstruktionen anders sein.

 

Zarathustra S4 Lagerachse
Zarathustra S4 zu viel Lageröl
Zarathustra S4 Lagerölmenge korrekt

Und die Menge?

Hier gibt es keine Mengenangabe, nur eine einfach Methode.
Ich habe da so eine Pipette, die ich zwei mal mit Öl fülle und die ich dann in das Lager entleere. Diese Menge ist ein wenig zu viel – was ich weiß.
Nun lasse ich die Achse in das Lager gleiten. Ist die Achse weit genug eingesunken, so dass nicht mehr die Gefahr besteht, ich könnte die Achse verkanten, drücke ich ein klein wenig nach und drehe die Achse dabei.

Immer wieder beobachte ich den Spalt zwischen Lager und Achse.

Irgendwann sieht man, wie die absinkende Achse Öl oben aus dem Lager drückt.

Alles Öl, was oben herausgedrückt wird, ist zu viel. Mit einem gefalteten Küchentuch gehe ich jetzt in den Spalt zwischen Achse und Lager und das Küchenpapier saugt das überschüssige Öl auf. Nach und nach sinkt die Achse tiefer und immer wieder führe ich ein neues Stück Papier in den Spalt. Irgendwann ist es dann so weit, dass die Achse nicht mehr weiter sacken kann. Ein leichtes Klopfen auf die Achse bestätigt uns dann, dass jetzt Kugel auf Kugel liegt.

Noch ein letztes mal entferne ich das überschüssige Öl und das war es dann

Im Lager steht das Öl jetzt bis zum oberen Rand. Die Löcher in der Teflonschicht haben sich mit Öl gefüllt und genau so soll es sein.

Zarathustra S4 Kugel an der Lagerachse

Die Kugel am Ende der Lagerachse

Simon hat diese Kugel immer nur mit ein wenig Fett in der Mulde der Achse befestigt. Hierbei bestand aber folgende Gefahr:

Im Öl löste sich das Fett auf und die Kugel wurde nur noch durch das Gewicht des Plattentellers daran gehindert, aus der “Mulde” heraus zu fallen.
Wollte man jetzt aber irgendwann einmal den Plattenteller abnehmen und hob man dabei die Lagerachse auch nur ein paar Millimeter an, fiel die Kugel aus der Mulde heraus und setzte sich seitlich neben die untere Kugel.

Wenn man jetzt den Plattenteller drehte, dann war ein deutliches “Rumpeln” zu vernehmen und zu spüren.

Daher habe ich es immer bevorzugt, auch die obere Kugel mit einem winzigen Tropfen Superkleber in der Achsmulde zu fixieren. Ein kleiner Schlag mit einem Messerrücken reicht später aus, um die Verbindung mal wieder lösen zu können, aber im Lager bleibt die Kugel wo sie hingehört.

 

 

Zarathustra S4 - fertig für die Tonarmmontage

So – wir sind (fast) fertig.

Wer jetzt den Plattenteller einmal per Hand in Rotation versetzt, der wird seine helle Freude daran haben, wie lange der Plattenteller nachdreht. So muss es sein!

Die Revision des Zarathustra S4 ist abgeschlossen und wir können uns im zweiten Teil des Berichts um den Pluto Audio 7A Prestige kümmern.

Die Federn des Laufwerks benötigen wir erst, wenn der Tonarm und auch der Tonabnehmer montiert sind. Das Ausrichten der Federn beschreibe ich hier deshalb zwar schon – aber bitte erledigen Sie das erst, wenn Tonarm und Tonabnehmer montiert und justiert wurden.

Zu den Federn:
Zu einem S4 gehören drei Federn und ein paar Unterlegscheiben aus Kunststoff zur Höhenjustage.
Wir entfernen die dicken Gummiringe (falls wir mit ihnen gearbeitet haben) und stülpen die drei Federn über jeweils ein Kunststoffteil der Füße. Nun stellen wir das Subchassis auf die drei Füße und stellen in der Regel noch zwei Dinge fest, die wir korrigieren müssen. Erstens sind die Spaltmaße zwischen den Füßen und den Terminals unterschiedlich (dadurch steht das Laufwerk nicht “im Wasser”) und zweitens stehen jetzt auf einmal die Terminals überhaupt nicht mehr exakt über den Füßen.

Erster Schritt – Plattenspieler in die Waage bringen. (Dabei kann man wieder eine zweite Person gut gebrauchen)
Hierzu ist es zunächst wichtig, dass das Dreiecksgestänge auf einer waagerechten Ebene steht. Befindet es sich “im Wasser” müssen wir nur noch mit den Unterlegscheiben dafür sorgen, dass die drei Spaltmaße der Terminals zu den Füßen hin exakt gleich sind.
Ich verwende dazu einfach einen Post-it-Block. Zunächst ermittle ich die Menge Zettel, die in das größte Spaltmaß (Referenzmaß) passen. Dann hebe ich die Terminals mit dem kleineren Spaltmaß gemeinsam mit der Feder darunter an und lege Unterlegscheiben um den schwarzen Kunststoff-Fuß. Und zwar so lange, bis die gleiche Menge an Zetteln in den Spalt passt. Manchmal wird dadurch das ermittelte Referenzmaß etwas geringer, weil dieses Terminal durch das Ausgleichen etwas absackt. Dann entfernt man ein paar Zettel und wiederholt die Prozedur. Am Ende kann man dann noch eine Phono-Wasserwaage auf den Plattenteller legen und prüfen, ob das Subchassis tatsächlich korrekt ausgerichtet ist. 
Priorität hat dabei, dass der Plattenteller genau im Wasser steht. Sollte das nur erreichbar sein, indem die Spaltmaße voneinander leicht abweichen, so können wir das getrost tolerieren.

Zweiter Schritt – Terminals exakt über die Füße bringen.
Bei diesem Schritt handelt es sich keineswegs (!!) nur um eine Handlung zur Steigerung der Ästhetik. Die Federn sind so geformt, dass die Terminals in eine bestimmte Richtung gedrückt werden, weshalb sie eben meistens nicht auf Anhieb exakt über den Füßen stehen. Wir heben jetzt die Terminals der Reihe nach an und verdrehen die Federn. Irgendwann erreichen die Federn eine Position, bei der sie die Terminals nicht mehr seitlich verschieben, sondern einen Druck genau zur Mitte oder nach außen des Plattenspielers ausüben und sich dadurch gegenseitig aufheben.
Ergebnis: Die Terminals stehen nun exakt über den Füßen. Wichtiger ist dabei, dass die Federn jetzt alle genau zur Mitte des Plattentellerlagers drücken oder alle genau vom Lager weg zeigen. Beides ist in Ordnung, denn es soll ja nur verhindert werden, dass die Federn einen seitlichen Druck auf die Terminals ausüben. Der würde nämlich dafür sorgen, dass das Subchassis taumelt, statt zu “pumpen”.
Zugegeben – man benötigt ein klein wenig Geduld, um alle drei Federn exakt auszurichten, aber ich glaube, dass man die gerne aufbringen wird, wenn man doch jetzt weiß, wieso man das tun sollte.

Doch wie bereits geschrieben – bevor wir die Federn ausrichten können, ist zunächst der Tonarm zu montieren und der Tonabnehmer zu justieren.
Lesen Sie dazu bitte den zweiten Teil des Berichts.

Zum zweiten Teil wechseln (Pluto Audio 7A Prestige)

Ach ja – ich hatte Ihnen ja noch versprochen, etwas über meine Theorie des Resonanzkreislaufs zu schreiben. Das mache ich am besten  auch in einem getrennten Bericht.

Hier geht es zum Bericht Resonanzkreislauf beim Plattenspieler. (Bitte klicken)

CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten?

CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten?

CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten?

CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten?

Im Beitrag „CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten?“ beschreibe ich meine Höreindrücke beim Vergleich dieser Formate und vielleicht helfe ich damit auch gleichzeitig die Frage zu beantworten, auf was man denn eigentlich achten muss, wenn man solche Hör-Vergleiche anstellen will.

Voraussetzung für einen solchen Vergleich =  Die selbe Musik.

ECM hat seinen kompletten Katalog endlich auch für die Streaming-Portale freigegeben.

Qobuz SQ

Qobuz-Grafik  MP3/CD/HRA

Aus meiner Sicht eine gute Entscheidung – für mehr Musik – für mehr Qualität – für mehr Anspruch.
Jetzt mag es Menschen geben, die mit dieser Aussage nicht viel anfangen können. Vielleicht, weil sie Jazz nicht sonderlich mögen.
Doch selbst der, der Jazz gar nicht mag und der, dem das Label ECM unbekannt ist – der wird vermutlich dennoch mindestens ein Album aus dessen Repertoire kennen und möglicherweise sogar selbst besitzen:

Keith Jarrett, „The Köln Concert“, 24. Januar 1975 in der Kölner Oper.

Keith_Jarrett_Koeln_Concert_Cover

Keith_Jarrett_Koeln_Concert_Cover

 

Es ist das meistverkaufte Album in der 25-jährigen Geschichte dieses Jazz-Labels.

Auf Grund einer grandiosen Aufnahmeleistung eignet sich dieses Album vorzüglich zur Bewertung der Komponenten-Qualität. Keith Jarrett improvisiert etwa eine Stunde lang auf einem Bösendorfer Stutzflügel, der eigentlich nur für die Proben genutzt werden sollte.
Diesem Instrument entlockt er Töne, die mit einem „normalen“ Klavierspiel nicht viel gemein haben.
Ob Sie einfach nur grundsätzliche Dinge prüfen möchten („eiert“ mein Plattenspieler?) oder ob Sie etwas über die High-End-Fähigkeiten Ihrer Anlage erfahren wollen – mit diesem Album erhalten Sie mehr Antworten – als Sie Fragen hatten.

 

Wer sich für weitere Hintergrundinformationen interessiert, findet sie z.B. auf Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Köln_Concert

Zu den Formaten:

CD
Die Datei auf der CD liefert uns eine Auflösung von 16 Bit bei 44,1 kHz (Samplebreite zu Samplerate)

Streaming
Viele Dateien auf den Musik-Portalen bieten uns lediglich die gleichen Werte wie wir sie auf der CD finden.
High-Resolution-Audio-Dateien beglücken uns zumindest schon mal mit einer Samplebreite von 24 Bit. Die Samplerate reicht dabei von 44,1 kHz bis hinauf zu 192 kHz. Die meisten guten Aufnahmen liegen bei 96 kHz.

Qobuz (24/96/2500Mbps)
Dieses Musik-Portal liefert mir die Jarrett-Aufnahme im 24 Bit, 96 kHz-FLAC-Format. Beim Streamen fließen laut Lightning DS etwa 2300 bis 2600 Megabit pro Sekunde (Mbps).
Mit einem Sublime+-Abo kann ich sie über den Auralic-Altair direkt in dieser Auflösung streamen, ohne noch etwas dafür zusätzlich bezahlen zu müssen.
Besitze ich „nur“ ein Sublime-Abo, also ohne Plus, oder ein monatlich zu zahlendes Abo, streame ich maximal in 16/44.1. Um es dann dennoch in maximaler Auflösung anhören zu können, müsste ich den Titel käuflich erwerben.

Kann ich auch einfach „schlechter“ hören, wenn ich das mal ausprobieren möchte?
Will ich mit einem Sublime+-Abo testweise eine niedrigere Auflösung anhören, muss ich nur die maximale Qualität in meinem Qobuz-Account herabsetzen. Das geht herunter bis auf MP3-Qualität (eigentlich für das mobile Hören gedacht).

Qobuz Account-Einstellungen

Qobuz Account-Einstellungen

BTW:
Haben Sie mal kontrolliert, auf welchen Wert Sie das in Ihrem Account eingestellt haben?
Sie wären nicht der Erste, der für ein MP3-Abo 20,- € im Monat zahlt.  🙂

 

 

 

 

 

Tidal (16/44.1/600 Kbps) und (24/96/1400Mbps, MQA)
Tidal bietet mir dieses Album gleich in zwei Versionen an.
Zum einen handelt es sich um die 16/44.1-er FLAC-Version, die bei mir mit 500-700 Kilobit pro Sekunde (Kbps) gestreamt wird und zum anderen um die MQA-Datei, die dann in 24/96 daher kommt und mit 1200 bis 1600 Mbps gestreamt wird.
Eine reine 24/96 FLAC (also ohne MQA) gibt es bei Tidal leider nicht. Die niedrigere Streamingrate resultiert daraus, dass eine MQA-Datei komprimiert ist.

Hinweis zu den Daten:
Sie können erkennen, dass sich hier
500 Kbps (= 500.000 Bit) und
2.600 Mbps (=2.600.000.000 Bit)
gegenüber stehen.
Einige „Strippenzieher“ möchten uns aus finanziellen Interessen heraus gerne davon überzeugen, dass wir Menschen nicht in der Lage sind, einen Unterschied zwischen diesen Formaten zu hören.
„Es bedarf jahrelanger, professioneller Arbeit in einem Tonstudio, um …“ 
heißt es da immer wieder.
Ich sage:  Bullshit!
Jeder von uns kann das hören! Lassen Sie sich nicht länger für blöd und taub verkaufen!
Man muss es und man kann es lernen! Innerhalb von Minuten!
Es ist nicht die Fähigkeit zu hören – die uns Menschen unterscheidet.
Es ist das, was zwischen den Ohren passiert!

Letztens bei einer Whiskey-Verkostung.
Der Redner erklärt, dass man Whiskey nicht mit Eis trinken darf. Erst wenn der Whiskey leicht angewärmt ist, kann man alle seine Aromen herausschmecken und auch erst dann feststellen, wie gut er ist. „Kalt – schmeckt jeder Whiskey gut!“ unterstreicht er seine Ausführungen.
Mein Nebenmann:  „Mann, hab ich ein Glück! Ich trinke Whiskey am liebsten auf Eis. Da kann ich mir ja gleich 3 Flaschen Billigen mitnehmen und muss keinen Teuren kaufen.“
Genau das ist es, was uns voneinander unterscheidet, oder? 🙂

Nun zum Hörvergleich.

Den Unterschied zwischen LP und CD führen wir bereits seit Jahrzehnten vor.
Zwischen den beiden High-Res-Audio-Dateien erwarte ich ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen.

Wiedergabekette:

Ich wähle den Auralic Altair als Quellgerät mit PADIS-Sicherung und besserem Stromkabel.
Dahinter folgt eine komplette Kette von Progressive Audio (A901, Extreme III passiv und Kabel).
Sie wähle ich, weil ich Unterschiede hören will und da kann ich eine Anlage, die immer nur nach „sich selber“ klingt, nicht gebrauchen.

Ich schnappe mir mein iPAD, starte die Lightning-App und suche Keith Jarretts Köln-Concert.

Zunächst auf Qobuz.  (24/96-er FLAC.)
Das Lachen der Zuschauer am Anfang der Aufnahme ist klar und deutlich zu hören und wird auch von der Raumpositionierung her glaubhaft dargestellt.
Die ersten Klaviertöne erscheinen mir aber gleich ein wenig härter als gewohnt. Nicht viel, aber sie haben mehr „Schmackes“.
Die tiefen Töne versöhnen mich, aber ich stelle fest, dass dies insgesamt eine sehr direkte, offene, dynamische Wiedergabe ist und befürchte, dass sie mir auf Dauer zu direkt und ungestüm sein könnte.
Ich weiß, dass es sich nicht um einen großen Bösendorfer gehandelt hat, aber hier wirkt das Instrument sogar noch ein wenig kleiner als man einen Stutzflügel so kennt.
Es klingt fast mehr nach Klavier als nach Flügel.
Was mich dagegen sofort beeindruckt, ist diese absolute Präzision, mit der selbst rasant gespielte Tonfolgen immer noch klar und sauber aus einzelnen Tönen bestehen.
Hier gibt es keinen nervigen, überanalytischen Sound und hier gibt es keinen dicken, fetten Klangteppich, hier gibt es Töne, die an unterschiedlichen Stellen im Raum entstehen und alle zusammen ein Klavier ergeben.
Ich merke mir:  Schnell, präzise, direkt, sauber.

Ich wechsle nach Tidal zur 16/44.1-er Version
Im ersten Moment glaube ich, dass mir das tonal besser gefällt. Es wirkt irgendwie runder, harmonischer, gefälliger.

A/B-Vergleiche

Genau das ist der Grund, weshalb A/B-Vergleiche nichts taugen. Beim schnellen Umschalten komme ich jedes mal wieder in eine neue Klangwelt – die erst einmal anders ist. Im Vergleich besser oder schlechter – aber eben nur im Vergleich. Verbleibe ich eine Weile in dieser Klangwelt, ändert sich das schnell. Was auf Anhieb gut war – ist später möglicherweise schlecht und umgekehrt. So etwas bekomme ich aber nur heraus, wenn ich eine Weile in einer Klangwelt verbleibe.
Deshalb merken Sie sich bitte:  A/B-Vergleiche taugen nichts – sind keine Hilfe, sondern betrügen uns!

Auch hier ist es so. Sofort nach dem Umschalten hätte ich diese Wiedergabe als deutlich besser bezeichnet, plötzlich entdecke ich Unsauberkeiten. Da, wo man gerade bei der Qobuz-Aufnahme wunderbar schnell gespielte Einzeltöne hören konnte, gibt es hier nur so ein verwaschenes Gleiten. Unserem Ohr mag das besser gefallen, aber die Spielfertigkeit des Künstlers geht verloren; sein Können wird hier geradezu mit Füßen getreten.
Auch die Klangfarbe des Klaviers insgesamt ist dumpfer. Nein, eben nicht sonorer!
Und sie ist nerviger, gar nicht mehr „schön“.
Dieser Bösendorfer klingt jetzt – nach einigen Minuten – eher plärrig und gleichzeitig lahm.
Eigentlich müsste diese Version doch zumindest besser klingen als die CD, aber in meiner Erinnerung hat mir dann doch die CD irgendwie besser gefallen. Glaube ich.
Ich merke mir: Lahm, verhangen, plärrig, lustlos, verwaschen.

Ich beende das hier jetzt und wechsle zur MQA-Version.

MQA

MQA

Zu MQA muss man folgendes wissen:
Zu Beginn haben die Macher von MQA geglaubt, sie hätten mit ihrem Lizenzierungsmodell eine Geld-Druck-Maschine erfunden. Aufnehmen und Abspielen, ohne an MQA zu bezahlen, wäre kaum noch möglich gewesen.
Dann wurde aber die Kritik immer unüberhörbarer und die Aussage „lossless“ (also verlustfrei) musste auch noch zurückgenommen werden.
Heute ist MQA aus meiner Sicht nur ein weiteres digitales Format und ob es die Musik verbessern und nicht nur verändern kann, das muss sich in der Praxis erst noch zeigen.

 

Auralic Altair silbern

Auralic Altair

Einen Auralic-Altair kann man derzeit auf zwei Weisen auf die MQA-Dekodierung abstimmen. Eine Lizenzierung hat bisher nicht stattgefunden.
Entweder nutzt man eine von Auralic entwickelte Dekodierung, oder man schaltet ihn auf „Durchgang“. Dann dekodiert er gar nichts, sondern leitet die gestreamte Original-MQA-Datei an einen DAC weiter, der dann die MQA-Informationen zu dekodieren hat.
Einstellen kann man das alles in der Weboberfläche des Altair. Hierzu muss man die IP-Adresse des Altair in den Browser eingeben.

Ich verwende bei meinem Test die Auralic-Dekodierung, schon deshalb, weil ich keinen DAC mit MQA-Dekodierung besitze.

 

So – Durchgang drei – ich starte die MQA-Datei.

Zweifelsfrei handelt es sich hier gerade um die druckvollste und voluminöseste Wiedergabe, die ich heute gehört habe.
Der Bösendorfer hat mindestens 20 Kilo mehr Holz aufgelegt und das Instrument ist um gut einen Meter gewachsen – in jede Richtung. Hier höre ich gerade definitiv keinen Stutzflügel mehr!
Das gefällt mir, irgendwie.
Was mir gar nicht gefällt sind die Artefakte in manchen lauten und hohen Tönen.
Alles, was Keiths linke Hand macht, gefällt mir wirklich hervorragend, aber manche Töne, die seine rechte Hand erzeugt, die gefallen mir gar nicht.
Es wirkt, als würden manche Töne von einer Glaswand reflektiert, man kann das nicht richtig definieren, weil es so unsauber dargestellt wird.
So lange Keith diese Töne nicht spielt, gefällt mir die Wiedergabe ausgezeichnet – sie kommt in meiner Erinnerung dem analogen Klangbild sehr nahe – aber diese seltsamen Töne machen doch vieles kaputt.
Ich merke mir:  Hervorragend, fast analog, mit manchen Tönen offensichtlich überfordert.

Ich wechsle wieder zur Qobuz-Aufnahme.
Sofort ist das Instrument wieder kleiner, hat weniger Holz.
Dafür ist die Genauigkeit, die Schnelligkeit, die Perfektion, mit der Keith spielt, geradezu grandios.
Ich frage mich nun, ob es mir im zweiten Durchgang gelingen wird, mich emotional in diese Musik hinein zu finden, in sie hinein tauchen zu können, mit Keith Jarrett einen „Seelen-Kontakt“ aufnehmen zu können.

Doch dazu bin ich im Moment noch nicht bereit – bin noch zu unruhig, neugierig und ich will erst noch einmal alle Versionen erneut hören.

Wieder läuft die 16/44.1-er Version.
Aber nicht lange.
Hat man etwas besseres gehört, darf man das schlechtere nicht wieder einschalten. Nicht am gleichen Tag.
Ich wechsle wieder zur MQA-Version und auch hier bestätigen sich die Fakten, die ich mir notiert hatte.

Also gut – beginne ich eben hier den zweiten Durchgang und teste, wie ich mich wohl emotional in die Aufnahme hineindenken kann.

Üblicherweise brauche ich so 3-4 Minuten, um mit diesem Titel zu „verschmelzen“.
Das will mir gerade nicht so richtig gelingen. Wie gesagt, die tieferen Töne gefallen mir ausgezeichnet gut. Der Mensch liebt tiefe, volle, sonore Töne und auch ich bin ein Mensch.

Aber das reicht nicht, um mich von den zum Teil fast schrecklich klingenden hohen Tönen abzulenken. Die sind einfach nicht sauber, überschlagen sich und wirken künstlich angehoben.
Ich frage mich die ganze Zeit, was das sein soll, was da gespielt wird und finde es nicht heraus.

Diese Töne wirken auf mich wie eine Film-Panne. Eine durchs Bild laufende Person, ein Mikro, das von oben ins Bild ragt oder ähnliches.  Die Szene ist kaputt.

Dann höre ich plötzlich (etwa bei 3:50) zwei Töne, die mir bis dahin noch nie aufgefallen waren. Hier hört man sie aber jetzt klar und deutlich-  wie zwei einzelne, absichtlich gespielte Töne. Zwei Töne aber, die irgendwie überhaupt nicht zu den gespielten Mustern passen wollen. Weder zu dem tiefen Muster noch zu dem hohen Thema. Sind dem Keith Jarrett da etwa zwei „Improvisations-Ausreisser“ unterlaufen?

Doch ich entdecke immer mehr dieser seltsamen Töne.

Es scheint auf einmal so, als spielte Keith Jarrett drei Themen parallel. Eines mit tiefen, eines mit hohen und ein drittes mit mittleren Tönen. Drei Themen, die zwar deutlich zu hören und voneinander zu trennen sind, was ja bedeuten würde, dass diese MQA-Datei „neue Klangwelten“ eröffnen würde, aber die drei Themen scheinen nicht zusammen zu gehören, keine Einheit zu bilden.

Ich beende den Durchgang etwa nach 6 Minuten und denke mir – irgendwie toll, was da jemand aus dieser Aufnahme gemacht hat. Und mit „gemacht“ meine ich, dass hier jemand Hand angelegt hat. Er hat die Aufnahme so verändert, dass sie mehr dem Geschmack der Menschen – inklusive meinem – entspricht, ohne sie „schlechter” zu machen.
Aber irgendwie hat er sie trotzdem verhunzt.
Es ist wirklich seltsam.
Die MQA-Version ist mir deutlich lieber als die 16/44.1-Version – ganz sicher, aber ich frage mich gerade, ob ich mir die Platte damals gekauft hätte, wenn sie von Anfang an so geklungen hätte.

Auralic dekodiert – wie bereits geschrieben – die MQA-Version auf eine eigene Weise. Liegt es jetzt an MQA oder an Auralic, dass mir das Ergebnis nicht so richtig gefällt?
Ich kann es zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.

Jetzt wechsle ich noch einmal zur Qobuz-Version.

Nach etwa drei Minuten bin ich mittendrin in diesem Stück.
Mittlerweile habe ich mich mit dem Klangbild abgefunden und sitze nun direkt vor Keith Jarrett und dem Bösendorfer. Nein, nicht in der ersten Reihe – das Publikum sitzt nicht dort, wo ich sitze. Ich sitze dort, wo die beiden Neumann-Mikrofone gestanden haben und kann über das Klavier hinweg in das Publikum schauen.
Die hohen Töne sind rechts, die tiefen links – so wie der Pianist das erlebt. Nicht halbrechts und nicht halblinks – sondern rechts und links.

Jetzt muss gleich die Stelle mit diesen beiden nicht zuzuordnenden Tönen kommen – und sie kommt.
Aber die beiden Töne – genau wie alle anderen, die ich bei der MQA-Version als „seltsam“ empfunden habe, die höre ich und  – sie gehören da hin! Definitiv.
So wie hier, habe ich sie immer schon gehört. Ja, sicher kann man sie als drittes Thema bezeichnen – aber irgendwie auch wieder nicht. Hier bei der Qobuz-Version gibt es nicht wirklich drei Muster, sondern mehr tiefe, mittlere und hohe Töne, die aber alle zusammen eine Einheit bilden und zu einem mehrteiligen Thema werden.
Deshalb gelingt es mir hier, mit Keith Jarrett Kontakt aufzunehmen und ich glaube, das zu spüren, was Keith Jarrett gespürt hat.
Sieben Minuten sind vergangen und ich könnte unendlich lange so weiter hören.

An die vielleicht etwas zu präzise Wiedergabe habe ich mich gewöhnt, weil wirklich jeder Ton absolut sauber bleibt. Da gibt es keine seltsamen Töne, keine Artefakte, sondern nur sehr dynamisch gespielte Töne und andere weniger dynamisch gespielte Töne – alle schön so, wie sie klingen sollen.

Was wird passieren, wenn ich jetzt die CD starte?

Ich mache es.
Angeschlossen ist der CD2 von Progressive Audio. Wenn der nicht in der Lage ist, die CD den High-Res-Audio-Dateien näher zu bringen, wer dann?
Ich starte die CD und –
das Ergebnis ist wenig überraschend.

Zwischen der Qobuz-Version und der CD liegen Klangwelten.
Die 16/44.1-Version auf Tidal liegt gleichauf.
Und das ist schon ein großes Lob!
Nur wenige CDs sind in der Lage, gegen ihre „Zwillingsbrüder“ aus den Streaming-Portalen zu bestehen.

Jetzt bin ich doch auf die LP gespannt.

Foto von Schallplatte bunt

Fotolia_66183659 © michalchm89

Zum Plattenspieler:
Ich verwende mein „Ein und Alles“:
Das Laufwerk ist ein Zarathustra S4 von Simon Yorke. Auf ihm thront ein Pluto Audio 7A-Prestige. Ein Tonarm-Traum aus massivem Titan mit einer Gold-Innenverkabelung von Deskadel. Der Tonabnehmer ist ein Jan Allaerts MC2 Finish-Gold. Allerdings jüngst von Aalt van den Hul mit einem neuen Diamanten versehen und ein klein wenig „gepimpt“.
Jan Allaerts wird das sicher nicht gefallen, aber wer dieses System in dieser Version einmal gehört hat, der merkt schnell, dass diese Zusammenarbeit durchaus fruchtbar sein könnte.

Das Phonokabel ist ein Silver Arrows von Furutech und als Phonoteil dient ein Stromverstärker von Progressive Audio.

Der Tonarm senkt sich und die Musik beginnt zu spielen.
Was nun passiert – das kann man nicht erklären und nicht beschreiben.

Die MQA-Datei vermochte sich mit Volumen, Fülle und Körper an die Spitze zu setzen.
Bisher.

Flügel

Fotolia_72992691 © Thatiana Shepeleva

Hier und jetzt habe ich gerade den Eindruck, ich würde den Lack des Flügels sehen und könnte beobachten, wie sich das Publikum in ihm spiegelt.
Hier und jetzt höre ich nicht einfach nur mehr Holz, ich höre auch mehr Saiten, mehr Schwingungen, mehr Klangfarben, mehr Betonungen, mehr Spielarten, mehr Nuancen und mehr Unterschiede.
Keith Jarrett nimmt mich soeben zur Seite und zeigt mir, wie unterschiedlich man mit einem Finger auf eine Klaviertaste schlagen kann.

Jeder Tritt auf ein Pedal macht sich mit einem unüberhörbaren – ganz eigenen „Rumms“ bemerkbar und wird zu einem Teil des Klavierspielens. Man hört nicht nur einfach, dass Keith da auf ein Pedal getreten hat, man spürt jedes einzelne „Rumms“ körperlich.

 

Aus einem Klavier-Schüler ist gerade ein grandioser Pianist geworden. Aus einem „Nachspielen“ wurde eine Improvisation aus dem Stehgreif. Diese Art zu spielen erzeugt in mir eine große Anerkennung, fast so eine Art Demut und Dankbarkeit.

Hören wir noch mal auf diese lauten, hohen Töne, die mich beim MQA-Format so gestört haben. Bei der Qobuz-Version klingen die sauber – wie die anderen Töne auch.
Auf der Schallplatte hören wir nun, dass Keith Jarrett hier das Instrument an seine Leistungsgrenzen bringt.
Es handelt sich um Töne, die anscheinend irgend eine Eigenresonanz des Bösendorfers treffen. Das darf eigentlich nicht sein, bei einem so teuren Instrument und man scheint die Ursache dafür hören zu können, wieso Keith Jarrett auf diesem Klavier eigentlich nicht spielen wollte, aber bei der analogen Wiedergabe muss man nicht lange rätseln, was da passiert ist.
Die MQA-Aufnahme wird für mich durch ihre eigene „Interpretation“ zerstört.
Sicher wird das bei anderen, genügsameren Aufnahmen nicht der Fall sein.

Im Vergleich zur Qobuz-Aufnahme stelle ich fest, dass sie nicht präziser, nicht schneller und nicht analytischer ist als die analoge Aufnahme. Ihr fehlt es aber im direkten Vergleich an Körper und an Volumen. Genau das schenkt mir die Wiedergabe der Schallplatte gerade in Hülle und Fülle.
Und wenn man einer Aufnahme Volumen nimmt, dann wirkt sie einfach ein wenig „dünner“. Genau das ist bei der Qobuz-Aufnahme geschehen.

Je länger ich die Platte höre, umso nachdenklicher werde ich.
Werte – wir sprechen so gerne von Werten.
Was ich hier gerade höre, das gibt mir das Gefühl, etwas mit echtem Wert genießen zu dürfen.

Es bewegt mich und ich merke, dass ich das gerne mit jemandem teilen würde.
Ich hätte jetzt gerne jemanden hier, dem ich mit Stolz vorführen darf, was ich gerade erlebe.

Und wieder einmal hadere ich mit der Vergangenheit und frage mich:

Was wollen wir eigentlich? Was suchen wir eigentlich?

Etwas, was es vor 30 Jahren schon längst gegeben hat?
Kann das sein?
Dass wir uns im Jahr 2017 wie ein Kind darüber freuen, dass es jetzt endlich wieder fast so gut klingt wie es das 1983 bereits getan hat?

Ist es wahr, dass wir uns über dreißig Jahre lang auf eine Reise begeben haben, um den schönsten Platz der Welt zu finden, nun wieder zuhause sind und ihn genau dort finden?

Nun gut – ich will und ich muss fair sein:
Der von mir eingesetzte Plattenspieler samt Kabel und Phonoteil kommt auf einen Gegenwert von fast 30.000,- €. Der eingesetzte Streamer liegt bei nicht einmal 2.000,- €.

Man müsste also den Vergleich noch einmal vornehmen, wenn hier zum Beispiel die Auralic-G2-Serie angeschlossen ist. Oder man müsste mal einen Plattenspieler in der 2.000,- €-Klasse nutzen.

Oder, oder. oder …

Doch wozu?

Um doch nur wieder heraus zu finden, was wir alle wissen?

Schlussbemerkung

Wir befinden uns mitten in einem Wandel.
Der Digitalismus eröffnet uns Musikliebhabern Möglichkeiten, von denen wir vor wenigen Jahren nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Die neuen High-Res-Audio-Dateien, die wir aus Portalen wie Qobuz oder Tidal streamen können, die öffnen uns die Pforten zur Welt der Musik. Und das mittlerweile in einer Klangqualität, die selbst Profis und Nörgler gnädig stimmt.
Viele, die keinen sündhaft teuren Plattenspieler ihr Eigen nennen, werden die Qualität sogar höher einstufen als bei analog. Und man muss ihnen zustimmen.
MP3 ist ideal für das junge, moderne, mobile Hören. Analog ist immer noch das (!) Medium, für den Musikliebhaber mit sehr hohen Ansprüchen. Die CD ist zwischen die Fronten geraten. Ganze Generationen besitzen schon keinen einzigen Silberling mehr.
Ich freue mich, diese spannende und interessante Zeit miterleben zu dürfen, freue mich über die vielen Schallplatten, die ich noch besitze und freue mich über die Möglichkeiten des Streamens.
Meinen CD-Bestand reduziere ich gerade von rund 5.000 Stück auf etwa 100, die ich aus emotionalen Gründen nicht hergeben möchte.
Höre ich mich da gerade einen Silbermond-Song summen?  Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst …  🙂

 

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