CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten?

CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten?

CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten?

CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten?

Im Beitrag „CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten?“ beschreibe ich meine Höreindrücke beim Vergleich dieser Formate und vielleicht helfe ich damit auch gleichzeitig die Frage zu beantworten, auf was man denn eigentlich achten muss, wenn man solche Hör-Vergleiche anstellen will.

Voraussetzung für einen solchen Vergleich =  Die selbe Musik.

ECM hat seinen kompletten Katalog endlich auch für die Streaming-Portale freigegeben.

Qobuz SQ

Qobuz-Grafik  MP3/CD/HRA

Aus meiner Sicht eine gute Entscheidung – für mehr Musik – für mehr Qualität – für mehr Anspruch.
Jetzt mag es Menschen geben, die mit dieser Aussage nicht viel anfangen können. Vielleicht, weil sie Jazz nicht sonderlich mögen.
Doch selbst der, der Jazz gar nicht mag und der, dem das Label ECM unbekannt ist – der wird vermutlich dennoch mindestens ein Album aus dessen Repertoire kennen und möglicherweise sogar selbst besitzen:

Keith Jarrett, „The Köln Concert“, 24. Januar 1975 in der Kölner Oper.

Keith_Jarrett_Koeln_Concert_Cover

Keith_Jarrett_Koeln_Concert_Cover

 

Es ist das meistverkaufte Album in der 25-jährigen Geschichte dieses Jazz-Labels.

Auf Grund einer grandiosen Aufnahmeleistung eignet sich dieses Album vorzüglich zur Bewertung der Komponenten-Qualität. Keith Jarrett improvisiert etwa eine Stunde lang auf einem Bösendorfer Stutzflügel, der eigentlich nur für die Proben genutzt werden sollte.
Diesem Instrument entlockt er Töne, die mit einem „normalen“ Klavierspiel nicht viel gemein haben.
Ob Sie einfach nur grundsätzliche Dinge prüfen möchten („eiert“ mein Plattenspieler?) oder ob Sie etwas über die High-End-Fähigkeiten Ihrer Anlage erfahren wollen – mit diesem Album erhalten Sie mehr Antworten – als Sie Fragen hatten.

 

Wer sich für weitere Hintergrundinformationen interessiert, findet sie z.B. auf Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Köln_Concert

Zu den Formaten:

CD
Die Datei auf der CD liefert uns eine Auflösung von 16 Bit bei 44,1 kHz (Samplebreite zu Samplerate)

Streaming
Viele Dateien auf den Musik-Portalen bieten uns lediglich die gleichen Werte wie wir sie auf der CD finden.
High-Resolution-Audio-Dateien beglücken uns zumindest schon mal mit einer Samplebreite von 24 Bit. Die Samplerate reicht dabei von 44,1 kHz bis hinauf zu 192 kHz. Die meisten guten Aufnahmen liegen bei 96 kHz.

Qobuz (24/96/2500Mbps)
Dieses Musik-Portal liefert mir die Jarrett-Aufnahme im 24 Bit, 96 kHz-FLAC-Format. Beim Streamen fließen laut Lightning DS etwa 2300 bis 2600 Megabit pro Sekunde (Mbps).
Mit einem Sublime+-Abo kann ich sie über den Auralic-Altair direkt in dieser Auflösung streamen, ohne noch etwas dafür zusätzlich bezahlen zu müssen.
Besitze ich „nur“ ein Sublime-Abo, also ohne Plus, oder ein monatlich zu zahlendes Abo, streame ich maximal in 16/44.1. Um es dann dennoch in maximaler Auflösung anhören zu können, müsste ich den Titel käuflich erwerben.

Kann ich auch einfach „schlechter“ hören, wenn ich das mal ausprobieren möchte?
Will ich mit einem Sublime+-Abo testweise eine niedrigere Auflösung anhören, muss ich nur die maximale Qualität in meinem Qobuz-Account herabsetzen. Das geht herunter bis auf MP3-Qualität (eigentlich für das mobile Hören gedacht).

Qobuz Account-Einstellungen

Qobuz Account-Einstellungen

BTW:
Haben Sie mal kontrolliert, auf welchen Wert Sie das in Ihrem Account eingestellt haben?
Sie wären nicht der Erste, der für ein MP3-Abo 20,- € im Monat zahlt.  🙂

 

 

 

 

 

Tidal (16/44.1/600 Kbps) und (24/96/1400Mbps, MQA)
Tidal bietet mir dieses Album gleich in zwei Versionen an.
Zum einen handelt es sich um die 16/44.1-er FLAC-Version, die bei mir mit 500-700 Kilobit pro Sekunde (Kbps) gestreamt wird und zum anderen um die MQA-Datei, die dann in 24/96 daher kommt und mit 1200 bis 1600 Mbps gestreamt wird.
Eine reine 24/96 FLAC (also ohne MQA) gibt es bei Tidal leider nicht. Die niedrigere Streamingrate resultiert daraus, dass eine MQA-Datei komprimiert ist.

Hinweis zu den Daten:
Sie können erkennen, dass sich hier
500 Kbps (= 500.000 Bit) und
2.600 Mbps (=2.600.000.000 Bit)
gegenüber stehen.
Einige „Strippenzieher“ möchten uns aus finanziellen Interessen heraus gerne davon überzeugen, dass wir Menschen nicht in der Lage sind, einen Unterschied zwischen diesen Formaten zu hören.
„Es bedarf jahrelanger, professioneller Arbeit in einem Tonstudio, um …“ 
heißt es da immer wieder.
Ich sage:  Bullshit!
Jeder von uns kann das hören! Lassen Sie sich nicht länger für blöd und taub verkaufen!
Man muss es und man kann es lernen! Innerhalb von Minuten!
Es ist nicht die Fähigkeit zu hören – die uns Menschen unterscheidet.
Es ist das, was zwischen den Ohren passiert!

Letztens bei einer Whiskey-Verkostung.
Der Redner erklärt, dass man Whiskey nicht mit Eis trinken darf. Erst wenn der Whiskey leicht angewärmt ist, kann man alle seine Aromen herausschmecken und auch erst dann feststellen, wie gut er ist. „Kalt – schmeckt jeder Whiskey gut!“ unterstreicht er seine Ausführungen.
Mein Nebenmann:  „Mann, hab ich ein Glück! Ich trinke Whiskey am liebsten auf Eis. Da kann ich mir ja gleich 3 Flaschen Billigen mitnehmen und muss keinen Teuren kaufen.“
Genau das ist es, was uns voneinander unterscheidet, oder? 🙂

Nun zum Hörvergleich.

Den Unterschied zwischen LP und CD führen wir bereits seit Jahrzehnten vor.
Zwischen den beiden High-Res-Audio-Dateien erwarte ich ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen.

Wiedergabekette:

Ich wähle den Auralic Altair als Quellgerät mit PADIS-Sicherung und besserem Stromkabel.
Dahinter folgt eine komplette Kette von Progressive Audio (A901, Extreme III passiv und Kabel).
Sie wähle ich, weil ich Unterschiede hören will und da kann ich eine Anlage, die immer nur nach „sich selber“ klingt, nicht gebrauchen.

Ich schnappe mir mein iPAD, starte die Lightning-App und suche Keith Jarretts Köln-Concert.

Zunächst auf Qobuz.  (24/96-er FLAC.)
Das Lachen der Zuschauer am Anfang der Aufnahme ist klar und deutlich zu hören und wird auch von der Raumpositionierung her glaubhaft dargestellt.
Die ersten Klaviertöne erscheinen mir aber gleich ein wenig härter als gewohnt. Nicht viel, aber sie haben mehr „Schmackes“.
Die tiefen Töne versöhnen mich, aber ich stelle fest, dass dies insgesamt eine sehr direkte, offene, dynamische Wiedergabe ist und befürchte, dass sie mir auf Dauer zu direkt und ungestüm sein könnte.
Ich weiß, dass es sich nicht um einen großen Bösendorfer gehandelt hat, aber hier wirkt das Instrument sogar noch ein wenig kleiner als man einen Stutzflügel so kennt.
Es klingt fast mehr nach Klavier als nach Flügel.
Was mich dagegen sofort beeindruckt, ist diese absolute Präzision, mit der selbst rasant gespielte Tonfolgen immer noch klar und sauber aus einzelnen Tönen bestehen.
Hier gibt es keinen nervigen, überanalytischen Sound und hier gibt es keinen dicken, fetten Klangteppich, hier gibt es Töne, die an unterschiedlichen Stellen im Raum entstehen und alle zusammen ein Klavier ergeben.
Ich merke mir:  Schnell, präzise, direkt, sauber.

Ich wechsle nach Tidal zur 16/44.1-er Version
Im ersten Moment glaube ich, dass mir das tonal besser gefällt. Es wirkt irgendwie runder, harmonischer, gefälliger.

A/B-Vergleiche

Genau das ist der Grund, weshalb A/B-Vergleiche nichts taugen. Beim schnellen Umschalten komme ich jedes mal wieder in eine neue Klangwelt – die erst einmal anders ist. Im Vergleich besser oder schlechter – aber eben nur im Vergleich. Verbleibe ich eine Weile in dieser Klangwelt, ändert sich das schnell. Was auf Anhieb gut war – ist später möglicherweise schlecht und umgekehrt. So etwas bekomme ich aber nur heraus, wenn ich eine Weile in einer Klangwelt verbleibe.
Deshalb merken Sie sich bitte:  A/B-Vergleiche taugen nichts – sind keine Hilfe, sondern betrügen uns!

Auch hier ist es so. Sofort nach dem Umschalten hätte ich diese Wiedergabe als deutlich besser bezeichnet, plötzlich entdecke ich Unsauberkeiten. Da, wo man gerade bei der Qobuz-Aufnahme wunderbar schnell gespielte Einzeltöne hören konnte, gibt es hier nur so ein verwaschenes Gleiten. Unserem Ohr mag das besser gefallen, aber die Spielfertigkeit des Künstlers geht verloren; sein Können wird hier geradezu mit Füßen getreten.
Auch die Klangfarbe des Klaviers insgesamt ist dumpfer. Nein, eben nicht sonorer!
Und sie ist nerviger, gar nicht mehr „schön“.
Dieser Bösendorfer klingt jetzt – nach einigen Minuten – eher plärrig und gleichzeitig lahm.
Eigentlich müsste diese Version doch zumindest besser klingen als die CD, aber in meiner Erinnerung hat mir dann doch die CD irgendwie besser gefallen. Glaube ich.
Ich merke mir: Lahm, verhangen, plärrig, lustlos, verwaschen.

Ich beende das hier jetzt und wechsle zur MQA-Version.

MQA

MQA

Zu MQA muss man folgendes wissen:
Zu Beginn haben die Macher von MQA geglaubt, sie hätten mit ihrem Lizenzierungsmodell eine Geld-Druck-Maschine erfunden. Aufnehmen und Abspielen, ohne an MQA zu bezahlen, wäre kaum noch möglich gewesen.
Dann wurde aber die Kritik immer unüberhörbarer und die Aussage „lossless“ (also verlustfrei) musste auch noch zurückgenommen werden.
Heute ist MQA aus meiner Sicht nur ein weiteres digitales Format und ob es die Musik verbessern und nicht nur verändern kann, das muss sich in der Praxis erst noch zeigen.

 

Auralic Altair silbern

Auralic Altair

Einen Auralic-Altair kann man derzeit auf zwei Weisen auf die MQA-Dekodierung abstimmen. Eine Lizenzierung hat bisher nicht stattgefunden.
Entweder nutzt man eine von Auralic entwickelte Dekodierung, oder man schaltet ihn auf „Durchgang“. Dann dekodiert er gar nichts, sondern leitet die gestreamte Original-MQA-Datei an einen DAC weiter, der dann die MQA-Informationen zu dekodieren hat.
Einstellen kann man das alles in der Weboberfläche des Altair. Hierzu muss man die IP-Adresse des Altair in den Browser eingeben.

Ich verwende bei meinem Test die Auralic-Dekodierung, schon deshalb, weil ich keinen DAC mit MQA-Dekodierung besitze.

 

So – Durchgang drei – ich starte die MQA-Datei.

Zweifelsfrei handelt es sich hier gerade um die druckvollste und voluminöseste Wiedergabe, die ich heute gehört habe.
Der Bösendorfer hat mindestens 20 Kilo mehr Holz aufgelegt und das Instrument ist um gut einen Meter gewachsen – in jede Richtung. Hier höre ich gerade definitiv keinen Stutzflügel mehr!
Das gefällt mir, irgendwie.
Was mir gar nicht gefällt sind die Artefakte in manchen lauten und hohen Tönen.
Alles, was Keiths linke Hand macht, gefällt mir wirklich hervorragend, aber manche Töne, die seine rechte Hand erzeugt, die gefallen mir gar nicht.
Es wirkt, als würden manche Töne von einer Glaswand reflektiert, man kann das nicht richtig definieren, weil es so unsauber dargestellt wird.
So lange Keith diese Töne nicht spielt, gefällt mir die Wiedergabe ausgezeichnet – sie kommt in meiner Erinnerung dem analogen Klangbild sehr nahe – aber diese seltsamen Töne machen doch vieles kaputt.
Ich merke mir:  Hervorragend, fast analog, mit manchen Tönen offensichtlich überfordert.

Ich wechsle wieder zur Qobuz-Aufnahme.
Sofort ist das Instrument wieder kleiner, hat weniger Holz.
Dafür ist die Genauigkeit, die Schnelligkeit, die Perfektion, mit der Keith spielt, geradezu grandios.
Ich frage mich nun, ob es mir im zweiten Durchgang gelingen wird, mich emotional in diese Musik hinein zu finden, in sie hinein tauchen zu können, mit Keith Jarrett einen „Seelen-Kontakt“ aufnehmen zu können.

Doch dazu bin ich im Moment noch nicht bereit – bin noch zu unruhig, neugierig und ich will erst noch einmal alle Versionen erneut hören.

Wieder läuft die 16/44.1-er Version.
Aber nicht lange.
Hat man etwas besseres gehört, darf man das schlechtere nicht wieder einschalten. Nicht am gleichen Tag.
Ich wechsle wieder zur MQA-Version und auch hier bestätigen sich die Fakten, die ich mir notiert hatte.

Also gut – beginne ich eben hier den zweiten Durchgang und teste, wie ich mich wohl emotional in die Aufnahme hineindenken kann.

Üblicherweise brauche ich so 3-4 Minuten, um mit diesem Titel zu „verschmelzen“.
Das will mir gerade nicht so richtig gelingen. Wie gesagt, die tieferen Töne gefallen mir ausgezeichnet gut. Der Mensch liebt tiefe, volle, sonore Töne und auch ich bin ein Mensch.

Aber das reicht nicht, um mich von den zum Teil fast schrecklich klingenden hohen Tönen abzulenken. Die sind einfach nicht sauber, überschlagen sich und wirken künstlich angehoben.
Ich frage mich die ganze Zeit, was das sein soll, was da gespielt wird und finde es nicht heraus.

Diese Töne wirken auf mich wie eine Film-Panne. Eine durchs Bild laufende Person, ein Mikro, das von oben ins Bild ragt oder ähnliches.  Die Szene ist kaputt.

Dann höre ich plötzlich (etwa bei 3:50) zwei Töne, die mir bis dahin noch nie aufgefallen waren. Hier hört man sie aber jetzt klar und deutlich-  wie zwei einzelne, absichtlich gespielte Töne. Zwei Töne aber, die irgendwie überhaupt nicht zu den gespielten Mustern passen wollen. Weder zu dem tiefen Muster noch zu dem hohen Thema. Sind dem Keith Jarrett da etwa zwei „Improvisations-Ausreisser“ unterlaufen?

Doch ich entdecke immer mehr dieser seltsamen Töne.

Es scheint auf einmal so, als spielte Keith Jarrett drei Themen parallel. Eines mit tiefen, eines mit hohen und ein drittes mit mittleren Tönen. Drei Themen, die zwar deutlich zu hören und voneinander zu trennen sind, was ja bedeuten würde, dass diese MQA-Datei „neue Klangwelten“ eröffnen würde, aber die drei Themen scheinen nicht zusammen zu gehören, keine Einheit zu bilden.

Ich beende den Durchgang etwa nach 6 Minuten und denke mir – irgendwie toll, was da jemand aus dieser Aufnahme gemacht hat. Und mit „gemacht“ meine ich, dass hier jemand Hand angelegt hat. Er hat die Aufnahme so verändert, dass sie mehr dem Geschmack der Menschen – inklusive meinem – entspricht, ohne sie „schlechter” zu machen.
Aber irgendwie hat er sie trotzdem verhunzt.
Es ist wirklich seltsam.
Die MQA-Version ist mir deutlich lieber als die 16/44.1-Version – ganz sicher, aber ich frage mich gerade, ob ich mir die Platte damals gekauft hätte, wenn sie von Anfang an so geklungen hätte.

Auralic dekodiert – wie bereits geschrieben – die MQA-Version auf eine eigene Weise. Liegt es jetzt an MQA oder an Auralic, dass mir das Ergebnis nicht so richtig gefällt?
Ich kann es zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.

Jetzt wechsle ich noch einmal zur Qobuz-Version.

Nach etwa drei Minuten bin ich mittendrin in diesem Stück.
Mittlerweile habe ich mich mit dem Klangbild abgefunden und sitze nun direkt vor Keith Jarrett und dem Bösendorfer. Nein, nicht in der ersten Reihe – das Publikum sitzt nicht dort, wo ich sitze. Ich sitze dort, wo die beiden Neumann-Mikrofone gestanden haben und kann über das Klavier hinweg in das Publikum schauen.
Die hohen Töne sind rechts, die tiefen links – so wie der Pianist das erlebt. Nicht halbrechts und nicht halblinks – sondern rechts und links.

Jetzt muss gleich die Stelle mit diesen beiden nicht zuzuordnenden Tönen kommen – und sie kommt.
Aber die beiden Töne – genau wie alle anderen, die ich bei der MQA-Version als „seltsam“ empfunden habe, die höre ich und  – sie gehören da hin! Definitiv.
So wie hier, habe ich sie immer schon gehört. Ja, sicher kann man sie als drittes Thema bezeichnen – aber irgendwie auch wieder nicht. Hier bei der Qobuz-Version gibt es nicht wirklich drei Muster, sondern mehr tiefe, mittlere und hohe Töne, die aber alle zusammen eine Einheit bilden und zu einem mehrteiligen Thema werden.
Deshalb gelingt es mir hier, mit Keith Jarrett Kontakt aufzunehmen und ich glaube, das zu spüren, was Keith Jarrett gespürt hat.
Sieben Minuten sind vergangen und ich könnte unendlich lange so weiter hören.

An die vielleicht etwas zu präzise Wiedergabe habe ich mich gewöhnt, weil wirklich jeder Ton absolut sauber bleibt. Da gibt es keine seltsamen Töne, keine Artefakte, sondern nur sehr dynamisch gespielte Töne und andere weniger dynamisch gespielte Töne – alle schön so, wie sie klingen sollen.

Was wird passieren, wenn ich jetzt die CD starte?

Ich mache es.
Angeschlossen ist der CD2 von Progressive Audio. Wenn der nicht in der Lage ist, die CD den High-Res-Audio-Dateien näher zu bringen, wer dann?
Ich starte die CD und –
das Ergebnis ist wenig überraschend.

Zwischen der Qobuz-Version und der CD liegen Klangwelten.
Die 16/44.1-Version auf Tidal liegt gleichauf.
Und das ist schon ein großes Lob!
Nur wenige CDs sind in der Lage, gegen ihre „Zwillingsbrüder“ aus den Streaming-Portalen zu bestehen.

Jetzt bin ich doch auf die LP gespannt.

Foto von Schallplatte bunt

Fotolia_66183659 © michalchm89

Zum Plattenspieler:
Ich verwende mein „Ein und Alles“:
Das Laufwerk ist ein Zarathustra S4 von Simon Yorke. Auf ihm thront ein Pluto Audio 7A-Prestige. Ein Tonarm-Traum aus massivem Titan mit einer Gold-Innenverkabelung von Deskadel. Der Tonabnehmer ist ein Jan Allaerts MC2 Finish-Gold. Allerdings jüngst von Aalt van den Hul mit einem neuen Diamanten versehen und ein klein wenig „gepimpt“.
Jan Allaerts wird das sicher nicht gefallen, aber wer dieses System in dieser Version einmal gehört hat, der merkt schnell, dass diese Zusammenarbeit durchaus fruchtbar sein könnte.

Das Phonokabel ist ein Silver Arrows von Furutech und als Phonoteil dient ein Stromverstärker von Progressive Audio.

Der Tonarm senkt sich und die Musik beginnt zu spielen.
Was nun passiert – das kann man nicht erklären und nicht beschreiben.

Die MQA-Datei vermochte sich mit Volumen, Fülle und Körper an die Spitze zu setzen.
Bisher.

Flügel

Fotolia_72992691 © Thatiana Shepeleva

Hier und jetzt habe ich gerade den Eindruck, ich würde den Lack des Flügels sehen und könnte beobachten, wie sich das Publikum in ihm spiegelt.
Hier und jetzt höre ich nicht einfach nur mehr Holz, ich höre auch mehr Saiten, mehr Schwingungen, mehr Klangfarben, mehr Betonungen, mehr Spielarten, mehr Nuancen und mehr Unterschiede.
Keith Jarrett nimmt mich soeben zur Seite und zeigt mir, wie unterschiedlich man mit einem Finger auf eine Klaviertaste schlagen kann.

Jeder Tritt auf ein Pedal macht sich mit einem unüberhörbaren – ganz eigenen „Rumms“ bemerkbar und wird zu einem Teil des Klavierspielens. Man hört nicht nur einfach, dass Keith da auf ein Pedal getreten hat, man spürt jedes einzelne „Rumms“ körperlich.

 

Aus einem Klavier-Schüler ist gerade ein grandioser Pianist geworden. Aus einem „Nachspielen“ wurde eine Improvisation aus dem Stehgreif. Diese Art zu spielen erzeugt in mir eine große Anerkennung, fast so eine Art Demut und Dankbarkeit.

Hören wir noch mal auf diese lauten, hohen Töne, die mich beim MQA-Format so gestört haben. Bei der Qobuz-Version klingen die sauber – wie die anderen Töne auch.
Auf der Schallplatte hören wir nun, dass Keith Jarrett hier das Instrument an seine Leistungsgrenzen bringt.
Es handelt sich um Töne, die anscheinend irgend eine Eigenresonanz des Bösendorfers treffen. Das darf eigentlich nicht sein, bei einem so teuren Instrument und man scheint die Ursache dafür hören zu können, wieso Keith Jarrett auf diesem Klavier eigentlich nicht spielen wollte, aber bei der analogen Wiedergabe muss man nicht lange rätseln, was da passiert ist.
Die MQA-Aufnahme wird für mich durch ihre eigene „Interpretation“ zerstört.
Sicher wird das bei anderen, genügsameren Aufnahmen nicht der Fall sein.

Im Vergleich zur Qobuz-Aufnahme stelle ich fest, dass sie nicht präziser, nicht schneller und nicht analytischer ist als die analoge Aufnahme. Ihr fehlt es aber im direkten Vergleich an Körper und an Volumen. Genau das schenkt mir die Wiedergabe der Schallplatte gerade in Hülle und Fülle.
Und wenn man einer Aufnahme Volumen nimmt, dann wirkt sie einfach ein wenig „dünner“. Genau das ist bei der Qobuz-Aufnahme geschehen.

Je länger ich die Platte höre, umso nachdenklicher werde ich.
Werte – wir sprechen so gerne von Werten.
Was ich hier gerade höre, das gibt mir das Gefühl, etwas mit echtem Wert genießen zu dürfen.

Es bewegt mich und ich merke, dass ich das gerne mit jemandem teilen würde.
Ich hätte jetzt gerne jemanden hier, dem ich mit Stolz vorführen darf, was ich gerade erlebe.

Und wieder einmal hadere ich mit der Vergangenheit und frage mich:

Was wollen wir eigentlich? Was suchen wir eigentlich?

Etwas, was es vor 30 Jahren schon längst gegeben hat?
Kann das sein?
Dass wir uns im Jahr 2017 wie ein Kind darüber freuen, dass es jetzt endlich wieder fast so gut klingt wie es das 1983 bereits getan hat?

Ist es wahr, dass wir uns über dreißig Jahre lang auf eine Reise begeben haben, um den schönsten Platz der Welt zu finden, nun wieder zuhause sind und ihn genau dort finden?

Nun gut – ich will und ich muss fair sein:
Der von mir eingesetzte Plattenspieler samt Kabel und Phonoteil kommt auf einen Gegenwert von fast 30.000,- €. Der eingesetzte Streamer liegt bei nicht einmal 2.000,- €.

Man müsste also den Vergleich noch einmal vornehmen, wenn hier zum Beispiel die Auralic-G2-Serie angeschlossen ist. Oder man müsste mal einen Plattenspieler in der 2.000,- €-Klasse nutzen.

Oder, oder. oder …

Doch wozu?

Um doch nur wieder heraus zu finden, was wir alle wissen?

Schlussbemerkung

Wir befinden uns mitten in einem Wandel.
Der Digitalismus eröffnet uns Musikliebhabern Möglichkeiten, von denen wir vor wenigen Jahren nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Die neuen High-Res-Audio-Dateien, die wir aus Portalen wie Qobuz oder Tidal streamen können, die öffnen uns die Pforten zur Welt der Musik. Und das mittlerweile in einer Klangqualität, die selbst Profis und Nörgler gnädig stimmt.
Viele, die keinen sündhaft teuren Plattenspieler ihr Eigen nennen, werden die Qualität sogar höher einstufen als bei analog. Und man muss ihnen zustimmen.
MP3 ist ideal für das junge, moderne, mobile Hören. Analog ist immer noch das (!) Medium, für den Musikliebhaber mit sehr hohen Ansprüchen. Die CD ist zwischen die Fronten geraten. Ganze Generationen besitzen schon keinen einzigen Silberling mehr.
Ich freue mich, diese spannende und interessante Zeit miterleben zu dürfen, freue mich über die vielen Schallplatten, die ich noch besitze und freue mich über die Möglichkeiten des Streamens.
Meinen CD-Bestand reduziere ich gerade von rund 5.000 Stück auf etwa 100, die ich aus emotionalen Gründen nicht hergeben möchte.
Höre ich mich da gerade einen Silbermond-Song summen?  Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst …  🙂

 

Progressive Audio Extreme 3 Bericht

Progressive Audio Extreme 3 Bericht

Progressive Audio Extreme 3

Progressive Audio Extreme III

Ralf Koenen, Inhaber und Chef-Entwickler bei Progressive Audio, hat mich dazu eingeladen, seinen neuen Lautsprecher, die Extreme 3 zu hören.

Meine Erwartungen waren hoch, kannte ich doch die ersten beiden Modelle aus der neuen Serie mittlerweile sehr gut. Da ist die Extreme 1 vom Typ Regallautsprecher, bei der ich immer das Gefühl habe, einen 911-er aus der Garage zu holen, wenn ich sie aus dem Regal heraus nehme und auf die passenden Ständer stelle. Im Regal oder auf dem Highboard spielen sie toll, aber so frei im Raum aufgestellt, gehen die Kinnladen schon mal gern in Richtung Erdboden.
Nun gut – die Presse ist sich einig und voll des Lobes. Also können wir die Einser schon mal als „erledigt“ abhaken.
Aber was ist jetzt mit der Dreier?

Ganz oben im schlanken Gehäuse thront wie bei der Extreme 1 das Koaxial-Chassis von Seas. Vor mehr als 10 Jahren schon habe ich in diesen Räumen genau diese Chassis herumliegen sehen. Doch kann ich mich nur daran erinnern, dass sie als „nicht ernst zu nehmende Tröten“ abgetan wurden. Heute schaue ich mir die Extreme an und erblicke in der Dreier wie auch in beiden kleineren Modellen diese „Tröten“?
Ralf lächelt, nein, ich will ehrlich sein: Er grinst!

„Über zehn Jahre hat es gedauert, bis diese Chassis das konnten, was Du gleich hören wirst!“ höre ich ihn sagen. Er deutet an, dass er maßgeblich an der Weiterentwicklung beteiligt war und dass auch die Bässe für ihn speziell in einer 30 Ohm-Version gefertigt werden, aber mehr will er über die Zusammenarbeit nicht verraten. Ich kenne ihn lang genug, weiß, dass er solche Dinge nicht gern erzählt und bohre nicht weiter nach.
Ich setze mich auf seine Ledercouch und während er nach einer CD sucht, schaue ich mir die Box ein wenig genauer an. Schlank, elegant, klassisch, modern, nicht zu groß, nicht zu klein … und nach und nach drängt sich mir ein Begriff in den Vordergrund: Optisch perfekt!
Und eine Frage entsteht: „Wieso?“
Hat die Extreme ein atemberaubendes Design erhalten? Eine Form, die es so noch nie gegeben hat? Hängt man sie an die Decke? Verschwindet sie hinter Bildern? Oder ist da vielleicht eine so neue Idee vorhanden, dass man selbst niemals auf die Lösung gekommen wäre? Nein, stimmt alles nicht. Aber was stimmt denn dann? Wieso erfasst mich hier gerade dieses Gefühl der Anerkennung für dieses Design?
Und eigentlich ist das ziemlich schnell beschrieben:
Manche mögen bestimmte Farben, andere mögen sie nicht. Manche mögen bestimmte Formen, andere mögen sie nicht. Manche mögen bestimmte Muster, andere mögen sie nicht.

Seas Chassis

Was passiert, wenn man einfach alles, was auch nur irgendwie „Geschmack“ sein kann, Design seiner selbst Willen sein kann, Diplomatie sein kann, Trend sein kann …
… wenn man alles das einfach weg lässt?
Muss es ein Lautsprecher den Blüten unserer Blumen nachmachen, um Kunden wie Insekten anzulocken?
… muss er bunt gefiedert für uns tanzen?
Wer wie ich gerade vor der Extreme 3 sitzt und sie seit Minuten anstarrt, der merkt, dass in ihm etwas geschieht. Er verändert sich. Man glaubt, etwas zu erkennen, zu einer neuen Sicht der Dinge zu gelangen. Wozu andere durch Indien reisen, erlebt man hier auf seiner Couch. Die Einfachheit der Dinge, die Lehre Zarathustras, die Besinnung auf das Wesentliche …
Finden diese Veränderung in mir gerade wirklich statt, oder trifft die Extreme 3 mit ihrem Erscheinungsbild einfach nur meinen persönlichen Geschmack?
Ich weiß es nicht, aber ich bin mir sicher, dass Sie sich ähnliche Fragen stellen werden.
Dann startet die Musik. Im Player hat der FIM-Sampler Producer`s Choice I Platz genommen. Das erste Stück spielt an: Carmen Habanera Fantasia, Harold Faberman & Northwest Sinfonietta, zu bekommen bei Sievekind-Sound.

Nach wenigen Takten tut sich mir eine Erkenntnis auf und ich höre mich sagen: „Ist ja kein Wunder, dass so wenige Menschen zuhause klassische Musik hören. Weil Orchestermusik einfach keinen Spaß macht, wenn man keinen Hinweis darauf erhält, welche Instrumente in welcher Anzahl wo im Orchester ihren Platz haben. Es ist einfach schier unglaublich, wie selbstverständlich hier gerade jedes Instrument dreidimensional im Raum steht.”
Die Kastagnetten ziehen mich in ihren Bann mir geht der Begriff Holographie durch den Kopf. Mit Leichtigkeit erahnt man die Anstrengung und Hingabe des Musikers. Jeden einzelnen Gesichtszug, jede Falte sehe ich vor mir. Wieso ich von einem Musiker und nicht von einer Musikerin spreche? Ganz einfach, weil die Kastagnetten derart kräftig und körperhaft gespielt werden, wie ich es selten gehört habe, nicht einmal live. Diese Kraft kann nur in Männerhänden stecken. Wenn ich falsch liegen sollte, dann mag die Musikerin meine Ausführungen als Kompliment auffassen.
Doch ich konzentriere mich bereits auf die Geige, die sich hier in der Mitte auftut. Konzentriere ich mich wirklich? Muss ich mich konzentrieren, um die Geige zu hören? Nein, ich muss mich berichtigen. Es erfordert keiner Konzentration, dieser Geige zu lauschen. Sie wird mir so selbstverständlich präsentiert, dass ich mich frage, in welchem Saal diese Aufnahme wohl entstanden sein mag. Denn bei all meinen bisherigen Konzertbesuchen scheine ich entweder die falsche Lokalität gewählt zu haben oder ich habe auf dem falschen Platz gesessen.
Dieser Musiker spielt nur für mich, oder? Auch wieder falsch. Dafür ist er viel zu weit weg von mir.
Doch bevor ich meine Gedanken zu Ende bringen kann, lausche ich lieber dem Wechselspiel zwischen der kleineren, heller klingenden und der größeren, voller spielenden Geige. Kurz danach steigen die Streicher auf der rechten Seite mit ein.

Es gibt Bücher darüber, die uns die Platzierung der Instrumente in einem Orchester genau beschreiben. Wer wie ich gerade diese Carmen-Einspielung über die Extreme 3 hört, fragt sich: Wozu? Hört man doch!

Sie mögen keine klassische Musik?

Prospekt Progressive Audio Extreme 3 Seite 1

O.k. – legen wir doch mal was ganz anderes auf.  Sagt Ihnen noch Ummagumma etwas?
Richtig! Pink Floyd!
(Die eigentlich Bedeutung dieses Begriffs will ich hier mal dezent unbeachtet lassen).
Auf dieser Scheibe gibt es ein Stück namens „Grantchester Meadows“, das Roger Waters beigesteuert hat. Eine durch Akustikgitarre begleitete Folkballade – nichts besonderes also, oder doch?
Für diesen Artikel hat diese Aufnahme etwas Besonderes: Nämlich die Koexistenz von natürlichen und künstlichen Raumabbildungen, sowie die dreidimensionale Zuordnung von Geräuschen.
Da gibt es diesen zwitschernden Vogel, der hier und da ziemlich nervt.
Was aber viel mehr nervt als das Gezwitscher an sich, ist die Tatsache, dass der Tonmeister es mit der dreidimensionalen Verschiebung dieses Geräuschs arg übertreibt.
Über eher zweidimensional abbildende Lautsprecher mag es interessant wirken, wenn der Vogel scheinbar immer wieder von rechts nach links und umgekehrt im Zimmer umherfliegt. Obwohl man selbst bei einer Wiedergabe in Mono schnell bemerken wird, dass es sich immer wieder um den gleichen „Loop“, also um eine Aufnahmeschleife handelt.
Über die Extreme 3 abgehört, kommt aber noch die „Vorne-Hinten-Schiene“ dazu. Manchmal scheint der Vogel in greifbarer Entfernung vor einem zu singen und baut damit fast so etwas wie eine Barriere zwischen dem Hörer und der weiter hinten spielenden Musik auf.
Aber spätestens wenn man sich fragt, ob so ein Vogel denn wohl überhaupt in der Lage ist, während des Flugs so zu singen, kommt man schnell zur verneinenden Antwort und das lässt den Tonmeister dann vollends als Spielkind dastehen.
Anders wird es dann mit der Gans (oder ist es eine Ente?). Sie ist zunächst links zu hören und startet dann aus dem Wasser heraus nach rechts schwenkend. Das ist überzeugend echt!
Aber so richtig gut – ja ich weiß, dass man mich gleich zum Spinner erklären wird – richtig gut wird es zum Schluss, wenn die Musik schon aus ist.
Hier wiederholt sich das, was wir vom Vogel her kennen, jetzt aber mit einer dicken Stubenfliege.
Deutlich in jeder 3D-Achse ortbar und mit einer frappierend natürlich wirkenden Raumabbildung, steigt jemand links eine hölzerne Treppe herunter, geht nach rechts herüber und versucht, mit einer Klatsche diesen Brummer zu erlegen, bis er es dann mit einem heftigen Schlag fast genau in der Mitte zwischen den Boxen offensichtlich geschafft hat. Jedenfalls brummt danach nichts mehr.

Was das alles mit Musik zu tun hat?
Nichts und doch sehr viel.
Der Mensch sucht beim Musikhören nach akustischen Hinweisen und Erläuterungen. Er will verstehen was er da hört. Jetzt sind wir es gewohnt, diese Hinweise nicht oder nur unzureichend zu erhalten. Mit einer Extreme wird das wieder anders. Sie stellt die Musik dar als eine Fülle an Informationen. Echte, glaubhafte und deutliche Informationen. Aus einem Orchesterstück bildet sie eine Art Blumenstrauß an Informationen. Von Blüte zu Blüte können wir unsere Sinne wechseln lassen und jede einzeln oder den Strauß als Ganzes genießen.
Denn das erstaunlichste an sich ist tatsächlich, dass die Extreme 3 die Musik mit ihren analytischen Fähigkeiten nicht zerreißt.
Sicher haben Sie es auch schon einmal erlebt, wenn Boxen so „analytisch“ spielten, dass man glauben konnte, jeder Musiker spiele ein anderes Stück oder er befände sich gar in einem anderen Raum.
Bei der Extreme 3 ist das völlig anders. Weil sie jedem Instrument den richtigen Platz zuweist, es in der korrekten Größe abbildet und in der realen Entfernung zu den anderen Instrumenten positioniert. Ortbarkeit und Raumabbildung sind einfach „r-i-c-h-t-i-g“.
Unser Ohr registriert das.
Wir bekommen die Informationen, die wir benötigen, um unsere Fragen beantwortet zu bekommen. Und unser Kopf rekonstruiert den Originalschauplatz, gerade so, als seien wir bei der Aufnahme dabei gewesen.
Und ich will das noch einmal erläutern, weil es so wichtig ist:
Oftmals erhalten wir nur falsche oder viel zu wenig Informationen über den Aufnahmeraum. In der Folge resignieren wir und geben uns damit zufrieden.
Manche Lautsprecher geben uns die gewünschten Informationen. Aber durch winzige Phasenverschiebungen oder sonstige kleinste Konstruktionsfehler werden sie doch minimal verfälscht. Das ist anstrengend für den Hörer, weil das Gehirn hier permanent „Rätsel“ lösen muss, in der Form von: Kann das jetzt echt sein?
Die Extreme 3 bildet das Musikgeschehen (ich ziehe es hier absichtlich erneut auseinander) r-i-c-h-t-i-g  ab.
Unser Gehirn bemerkt das und geht deshalb davon aus, das Original zu hören. Keine Rätsel kein Gefühl der Anstrengung. Unser Gehirn akzeptiert das Gehörte.

Prospekt Progressive Audio Extreme 3 zweite Seite
Progressive Audio Extreme 3 Messefoto Fairaudio

Ich bin in den letzten dreißig Jahren immer wieder mit neuen, erstaunlichen Lautsprechern in Berührung gekommen. Doch die letzte Begegnung ist ziemlich lange her. Heute ist es mal wieder so weit.
Besonders erstaunlich ist dabei, dass die Extreme 3 diese holographische Darstellung hinbekommt, ohne deshalb auf ein Fundament verzichten zu müssen, das wir benötigen, um den Tönen Körper zu verleihen.
Immer wieder ist es doch so, dass wir zwar das eine bekommen, aber nur, weil wir auf das andere verzichten müssen. Von Verzicht ist bei der Extreme 3 in keinem Bereich etwas zu spüren.
Bevor man auch nur auf die Idee kommen kann, „untenrum“ könnte etwas fehlen, serviert sie uns auch die tiefsten Töne in der gleichen Natürlichkeit wie alle anderen Frequenzbereiche auch, eben einfach  r-i-c-h-t-i-g.

Mein Fazit:
Ich war völlig ohne Absichten zu Progressive Audio gefahren, außer einfach mal wieder ein wenig zu quatschen. Und nun? Selbstverständlich habe ich ein Paar für meine Vorführung bestellt.
Gut – das ist jetzt nicht wirklich erwähnenswert – aber eines dagegen schon:
Eigentlich mag ich gar keine weißen Boxen.

Die Extreme 3 – die kommt mir aber nicht anders ins Haus als in weiß!

Und so fahre ich wieder nach Hause mit der Erkenntnis, dass die High-Fidelity auch nach 30 Jahren immer noch wieder ein paar Glanzpunkte zu bieten hat und man auch nach so einer langen Zeit noch wieder etwas dazulernen kann.

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