Progressive Audio Extreme III, passiv vs. aktiv.

Progressive Audio Extreme III, passiv vs. aktiv.

Progressive Audio Extreme III, passiv vs. aktiv.

Progressive Audio Extreme III, passiv vs. aktiv.

In diesem Bericht „Progressive Audio Extreme III, passiv vs. aktiv“ gehe ich auf einen Lautsprechervergleich ein, bei dem mich viele vorab gefragt haben, was genau ich denn damit bezwecken wolle.

In unserem Studio steht schon seit geraumer Zeit eine passive Extreme III in der MK II-Version.
Die MK II-Version hat im Vergleich zur MK I an Reife und Volumen dazu gewonnen. Sie klingt jetzt erwachsener, souveräner und stellt Sänger und Instrumente mit noch mehr Körper dar. Die Raumausleuchtung hat sich ebenfalls noch einmal verbessert.
Richtig in der Zeit und in der Phase spielte bereits die MK I. Zudem besaß auch sie schon eine ungeheure Spielfreude. Aber die MK II-Version rundet das Klangbild mit allem ab, was man von einem Lautsprecher in dieser Preisklasse erwartet und auch erwarten darf.

Progressive Audio Messe 2016-3

Progressive Audio A901

Ihre Musiksignale erhält sie bei uns, wenn nicht ein Kunde einen anderen Wunsch äußert, vom A901, ebenfalls aus dem Hause Progressive Audio. Zwar begnügt sie sich durchaus auch schon mit deutlich günstigeren Amps wie einem Elac Element oder einem Creek A50, aber in der Kombination mit dem A901 hört man einfach sofort die ganze Klasse dieses Lautsprechers.

Ausgerechnet gegen diese Traumkombination nun einen Aktivlautsprecher laufen zu lassen, bei dem man im direkten Vergleich auch noch satte 7.000,- € sparen kann, das schien mir zwischendurch manchmal selber ein wenig unsinnig zu sein.

 

In meinem Bericht “Aktivlautsprecher vs. Passivlautsprecher” erläutere ich die Unterschiede zwischen diesen beiden Systemen. In dem Bericht „Aktivboxen – Neues Spiel, neues Glück?“ geht es um die neuen Chancen, die das Streaming den Aktivlautsprechern verschafft und darum, dass viele meiner Kunden deshalb so richtig Spaß daran finden, konsequent auf ein aktives System umzusteigen.

Und vor diesem Hintergrund musste ich mich dann wohl einfach mit diesem Lautsprechervergleich befassen.

Beginnen wir zunächst mit den Fakten:

Design und Größe

Progressive Audio Extreme 3 a-p-vorne

Progressive Audio Extreme 3 a-p-vorne

Will man einen optischen Unterschied zwischen den beiden Ausführungen erkennen, muss man schon

Progressive Audio Extreme 3 a-p-hinten

Progressive Audio Extreme 3 a-p-hinten

auf die Rückseite schauen – von vorne gibt es jedenfalls keinen Unterschied.

Auf meinen Fotos sind zwar unterschiedliche Ausführungen des Logos zu sehen, aber alle derzeit ausgelieferten Boxen erhalten das „leichtere“ Logo und nicht mehr das große silberne Schild.

Progressive Audio Logo neu

Progressive Audio Logo neu

Progressive Audio Logoschild alt

Progressive Audio Logoschild alt

 

 

 

 

 

 

Gewicht

Die aktive Version mit ihren 27 kg bringt es lediglich auf ein Mehrgewicht von 2 kg im Vergleich zu der passiven Ausführung. Das erstaunt im ersten Moment, denn irgendwie erwartet man ja doch einen größeren Gewichtsunterschied, oder?  Der Grund dafür, dass sie sich kaum unterscheiden, liegt darin, dass die Passivweiche ja auch so einige Kilo auf die Waage bringt und diese bei der aktiven Version natürlich komplett wegfällt.

Kabelkosten

Da uns bei beiden Lautsprechern der komplette Kabelmarkt offen steht, kann man diesen Punkt nur schlecht bewerten. Ich habe einfach mal die hauseigenen Kabel vom Typ 711 zum Vergleich herangezogen und stelle fest, dass sich daraus ein Unterschied von 10,- € errechnen lässt.

Gesamtkosten

Beim aktiven Lautsprecher stehen die Kosten für den Verstärker fest. Habe ich vor, nicht nur ein einzelnes Gerät (wie den Auralic Altair) an die Boxen anzuschließen, kommt der Preis für eine passende Vorstufe als Schaltzentrale noch hinzu.
Beim passiven Lautsprecher reichen die zu berücksichtigenden Kosten für den Verstärker von der Milchmädchenrechnung Null Euro (ich behalte meinen vorhandenen Verstärker) bis ins Unendliche.
Um aber auch hier eine Vergleichbarkeit für diesen Bericht herzustellen, greife ich bei der passiven Version auf den hauseigenen A901 zurück. So ist sichergestellt, dass beide Ausführungen auf gleich hohem Klang-Niveau spielen können.

Passiv:
7.998,- € Extreme III
11.498,- € A901
1.998,- € Auralic Altair
21.494,- € Gesamtkosten

Aktiv:
12.498,- € Extreme III
1.998,- € Auralic Altair
14.496,- € Gesamtkosten

Wer keinen Vorverstärker benötigt, der kann hier also bei der aktiven Box einen ordentlichen Batzen Geld sparen.

So viel zu den Fakten und theoretischen Überlegungen, mit denen wir jetzt wohl noch keine überzeugenden Gründe für oder gegen die eine oder andere Version gefunden haben.

Ich beginne meinen Hörtest mit der passiven Kette.

Margo Price, „Hands of Time“ vom Album „ Midwest Farmer´s Daughter“

Den Beginn des Stücks dominieren die Sechszehntel des Schlagzeugers auf dem geschlossenen HiHat und das Schlagen auf den Rand der Snare.
In beeindruckend dynamischer Weise wird der Bass gespielt. Das Anzupfen geschieht so dynamisch und wuchtig, dass man glaubt, es würde jeweils von der Basedrum begleitet. Die Gitarre ist überraschend weit rechts – noch neben dem rechten Lautsprecher zu hören.
Margos Stimme klingt kräftig – es ist nun einmal keine Flüster- und keine Hauchstimme, sondern mehr so eine klassische Country-Stimme, die es versteht, sich selbst in lauten Saloons Gehör zu verschaffen.
Es dauert keine 10 Sekunden, um beim Hören mitten in so einem Saloon zu sein.

David Munyon, „Leaving Moscow in a stolen Car“ vom Album „Clark“

Ein Mann, ein Pferd – oder doch eher eine Stimme, eine Gitarre.
Während man die Mikrofonaufstellung für die Gitarre sicher kritisieren kann, beeindruckt die Aufnahme mit einer überaus realistischen Wiedergabe des Gesangs. Wer erfahren will, was es bedeutet, wenn jemand sagt:  „Man kann dem Sänger in den Mund fassen“ oder ähnliches, der muss sich diesen Titel mal über die Extreme III von Progressive Audio anhören.
Hier wirkt absolut gar nichts künstlich oder unnatürlich. Hier will man einfach nur die Augen schließen und Musik genießen, als erlebe man David Munyon live auf einer ganz kleinen Bühne.

Jilette Johnson, „In Repair“ vom Album „All I ever see in you is me“

Ganz im anfänglichen Stil von Cowboy Junkies empfängt uns Jilette Johnson in diesem Titel mit einer Gänsehaut-Atmosphäre und genau so einer Gänsehaut-Stimme.
Wer das Album durchhört, den beschleicht vielleicht schon so eine Ahnung, dass es in den RCA-Studios in der Nähe von Nashville aufgenommen wurde. Genau dort, wo auch Dolly Pardon ihre Aufnahmen machen ließ.
“In Repair” setzt links mit einem „schwingenden Piano“ ein – und über den gesamten Titel hinweg kommt nicht ein einziges mal ein Zweifel darüber auf, wo es steht und wie groß es ist.
Beim Schlagzeuger hat man zum Glück darauf verzichtet, jeder einzelnen Trommel und jedem Becken ein eigenes Mikro zu gönnen, um jede Tom nach Gutdünken im Raum verteilen zu können. Stattdessen befindet es sich schön nach hinten versetzt in der Mitte und bleibt dort auch als Einheit hörbar.
Je mehr Titel man von diesem Album hört, umso überzeugter ist man davon, dass das RCA-Studio hier mal wieder eine Sängerin aufzeichnen durfte, die der großen Dolly Pardon in nichts nachsteht.

Kari Bremnes, Byssan Lyll vom Album Go Gatt Vol.1

Kari Bremnes ist eine „audiophile Institution“ und der Titel Byssan Lyll, ursprünglich vom Album Svarta Björn, fast schon eine Legende. Hier auf diesem Album hören wir eine neue Interpretation von ihr mit einer sehr spärlichen Begleitung, die von dem Sound der stark im Klang veränderten Instrumente lebt. „Kari auf dem Schrottplatz“ nannte einer unserer Kunden dieses Stück recht treffend.

Räumlichkeit, Ortbarkeit, Dreidimensionalität und Authentizität dieser Aufnahme sind schlicht und ergreifend außergewöhnlich und ein sehr überzeugendes Beispiel dafür, wie man heute Musik spannend aufnehmen kann.
Die Extreme III „schenkt“ uns förmlich diesen Titel mit allem, was im Tonstudio eingespielt wurde. Und wenn ich schreibe „mit allem“, dann meine ich hier auch „mit allem“.
Karis Stimme wird derart authentisch abgebildet, dass man ihr fast intim nahe kommt. Lippen, Zunge und Spucke im Mund erlebt man, wie man es wohl sonst nur während eines Techtelmechtels erleben kann.
Froh über etwas mehr Abstand ist man dann aber ab etwa 2:19, wenn ein gigantisches Fell einen unglaublich tiefen Bass in den Raum hinein pulsieren lässt.
Mit einer überzeugenden Souveränität produziert die Extreme III die Dynamik metallischer Geräusche und das mächtige Schwingen abgrundtiefer Bässe, während sie uns ganz am Ende des Titels noch einmal die Zusammenhänge zwischen Karis Stimme und dem Aufnahmeraum „erklärt“.

Fazit Hörtest Progressive Audio Extreme III – passiv

So weit, so gut, so faszinierend.
Der erste Durchgang dieses Tests brachte für mich jetzt keine Überraschungen, sondern bestätigte meine Erfahrungen mit dieser Box und rechtfertigte erneut meine Entscheidung, meinen Kunden in dieser Preisklasse genau diesen Lautsprecher zu empfehlen.

Beim Abschalten des A901 und Umstöpseln des Altair beschlich mich deshalb das Gefühl, dass es jetzt gleich im zweiten Durchgang schwer werden könnte, eindeutige Klangunterschiede heraus zu hören.

Hörtest Teil zwei – Progressive Audio Extreme III – aktiv

Margo Price, „Hands of Time“ vom Album „ Midwest Farmer´s Daughter“

Ich sitze da, höre den Titel und  – ich weiß nicht, was ich denken soll, schreiben soll.
Das Problem, keinen Unterschied zu hören, stellt sich hier jedenfalls nicht.
Doch es ist nicht so wie ein Vergleich zwischen einem schlechteren und einem besseren Lautsprecher, bei dem die Stimme mal natürlich klingt und mal nicht, die Instrumente mal falsch und mal richtig abgebildet werden.
Es ist vielmehr so, wie einmal draußen vor dem Saloon zu stehen und einmal drin zu sein.

David Munyon, „Leaving Moscow in a stolen Car“ vom Album „Clark“

Auch hier beschleicht mich wieder das Gefühl, einfach in den Aufnahmeraum hinein gegangen zu sein. Und es ist auch wieder nicht so, dass die Gitarre einen anderen Klang angenommen hätte. Davids Stimme bleibt ebenfalls identisch zur ersten Präsentation. Irgendwie hat sich eigentlich überhaupt gar nichts verändert. Ich bin einfach nur in den Aufnahmeraum hinein gegangen.

Jilette Johnson, „In Repair“ vom Album „All I ever see in you is me“

Sprach ich bei der passiven Extreme III von Gänsehaut? Wirklich?  Mh.
Und wie nennt man dann die Steigerung von Gänsehaut?
Ich weiß es auch nicht. Mit der passiven Extreme III habe ich Jelette zugehört, mit der aktiven Extreme III kann ich sie beobachten. Seltsam – äußerst seltsam.

Kari Bremnes, Byssan Lyll vom Album Go Gatt Vol.1

Nichts kommt dazu – nichts geht verloren. Nichts wird wirklich anders.
Wieder ist man „einfach nur dabei“. Mit Kari Bremnes gemeinsam auf dem Schrottplatz. 🙂
Muss man einfach erlebt haben.

Fazit Hörtest Progressive Audio Extreme III – aktiv

Zweifelsohne ist dies die Zwillingsschwester der passiven Extreme III. Und definitiv sind es eineiige Zwillinge, die man kaum auseinander halten kann.
Und doch dürfte wohl tatsächlich niemand ein Problem damit haben, zu erkennen, welche der beiden Versionen gerade musiziert, wenn er sie erst einmal beide gehört hat.

Wer in einem passiven System festhängt, weil er einen hervorragenden Verstärker besitzt, der muss nicht mit seinem Schicksal hadern. Doch wer in seiner Entscheidung noch frei ist und gerade einen neuen Lautsprecher sucht, der sollte sich unbedingt beide Versionen anhören, denn es könnte sein, dass er kurz vor einem Systemwechsel steht.

Ich jedenfalls bin froh und glücklich, diese beiden Ausnahmelautsprecher in meinem Studio vorführen zu können und lade Sie gerne zu einem persönlichen Hörvergleich ein.

 

Aktivlautsprecher vs. Passivlautsprecher

Aktivlautsprecher vs. Passivlautsprecher

Aktivlautsprecher vs. Passivlautsprecher

Aktivlautsprecher vs. Passivlautsprecher

In diesem Bericht „Aktivlautsprecher vs. Passivlautsprecher“ gehe ich auf die Unterschiede zwischen diesen beiden Boxenarten ein.
Sollten Sie sich nach dem Lesen dieses Berichts fragen, wieso nicht viel mehr Aktivboxen angeboten werden, finden Sie vielleicht in meinem Bericht „Aktivboxen – neues Spiel, neues Glück?“ die Antwort darauf.

Grundwissen –  Der konventionelle Lautsprecher (aktiv/passiv)

Kennen wir heute auch eine Vielzahl an unterschiedlichen Lautsprecherkonstruktionen wie Hörner, Flächenstrahler, Plasma, Bändchen … , so ist der so genannte konventionelle Lautsprecher immer noch die am meisten vertretene Bauweise und wird es wohl auch bleiben.

Progressive Audio Extreme 3

Progressive Audio Extreme3

Beim konventionellen Lautsprecher befinden sich verschiedene Chassis („Membranen“) in einem Gehäuse.  Wir entdecken einen Hochtöner, einen Mitteltöner und einen Tieftöner, letzterer gerne auch Bass genannt.
Allen drei Chassis ist bis auf wenige Ausnahmen die gleiche Konstruktionsweise zu eigen.
Da wird die Membrane, die aus Pappe, Plastik, Keramik und vielem mehr bestehen kann, hinten an einer Spule befestigt, die sich innerhalb eines Magneten bewegt.
Damit sie sich bewegt, schickt ein elektronisches Gerät mit der Bezeichnung „Verstärker“ die Musik in Form von elektrischen Spannungen durch diese Spule.

Und damit jedes Chassis auch nur die Bewegungen macht, die es machen soll und machen kann, befindet sich in jedem Lautsprechergehäuse eine „Weiche“, die die tiefen Frequenzen zum Bass, die hohen zum Hochtöner und alles dazwischen zum Mitteltöner schickt.

 

 

Aber die Weiche ist gar keine Weiche!

Schiene

Schiene

 

Den Begriff Weiche kennen wir noch aus der Zeit, als wir mit unserer Eisenbahn gespielt haben.
Da wurde die Fahrtrichtung unsere Züge per Weichenstellung bestimmt.
Zugegeben, ich hatte nur einen Zug. Aber immerhin zwei Weichen!
Je nach Weichenstellung fuhr mein Zug entweder nach links oder nach rechts.

 

Und genau das ist eben bei einer Lautsprecherweiche anders.

Die Lautsprecherweiche schickt eben gerade nicht (!) die tiefen Töne zum Bass, die mittleren zum Mitteltöner und die hohen zum Hochtöner!
Vielmehr wird der eine Zug, also unser Musiksignal, in alle drei Richtungen geschickt.
Danach aber haben diese „drei Züge“ unterschiedliche elektronische Bauteile zu „durchfahren“.

Spulen

Fotolia_75715374 © salita2010

Der erste Zug wird durch eine richtig „fette“ Spule geschickt. Eine Spule ist ein aufgewickelter Draht und sie bildet einen elektrischen Widerstand.
Und zwar für unterschiedliche Frequenzen unterschiedlich stark.
Das führt dazu, dass die tiefen Töne die Spule relativ unbeschadet passieren können, während die hohen und die mittleren Töne so stark abgesenkt werden, dass sie beim Bass praktisch nicht mehr ankommen.

Der zweite Zug wird durch einen Kondensator geschickt. Auch dieses Bauteil stellt für unterschiedliche Frequenzen unterschiedliche Widerstände dar. Nur ist es bei ihm so, dass eben die hohen Töne fließen dürfen und die mittleren und tiefen nicht.

Damit der Mitteltöner weder die hohen noch die tiefen Töne zugeleitet bekommt, muss der dritte Zug eine Strecke durch eine Spule und (!) durch einen Kondensator nehmen.

Und jetzt müssen wir uns vor Augen führen, dass sich all diese elektronischen Bauteile zwischen dem Verstärker und den Chassis befinden – also im (!) Signalweg – was wohl die Musik sicher nicht „besser machen kann“, oder?
Und es kommen sogar noch weitere Bauteile hinzu, frei nach dem Motto:

Schlimmer geht immer!

Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere drei Chassis unterschiedliche Empfindlichkeiten besitzen. Das hat jetzt nichts damit zu tun, wie schnell sie „beleidigt“ sind, sondern sagt nur aus, wie laut sie ein definiertes Musiksignal wiedergeben können.
Da wir in einem passiven System das leiseste Chassis nicht lauter machen können, müssen wir also die lauteren Chassis leiser machen.
Das erreichen wir durch zusätzliche Widerstände.
Doch ein Widerstand ist wieder so ein Bauteil, das wir ja eigentlich am liebsten gar nicht im Signalweg hätten.

Hier und da findet man immer mal wieder Lautsprecher-Entwickler, die die Weiche einfach ganz fehlen lassen und nach dem Motto verfahren, dass die Chassis schon nichts wiedergeben werden, was sie nicht wiedergeben können.
Lautsprecher darf man eben einfach so entwickeln wie man will.

Es gibt keine Normen

Selbst Profis entwickeln noch heute ihre Boxen je nach Gusto. Wodurch Exemplare entstehen, die sehr viel Verstärkerleistung benötigen (= mit niedrigem Wirkungsgrad) und andere, denen ein paar wenige Watt im einstelligen Bereich völlig ausreichen (= mit hohem Wirkungsgrad).
Genau das ist die Rechtfertigung dafür, dass es eben auch unterschiedlich starke Verstärker geben muss.

Doch alle tappen im Dunkeln!

Weder der Lautsprecher-Entwickler, noch der Hersteller eines Verstärkers weiss während der Entwicklungszeit, mit welchem “Partner” die fertigen Komponenten es zu tun bekommen werden.
Man entwickelt also eine „elektronische Hälfte“, ohne die andere Hälfte zu kennen.

In der Praxis ist es also wie beim Kaufen von Kleidungsstücken. Irgendwie finden wir Teile, die uns „ganz gut“ passen und die auch noch recht gut zusammen passen. (Aus unserer Sicht)
Aber  es gibt auch immer wieder ziemlich unmögliche Kombinationen, oder?
Im HiFi-Bereich werden da auch mal Kraftprotze an Boxen mit sehr hohem Wirkungsgrad betrieben und 10 Watt Trioden an wattfressenden geschlossenen Gehäusen.

Für jedes Chassis auch noch eine Extrawurst?

Und – wie wir es oben ja bereits schon einmal erfahren haben – müssten wir uns am Ende auch noch fragen, ob wir denn jetzt eigentlich den genau passenden Verstärker für den Hochtöner suchen, für den Mitteltöner oder für den Bass.

Kaufen wir doch einfach drei Verstärker!

Dieses Problem hat man schon in den 70-er und 80-er Jahren zu lösen versucht und damals Aktivweichen entwickelt. Diese befanden sich zwischen dem Vorverstärker und den 2-3 Endverstärkern, die dafür erforderlich waren.
Es sollte sich aber zeigen, dass es selbst dafür sehr schwierig war, die richtigen Verstärker zu finden.
Mark Levinson ging noch einen Schritt weiter und versorgte bei seinem HQD-System gleich drei verschiedene Lautsprecher-Systeme über drei Paar ML2 (also sechs Monoblöcke) aus eigener Entwicklung.
(HQD = Hartley, Quad-Electrostatic, Decca)
Fotobeispiel unter folgendem Link:
https://www.stereophile.com/content/mark-levinson-hqd-loudspeaker-system

Doch auch er versuchte letztlich nichts anderes, als einzelne Kleidungsstücke „von der Stange“ bestmöglich zu kombinieren.
Erfolgsversprechender scheint es da doch zu sein, wenn sich die Entwickler der Elektronik und der Lautsprecher kennen und zusammenarbeiten.
Und wenn die dann auch noch für jedes Chassis einen eigenen Verstärker bauen, dann dürfte es doch gut werden, oder?

Genau das ist das Geheimnis eines guten Aktiv-Lautsprechers.

Und wenn es sich bei dem Hersteller um einen echten Profi handelt, dann arbeitet er sogar Hand in Hand mit den Chassis-Produzenten. Denn immer wieder wird er feststellen, dass manche Optimierungen nur dann erreicht werden können, wenn die verwendeten Chassis angepasst werden.
Hierzu sollte man aber schon einiges „auf dem Kasten haben“.
Und über diese Kompetenz muss der Entwickler von Aktivlautsprechern auch noch auf zwei Gebieten verfügen, die man in der Branche eigentlich gerne strikt voneinander trennt.
Er muss sowohl im Bereich der Akustik und der Boxenentwicklung als auch im Bereich der Elektronik zuhause sein und beides zusammenbringen können.

Damit haben wir wohl einen der Gründe dafür gefunden, wieso uns der Markt eine ziemlich geringe Auswahl an wirklich brauchbaren Aktiv-Lautsprechern bietet.

Sie meinen, es gibt doch eine ganze Menge Aktivboxen?

Ja, sicher. Neben unserem Computer und vielleicht auch neben unserem Fernseher stehen möglicherweise Boxen, die uns als Aktivboxen verkauft wurden.
Richtig ist bei diesen Boxen aber nur, dass der Verstärker in eines der Boxengehäuse eingebaut wurde, um einen zusätzlichen „Kasten“ einzusparen.
Aktiv im Sinne der High-Fidelity ist da nichts. Zu entlarven sind diese „falschen Aktivboxen“ leicht daran, dass der Verstärker nur in einem der Gehäuse sitzt und die zweite Box über ein gewöhnliches Lautsprecherkabel angesteuert wird.
Bei einem „echten“ Aktivlautsprecher verfügen aber beide Boxen über eine integrierte Elektronik und diese besteht aus so vielen Modulen, wie die Box „Wege“ hat. Ein „Weg“ wird aus einem oder mehreren identischen Chassis gebildet.

Wie betreibt man denn jetzt so einen Aktivlautsprecher?

Man muss bedenken, dass der Endverstärker bereits im Lautsprecher fest verbaut worden ist. Besitzen wir einen Vollverstärker, können wir prüfen, ob der einen Vorverstärker-Ausgang hat. Wenn nein, werden wir den Vollverstärker nicht zusammen mit unseren Aktivboxen verwenden können.
Stattdessen brauchen wir dann einen reinen Vorverstärker als Umschaltzentrale. An diesen Vorverstärker schließen wir alle unsere Quellgeräte an. CD-Player, Tuner und was wir noch so alles besitzen und betreiben wollen.

Folgt man dem derzeitigen Trend, dann kann man aber mit einem Aktivlautsprecher noch einen großen Schritt weiter voran kommen. Lesen Sie mehr darüber in meinem Bericht:

Aktivboxen – Neues Spiel, neues Glück?

Und wenn ich es jetzt geschafft haben sollte, Sie so richtig neugierig auf Aktivboxen gemacht zu haben, dann können Sie in meinem Bericht  „Progressive Audio Extreme III, aktiv vs. passiv“  noch mehr über zwei außergewöhnliche, gleiche und doch unterschiedliche Lautsprecher-Paare lesen.

Ich wünsche Ihnen viel Kurzweil dabei!
Ihr Wolfgang Saul.

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