CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten? Teil 2

CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten? Teil 2

Mit Vertriebsmenschen wie Armin Kern von ATR zusammen arbeiten zu dürfen, macht wirklich Spaß. Im Kommentar zu meinem Testbericht  “CD, Streaming oder Schallplatte – was klingt am besten? Teil 1” hatte er angekündigt, mir zwei MQA-lizenzierte Geräte aus seinem Vertriebsprogramm vorbei zu bringen und kaum 2 Tage später war er damit zur Stelle.

Zum Hintergrund:
Ich hatte im o.g. Bericht festgestellt, dass die MQA-Version von Keith Jarretts „The Köln-Concert“, die man über Tidal  streamen kann, bei hohen und lauten Tönen irgendwie „übersteuert“ klingt. Da ich mit der Dekodierung dieser Datei einen Auralic Altair beauftragt hatte und dieser nicht von MQA lizenziert ist, stand die Frage im Raum, ob der Wiedergabefehler an der Datei selbst liegt oder an der Art und Weise, wie ein Auralic Altair MQA-Dateien dekodiert.

Und da lagen sie vor mir:
Ein kleines, unscheinbares „Zigarrendöschen“ von Meridian (quasi dem Erfinder von MQA) mit der Bezeichnung Explorer

Meridian Explorer

Meridian Explorer

und ein nicht viel größeres Kästchen von Pro-Ject mit dem Namen Pre Box S2 Digital.

preboxs2digital

preboxs2digital

Beide Testgeräte erreichen lange nicht die Preisklasse eines Auralic Altair – aber darum ging es uns ja auch gar nicht.
Niemand, außer Armin vielleicht 🙂 – wollte mich hier zu einem Klangvergleich bewegen.
Wir wollten doch nur der Ursache für diese undefinierbaren Töne auf die Spur kommen.

Und ohne Umschweife kann ich direkt zum Ergebnis kommen:

Die Datei selbst ist der Verursacher, die beiden MQA-Kästchen zaubern diese Übersteuerungen, Artefakte oder was es auch immer sein mag – auch nicht weg. Immer klingt das ein wenig anders – aber nie so, dass es nicht stören würde.
Es bleibt dabei: Allein die 16 Bit 44.1 kHz-Variante auf Tidal verschweigt die gesamte Problematik.
Dafür aber auch so einiges anderes mehr.

Das einzige Medium, was diese Töne zwar nicht „schöner“ darstellt, uns aber dafür genau hören lässt, was da bei der Aufnahme geschehen ist, das ist die Langspielplatte.

Dem Meridian hätte ich gerne etwas genauer auf den Zahn gefühlt, aber leider hatte ich kein wirklich gutes Mini-USB-Kabel parat. So hatte ich mich hier auf das mitgelieferte Kabel zu beschränken, dass leider die Qualität eines gewöhnlichen Computer-USB-Kabels definitiv nicht überschreiten konnte. Ganz sicher kann dieses Teil deutlich mehr, als es diese Beipackstrippe zulässt. Schade.
Aber Meridian hat hier wohl die Zielgruppe im Auge, die gerne ihren PC oder Laptop zum Streamen verwendet und dort dürfte man mit einem USB-Kabel, was teurer ist als der Meridian-DAC selbst, ziemlich hart auf Granit beißen.

Das sah beim Pro-Ject zum Glück anders aus.
Er hat eine USB-2-Buchse und dafür lag bei mir das brandneue GT2-Pro von Furutech parat.

Beginnt man, die Texte und Angaben auf dem Pro-Ject-Umkarton zu studieren, hat man das Gefühl, den Beipackzettel eines Apothekers zu lesen.
Nein, nicht wegen der möglichen Nebenwirkungen – sondern auf Grund des Umfangs und der nicht enden wollenden Aufzählung dessen, was diese kleine Kiste so alles kann.
Der Begriff „Schweizer Messer“ wird in solchen Situationen gerne genutzt und ganz sicher passt dieser Begriff auch hier perfekt.

Computer anschließen, CD-Player, Streamer, TV, Verstärker, Kopfhörer – alles kein Problem.

Für 365,- € Listenpreis stutzt man erst einmal. Oder auch mehrmals.
Nun gut. In Zeiten, zu denen ein Handy fotografieren, navigieren und Geld überweisen kann, da weiß man, dass es für fast jede Funktion heutzutage nur noch einer App bedarf.
Programm installieren und schon kann das Dingen fliegen.
So ungefähr jedenfalls

Da überrascht es uns also auch nicht wirklich, wenn so eine Pre Box wirklich viel kann.
Viel zu können heißt ja aber leider nicht, alles auch gut zu können.

Dass auch die Pre-Box die schrägen Töne der MQA-Datei nicht wirklich sauber hinbekommen hat, das werte ich jetzt mal eher als Kompliment, denn die sind einfach schon in der Datei nicht sauber.
Und die vielen Filtereinstellungen, die dieses Kästchen drauf hat, die können daran auch nichts ändern, denn sobald das MQA-Lichtlein brennt, sind alle anderen Filtermöglichkeiten zur Untätigkeit verdammt, also nicht mehr abrufbar.

Viele Filtereinstellungen?
Was ist darunter zu verstehen?

Ist das etwa so wie beim Pizza-Taxi?
Thunfisch, Champignons, Schinken, Salami, Ananas … ? Alles machbar!?

Und diese Pre-Box, die liefert uns nun 7 verschiedene Sounds, je nach Lust und Laune?

Natürlich ist das nicht so, aber lesen Sie weiter:

Was man zu Filtern wissen sollte:

Kein DAC der Welt kommt ohne Filter aus. Den Begriff Filter kennen die meisten von uns nur von der Kaffeemaschine und so ähnlich wirkt auch ein Digitalfilter.

Das, was man nicht haben will, das bleibt hängen, alles andere darf durch.

Besonders tiefe Störfrequenzen (Subsonic) zum Beispiel oder Unsauberkeiten in besonders hohen Frequenzen, Vorschwingungen, Nachschwingungen und vieles mehr gilt es zu verhindern, zu unterdrücken oder zumindest zu dämpfen.

Eine Wissenschaft für sich – Sie haben recht.

Wie die einzelnen Hersteller damit umgehen, dass ist erstaunlich unterschiedlich. Manche sehen in den Filtereinstellungen die große Möglichkeit, sich einen ureigenen Klang zu verschaffen, andere halten sich an ungeschriebene Gesetze.

Pro-Ject geht in der Pre-Box ganz einfach den Weg, es dem Besitzer selbst zu überlassen, welche Filtereinstellung er denn verwenden will.

Hierzu sind folgende Filter abrufbar:

Filter Optimal transient (Pro-Ject proprietärer Filter)

Fast Roll Off (Linear Phase Fast Roll Off)

Slow Rollof (Linear Phase Slow Roll Off)

Minimum Phase Fast (Minimum Phase Fast Roll Off)

Minimum Phase Slow (Minimum Phase Slow Roll Off)

Linear Apodizing Hybrid Filter

Brickwall Filter

Was sich genau hinter diesen Bezeichnungen versteckt, das können Sie problemlos googeln. Wenn Sie aber nach dem Lesen der Erklärungen exakt verstanden haben, worum es geht, dann sind Sie schlauer als ich.

In der Praxis:

Mal klingt es etwas härter, mal weicher, mal ist da mehr Raum, mal weniger, mal ist der Bass trockener mal ungenauer.
Was gerade eben noch bei dem ersten Song ganz weit vorne lag kann beim zweiten Song die schlechteste Einstellung sein.
Hat man sich an eine Einstellung gewöhnt, erscheinen einem die anderen nach einer Weile ein wenig seltsam.
Und am Ende weiß man überhaupt nicht mehr, was denn jetzt richtig und was falsch ist.

Zum Glück hat uns Pro-Ject hier einen hauseigenen, optimierten Filter mitgeliefert.
Ihn zu nutzen, dürfte sicher die beste Empfehlung sein.
Alle anderen können wir mal ausprobieren und vielleicht schreit die eine oder andere Aufnahme auch nach einem der anderen Filter, aber immer, wenn wir unsicher werden und nach einem roten Faden suchen, können wir schnell zurück zur optimierten Einstellung wechseln.
Das ist doch sehr beruhigend.

Und wie klingt die kleine Kiste?

Erstaunlich gut!
Keine Ahnung wie Pro-Ject das wieder angestellt hat, aber was hier an Klang zum Vorschein kommt, das hat mit dem, was der Preis oder die winzige Größe des Gehäuses vermuten lässt, aber mal gar nichts zu tun.

Und das sage ich im Bewusstsein, dass ich wohl kaum eines dieser Geräte verkaufen werde.
Der typische AUDIOSAUL-Kunde gibt gerne auch ein paar Euro mehr aus und die, für die so eine Pro-Ject Pre Box S2 Digital preislich in Frage kommt, die kaufen nicht bei AUDIOSAUL sondern fahren zum nächsten Discounter.

So muss ich denn anerkennen, dass der “ausnahmsweise” auch mal was gutes da hat. 😉

Sollten Sie aber jetzt genau dieses Teil bei mir bestellen wollen – so stehe ich auch für diese Überraschung gerne parat. 🙂

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