Progressive Audio Extreme I

Progressive Audio Extreme I

Ein Bericht über den Sinn kleiner Lautsprecher, 
über den Hersteller Progressive Audio aus Essen
und über seine kleinste Box, die Extreme I.

Bei der Progressive Audio Extreme I handelt es sich um einen Lautsprecher aus der Kompaktklasse, Allerdings kostet er nicht weniger als eine ausgewachsene Standbox. Lesen Sie hier, wieso diese Aussage keineswegs gegen die Progressive Audio Extreme I spricht.

Wieso sind manche Dinge eigentlich teurer als andere?

Wer versucht, eine Waschmaschine zu verschieben, der wird davon überzeugt sein, die Gründe dafür entdeckt zu haben, wieso manche Dinge teurer sind als andere: Ihre Größe und Ihr Gewicht.
Wer danach auf seine Armbanduhr sieht, um zu schauen wie spät es ist, stellt aber möglicherweise fest, dass diese noch teurer war als die Waschmaschine und fühlt sich dann frei nach Goethe „so klug als wie zuvor“.

Doch wie wird eigentlich der Preis für einen Lautsprecher festgesetzt?

Größe und Gewicht sind zwar auch hier gute Anhaltspunkte, allein – können sie aber wohl eher nicht den Ausschlag geben.
Beim Discounter ist es nämlich kein Problem, schwere, mannshohe Lautsprecher „für ganz kleines Geld“ zu finden.
Auch die Anzahl der eingebauten Chassis (Membranen) verrät uns noch nicht viel über den Preis, denn auch da stechen manche Billigteile mit ihren 6 Chassis pro Box die deutlich teurere Konkurrenz gnadenlos aus.
Dass so etwas immer dann kaufmännisch nicht mehr funktionieren kann, wenn bereits ein einzelner Hochtöner im Einkauf einige Hundert Euro verschlingt, leuchtet ein, aber welcher Boxenbauer zeigt seinen Kunden schon seine Einkaufsrechnungen?

Und was würden die auch über die Qualität des Lautsprechers aussagen?
So wenig, wie der Preis einer Fotokamera über die Qualität eines Fotos oder der Preis von Farben über den Wert eines Gemäldes, das mit ihnen gemalt wurde.

Nur zwei Zutaten braucht es für einen Lautsprecher!

Ein Lautsprecher ist ein Konstrukt, dessen Entwicklung aus zwei „Zutaten“ besteht:

  1. aus den verwendeten Bauteilen und
  2. aus der Kompetenz des Entwicklers.

Während wir den Punkt a) nach betriebswirtschaftlichen Aspekten für eine Preiskalkulation verwenden können, ist der Punkt b) wohl kaum finanziell zu erfassen.

Progressivität

Wenn ein Entwickler niemals inne hält und immer wieder erfolgreich Neuland betritt, nennt man das Progressivität.
Den anderen immer ein Stück voraus zu sein, sich nie auf seinen Lorbeeren auszuruhen, sondern immer wieder „die Latte für alle höher zu legen“ – das hat sich Ralf Koenen bei seiner Firmengründung im Jahre 1996 auf die Fahne geschrieben.

Progressive Audio  

Progressive Audio Logo

Und genau aus diesem Grund nannte Koenen seine Firma damals „Progressive Audio“.
Heute, zwanzig Jahre später, muss man ihm nicht nur bestätigen, dass dieser Name Programm war und Programm geblieben ist, sondern dass er in vielen Bereichen Meilensteine gesetzt hat.

Verstärker mit SiC-Transistoren

Progressive Audio A901 CD2

Progressive Audio ist der einzige mir bekannte Hersteller weltweit, dem es gelungen ist, unter Verwendung von Siliciumcarbid-Transistoren einen wirklich praxistauglichen Verstärker anzubieten, der mehr als 50 Watt in Class A an die Lautsprecher liefern kann. Und das in einer atemberaubenden Klangqualität.

Die PADIS-Gerätesicherung

PADIS Sicherungen

Furutech, ein global agierendes Vertriebs-Unternehmen, lieferte Ralf Koenen Gerätesicherungen, die er in Deutschland vertreiben sollte. Er prüfte sie – und er befand sie für gut, aber nicht für gut genug. Also entwickelte er eine neue Gerätesicherung. Diese überzeugte die Furutech-Manager so sehr, dass sie die hauseigene Sicherung fallen liessen und von Stund an den weltweiten Vertrieb der PADIS-Sicherung übernahmen. (PADIS steht für Progressive Audio Distribution)

Progressive Audio Übertrager

Es gibt Zulieferer für Übertrager, die damit seit Jahrzehnten den Weltmarkt beliefern. Für alle möglichen Anforderungen und mit unterschiedlichen Spezifikationen. Man sollte also annehmen, dass solch ein Hersteller alles über Übertrager weiss und die Kundenwünsche mit Leichtigkeit erfüllen kann. Zumal so ein Übertrager ja auch kein wahnsinnig kompliziertes Bauteil ist.
Doch was Koenen auch versuchte – der beste Übertrager des Marktes hatte leider eine Resonanzfrequenz bei 40.000 Hz und einen Frequenzgang bis maximal 50.000 Hz, damit wollte er nicht arbeiten.
Also entwickelte er seinen eigenen, völlig resonanzfreien Übertrager mit einem Frequenzgang von bis zu 300.000 Hz.
Die Qualität dieses Bauteils sprach sich in der Szene schnell herum und so „wandert“ es heute auch in Geräte von Marken, die wir eigentlich als Konkurrenten zu Progressive Audio gesehen hätten.
Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie irgendwann eines Ihrer High-End-Komponenten aufschrauben und darin einen Übertrager von Progressive Audio entdecken.

Portfolio

Progressive Audio Transformer

Die derzeitige Produktpalette reicht von vier Lautsprecher-Serien über zwei Verstärkern, einen CD-Player, einen DAC, zwei Phonoteilen und drei Kabel-Reihen zwischen 448,- € und 15.600,- €. Schon „in der Pipeline“ befindet sich ein neuer DAC, ein preisgünstiger Vollverstärker und ein Phonoverstärker, der seine Informationen aus dem „Strom“ und nicht aus der „Spannung“ des Tonabnehmers zieht. Ein Prototyp des Stromverstärkers befindet sich seit fast einem Jahr in meiner Vorführung und ich kenne weder etwas klanglich vergleichbares noch etwas unkomplizierteres als diesen Phono-Amp.

Die Extreme-Serie

Progressive Audio Messe 2016-1

Im Jahre 2015 präsentierte uns Progressive Audio eine Lautsprecher-Serie, mit der wohl kein Kenner der Szene gerechnet hatte:  Die Extreme.
Wer nur den Namen hört, wird vermuten, dass er diese Serie noch über seinem bisherigen Referenz-Modell, der „Transformer Diamant“ für mehr als 80.000,- Euro angesiedelt hat, doch da irrt er sich.
Tatsächlich überraschte Koenen die Szene mit einer „kleinen, schicken“ und für Progressive Audio-Verhältnisse geradezu preisgünstigen Serie, die in passiver Ausführung zwischen 4.000,- € und 8.000,- € angesiedelt ist, die es aber durchaus auch als Aktivboxen zu erwerben gibt.
Kennern treibt er damit Fragezeichen ins Gesicht. „Eine günstige Lautsprecher-Serie von Progressive Audio?“ .
Ist das nicht so, als würde man ein Familienauto mit einem springenden Pferd auf dem Abzeichen angeboten bekommen?
Doch die Begründung von Koenen ist einfach.
Schon seit Jahren geisterte in ihm der Wunsch herum, eine wie man sagt „bezahlbare“ Lautsprecher-Serie zu entwickeln und immer wieder setzte er sich deshalb mit einem Koaxial-Chassis von SEAS auseinander. Bei einem Koaxial-Chassis befindet sich der Hochtöner in der Mitte vom Tief-/Mitteltöner.
Die Idee, die hinter einem Koaxial-Chassis steckt, ist weder neu noch einzigartig, faszinierte ihn aber dennoch. Doch das Chassis von SEAS machte nicht das, was Koenen suchte.
2015 änderte sich das auf einmal und Koenen berichtete geradezu euphorisch von den „neuen Eigenschaften“ dieses Chassis, das nun endlich der Grundstein zu seiner neuen Serie sein konnte.
Die Frage, ob Ralf Koenen hier etwa auch für SEAS Entwicklungsarbeit geleistet hat, verneint er auffallend deutlich und vehement. Ich akzeptiere seine Antwort, denke mir aber meinen Teil.

Die Progressive Audio Extreme I kostet 3.998,- € pro Paar.

Progressive Audio Extreme 1 schwarz

©fairaudio.de

Mit diesem Preis will die Progressive Audio Extreme I eigentlich nicht mehr so recht zur Beschreibung „günstige Boxenserie“ passen.
Während die Extreme II und III als ausgewachsene Standlautsprecher daher kommen und man bei dieser Spezies auch noch höhere Preise akzeptiert, sieht das bei einem Kompakt- oder Regallautsprecher ganz anders aus, oder!?
Auf die Frage, ob er nicht besser den „Markt mit einer günstigeren Box bedient hätte“, antwortet Koenen nur:  „Es war niemals mein Ziel, einen kleinen Lautsprecher anzubieten, der klingt wie kleine Lautsprecher eben klingen. Mir ging es darum, die Vorteile dieser Bauart auszuschöpfen und mit der Progressive Audio Extreme I eine richtig (!) klingende Box anzubieten!“ Wie immer folgen „Vorträge“ über Zeitkonstanten und Phasenverläufe, denen ich nur zum Teil folgen kann.

Progressive Audio stellt etwas her, weil man es herstellen kann.

„Eher hätte ich auf die II-er und die III-er verzichtet als auf die I-er“ kontert Koenen fast ein wenig verärgert auf die Frage, ob er die „Kleine“ nicht einfach hätte ganz weglassen können.
„Hör nur eine Weile mit der Progressive Audio Extreme I Musik und mit jedem Takt wird sie Dir erklären, wieso sie so gut funktioniert.“ so Koenen.
Und exakt diese Aussage kann man einfach nur bestätigen. Das Außergewöhnliche in der Wiedergabe der Extreme I macht deutlich, weshalb das Konzept des Kompaktlautsprechers immer wieder die besten Boxenbauer dieser Erde dazu bringt, sich an ihm zu versuchen.
Einen richtig guten Kleinlautsprecher zu entwickeln, ist die „Königsklasse der Boxen-Entwicklung“. Nicht wenige der besten Boxenbauer sind sich einig und überraschen uns mit folgender Aussage:

Die Kunst bei der Entwicklung von großen Boxen ist, sie immer noch genau so gut klingen zu lassen wie kleine.

Große Lautsprecher sind in vielfacher Hinsicht überzeugend.
Ihr Erscheinungsbild ist oft genau so imposant wie das Klangerlebnis. Doch machen wir uns nichts vor, wenn der Tiefbass genau so sauber klingen soll wie die Mitten und die Höhen und alles wie „aus einem Guss“ wirken muss, dann wird es teuer – sehr teuer.
Und wenn das alles dann auch noch bei großen Lautstärken immer noch gut funktionieren muss, dann sollte man noch ein wenig mehr als nur die Portokasse im Rücken haben.
Und den passenden Raum natürlich auch.
Aber die Extreme I ist nicht das „Trostpflaster“ für alle, die sich einen großen Lautsprecher nicht leisten können.

Die Progressive Audio Extreme I bringt ihre Hörer dazu, „Weltbilder“ neu zu überdenken und sich endgültig von alten Vorurteilen zu trennen.

Immer noch braucht man als Mann ein starkes Ego, sich für einen teuren Kompaktlautsprecher zu entscheiden.
Die Progressive Audio Extreme I kann das ändern.
Fragen wie: „Wieso hast Du denn bei dem Preis nicht die …gekauft?“ sind heute immer noch vorprogrammiert.
Doch mit einer Extreme I kann man es sich sparen, Argumente zu sammeln und dem Fragenden verbale Antworten und Rechtfertigungen zu liefern.

Eine Progressive Audio Extreme I muss man einfach nur „spielen lassen“.

Der Markt wird sich verändern – ganz sicher.
Moderne Techniken wie das Streaming eröffnen moderne Möglichkeiten.
Immer mehr Musikliebhaber verstehen, dass man heute keine HiFi-Türme mehr benötigt, um auf höchstem Niveau Musik genießen zu können. Hier und da „ein keines Kästchen“, ein Tablet-PC in der Hand und schon hat man den Zugriff auf bis zu 40 Millionen Titel in hochauflösender Klangqualität.
Da passen dann die alten „Telefonzellen“ nicht mehr so richtig in dieses Konzept.
Doch klanglich verschlechtern – will man sich ja auch nicht.
Eine unlösbare Aufgabe?
Nicht mit der Extreme I.

Die Progressive Audio Extreme I ist kein Wunder – sie macht sich nur die Physik zu nutze.

Losgelöst von den Boxengehäusen und mit viel Spielfreude entstehen hier Töne dreidimensional und „lebendig“ im Raum. Rechts, links, oben, unten, vorne und hinten sind lokale Adverbien, mit denen wir hier die Quelle eines Klangs „auf den Punkt genau“ bestimmen können.
Geradezu holographische Darstellungen von Sängern und Instrumenten mit den richtigen Abständen zueinander und der exakt natürlichen Größe, entführen den Hörer in die jeweiligen Aufnahmeräume. Die Luft im Aufnahmeraum und die Beschaffenheit der Wände gehören zum Klanggeschehen wie selbstverständlich dazu – wir hören die Aufnahme – nicht den Lautsprecher.

So klein wie möglich, so groß wie nötig

Progressive Audio Extreme I USM-Haller

Extreme I “Edition”

Die gewählte Gehäusegröße der Progressive Audio Extreme I entspricht schlicht und ergreifend dem kleinsten Volumen, in dem das verwendete Koaxial-Chasis sauber arbeiten und somit zeigen kann, was in ihm steckt. Es wird ein Frequenzumfang von 35 bis 24.000 Hz ermöglicht.
Die Progressive Audio Extreme I baut dabei an keiner Stelle etwas auf, was nie da gewesen ist.
Doch wenn es da war, dann hört man es auch.
Bis auf die große Kirchenorgel gibt es keine akustischen Musikinstrumente, die unter 35 Hz herunterreichen würden. Auch nicht dann, wenn wir ein „Bass“ vor ihre Bezeichnung schreiben, wie „Bassgeige“ (41 Hz), „Basstuba“ (43 Hz) oder „Bassklarinette“ (61 Hz).

Legt sich AUDIOSAUL hier für die Extreme I „zu weit aus dem Fenster“?

Die Progressive Audio Extreme I ist ein außergewöhnlicher Lautsprecher für eine immer größer werdende Zielgruppe.
Das sind Menschen, die sich den technischen Fortschritten sehr schnell anpassen, weil sie schon lange auf diese Möglichkeiten gewartet haben. Kaum noch sichtbare Komponenten und Lautsprecher, die sich dem Einrichtungs-Stil unterordnen, ohne vom Hörer die Bereitschaft zu klanglichen Verlusten abzuverlangen, ziehen gerade bei uns ein. Kabel verschwinden und die Technik findet im Verborgenen statt.
Mit dieser Beschreibung kann die Progressive Audio Extreme I nicht „Everybodys Darling“ sein.
Aber wenn sie zu Ihrem Wohnkonzept passt – dann wird es schwer werden, eine Alternative zu finden.
Und am Ende muss man wohl diesem Entwickler aus Essen wieder einmal bestätigen, mit der Extreme I „ganz vorne“ zu sein.

Link zum Hersteller:  http://www.progressiveaudio.de
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