Die Tonabnehmer-Justage

Die Tonabnehmer-Justage

Die Tonabnehmer-Justage

Die Tonabnehmer-Justage

AUDIOSAUL zeigt Ihnen, wie Sie die Tonabnehmer-Justage zukünftig auch alleine hinbekommen.

Sind Sie auch manchmal so ein richtiges Gewohnheitstier?
Eine meiner starren Gewohnheiten ist die Art und Weise wie ich Tonabnehmer justiere.
Irgendwann, so vor etwa 30 Jahren, stieß ich auf die mittlerweile fast legendäre „Schön-Schablone“ – und bin davon nie wieder abgekommen.

So sah er aus, der Typ 1, den ich immer noch im Einsatz habe.

Schön-Schablone Typ 1

Schön – Schablone Typ 2

Mittlerweile gibt es einen Nachfolger, den Typ 2, der noch ein wenig komfortabler gestaltet ist. Er wurde deshalb erforderlich, weil die 1982 von Herrn Schön auf Film gezogenen Vorlagen von der Druckerei (Standardgraph) nach der Umstellung auf das digitale Zeitalter nicht mehr verwendet werden konnten. Nach einem längeren Telefonat mit Herrn Schön habe ich allerdings jetzt auch den Typ 2 geordert.

Schön-Schablone Typ 2

Es gibt noch eine Welt außerhalb von “Schön”

Können Sie sich vorstellen, welche Kräfte auf einen HiFi-Händler im Laufe von 30 Jahren einwirken, die einen von dieser Schön-Schablone abbringen wollen, um sie durch ihre eigenen Entwicklungen zu ersetzen?
Doch selbst die Androhung der Beendigung jeglicher Partnerschaften hat mich nicht von ihr abbringen können. Sie war günstig, einfach zu bedienen und gut.
Und warum auch hätte ich sie austauschen sollen? Gegen was?

Die Aussagen einiger Tonarm-Hersteller, dass die Schön-Schablone zu falschen Justagen führt, habe ich immer wieder geprüft und hinterfragt –  konnte sie aber bis auf ein paar ganz wenige Ausnahmen nie bestätigen.
Justierte ich zunächst mit der Schön-Schablone und prüfte dann mit der vom Tonarm-Hersteller mitgelieferten Einstellhilfe, waren die Ergebnisse meistens identisch. Ganz genau so, wie wenn ich die Reihenfolge änderte.
In mir erzeugte das den Glauben daran, dass es eben nur eine einzige „mathematische Wahrheit“ geben kann. Und wenn ein Entwickler sich an diese Wahrheit hielt, dann musste das eben immer auch zum gleichen Ergebnis führen  – gleichgültig, welcher Name sich dort auf der Schablone verewigte.

Neben Baerwald, Loefgren, Bauer und Stevenson als Mathematiker und Schön als Physiker und Anbieter einer Einstellhilfe, gab es ja auch noch weitere Produzenten von Einstellhilfen und mindestens noch ein Dutzend „Hobby-Mathematiker“, die kräftig rechneten und zeichneten und mit einer erstaunlichen Vehemenz versuchten, die Welt von sich und ihren „neuen“ Ergebnissen zu überzeugen.

Als ich mir im Jahre 1987 den Ortofon TC3000 Messcomputer zulegte, der damals gewichtige 15.000,- DM kostete, wurde meine Ansicht erneut bestätigt.
Wie ich auch justierte, die besten Ergebnisse spuckte mir der TC3000 aus, wenn ich die Schön-Schablone benutzt hatte.

Manchmal ließ ich mich zu wirklichen Justage-Orgien hinreißen, wenn ich einen Plattenspieler erst dann ausliefern wollte, wenn alle Parameter ihr maximal mögliches Ergebnis ablieferten. Das konnte dann gut und gerne auch mal 3-4 Stunden dauern. Am Ende gab es aber fast immer eine Einstellung, die der mit der Schön-Schablone am nächsten kam.

Einzig den auf der Schablone aufgedruckten Tipp, eine Bleistiftmine mit Tesa auf den Tonabnehmer zu kleben, hielt und halte ich immer noch für undurchführbar.

Bleistiftmine mit Tesa

Teppichband statt Tesa

Mir ist es jedenfalls nie gelungen, die Mine mit Tesa so auf den Tonabnehmer zu kleben, dass sie plan auf die Front gepresst wurde. Bei mir war das immer ein „sehr ungenaues und wackelndes Etwas“, weshalb ich das Tesa durch doppelseitiges Klebeband (Teppichband) ersetzt habe. Ein kleines Stückchen um die Bleistiftmine gewickelt und das Konstrukt dann an den Tonabnehmer geklebt, das war deutlich genauer. Außerdem habe ich mir auch irgendwann einmal einen Metallstift machen lassen und damit die Bleistiftmine ersetzt.

Teppich-Klebeband

Allerdings muss man sagen, dass man sowieso nur bei Tonabnehmern etwas an die Frontseite kleben kann, die vorne auch eine schöne große und gerade Front bieten. Bei „nackten“ (ohne Gehäuse ausgelieferten) Systemen oder solchen mit runden Gehäusen gab es oftmals keine Möglichkeit, die Mine dort anzubringen.

Zum Glück hatten die meisten Tonabnehmer dann aber wenigsten eine gerade Rückseite. Und oft ließ sich dort zwischen, unter oder über den Kontaktstiften eine Stelle finden, an der man die Mine doch noch ankleben konnte.

Da die Schön-Schablone auch im hinteren Bereich noch parallele Linien aufgedruckt hat, ist sie selbst in diesen Fällen noch durchaus zu verwenden.

Hintere Linien

War das nun eine lange Einleitung, um doch einen Wandel anzukündigen?

Nun – der Drucker an meinem TC3000 streikt. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass jetzt der richtige Moment gekommen ist, ihn zu ersetzen. Viel Auswahl bietet der Markt da nicht. An der Software von Herrn Dr. Feickert wird man wohl kaum vorbei kommen. Doch was kann sie?

Dr. Feickert – Ihr Einsatz?

Ich hatte schon in Krefeld auf der AAA-Messe mit Dr. Feickert gesprochen und nach einem erneuten Telefonat war nun ein Paket mit seiner Software und auch gleich mit seiner Einstell-Schablone zu mir unterwegs.

Protractor

Quellenangabe:  Dr. Feickert

Der Protractor

Diese Schablone hört auf den Namen „Protractor Next Generation“.
Für alle, die bei Englisch immer hinter der Säule gesessen haben:
Protractor heißt übersetzt Winkelmesser.
Next Generation müssen Sie selber nachschlagen. 🙂

Das Interessante an diesem Protractor ist, dass er mehrere Justage-Varianten anbietet.
Und dass mir schon von so manchem bestätigt wurde, dass die Genauigkeit, mit der die Schablone gefertigt wird, außerordentlich hoch sein soll.

Doch ist das nun das Ende meiner Schön-Schablonen-Ära oder nicht?

Warten wir es ab!

Zunächst fällt auf, dass der Protractor nicht nur aus einer flachen Scheibe besteht, sondern auch noch einen Aufbau mit einer verschiebbaren Querstange aufweist.
Dieser Aufbau hat den Sinn, die Querstange, an der hinten noch ein kleiner angespitzter Stab befestigt ist, genau auf das Tonarmlager ausrichten zu können. Weil nur so die korrekte Einstellung des Überhangs möglich ist.
Auf diesem Stab gibt es eine Skala und an ihr kann man die Tonarmlänge ablesen. Für die Justage ist dieser Wert eher weniger von Bedeutung.
So einen Aufbau hat die Schön-Schablone jedenfalls nicht. Sie kommt vor allem aus preislichen Gründen mit einer aufgedruckten Linie aus, die „ungefähr“ in Richtung Tonarmlager gedreht werden muss, damit man „ungefähr“ den Überhang einstellen kann.

Ihnen ist das zu viel „ungefähr“?

Mag sein – ist aber nicht wirklich tragisch, denn bei der folgenden Justage ist es sowieso so gut wie unmöglich, z.B. die Kröpfung zu verdrehen, ohne gleichzeitig auch den Überhang mit zu verschieben.
Und deshalb müssen wir eben auch jedes mal wieder von vorne anfangen, wenn wir den Tonabnehmer verschoben oder verdreht haben. Das gilt für jede Schablone!

Manche Headshell- oder Tonabnehmer-Formen lassen diesen Einstellvorgang mehr zu einer Schätzung werden, denn zu einer Messung. Was nutzen einem parallele Linien bei einem runden Tonabnehmer-Gehäuse?
So manches mal habe ich mir dann schon vorgestellt, den Tonabnehmer-Hersteller an einem Nasenring zu meinem Plattenspieler zu ziehen und ihm die Aufgabe zu erteilen, das Dingen doch selber zu justieren.
Ja – manchmal hatte ich solche Gedanken. Hmh.

Deshalb sei mir folgender Hilferuf gegönnt:

Liebe Tonabnehmer-Hersteller!
Wenn Ihr die derzeit stattfindende Rückkehr zum Plattenspieler unterstützen wollt – dann denkt an die Justage Eurer kleinen Lieblinge und an die Menschen, die sie vornehmen müssen. Bohrt doch einfach an passender Stelle ein Loch quer durch das Gehäuse und legt dem Tonabnehmer einen dünnen Stift mit in die Verpackung! Bitte!
Und dann denkt natürlich auch daran, den Nadelträger im System so zu justieren, dass er auch im 90°-Winkel zu der Bohrung steht, weil Ihr Euch das sonst natürlich alles schenken könnt.

 

Doch wie ist das jetzt beim Protractor?

Das Rad neu erfunden hat Herr Dr. Feickert ja sicher nicht, oder?

Nun, er verlangt zunächst einmal von uns eine Entscheidung:
Welchem Mathematik-Druiden wollen wir folgen?

Baerwald, Loefgren oder Stevenson?
Bauer und Schön suchen wir auf dieser Schablone vergebens.

Bei dieser Entscheidung wird der Anwender allerdings von der Bedienungsanleitung allein gelassen.
Offensichtlich geht man davon aus, dass der Besitzer eines Protractors schon wissen wird, welchem Propheten er folgen will.
Ist das so?

Nun – ich bezweifle das.

Wodurch unterscheiden sich diese Theorien – oder sind es gar Philosophien?
Worauf basieren ihre Berechnungen?
Muss ich mir von allen Dreien Bücher kaufen und diese womöglich auch noch in deren Muttersprache lesen?
Und selbst wenn ich dazu in der Lage wäre – weiß ich dann hinterher, wem ich glauben kann?

Wieso gibt es denn überhaupt unterschiedliche Theorien, wenn es doch um Mathematik geht?

Wenn ich drei mal vier rechnen soll, dann gibt es exakt ein einziges richtiges Ergebnis und da sagt mir nicht Baerwald, dass das dann 11,98347 ist, Loefgren ist für 12,156 und Stevenson für eine glatte 12, oder?

Tatsächlich ist das auch alles Unsinn was ich hier schreibe. Die hinter diesen Berechnungen liegende Mathematik ist nämlich bei allen völlig identisch. Erst die Berücksichtigung voneinander abweichender Prioritäten führt zu unterschiedlichen Interpretationen.

Der Grund für die unterschiedlichen Interpretationen liegt zunächst einmal darin, das es ja bei einem Drehtonarm tatsächlich keine richtige Justage gibt – eigentlich ist jede Justage und sei sie noch so mathematisch ausgeklügelt – schlicht und ergreifend falsch! Nur der Tangential-Tonarm bleibt über die gesamte Schallplatte hinweg ohne Spurfehlwinkel.

Tangentialtonarm - Quelle: W.E. Schön

Tangentialtonarme Quellenangabe:  W.E. Schön

 

Ein Tonabnehmer kann nur entweder genau parallel über der Rille stehen (das wäre dann ein Nulldurchgang) oder davon abweichen, dann haben wir es mit einem Spurfehlwinkel zu tun.
Während der Tangential-Tonarm fortlaufend parallel zur Rille (oder eben im 90°-Winkel zur Tangente) steht, bringt es ein Drehtonarm im besten Fall auf zwei Nulldurchgänge. In allen anderen Bereichen weicht er vom Idealwert ab.

Spurfehlwinkel

Spurfehlwinkel – Quellenangabe:  W.E. Schön

Steigen wir an dieser Stelle ein klein wenig tiefer in die Materie ein, um zu verstehen, wieso es zulässig ist, die Mathematik unterschiedlich zu interpretieren.

  • Die Platte dreht sich um ihren Mittelpunkt.
  • Der Tonarm dreht sich um seinen Mittelpunkt.
  • Beide Punkte sind nicht identisch.

Der Versuch, einen Tonabnehmer „einfach vorne an einen geraden Stab“ zu binden, führt zu dem Ergebnis, dass der Tonabnehmer nur ein einziges mal exakt parallel zur Rille verläuft. Vorher und hinterher müssen wir mit erheblichen Abweichungen (Spurfehlwinkeln) leben, die um so größer werden, je weiter sie von diesem Nulldurchgang entfernt sind. Eine Langspielplatte wäre mit einer solchen Konstruktion nicht komplett abspielbar, ohne Schaden zu nehmen.

 

Tonarm ohne Kröpfung

Tonarm ohne Kröpfung – Quellenangabe  W.E. Schön

Durch einen genialen Trick ist es den Mathematikern gelungen, die Anzahl der Nulldurchgänge auf zwei zu erhöhen und damit zu verdoppeln.
Sie machen einfach einen Knick oder einen Bogen in diesen Stab (Tonarm).
Diesen Knick nennt man Kröpfung.

Tonarm mit Kröpfung

Tonarm mit Kröpfung – Quellenangabe: W.E. Schön

Doch die Kröpfung alleine nützt uns noch gar nichts. Erst durch das Verschieben des Tonarms oder des Tonabnehmers zur Plattenmitte hin, erhalten wir diese Geometrie, die uns die beiden Nulldurchgänge beschert.
Der Diamant darf also nicht genau auf die Plattenteller-Mittelachse zeigen, wenn wir den Tonarm nach innen führen, sondern er muss etwas darüber hinausragen. Diesen Wert nennt man Überhang.
Will man also einen Tonabnehmer justieren, geht es um genau diese beiden Werte:

Kröpfung und Überhang.

Führen wir den Tonarm von außen nach innen über eine Schallplatte, ergeben sich die folgenden 5 Bereiche:

1) „Plus-Abweichung außen“ – vor dem äußeren Nulldurchgang.
2) Äußerer Nulldurchgang.
3) „Minus-Abweichung“ – zwischen den beiden Nulldurchgängen
4) Innerer Nulldurchgang
5) „Plus-Abweichung innen“ – hinter dem inneren Nulldurchgang

Baerwald

… optimiert die Plus-Abweichungen, also die vor dem äußeren und die nach dem inneren Nulldurchgang. Er legt die beiden Nulldurchgänge dafür auf 66,0 und 120,9 mm (von der Plattenmitte gemessen).

Loefgren

… optimiert, zumindest in seiner zweiten Publikation, die Minus-Abweichungen, also die zwischen den beiden Nulldurchgängen. Er legt die beiden Nulldurchgänge dafür auf 70,3 und 116,6 mm.

Stevenson

… verschiebt die beiden Nulldurchgänge ein wenig nach innen und zieht sie weiter auseinander, wodurch außen höhere Abweichungen entstehen als zur Plattenmitte hin. Er legt dafür die Nulldurchgänge auf 60,325 und 117,42 mm
Alle drei Theorien gehen mit ihren Lösungsansätzen auf die Fragen ein, ob sich ein Spurfehlwinkel außen stärker oder schwächer auf die Wiedergabe auswirkt als innen und ob das was mit der Geschwindigkeit zu tun hat, mit der der Diamant durch die Rille gleitet.

Nun gut – so viel zur Theorie.

Machen wir uns doch jetzt mal daran, das Ding auch zu benutzen.

Vor mir steht ein Pro-Ject RPM 9.1 Carbon-Laufwerk mit Pro-Ject 9“ Evolution-Tonarm und einem Ortofon Quintet Bronze. Die Quintet-Serie heißt (wohl nicht nur bei mir) die „Lego-Serie“. Jeder der sie sieht, wird sofort wissen, wieso.

Praktisch an ihnen ist, dass die Tonabnehmer der Serie wunderbar glatte Seiten haben, die alle im rechten Winkel zueinander stehen und große Flächen besitzen. Da braucht man fast keine Bleistiftmine, die Justage klappt mit ihnen oft auch so.

Schablone ausrichten

Zunächst gilt es, die Spitze am Ende der verschiebbaren Querstange exakt auf das Tonarmlager auszurichten. Da der Pro-Ject-Arm oben ein Loch hat, das die Mitte des Tonarmlagers markiert, ist die Ausrichtung hier ein Kinderspiel.

Lagermitte festlegen

Step 1 – Überhang messen/einstellen

Ich führe den Tonarm zur mit „Step 1“ markierten (mittleren) Schablone.
Meine Nadel trifft den Stevenson-Punkt exakt.

Step 1

Für Baerwald ist der Überhang ein wenig zu kurz und für Loefgren ist er „viel zu kurz“.

Folgt die Schön-Schablone, mit der ich ja das Bronze justiert habe, also etwa der Stevenson-Theorie? In der Anleitung von Walter Schön finde ich zwar Hinweise und Bezüge auf Baerwald und Loefgren, aber keine auf Stevenson!?

Ich hebe die Stange, die auf das Tonarmlager zeigt an, fixiere sie und kann nun die Schablone so drehen, dass ich zu „Step 2“, der äußeren der drei Schablonen komme.

Step 2

Hier liegen die beiden Punkte nach Loefgren und Stevenson sehr dicht beieinander – zum Baerwald-Punkt gibt es einen recht großen Abstand.
An dieser Stelle kommt meine erste Kritik am Protractor:  Die Linien sind ziemlich „geizig“ gedruckt. Selbst mit diesem „Legostein“ von Tonabnehmer fällt es schwer, nach Parallelen oder rechten Winkeln zu suchen und ich muss doch wieder die Bleistiftmine verwenden.

Beim Quintet kann ich sie problemlos an die Front kleben. Müsste ich die Bleistiftmine an der Rückseite des Tonabnehmers befestigen, würde mich das hier nicht weiter bringen, denn dort gibt es keine Striche mehr auf dieser Schablone, an denen ich etwas ausrichten kann.

Nun gut – die Justage nach der Schön-Schablone liegt irgendwo zwischen Loefgren und Stevenson. Der Baerwald-Punkt ist weit weg und ich möchte jetzt schon mutmaßen, dass Baerwald und Schön wohl auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen sind.

Ich wechsle zur dritten Schablone nahe der Plattenmitte und erlebe jetzt eine kleine Überraschung.

Zunächst hatte ich mich darüber gefreut, dass die drei Punkte ziemlich weit auseinander liegen, was eine Einschätzung und Prüfung vereinfachen sollte, was sich auch bestätigt hat.

Step 3

Jetzt folgt aber die Überraschung:

Hier innen stimmt meine Justage sowohl mit dem Loefgren- als auch mit dem Baerwald-Punkt (!) exakt überein – allerdings nicht mit dem Stevenson-Punkt.
Sollte die Schön-Schablone also doch noch eine ganz eigene – von allen anderen abweichende Geometrie besitzen?

Ich werde unsicher und schnappe mir noch einmal meine Schön-Schablone. Hatte ich wirklich sorgfältig genug gearbeitet? Oder war mir etwa eine Ungenauigkeit durchgerutscht?

Kröpfung? Passt!
Überhang? Passt, oder?
Ich bin mir nicht ganz sicher.
Ich brauche mehr Licht!
Da war doch …

Beim Auspacken des Protactors hatte ich so ein kleines Teil entdeckt mit einem Kettchen und einem Ring dran. Offensichtlich, damit man es am Schlüsselbund oder so befestigen kann. Ich konnte das aber nicht richtig erkennen und dachte mir jetzt, dass es doch ganz praktisch wäre …

… und tatsächlich – es handelt sich um eine kleine Taschenlampe.

Was hier hochtrabend klingt, ist zunächst natürlich Unsinn, denn eine richtige Taschenlampe ist es nicht. Andererseits aber stimmt es doch, denn die Lichtausbeute im Nahbereich ist hervorragend!

Und das Ergebnis meiner Prüfung?

So oft ich mir auch selbst misstraue und es immer wieder überprüfe: Ich hatte nicht oberflächlich und flüchtig gearbeitet. Das Quintet war auf den Punkt genau justiert.

Schaue ich also mal nach, wo denn Herr Schön seine Nulldurchgänge hingelegt hat.

Ich finde:  62,5 und 117,2 mm.
Damit liegt er tatsächlich sehr dicht an der Kurve von Stevenson, die sich nach innen hin noch ein wenig weiter streckt als die Schön-Variante.

Um ganz sicher zu sein, dass ich nicht den Fehler begehe, die Ergebnisse einer einzelnen Kombination als allgemein gültig zu erklären, wechsle ich zu einem anderen Plattenspieler.

Vor mir steht ein AVID Sequel SP mit einem SME-Tonarm und einem Jan Allaerts MC 2.
Auch das Jan Allaerts verfügt über große, gerade Seiten, bereitet also beim Justieren eigentlich keinerlei Probleme.

Step 1 ?

Exakt das gleiche Ergebnis wie auch beim Pro-Ject:  Der Stevenson-Wert stimmt – für alle anderen Theorien ist der Überhang zu kurz eingestellt.
Und ich kürze ab:  Auch bei den beiden anderen Punkten wiederholt sich das Ergebnis vom Pro-Ject-Plattenspieler.

Welche Erkenntnisse lassen sich daraus ziehen?

Zunächst einmal folgendes:

Da der Überhang für Baerwald und Loefgren bei meiner Justage nach Schön nicht stimmte, können die beiden Werte für den äußeren und den inneren Nulldurchgang von mir hier gar nicht beurteilt werden.

Der korrekt eingestellte Überhang ist unabdingbare Voraussetzung dafür, dass die anderen beiden Werte überhaupt geprüft werden können.

Ich beschließe nun folgenden weiteren Arbeitsablauf:

A) Ich werde mir eine Schallplatte mit kritischen Gesangsstellen anhören. Dazu wähle ich Cafe Blue von Patricia Barber. Auf der ersten Seite höre ich mir das erste Stück an (What a Shame) und auf der zweiten Seite natürlich „Too rich for my blood“. Das ist zwar nicht das letzte Stück, aber durch die Passagen, in denen Frau Barber extrem hoch singt, kann man sofort erkennen, ob ein Tonabnehmer korrekt justiert worden ist oder nicht.

B) Ich justiere das Laufwerk komplett nach Stevenson.

C) Ich justiere nach Loefgren

D) Ich justiere nach Baerwald

Wir beginnen mit A) – Justage nach Schön.

Zum Klangergebnis muss ich nicht viel schreiben – würde es mir nicht gefallen und würde es nicht sauber (also frei von störenden Verzerrungen) arbeiten, würde ich mit diesem Laufwerk nicht vorführen.

Nun kommen wir zu B) – Was taugt Stevenson?

Die Berechnungen von Stevenson, die hier auf der Schablone verwendet werden, stammen aus dem Jahre 1966 und sind damit die aktuellsten auf dem Protractor! Ja – Sie haben richtig gelesen!  Die anderen sind noch älter (Loefgren 1938, Baerwald 1941).

Ich korrigiere den Überhang um ein winziges Maß, eigentlich nur, um wirklich ganz korrekt zu arbeiten. Auch beim äußeren Nullpunkt muss ich nur eine Winzigkeit korrigieren. Der innere stimmt damit automatisch – genau so muss es sein. In mir bestätigt sich der Verdacht, dass Schön und Stevenson mit ihren Theorien sehr nahe beieinander liegen müssen.

Ich höre den Song „What a shame” (ganz außen)
Und – ich müsste mir hier etwas aus den Fingern saugen, wenn ich von einem Klangunterschied schreiben wollte, was ich nicht tun möchte.

Too rich for my blood (mehr innen)
Hier sieht es etwas anders aus. Patricia Barber singt tatsächlich „befreiter“ auf, der Raum wird selbstverständlicher abgebildet. Der Unterschied ist nicht gewaltig, aber wer öfter mal Tonabnehmer einstellt, der kennt das Gefühl, nicht ganz zufrieden zu sein und er weiß auch wie es ist, wenn man plötzlich um das Laufwerk einen Zaun bauen möchte, weil man da jetzt niemanden mehr heran lassen will. Das zweite Gefühl beschleicht mich soeben. Irgend etwas in mir sagt, dass ich da jetzt nichts mehr dran tun sollte.

Fazit Stevenson

Spielt man ein äußeres Stück auf der Platte ändert sich zur Justage nach Schön nichts.

Wechseln wir zu D) Baerwald

Ich habe C) übersprungen? Ja, Sie haben Recht. Ich war einfach zu neugierig. Die Justage nach Baerwald wich bei meiner anfänglichen Überprüfung am stärksten von der Schön-Schablone ab und deshalb wollte ich jetzt einfach wissen was passiert.

What a shame
Wieder will es mir nicht gelingen einen Unterschied zu hören. Theoretisch müsste die Wiedergabe mit einer Baerwald-Kurve bei den äußeren Stücken am besten sein. Einen Nulldurchgang bei 120mm bietet sonst keine Schablone!

Doch es tut sich nichts – jedenfalls nicht genug, dass ich es hören könnte.

Too rich for my blood
Ganz anders bei diesem Stück. Hier stellt sich deutlich eine Verschlechterung ein. Patricia Barber hat keinen Mund mehr – das ist fast ein „Maul“! Und ein wenig nervig klingt es auch!

Kann das denn sein?

Stevenson legt den inneren Nullpunkt auf 60 mm, Baerwald auf 66 mm.
Ja,  – und an welcher Stelle liegt nun der Song?

Ich messe nach und stelle fest, dass der Bereich, in dem die Stimme am einfachsten bewertet werden kann, irgendwo zwischen 100 und 110 mm liegt – also weit weg vom inneren Nulldurchgang!

Moment mal! Wo legt Stevenson seinen inneren Nullpunkt hin? Auf 60mm?

Da ist bei mir die Auslaufrille!

Baerwald legt sie auf 66 mm?

Ich messe genau nach:

Die Songs auf dieser Cafe Blue liegen im Bereich zwischen 72 und 146 mm.

Also selbst das größte Maß für den inneren Nulldurchgang bei Loefgren liegt bei rund 70 mm und damit ebenfalls an einer Stelle, an der sich überhaupt keine Musik befindet!

Was nützt mir denn ein Nulldurchgang an einer Stelle, an der überhaupt keine Musik spielt?

Ich verstehe ja, dass das alles irgendwie zusammenhängt und dass ich ja auch den äußeren Nulldurchgang verschiebe, wenn ich den inneren Nulldurchgang weiter nach außen lege,  …
… aber seltsam ist das schon, oder?

Der von mir gehörte Song ist der vorletzte auf der zweiten Seite und ich bin doch davon ausgegangen, dass er zu den „inneren Songs“ gehört. Jetzt höre ich „auf 110 mm“ und muss feststellen, dass er damit fast im Bereich des äußeren (!) Nulldurchgangs liegt!!??

Definitiv liegt bei allen drei Kurven der innere Nulldurchgang im Bereich der Auslaufrille.

Zumindest bei der Cafe Blue.
Was für eine Verschwendung! Oder?

Zugegeben – solche Gedanken drängen sich einem auf und man fragt sich, wieso die Schallplatten nicht anders gepresst werden. Wieso verlegt man die Auslaufrille nicht noch weiter nach innen und verschafft uns somit den Vorteil, auch im Bereich des inneren Nulldurchgangs Musik hören zu können?

Nun, die Antwort ist eigentlich ziemlich einfach:

Es liegt an der Geschwindigkeit!

Genau diese fehlt nämlich im inneren Bereich.
Während der Diamant außen mit einer Geschwindigkeit von etwa 50 cm pro Sekunde durch die Rille gleitet, kommt er zum Ende hin gerade einmal auf 20 cm.

Wer sich heute eine audiophile Schallplatte kauft, bekommt manchmal eine Single-LP mit nur einem Song pro Seite dazu (z.B. Jacintha, Oh Danny Boy). Diese muss mit 45 Umdrehungen gespielt werden.  Hierdurch steigt die Geschwindigkeit des Diamanten in der Einlaufrille auf satte 70 cm pro Sekunde an. Und jeder, der eine solche Scheibe besitzt, wird bestätigen können, dass sie noch einmal deutlich besser klingt als die 33-er Version.

Fazit:  Es gibt bei den meisten Platten in der Mitte der Schallplatte keine Musik mehr, weil die Platte sich dort zu langsam dreht. Selbst ein Nulldurchgang kann da auch nichts mehr retten.

Unter audiophilen Gesichtspunkten wäre es sogar am besten, man würde diesen „Musik-Bereich“ der Schallplatte noch verkleinern. Wenn auf jeder Platte z.B. nur der Bereich zwischen 100 mm und 140 mm genutzt würde, wäre eine Justage um ein Vielfaches einfacher.
Heutige „audiophile“ Pressungen versuchen denn auch, eben dieser Forderung nachzukommen.
Da ist dann eben auf jeder Seite weniger als 20 Minuten Musik – aber die klingt toll.

Und was ist mit den Klassik-Liebhabern? Wie viele Symphonien mag es geben, die länger dauern als 20 Minuten? Man kann doch nicht mitten in einer Symphonie die Schallplatte umdrehen müssen, oder?

Und wenn man die beiden Nulldurchgänge einfach weiter nach außen schiebt?

Ja – das wäre eine Möglichkeit.
Doch Hörtests sprechen dagegen.

So lange die Auslaufrille spätestens bei 70mm beginnt, wirkt sich die Verlagerung der Nulldurchgänge nach außen ausschließlich positiv aus.
Doch wehe, es gibt auf der Schallplatte auch noch weiter zur Mitte hin Musik!

Hier schlagen gleich zwei Argumente zu und machen ein Abspielen unangenehm:
Die niedrige Gleit-Geschwindigkeit der Nadel und der hohe Spurfehlwinkel.

Leichte Spurfehlwinkel verursachen harmonische Verzerrungen. Die sind kaum hörbar oder werden sogar als „musikalisch“ empfunden.
Hier „kratzt und krächzt“ also nichts, sondern es stellen sich Ungenauigkeiten ein, die von manch einem Analogliebhaber geradezu geliebt werden.

Jeder kennt diese Hamilton-Fotos.
Nicht nur die Tatsache, dass da regelmäßig viel junges, nacktes Fleisch zu sehen war,  auch diese weichgezeichneten und ineinander fließenden Farben und Lichter wissen manch einem zu gefallen.

Und genau das kann man auch mit der Justage eines Tonabnehmers hinbekommen – wenn man es denn mag.

Nimmt der Spurfehlwinkel jedoch zu, mag das dann niemand mehr gerne hören und sowohl der Diamant als auch die Schallplatte sind gefährdet.

Aber kommen wir noch einmal zurück zu den mathematischen Fakten.

Betrachten wir einmal die Spannweiten

Bei Baerwald liegen die beiden Nulldurchgänge 54,9 mm auseinander.
Bei Loefgren sind es 46,3 mm und bei Stevenson satte 57,095 mm.

Was sagt uns das?

Nun, ganz einfach – je weiter die beiden Nulldurchgänge voneinander entfernt sind, umso größer ist der mathematische Umfang des gedachten Kreises. Und umso größer ein Kreisumfang ist, umso „flacher“ verläuft die Kurve in einem Kreis-Segment.
Und je flacher seine Kurve verläuft, desto kleiner ist die maximale Abweichung, also der Spurfehlwinkel.

Damit habe ich die Erklärung dafür gefunden, dass es mit der Einstellung nach Stevenson am besten geklungen hat.

Walter Schön hat mir am Telefon bestätigt, dass es seine Absicht ist, auch eine Schallplatte abspielbar zu machen, deren Auslaufrille erst bei 57 oder gar 55 mm beginnt. Mathematisch ist seine Schablone so ausgerichtet, dass die drei maximalen Spurfehlwinkel außen, zwischen den Nulldurchgängen und innen – identisch hoch sind.

„Sobald man sich auf einen einzelnen Punkt konzentriert und diesen optimiert, führt es sofort dazu, dass ein anderer oder gar beide anderen Punkte stärker vom Sollwert abweichen!“ mahnt er.

Zu meiner Überraschung bestätigte er mir weiterhin, dass die korrekte Berechnung seiner Kurve von Baerwald stamme – allerdings sei sie auf absolute Perfektion ausgerichtet und würde daher keine Toleranzen berücksichtigen. Perfektion sei laut Schön in der Praxis jedoch eher selten.
Realistischer sei es, von kleinen Abweichungen, also von Toleranzen auszugehen. Möglicherweise ist der Tonabnehmer eben nicht absolut perfekt und korrekt zusammengebaut.
„Wir kleben Minen an die Gehäuse und brauchen Stunden, um diese korrekt auszurichten, ohne auch nur die Chance zu haben, mit dem Auge feststellen zu können, ob der Nadelträger im Gehäuse überhaupt parallel zu den Seitenwänden eingebaut worden ist!“ so Schön.

Und um eine hierdurch erzeugte Fehljustage nicht gleich zum „Showstopper“ werden zu lassen, hat er sie bei seiner Schablone – bis zu einem gewissen Grad – mit in seine Berechnungen einfließen lassen. Möglicherweise wird es dadurch schwer, einen einzelnen, absolut perfekt und korrekt montierten Tonabnehmer zu absoluten Höchstleistungen zu bringen. Alle anderen jedoch gewinnen dazu.

Nun gut – jetzt bin ich doch gespannt, was passiert, wenn ich das Quintet Bronze nach Loefgren einstelle.

C) Justage nach Loefgren

Zunächst bin ich etwas verwundert. Als der Tonabnehmer nach Stevenson justiert war, schien die Einstellung nach Loefgren „nahe dran“ – nach Baerwald aber weit weg zu sein. Jetzt war der Tonabnehmer nach Baerwald justiert und ich habe mich darauf eingestellt, dass ich das System wieder ziemlich stark verändern müsste – aber dem ist nicht so.

Minimale Veränderungen – so klein, dass sie viele von uns gar nicht vorgenommen hätten, waren erforderlich, um von Baerwald nach Loefgren zu wechseln.

Beim folgenden Hörtest kann ich feststellen, dass ich mich wieder dem Ausgangspunkt, also der Einstellung nach Schön nähere.

Ich stelle mir also die Frage, ob ich jetzt wohl wieder das gleiche erleben werde, wenn ich auf die Justage nach Stevenson zurück gehe. Macht es wieder „klick“ und ich möchte meinen Plattenspieler vor fremden Zugriffen schützen?

Ich probiere es aus, denn so wie es jetzt läuft, möchte ich die Einstellung eh nicht lassen.

Beim folgenden Einstellvorgang wird es dann doch sehr deutlich, wie weit ich mich Schritt für Schritt von meiner Justage nach Schön entfernt hatte. Um mehrere Millimeter muss das System wieder nach hinten und auch die Kröpfung braucht ebenfalls eine ordentliche Korrektur.

Doch mittlerweile habe ich mich an den Protractor gewöhnt und das alles geht mir ziemlich flott von der Hand.

Hörergebnis:  Zack!

Sofort ist es wieder da, dieses Gefühl, dass man jetzt niemanden mehr an den Plattenspieler ranlassen will – nur noch sich selbst! … um Platten aufzulegen.

Der Mund von Patricia Barber ist wieder so klein wie er sein muss, die Raumdarstellung ist überzeugend und es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass diese Platte eine ganz außergewöhnliche Scheibe ist. Nein, man muss die Musik nicht mögen – trotzdem wird man diese Platte lieben!

Jedenfalls mit einer solchen Justage wie dieser hier.

Gesamt-Ergebnis?

Es gibt noch kein Gesamt-Ergebnis!

Jedenfalls kein abschließendes.

Was ich festgestellt habe ist, dass keine einzige Einstellkurve zu einer nachvollziehbaren Klangveränderung im äußeren Schallplattenbereich führt. Hier scheint die hohe Gleitgeschwindigkeit des Diamanten kleinere Spurfehlwinkel ausgleichen zu können. Dadurch, dass die Schallplatten-Hersteller sich hier mit rund 146 mm Durchmesser auch keine gravierenden Abweichungen zueinander erlauben (sonst würden automatische Plattenspieler ja auch gar nicht funktionieren können!),  brauchen wir diesen Aspekt also nicht zu berücksichtigen. Egal für welche Einstellung wir uns entscheiden, außen klingt es immer gut.

Die Differenzen zwischen den Theorien beziehen sich auf die Flächen zur Plattenmitte hin.

Mein hier beschriebener Hörtest kann hierbei gar nicht verwertet werden. Er bezieht sich bei „Too rich for my blood“ auf einen Bereich zwischen 100 und 110 mm und liegt damit mathematisch eher im Mittenbereich einer Schallplatte.
Aber natürlich auch etwa in der Mitte zwischen den beiden Nulldurchgängen!
Eine Kurve, die hier mit großen Abweichungen arbeitet, müsste also mit diesem Song sehr schnell entlarvt werden können.
Und genau deshalb waren auch die Unterschiede so deutlich zu hören.

Auf meiner Aufgabenliste finde ich denn jetzt auch folgende Punkte:

  • Ich werde mir meine Schallplatten einmal nach dem Aspekt anschauen müssen, an welcher Stelle bei ihnen die Auslaufrillen beginnen und mir ein paar Exemplare für einen Hörtest heraussuchen, deren Auslaufrillen sehr weit innen liegen. Denn hier müsste man noch größere Klangunterschiede produzieren können.
  • Ich werde mich in die Software des Herrn Dr. Feickert einarbeiten, um die Frage beantworten zu können, ob sich die Ergebnisse meiner Hörtests auch messtechnisch untermauern lassen.

Für den Protractor habe ich mir von Herrn Dr. Feickert folgende zwei Verbesserungen gewünscht:

  1. Mehr und längere aufgedruckte Linien – auch im Bereich hinter dem System.
  2. Einen Stift, der nicht durch die Querstange fallen kann.

 

Wenn Sie jetzt Spaß daran gefunden haben sollten, sich selbst einmal an eine Einstellschablone zu wagen, dann würde ich mich sehr darüber freuen, wenn Sie sie gleich hier in meinem Shop ordern würden.
Das wäre super!

Dr. Feickert Protractor Next Generation bestellen

Schön-Schablone bestellen

Wer lieber erst einmal kein Geld in eine Schablone investieren will, der kann sich auf http://www.vinylengine.com umsehen. Da gibt es so ziemlich alle Schablonen des Marktes zum Downloaden und Selbstausdrucken.
Aber seien Sie bitte vorsichtig bei der Benutzung der selbstausgedruckten Schablonen, denn so eine Nadel kann leicht am Papier hängenbleiben.

Und wer mehr über die Theorien der o.g. Mathematiker/Physiker erfahren will, der findet ihre Ausarbeitungen unter folgenden Links:

Loefgren:  http://www.helices.org/auDio/turnTable/lofgren.pdf

Baerwald: http://www.helices.org/auDio/turnTable/baerwald.pdf

Bauer: http://www.helices.org/auDio/turnTable/bauer.pdf

Stevenson: http://www.helices.org/auDio/turnTable/stevenson.pdf

Schön: http://www.dos-hifi.de/html/anleitung.html

Ich hoffe, Sie verstehen jetzt ein wenig besser, worum es eigentlich geht, wenn von der Tonabnehmer-Justage gesprochen wird und ich würde mich über einen kleinen Kommentar zu diesem Bericht von Ihnen riesig freuen!

Ihr Wolfgang Saul

Die Tonarm-Montage

Die Tonarm-Montage

Die Tonarm – Montage
oder:  wohin mit dem langen Ding?

Die meisten Analoglaufwerke werden wohl als komplette Plattenspieler gekauft, also inklusive Laufwerk, bereits montiertem Tonarm, Tonabnehmer und Verkabelung.

In diesem Fall sollte man davon ausgehen können, dass der Tonarm an der richtigen Stelle montiert wurde und man selber gar nicht unbedingt wissen muss, wieso er gerade dort und nicht woanders befestigt worden ist.

Laufwerk und Tonarm

Möglicherweise ist das aber bei Ihrem Laufwerk anders. Vielleicht entwickeln Sie Ihren eigenen Plattenspieler oder haben ein Laufwerk gekauft, das noch keine Tonarmbohrung besitzt. Oder Sie möchten einfach nur erfahren, wieso Ihr Tonarm dort montiert worden ist, wo er jetzt sitzt.

Gehen wir der Sache also mal auf den Grund.

Ich will diesen Beitrag mit einem vollständig runden Beispiel-Laufwerk beginnen. Nennen wir es einfach „Gullideckel“. Groß genug, um rundherum einen 12-Zoll-Tonarm montieren zu können. Die Mitte des Gullideckels ist auch die Mitte des Plattentellers.

Gullideckel

Und wo gehört der Tonarm da jetzt genau hin?

Die korrekte Antwort muss bei dieser Laufwerksform lauten:  Völlig gleichgültig, solange der vom Tonarmhersteller vorgeschriebene Abstand zwischen Tonarmlager und Plattentellermitte korrekt eingehalten wird.

Doch was ist der korrekte Abstand und woher weiß ich den?
Vorab:
Da gibt es ein paar Werte, die man ganz schnell durcheinander bringen kann. Deshalb will ich zunächst näher auf die verschiedenen Maße eingehen:

Die tatsächliche Tonarmlänge

Tonarmlänge

Dieser Wert ist einfach die Länge des Tonarmes inklusive Headshell, Tonarmrohr, Lager und hinterer Konstruktion samt Gegengewicht. Für die spätere Justage des Tonarmes ist dieser Wert nicht von Bedeutung. Dennoch sollten wir das Maß kennen und bei der Festlegung des Montagepunktes berücksichtigen.
Wollen wir einen Tonarm nämlich auf einem üblichen „Kistenlaufwerk“ montieren, müssen wir diesen Wert schon deshalb beachten, weil der Arm sonst möglicherweise hinten oder vorne über das Chassis hinausragt, was einfach nicht gut aussehen würde.

Spätestens wenn wir ein Laufwerk mit Haube besitzen, muss der Tonarm so montiert werden, dass er weder vorne noch hinten gegen die Haube stoßen oder beim Zuklappen von ihr eingequetscht werden kann.

Die effektive Tonarmlänge

Dies ist bei der Justage eines Tonarmes das wichtigste Maß. Die effektive Tonarmlänge messen wir zwischen Abtastnadel und Tonarmlager-Mittelpunkt. Da Tonabnehmer unterschiedliche Bauformen besitzen und die Abtastnadel mal weiter vorne, mal weiter hinten im Tonabnehmer sitzt, muss das System verschoben werden können.

Aus geometrischen Gründen (darauf gehe ich später noch ein) darf der Tonabnehmer auf keinen Fall so eingebaut werden, dass die Nadel genau auf die Mittelachse des Plattentellers zeigt, wenn wir den Arm nach innen schwenken, sondern er muss einige Millimeter über die Achse hinausragen (Stichwort: Überhang).

Tonarmlängen

Tonarm-Montage-Abstand

Dies ist das Maß zwischen der Mitte der Plattenteller-Achse und der Mitte des Bohrloches für den Arm. Er ist also das Ergebnis aus der Berechnung: Effektive Tonarmlänge minus Überhang.

Bei den meisten Tonarmen ist die Mitte des Bohrloches auch gleichzeitig die Mitte des Tonarmlagers. Bei hiervon abweichenden Konstruktionen ist man auf eine Schablone angewiesen. Im günstigsten Fall liefert der Tonarm-Hersteller eine solche Bohrschablone gleich mit.

Schwierig wird die korrekte Bohrung auch dann, wenn wir es zum Beispiel mit der SME-Konstruktion zu tun haben. Da die Headshell bei den SME-Tonarmen weder ein Verschieben noch ein Verdrehen des Tonabnehmers zulassen, erfolgt bei ihnen die Justage allein durch das Verschieben des kompletten Tonarms in einer Art „Schlitten“.

SME Tonarm

SME Tonarm

Hierzu muss nicht nur ein rundes Loch in das Chassis gebohrt werden, sondern ein Langloch. Und damit das System korrekt justiert werden kann, darf dieses Langloch nicht einfach zur Plattenteller-Mittelachse zeigen, sondern muss leicht nach außen hin verdreht sein.
Kaufen Sie sich einen gebrauchten SME-Tonarm und müssen Sie das Langloch selber fräsen, achten Sie also unbedingt darauf, dass die für das Tonarm-Modell passenden Bohrschablonen mitgeliefert werden. SME bietet dazu folgende Hilfsmittel an, die jeweils zum verwendeten Tonarm-Modell passen müssen:

SME-Schablone

SME-Schablone zur Festlegung des Montagepunktes.

SME Bohrhilfe

SME Bohrhilfe

 

Zusammenfassung:
Für die Festlegung des korrekten Tonarm-Montage-Punktes brauchen wir nur ein einziges Maß, nämlich den Tonarm-Montage-Abstand. Dieser ergibt sich rechnerisch aus der Formel: Effektive Tonarmlänge minus Überhang. Besondere Tonarmaufbauten, bei denen die Mitte der Bohrung nicht identisch ist mit der Mitte des Tonarmlagers, benötigen eine entsprechende Schablone des Tonarmherstellers.

Aber wo gehört er denn jetzt genau hin, unser Tonarm?

Um den Beitrag nicht zu kompliziert zu machen, will ich von einem „einfachen“ Tonarm-Modell ausgehen, also einem, für den wir ein rundes Loch bohren müssen.

Schauen wir uns unseren Gullideckel noch einmal an und stellen wir uns vor, der Tonarm-Hersteller hätte eine Montage-Schablone mitgeliefert. Die Schablone hat an der einen Seite ein Loch, womit sie über die Plattentellerachse geschoben werden kann. An der anderen Seite hat sie ein kleines Loch, durch das wir eine Bleistiftmine stecken können.

Hier mal eine nicht (!) maßstabsgerechte Beispiel-Schablone:

Schablone

Bei unserem Gullideckel können wir uns jetzt also aussuchen, ob wir die Schablone rund um die Plattentellerachse drehen und so mit der Bleistiftmine einen vollständigen Kreis zeichnen, oder ob wir einfach irgendeine Stelle auswählen und einen einzigen Punkt auf das Chassis zeichnen.

Vielleicht erkennen Sie an dieser Stelle, wieso ich die ungewöhnliche Form als Beispiel-Laufwerk ausgewählt habe. An ihr wird jetzt deutlich, dass es für die Montage und Justage eines Tonarms grundsätzlich völlig gleichgültig ist, an welcher Stelle er montiert wird, solange der Abstand zur Plattenteller-Achse stimmt.

Nachfolgende Skizze: Gleichgültig, wo Sie den Arm auch immer montieren, stimmt der Abstand zur Plattentellerachse, ist er auch an der korrekten Stelle montiert. So einfach ist das.

Gullideckel mit Arm-Varianten

Gullideckel

 

Ist der Arm erst einmal auf unserem Gullideckel montiert, werden wir jedoch feststellen, dass es wenige Montagepunkte gibt, bei denen wir den Arm auch komfortabel und sicher bedienen können.

Sicherlich ist es nicht sonderlich überraschend, wenn sich der übliche Montagepunkt als besonders praktisch erweist, oder?

Tja – und deshalb ist es natürlich auch unsinnig, ein Laufwerk tatsächlich als „Gullideckel“ zu konstruieren. Es sei denn, wir wollten mehrere Tonarme montieren.
Allen anderen Bauformen gemein ist wohl die Tatsache, dass sie eine „schöne“ Vorderseite besitzen.
Daraus ergibt sich automatisch die Tatsache, dass sie auch eine “weniger schöne” rechte, linke und rückwärtige Seite haben.

Selbst runde Laufwerke verfügen in der Regel über eine solche „hübsche“ Vorderseite, meistens mit einem schicken Firmenschild versehen, während der Motor und vor allem die Anschluss-Terminals für die Verkabelung und das Netzteil an der Rückseite angebracht sind. Damit wir sie nicht dauernd sehen müssen.

Ein solches Laufwerk können wir also nicht einfach verdrehen, nur weil wir den Tonarm an einer ungünstigen Stelle montiert haben. Spätestens bei einem „Kistenlaufwerk“ bindet uns zudem unser ästhetisches Empfinden an eine „gerade“ Ausrichtung des Laufwerks.

Hier ein paar Punkte, die wir deshalb besser schon bei der Auswahl des richtigen Montagepunktes zusätzlich zum Montage-Abstand berücksichtigen sollten.

Der Motor

Er sitzt in der Regel hinten links. Da sehen wir wenig von ihm und er ist weit genug vom Tonarm weg. Also achten wir nun auch darauf, dass sich unser Bohrloch wirklich weit genug vom Motor entfernt befindet.

Die Chassis-Fläche

Einige, meist runde Laufwerke, stellen eigene, mehr oder weniger „in der Luft schwebende“ Tonarmbasen zur Verfügung. Für diese Basen gibt es in der Regel exakt festgelegte Montagepunkte. Wir müssen also lediglich den korrekten Tonarm-Montage-Abstand einhalten.

Bei der klassischen „Kistenform“ sollten wir folgende Aspekte berücksichtigen:

Bedienung

Selbst für Linkshänder dürfte es am einfachsten sein, wenn der Tonarm hinten rechts montiert wird und sich die Headshell im Ruhezustand des Tonarms somit vorne rechts befindet.

Wer schon einmal ein Laufwerk mit zwei oder drei Tonarmen bedienen musste, der weiß, wie schwierig es zum Teil ist, wenn ein Tonarm nicht an der klassischen Montagestelle angebracht werden konnte. Es geht ja nicht nur um die Bedienung des Tonarmes, es geht ja auch darum, dass wir sehen wollen, wo wir den Tonarm absetzen. Und gucken tun Rechts- und Linkshänder nun einmal beide gleich. 🙂

Parallelität zum Chassis

Dies ist ein rein ästhetischer Aspekt. Nichts spricht dagegen, wenn der Tonarm in Ruhestellung nicht parallel zur rechten Chassis-Kante steht. Aber ich bin mir sicher, dass sich die meisten von uns nicht mit einem „schief angebrachten“ Tonarm anfreunden können.

Bei einem runden Laufwerk fällt eine geringe Abweichung nicht sofort auf, aber auch da sucht unser Auge fortlaufend nach Parallelen und rechten Winkeln. Selbst wenn wir einen S-förmigen Tonarm montiert haben.

Abstand zum Plattenteller

Hiermit ist nicht der Abstand zur Plattenteller-Achse gemeint, denn der ist ja durch den Tonarm-Montage-Abstand vorgegeben, sondern es ist der Abstand zwischen dem Arm, besonders im Bereich der Headshell zum Plattenteller gemeint. Befindet sich die Headshell im Ruhezustand des Arms zu nah am Plattenteller, kann eine Platte, die uns aus der Hand rutscht, schnell die Nadel beschädigen. Selbst beim Anheben des Tonarms aus der Ruhestellung müssen wir immer wieder befürchten, dass eine unbedachte Handbewegung dazu führt, dass wir die Nadel seitlich gegen den Plattenteller oder die Platte stoßen lassen. Ein beruhigender Abstand zwischen Headshell und Plattenteller ist da eine wirklich feine Angelegenheit.

Abstand zur hinteren Haubenseite

Bevor Sie den Bohrer ansetzen, halten Sie den Tonarm einfach mal so über diesen Bohrpunkt als sei er bereits angebracht und drehen Sie den Arm nach innen zur Plattenmitte hin – so, wie es beim Abspielen einer Platte geschehen wird.

Was uns bei manchem LKW mit dem Schild „ACHTUNG! Heck schwenkt aus!“ mitgeteilt wird, das sollten wir auch beim Tonarm bedenken. Manche Hauben sind auch so geformt, dass sie nach oben hin schräg zulaufen. Wenn Ihr Auge dann den Abstand nach hinten für gut befunden hat während die Haube nach oben aufgeklappt war, kommt nach der Montage das böse Erwachen, wenn die Haube das erste mal zugeklappt wird und hinten gegen den Tonarm stößt.

Abstand zur vorderen Haubenseite

Wer auf Nummer sicher geht und den Arm einfach weit genug nach vorne hin montiert, der sollte sich genau ansehen, wie die vordere Seite der Haube geformt ist. Denn auch hier kann eine Schräge für eine böse Überraschung sorgen. Im Extremfall hatten wir überhaupt nicht daran gedacht, dass die Haube gar nicht bis zur Vorderkante des Chassis reicht. Dann kann es uns passieren, dass die Haube von oben auf die Headshell aufstößt und wir sie damit wohl für immer auf den Dachboden oder in den Keller verbannen müssen.

Abstand zur rechten Haubenseite

Dieser Aspekt ist vor allem dann zu berücksichtigen, wenn Sie vorhaben, die Haube auch während des Abspielens zu schließen. Einige Laufwerke klingen tatsächlich mit geschlossener Haube besser als offen. Dann wäre es natürlich schade, wenn der hintere Ausläufer des Tonarms rechts gegen die Haube schlägt und ein Abspielen der vollständigen Plattenseite damit unmöglich macht.

Resonanzfläche/Befestigungspunkte

Um diesen Aspekt mit berücksichtigen zu wollen, muss man meiner Theorie Glauben schenken, dass der Resonanzkreislauf für den Klang eines Plattenspielers von Bedeutung ist. Der Resonanzkreislauf findet statt zwischen:  Nadel, Tonabnehmer, Tonarm, Tonarmlager, Tonarmfuß, Chassis, Plattentellerlager, Plattenteller, Plattentellerauflage und Schallplatte.

Je ungestörter dieser Resonanzkreislauf stattfinden kann, um so vollendeter wird der Plattenspieler klingen.

Besteht das Chassis aus einer dicken Platte eines einheitlichen Materials, ist es nicht ganz so bedeutend, an welcher Stelle der Tonarm montiert wird. Handelt es sich beim Chassis aber um eine dünne Platte, die mit Haltern an den Seitenwänden montiert ist, dann kann sich der Abstand zu diesen Haltern auf das Klangbild auswirken. Unser Ziel sollte dann sein, eine Stelle zu finden, an der die Resonanzen nicht zu stark durch eine Halterung unterdrückt werden. Andererseits sollte der Arm aber auch nicht auf einer in sich „federnden“ Fläche montiert werden, weil dadurch der Kreislauf ebenfalls gestört wird.

„Mann, ist das kompliziert!“

Nein, eigentlich gar nicht – ich habe es nur kompliziert beschrieben.
Denn all diese Gedanken sollte sich der Laufwerkshersteller schon bei der Entwicklung gemacht haben. Und logischerweise sollte er diese Aufgaben auch schon mehr oder weniger für Sie erledigt haben.

Falls Sie nicht wirklich dabei sind, ein Laufwerk von Grund auf selbst zu entwickeln, sollte der richtige Montagepunkt also schon in etwa vorgegeben sein.
Falls doch, haben Sie jetzt ein paar Aspekte erfahren, die Sie bei Ihrer Entwicklung berücksichtigen können, wenn Sie möchten.

Im nächsten Beitrag geht es um die Tonarm-Geometrie und die richtige Justage.

Elektrischer Abschluss von Tonabnehmern

Elektrischer Abschluss von Tonabnehmern

Elektrischer Abschluss von Tonabnehmern

Elektrischer Abschluss von Tonabnehmern

Vorwort:
Das Thema “elektrischer Abschluss von Tonabnehmern” ist keines, bei dem sich alle einig sind.
Bereits in den 80-er Jahren hatte ich alle „großen“ und „kleinen“ Tonabnehmer-Hersteller angeschrieben, um von ihnen einen fachlich korrekten Bericht zum Thema „elektrischer Abschluss eines Tonabnehmers“ zu bekommen, den ich in meiner kleinen HiFi-Zeitschrift veröffentlichen wollte.
Jedoch kein einziger Hersteller war damals bereit, sich dazu schriftlich zu äußern.
Irgendwie hatte ich in ein Wespennest gestochen und alle forderten mich auf, mich auf der Stelle nicht mehr zu bewegen, in der Hoffnung, die Wespen würden sich wieder beruhigen.
Einzig und allein Klaus Renner, den Herausgeber der Kult-Zeitung „Das Ohr“, konnte ich dafür gewinnen, sich zu diesem Thema zu äußern.

Seitdem hört man sowohl von den Tonabnehmer-Produzenten als auch von den Phonoteil-Entwicklern immer wieder die Aussage, dass es „jetzt aber wirklich völlig gleichgültig geworden sei, wie man ein MC-System elektrisch abschließt, ab sofort hätte es keinerlei klangliche Auswirkungen mehr.“

Und fast 30 Jahre nach meinen ersten Bemühungen muss ich erkennen, dass ich immer noch ein Thema anspreche, bei dem sich die „HiFi-Druiden“ gegenseitig die Zaubersprüche um die Ohren hauen, um einander größtmöglichen Schaden zuzufügen.

Immer mehr glaube ich aber, dass es dabei weder um die fehlende Kunst des Erklärens noch um unterschiedliche Ansichten geht – es scheint viel mehr das Problem vor zu liegen, dass niemand so recht in der Lage ist, die Problematik gänzlich zu beseitigen.

Ein Problem fehlender Standards?
Im Computer-Bereich gibt es das „Open-Source-Problem“. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, alle dürfen auch noch drin rumrühren und keiner sorgt dafür, dass etwas zueinander kompatibel ist.
Dagegen steht die Apple-Philosophie, die darauf achtet, dass alle Dinge miteinander harmonieren. Zumindest in der Theorie.

Braucht die Analog-Szene ebenfalls so eine übergeordnete Stelle? Bei der sowohl die Tonabnehmer- als auch die Phonoteil-Hersteller ihre Neuentwicklungen immer erst freigeben lassen müssen?

Um Himmels Willen nein, bloss nicht!

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, dann ist das doch das Spannende an dieser analogen Sache. Ich kriege einen neuen Tonabnehmer oder ein neues Phonoteil und kann mich Stück für Stück hineinhören. Erst mit einer Grundeinstellung (Leerlauf) beginnen und dann mit verschiedenen Variationen austüfteln, wie es wohl noch besser werden könnte.

Wie viele Überraschungen habe ich da schon erlebt!
Und das soll dann alles vorbei sein?

Sie werden jetzt vielleicht denken:
„Ja, Du weißt ja auch, was Du zu machen hast, aber was ist mit mir?“

Für Sie – schreibe ich gerade diesen Beitrag!
Lesen Sie ihn und danach werden Sie ebenfalls wissen, was zu machen ist. Vielleicht wissen Sie dann immer noch nicht, wieso Sie das tun, aber was zu tun ist, das sage ich Ihnen jetzt.

MM-System (moving-magnet)
Bei einem MM-System brauchen wir uns um den Abschlusswiderstand keine Gedanken zu machen. MM-Eingänge sind grundsätzlich mit 47 KOhm abgeschlossen. Da gibt es für Sie gar nichts zu tun.

Empfindlich reagiert ein MM-System schon mal auf einen völlig falschen Kapazitätswert des angeschlossenen Kabels. Hierbei zählt die vollständige Verkabelung – angefangen von den kleinen Steckschuhen am Tonabnehmer bis hin zu den Cinch-Steckern und alles zwischendurch sowieso. Die Summe aller Kapazitäten ist entscheidend.

Ein Wert von 150pF wird dabei als optimal und gleichzeitig auch maximal betrachtet. Echte Tonarmkabel haben daher in der Regel auch sehr niedrige Kapazitätswerte, denn hinzufügen, was zu wenig ist, das geht durchaus. Liegt die Kapazität des Anschlusskabels aber zu hoch, gibt es keine Abhilfe.

Kann man die Kapazität des Kabels selber messen?
Einfacher als zu messen ist es, in die technischen Daten des Kabels zu schauen. Liegen die bei unter 100 pF/m und ist das Kabel auch nicht länger als 1m, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.
Wenn Sie aber über ein entsprechendes Messgerät verfügen und damit umgehen können, ist das Messen auch keine Zauberei. Denken Sie nur daran, die Schuhe am Tonabnehmer vor der Messung abzuziehen, sonst messen Sie den Tonabnehmer mit!

Sofern das Gesamt-Ergebnis unter 150pF bleibt, werden Sie feststellen, dass auch klanglich alles in Ordnung ist. Wenn man will, kann man diesen Wert exakt anpassen, aber man sollte sich davon nicht zu viel versprechen.

Wenn Sie jedoch ein MM-System betreiben und den Eindruck haben, dass es weit entfernt von seinen klanglichen Fähigkeiten läuft, dann sollten Sie das Kabel mal durchmessen lassen, oder sich die technischen Daten ansehen. Möglicherweise liegt die Kapazität des Kabels ja doch zu hoch und vielleicht steckt hier ja die Ursache für einen nicht so tollen Klang.

MC-System (moving-coil)
Beim MC-System kehren sich die Anforderungen um. Hier spielt der Kapazitätswert keine Rolle. Um so bedeutender wird der korrekte Abschlusswiderstand. Stimmt er nicht, wirkt sich das unter Umständen (bei dem einen Tonabnehmer mehr bei dem nächsten weniger) auf die Lautstärke, sowie auch auf die elektrische Bedämpfung des Nadelträgers und damit eben auch auf das gesamte Klangbild aus.

Wird ein MC-Tonabnehmer mit einem zu niedrigen Wert abgeschlossen, wirkt sein Klangbild „müder“ – aber es gewinnt an räumlicher Tiefe.
Wird ein MC-Tonabnehmer mit einem zu hohen Wert abgeschlossen, klingt es „dünner“, „harscher“ und einfach „nervös“.

Es sei denn, man wählt einen viel zu hohen Abschlusswiderstand.
Der Wert, ab wann dieser Widerstand „viel zu hoch“ ist, der hängt vom eigenen Innenwiderstand des Tonabnehmers ab. Bei manchen Tonabnehmern reichen schon 300 Ohm – bei anderen muss man auf über 2.000 Ohm gehen. Von diesem Wert an verändert sich klanglich überhaupt nichts mehr. Ob wir also 2.000, 20.000 oder die 47.000 Ohm des MM-Eingangs verwenden, ist völlig gleichgültig.

Herbert Schleicher, der mir in den 80-er Jahren das „analoge Laufen“ beigebracht hat, nannte diesen Zustand „Leerlauf“.

Auch wenn ich bis heute nicht in der Lage bin, diesen Zustand fachlich korrekt zu erläutern, kann ich bestätigen, dass ein MC-System im „Leerlauf“ bereits sehr viel von seinen Fähigkeiten zeigen kann. Um eine Zahl zu nennen, würde ich mich darauf festlegen, dass es uns etwa 90% seiner Fähigkeiten zeigt. Und was wichtiger ist: Es gibt uns einen Hinweis darauf, welche klangliche Ausrichtung es von Hause aus mitbekommen hat.

Wenn Sie über ein MC-System gar nichts wissen und herausfinden wollen, wie es „wohl klingen kann“, dann wählen Sie sicherheitshalber einen Abschlusswiderstand höher als 2.000 Ohm und Sie werden es kennenlernen können. Mit diesem Klangbild im Ohr können Sie dann mit verschiedenen Widerstandswerten experimentieren und brauchen einfach nur hinzuhören, wie sich das Klangbild entwickelt. Sie haben dann den richtigen Wert gefunden, wenn es wieder so klingt, wie im Leerlauf, aber doch an Qualität gewonnen hat, wenn also auch die letzten 10% noch hinzugekommen sind.
Wobei Sie da nicht ängstlich sein sollten und ruhig Ihren eigenen Geschmack als Maßstab nehmen dürfen.

Ortofon-Systeme, die bis etwa 1992 gebaut worden sind, dürfen mit höchstens 30 Ohm betrieben werden und fühlen sich so bei 15 bis 20 Ohm richtig wohl. Madrigal-Systeme brauchten zwingend 850 Ohm.

Audio-Technica zeigte es dann anfangs der 90-er Jahre allen anderen und legte seine hochwertigen Tonabnehmer vollständig auf exakt 100 Ohm aus.
Dies war ein genialer Schachzug, denn fast alle in Verstärkern fest integrierte MC-Eingänge sind mit 100 Ohm abgeschlossen. Diese 100 Ohm gelten sozusagen als Standard. Ein Audio-Technica-System passte damit immer und hatte „die halbe Miete schon im Sack“.
Ein MC 30 von Ortofon musste außen vorbleiben, denn mit 100 Ohm klang es gruselig!
… und verändern konnte man das an den Verstärkern eben meistens nicht.

Ortofon setze deshalb zu dieser Zeit verstärkt auf die Nutzung von Übertragern.
Übertrager arbeiten ähnlich wie Transformatoren. Es gibt also einen „Primärstrom“ und einen „Sekundärstrom“, wodurch beide „elektrischen Seiten“ völlig voneinander getrennt werden.
Je nach Ausführung können wir durch Übertrager/Transformatoren den Strom erhöhen (also zum Bespiel von 12V auf 230V) oder absenken (also von 230V auf 12V).

Hat der Übertrager nun in unserem Fall die typische Ausgangsspannung eines MC-Systems von etwa 0,4 mV auf die eines typischen MM-Systems von etwa 5 mV angehoben, kann das MC-System direkt am MM-Eingang des Verstärkers angeschlossen werden und der Abschlusswiderstand spielt keine Rolle mehr.

So richtig genial war diese Vorgehensweise von Ortofon aber nicht, denn erstens wurde der Kunde dadurch gezwungen, noch ein Bauteil mehr einzukaufen und zweitens gab es nicht unerhebliche Preis- und Qualitätsunterschiede zwischen den Übertragern, die der Markt parat gehalten hat.

Fazit:
Sie müssen sich wohl entscheiden, ob Sie denen folgen wollen, die Ihnen sagen, dass das mit dem Abschlusswiderstand bei einem MC-System völliger Blödsinn ist, oder ob Sie Ihre Konstellation zuhause mal darauf prüfen wollen, ob sie elektrisch korrekt angepasst ist.

In den technischen Daten der Tonabnehmer ist meistens ein genauer Wert vorgegeben, den Sie auch einhalten sollten. Ansonsten experimentieren Sie einfach mal ein wenig.

Wie verändert man den Abschlusswiderstand denn überhaupt?

Leider gibt es Phono-Verstärker oder -Eingänge, an denen man gar nichts verändern kann. Das ist jetzt nicht wirklich tragisch und auch kein Beleg für eine schlechte Qualität des Bauteils. Sie sollten dann nur bei der Tonabnehmer-Auswahl darauf achten, dass der empfohlene Abschlusswiderstand  auch zum Phonoeingang passt. Mit 100 Ohm liegen Sie eigentlich fast immer goldrichtig!

Kann man diesen Wert bei Ihrem Phonoteil anpassen, gibt es in der Regel zwei Ausführungen.

Mäuseklavier
Die erste Ausführung verfügt über ein so genanntes „Mäuseklavier“. Das ist ein Bauteil mit mehreren kleinen Schaltern drauf. Hier gibt der Hersteller eine kleine Anleitung dazu, die Ihnen verrät, welcher Schalter in welcher Stellung (on oder off) zu stehen hat, um bestimmte Werte zu erreichen. Diese Lösung hat den Vorteil, dass wir keine zusätzlichen Bauteile einkaufen müssen, aber den Nachteil, dass wir mit den einstellbaren Werten auskommen müssen. Macht das Mäuseklavier hier z.B. den Sprung von 100 direkt auf 500 Ohm, dann sollten wir keinen Tonabnehmer betreiben, der mit 350 Ohm abgeschlossen sein will.

Zweites Paar Eingangsbuchsen
Die zweite Möglichkeit ist ein paralleles Paar Eingangsbuchsen. Also über oder neben den Eingangsbuchsen für das Tonarmkabel gibt es noch ein zweites Paar Buchsen. In diese Buchsen können wir nun Cinch-Stecker hineinstecken, in die wir Widerstände gelötet haben.
Wer experimentieren will, der besorgt sich ein paar Stecker und eine Auswahl an guten Widerständen. Eine brauchbare Reihe wäre 20, 50, 100, 350, 500 und 800 Ohm.
Natürlich sollten es nicht die billigsten Widerstände sein. Und wer es den High-End-Entwicklern gleichtun möchte, der kauft von jeder Sorte 10 oder 20 Stück, um zwei absolut gleiche Widerstände heraus suchen zu können.
Aber ganz ehrlich:  Übertreiben Sie das nicht!
Wenn Sie kein Lötkünstler sind, ergeben sich schon beim Löten deutlich größere Abweichungen als Widerstände Toleranzen haben dürfen. Und ob Sie den Tonabnehmer jetzt mit 100 Ohm abschließen oder mit 99,998 – das dürfte wohl auch niemand hören können.
Also ich bin da jedenfalls draußen!

Azimuth beim Tonarm

Azimuth beim Tonarm

Azimuth beim Tonarm

Azimuth beim Tonarm

Der Begriff Azimuth beim Tonarm steht für den „rechten Winkel“, in dem ein Tonabnehmer zur Schallplattenoberfläche stehen sollte, wenn wir uns die Headshell von vorne betrachten.

Azimuth

Die korrekte Azimuth-Einstellung ist aber ein viel tiefer greifendes Thema, als es die Skizze erkennen lässt.

Sind sowohl Laufwerk,Tonarm als auch Tonabnehmer absolut präzise angefertigt worden, bedarf es eigentlich keiner Möglichkeit zur Azimuthverstellung. Jedes beteiligte Bauteil sollte im Lot, bzw. im Wasser stehen und jede Diskussion über falsch oder richtig damit überflüssig sein.

Doch was kann hier nicht alles passieren!?

Laufwerk

Hier lautet die entscheidende Frage, ob das Chassis an der Stelle, an der die Tonarmbasis montiert ist, parallel zur Plattentelleroberfläche verläuft. Und das ist nicht so selbstverständlich wie es einem auf den ersten Blick erscheinen mag!

Sind Tonarm und Plattenteller-Lager auf dem gleichen „Brett“ montiert, sollte man davon ausgehen können, dass sie parallel zueinander stehen.
Aber ist der Plattenteller auch wirklich „flach“ oder ist er ein wenig „schüsselförmig“?

Manche Plattenteller werden mit einer kleinen Erhöhung am Rand versehen. Meistens gehört nun ein Plattengewicht dazu. Legt man die Platte ohne Gewicht auf den Teller, liegt sie lediglich außen am Rand auf dieser Erhöhung auf und man kann bei einer leicht verwellten Platte erkennen, dass hier und da eine Lücke zwischen Rand und Platte besteht.
Kommt nun das Gewicht zum Einsatz, wird die Schallplatte rundherum gegen diesen Rand gedrückt und liegt nun überall fest an. Schneiden wir aber diese Konstruktion gedanklich in der Mitte durch, werden wir feststellen, dass sich die Platte im äußeren Bereich nach oben biegt und dadurch eine leichte Schüsselform angenommen hat.

Andere Plattenteller (z.B. bei früheren Audio Exclusive-Granitlaufwerken) sind komplett schüsselförmig gearbeitet – bis zur Lagermitte hin.
Eine weitere durchaus interessante Variante bot und bietet uns VPI. Hier ist der Plattenteller plan. Um die Mittelachse herum liegt jedoch eine Gummischeibe. Legt man nun eine Schallplatte auf, liegt sie vollständig „hohl“ zum Plattenteller hin und wackelt auf der kleinen Gummischeibe hin und her.
Die Mittelachse hat jedoch ein Außengewinde, dazu gehört ein Puck und eine runde Rändelmutter aus Kunststoff. Dieser Puck ist an der Unterseite schüsselförmig ausgeführt. Wenn wir den Puck auflegen und ihn mit der Kunststoffmutter anziehen, drückt er nur mit seinem äußeren Rand auf die Schallplatte und zwingt sie so zunächst ebenfalls in eine Schüsselform nach unten. Dadurch legt sich selbst eine verwellte Platte außen glatt auf den Plattenteller. Wenn wir den Puck nun weiter anschrauben, bekommt die Schallplatte über eine immer größer werdende Fläche Kontakt zum Plattenteller und liegt dann wieder plan und waagerecht.

Mit einer alten Schallplatte können wir das gut kontrollieren, indem wir immer wieder mit unserem Fingernagel oder einem kleinen Gegenstand auf die Platte klopfen. Klingt es hohl, müssen wir den Puck noch fester anziehen. Erst wenn die gesamte Fläche mit der Musikinformation fest auf dem Plattenteller aufliegt, haben wir den korrekten Drehmoment erreicht. Sobald wir gelernt haben, wie fest wir den Puck anziehen müssen, können wir das auch mit unseren guten Schallplatten machen.

Und wenn der ganze Plattenteller schief steht?

Doch was nutzt die beste Plattenteller-Konstruktion, wenn der Plattenteller nicht parallel zum Chassis steht?
Es gibt da zum Beispiel ein Laufwerk, dessen Holz-Chassis einen „Schnitt“ verpasst bekommen hat. Dieser Schnitt verläuft um das Plattentellerlager herum und soll dazu dienen, die Resonanzen des Lagers und die im Tonarm nicht zueinander finden zu lassen.
Zum einen widerspricht es damit meiner persönlichen Theorie des Resonanzkreislaufs (habe ich an anderer Stelle bereits erläutert) zum anderen passiert aber nach einiger Zeit folgendes:

Diese „Halbinsel“, auf der der Plattenteller samt Lager montiert ist, sackt nach unten ab. Damit steht sie nicht mehr parallel zum Chassis und zur Tonarmbasis. Wie wir dieses Laufwerk auch justieren, entweder steht der Plattenteller im Wasser oder die Tonarmbasis. Beides geht nicht!

Schief stehender Plattenteller und mögliche Ursache

In all diesen Fällen und sicher gibt es da noch einige Gründe für einen schief stehenden Teller mehr, kommen wir nicht umhin, den Azimuth an die Plattenoberfläche anzupassen.

Tonarm

Wird ein Tonarm ohne Azimuth-Verstellmöglichkeit ausgeliefert, der nicht korrekt im Lager sitzt, können wir lange nach einer Abhilfe suchen – eine praktikable Lösung werden wir nicht finden.

Aber auch die Basis, also die Stelle, an der der Tonarm montiert ist, kann ein wenig schief stehen. Manchmal ruht der Arm auf einem „Ausläufer“, der nicht ganz parallel zur Plattenoberfläche verläuft. Bevor wir so eine schiefe Basis mit der Azimuth-Einstellung auszugleichen versuchen, sollten wir aber zunächst prüfen, ob sich die Basis nicht richten lässt, denn jede eigentlich unnötige Azimuth-Abweichung löst nur neue Probleme aus.

Tonabnehmer

Hier gibt es gleich mehrere Stellen, an denen möglicherweise nicht ganz korrekt gearbeitet worden sein kann. Die offensichtlichste Möglichkeit ist, dass der winzig kleine Diamant nicht ganz senkrecht eingebaut worden ist. Die nächste Ungenauigkeit kann sich bei der Fixierung des Nadelträgers ergeben haben.
Aber auch das gesamte „Innengebilde“ aus Nadelträger, Spulen und Magneten kann in sich „schief“ eingebaut worden sein. Jeder, der schon mal mit Magneten „gespielt“ hat, der weiß, dass sie nicht ganz einfach zu handeln sind.

Und dann gibt es noch eine ganz einfach Erklärung für einen optisch „schiefen“ Tonabnehmer:
Weil sich der Hersteller an seine Messergebnisse gehalten und den Tonabnehmer optimiert hat.

Messung über Optik?

Es gibt keine zwei absolut identische Magnete und auch keine zwei absolut identische Spulen. Ganz sicher haben sie alle eng gesteckte Toleranzen einzuhalten, aber völlig identisch sind sie nie.
Mit unseren Augen können wir solche Unterschiede nicht erkennen, auch nicht unter dem Mikroskop. Aber es gibt Messgeräte, die uns viel verraten können.

Doch was genau ist das Ziel solcher Messungen?

Nehmen wir als Beispiel die Endjustage eines MC-Systems.
MC steht hier für Moving-Coil, also für „bewegte Spule“. Dies bedeutet, dass sich auf dem Nadelträger Spulen befinden. Gleitet der Diamant durch die Rille, bewegt sich der Nadelträger und damit bewegen sich die Spulen. Da sich die Spulen innerhalb eines Magnetfeldes befinden, wird eine elektrische Spannung erzeugt.

Das erste Ziel …
eines Tonabnehmer-Entwicklers lautet, eine möglichst hohe Ausgangsspannung zu erhalten. Dies gelingt nur an der Stelle, an der das Magnetfeld am stärksten ist. Er wird also bei der Justage des Nadelträgers versuchen, den Lagerpunkt an der richtigen Position innerhalb des Magnetfeldes zu fixieren.

Das zweite Ziel …
ist, für beide Kanäle den gleichen Pegel zu erreichen. Es ist nicht akzeptabel, wenn ein Kanal lauter ist als der andere.

Das dritte Ziel …
ist die Verhinderung des „Übersprechens“, also die Optimierung der Kanaltrennung.
Was im linken Kanal zu hören ist, das soll auch im linken Kanal bleiben. Ebenso sind unsere Ansprüche an den rechten Kanal.

Es ist leicht zu erkennen, dass die Messergebnisse möglicherweise gegensätzliche Optimierungsmaßnahmen einfordern, die den Hersteller zwingen können, sich entscheiden zu müssen.
Solange er nur das „Opfer“ bringen muss, dass der Nadelträger am Ende ein wenig schief aussieht, wird er es gerne bringen. Händler und Kunden müssen ihm da aber schon ziemlich vertrauen, oder?

Sie werden jetzt vielleicht eine Vorstellung davon bekommen haben, wieso es so große Preisunterschiede bei den Tonabnehmern gibt.

Das untere Ende der Fahnenstange bildet die Bulk-Ware, also Blister-Verpackungen, auf denen 50 oder 100 Tonabnehmer zu finden sind. Die Endkontrolle findet hier beim Kunden statt. Dies bedeutet, dass der Hersteller möglicherweise gar nicht weiß, ob er etwas Funktionierendes oder Ausschuss produziert hat. Der Händler kauft eine “Liefereinheit” und der Preis dafür ist so kalkuliert, dass er einen großen Teil der Ware einfach wegschmeißen kann.

Stellt der Endverbraucher nach dem Kauf fest, dass der Tonabnehmer nicht oder nicht richtig funktioniert, bekommt er eben ein anderes. Wenn er es denn merkt. Ob er ein richtig gut funktionierendes System erworben hat oder eines, das eben geradeso funktioniert, ist Zufall – so wie beim Losekaufen. Die meisten Lose sind Nieten, man kann aber auch Glück haben.

Die zweite Stufe bilden die Tonabnehmer, die einzeln verpackt angeboten werden. Hier ist i.d.R. sichergestellt, dass sie auf ihre Funktion hin geprüft worden sind.

Noch besser sind dann die Tonabnehmer, bei denen die Einhaltung bestimmter Mindestwerte garantiert wird. Oftmals liegen diesen Systemen auch die Mess-Schriebe bei.

Wenn Sie sich jetzt fragen, was denn mit den Tonabnehmern geschieht, die bei der Prüfung durchfallen, dann gehen Sie doch einfach noch einmal ein paar Zeilen zurück und lesen Sie bei „Die zweite Stufe …“ weiter. 🙂

Die vierte Stufe wird dann von den Tonabnehmern gebildet, die so entwickelt und angefertigt worden sind, dass sie ganz besondere Messwerte erreichen.

Sind also die Messwerte das A&O eines Tonabnehmers?

Im Prinzip schon.

Immer wieder wird es einen Tonabnehmer mit schlechten Messwerten geben, der doch einen ganz individuellen Reiz besitzt. Aber das ist dann so wie die Fotos einer Lochbild- oder Lomo-Kamera.

Irgendwie faszinierend, aber qualitativ doch völlig daneben.

Leider muss man aber auch sagen, dass selbst die allerbesten Messwerte keine Garantie für einen tollen Klang sind. So einen teuren Tonabnehmer, den sollte man sich deshalb unbedingt ganz bewusst und sorgfältig auswählen und nur bei dem zugreifen, der den eigenen Geschmack am besten trifft.

Fassen wir zusammen:
Eigentlich sollte von Haus aus alles „im Lot“ und eine Korrektur durch Schiefstellen der Headshell indiskutabel sein. Allerdings gibt es konstruktive Gründe, durch die eine Azimuth-Justage unverzichtbar werden kann.

Dann gibt es noch Fehlstellungen durch eine ungenaue Herstellung und am Ende gibt es eine optische Fehlstellung, durch die aber die maximale Leistung des Tonabnehmers erst gewährleistet wird.

Solche Dinge wie schiefe Plattenteller oder Tonarmbasen können wir ja noch mit dem bloßen Auge erkennen und was dagegen tun, aber wie finde ich denn heraus, ob mein Tonabnehmer aus Versehen oder absichtlich schief hergestellt worden ist?

Hier müssen wir folgende Varianten unterscheiden:

Schiefer Diamant
Ich kenne keinen Tonabnehmer-Hersteller, der seine Diamanten absichtlich schief einbaut, um noch bessere Messwerte zu erhalten. Diamanten werden nicht einzeln, sondern bereits auf dem Nadelträger fertig montiert geordert.

Wer als Hersteller einen Nadelträger mit schief montiertem Diamanten akzeptiert, der hat gar nicht vor, den weltbesten Tonabnehmer zu produzieren.
Die Frage ist ja auch, ob die Nadel schief montiert worden ist, oder ob nicht eher der Hersteller den Nadelträger leicht verdreht montiert hat.
So oder so: Ein System mit schief sitzendem Diamanten gehört vom Endverbraucher nicht „ausgeglichen“ sondern reklamiert!

Schiefer Nadelträger bei Serien-Produkten
Es liegt ein Produktionsfehler vor und das System sollte sofort wieder zurückgeben werden.

Schiefer Nadelträger bei hochwertigen Einzel-Produkten
In diesem Fall sollten wir davon ausgehen, dass die Schiefstellung das Ergebnis einer peniblen Justage ist, auch wenn das jetzt ziemlich dreist wirken mag. Um hierfür eine Bestätigung zu erhalten, sollten wir das System beim Händler durchmessen lassen oder es selbst durchmessen.

Vorsicht vor Sonderangeboten bei Tonabnehmern!

Einerseits ist es natürlich ganz toll, wenn man bei einem teuren Tonabnehmer ein paar Hundert Euro sparen kann und zum Beispiel statt 800,- € nur 500,- € bezahlt hat. Wenn man aber 500,- € für einen Tonabnehmer bezahlt hat, der bereits reklamiert wurde und keine 200,- € Wert ist, dann stimmt das mit der Sparerei nicht mehr so ganz, oder?

Bitte merken:
Wenn ein 800,- €-Tonabnehmer reklamiert werden durfte, dann ist er defekt und selbst ein intaktes 200,- Euro-System klingt im Vergleich deutlich besser!
Könnte man ihn einfach instandsetzen, hätte der Hersteller das schon selbst veranlasst. So ein System klingt nicht gut und im schlimmsten Fall machen Sie sich mit ihm Ihre schönen Platten kaputt!

Am sichersten ist es, Sie kaufen einen Tonabnehmer vor Ort bei einem kompetenten Händler, bei dem der Einbau zum Service dazugehört. Und wenn es irgendwie geht, dann sollte auch eine Messung zum Service dazugehören.

Wieso Händler äußerst ungern messen

Jedes Messergebnis ist ein Resultat aus der Kombination Laufwerk-Tonarm-Tonabnehmer. Der allerbeste Tonabnehmer kann in einem nicht optimal passenden Tonarm keine „Wundermesswerte“ erreichen. Will der Kunde mit diesem Arm aber unbedingt genau diesen einen “Traum-Tonabnehmer kaufen, dann liegt es nicht im Interesse des Händlers, ihm durch entsprechende Messungen zu beweisen, dass das in diesem Fall Unsinn ist.

Kann man Tonabnehmer selber messen?

Grundsätzlich können Sie alle Messgeräte des Marktes auch als Endverbraucher erwerben. Es gibt da keine, die dem Fachhandel vorbehalten sind. Aus Kostengründen werden Sie als Kunde aber wohl darauf verzichten wollen.

Preisgünstig sind Mess-Schallplatten, die der Markt immer noch anbietet und mit denen man die wichtigsten Einstellungen ganz gut nach Gehör beurteilen kann.

Ein Zwischending ist die Software des Herrn Dr. Feickert. Wer häufiger selbst Tonabnehmer justiert und den Händlern an seinem Wohnort nicht vertraut, ist damit gut gerüstet. Hierbei werden fünf verschiedene Headshell-Stellungen durchgemessen (-2°, -1°, 0°, +1°, +2°), um aus allen fünf Messkurven die optimale Azimuth-Einstellung erkennen zu können.

Eine solche Messung ist ideal  – ja fast schon genial — da sie wirklich alle Parameter des Laufwerks, des Tonarms und des Tonabnehmers im Zusammenspiel berücksichtigt – und zwar nicht theoretisch, sondern praktisch!
Für einen Händler ist auch diese Software ein „zweischneidiges Schwert“, denn kaum ein Kunde wird sich darüber freuen, einen optimal justierten – aber schief stehenden Tonabnehmer ausgehändigt zu bekommen, oder?

Sie sollten jetzt in der Lage sein, die Bemühungen des Händlers zu verstehen und in einem Gespräch mit ihm herausfinden können, was tatsächlich hinter seiner “schiefen Azimuth-Einstellung”  stecken könnte.

Skating und Antiskating beim Plattenspieler

Skating und Antiskating beim Plattenspieler

Skating und Antiskating beim Plattenspieler

Haben Sie schon mal einen Bericht über die Skatingkraft lesen wollen, ihn dann aber angesichts der vielen komplizierten Formeln gleich wieder beiseite gelegt?

Emoticon mit Daumen nach unten

Willkommen im Club!

Von den meisten Erklärungen, die ich bisher so lesen konnte, habe ich nicht viel verstanden. Was wohl hauptsächlich daran liegt, dass ich sie für “ziemlich falsch” halte.
Wenn mir nämlich jemand erklären will, dass die Skatingkraft dadurch entsteht, dass die Reibung der Abtastnadel an der inneren Rillenflanke der Schallplatte größer ist als die an der äußeren Flanke, dann beschreibt er damit zwar eine Auswirkung, verschweigt aber deren Ursache.
Eine Skatingkraft, die durch die unterschiedlichen Reibungskräfte an den Rillenflanken erzeugt wird, die gibt es jedenfalls nicht!

Es soll die Skatingkraft nicht geben?

Finden wir nicht Berichte über sie in Hülle und Fülle – auch in wirklich ernst zu nehmenden, geradezu “wissenschaftlichen” Fachbüchern und natürlich auch bei Wikipedia?

Nun – das stimmt durchaus.
Doch hat uns diese Wissenschaft nicht schon viel größere Irrtümer beschert!?

Ein einziger falscher Rückschluss und schon war der gesamten westlichen Welt in den 60-er Jahren eine Glutamat-Unverträglichkeit bescheinigt worden, die bis heute nicht bestätigt werden konnte!

Eine ähnlich „verunglückte“ Auswertung hat aus meiner Sicht immer wieder bei der Betrachtung der Skatingkraft stattgefunden.
Nicht wenige bezweifeln deshalb diese Behauptungen und bauen die Antiskating-Vorrichtungen an Ihren Tonarmen wieder ab oder statten sie gar nicht erst damit aus.

Aber auch das ist falsch!

Weil es ohne eine korrekt eingestellte Antiskatingkraft zu Verzerrungen kommen muss!
Doch wieso brauchen wir eine Antiskatingkraft, wenn es die Skatingkraft gar nicht gibt?

Ganz einfach:
Weil es durchaus Kräfte gibt, die seitlich auf den Tonarm einwirken. Nur kommen sie nicht von der unterschiedlichen Reibung an den Rillenflanken, sondern diese unterschiedliche Reibung resultiert daraus.

Gehen wir der Angelegenheit doch mal systematisch auf den Grund:

Skating – was heißt das denn überhaupt?
Skating ist das englische Wort für Schlittschuhlaufen und darf wohl als Synonym für das „Gleiten über eine Oberfläche“ betrachtet werden. Mit oder ohne Rillen.

Namen sind Schall und Rauch und Skating passt gut zu dem, was tatsächlich geschieht, also bleibe auch ich in diesem Beitrag bei dieser Bezeichnung.

Damit wir erkennen können, was für Kräfte tatsächlich auf einer sich drehenden Schallplatte auftreten, habe ich mal ein kleines Demonstrations-Video gedreht. Nein, ein Spielberg ist sicher nicht an mir verloren gegangen, aber es sollte doch zu erkennen sein, was ich demonstrieren will.

Auf meinem guten alten Philips 504 dreht sich eine ausrangierte, mehr oder weniger “glatte” Antiskating-Mess-Schallplatte.
An einem Ende eines Bambus-Stabs habe ich ein Loch gebohrt und dort einen Faden hindurch gezogen. Mit diesem Faden habe ich den Stab in einen Halter eingespannt, so dass sich der Stab seitlich frei bewegen kann. Ich hätte das auch einfacher demonstrieren können, indem ich den Stab zwischen Daumen und Zeigefinger halte, aber ich befürchtete, danach zum zweiten Uri Geller erklärt zu werden und habe mich lieber mal für den Faden entschieden.  🙂

In dem Video kann man folgendes erkennen:
Es gibt auf der sich drehenden Scheibe drei Zonen, die unterschiedlich auf den Tonarm einwirken.

Skizze 1 "3 Zonen"

Skizze 1 “3 Zonen”

In der Mittel-Linien-Zone (Zone 1) bleibt der Tonarm/Stab dort stehen, wo er abgesetzt wird. Es gibt dort keine seitlich wirkenden Kräfte, also auch keine Skatingkräfte.
In der unteren Zone (Zone 2) wird der Tonarm/Stab nach links gezogen.
In der oberen Zone (Zone 3) wird der Tonarm/Stab nach rechts geschoben.

Zum Video “Skatingkraft” anklicken:

Skatingkraft

 

Wird der Tonarm “nach links” gezogen, versucht er dieser Zugkraft zu folgen. Da er aber an seinen Lagerpunkt “gefesselt” ist, kann er der Schallplatte nicht folgen – er kann sich nur um seinen Lagerpunkt drehen. Die Kurve, die er hierbei beschreibt, führt ihn automatisch zum Schallplatten-Mittelpunkt und es sieht so aus, als würde der Tonarm zum Mitteldorn hin gezogen werden.

Befindet sich der Tonarm in der Zone 3 und wird er nach “rechts” geschoben, beschreibt er wieder nur die ihm bestimmte Kurve um seinen eigenen Drehpunkt und dreht sich damit nach außen zum Schallplattenrand hin.
Beide Bewegungen sind dem Lagerpunkt des Tonarmes geschuldet und haben nicht wirklich etwas mit “innen” und “außen” zu tun. Liegt der Tonarm/Stab exakt auf der parallelen Mittellinie auf, gibt es überhaupt keine seitlich einwirkenden Kräfte.
Hier eine Skizze zur Definition der parallelen Mittel-Linie.

Parallele Mittel-Linie

Skizze 2 “Parallele Mittel-Linie”

Bitte montieren Sie Ihren Tonarm nicht so, dass die Nadel die Schallplatte auf der parallelen Mittellinie berührt. Die sich hierdurch ergebende,  äußerst schlechte Tonarmgeometrie verhindert, dass die Nadel der Rille folgen kann und irgendwas geht dabei ganz bestimmt kaputt!

Zwischenfazit:
Es gibt auf der Schallplatte drei Zonen mit unterschiedlichen seitlich wirkenden Kräften auf den Tonarm.

Damit müssen wir aber jetzt zu der folgenden Frage kommen:

Wo ist denn der geometrisch günstigste Montagepunkt für einen Tonarm?

Da dieses Thema sehr umfangreich ist, finden Sie eine genaue Anleitung zur Tonarm-Montage und zur Tonabnehmer-Justage jeweils in einem eigenen Beitrag.

So viel sei aber an dieser Stelle verraten:
Bei einem korrekt justierten Tonarm trifft die Abtastnadel die Schallplatte im Bereich der zweiten Zone – also in der Zone, in der der Tonarm nach links gezogen wird. Sein Lager zwingt ihn in Richtung Plattenmitte. Auf einer glatten Schallplatte wie in meinem Video würde der Arm also sofort zur Plattenmitte gleiten.
Bei einer normalen Schallplatte geht das aber nicht, weil die Nadel “tief in der Rille” steckt und über die innere Rillenflanke nicht hinweg kommt. Allerdings drückt die Nadel nun gegen die innere Flanke und erzeugt damit eine hohe Reibung.
Der Druck auf die äußere Rillenflanke ist dementsprechend geringer.

Genau hier treffe ich mich also wieder mit allen, die behaupten, die Reibungskräfte an den Rillenflanken seien unterschiedlich stark.
Nur ist das eben eine Folge und keine Ursache.

Wie dem auch sei, eines steht fest:
Wir müssen diese starke Reibung an der inneren Rillenflanke durch eine Gegenkraft ausgleichen.

Es besteht nämlich die akute Gefahr, dass der Druck des Diamanten gegen die äußere Rillenflanke zu schwach wird, um dafür zu sorgen, dass die Nadel den Kontakt zu ihr halten kann. Verliert sie ihren engen Kontakt, kann sie die Information nicht mehr sauber lesen. Stattdessen schwebt die Nadel mit der äußeren Flanke  zeitweise “in der Luft”.

Hören können wir das deutlich, denn es äußert sich in Form von Verzerrungen im rechten Kanal, da die äußere Rille das Signal für den rechten Kanal in sich trägt.

Um genau das zu verhindern und die Zugkraft der sich drehenden Schallplatte auszugleichen, gibt es die Antiskating-Vorrichtungen, die wir auch tunlichst benutzen sollten.

Doch welche Anti-Skating-Vorrichtungen gibt es eigentlich und was taugen sie?

Um eine Bewertung vornehmen zu können, müssen wir uns zunächst folgendes vor Augen führen:

Es gibt einige Parameter, die die Auswirkungen der Skatingkraft beeinflussen:

a) Die Zugkraft-Stärke der sich drehenden Schallplatte.
Sie wird durch den Abstand der Abtastnadel zur parallelen Mittellinie (Zone 1) hin bestimmt. Je weiter entfernt von der parallelen Mittel-Linie sich die Nadel in der unteren Zone (Zone 2) befindet, um so stärker ist die Zugkraft nach links.
Ein gut justierter Tonarm befindet sich etwa in der Mitte der modulierten Fläche (die Fläche mit der Musik drauf)  am weitesten von der parallelen Mittellinie entfernt, weshalb hier die “Skatingkraft” am größten ist.

b) Die Fähigkeit des Tonarms, der Zugrichtung nach links zu folgen.
Am Außenrand der Schallplatte kann der Tonarm noch relativ leicht der Zugkraft der Schallplatte nach links folgen. Je weiter er sich der Plattentellermitte nähert, umso schwerer fällt es ihm, weil er immer weniger nach links und immer stärker nach oben wandern will.

c) Die korrekte 90°-Stellung zur Rille
Ein korrekt justierter Tonarm (siehe Beitrag zur Tonarmjustage) steht in zwei Bereichen der Schallplatte genau im richtigen Winkel zur Rille. Hier gleitet die Nadel dann auch mit dem geringsten Widerstand durch die Rille. In allen anderen Bereichen wirkt sich die Abweichung vom korrekten Winkel auch auf die Skatingkräfte aus.

d) Die Auflagekraft
Je größer der Druck der Abtastnadel auf die Schallplatte ist, um so stärker wirken sich auch die seitlichen Kräfte auf den Tonarm aus. Weshalb die allgemeine Empfehlung dahin geht, die Antiskatingkraft analog zur Auflagekraft einzustellen. Man kann aber bei Tonabnehmern mit ungewöhnlich hohen Auflagekräften (z.B. 5 gr.) wieder feststellen, dass sie auch mit weniger  starker Antiskatingkraft korrekt abtasten.

e) Die Gleit-Geschwindigkeit
Die Geschwindigkeit, mit der die Abtastnadel durch die Rille gleitet, ist außen natürlich deutlich höher als kurz vor der Auslaufrille. Mit der Geschwindigkeit steigt auch die Skatingkraft, weshalb sie außen stärker ist als innen.

f) Die waagerechte Aufstellung des Plattenspielers
Steht der Plattenspieler selber nicht “im Wasser”, wirkt sich das auch auf die Skating- und die Antiskatingkraft aus. Da es sich bei einem Tonarm um eine fast “ausgewogene Wippe” handelt mit leichtem Schwergewicht zum Tonabnehmer hin, kann man manchmal gar nicht voraussehen, wie sich eine Schrägstellung des Plattenspielers auswirken wird. Um zu verhindern, dass wir in einen experimentellen Bereich hineingeraten, sollte die waagerechte Aufstellung des Plattenspielers eine Grundvoraussetzung für die Tonarmjustage sein.

g) Tonarmlänge
Mit der Länge des Tonarms verbessert sich die Geometrie und die Spurfehlwinkel werden immer kleiner. Auch dies wirkt sich auf die Skatingkraft aus.

Zusammenfassung:
Die seitlich auf den Tonarm wirkenden Kräfte sind von verschiedenen Parametern abhängig und verändern sich während des Abspielvorgangs.
Es kann beobachtet werden, dass die Skatingkraft im Gesamtergebnis zur Schallplattenmitte hin kontinuierlich abnimmt. Außen ist sie also stärker, nach innen hin wird sie schwächer.

Diese Aussage führt uns zu der Erkenntnis, dass alle Antiskating-Lösungen, die mit einer Feder arbeiten, exakt umgekehrt zur tatsächlichen Entwicklung arbeiten. Außen ist die Feder noch schwach gespannt – nach innen hin spannt sie sich immer stärker. Sie entwickelt sich also entgegengesetzt zur Skatingkraft. Hier bleibt uns nur zu hoffen, dass sich der Tonarmhersteller dieser Tatsache bewusst war und eine Federkonstruktion gewählt hat, deren Kraftentwicklung zu vernachlässigen ist.

Besser sind diese Lösungen mit den “baumelnden Gewichten”, da diese Gewichte eben über den gesamten Bereich  gleich bleiben und sich damit schon mal nicht entgegengesetzt zur Skatingkraft entwickeln.

Noch passender sind Lösungen, bei denen die Gewichte auf einer Hebelkonstruktion angebracht sind. Befindet sich der Tonarm außen am Rand der Platte, schwebt der Hebel mit dem Gewicht in der Waagerechten. Damit befindet er sich in der größten Entfernung zu seinem Lagerpunkt und zieht am stärksten.
Je weiter der Tonarm nun nach innen wandert und an der Konstruktion zieht, stellt sich der Hebel mit dem Gewicht immer senkrechter. Das Gewicht nähert sich immer mehr seinem Lagerpunkt und seine Zugkraft wird damit immer geringer. Wenn man jetzt auch noch mit unterschiedlich hohen Gewichten arbeiten kann, dürfte einer korrekten Anti-Skating-Einstellung nicht mehr viel im Wege stehen.
Hier eine kleine Skizze zur Funktion dieser “Hebelgewichte”:

Antiskatinggewicht mit Hebel

Antiskatinggewicht mit Hebel

Alternative Lösungen:
Es gab die unterschiedlichsten Ansätze, um die Aufgabe noch besser zu lösen. Mit Elektromagneten wurde experimentiert, aber durchsetzen konnten sie sich nicht. Was einfach daran liegt, dass diese Magnete ja auch nur “irgendwie eingestellt” werden können. Damit Sie zu jeder Zeit korrekt wirken können, müssten erst Sensoren entwickelt werden, mit denen die tatsächliche Stärke der Skatingkraft mit samt der oben genannten Parameter gemessen und ausgewertet werden könnten.

Wie wichtig ist die korrekte Antiskating-Einstellung denn überhaupt?

Die Antwort ist ziemlich einfach:

Solange Sie keine Verzerrungen hören, weder im rechten noch im linken Kanal, ist alles in Ordnung und Sie brauchen überhaupt nichts zu verändern!
Stellen sich die Verzerrungen in beiden Kanälen gleichzeitig ein, so hat das nichts mit der Antiskating-Einstellung zu tun. Möglicherweise ist die Auflagekraft falsch eingestellt oder Tonabnehmer und Tonarm passen nicht zusammen.

Verzerrt es jedoch nur in einem Kanal, dann sollten Sie die Antiskating-Einstellung korrigieren, bevor Ihre Schallplatten Schaden nehmen.

Verzerrt es im linken Kanal – dann ist die Antiskating zu stark eingestellt – senken Sie den Wert ab!
Verzerrt es im rechten Kanal – dann ist die Antiskating zu schwach eingestellt – erhöhen Sie den Wert!

Kann man die Einstellung messen oder prüfen?
Es gibt eine Reihe von Mess- und Einstell-Schallplatten. Zum Teil arbeiten sie nur mit Ihrem Gehör, es gibt aber auch welche, zu denen eine Software gehört. Damit können Sie dann auch deutlich mehr messen als nur die korrekte Anti-Skating-Einstellung.

Tipp:
Trauen Sie Ihren Ohren – solange alles gut läuft und nichts verzerrt – lassen Sie die Antiskating-Einstellung so wie sie ist und sparen Sie sich die Mess-Schallplatten.

High-Fidelity – quo vadis?

High-Fidelity – quo vadis?

High-Fidelity  – quo vadis?

High-Fidelity  – quo vadis?

Wir haben uns die Frage gestellt: “High-Fidelity – quo vadis?” Was passiert da gerade und wohin wird es uns führen?

Kann es sein, dass Sie auch gerade den Überblick über die zurzeit angebotenen HiFi-Geräte verlieren und die Frage nicht mehr beantworten können, welches Gerät man als Musikliebhaber im Jahre 2016 … nutzen muss, um damit „en vogue“ zu sein?

Welcher Typ sind Sie?

Kommt 2016 der endgültige digitale Durchbruch zu Ihnen ins Haus mit einem digitalen Vollverstärker, einem eigenen WLAN für HiFi, drahtlos arbeitenden aktiven Lautsprechern, von denen man mehr als 20 Stück im Haus verteilen kann, mit einem Streamer, einem Ripper und einem Musik-Server, der Ihre Musik zentral zur Verfügung stellt?

Oder sind Sie da eher der Fels in der Brandung und lassen sich von den tosenden Werbewellen nicht im geringsten beeinflussen?

So oder so hat die digitale Zukunft in viele Wohnungen schon längst Einzug gehalten.
Der Fernseher ist ein Smart-TV, mit dem man weitaus mehr anstellen kann als einfach nur fern zu sehen – und so natürlich auch Musik hören!
Daran hängt ein Apple-TV, ein Raspberry, eine Boxee-Box … irgend ein kleiner Kasten jedenfalls, der die Lücken auffüllen soll, die die Programmierer des Smart-TV noch gelassen haben.
Fast jeder besitzt heute wie selbstverständlich ein Smart-Phone, ein Tablet, ein Notebook, einen PC …
Und auch mit diesen „Devices“ kann man Musik hören.
Rund um die Uhr und überall, also auch unterwegs.

Es geht nicht mehr ums Können!

Und schon lange geht es auch überhaupt nicht mehr ums Können.
Können – könnten wir.
Aber wollen wir auch?
Mit der Antwort auf diese Frage fühlen wir uns zunehmend überfordert.
Wollen wir?
Und wenn ja, was genau wollen wir?
Und wieso machen wir es nicht schon längst, wenn wir es doch könnten?

Was klingt denn heute noch wirklich gut?

Ich glaube, die Ursache dafür liegt darin, dass wir diesen neuen Dingen nicht so recht über den Weg trauen, wenn es um die Bewertung ihrer klanglichen Qualitäten geht und schon lange nicht mehr wissen, was eigentlich noch gut klingt und was nicht.

Ach, wie schön einfach war es doch noch vor gar nicht so langer Zeit.
Analog? Der eine so der andere so.
CD? Ja logisch! Was sonst?

Wenn ich mich heute mit jungen Kunden unterhalte, stelle ich fest, dass sie keine einzige LP besitzen.
Das ist nun einmal so.
Aber was mich wundert: Sie haben auch keine einzige CD mehr!
Nicht einmal einen CD-Player!
Außer natürlich diesen “BluRay-DVD-CD-MP3-Dingsbums-Alles-Player-Brenner-und-Sauger”, der am Fernseher hängt.

Sie hören Musik digital und mobil.

Ohne Zweifel hat sich dabei das MP3-Format durchgesetzt. (MP3 ist die Kurzform von „MPEG-1, Layer III“, wobei MPEG für Moving Picture Experts Group steht)  MP3-Dateien sind klein, nehmen also wenig Speicher weg und lassen sich blitzschnell übertragen.
Die Theorie lässt aber keinen Zweifel daran aufkommen, dass MP3-Dateien eine ziemlich miserable Klangqualität haben müssen. Alles, was man einer Sound-Datei Böses antun kann, das hat man ihr auch angetan.
Man hat ihre Informationen heruntergerechnet, komprimiert, reduziert – kurz:

MP3 ist mit Kartoffelbrei-Pulver zu vergleichen.

Und so traurig, dass man darüber fast schon wieder schmunzeln muss, ist eine zweite Analogie zum Kartoffelbrei-Pulver:
So wie unsere Kinder keinen selbstgemachten Kartoffelbrei mehr mögen, empfindet die Generation, die mit MP3 herangewachsen ist, den Klang der MP3-Datei einer CD gegenüber als deutlich besser. Langjährige Studien an verschiedenen Universitäten beweisen dies. Immer mehr Menschen haben sich so sehr an den MP3-Sound gewöhnt, dass sie diesen Klang subjektiv für besser halten und den CD-Klang als „seltsam“ ablehnen.

Aber dies ist nicht die einzige Kröte, die die CD-Produzenten derzeit zu schlucken haben. Die zweite kommt in Form von FLAC-Dateien daher.  (Free Lossless Audio Codec]

Und die ist eine so fette Kröte, dass man zurecht bezweifeln darf, dass die CD sie heruntergewürgt bekommt.

Hinweis:  Lesen Sie mehr über digitale Formate unter:  https://audiosaul.de/auralic-mini/ 

Jedenfalls frage ich mich an dieser Stelle, ob nun so eine FLAC-Datei, die ich aus dem Internet heruntergeladen habe, ob die nun besser oder schlechter ist, als meine CD.

Ich schaue also beispielsweise mal bei acousticsounds.com vorbei, einem der vielen Download-Anbieter von FLAC-Dateien – und entdecke sofort zwei gute alte Bekannte: Simon & Garfunkel Greatest Hits und Getz/Gilberto, das Album mit dem berühmten Song „The girl from Ipanema“. Die erste Scheibe stammt aus dem Jahre 1972, die zweite ist aus den 60-ern. Beide Masterbänder stammen also noch aus der rein analogen Ära.
Und beide Alben habe ich als LP und die Simon & Garfunkel sogar auch als CD. Alle Songs finde ich heute auch auf Spotify im MP3-Format.
Nun kann ich sie hier bei acousticsounds.com für jeweils 24,98 Dollar downloaden und ich frage mich gerade,
für wie bescheuert man mich eigentlich hält?

Wie oft muss man die gleiche Musik denn noch kaufen?

Erst hab ich 20,- Mark für die LP bezahlt, dann 20,- Euro für die CD, nun drücke ich schon jeden Monat 10,- Euro für Spotify ab und möglicherweise bald auch noch 20,- Euro monatlich für den Zugang zu einem High-Res-Audio-Portal und am Ende soll ich mir hier für 24,98 Dollar genau die gleichen, uralten Songs noch einmal als FLAC-Dateien herunterladen?
Und nächstes Jahr dann vielleicht noch einmal für 36,- Euro als „MQA“ oder wie?

Wobei ich ja den FLAC-Anbietern mit meiner Schimpferei zugegebenermaßen Unrecht tue.
Die CD hätte ich mir sparen sollen.

Aber da haben wir doch das Problem.
Es ist ja nicht nur der „Kampf der Formate“.
Das alles dehnt sich ja auch auf die Komponenten aus.
Downloaden oder streamen kann ich doch durchaus mit meinem Smartphone oder dem Tablet. Ich streame es über eine „kleine Kiste“ oder einen Bluetooth-Eingang zu meiner Anlage.
Das ist die einfachste und billigste Variante.
Genau das gleiche kann ich jetzt aber auch mit einem 18.000,- Euro High-End-Streamer vollziehen.
Und ich frage mich:
Kann ich nun zum Downloaden ein preisgünstiges Gerät verwenden und erst beim Abspielen das Signal von einem High-End-DA-Wandler wieder rekonstruieren lassen und alles klingt toll, weil es ja nur auf den DA-Wandler ankommt oder brauche ich auch schon einen 18.000,-Euro Streamer/Downloader?

Schon habe ich die ersten Kunden, die mit einem speziell „getunten“ Notebook ausschließlich über Akku-Betrieb und nur zu ganz bestimmten Tages- äh wohl mehr Nachtzeiten die Dateien downloaden, weil sie sonst nicht „gut genug“ sind.

Gespeichert wird das alles auf einer SSD, weil ja bei einer normalen Festplatte wieder der mechanische Lesevorgang zum klang-endscheidenden Faktor wird, oder?

Macht der Kunde das alles wirklich mit? Geht es mit uns in diese Richtung?

Richtig teure Musik-Server – (ich meine richtig teure!) – brauchen bis zu 20 Minuten, um eine CD einzulesen, zu rippen, zu taggen …
Ich habe ausgerechnet, dass ich dabei etwa 2 Jahre brauche (mit Urlaub und so) , um alle meine CDs einzulesen.

Und danach habe ich sie dann im Format 44,1 kHz bei 16 Bit auf einer Festplatte.
Eben im CD-Format, was sich gerade irgendwie den Ruf einhandelt, nur „zweite Wahl“ zu sein.
Die teuren Musik-Server können da heute schon mehr!
Manche Server bieten mir deshalb an, meine CDs auf 192 kHz hoch zu rechnen.
… also einfach eine Qualität zu erfinden?

Also Kartoffelbreipulver für 89 Cent die Tüte lasse ich mir ja gefallen – zuhause, mal eben schnell wieder angerührt – mit einem Stich guter Butter dran, da kann man es durchaus mal essen – aber ich lass mir doch nicht in einem 5-Sterne-Restaurant für richtig viel Geld zeigen, was ein Koch-Künstler aus Kartoffelbreipulver alles zaubern kann, oder hab ich da die falschen Ansichten?

Beschreibe ich hier eigentlich gerade den winzig kleinen High-End-Markt, der ja schon immer verrückt war, oder gilt das auch schon alles 1:1 für den Konsumer-Markt?

Was sagt denn unsere „Industrie“ zu diesem Thema?

Die Unterhaltungselektronik-Industrie steckt in einer Krise. Lassen sich doch neue Geräte nur dann an den Mann bringen, wenn man ihm klar machen kann, dass seine alten Geräte nicht gut genug sind.
Das allerdings zwingt sie dazu, dem Kunden das Qualitätsmerkmal schlechthin “in CD-Qualität” weg zu nehmen und sich selbst als Lügner zu bezichtigen.
So scheinen sich die Hersteller darin einig zu sein, den Mund zu halten und den Verbraucher ganz von allein dahinter kommen zu lassen.
Die High-Ender wissen es bereits, der Konsument interessiert sich zum Glück nicht so sehr dafür.
Aber auch er wird es irgendwann schon noch merken.

Schlecht hören kann man ja auch schon mit dem Handy gut!

Ja, der Industrie spielt es derzeit gut in die Karten, dass der moderne Mensch praktisch alles mit seinem Smartphone machen will, also auch Musik hören. Zum mobilen Streamen eignet sich sowieso nur das MP3-Format und damit ist ja alles in Butter, oder?

Der Mensch ist Jäger und Sammler.

Wie kommt er in einer rein digitalen “Online-Musik-Welt” zurecht – so ganz ohne Trophäen?

Und wie stellen Sie sich persönlich Ihre Zukunft und die Ihrer HiFi-Anlage vor?
Machen Sie da mit, bei diesen Neuentwicklungen, halten Sie an dem fest, was Sie haben, oder gehen Sie gar einen Schritt „zurück in die Zukunft“ und kaufen sich doch wieder einen Plattenspieler?
Lassen Sie uns doch an dieser Stelle mal gemeinsam eine allgemeine „Standortbestimmung“ durchführen.

Rückblick

Im Jahr 1980 noch
… sah die HiFi-Welt ziemlich aufgeräumt aus.
Den Kern einer „Stereoanlage“ bildeten der Verstärker und die Lautsprecher. Als „Quellen“ gab es den Plattenspieler und den Tuner, also das Radio.
Lediglich zum Aufnehmen musste man sich entscheiden, ob man mehr der Kassetten-Typ war oder sich eines von diesen „fetten“ Tonbandgeräten zulegen wollte.

Ein paar Jahre später fand dann das „Erdbeben“ unter dem Namen CD statt.

Die LP und der Plattenspieler waren von da an „altes, überflüssiges Gerümpel“.
Noch weniger wert (falls das überhaupt geht) war alles, was mit dem Kassettenrekorder oder den Bandmaschinen zu tun hatte.

Das digitale Format mischte sich nämlich auch schon bald in das Thema „Aufnehmen“ ein und der Markt bescherte uns einige mehr oder weniger segensreiche digitale Erfindungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt hätten die großen Entwickler erkennen müssen, dass der Kunde nicht bereit ist, jeder Fahne hinterher zu rennen, nur weil sie heftig geschwenkt wird.
Dabei waren sie selbst so kurzsichtig, uns zunächst digitale Aufnahme-Medien anzubieten (z.B. die DCC), bei denen der größte bisherige Nachteil der analogen Medien erhalten blieb – nämlich diese nervende Vor- und Rückspulerei.

Wo hören wir eigentlich Musik?

Der typische Verbraucher hört seine Musik an unterschiedlichen Orten. Hauptsächlich jedoch zuhause und im Auto.
Will man ihn zu einem Formatwechsel „verführen“, muss man ihm nicht nur das neue Equipment fürs Wohnzimmer anbieten, sondern auch eine Lösung fürs Auto.
Und da hatten wir eben unsere Kassetten.
Das schöne an der Kassette war doch, dass sie „billig und robust“ war.
Sie durfte im Fahrgastraum herumfliegen, beim Öffnen der Tür herausfallen, nass regnen, geklaut werden …
Aber wer wollte schon eine Kassette klauen?
Sie konnte ja jederzeit ersetzt werden und hatte einfach keinen Wert. Jedenfalls nicht die Kassette, die wir fürs Auto aufgenommen hatten.
Sollte man sich jetzt etwa ein neues Autoradio für teure digitale Kassetten oder Mini-Discs kaufen?
Also ganz ehrlich – ein solcher Schritt stand doch wohl niemals zur Debatte, oder?

Erst als die Seifenblase vom „Märchen von den staub- und keimfreien Laboratorien“, ohne die  angeblich eine CD niemals herzustellen sei, in Form von 40,- Euro-CD-Brennern zerplatzte, die man per USB an seinen eigenen PC anschließen konnte, gab es ein neues Medium fürs Auto:
Die CD – und hier eben vor allem die selbst gebrannte CD.
Alles, was wir über die Kassette gesagt haben, traf nun auch auf dieses Medium zu. Der Rohling war ziemlich wertlos, jederzeit ersetzbar und damit genau richtig fürs Auto.
Über die LP und den Plattenspieler sprach niemand mehr – bis auf ein paar Unbelehrbare, „ewig Gestrige“.

Und so hätte es eigentlich auch wunderbar weitergehen können, wenn nicht die Zeit so dreist gewesen wäre, voran zu schreiten und mit ihr der „technologische Fortschritt“.
Erst etablierte sich der Computer und dann auch noch das Internet.
Vor allem der zweite Punkt eröffnete uns heute gleich mehrere unterschiedliche Optionen und sorgt aktuell dafür, dass sich selbst eingefleischte HiFi-Freaks unsicher werden.

Zurück in der Gegenwart

Neben dem Besitz unserer gekauften Medien, in welcher Form auch immer, öffnet uns das Internet gerade die Tür zu einer Musik-Menge in unvorstellbarem Ausmaß. Und vieles davon völlig kostenlos.
Geben Sie den Titel von irgendeinem Song bei youtube ein – ich denke, Sie werden ihn finden. In mehreren Interpretationen, mit schönen Fotos hinterlegt, als Konzert-Mitschnitt, unplugged – wie auch immer.
Wem das nicht reicht, der richtet sich ein kostenpflichtiges Konto bei einem der Musikportale ein.
Spotify, Deezer, Apple Music, TIDAL HiFi, Qobuz, Amazon Primemusic, Napster, rdio, Soundcloud, XBox Music, Google Music, Baboom, rara, Juke mymusic, und jetzt auch noch ALDI life.

Hab ich einen vergessen? Ganz sicher! Denn es scheint sich gut Geld verdienen zu lassen mit diesen Portalen. Doch wer erhält das viele Geld? Die Musiker sehen jedenfalls nicht sonderlich glücklich aus dabei.

TIDAL HiFi, der Nachfolger von WIMP, wirbt mit dem FLAC-Format. So ein FLAC-Download hat den Vorteil, dass uns nun kein billiger und schlechter CD-Spieler mehr einen Teil der auf der CD vorhandenen Klangqualität vorenthalten kann.

Zum Digitalisieren unserer LPs, Kassetten und Tonbänder brauchen wir dann noch einmal die ehemaligen Abspielgeräte, die wir uns zumindest so lange leihen müssen, bis alles digitalisiert und auf unserem zentralen Musik-Server abgelegt ist.
Den müssen wir dann Nacht für Nacht auf einen zweiten Speicher sichern, damit wir nicht eines Tages mit einer kaputten Festplatte oder einem gestohlenen Musik-Server dastehen und alles „weg ist“.  Das wäre der GAU!
Versuchen Sie mal, von Ihrer Versicherung das Geld für monatelanges Rippen einzufordern!

Vielleicht haben wir ja aber Glück und „unsere Musik“ ist längst bei Spotify und Co. gelandet. Mit weniger Rauschen als wir es auf unseren Kassetten hören mussten, ohne Knistern, Knackser und ohne Cola in den Rillen; sogar ohne Rückstände von angetrockneten Nassfahrmitteln und …
ganz ohne Arbeit und Zeitaufwand. Sie ist einfach schon da!
Mit Informationen über den Interpreten, mit Hinweisen zu „ähnlichen Künstlern“ und mit der Möglichkeit, Playlisten zu erstellen, um auf die unterschiedlichsten Situationen vorbereitet zu sein. Party, Hintergrundmusik, Irischer Abend, Weihnachten mit Kindern, Schmusen …
Man muss so eine gut gefüllte Playliste nur starten und von da an macht sie Musik – so lange, wie Lieder in der Liste sind.

Das ist ohne Zweifel eine tolle Sache und ich kann und muss mich hier outen:
Ich nutze Spotify!

Bleibt die immer noch offene Frage nach der Qualität. Die MP3-Qualität ist aus meiner Sicht völlig ausreichend, um Künstler und Songs kennenlernen zu können.
Manche Alben gefallen mir aber so gut, dass ich die Musik kaufen will, um sie in einer noch besseren Qualität hören zu können. Welches Medium soll ich mir da heute kaufen? Soll ich es als FLAC downloaden? Reichen 24 Bit bei 96 kHz, müssen es 192 kHz sein oder noch viel mehr?
Oder soll ich es gar nicht kaufen sondern von TIDAL oder Qobuz streamen?

Fühlen Sie sich beim Lesen dieser Zeilen gerade auch so unwohl wie ich beim Schreiben?

Ich brauche eine Pause.

Bin zurück. Ich habe mir in der Pause den vierten Akt aus Verdis „Il Trovatore“ angehört (LSC-2617 Living Stereo 1962 mit Leontyne Price). Natürlich auf Schallplatte! Jetzt geht es mir wieder gut.

Und beim Hören habe ich doch tatsächlich etwas wiedergefunden, was mir in diesem Beitrag bislang völlig gefehlt hat:

Den Aspekt der Wertigkeit.

Mal so am Rande:
Wenn Sie sich auf einen besonderen Anlass vorbereiten, wechseln Sie dann Ihre Armbanduhr? Haben Sie für so etwas ein paar besonders edle Schuhe im Regal stehen? Gibt es da einen edlen Tropfen in Ihrem Schrank, den Sie sich nur zu solchen Anlässen gönnen?

Welche Wertigkeit kann eine Musik besitzen, die wir überall und zu jeder Zeit vor uns hin dudeln können?
Mit welchem Gefühl höre ich einen Song, der auf meinem NAS liegt und von dem ich noch zwei Kopien besitze, weil ich mich vor einem Festplatten-Crash schützen will?

Oder reicht es schon, wenn die Musik an sich eine Wertigkeit besitzt?
Muss Musik überhaupt eine Wertigkeit besitzen?
Muss das Medium eine Wertigkeit besitzen, das die Musik in sich oder auf sich trägt?

Die LP, die ich gerade gehört habe, die knistert schon hier und da – sie ist nicht mehr so wie sie mal war.
Sie ist älter geworden.
So wie ich.
LPs sind genau so vergänglich wie wir.
Die Zeit nagt an Ihnen, aber sie verknüpft sie auch mit Erinnerungen. Wenn wir eine LP-Hülle in die Hand nehmen, sehen wir es wieder vor unseren Augen, wie das damals war, als wir sie geschenkt bekommen haben, als wir sie nach dem Konzert in Berlin vom Interpreten selbst gekauft haben.

Das Inlay mit den Texten haben wir in den ersten Tagen verschlungen, bis wir alle Texte auswendig kannten. Hier und da haben wir vielleicht etwas hinein gekritzelt. Wir wissen oft noch ganz genau, wann und mit wem wir die LP gehört haben.
Irgendwie fühlen wir uns mit ihr verbunden.

Es ist unsere LP.

Besitzen wir eine Kopie von ihr? Haben wir sofort für eine Redundanz gesorgt? Muss so etwas sein?

Gibt es etwa von uns selbst eine Kopie?
Oder von den Menschen, die wir lieben?
Wäre eine Redundanz unserer Person erstrebenswert?
Wenn der eine von uns zu müde ist noch auszugehen, schnappen wir uns eben den anderen? Der ja noch „frisch im Schrank steht“?
Ich rede Unsinn, zugegeben.

Dabei hatte ich Ihnen ja versprochen, Ihnen dabei zu helfen, sich nach dem Lesen dieses Beitrags besser mit diesen ganzen Geräteangeboten auszukennen, die es schon gibt und die noch auf uns zukommen werden.
Und genau das will ich jetzt auch wieder tun.

Denn die Lösung ist eigentlich ein Kinderspiel. Wir müssen nur verstehen, dass wir uns der Musik auf zwei unterschiedliche Arten nähern können:
Konsumieren oder genießen.

Über das Konsumieren brauchen wir überhaupt nicht die Nase zu rümpfen – das ist doch gar nichts schlechtes!
Im Radio, im Auto, beim Joggen, im Garten … wir alle konsumieren Musik, weil wir Musik mögen.

Und genau dafür sind diese neuen Musik-Portale neben dem klassischen Radio wirklich toll.
Welches von ihnen Ihre Zuneigung findet, das ist reine Geschmacksache. Dem einen gefällt die eine  „Oberfläche“ besser dem nächsten eine andere. Der eine will es so billig wie möglich, der nächste stellt höhere Ansprüche an die Qualität.
Und eines ist sicher: Je mehr wir darüber schimpfen, wie teuer Musik ist – umso mehr müssen wir diese Portale lieben.

30 Millionen Songs für 10,- Euro im Monat.  Billiger – hat es das noch nie gegeben!

Kurz und gut:
Ich möchte Sie dazu ermuntern, diesen Portalen eine Chance zu geben.

Schon allein die Möglichkeit, viele unbekannte Musiker kennen lernen zu können, ist den Monatsbeitrag ganz bestimmt wert. Und ob Sie das Portal unterwegs, im Büro oder nur zuhause am PC oder über die „gute Anlage“ nutzen oder ein Gemisch aus allem – diese Portale sind der richtige Weg hin zu neuer, toller Musik.

Erstes Fazit also:   Portale?  Ja, unbedingt!

Kommen wir zu den Streamern, den Rippern und den Musik-Servern, die es ja oft genug auch als Kombi zu erwerben gibt. Wer sich lieber sein eigenes Musikportal aufbauen möchte, mit einer Zusammenstellung aus seinen eigenen digitalisierten oder gerippten Medien, der kann das mit diesen Geräten tun, hat aber viel Arbeit vor sich.
Nach der Arbeit kann er alle seine LPs in den Hüllen und seine CDs in den Regalen stecken lassen und komfortabel z.B. über sein Tablet auf diese Musik zugreifen, um sie im ganzen Haus oder sogar unterwegs hören zu können.
Funktionieren tut das gut – ob man es braucht, muss man selber beurteilen.

Fazit:

Man muss das Schießpulver nicht verdammen, sondern richtig einsetzen.

Musik-Portale verschaffen uns den Zugang zu unvorstellbar viel Musik und der Umgang mit ihnen ist so komfortabel wie wir uns das immer erträumt haben. Wer es sich leisten kann, der unterstützt uns Musikliebhaber, indem er zu den Portalen mit den besseren digitalen Formaten wechselt, um für eine bessere digitale Zukunft zu sorgen und den Betreibern ein klares Zeichen zu senden.

Die Schallplatte erfüllt unsere Ansprüche an eine Wertigkeit, ohne die unser Leben jeden Glanz verliert.

Aber bei aller Liebe zur Schallplatte, die ich ganz sicher in meinem Leben nie verlieren werde, muss man zurzeit am Ende eines erkennen:

Das Original eines jeden Albums ist nun einmal das Masterband.

Bei der Schallplatte verwenden wir es, um es 1:1 auf ein analoges Medium zu pressen.
Bei der CD mussten wir den Inhalt des Masterbandes so lange misshandeln, bis die Datenmenge klein genug war, um auf eine silberne Scheibe zu passen.
Doch der Download einer High-Res-Audio-Datei bringt uns das Masterband quasi im Original zu uns nach Hause.

Das hat es so noch nie gegeben!!
Und schon gar nicht für 10,- Euro, wie diese Alben heute schon angeboten werden.

Also ich weiß jetzt, was ich machen werde:
Unterwegs höre ich MP3.
Zuhause streame ich meine Playlisten in CD oder HighRes-Audio-Qualität.
Besonders gute Aufnahmen kaufe ich als Download in Masterbandqualität und speichere sie auf meinen NAS oder Server.
Und wenn mir mal der Sinn nach etwas ganz besonderem steht, dann lege ich eine meiner Lieblings-Schallplatten auf und gönne mir dabei einen guten spanischen Rotwein.

Ich glaub, es ist grad schon wieder so weit.
Wo zum Teufel ist denn jetzt wieder der Korkenzieher hingekommen?
🙂

 

Die Schallplatte – nicht nur schwarz

Die Schallplatte, nicht nur schwarz …

Die Schallplatte, nicht nur schwarz …

In unserem Bericht “Die Schallplatte, nicht nur schwarz …” betrachten wir ein paar interessante Hintergründe rund um die schwarze Scheibe.

Ein paar Informationen zur Schallplatte1954 erblickte ich das Licht dieser Welt.
Und wer so wie ich in dieser Zeit geboren wurde, der ist vermutlich in einem Haushalt herangewachsen, in dem es ganz bestimmt auch einen Schallplattenspieler gab.
Ob es jetzt ein besonders gutes Teil war oder lediglich der Perpetuum-Ebner Plattenwechsler hinter einer großen Holzklappe – man hatte auf jeden Fall einen Plattenspieler. Je billiger das Teil war, umso gefahrloser konnte man die damals beliebten „klingenden Postkarten“ mit den „schönen Grüßen aus Hawaii“ (wo natürlich nie jemand wirklich gewesen ist) abspielen.

Was ich damit sagen will ist, dass es für unsere Generation die Schallplatte irgendwie schon immer gegeben hat und man gefühlt doch höchstens “im Mittelalter” so etwas noch nicht gehabt hat. Dass die Schallplatte in der Ausführung, wie wir sie heute immer noch kennen, gerade einmal zwei Jahre älter ist als ich, das kann ich immer noch schwer glauben.

Sicherlich gab es die Schallplatte auch schon vor 1952, nicht nur die 78-er Schellackplatte. Aber 1952 war das Jahr, in dem die vom Label Columbia vorgegebene Schneidekennlinie von der RIAA (Recording Industry Association of America) fixiert und allen anderen Plattenherstellern empfohlen wurde. Die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) übernahm diese Empfehlung und wir Deutschen legten das dann mit der DIN 45 541 als Norm fest.

All diese Maßnahmen konnten jedoch nicht verhindern, dass die Plattenproduzenten in einem gewissen Rahmen ihr eigenes Süppchen weiter kochten. Selbst die Schellackplatte wurde ja noch bis 1972 weiter produziert.

Was genau verbirgt sich aber nun hinter der Bezeichnung Schneidekennlinie?

Um dies zu erklären, müssen wir uns zwar nicht „ganz doof“ stellen und es geht auch nicht um die „Dampfmaschine“, aber ich will doch „etwas weiter vorne“ anfangen:

Das Grammophon

… funktionierte vollständig mechanisch – also eben nicht elektrisch.
Dies bezieht sich keineswegs nur auf den Antrieb, also auf das Drehen der Schallplatte, sondern auch auf die Musikwiedergabe, also das Abtasten der Information auf der Schallplatte und die “Weitergabe”.
Bei der Schellackplatte waren die Frequenzen der Musik noch 1:1 in das Plattenmaterial geschnitten worden. Auch wenn wir vielleicht selbst nie ein Grammophon besessen haben, so wissen wir ja doch, dass das fürchterlich geknistert und vor allem gerauscht hat.
Rauschen nennt man ein Geräusch, das keine feste Frequenz hat. Das Gegenstück dazu ist der Sinuston mit einer definierten und messbaren Frequenz. Der Sinuston an sich ist allerdings nur eine recht theoretische Angelegenheit, da es praktisch kein einziges Instrument gibt, das einen reinen Sinuston erzeugt.
Aber kommen wir zurück zur Schellackplatte und zur Frage, wieso sie so sehr gerauscht hat.
Wer so ein Grammophon im Spielbetrieb beobachtet, der wundert sich überhaupt nicht über dieses Rauschen. „Mit einem Affenzahn“ kratzt die Nadel über dieses recht harte Plattenmaterial und dass so etwas rauschen muss – ist einem sofort klar.

Nur am Rande: Nach dem Abspielen von nur einer Plattenseite musste/sollte die Nadel getauscht werden, weshalb es sie in kleinen Blechdosen zu jeweils 100-er Mengen zu kaufen gab.

Eine 33-er LP dreht sich da deutlich langsamer, das Material (Vinyl) ist weicher und die Nadel ist viel kleiner – außerdem ist sie nicht mehr aus Metall sondern aus einem Diamanten geschliffen. Logisch also, dass das weniger rauscht.
Aber dafür gibt es eben doch noch einen weiteren Grund, auf den ich nun zu sprechen komme.

Rauschen und hohe Töne lassen sich schlecht voneinander unterscheiden

Rauschen, also diese „wilden Töne ohne feste Frequenzen“ gibt es vor allem im Hochtonbereich, weil sie in der Regel gar nicht stark genug ausgeprägt sind, um tiefe Frequenzen entstehen zu lassen.
Je höher die Frequenz eines “echten” Tones ist, desto schneller und mit weniger Auslenkung schwingt er. Auf einer Schallplatte werden seine Auslenkungen irgendwann so winzig klein, dass sie sich kaum noch von der “rauhen” Plattenoberfläche unterscheiden.  Die hohen Töne vermischen sich irgendwann mit dem Rauschen und sind nicht mehr zu erkennen. Genau das ist bei der Schellackplatte, also beim Grammophon geschehen.

Alles ist mechanisch

Die Nadel saß beim Grammophon direkt auf einer Membrane. Sie folgte beim Abspielen der Information in der Rille und brachte dadurch die Membrane zum Schwingen. Damit man das besser hören konnte, wurde ein Trichter auf diese Membrane gerichtet und der öffnete sich zum Hörer hin. Das hat gut funktioniert, nur nicht gut geklungen.

Dann wurde es elektrisch

Durch einen bedeutenden Entwicklungs-Schritt, bei dem die Mechanik durch Elektronik ersetzt wurde, eröffnete sich die Möglichkeit, beim Schneiden die Musikinformation zu manipulieren.

Wie funktioniert ein elektrischer Tonabnehmer?

Der „mechanische Tonabnehmer“ beim Grammophon saß wie bereits beschrieben auf einer Membrane und funktionierte wie das Dosentelefon, das wir als Kinder gebastelt haben.
Der elektrische Tonabnehmer wie wir ihn heute kennen, trägt eine Spule und einen Magneten in sich.
Bewegt sich eines von beiden, wird eine elektrische Spannung erzeugt.
Ja richtig, es ist das Dynamoprinzip, auf das wir immer wieder stoßen, wenn es entweder darum geht, Musik zu lesen, wie hier beim Tonabnehmer, oder darum, Musik zu erzeugen, wie beim Lautsprecher.
Das Prinzip dürfte genau so bekannt wie einfach zu beschreiben sein: Befindet sich ein Magnetstab in der Nähe einer Spule und bewegt man eines von beiden, wird eine elektrische Spannung erzeugt. Beim Fahrrad versorgen wir damit unsere Beleuchtung.

Der Tonabnehmer durchfährt nun mit seinem Diamanten die Plattenrille. Der Diamant ist auf einem Röhrchen befestigt. Im Tonabnehmer-Gehäuse ist an diesem Röhrchen entweder ein Magnet (MM-System – steht für moving magnet) oder eine Spule angebracht (MC-System – steht für moving coil).

Die grundsätzliche Funktionsweise ist in beiden Fällen identisch. Der Diamant bewegt sich, das Röhrchen bewegt sich, die Spule oder der Magnet bewegt sich und dadurch wird eine elektrische Spannung erzeugt. Diese elektrische Spannung wird zu einem Verstärker geleitet, der die empfangenen Signale in Musik umsetzt. Fertig!
Fertig?

Manipulation!

Nun – ich hatte Ihnen ja versprochen, dass wir die Musikinformation beim Schneiden manipulieren wollen und dazu kommen wir jetzt.
Stellen Sie sich vor, wir hätten eine Schallplatte ohne Rille drauf, also nur eine schwarze, glatte Vinylscheibe. Und darauf lassen wir jetzt unseren Tonarm absinken und hören uns das an. Was wir nun hören können, das sind Knister- und Knackgeräusche, und das Rauschen der Schallplattenoberfläche. Diese Geräusche werden logischerweise weniger, wenn wir den Lautstärkeregler an unserem Verstärker herunter drehen und lauter, wenn wir ihn wieder aufdrehen.
Genau diese Tatsache führt uns zur Lösung des Problems.
Die Musik muss so laut auf die Schallplatte geschnitten werden, dass wir den Lautstärkeregler beim Abspielen sehr weit herunter regeln müssen. Das sowieso schon recht leise Rauschen regeln wir also einfach mit dem Lautstärkeregler auf eine Lautstärke herunter, die wir nicht mehr hören können und die sowieso viel zu laut aufgenommene Musik wird dadurch in einer erträglichen Lautstärke – und ohne Rauschen – wiedergegeben.

Das wird viel zu breit!

Was die Höhen anging, war diese Idee eine hervorragend gute und funktionierende. In den tieferen Tonlagen jedoch führte dies zu derart starken Auslenkungen, dass die Rillen einfach zu breit wurden, um eine akzeptable Spieldauer zu gewährleisten. Wir wissen, dass unsere Schallplatten pro Seite etwa 20 bis 25 Minuten Musik in und auf sich tragen können. Diese Zeit sollte auf keinen Fall unterschritten werden – so die Vorgaben der Plattenindustrie, die ja Platten verkaufen wollte. Die Rillen durften also nicht so breit werden, wie es diese Lösung erfordert hätte.

Man müsste die Musik einfach “zerteilen”!

Im nächsten Schritt kam man auf die Idee, mit den tiefen Tönen genau das Gegenteil zu machen, was man mit den hohen Frequenzen angestellt hatte, man senkte sie in der Lautstärke ab. Rauschen war und ist in diesen Frequenzbereichen nicht wahrzunehmen, also sprach nichts gegen diesen Plan.
Man trennte also fortan die Anforderungen an die unterschiedlichen Frequenzbereiche und teilte “die Musik in drei Teile”:

  • den Tieftonbereich, der im Pegel gesenkt wurde
  • den Mittenbereich, der im Original belassen wurde
  • den Hochtonbereich, der im Pegel angehoben wurde.

In den Richtlinien der RIAA sind die Übergangsfrequenzen und weiteren technischen Parameter für diesen Vorgang (diese Manipulation)  genau definiert.
Dies ist deshalb so wichtig, da die Hersteller von Phonoverstärkern diesen Vorgang ja wieder rückgängig zu machen haben.
Sie müssen die Frequenzen je nach Höhe entsprechend der RIAA-Vorgabe anheben, belassen oder absenken.

Das klingt jetzt fast nach einem “Kinderspiel” , also nach einem ziemlich einfach zu bewerkstelligenden Aufwand – die Praxis zeigt uns jedoch, dass sich an dieser Stelle eher eine “Spielwiese” aufgetan hat. Entwickler können hier an unvorstellbar vielen “Klangschrauben” drehen, um ihrem Phonoverstärker einen eigenen Sound zu verleihen, oder ihm beizubringen, selbst die allerfeinsten Klangnuancen realistisch zu reproduzieren. Selbst dann, wenn ihre Informationen in kaum messbaren Spannungsstärken vom Tonabnehmer geliefert werden.

Doch neben diesen vielen Möglichkeiten zur Kreativität und zur Erfüllung eigener Ansprüche, gibt es zwei Parameter, die es Entwicklern von Tonabnehmern und Phonoverstärkern fast unmöglich macht, eine Schallplatte korrekt auszulesen.

Plattenlabel pfeifen was auf die RIAA-Kennlinie.

Wer sich einmal die Mühe macht, sich durch die Listen mit verwendeten Schneidekennlinien zu arbeiten, der wird feststellen, dass sich diese Kennlinien je nach Label und “Jahrgang” voneinander unterscheiden. (Hier finden Sie Beispiel-Listen)

In der Praxis erweisen sich diese Unterschiede zum Glück nicht als “gravierend”, aber sie sind durchaus vorhanden.

Der nächste Punkt betrifft die Form oder besser gesagt den Schliff-Winkel des verwendeten Schneidestichels. Auch die Hersteller dieser Schneidemaschinen haben zu jeder Zeit versucht, durch eigene Entwicklungen der Qualität der Schallplatte einen Vorschub zu leisten. Richtig tolle Ideen haben sich dabei ergeben. Leider waren einige davon kommerziell eher uninteressant, was die Umsetzung verhinderte. Geblieben sind aber die Unterschiede bei den Schneidesticheln, die eben mit verschiedenen Schleifwinkeln (zwischen 0,7 und 7,0 Mil) produziert wurden. Bei unseren heutigen Schallplatten finden wir zum Glück nur Stichel, die entweder mit 1 Mil oder 3 Mil geschliffen wurden.

Brauche ich 2 Tonabnehmer?

Nein, definitiv nicht. Zum einen ist es nicht immer einfach heraus zu finden, womit die vorliegende Schallplatte geschnitten wurde und zum anderen sind die Schliffe der Tonabnehmer da eher “universal”.

Der Nadel den richtigen Schliff verpassen

Der einfachste Schliff ist der so gescholtene „Besenstiel“, also die sphärisch geschliffene Nadel. Rundherum rund – so verzeiht sie einem fast jeglichen Einbaufehler und niemals ist die Platte in Gefahr, von der Nadel “zerschnitten” zu werden.

Neben der Tatsache, dass diese Nadel nicht sonderlich tief in die v-förmige Rille eintauchen kann und ihr dadurch feinere Informationen verborgen bleiben, kommt es bei diesem Schliff auch noch zu einer winzigen Zeitverschiebung beim Abtasten. Dadurch, dass sie auch nach hinten und nach vorne rund geschliffen ist, bekommt bei jedem Richtungswechsel der Rille jeweils eine Rillenseite einen Tacken früher Kontakt zur Nadel. Und das gleicht sich eben nicht durch den nächsten Richtungswechsel einfach wieder aus.
Um dem entgegen zu wirken, entwickelte man den elliptischen Schliff. Hierbei wird der „Besenstiel“ vorne und hinten abgeschliffen, bis nur noch die mittlere Scheibe vorhanden ist.
Tiefer in die Rille dringt dieser Schliff zwar auch nicht ein, aber zumindest die „Zeitverschiebung“ kann so eliminiert werden. Bei beiden Schliffen müssen wir jedoch damit leben, dass die Nadel rechts und links die Rillenflanke nur an winzig kleinen Punkten berührt.
Das Ziel, sich rechts und links „vollflächig“ an die Rillenflanke anlegen zu können, verfolgen dann die Schliffe, bei denen die Seiten der Diamanten gerade geformt sind. Für diese Schliff-Form verwendet jeder Hersteller seine eigene Bezeichnung, da diese Nadelspitzen dann auch noch vorne und hinten mit weiteren Facetten versehen werden, um den Abtastvorgang noch weiter zu verbessern.

Im Idealfall folgt eine Nadel mit diesem Diamantschliff exakt dem Winkel, mit dem auch der Schneidstichel die Rille geschnitten hat. Ist dies tatsächlich der Fall, dann kann die Nadel der Rille nach unten bis auf den Grund folgen und damit auch die allerletzte Information „aus der Rille kitzeln“.
Wäre die Nadel „steiler“ geschliffen als der Stichel es war, hätte sie niemals zu beiden Rillenflanken gleichzeitig Kontakt, sondern würde beim Abspielen „hin- und hergeworfen“ werden, was die Platte auf der Stelle ruinieren würde, da sie ja nun einmal weicher und damit derjenige ist, der nachgibt.
Ist die Nadel „stumpfer“ geschliffen als der Stichel nähert sie sich wieder dem Abtastverhalten der sphärisch oder elliptisch geschliffenen Nadel an, da sie nicht mehr flach an der Flanke anliegen kann, sondern wieder nur punktuell. Je nach Schleifwinkel tastet sie dann die Rillen an noch einer höheren Stelle ab, als die sphärische geschliffene Nadel.

Den Einbau und die Justage eines Tonabnehmers mit geradem Schliff sollte man unbedingt dem Fachmann überlassen, denn diese geraden Kanten sind in der Regel auch messerscharf. Baut man z.B. einen Tonabnehmer mit einem van-den-Hul-Schliff so richtig falsch ein, kann ein einziger Abspielvorgang die Schallplatte unbrauchbar machen. Hierzu reicht es möglicherweise bereits, den Tonarm am Lager zu hoch eingestellt zu haben. Die Nadel “pflügt” sich dann wortwörtlich in die Rille und betätigt sich im schlimmsten Fall als Schneidstichel. Die Platte ist verloren!
Bei einem zu tief eingestellten Tonarm kann es einem dagegen passieren, dass die Nadelspitze zu weit nach vorne zeigt und der Diamant sich lediglich mit einem oberen – breiteren Teil der Nadel an die Rillenflanken legt … und er sich dadurch wieder so verhält wie ein sphärisch geschliffener Diamant.

Wieso nur eine Rille und nicht zwei – wir hören doch in Stereo!?

Hierzu hat es zu Beginn der Schallplattenentwicklung tatsächlich unterschiedliche Lösungsansätze gegeben.
So gab es auch Schallplatten mit zwei getrennten Rillen, eben eine Rille für links und eine für rechts. Man kann sich vorstellen, dass eine LP die Hälfte ihrer Spieldauer einbüßt und dadurch vor allem viele klassischen Stücke nicht mehr auf eine Schallplattenseite passen.
Für zwei Rillen ist also kein Platz da.

Die logischste Lösung lautete danach, den einen Kanal in der vertikalen und den anderen in der horizontalen Richtung zu schneiden, was sich in der Praxis aber ebenfalls als problematisch erwies. Unter anderem, weil man dann bei tiefen Tönen auch sehr tief in das Plattenmaterial schneiden musste.
Als brauchbarster Kompromiss sollte sich dann die Idee erweisen, die Schneidrichtungen einfach um 45° in der Achse zu drehen. So wird der rechte Kanal nun von oben rechts nach unten links und der linke Kanal von oben links nach unten rechts geschnitten. (Von vorne auf den Tonabnehmer gesehen). Auf diese Weise arbeiten beide Kanäle unter nahezu identischen Bedingungen. Einzig und allein die Skatingkraft wirkt sich noch unterschiedlich auf den Abtastvorgang aus.  Aber zu diesem Thema an anderer Stelle mehr.

Hat man sich noch nie Gedanken drüber gemacht!?

Vielleicht sehen Sie die Schallplatte jetzt mit etwas anderen Augen und erkennen, wieso sie sich von einer CD unterscheidet, die wir einfach nur in eine “Schublade legen” können und bei der wir alles andere dann dem Player überlassen müssen.

Bei einer Platte gibt es viele Parameter, Fakten, Philosophien – auf die wir uns einlassen können, um “unserem” Plattenspieler Individualität zu verleihen.
Jeder Besitzer eines Plattenspielers kann selbst bestimmen, wie die Schallplatte klingen soll. Der richtige Tonabnehmer, die richtige Justage, der richtige Phonoverstärker … Am Ende habe ich einen Plattenspieler, wie es ihn nur ein einziges mal auf dieser Erde gibt. Ein Unikat!

Unser Plattenspieler klingt nämlich anders als alle anderen Plattenspieler!
Irgendwie viel besser! 🙂

 

Bi-Wiring

Bi-Wiring

Bi – Wiring – was genau steckt dahinter und was soll das eigentlich?

Die englische Bezeichnung “Bi-Wiring” steht für „zweifache Verkabelung“ und bezieht sich dabei auf die Verbindung zwischen Verstärker und Lautsprecher. Und nein, es sind nicht die beiden Kabel für rechts und links gemeint – und auch nicht die für rot und schwarz, sondern zwei vollständige Kabelsätze, also jeweils 2 x  „roter“ und 2 x „schwarzer“ Leiter – für rechts und noch einmal 2 x  „roter“ und 2 x „schwarzer“ Leiter für links.
(Wobei das mit den Farben jetzt nicht so ernst genommen werden muss!)

Nun gut – ich schaue mir meinen Verstärker mal von hinten genauer an.

Zu finden sind da jeweils rechts und links zwei Lautsprecher-Klemmen. Auf jeder Seite eine schwarze und eine rote Klemme.

Diese Klemmen können so genannte „Bananas“ aufnehmen, die man von hinten in die Buchsen steckt, oder aber Kabelschuhe, also solche U-förmigen Klemmen, die man mit diesen Buchsen so richtig festklemmen kann, oder man kann auch einfach lose Kabelenden in ein Loch im Gewinde schieben und ebenfalls festklemmen.

Aber – mehrere Möglichkeiten, ein Lautsprecherkabel aufnehmen zu können, die hat man ja wohl deshalb geschaffen, weil man nicht nicht wissen konnte, welche Anschlüsse die späteren Kabel haben werden – und nicht deshalb, damit man mehrere Kabel gleichzeitig anschließen kann, oder?

Und wozu auch? Weil ich mehr als ein Paar Lautsprecher anschließen will?

Das ist nicht ganz ungefährlich! Dadurch sinkt nämlich  der Widerstand und das mögen viele Verstärker ganz und gar nicht!

Also ganz klar – je länger ich auf meinen Verstärker schaue, umso sicherer werde ich, dass ich mit einem zweiten Kabelsatz nichts anfangen kann.

Oder doch?

Schauen wir doch mal auf meine Lautsprecher.

Und siehe da!

Da finden sich doch tatsächlich zwei Paar Anschlussklemmen an jedem Lautsprecher!

Die beiden roten und die beiden schwarzen Klemmen sind jeweils mit einem Metallstreifen verbunden. Und auf dem Anschlussfeld finden sich die Aufschriften „Low“ und „High“.

Wenn ich diese Metallstreifen entferne, kann ich also tatsächlich einen Kabelsatz im Mittelhochton- und einen im Bassbereich einsetzen.

Aber – soll ich jetzt die beiden Kabelsätze am Verstärker an ein und dem gleichen Terminal-Paar anschließen? Brauche ich für so etwas nicht einen ganz anderen Verstärker oder gar ein Zusatzteil wie eine aktive Weiche?

Jede Logik muss uns doch sagen, dass an diesen Terminals am Verstärker „die ganze Musik“ anliegt, also sowohl die tiefen als auch die hohen Töne.

Und tatsächlich gibt es sogar solche „Weichen“ – aber stecken die nicht schon in den Lautsprechern?

Natürlich stecken sie in den Lautsprechern!
Genau so, wie bei der Eisenbahn die Weichenstellung bestimmt, welcher Zug in welche Richtung weitergelenkt wird, so kann eben auch eine Weiche bestimmen, welche Töne zum einen und welche zum anderen Ausgang geschickt werden.

 

Also, um mit Grönemeyers Worten zu sprechen:  Was soll das?

Grundvoraussetzung dafür, sich überhaupt diesem Thema nähern zu können, ist die Anerkennung der These, dass die Musik-Informationen nur dann durch ein Kabel fließen, wenn sie auf der Lautsprecherseite auch eine „Arbeit“ zu verrichten, sprich: einen Treiber oder ein Chassis zu bewegen haben.

Ist das angesteuerte Chassis nicht in der Lage, bestimmte Frequenzen wiederzugeben, nehmen wir hier mal einen Hochtöner, der natürlich einen 100Hz-Ton nicht wiedergeben kann, dann fließt auch diese Frequenz mit 100 Hz und alles darunter gar nicht erst durch das Kabel.

Nehmen wir ein Bass-Chassis, das ab spätestens 200 Hz keinen Ton mehr von sich gibt, dann fließen durch das angeschlossene Kabel eben auch keine Frequenzen mehr ab 200 Hz aufwärts.

Weil sie keine „Arbeit“ zu verrichten haben.

Ein Einwand wäre jetzt zulässig, bei dem man darauf hinweist, dass ja im Lautsprecher eben so eine Weiche eingebaut ist, was möglicherweise bedeutet, dass ja doch alle Frequenzen, also z.B. auch die niedrigen zum Hochtöner geschickt werden.

Die hohen Frequenzen bewegen das Chassis, verrichten also ihre „Arbeit“ und die tiefen Frequenzen werden in der Weichenkonstruktion mit Spulen und Kondensatoren „vernichtet“.
Um in der Weiche vernichtet werden zu können, müssen sie ja aber auch erst einmal dort hin geflossen sein, oder?

Ein Einwand, den ich also nachvollziehen und auch nicht entkräften kann. Die Bi-Wiring-Theorie besagt jedoch beharrlich, dass nur die Frequenzen durch ein Kabel fließen, die vom Chassis auch genutzt werden. Alle anderen Frequenzen fließen eben nicht. Diese These verfolgt konsequent den Denkansatz, dass Weichen die ungenutzten Frequenzen nicht “vernichten”, sondern vielmehr “blockieren”. Damit dürften sie dann tatsächlich nicht fließen.

Dies bedeutet im Klartext:
Schließe ich ein Lautsprecherkabel an meinen Verstärker an und verbinde es mit einem Hochtöner, dann kann ich ein noch so bass-starkes Musikmaterial auflegen, durch das Kabel werden ausschließlich die hohen Frequenzen fließen und kein Bass!
Solange ich keinen Bass-Lautsprecher dazu anschließe – gibt es nur Höhen – Basta!

Und umgekehrt – schließe ich dieses Kabel an ein Bass-Chassis an, fließen eben keine hohen Frequenzen durch dieses Kabel.

So weit – so gut, gehen wir einmal davon aus, dass wir diese Theorie jetzt einfach so akzeptieren. Worin genau soll der Vorteil bei der Verwendung von zwei Kabeln liegen? Denn wissen wir nicht alle, dass Musik in der Regel sowohl aus tiefen als auch aus hohen Tönen, inklusive aller, die dazwischen liegen, besteht? Also müssen ja alle Frequenzen irgendwie vom Verstärker zum Lautsprecher gebracht werden!?

Da wir Menschen uns Strom irgendwie überhaupt nicht vorstellen können, man kann ihn ja weder sehen, noch riechen, noch hören – höchstens fühlen, aber meist halt nur ein mal – bleibt mir gar nichts anderes übrig, als hier „an den Haaren herbeigezogene“ Vergleiche anzubringen.

Nehmen wir also das Beispiel einer Rolltreppe.

Die effektive Fortbewegungsgeschwindigkeit einer Person, die auf einer Rolltreppe steht, entspricht der Geschwindigkeit mit der sich die Rolltreppe bewegt.

Läuft jemand auf der Rolltreppe selber mit, erhöht sich seine effektive Geschwindigkeit nach der Formel: Rollgeschwindigkeit plus Laufgeschwindigkeit = effektive Geschwindigkeit.

Das ist ja dann lustig, wenn eine Fliege im Überschallflugzeug von hinten nach vorne fliegt – dann fliegt sie nämlich effektiv schneller als das Flugzeug! 🙂

Läuft jemand der Rollrichtung entgegen, wird er effektiv deutlich langsamer und kann sogar rechnerisch Geschwindigkeiten im Minusbereich erreichen.
Wechselt er seine Laufrichtung immer wieder, verändert sich auch jedes mal seine effektive Geschwindigkeit.

Und jetzt stellen wir uns vor, die Rolltreppe selbst würde auch noch dauernd ihre Laufrichtung wechseln.

Zurück zum Musiksignal:

Ein tiefer 50 Hz-Ton wechselt pro Sekunde 50 mal die Flussrichtung. Dabei muss sehr viel „Strom fließen“, denn es gilt, ein großes, schweres Chassis anzutreiben.

Dieser 50 Hz-Ton übernimmt jetzt einmal in unserem Beispiel die Funktion der Rolltreppe und bewegt sich wie gesagt mit 50Hz immer hin und her.

Die Person in unserem Beispiel hat jetzt die Rolle eines 500 Hz-Tones zu übernehmen.

Er wechselt also sehr schnell seine Laufrichtung, so schnell, dass wir das mit unserem Auge nicht mehr wahrnehmen können und die „Wege“, die er zurücklegt, sind entsprechend kurz.

Mit anderen Worten: Wir sehen bei der Person praktisch keine Fortbewegung durch eigenes Laufen. Allerdings bewegt er sich im 50-Hz-Takt mal nach vorne, mal nach hinten.

Voran – kommt er damit nicht.

Und genau hier hakt dieses Beispiel.

Strom – also elektrische Signale müssen nicht „voran“ kommen, so wie eine Person auf einer Rolltreppe.

Strom bewirkt schon allein durch das „Hin und Her“ etwas.

Bei einem Wasserschlauch muss das Wasser aus dem Wasserhahn heraus durch den langen Schlauch hindurch fließen und kann dann vorne den Schlauch verlassen, um zum Beispiel unsere Blumen zu bewässern.

In einem Stromkabel und so auch in einem Signalkabel muss aber kein „Stromteilchen“ den ganzen Weg hindurch durch das Kabel fließen, um dann „hinten“ aus dem Kabel herauszufließen und dort eine Aufgabe zu erfüllen.

Damit Strom fließen kann, brauchen wir zwei Kabel, bzw. zwei Leiter oder Pole und die winzigste Hin- und Herbewegung bedeutet bereits, dass Strom fließt.

Mein Physiklehrer hat damals versucht, uns das mit einem Rohr zu verdeutlichen, das mit Kugeln gefüllt ist. Sobald ich an der einen Seite eine Kugel hineinstecke, fällt auf der anderen Seite eine heraus.

Nun – bei einem Lautsprecher fällt normalerweise zum Glück nichts heraus, aber lassen Sie mich an dieser Stelle auch zu der Funktionsweise eines konventionellen Lautsprechers etwas erläutern:

Man stellt sich am besten vor, wir halten in beiden Händen ein Band. Das linke Band ist vorne an einer Pappfläche befestigt. Das rechte Band ist an der Rückseite der Pappfläche befestigt, wird dann über eine Rolle ebenfalls nach vorne gelenkt und dort halten wir es in der rechten Hand.

Ziehen wir am linken Band, bewegt sich die Pappfläche nach vorne, ziehen wir am rechten Band, bewegt sie sich nach hinten.

Könnten wir jetzt 50 mal pro Sekunde unsere Zugrichtung ändern, hätten wir einen „mechanischen Lautsprecher“ gebaut, den wir sogar hören könnten.

In unseren elektrischen Chassis passiert genau solch ein Vorgang, nur dass der Verstärker nicht an Bändern zieht, sondern Strom zu den Chassis fließen lässt.

Dort gibt es dann eine Spule und einen Magneten. Fließt der Strom von plus nach minus bewegt sich das Chassis nach vorne, fließt er von minus nach plus, bewegt es sich nach hinten.

Und im Gegensatz zu uns ist ein Verstärker durchaus in der Lage, seine „Zugrichtung“ auch mehrere tausend mal pro Sekunde zu verändern.

Durch ein Signalkabel, also durch das Lautsprecherkabel fließen alle in der Musik vorhandenen Frequenzen gleichzeitig.

Finden Sie das nicht auch unglaublich?

Wie kann es sein, dass wir von einer Frauenstimme selbst die feinsten Details vernehmen können, obwohl gleichzeitig eine mächtige Bassunterstützung und große Pauken so „mächtige Ströme“ fließen lassen, dass doch eigentlich alle anderen Informationen „untergehen“ müssten?

Nun – das ist auch für mich nach wie vor immer noch ein Phänomen, dass ich mit meinem Kopf wohl niemals begreifen werde – aber es ist so. Unsere heutigen Geräte, die können das.

Aber geht das nicht besser?

Und genau da behauptet jetzt die Bi-Wiring-Theorie, dass wir das Klangbild verbessern können, wenn wir die hohen Töne von den tiefen Tönen getrennt durch zwei verschiedene Kabel leiten.

Ich für mein Teil muss sagen, dass ich das für das Logischste der Welt halte, eben weil ich mir nicht vorstellen kann, wie das mit allen Frequenzen in einem Kabel überhaupt funktionieren kann und mir liegt die Frage auf der Zunge:

Reicht das denn überhaupt?

Wäre es nicht besser, noch viel mehr Kabelsätze einzusetzen?

Doch – immer mal langsam mit den jungen Pferden:
Wie viele Kabelsätze maximal sinnvoll sein können, bestimmt ja die Anzahl der Chassis in unserem Lautsprecher.  Wenn ich nur zwei Chassis habe – was soll ich dann z.B. mit 10 Kabeln?

Das wäre ja dann so wie mit der Mülltrennung bei uns im Amt. Jeder bekommt drei Abfalleimer in drei unterschiedlichen Farben für drei unterschiedliche Abfallsorten. Die Reinigungskraft holt jeden Morgen alle drei Abfalleimer in den Flur und kippt die Inhalte in ein und dieselbe (!) große Tüte.

Doch selbst Lautsprecher mit drei oder mehr Chassis müssen nicht als Mehrwege-Lautsprecher konstruiert sein. Nicht die Anzahl der Chassis bestimmt nämlich die Anzahl der „Wege“ – dies übernimmt allein die Weiche.

Bi-Wiring richtet sich damit ausschließlich an Zwei-Wege-Boxen. Bietet der Lautsprecher drei Wege, so müsste man auch konsequenterweise Tri-Wiring betreiben.

Lassen Sie mich hier aber bei unserem Thema Bi-Wiring bleiben.

Die meisten Lautsprecher sind Zwei-Wege-Konstruktionen und damit eben geeignete Klienten für Bi-Wiring.

In der Praxis muss aber gesagt werden, dass nicht jeder Lautsprecher durch diese Maßnahme an Klang-Qualität gewinnt. Bei so manch einem ist das auch unmöglich.

So habe ich mal für einen Kunden die Innenverkabelung seiner Lautsprecher mit einem auf „Intelligenz zielenden“ Namen wechseln sollen. Diese Lautsprecher in halber „Telefonzellengröße“ wurden mit der Möglichkeit des Tri-Wiring-Betriebs beworben und hatten demnach an der Rückseite 3 Terminalpaare, die man auch noch einzeln schalten konnte.

Nachdem ich das Anschlussfeld herausgeschraubt hatte, offenbarte sich ein trauriges und überhaupt nicht intelligentes Bild: Alle drei Terminalpaare waren durch einen Draht miteinander verbunden. Völlig gleichgültig also, welches der Terminalpaare man verwendete, wie viele Kabel man benutzte und welche Schalterstellung man auch wählte – die tatsächliche Anschluss-Situation war immer identisch.

Dass der Besitzer einer solchen Box zwischen Single-Wiring, Bi-Wiring und selbst Tri-Wiring keine großen Unterschiede hören konnte, verwunderte nicht.

Allerdings gibt es auch hinreichend viele Beispiele für Lautsprecher, die im Bi-Wiring-Betrieb zu echten Höchstleistungen auflaufen.

Ob und wie ein Lautsprecher auf den Bi-Wring-Betrieb reagiert, dass hängt allein von seiner Konstruktion ab.

Nehmen wir als Beispiele die Elise I und die Pearl I aus meinem Lieferprogramm.

Während sich die Elise I durch Biwiring nicht noch weiter verbessern lässt, legt die Pearl I durch den Einsatz eines zweiten Kabelsatzes deutlich an Klangqualität zu.

Logischerweise bot der Hersteller die Elise I dann auch nicht mit Terminals für Bi-Wiring an.

Muss man zwei identische Kabelsätze verwenden oder dürfen es auch unterschiedliche Kabel sein?

Zugegeben – die Verlockung ist groß:

Der Bass ist schwammig?
Also nehme ich im Bassbereich ein Kabel, dass den Bass trockener und dünner werden lässt.

Die Höhen nerven?

Also nehme ich im Hochtonbereich ein Kabel, dass schöne, volle Höhen zaubert, oder?

Ja, sicher dürfen Sie das machen – es sind ja Ihre Lautsprecher, Ihre Kabel und es ist Ihr Geld!

Aber bei dieser Vorgehensweise muss man berücksichtigen, dass jedes Kabel eigene elektrische Parameter besitzt. Und wenn wir jetzt für den Bass und die Höhen unterschiedliche Kabel mit unterschiedlichen Parametern einsetzen, machen wir nichts anderes, als in die Weichenauslegung einzugreifen. Mit vollem Risiko! Das kann gut gehen, muss es aber nicht.

Keine Angst – Sie können nichts „kaputt machen“ – außer:  Den Klang!

Manchmal hören wir auf Anhieb, dass unsere Probleme beseitigt sind und freuen uns. Ein paar Tage später erkennen wir die neu hinzugekommenen Probleme, die regelmäßig unsere vorherigen Probleme übersteigen. Meine Empfehlung geht daher auf jeden Fall dahin, zwei identische Kabelsätze zu verwenden, oder zumindest zwei „ähnliche“ – vielleicht vom gleichen Hersteller.

Fazit:

Beim Bi-Wiring fließen die hohen und tiefen Frequenzen durch getrennte Kabel und manipulieren sich nicht mehr gegenseitig. Die Höhen werden nicht von den „großen Bass-Strömen“  beeinflusst und die Bässe klingen einfach sauberer – befreit von den „firlefanzigen“ Höhen.

Das alles funktioniert jedoch nur dann, wenn der Boxenentwickler die Weiche dafür ausgelegt hat. Wie so oft ist also mal wieder ausprobieren angesagt.

Kevin allein zu haus …

Kevin allein zu haus …

Geschichten aus der Praxis

Kevin allein zu haus …

Mein langjähriger Kunde und mittlerweile guter Freund Andreas B. aus Dinslaken ruft mich an.

„Wolfgang, irgendwas ist passiert, es klingt fürchterlich!“

„Ich bin schon unterwegs!“.

Tatsächlich klang es geradezu „gruselig“, um mal das Lieblingswort des ehemaligen Ortofon-Vertreters Herbert Schleicher auszuleihen.

„Was hast Du gemacht?“
„Nichts!“
„Kann nicht!“
„Doch!“

Um es kurz zu machen – wir kontrollierten die Polung der Lautsprecherkabel und was man eben so kontrollieren kann. Aber genau genommen hatten wir doch beide eher den Raum in Verdacht.

„Hast Du die Möbel verrückt? Ist was dazu gekommen, etwas entfernt worden?“

Nichts dergleichen.

Ich holte aus dem Auto ein paar andere Kabel,  aber was hier schief lief, das lag nicht an falschen Kabeln, das war deutlich mehr.

Nach etwa einer Stunde warf ich das Handtuch und rief Ralf Koenen an, da ich vermutete, dass entweder mit dem Verstärker (A1) oder mit den Boxen (Diablo) etwas nicht mehr stimmte.

Zum Glück waren ja beide Komponenten vom gleichen Hersteller und wir hatten zum zweiten mal Glück – Ralf sagte zu, sich sofort in sein Auto zu setzen und zu uns zu kommen.

Vor Ort war dann aber sein Gesichtsausdruck auch nicht viel „schlauer“ als der unsrige.

Nach etwa einer halben Stunde war sich Ralf sicher, dass da nichts „kaputt“ sein konnte. Dennoch bestätigte er das „gruselige“ Klangbild und hörte noch einmal kopfschüttelnd in ein paar mitgebrachte CDs hinein.

„Da scheint etwas mit der Phase nicht zu stimmen.“ meinte er: „Irgend etwas stört da ganz gewaltig! Alles, was aufgebaut werden soll, wird irgendwie aufgesogen, durcheinander gebracht. So als wäre noch ein Gerät angeschlossen, was hier alles mächtig durcheinander haut. So etwas kenne ich höchstens, wenn ein TV-Kabel-Empfänger mit angeschlossen ist. Die Kabelanschlüsse werden zum Teil einfach nicht fachmännisch verlegt und die Erdung nicht korrekt ausgeführt.“

„Aber ich hab da definitiv kein Videogerät …“ plötzlich erstarrte Andreas Mimik und er sprang auf.

„Meine Frau und ich waren am Wochenende verreist und der Sohn alleine …! Der wird doch nicht wieder …! Na klar! Hat er doch! Ich hab ihm schon tausend mal …!“

Der Sohn hatte tatsächlich den TV-Receiver an den A1 angeschlossen und stecken lassen. Andreas zog die Cinch-Kabel aus dem A1 heraus und schon war die Anlage wieder „repariert“.

Andreas war ziemlich sauer – Ralf und ich waren froh.
Froh darüber, dass die Ursache gefunden werden konnte und vor allem froh, dass jetzt mit der Anlage wieder alles in Ordnung war. Die „familiären Probleme“ sollte Andreas wohl alleine lösen können.

Hinweis:
Ein angeschlossenes TV- oder Video-Gerät muss sich nicht derart klangverschlechternd auswirken. Wenn die Installation fachmännisch durchgeführt wurde, sollten sich diese Geräte auch nicht so dramatisch klangverschlechternd auswirken können.

Tatsache ist aber, dass solche Geräte in einer High-End-Kette grundsätzlich nichts zu suchen haben. Wer nur hin und wieder den Fernsehton über seine Anlage hören will, der sollte sich angewöhnen, die TV-Quelle nach dem Hören wieder abzuziehen. Unbedingt am Verstärker! Niemals Kabel am Verstärker angeschlossen lassen, die nicht an einem Gerät angeschlossen sind!

Wer jedoch so oft über die TV-Quelle hört, dass dies keine akzeptable Lösung darstellt, der sollte zumindest einen Mantelstromfilter an den Antennenkabeln einsetzen. Damit sollte dann auch das möglicherweise vorhandene Brummen beseitigt sein.

Sie meinen, es müsse sich um einen schlechten Verstärker handeln, der nicht in der Lage ist, die unterschiedlichen Eingänge so voneinander zu trennen, dass sie sich nicht gegenseitig beeinflussen können?

Grundsätzlich ist diese Behauptung korrekt. Allerdings bedenkt sie nicht, dass es in einem nicht symmetrisch aufgebauten Gerät oder an einem nicht symmetrischen Eingang, also hier Cinch oder RCA, keinerlei Trennung zwischen den „kalten“ Polen der angeschlossenen Geräte gibt. Ein Cinchkabel hat den „heißen“ Pol und den „kalten“ Pol. Der kalte Pol ist (und das ist das Problem) der Masse-Pol. Dient aber gleichzeitig als zweite Signalführung.

Damit hängen alle kalten Pole aller angeschlossenen Geräte immer zusammen und können sich so ungehindert gegenseitig beeinflussen. Unabhängig davon, welchen Eingang man geschaltet hat.

Eine Lösung wäre eine rein symmetrisch aufgebaute Kette. Dort haben alle Geräte und Kabel drei statt nur zwei Pole. Zwei Pole übernehmen hier die Signalführung und der dritte ist nichts anderes als die Masseverbindung. Doch welches TV-Gerät ist schon symmetrisch aufgebaut?

Fazit:
Gibt es eine echte Störquelle wie hier den TV-Receiver, dann kann das einem ziemliche Probleme bereiten. Deshalb sollte man eine High-End-Kette unbedingt von allem was mit TV und Video zu tun hat trennen. Selbst bei der Stromversorgung! Spendieren Sie den TV-Geräten also eine eigene Verteilerleiste! Die muss ja nicht teuer sein.

Editorial

Editorial

Editorial

Editorial

Wer sich heute als HiFi-Kenner bezeichnet, der blickt vermutlich auf einen langen Weg zurück, den er zu gehen hatte. Streckenweise war es sicher ein schöner Weg und das Motto „Der Weg ist das Ziel“ zutreffender denn je. Doch es gab ganz bestimmt auch steinige Abschnitte und vielleicht sogar die eine oder andere Sackgasse.

Seit mehr als drei Jahrzehnten befasse ich mich nun mit dem Verkauf von HiFi-Komponenten und habe viele Wege meiner Kunden mitgehen dürfen.

Nicht jeder erreichte das Ziel, manch einer blieb stehen oder kehrte gar um.
Denn es gibt einen besonders heiklen Punkt, an dem sich die Geister nach wie vor scheiden.

In unserem Weltbild stehen sich das Beweisbare und der Glaube gegenüber.
Entweder kann ich etwas wissenschaftlich belegen, dann hat es für uns eine hohe Qualität, oder ich „glaube es eben nur“.

Doch diese Sichtweise verschweigt die Existenz einer dritten Ebene:

Die Wahrnehmung.

Eine Wahrnehmung war schon lange vor einem Beweis da und sie ist es, die einen Wissenschaftler irgendwann dazu veranlasst hat, nach einem Beweis für sie zu suchen. Aber solange dieser Beweis nicht erbracht ist, ist sie nicht mehr und nicht weniger als eine Wahrnehmung.
Mehr als „nur ein Glaube“, weniger als ein Beweis. Irgendwas dazwischen.

Den einen stört der fehlende Beweis nicht, er vertraut seinen Sinnen, seinen Wahrnehmungen. Der nächste bestreitet ihre Existenz. Dies führt zu sehr konträren Diskussionen, die jemanden erschrecken können, der sich gerade dem Hobby HiFi zuwenden will.
Auch die Warnungen in meinen Beiträgen und die beschriebenen allseits lauernden Gefahren mögen nicht gerade dazu auffordern, ein HiFi-Enthusiast werden zu wollen.
Sollte es nicht Aufgabe eines Buchs über die High-Fidelity sein, Interessierte anzulocken!?
Ja, genau das will ich auch tun.
Aber nicht dadurch, dass ich jemandem etwas vormache.

Wer sein Kind auf ein Fahrrad setzt und ihm sagt, dass nichts passieren kann, der sagt nicht die Wahrheit. Ihm sollte es vielmehr gelingen, das Kind so sehr vom Fahrradfahren zu begeistern, dass es akzeptiert, hinfallen zu können.

Und genau das will ich mit diesem Buch versuchen. Ich will Sie so sehr für die High-Fidelity begeistern, dass Sie bereit sind, sich den „Gefahren und Verlockungen“  zu stellen.
Sehen Sie dabei dieses Buch als Ihre Stützräder ! Nutzen Sie diese Stützräder, um  jeden Tag ein wenig sicherer zu werden.
Und entscheiden Sie selbst, wann Sie sie abbauen wollen, weil Sie nun alleine und ohne Hilfe weiter fahren können.

Wolfgang Saul

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