Die Wandsteckdose

“Die Wandsteckdose!” , das ist in der Regel die richtige Antwort auf die Frage, an welcher Stelle unsere Verantwortung für den Klang unserer Stereoanlage beginnt.

Bis zu ihr dürfen wir über unsere Elektrizitätswerke schimpfen; darüber, dass der Strom nicht sauber ist und zu stark schwankt; dass die Strecke zu lang ist und darüber, dass der Handwerksbetrieb in der Nachbarschaft zu bestimmten Zeiten für uns recht wenig vom Strom übrig lässt.

Auch der Vermieter hat mit der miesen Elektroinstallation sein Päckchen zu tragen, denn in den mittelalterlich anmutenden Haussicherungskasten mag man ja überhaupt nicht hineinschauen.

All diese Schuldzuweisungen nutzen wir aber nur zu gern, um zum Ausdruck zu bringen, dass ja wohl jeder Versuch, da noch „etwas zu retten“ überflüssig sein dürfte.

Wie falsch diese Resignation sein kann und mit welch verblüffenden Klangsteigerungen wir rechnen dürfen, zeigt aber das Auswechseln der Wandsteckdose.

Allen Unkenrufen zum Trotze erweist sich in der Regel der Austausch der Baumarktsteckdose gegen eine hochwertige Wandsteckdose als überraschendes klangliches Ereignis, nachdem man möglicherweise sogar bereit ist, von nun an „alles zu glauben“.

Schauen wir uns einmal eine High-End-Steckdose etwas genauer an.

Wer schon einmal eine Elektroinstallation vorgenommen oder dabei geholfen hat, der wird sich zunächst einmal etwas seltsam fühlen müssen. Weiß er doch, dass alle alten Steckdosen mit diesen mühsam zu nutzenden Schraubkontakten gegen hochmoderne Modelle mit Klemmkontakten ausgewechselt wurden. Hiervon hat der Elektriker 5 Dosen in der gleichen Zeit verlegt, wie sonst eine mit Schraubanschlüssen!

Die alten „Schraubdinger“ haben wir natürlich längst entsorgt –

um uns heute für viel Geld wieder so ein „Schraubding“ zu kaufen, weil es besser klingen soll!?

Würde unsere Lampe mit einer High-End-Steckdose auch heller leuchten, unser Staubsauger besser saugen, die Mikrowelle schneller garen?

Ich habe keine Ahnung und möchte das alles stark bezweifeln.

Was aber solch eine Steckdose aus dem Klang meiner Stereoanlage machen kann, das weiß ich sehrwohl zu beschreiben und zu genießen.

Grundsätzliches:

Natürlich kommt es auf die Festigkeit eines Kontaktes an und massive, stabile Schraubverbindungen übertreffen die üblichen Klemmverbindungen in diesem Punkt gewaltig.

Dann ist das verwendete Material von ausschlaggebender Bedeutung.

Hersteller üblicher Steckdosen legen sehr viel Wert darauf, dass sich das Material leicht verarbeiten lässt und werden betrieblich gelenkt von der Frage: Was reicht aus?

Ich selbst habe es schon erlebt, dass ich eine Steckdose beim Einbauen so “strapaziert” habe, dass sie danach kaputt war. Vor der ersten Nutzung nur noch Schrott.

Die Fragestellung bei der Entwicklung einer HiFi-Wandsteckdose lautet dagegen: Was klingt besser?

Da wird von Messingbronze auf Reinkupfer gewechselt und dieses dann versilbert, vergoldet oder sogar rhodiniert.

Manche Hersteller entmagnetisieren die verwendeten Metallteile zusätzlich und achten sogar auf die Nutzung ganz besonderer Kunststoffmaterialien für den tragenden Korpus.

Wer Zweifel daran hat, dass es Qualitätsunterschiede zwischen Wandsteckdosen gibt, der soll einfach mal eine handelsübliche Steckdose und eine High-End-Steckdose in die Hand nehmen. Das überzeugt jeden und am Ende bleibt eigentlich nur die Frage: “Geht das nicht billiger?”.

Die besseren Steckdosen wären problemlos billiger anzubieten, wenn man die Stückzahlen erhöhen könnte. Eine Steckdose, die heute 100,- Euro kostet, müsste nicht einmal mehr 30,- Euro kosten, wenn man auch nur ein Zehntel der Umsatzmengen einer Standard-Steckdose erreichen könnte.

Fraglich bleibt aber, ob ein “HiFi-Muffel” bereit wäre, die 30,- Euro für eine Steckdose zu bezahlen. Wohl eher nicht.

Damit müssen wir einsehen, dass solch ein Artikel wohl ein Spezial-Artikel für uns Musikfreunde bleiben wird. Und mal ehrlich – so viele Steckdosen brauchen wir ja gar nicht – es ist gerade einmal eine!

Aber bevor ich hier jetzt jemanden überzeuge und er gleich in den nächsten HiFi-Shop läuft, um dort eine teure Steckdose zu erwerben, möchte ich doch um Vorsicht bitten!

Wenn manche Menschen mitbekommen, dass man mit etwas Geld verdienen kann, dann tun sie es. Schnell sind billige Baumarktsteckdosen in Tausender-Stückzahlen erworben und die Kontakte vergoldet. Das blättert zwar schon beim zweiten Einstecken ab, aber dann ist es ja zu spät. Und einen besseren Klang gibt es natürlich auch nicht.

Wie kann man sich vor so etwas schützen?

Ganz einfach:  Fragen Sie Ihren Händler, ob Sie die Steckdose auch dann noch zurückgeben dürfen, wenn Sie sie mal eingebaut und getestet haben. Ist er damit nicht einverstanden, sollten bei Ihnen die Alarmglocken anschlagen!

 

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