Das Folienkabel

Bringen wir doch mal die Fakten zusammen, die wir bisher erarbeitet haben:

* Bei einer massiven Ader stoßen wir auf den Skin-Effekt, also auf einen frequenzabhängigen Widerstand, der hohe Frequenzen an die Oberfläche des Leiters verdrängt.

* Bei Adern aus Litzen wandern die Signale ständig von einer zur anderen Litze und dabei haben sie Übergangswiderstände zu überwinden.

* Verlackt man die Litzen, entsteht im Spielbetrieb Induktion, also elektromagnetische Felder

Fazit:
Wir dürfen also weder einen massiven Draht verwenden noch Litzen, also was dann?

Folie?

Wir nehmen einen massiven Draht und „bügeln“ ihn platt bis er zu einer dünnen Folie geworden ist. Seinen Querschnitt verändern wir dadurch logischerweise überhaupt nicht. Er wird also im eigentlichen Sinne weder dünner noch dicker. Und doch wird er natürlich beides.
In der einen Ausrichtung wird er „mächtig dick“ und in der anderen „hauchdünn“.

Gibt es in einem Folienleiter noch einen Skin-Effekt?

Was ist mit der Induktion?

Theoretisch müssten wir all diese Probleme mit einer Folie hinter uns lassen, doch in der Praxis ergeben sich neue Probleme.

Und diese führen uns auch gleich zum nächsten großen Thema, dem Dielektrikum.

Isolierband

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Das Dielektrikum ist ganz einfach die Isolierung, also das, was um eine Ader oder um ein Kabel drum herum ist. Doch so banal dieses Thema auch oberflächlich betrachtet zu sein scheint, es hat so seine Tücken, die ich im Artikel über das Dielektrikum näher beschreibe.

An dieser Stelle sei aber auf etwas anderes hingewiesen:
Es liegt nahe, dass zwei eng aufeinander liegende Folien, die nur durch eine dünne Isolierung voneinander getrennt sind, induktive, also elektromagnetische Felder erzeugen und sich damit gegenseitig beeinflussen.
Verhindert man dies nun dadurch, dass man die Folien nebeneinander legt, also mit den dünnen Kanten zueinander zeigen lässt?
Es gab Lautsprecherkabel in dieser Form, bei denen ziemlich schnell die Isolierung von den scharfen Kanten durchschnitten worden sind. Kommen zwei solche abisolierten Kanten aneinander, verursachen sie einen klassischen Kurzschluss, was elektrische Geräte gar nicht gerne mögen. Und Hersteller, die für einen verursachten Schaden aufkommen sollen, auch nicht.

Es hat deshalb Kabelhersteller gegeben, die zwischen den beiden Folien eine sehr stabile Kunststoffschicht gelegt haben. Durchgesetzt haben sich diese Kabel nicht.

Manche behaupten, dass dieser Steg zwischen den Folien dafür verantwortlich war, dass der Klang schlechter wurde.

Eine alternative Lösung fand man im NF-Bereich. Dort wickelte man die Folien spiralförmig um einen massiven Plastik-Kern. Damit die beiden Folienleiter nicht über die gesamte Strecke parallel zueinander verliefen, wurden sie gegenläufig gewickelt.

So kreuzten sie sich pro Umwicklung zwei mal. Dadurch, dass die Spiralform sehr langgezogen wurde, beschränkte man diese Kreuzungen auf ein Minimum.

Kritiker dieses Aufbaus verwiesen aber auf die Tatsache, dass man auf diese Weise einen Hohlleiter konstruiert hätte und verwiesen auf die Nachteile dieser Bauart, auf die ich ebenfalls an anderer Stelle noch eingehen werde.

Festzuhalten ist, dass die Folie durchaus ihren Reiz zu haben scheint und viele theoretische Probleme löst, leider aber auch hier und da an einfachen praktischen Problemen scheitert.

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