Das Rohr als Kabel

Ein Kabelentwickler aus Frankreich erzählte mir mal folgende Geschichte:
Er nahm zwei Kunststoffstreifen, legte sie vor sich auf den Tisch in seinem Wohnzimmer und starrte sie an, als müssten sie ihm deshalb eine Lösung verraten. Als er so vor sich hingrübelte, kam seine Tochter ins Zimmer, sah die Plastikstreifen, nahm einen, rollte ihn der Länge nach zum „Fernglas“ zusammen, schaute hindurch und meinte: „Papi, ich sehe Dich!“.
Und, Sie werden es schon ahnen – seine Lösung für ein Lautsprecher-Rohrkabel war gefunden!

Wenn man eine Folie der Länge nach aufrollt, wird daraus ein Rohr. Ein Rohr ist also nichts anderes, als eine der Länge nach aufgewickelte Folie. Eine Folie ohne scharfe Kanten!

Doch Rohre sind nicht flexibel, nicht biegsam. Wie soll man sie hinten am Verstärker festklemmen, den Schrank herunter führen, dann zum Lautsprecher schwenken und möglicherweise noch wieder einen Meter hoch zu den Polklemmen? Wie soll das gehen?

Der Kollege aus Frankreich begnügte sich daher damit, die Hauptstrecke mit den Röhren zu überbrücken. An beiden Enden befestigte er dann doch wieder Kabel aus seinem üblichen Portfolio. Diese Rohrkabel klangen schon sehr gut, waren aber auch extrem teuer, was vor allem daran lag, dass sie aus purem Gold gefertigt worden waren.

NF-Kabel in der Rohrform hat es für spezielle Zwecke auch gegeben, aber da sie in der kleinen Ausführung dann wieder zu Hohlleitern werden, wollen sich nur wenige HiFi-Entwickler mit ihnen anfreunden.

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