Lackdraht

Ich muss Euch vorab enttäuschen.
Weder kommen wir jetzt in die „schlüpfrige Lack-und-Leder-Abteilung“, noch zum Motto: „Unser Kabel soll schöner werden“, sondern einfach nur zu der Lösung der Frage, wie wir es verhindern können, dass Signale bei einem Litzenaufbau permanent von der einen in die andere Litze wechseln.

Die Lösung nennt sich: Lackdraht.
Hierbei handelt es sich um Litzen, die mit einem isolierenden Lack umhüllt wurden.
Auf unserer Abbildung seht Ihr eine “Drossel”. Ihr seht, dass die Drähte sich berühren und trotzdem keinen “Kurzschluss bauen” – weil sie mit einem isolierenden Lack versehen sind.

Die Theorie: 
Wenn ich die einzelnen Litzen mit einem isolierenden Lack versehe, dann dürfen sie sich ruhig gegenseitig berühren. Sie sind ja isoliert. Also können die Signale nicht mehr aus der einen Litze heraus und in die nächste Litze hinein fließen.

Genau aus der Litze, in die sie am Anfang des Kabels hineingeflossen sind, werden sie am Ende auch wieder herausfließen. Also haben die Signale kein einziges mal einen Übergangswiderstand überwinden müssen und logischerweise kann sich nun das Wechseln von der einen in die andere Litze auch nicht mehr klangverschlechternd auswirken.

Kein Skin-Effekt – keine Übergangswiderstände = das perfekte Kabel, oder?

Sagt Ihnen der Begriff „Induktion“ etwas?

Klar, werden Sie vielleicht sagen – damit kochen wir doch!
Und richtig – so etwas ähnliches meine ich auch. Der Begriff wird in der Elektronik allerdings mehrfach verwendet.
Wir befassen uns hier mit der elektromagnetischen Induktion, die wir zum Beispiel in einem Dynamo finden (Magnetismus erzeugt Strom) oder in einem Elektromotor (Strom erzeugt Magnetismus).

Induktion – das ist so etwas wie die „Aura“ bei uns Menschen. 🙂
Die Litze wird von einem unsichtbaren elektromagnetischen Feld umgeben, sobald sie Spannung führt.  Verlaufen zwei spannungsführende Litzen parallel zueinander oder werden sie sogar umeinander gewickelt, dann befinden sich beide Litzen im Magnetfeld der jeweils anderen. Und genau dies beeinflusst die Signale, wenn sie durch Litzen aus Lackdraht fließen.

Natürlich muss hier die Frage gestellt werden, wie hoch das Ausmaß dieser gegenseitigen Beeinflussung denn überhaupt sein kann. Ich kann dazu nur auf den einfachen Versuchsaufbau eines Dynamos verweisen, wie wir ihn aus dem Physikunterricht oder von unserem Elektrobaukasten kennen, also einer Spule um einen Magneten herum.
Bewegen wir den Magneten, wird in der Spule eine Spannung erzeugt. Diese Spannung reicht aus, um in unserem Versuchsaufbau eine kleine Glühlampe zum Leuchten zu bringen.
Beim umgekehrten Aufbau, wie wir ihn in einem Elektromotor vorfinden, bringt uns die Kraft des Motors, die schon aus einer „kleinen Stromquelle“ wie einer 9V-Batterie entsteht, durchaus zum Staunen.

Sicher ist der Einfluss der Induktion auf ein Musiksignal nicht groß genug, um es zu „zerstören“, aber dass sie unsere Musik völlig unangetastet lässt, ist doch ziemlich unwahrscheinlich.
Also bleibt auch in diesem Abschnitt wieder nur festzustellen, dass wenn das Ausmaß der Induktivität eines Kabels von seinem Aufbau, also seinem Design abhängig ist, dann müssten unterschiedlich aufgebaute Kabel auch zu unterschiedlichen Klangergebnissen führen, oder?
Es müsste sich jedenfalls auswirken, wenn wir die Hin- und Rücksignale voneinander getrennt oder “durcheinander” fließen lassen. Auch die Art des Verschlags, also wie die Litzen umeinander geflochten sind, müsste sich auf die Signale auswirken.

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