… so sagt der Volksmund. Aber ist das bei LMS/Daphile auch so?
Konkret:
Roon ist eine Musik-Streaming-Software und gilt in audiophilen Kreisen als das Non-Plus-Ultra.Sowohl der Bedienungskomfort als auch die Klangqualität gelten als maßstabsetzend.
Aber …
Roon ist teuer.
Und vielen ist Roon einfach zu teuer.
Und immer wenn einem etwas zu teuer ist, dann wird es gerne mal heruntergeputzt und diejenigen, die es trotzdem kaufen, werden als eingebildete Spinner tituliert.
Ob es der teure Wein ist, das Sterne-Restaurant, die Kreuzfahrtkabine mit Veranda, die Biersorte für 20,- € pro Kiste oder gar das edle LAN-Kabel zum Streamen.
Wer es kauft – ist doof! Denn die günstigen Alternativen sind genau so gut.
Und wenn es dann auch noch was „für lau“ gibt – ist es ja sowieso unschlagbar!
So ergeht es auch Roon in vielen Foren. Als Roon-Nutzer fühlt man sich da schnell wie ein Boxsack.
Und die Realität?
Es gibt diesen alten Witz über eine Kettensäge, die immer wieder umgetauscht wird, weil sie nicht gut sägt. Als der Verkäufer sie selber ausprobieren will, meint der Kunde: „Oh! Was ist das denn für eine Geräusch!?“.
Soll heißen: Wenn man selber alles falsch macht, Roon also zum Beispiel auf Windows oder MacOS aufsetzt – dann muss man sich nicht wundern, wenn es nicht klingt.
Wer sich aber mit Roon auskennt und audiophile Ansprüche stellt, der weiß so etwas natürlich und nutzt Roon eben richtig, also auf einem ROCK-System.
Ich teste bereits seit Jahren so ziemlich alle Alternativen, die sich auf dem Markt bieten.
Ob es AudioLinux als alternatives Betriebssystem ist oder Audirvana, JRiver, JPlay, eDonkey, Minim-Server und all die weiteren Apps.
Ergebnis:
Zu kompliziert, zu computerlastig, zu wenig Komfort, zu wenig Leistung, zu langsam oder einfach klanglich nicht akzeptabel und oft auch kein Cent günstiger als Roon.
Das ist wirklich schade, denn ich kann mir schon vorstellen, dass sich einige A7 mehr verkaufen lassen würden, wenn es die Software dazu preiswert oder sogar kostenlos gäbe.
Und so wurde ich sehr hellhörig als mir vor kurzem ein Kunde am Telefon versicherte, dass er LMS (jetzt Lyrion Music Server, früher Logitech Media Server) im Einsatz hätte und er der Meinung sei, das würde sogar noch viel besser klingen als mit Roon.
Zunächst wollte ich gar nicht diskutieren sondern am liebsten das Telefonat beenden, aber dann erzählte er weiter – und berichtete von seinen Hardware-Tests.
Hier sprachen wir die selbe Sprache und am Ende führte es dazu, dass er mit seiner Hardware aus dem hohen Norden Deutschlands zu mir kam und wir gemeinsam intensive Hörtests starten konnten.
Das Ergebnis des Tages war, dass das klangliche Geheimnis tatsächlich im Zusammenspiel der ausgewählten Komponenten lag.
Das Pro-Board von Asus/Intel, die M.2 von Xmore und die RAM-Riegel von ATP bildeten einfach ein unerreichbar gutes Klang-Team, was eben doch den Unterschied ausmachte.
So weit so gut.
Er nahm testweise Bauteile von mir mit, um zuhause weitere Experimente vor zu nehmen und sich mit mir auszutauschen.
Ich versprach im Gegenzug LMS auf einem meiner A7 zu installieren.
Dazu muss erwähnt werden, dass es sich bei LMS nicht (!!) um eine vollständige Streaminglösung handelt.
Zum einen benötigt LMS ein installiertes Betriebssystem. Das alleine lässt mich normalerweise schon zusammenzucken. Aber für LMS gibt es eine Lösung, die man durchaus mit Roon, bzw. ROCK vergleichen kann. Sie nennt sich Daphile.
Dahinter steckt ein Open Source-System, ebenso wie ROCK eine Linux-Variante.
Während sich jedoch Roon Labs beharrlich weigert, alle möglichen „Spielsachen“ zu installieren, die sich möglicherweise negativ auf den Klang auswirken könnten, zieht Daphile offensichtlich seine Stärke daraus, eine unüberschaubare Vielfalt an Plugins zuzulassen und anzubieten.
Geht nicht – gibt´s nicht! So könnte man das Motto von Daphile bezeichnen, um mal im Werbeslang zu bleiben.
Meine Vorurteile stiegen deutlich an – aber immer noch glaubte ich fest an ein ausgezeichnetes Klangergebnis.
Ich betrachtete also nicht weiter die theoretischen Punkte wie Systempflege, Pluginpflege, Upgrades und Betriebs- und Datensicherheit – ich wollte jetzt endlich hören.
Da LMS auch über keinen Renderer verfügt, ist man ja sowieso auf eine Lösung wie Daphile angewiesen. Es sei denn man streamt zuhause über LAN und benutzt zum Hören die entsprechenden Empfänger wie ein Sonos-System oder ähnliches.
Da wir uns aber schon im High-End-Bereich bewegen wollten, blieb also gar nichts anderes übrig als Daphile (mit integriertem Squeezlite) einzusetzen. Aber genau darum ging es uns ja auch.
Zum Hörtest
Frisch verliebt?
Leider gar nicht!
Eine gewisse Begeisterung stellte sich zwar ein, hielt aber nur etwa 5 Minuten.
Da war sehr viel Raum, die Abbildung war groß und weit, es gab eine exakte Ortbarkeit, Sänger-innen wie Rosaliá oder Ondara standen wie fest genagelt. Alles klang extrem dynamisch und beeindruckend. Die Schnelligkeit im Klangbild wirkte faszinierend.
Die Frauen- und Männer-Chöre bei Karl Jenkins The armed Man standen klar umrissen voneinander getrennt. Die Abbildung war sauber und der Raum mischte sich in keiner Weise in den Gesang ein, was bei dieser Aufnahme nur sehr schwierig zu erreichen ist.
Man musste gar nicht lange nachdenken – mit diesem System waren Dinge hörbar, die man nur selten so wahrnehmen kann.
Doch die 5 Minuten vergingen und als erstes meldete sich mein Bauch.
Kennen Sie dieses Gefühl, wenn Sie wissen, das Sie gerade Bockmist verzapft haben und Sie das jetzt jemandem beichten müssen?
So ein körperliches Unwohlsein?
Mir ging es genau so.
Meine Güte was klang diese Stimme von Ondara auf einmal schei…!
Ich liebe es, wenn ich die Augen schließen kann, um die Musiker im Studio „heimlich zu beobachten“. Zu sehen, wie sie sich bemühen jeden Ton so musikalisch und gefühlvoll wie nur möglich hin zu bekommen. Dieses Glücksgefühl, wenn sie selber merken, dass sie es hinbekommen haben.
Man hört es drei mal, vier mal, kann gar nicht davon lassen. Man muss sich irgendwann die Tränen aus dem Gesicht wischen. Man wird zutiefst berührt und man ist traurig und glücklich zugleich.
Was hier aber gerade läuft erzeugt in mir den Wunsch, irgendwas aus dem Fenster zu werfen.
Hauptsache, es hört auf.
Merken Sie, dass ich das gerade schreibe, während ich immer noch mit LMS Musik höre?
Ich starte China Girl von David Bowie – oh man – was für ein Mist!
Flach – ohne Körper, nervig, dünn, schrecklich.
Ich will nicht aufgeben und zappe mich durch meine Lieblings-Demo-Titel.
Immer wieder gibt es da eine einzelne Gitarre, die wunderbar „clean“ und dreidimensional im Raum steht, die sehr dynamisch und lebendig gespielt wird.
Die aber schon nach wenigen Momenten ziemlich nervt.
Eine Gitarre ohne Körper.
Irgendwann kam mir die Idee, vielleicht nicht in der richtigen Stimmung zu sein und ich habe das Hören unterbrochen – auf den nächsten Tag verschoben.
Doch es änderte nichts daran – schon nach wenigen Takten habe ich das Hören wieder abgebrochen. Weil ich gemerkt habe, dass es mir schon wieder eine schlechte Laune verschaffte. Es machte mich aggressiv.
Am kommenden Sonntag Nachmittag wollte ich wieder Musik hören und ich dachte mir, jetzt sei der richtige Moment gekommen, um LMS noch einmal eine Chance geben zu können.
Diesmal nicht mit irgendwelchem audiophilen Zeugs – sondern mit mit einem Song aus den guten alten elektronischen Experimentierzeiten.
Ich startete Pink Floyds „Us and Them“ und beendete den Test nach wenigen Sekunden.
Richard Wright spielt hier diese göttliche Hammond Orgel und auch wenn man diesen Sound mittlerweile mit entsprechenden Einstellungen nachstellen kann – bleibt der Original-Sound einer Hammond-Orgel einfach so etwas wie eine Stradivari oder ein Bösendorfer. Einfach unerreichbar!
Was mir LMS und Daphile hier gerade präsentierten das erschien mir wie eine Gotteslästerung – sorry!
Was soll das sein? Eine Kirchenorgel? Nein! Nein! Und noch einmal nein!
Das ist Folter pur und ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das jemand so auch nur annähernd gut finden kann.
Ich schalte einen Re-Clocker dazwischen, ich tausche das Digitalkabel gegen das Project V1 von Furutech, ich wechsle zum 30.000,- € DAC von Progressive Audio …
Aber am Ende wird es mit jeder „Verbesserung“ nur noch deutlicher und noch schlimmer.
Das hat für mich mit Musik nicht viel zu tun.
Was heißt das nun aber für Sie?
Zunächst das wichtigste:
Ja, es gibt mit LMS und Daphile eine kostenlose Software als Alternative zu Roon.
Mit einem günstigen NUC für sagen wir mal 500,- € erschaffen Sie sich einen Streamer, der funktioniert.
Was ich hier in diesem Bericht von mir gegeben habe, ist nicht nur Stöhnen auf hohem Niveau, es ist reine Pingeligkeit, die Sie nicht übernehmen müssen.
Sollten Sie jedoch ähnlich audiophil angehaucht sein wie ich es bin und mehr mit dem Bauch hören als mit den Ohren, mehr der sentimentale Typ sein beim Musikhören, dann können Sie sich diesen Ausflug in die LMS/Daphile-Welt sparen.
Zumal die Installation und die Konfiguration auch schon wieder mehr etwas für IT-affine Bastler mit viel Langeweile sind als für den seriösen Betreiber eines professionellen Systems.
So eine Profi-Software wie Roon mag einem zu teuer erscheinen und diese Tatsache mag den einen oder anderen verärgern.
Der Ausflug in die Daphile-Welt jedoch wird dem audiophilen Musikhörer Roon wie ein Schnäppchen vorkommen lassen.
Fazit:
Ich hatte gehofft, LMS/Daphile auf dem A7 zu installieren und damit die Zielgruppe um alle diejenigen erweitern zu können, die zwar bereit sind, 3.000,- € für eine außergewöhnliche Hardware auszugeben, aber nicht auch noch zusätzlich 800,- € für die Software.
Am Ende muss ich aber für mich persönlich zu dem Ergebnis kommen: