Roon Nucleus vs. PrimeMini

Roon Nucleus vs. PrimeMini

In meinem Bericht „Roon Nucleus vs. PrimeMini“ stelle ich den Herausforderer aus der Schweiz dem Platzhirschen aus den Staaten gegenüber.

Roon-Nucleus

Roon-Nucleus (Erste Generation)

PrimeMini 5 von vorne rechts

PrimeMini 5

Wird der PrimeMini dieses Aufeinandertreffen „überleben“ können, oder erwartet uns vielleicht eine Überraschung?

Grundsätzliches 

Roon Labs hatte anfangs nicht geplant, irgendwann auch mal Hardware anzubieten und stattdessen lieber ein paar Links veröffentlicht. Folgte man diesen Links, so landete man auf einer Amazon-Seite, musste nur noch die Vorauswahl bestätigen und hatte damit schon (fast) alles gekauft, was man zum Aufbau eines roon-fähigen NUC (Kleinst-Rechner) benötigt.

So ein „Bastelobjekt“ gefiel aber nicht nur denen nicht, die auf diesem Gebiet „zwei linke Hände“ haben, sondern auch denen nicht, die sich trotz der guten Vorauswahl vor die Aufgabe gestellt sahen, sich noch ein zuverlässiges lüfterloses Gehäuse dazu suchen zu müssen. Schließlich wollte man ja nicht riskieren, den Selbstbau nach wenigen Stunden in Rauch aufgehen zu sehen.

Roon Labs erkannte, dass man etwas tun musste, wollte man in Zukunft weiterhin Roon-Lizenzen an den Mann (und an die Frau) bringen.
Und so entschloss man sich, den Nucleus und seinen großen Bruder Nucleus+ zu entwickeln und anzubieten.

Nicht nur Freunde gewonnen

Das Erscheinen spaltete die Roon-Interessierten in zwei Lager.
Die einen freuten sich über dieses tolle Angebot und akzeptierten es, dass so ein fertiges „Plug&Play-Produkt“ teurer war als ein Selbstbauprojekt.
Die anderen mochten sich aber mit dem für sie unerklärbar hohen Preisaufschlag nicht abfinden.

Wem der Nucleus zu teuer war, wer aber andererseits auch nicht selber basteln wollte, der ließ notgedrungen ganz die Finger von Roon oder installierte die Software einfach auf einem PC, MacBook oder NAS.
Keine Lösung, die auf Dauer zufriedenstellen kann.
Und erst recht keine Lösung, die einen Händler auf Dauer zufriedenstellen kann. 😉

Es musste eine Alternative her.

Bei meiner Suche nach einer echten Nucleus-Alternative stieß ich Anfang 2020 auf ein Computer-Unternehmen in der Schweiz namens Prime Computer. Sein Internet-Auftritt war mir auf Anhieb sympathisch. Die Liebe zur Natur und diese verantwortungsbewusste Verpflichtung zu nachhaltigem Handeln und nachhaltigen Produkten – das hat mir gut gefallen.

Offensichtlich hatten sich bereits einige Roon-Freaks vor mir gewagt, sich bei diesem Hersteller einen kleinen Computer namens PrimeMini 4 zu bestellen und darauf ROCK mit Roon zu installieren.
Deren Rückmeldungen waren laut Prime Computer extrem positiv und so wollte man den PrimeMini als Roon-Core-Server gerne einem breiteren Publikum zugänglich machen.

Das Problem für einen Direktverkauf allerdings war der Schweizer Firmensitz. Leider ist die Schweiz kein Mitgliedsstaat der EU und damit ist ein Versenden in die EU und auch nach Deutschland mit viel Aufwand verbunden. Der Hersteller selbst beherrscht diese Disziplin selbstverständlich, aber die Ware muss verzollt werden und spätestens, wenn mal etwas zurückgeschickt werden muss, steht man als Verbraucher ziemlich hilf- und ratlos da. Und auch DHL oder UPS helfen einem dann nicht wirklich weiter.

So kam es, dass Prime Computer gerne einen Partner in Deutschland gehabt hätte und Audiosaul einen Roon-Core-Server suchte. Das schien zusammen zu passen.
Es wurde beschlossen, mir die ersten Test-Komponenten zuzusenden, um sie technisch und klanglich unter die Lupe zu nehmen.
Die Ergebnisse waren für mich überraschend gut – weit mehr als nur zufriedenstellend und so begann unsere Partnerschaft.

Die Alternative war gefunden

Preislich war und ist ein PrimeMini weit weg vom Nucleus+, bei sogar etwas besserer Ausstattung und zuverlässigeren Professional-Komponenten. Dieser Preisunterschied  sollte unbedingt so bleiben. Kunden, die ihren PrimeMini in Deutschland kaufen, statt ihn direkt in der Schweiz zu ordern, sollten auf gar keinen Fall die „Dummen“ sein.
Mittlerweile gehören sogar PrimeMini-Besitzer zum Kreis unserer Kunden, die ihr Geld mit IT-Hardware verdienen.
Vor kurzem nun erschien der PrimeMini 5 mit neuen Platinen, neuen Prozessoren und neuen Chips.

Diese Tatsache möchte ich heute als Anlass nehmen, das Spitzenmodell, den PrimeMini 5/i7 mit dem Nucleus+ zu vergleichen.

Die Fakten

Hinweis: 
Für die Fotos stand mir auf die Schnelle leider nur ein Nucleus+ der ersten Generation zur Verfügung. Die nachfolgenden Angaben beziehen sich allerdings auf das aktuelle Modell:

Nucleus+ PrimeMini 5/i7
Prozessor i7-7567U  i7-8665U
Kerne 2 4
Standard – Arbeitsspeicher 8GB 8GB
M.2-System-SSD 64GB Transcend 250GB Samsung EVO 860
Zweite Festplatte möglich möglich
USB 3.0/3.1 2x 3.0 3x 3.1
USB 2.0 nein 1x USB 2.0
HDMI 2x 2x
USB C 1x 1x
Ein-Ausschalter hinten vorne
Maße (HöhexBreitexTiefe) 61 x 267 x 267 mm 55 x 177 x 114
Gewicht 2,6 kg 1,4 kg
WiFi & Bluetooth nein optional
Garantie 2 Jahre 5 Jahre
Automatische UpDates ja – wenn so konfiguriert ja – wenn so konfiguriert
Preis -2.598 € -1.498 €

(Alle Angaben ohne Gewähr.)

Nähern wir uns jetzt mal den beiden Kontrahenten.

Der Nucleus ist in allen Maßen größer und auch schwerer. Er hat ein futuristisches Kühlrippen-Design, der PrimeMini hält mit einem ebenfalls individuell gestalteten Gehäuse dagegen. Wichtiger als diese Äußerlichkeiten, die sicher jeder Betrachter für sich anders bewerten wird, ist die Tatsache, dass es sich beim PrimeMini um ein Gehäuse handelt, dass „aus dem Vollen“ aus einem einzigen Stück Spezial-Aluminium gefräst wird, während das Gehäuse des Nucleus aus einem ALU-Guss-Material besteht.
Allerdings ist selbstverständlich auch beim Nucleus eine mehr als ausreichende Kühlung gewährleistet.

Das Innenleben

Beide Geräte werden geöffnet, indem wir die Bodenplatte abschrauben.
Beim Nucleus versperrt uns zunächst die Platte für die SSD die Sicht auf die Platine.

Nucleus ssd

Nucleus ssd

Wieso Roon hier zu einer Lösung gegriffen hat, bei der zwischen den Slots auf der Platine und der SATA-Schnittstelle der SSD zwei Kabel an einer zusätzlichen Anschlussplatine benutzt wird, bleibt mir verborgen. Es gibt dadurch zwei unnötige Kontaktstellen mehr, die wir Klangfreaks grundsätzlich nicht mögen. Vielleicht wollte man es Benutzern erleichtern, ihren Nucleus nachträglich mit einer zweiten Festplatte auszustatten. Allerdings bin ich mir sicher, dass alle User ebenso in der Lage gewesen wären, einfach den speziellen NUC-Kabelsatz auf die SSD zu stecken.

Entfernt man diese Platte für die Zusatz-SSD hat man freien Blick auf die Platine, bei der es sich in der ersten Generation um die 7i7BNB handelte. 

Nucleus Platine

Nucleus Platine

Hier spielt der PrimeMini 5 natürlich seine Jugend voll aus und präsentiert sich mit einem 8i7PNB.

PrimeMini RAM

PrimeMini i5

Der Nucleus in der zweiten Generation wartet natürlich auch mit einem neueren Board auf. Nichts geändert hat sich allerdings an der Tatsache, dass immer noch ein Consumer-Board (Nucleus) gegen ein Professionell-Board (PrimeMini) antritt. Dieser Unterschied sorgt immerhin für einen Garantie-Unterschied von 5 Jahren beim PrimeMini gegenüber 2 Jahren beim Nucleus.

Wirklich schade ist jedoch, dass man beim Nucleus eine ganze Reihe an Zusatzports auf der Platine findet, die ungenutzt im Gehäuse weggesperrt wurden.

Nucleus Ports

Nucleus Ports

Wenn ich sehe, dass auf der Platine zwei USB 2.0-Steckplätze (unten rechts, die beiden weißen Steckplätze) unbenutzt auf Anschluss warten, ärgert mich das schon ein wenig. Dazu später mehr.

Auch der PrimeMini 4 wurde ja ohne USB 2.0-Buchse ausgeliefert, aber er war auch nie als Roon-Core-Server entwickelt worden, sondern als Klein-PC für Professionals wie Ärzte, Architekten, Handwerker, Bademeister …

Beim PrimeMini 4 haben wir diesen Nachteil mit einer einfachen „USB-Peitsche“, also einer „fliegenden Buchse“ gelöst. Beim Nucleus dürfte das schwieriger werden. Die Peitsche ist möglicherweise nicht lang genug und wir müssen ein Loch ins Gehäuse bohren.

Wer sich damit dennoch anfreunden kann, dem liefern wir gerne eine USB-2.0-Peitsche zum Preis von 10,- € inkl. Versand.
Beim PrimeMini 4 drückt man einfach einen Stopfen für die nicht vorhandene WiFi-Antenne heraus und zieht das Kabel der Peitsche da hindurch.

Zum Glück (!!) hat sich das beim PrimeMini 5 jetzt geändert. Er stellt uns nativ eine USB 2.0-Buchse zur Verfügung und jeder Besitzer kann hier völlig problemlos die Kabel umstecken und sich die Ergebnisse anhören.

PrimeMini 5 von hinten

PrimeMini 5 – Es gibt eine blaue Buchse (USB 3.1) und eine schwarze (USB 2.0).

Ich schraube die beiden Kontrahenten wieder zusammen und schaue mir die BIOS- (heute heißt das UEFI-) Einstellungen an. Hier gibt es keine großen Unterschiede zu erkennen.
Ich verlasse das BIOS wieder und starte beide Geräte. Die Zeiten beim Starten und Herunterfahren sind praktisch identisch (beide unter 30 Sekunden). Sie wären auch gleichgültig. So einen Roon-Core startet man ein mal bei der Inbetriebnahme und fährt ihn wieder herunter, wenn man ihn ersetzen will. Was hoffentlich erst in etlichen Jahren erforderlich sein wird.

Beide arbeiten mit dem selben OS und der selben App

Sind die beiden Computer erst einmal gestartet – gibt es keine spürbaren Unterschiede in der Bedienung. Das ist auch logisch, denn beide Systeme nutzen das selbe Betriebssystem und die selbe Roon-Software – und die sorgt auf beiden Rechnern eigenständig dafür, dass sie auf dem neuesten Stand bleibt.
Ebenso sind natürlich beide Geräte absolut geräuschlos.
Der Nucleus muss an der Rückseite eingeschaltet werden, was manchmal unpraktisch ist, wenn er sich aus irgendeinem Grund mal wieder selbst ausgeschaltet hat und man eine Weile suchen muss, wieso nichts zu hören ist. Eine Kontrollleuchte gibt es leider an der Frontplatte auch nicht.

Auch hat der Nucleus vorne keine USB-Buchsen, was doch manchmal ganz praktisch ist, wenn man mal eben schnell einen USB-Stick oder eine externe Festplatte anschließen will, ohne das halbe Rack demontieren zu müssen.
Kommen wir zum vielleicht wichtigsten Punkt.

Klang

Wie klingen die beiden nun und klingen sie überhaupt unterschiedlich?

Hierzu vorab:
Immer wenn ich über die Klangeigenschaften von Roon-Core-Server schreibe, bekomme ich einige  Reaktionen von Lesern, die mich für verrückt halten, weil sie glauben, dass es gar keine Klangunterschiede geben kann.

Der Grund für diese Meinungsäußerungen ist aus meiner Sicht die Tatsache, dass Roon eine so tolle Angelegenheit ist, dass sich nicht nur Audiophile damit befassen. Tatsächlich spreche ich mit vielen Anrufern, die einen Roon-Core-Server in einer Kette betreiben, die nichts – aber auch rein gar nichts – mit guter Musikwiedergabe zu tun hat.
Wenn ich mir z.B.  in meinem Haus eine Sonos-Installation als Hauptanlage „gönne“, muss ich mir über die Frage, ob ein i3 schlechter klingt als ein i7 nun wirklich keine Gedanken machen. Selbst der i3 wird in einer solchen Umgebung nur einen Bruchteil seiner Qualität zeigen können.

Und das meine ich überhaupt nicht abfällig.
Aber Audiosaul ist für High-Ender da, die nicht Ruhe geben, bevor sie nicht auch noch den letzten Kick aus ihrer Anlage herausgeholt haben. Ich meine damit Kunden, die gar nicht wissen, wie sie ihre Freude über das neue Linear-Netzteil hinreichend ausdrücken können. 

Wer sich also nur für de Funktionen des Nucleus+ oder des PrimeMini 5 interessiert, der kann hier jetzt getrost die Seite wechseln – hier kommt nur noch was für Leute, die hören können, dass das Gras bei Vollmond schneller wächst.  😉

Im Ernst – hier geht es zur Klangbeschreibung.

Erster Durchgang Nucleus +

Als erster muss er seine Klangeigenschaften unter Beweis stellen. Nach etwa einer halben Stunde Einspielzeit, starte ich meine heutige Playlist mit mir gut bekannten Stücken.

Beschreibung der ausgewählten Musik

Get you back again, Malin Pettersen
Malin Pettersen

Malin Pettersen

Eine Stimme – eine Gitarre – sonst nichts.
In meinen Vorführungen stelle ich immer wieder fest, dass ich Kunden mit dieser Aufnahme völlig überfordere. Die Aufnahme ist sehr „direkt“…
In der Original-Lautstärke abgespielt, ist Malins Stimme erstaunlich real und fast ein wenig „angreifend“. Eine solche Dynamik und realistische Präsenz bei perfekter Fokussierbarkeit würde man vielleicht von wandfüllenden Hornsystemen erwarten, aber nicht von einer kleinen Standbox namens Extreme III von Progressive Audio. Was man hier sieht und was man hört, passt definitiv überhaupt nicht zusammen.
Das ist zwar den traumhaften Understatement-Lautsprechern geschuldet, überfordert aber deshalb regelmäßig meine Kunden, die ein solches Klangbild eben niemals erwartet hätten.

„Wenn meine Frau wüsste, was für ein Klang aus diesen kleinen Boxen kommt, würde ich wohl mächtig Ärger bekommen!“ – so höre ich es drei bis vier mal pro Woche. 🙂

Was aber dennoch dazu führt, dass man den Titel erst einmal nicht mag, die Wiedergabe nicht mag …
Aber gerade deshalb eignet sich dieses Stück sehr gut dazu, Klangunterschiede auszumachen. Wenn dieser Titel über Ihre Anlage „ganz normal“ klingt und Sie meine Ausführungen nicht nachvollziehen können, sollten Sie sich dringend Gedanken machen.

Be still my heart, Silje Nergaard
Silje Nergaard

Silje Nergaard

Es muss nicht immer Keith Jarret sein? Richtig! Auch Silje Nergaard kann in Köln ein Live-Konzert geben und um es vorweg zu nehmen:  Bei diesem Stück werden Sie sich ganz sicher immer wieder an das legendäre Konzert von 1975 erinnert fühlen. Zumindest in den ersten fünf Minuten. Danach wechselt der Song von einem Klavier-Solo zu einer typischen Songwriter-Nummer im Stil von Patricia Barber, Meldody Gardot, Eva Cassidy und so weiter. Eine tolle Live-Atmosphäre – ein Titel mit ganz viel drauf und drin zu hören und zu testen.

Monsieur piment, Jorane
Monsieur piment, Jorane

Monsieur piment, Jorane

Diesen Titel habe ich vor allem deshalb mit dazu genommen, weil ich Ihnen diese Ausnahme-Künstlerin Jorane vorstellen möchte. Jorane zeigt ihrem Publikum, wozu ein Cello neben dem Hervorbringen von Tönen, aus denen ein mehr oder weniger bekanntes Klassikstück entsteht, sonst noch so fähig ist. Außerdem ist sie eine der wenigen Cellistinnen, die während des Spielens auch noch selber singt.
So oder so, ist auch dieser Titel gespickt mit Dynamik-Sprüngen, Riffs, die wir sonst nur vom Kontrabass kennen und weiteren selten bis nie gehörten Geräuschen, die Jorane diesem Instrument entlocken kann.
Über allem legt sich eine musikalische Konzentration und eine enthusiastische Spielweise wie eine Decke über Geschenke, die man noch nicht sehen soll. Aufregend, spannend und geheimnisvoll. 

Ich höre Nucleus+ an der USB 3.0-Buchse

Den ersten Durchgang musste wie gesagt der Roon Nucleus+ absolvieren, allerdings wurde daraus ein Schnelldurchgang.
Wer es gewohnt ist, Streaming über eine USB 2.0-Schnittstelle zu hören, der kommt einfach mit einem 3.0-er Ausgang nicht mehr klar. Ob er in einem Nucleus steckt oder in irgendeinem anderen Gerät.

Es klingt nervös, hektisch, unruhig. Die Töne haben keine Kraft, es gibt keine „Körper“. Man macht lauter, aber dann wird es nur schlimmer. Also macht man wieder leiser. Malin Pettersen nervt einfach nur, Silje Nergaard malträtiert ein Klavier, dessen Herkunft nicht bestimmbar ist und Jorane möchte man am liebsten das Cello wegnehmen und sie um Ruhe bitten.

Ich höre PrimeMini 5 /i7 an der USB 3.1-Buchse

Auch der zweite Durchgang, jetzt mit dem USB 3.1-Ausgang am PrimeMini 5 – um die Fairness zu wahren – brachte nicht viel Besserung. Zwar hatte ich das Gefühl, dass die Entwickler entscheidende Änderungen beim Sprung von 3.0 auf 3.1 vorgenommen haben, aber Zufriedenheit sieht anders aus. Ganz anders.

ich höre PrimeMini 5/i7 an der USB 2.0-Buchse

Also folgte der dritte Durchgang – jetzt war der PrimeMini 5/i7 und sein USB 2.0-Ausgang dran.

… und auf einen Schlag stellt sich wieder alles ein, was ich oben über diese Stücke geschrieben habe. Der Begriff Dynamik wird von Malin, Silje und Jorane geradezu „für Doofe erklärt“. Sorry – aber ist so.

Wer danach immer noch nichts mit diesem Begriff anzufangen weiß, der wird es vermutlich nie begreifen.

Natürlichkeit, Räumlichkeit, Fokussierbarkeit, Größenabbildung, … Selbstverständlichkeit – was man auch immer bewerten will, alles wird perfekt dargestellt. So realistisch, dass man sich tatsächlich (mal wieder) fragt, was da denn überhaupt noch mit teureren Geräten besser werden soll.

Naht Hilfe für den USB 3.0/3.1-Anschluss?

Was kann man tun, damit wir den Nucleus nicht für etwas verurteilen müssen, wofür er doch gar nichts kann?

… in Form eines Innuos Phönix?

Innuos PhoenixUSB white_bg

Innuos Phoenix

Erster Versuch:  Innuos Phönix – ein USB-Reclocker der feinsten Sorte.
Seltsamerweise zeigt sich der USB 2.0-Anschluss am PrimeMini vom Hinzufügen des Phönix völlig unbeeindruckt. Er scheint ihm geradezu sagen zu wollen: „Was willst Du hier? Meinst Du, ich wüsste nicht selber, was Musik ist?“.
Angesichts der Tatsache, dass der Phönix rund 2.500,- € kostet und natürlich nach einem guten Stromkabel und einem zweiten guten USB-Kabel verlangt, weigere ich mich, bei diesem Hördurchgang auf so etwas wie „Kleinigkeiten“ achten zu wollen und stecke das Kabel zum Phönix lieber in den USB 3.1-Ausgang des PrimeMini 5/i7.

Ohne Phönix würde ich lieber spazieren gehen, als mir das noch länger über USB 3.0 anzuhören, mit dem Phönix jedoch verschwindet der Klangunterschied zwischen 2.0 und 3.1 nahezu komplett.
Es kehrt Ruhe ein und jeder Ton erhält eine Chance, sich von seiner besten Seite zu zeigen. 

Zwischenergebnis:

Der USB 3.1-Ausgang am PrimeMini klingt über den Innuos Phönix nahezu gleichwertig zum USB 2.0-Ausgang ohne Phönix. 

Und was ist nun mit dem Nucleus?

Ich schließe den Nucleus+ an den Phönix an und bin gespannt wie ein Flitzebogen.

Tatsächlich ist der Phönix in der Lage, (fast) sämtliche Schuld an einem schlechten Abschneiden auf diesen USB 3.0-Anschluss zu schieben.
Die Kombination Nucleus und Phönix schiebt sich bedrohlich nahe an den PrimeMini 5/i7 mit USB 2.0.

Um heraus zu finden, ob es wirklich nur eine Frage der unterschiedlichen Schnittstellen ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als den Nucleus noch einmal aufzuschrauben und auch ihm eine USB 2.0-Peitsche zu verpassen.

Na bitte – geht doch!

Wer diesen Klangzugewinn seines Nucleus einmal gehört hat, der muss sich einfach über jede Minute ärgern, die er ohne diesen Umbau mit seinem Roon-Core verbracht hat.
Ein einfaches 10,- €-Teil zaubert aus einer „müden Kiste“ (im Direktvergleich!) ein richtig gutes Produkt.
Sorry – aber so sehe ich das.

Ganz offensichtlich hat man es bei Roon Labs versäumt, bei der Entwicklung des Nucleus mal jemanden hinzuzuziehen, der sich das Dingen mal so anhört, wie High-Ender hören.
Und das ist sehr schade!

Es mag ja sein, dass die Mehrheit der Roon-User nur an den Funktionen interessiert ist und nicht an einem high-endigen Klang. Aber dann frage ich mich, wieso in den Foren das Upsampling und die DSP-Funktionen thematisch eine derart gewichtige Rolle spielen, wenn den Usern der Klang egal sein sollte? Daran glaube ich nicht.

Also – liebes Roon Labs-Team:
Es wird Zeit für ein neues Nucleus-Modell mit einer nativen USB 2.0-Buchse!!

Wenn man nun dem Nucleus+ eine USB 2.0-Peitsche verpasst hat, klingt er dann immer noch anders als ein PrimeMini 5/i7?

Ja, die Unterschiede bleiben. Allerdings rücken sie in einen Bereich, in dem man durchaus von geschmacklichen Unterschieden sprechen darf, Unterschieden also, die den einen zu dem einen und den anderen zu dem anderen Gerät hinziehen dürften. Keine Unterschiede mehr, die eine qualitative Einstufung erlauben würden. 

Endergebnis:

Sich einfach einen Nucleus gegen einen PrimeMini anzuhören, führt zu einem falschen Ergebnis. Die USB 2.0-Schnittstelle deklassiert den Nucleus+ und auch den PrimeMini 5 mit USB 3.1-Anschluss.
Rüstet man einen Nucleus mit der USB 2.0-Peitsche nach oder gönnt man sich einfach einen Innuos Phönix, kommen wir in eine Patt-Situation, die dann jeder ganz persönlich für sich entscheiden muss.

Wieso vergleiche ich USB?

Wieso immer nur USB und wieso nicht RAAT – also eine Signalübertragung über LAN-Kabel hin zu einem roon-ready-Gerät?

Problematik:

Ich weiß, dass viele User die USB-Schnittstelle nicht mögen.
Möglicherweise, weil auch sie bisher immer nur über USB 3.0/3.1 gehört haben.

Viele DAC haben aber auch einen grottenschlechten USB-Eingang. Da wurde einfach so ein 15,- € Eingang verbaut, nur um sagen zu können, dass der DAC jetzt auch einen USB-Eingang besitzt.

Ist dies der Fall, nützt es einem natürlich gar nichts, wenn man seinen PrimeMini oder Nucleus mit einer USB 2.0-Buchse versieht. Im DAC geht dann alles wieder verloren.

Ein weiterer Grund dafür ist die Tatsache, dass sehr viele User einfach nicht glauben wollen, dass es zwischen USB-Kabeln Klangunterschiede gibt. Auch diese Behauptung kann man vielleicht darauf zurückführen, dass die Ausgänge und die Eingänge so minderwertig sind, dass man auch mit dem besten USB-Kabel einfach keine Veränderung – schon gar nichts Gutes hört.

In all diesen Fällen klingt es dann meistens über das Netzwerk immer noch besser als über USB – was verständlich und erklärbar ist.
Allerdings ist die USB-Schnittstelle immer dann der LAN-Übertragung klanglich ebenbürtig und manchmal sogar überlegen, wenn eben alles richtig gemacht wurde.

Der zweite Grund liegt in der aus meiner Sicht besseren Nachvollziehbarkeit.

Bei einer LAN-Übertragung werden (möglicherweise) folgende Komponenten genutzt:

LAN-Kabel zum Roon-Core.
Switch
LAN-Kabel zum Router
Router
LAN-Kabel zum Roon-Endpoint
Roon-Endpoint
Digitalkabel zum DAC
DAC
Analogkabel zum Verstärker

Welche Konstellation sollte ich da wählen, um Erkenntnisse zu erhalten, die – wer von Ihnen zuhause? – nachvollziehen kann?

In meiner LAN-Konstellation, die wie folgt aussieht …

LAN-Kabel zum Roon-Core         audioquest Diamond
Switch                                          Melco S100
LAN-Kabel zum Router               audioquest Diamond
Router                                         Fritz!Box 7590 mit Linearnetzteil von Padis
LAN-Kabel zum Roon-Endpoint  audioquest Diamond
Roon-Endpoint                           Auralic Aries G1
DAC                                           Progressive Audio DAC992 / AADAC von Audio Analogue

… kann ich Ihnen versichern, ist zwischen der Übertragung per LAN und der über USB so gut wie kein Unterschied zu hören. Und wenn doch, dann eindeutig zu Gunsten der USB-Übertragung.

Die zwischen einem Nucleus und einem PrimeMini trotz USB 2.0-Buchsen immer noch vorhandenen Unterschiede sind also offensichtlich systembedingt und haben mit den Schnittstellen oder dem Übertragungsweg nichts zu tun.

Allerdings kann ich nur jedem Nucleus-Besitzer dazu raten, entweder tatsächlich den LAN-Weg zu wählen (über RAAT), eine USB 2.0-Peitsche einzubauen oder sich einen Phönix von Innuos zuzulegen.

Schlusswort:

Wir haben es hier mit zwei Komponenten zu tun, die ähnlicher und unterschiedlicher gar nicht sein könnten.
Das Design, der Preis, die verwendeten Bauteile und auch der Klang dürften die Zuneigung der Käufer kanalisieren. Das ist gut so. 

Roon Labs möchte ich ans Herz legen, bei der nächsten Generation darauf zu achten, dass ein USB 2.0-Ausgang nativ nach außen geführt wird, damit jeder Besitzer eines Nucleus durch einfaches Umstecken selber herausfinden kann, ob er einen Unterschied hört und was ihm besser gefällt.

Das ist noch nicht (!) einmal mit Zusatzkosten verbunden, wie Prime Computer es mit dem PrimeMini 5 gerade unter Beweis stellt.

 

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