1.1.4 Bassfallen und andere Gemeinheiten

1.1.4 Bassfallen und andere Gemeinheiten

“Pimp my room” so lautet oftmals die Devise, auf die ich hier im Bericht 1.1.4 Bassfallen und andere Gemeinheiten ein wenig näher eingehen will.

Hat man nämlich erst einmal herausgefunden, in welchem Frequenzbereich einem der Hörraum Probleme bereitet, kann man sich entweder überlegen, mit welcher zusätzlichen Einrichtung (Bücherregal, Teppiche und so weiter) man diesem Problem zu Leibe rückt, oder man vertraut mehr in die schier unüberschaubar große Anzahl an speziellen Akustik-Elementen.
Für wirklich jeden Frequenzbereich und jedes Problem gibt es Speziallösungen.

Bassfallen sind zum Glück eine absolut unblutige Lösung, werden aber meistens mit den gleichen ablehnenden Gefühlen betrachtet. Meistens sind das rohrförmige, halbrunde oder im Profil dreieckige Elemente, die in die Zimmerecken gehören und eben nicht ganz vom Boden bis zur Decke reichen dürfen. Wichtig ist der Hohlraum, in den der Bass (so der Plan) zwar hinein- aber eben nicht wieder herausfinden soll.
Für die höheren Frequenzen nennen wir das ganze dann Helmholtz-Resonatoren (nach Hermann von Helmholtz). Das sind mehr oder weniger “hübsch” geformte Hohlkörper mit Löchern drin, gerne auch “Vogelhäuschen” genannt.

Wandelemente

Wandelemente

Wer nicht dafür sorgen muss, dass Schallenergie “vernichtet” wird, sondern wem es ausreicht, dass die reflektierten Schallwellen nicht wieder auf sich selber treffen, der kann sich mit Diffusoren befassen. Das sind diese “Setzkästen”, bei denen in manche Fächer gar nichts hinein passt. 🙂
Aber es gibt sie auch (wie im Foto von der High-End 2016 zu sehen) als “Wandelemente”.
Doch wir müssen uns bei all diesen Dingen immer eine Tatsache vor Augen führen:

Wir vernichten hier etwas, was unsere Lautsprecher erzeugt haben, unser Raum aber nicht verträgt!

Das ist so, als würden wir uns eine ganze Torte bestellen, dann nur zwei Stücke schaffen und den Rest in den Müll werfen.
Während man die Torte noch an andere weiter reichen könnte, gelingt das aber mit dem “Zuviel” an Schallenergie in unserem Wohnraum natürlich nicht.
Klüger wäre es wohl gewesen, sich von vornherein Lautsprecher zu kaufen, die nur so viel Energie erzeugen, wie der Raum verkraften kann. Das eingesparte Geld hätte man dann wunderbar dafür einsetzen können, dass man zwar kleinere, aber dafür eben “bessere” Boxen kauft. … oder eben auch den besseren Verstärker dazu.
Aber das nur nebenbei und zurück zu den Akustik-Elementen.

Viele von ihnen sehen richtig gut aus und wer sie leiden mag, der hat schnell das Mittel der Wahl gefunden.
Aber zumindest bei den Diffusoren können wir uns denken, dass wir sie auch anderweitig “selber herstellen” können. Jedes Bücher- oder Schallplattenregal ist ein wunderbarer Diffusor.
Hier ist Ihre Kreativität gefragt.
An dieser Kreativität fehlt es vielen Anbietern im High-End-Bereich ganz bestimmt nicht, die uns sündhaft teure Glöckchen, Glasplättchen, Aufkleber und was weiß ich nicht alles anbieten.

Und eines will ich überhaupt nicht leugnen – nämlich dass all diese Dinge Einfluss auf unser Klangerlebnis haben können. Vieles habe ich schon mit überraschendem Ergebnis ausprobiert und eigentlich nur deshalb nicht in mein Programm aufgenommen, weil ich zu feige war.
Doch es gibt weitere Gründe.
Zum einen ist es einfach so, dass viele dieser esoterisch angehauchten Mittelchen erst dann ausprobiert werden sollten, wenn die Kette und der Raum “ausgereizt” sind – es also nichts anderes mehr zu verbessern gibt. Davon ist eine große Zahl an HiFi-Anlagen leider noch weit entfernt.
Zum anderen ist es so, dass ich mich schon manchmal darüber ärgere, wenn ich “ähnliche Dinge” (die aber für ganz andere Zwecke gedacht sind) für 20,- € kaufen kann, während die fast identischen Teile 200,- € kosten, sobald sie denn die HiFi-Freaks als Zielgruppe vor Augen haben.

Spalttechnik

Spalttechnik

Zurück zum Raum.
Was ich toll finde ist, wenn man die Schalloptimierung durch besondere Designobjekte hinbekommt. Gute Freunde von mir haben sich Elemente aus gespaltenem Holz anfertigen lassen. Diese Elemente sind zu allererst eine interessante Wandgestaltung – aber nebenbei auch richtig gute Akustik-Elemente, denn sie verwandeln eine kahle, harte Wand in einen diffusierenden Bereich und sorgen so für eine tolle Akustik.

Wer so gut wie gar kein Geld in diese Maßnahmen stecken will und wem die Optik völlig gleichgültig ist, der greift einfach zu den Methoden von anno dazumal zurück, sprich – er hängt sich die berühmten Eierkartons oder ähnliches an die Wände oder an die Decke.
Da ist dann zwar nichts “exakt berechnet”, aber das will unser Ohr (besser unser Gehirn) auch gar nicht. Wenn die Raumakustik “natürlich” ist, und das ist sie immer, wenn sie so ist wie sie eben in vielen Räume ist, dann ist das schon in Ordnung.

Wer Lust hat, mit solchen Dingen zu experimentieren, muss sich vor Augen führen, dass es auf die „gesunde Mischung“ ankommt. Weder wollen wir den Schall totschlagen, so dass alles wie „eingeschlafene Füße“ klingt, noch wollen wir dem Schall die Chance geben, sich nach jeder Reflektion lauter aufzubauen. Ein Triangel (es heißt „der Triangel!)“ muss frei und auch ein wenig grell schwingen können. Das muss auch mal im Ohr weh tun dürfen.
Ein rollender Bass muss auch mal unseren ganzen Raum füllen. Wenn der Künstler das so gewollt hat.

Wer solche Extreme verhindern will, obwohl sie der Aufnahme entsprechen, der muss sich vor Augen führen, dass er dann auch auf alle anderen Schallereignisse Einfluss nimmt, was im Endeffekt zu einer recht seltsamen Wiedergabe führt.
Also – ganz klar – was aufgenommen wurde  – das muss auch wiedergegeben werden dürfen.

Kann der Raum das im Original nicht verkraften – sollte man nicht nur darüber nachdenken, den Raum mit Spezial-Elementen zu optimieren, sondern vielleicht auch darüber, einfach zu kleineren Lautsprechern zu greifen. Ganz bestimmt werden die Probleme dadurch auch kleiner werden!

Zum Ende dieses Berichts:
Wenn Sie mit Freunden aktiv Musik machen, dann werden Sie feststellen, dass manche Instrumente für den Proberaum in bestimmten Frequenzen einfach zu viel Schallenergie erzeugen. Das kann bei einem Schlagzeug z.B. nur auf eine einzelne Hänge- oder Stand-Tom zutreffen. Dann bleibt einem gar nichts anderes übrig, als den Raum zu optimieren. Doch zunächst einmal wird der Schlagzeuger versuchen, diese eine Tom zu bedämpfen. Erst wenn sie dann nicht mehr so klingt wie sie eigentlich klingen soll, muss er doch daran gehen,  den Raum zu optimieren.
In unseren Wohnzimmern ist das anders. Wir können nicht einzelne Instrumente bedämpfen und wollen uns auch nicht auf eine bestimmte Musik festlegen. Wir wollen alles hören.
Also müssen wir dafür sorgen, dass alle Frequenzen sauber und harmonisch zueinander aufgebaut werden können.

Und doch sollten wir wie der Schlagzeuger beim Instrument, also beim Lautsprecher, beginnen. Testen Sie immer (!) vor einem Kauf, ob die Energie, die von einem Lautsprecher ausgeht – ob die überhaupt in ihren Hörraum passt. Und wenn das nicht der Fall sein sollte, dann sollten Sie vernünftig genug sein, “sich nur ein oder zwei Stücke zu bestellen” und nicht die ganze Torte.
Denn mit der Torte und der Schallenergie verhält es sich absolut gleich:
Ganz ohne ist blöd – aber zu viel macht hinterher Probleme.

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

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