Netzteile – Klang-Garanten ohne Anerkennung

Netzteile – Klang-Garanten ohne Anerkennung

Netzteile – Klang-Garanten ohne Anerkennung

Netzteile – Klang-Garanten ohne Anerkennung.
Mit diesem Bericht will ich Ihnen die Bedeutung dieser wichtigen Bausteine ein wenig näher bringen.

Netzstrom

Unser Energielieferant versorgt uns hier in Deutschland mit 230 Volt Wechselstrom. Doch kaum ein Elektrogerät funktioniert tatsächlich mit diesem Wert. Oft reichen schon 12V oder 15V, um das eigentliche Gerät damit zu betreiben.  Also müssen wir den Strom auf diese geringeren Werte herunter-transformieren.

Wir brauchen einen Trafo (Transformator)

Um von 230V auf diese niedrigere Spannung zu kommen, brauchen wir so einen Trafo.
Das sind zwei Spulen auf einem Eisenkern. Fließen die 230V durch die eine Spule, wird auch eine Spannung in der zweiten Spule erzeugt. Der dabei entstehende Wert ist abhängig von der Anzahl der Wicklungen, die diese Spule hat. Je nachdem, wie oft wir also unseren Draht um den Eisenkern wickeln, erhalten wir am Ende 12V, 15V oder irgend einen anderen Wert, den wir benötigen.

Es war einmal …

Doch dieses Verfahren findet man heute nur noch selten. Es hatte nämlich den gravierenden Nachteil, auch dann Strom zu verbrauchen, wenn die angeschlossenen Geräte gar nicht benutzt wurden.

Schaltnetzteile – die optimale Lösung!?

Abhilfe schaffen, sollten und konnten die so genannten Schaltnetzteile. Durch entsprechende Standardisierung (auch wenn uns das völlig anders erscheint) und durch die hohen gefertigten Stückzahlen konnten die Kosten für diese Netzteile erheblich gesenkt werden. Und sie haben zudem den Vorteil, kaum Strom zu verschwenden, was ja schon mal toll ist und unser schlechtes Umweltgewissen beruhigt.
Allerdings sind so einige Leutchen mit diesen einfachen Schaltnetzteilen überhaupt nicht zufrieden.

Miese Qualität

Wenn ein Einkaufspreis von 1,50 € immer noch gedrückt werden muss, dann muss man sich nicht wundern, wenn diese Teile schon verschmoren, bevor das Elektrogerät überhaupt in Betrieb genommen werden konnte. (Habe ich selbst bei einem Scanner erlebt)

Die Leistung bricht in sich zusammen

Messen wir die Ausgangswerte während kein Gerät angeschlossen ist, scheint alles in Ordnung zu sein. Doch das ändert sich nicht selten, sobald das zu betreibende Gerät diese Leistung einfordert. Manchmal ist das nicht so schlimm, wenn z.B. eine kleine Lampe nicht ganz so hell leuchtet wie sie es könnte, aber manchmal merken wir das doch, weil die Maschine dann instabil läuft und keine rechte Kraft entwickeln kann.
Und wieder ein anderes mal klingt es einfach nur nicht so gut und kein Mensch kommt auf die Idee, dass das Netzteil der Schuldige sein könnte.

Schlechtes Netzteil – schlechter Klang

Betreiben wir ein HiFi-Gerät mit so einem instabilen Netzteil, dann kann das schon mal schnell für einen richtig schlechten Klang sorgen. Um ein Orchesterwerk oder einen dynamischen Rock-Song mit all seiner Dynamik reproduzieren zu können, ist mal weniger und mal mehr Strom erforderlich. Das Netzteil muss in den leisen Passagen für „Ruhe“ im Klangbild sorgen und in den lauten eben entsprechend schnell und viel Strom liefern können.

Ohne Input kein Output

Bricht die Stromversorgung ein, kann die Komponente nicht optimal funktionieren. Aus einem mitreißenden, dynamischen Musikstück wird dann ein langweilig dahinplätscherndes Etwas.

Die Reinheit des Klangs

Doch das ist nicht das einzige Problem dieser Standard-Netzteile. Das zweite Problem ist, dass sie funktionsbedingt selbst Störungen erzeugen und diese in unser Stromnetz einspeisen. Diese Störungen mögen sich nach den ersten Metern durch unsere Leitungen mit all dem anderen „Elektromüll“ vermischen und dann für sich gar nicht mehr auffallen, aber steckt so ein Billig-Netzteil in der Verteilerleiste unserer Stereoanlage – weil es z.B. zu einem Plattenspieler, einem Internetradio oder gar einer Halogenlampe gehört – dann sollten wir schnell damit aufhören, unser Geld in bessere Komponenten zu stecken und stattdessen erst einmal diesen Störer beseitigen.

Musikgeräte „funktionieren“ nicht nur mit Strom, sie arbeiten mit Strom!

Es besteht ein gravierender Unterschied zwischen Geräten, die Strom einfach nur dafür brauchen, um zu funktionieren, also z.B. sich zu drehen oder zu leuchten …
und Geräten, die aus Strom Musik entstehen lassen.

Es ist ganz wichtig – dass Sie diesen Unterschied begreifen!

Musikgeräte brauchen nicht nur Strom, damit man sie einschalten kann.
Musik-Komponenten arbeiten mit Strom als „Ausgangs-Material“.
Musikgeräte verarbeiten Strom wie ein Töpfer Ton verarbeitet, wie ein Maler Farbe verarbeitet.

Musikgeräte erhalten die Musik-Informationen in Form von Stromsignalen. Sie lesen die Musik aus dem Strom heraus, verstärken die erkannten Signale, wandeln sie um und leiten sie wieder als Stromsignale an die nachfolgenden Geräte weiter.

Störungen sind auch Signale!

Und ihre Werte liegen manchmal im gleichen Bereich, wie die Musiksignale selbst.
Wie soll die nachfolgende Komponente nur „wissen“, was von den ankommenden „Signalen“ Musik ist und was Störungen sind?

Eine intelligente Komponente, die das unterscheiden kann, die gibt es noch nicht.
Unsere Aufgabe liegt also darin, die Störungen gar nicht erst zu erzeugen oder sie nicht zu unserer Stereoanlage durchdringen zu lassen.

Filter als Lösung?

Filter sind eine mögliche und beliebte Vorgehensweise. Zu diesem Thema lesen Sie bitte an anderer Stelle in diesem Buch weiter. (Artikel noch nicht online)

Leistungsfähige, stabile und „saubere“ Netzteile

Die so genannten audiophilen Netzteile kommen gerade in „Mode“. Doch neu – sind sie ganz und gar nicht.

Wären Sie bereit, sich ein Gerät für 250,- € zu kaufen und für das benötigte Netzteil 2.750,- € zu bezahlen? Niemals, oder?
Und was ist, wenn ich Ihnen sage, dass Sie das möglicherweise schon längst getan haben!?
Lassen Sie mich die Tiefe dieses Themas mal an einem recht beeindruckenden Beispiel erläutern.

Extrem-Beispiel aus der Realität

In den 80-er und 90-ger Jahren handelte ich mit den Geräten einer teuren amerikanischen Marke und da gab es Mono-Verstärker (von denen man also zwei Stück brauchte) mit sehr imposantem Erscheinungsbild.
Fast 60 cm hoch, 50 cm tief, 30 cm breit und mit einem Versandgewicht von gut 100 kg.
Zu dieser Zeit haben sie rund 60.000,- DM pro Paar gekostet.

Sie hätten damals mal dabei sein sollen, wenn der Cheftechniker des deutschen Vertriebs eine kleine Platine (etwa 15 x 15 cm) aus einer der Endstufen zog und erklärte, dass das jetzt die  „Audio-Platine“ sei.
Wer dann erstaunt auf diese „Heizkörper“ schaute und fragte, was denn dann der Rest sei, bekam  zur Antwort: „Der Rest ist das Netzteil. Es kümmert sich darum, den Strom stabil und sauber zu machen.“.

Natürlich stimmte das nicht so zu Hundert Prozent, aber es traf die Aussage sehr genau, die ich hier gerne tätigen möchte.

Zwei Netzteile für 55.000,- DM

Wenn wir nämlich mal dieser „Audio-Platine“ unterstellen, vom Allerfeinsten gewesen zu sein und einen Gegenwert von 2.500,- DM/Stück besessen zu haben, blieben also 55.000,- DM übrig, die in „die beiden Netzteile“ geflossen sind.

So darf man das nicht sehen!?

Natürlich konnte man die Teile nicht getrennt voneinander kaufen und auch nicht betreiben. Das alles war eben “ein Gerät” und niemand kam auf die Idee, die Bausteine getrennt zu betrachten.

Um Verständnis werben

Ich möchte mit dieser kleinen Geschichte auch lediglich erreichen, dass Sie mehr Verständnis für die Bedeutung von Netzteilen aufbringen.

Das Denken ist uns Menschen manchmal ganz schön im Weg.

Während ein Netzteil im gleichen Gehäuse kosten darf was es will und muss, sollte ein Netzteil im getrennten Gehäuse nach der Meinung vieler mit 10,- € doch gut bezahlt sein, oder?

Was sollte ich als Musikliebhaber tun?

Erster Schritt:

Verbannen Sie alle Netzteile, die Sie für die Stereo-Anlage nicht zwingend benötigen, aus der Nähe der Anlage. Ihre Plattenspielerbeleuchtung mag ja noch so stylisch aussehen – wenn sie aber über so ein billiges Schaltnetzteil (intern oder extern) betrieben wird, ist das nicht gut!
Also alles, was an Netzteilen nicht unbedingt benötigt wird, das muss ganz weit weg von der Stereo-Anlage betrieben werden – wenn überhaupt.

Zweiter Schritt:

Bei den Geräten, die sie weiter betreiben möchten/müssen, ersetzen Sie diese kleinen Standard-Netzteile durch spezielle Netzteile, die aus audiophiler Sicht entwickelt wurden. Hierbei geht es zwar primär darum, die mit diesen Netzteilen betriebenen Geräte klanglich zu verbessern, aber das Ziel, mit einem besseren Netzteil keine oder weniger Störungen zu erzeugen ist nicht weniger von Bedeutung.

Und was nimmt man da nun?

Ein paar Beispiele für gute Netzteile und deren klangliche Auswirkungen finden Sie in meinem aktuellen Netzteile-Vergleichsbericht.

Zum Netzteil-Hörbericht.

1.2.5 Seitlich abstrahlende Chassis

1.2.5 Seitlich abstrahlende Chassis

1.2.5 Seitlich abstrahlende Chassis

Der Beitrag “1.2.5 Seitlich abstrahlende Chassis” befasst sich mit der Frage nach dem Sinn solcher Lautsprecherkonstruktionen.

Wer die Artikel zum Thema „Setup“ bis hier gelesen hat, der wird wohl bereits eine Vermutung darüber anstellen, wieso manche Boxenentwickler auf die Idee kommen, in ihre Lautsprecher seitlich abstrahlende Chassis einzubauen.
„Ganz klar, um die Musik nicht nur im Stereodreieck gut klingen zu lassen, sondern im gesamten Wohnzimmer!“

Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit!
Wenn das denn überhaupt die Motivation des Herstellers gewesen ist. Tatsächlich lassen sich manche Entwickler aber von einer ganz anderen Feststellung leiten.

Schallausbreitung

Timpano rundum

Timpano rundum

Schauen wir uns mal die Zeichnung an, auf der ich ein Timpano (Kesselpauke)  abgebildet habe. (Der Begriff kommt aus dem Italienischen und  es heißt „ein Timpano“, aber  „zwei Timpani“, eben genau so wie beim Cappuccino)

Im Konzertsaal breiten sich die Schallwellen der Kesselpauke „kugelförmig“ – also in alle Richtungen aus.
Um es nicht unnötig kompliziert zu machen, beschränke ich mich in diesem Bericht aber auf die horizontale Ausbreitung und die sieht in etwa so aus, wie wir das beobachten können, wenn wir einen Stein ins Wasser fallen lassen.

Diese Rundum-Schallausbreitung wird von unserem Ohr und noch viel mehr von unserem Gehirn als „natürlich“ empfunden. Zumindest bei der Pauke. Bei einem Blasinstrument sieht das anders aus, denn das hat ja i.d.R. einen Trichter, der die Schallwellen ähnlich wie ein Lautsprecher  „gerichtet“ abstrahlt.

Zurück zur Pauke.

Timpano

Timpano

Schauen wir uns auf der zweiten Abbildung mal an, wie der Klang eines Timpano von unserem Lautsprecher abgestrahlt wird. Sicher, an unserem Hörplatz treffen uns seine Schallwellen auf direktem Wege, aber dennoch fehlt unserem Gehirn da etwas.
Es weiß einfach aus der Erfahrung heraus, dass sich solch ein Ton in unserem Wohnraum auch zur Seite und nach hinten ausdehnen würde.
Zwar bekommt es eine Information darüber, wie sich der Ton im Aufnahmeraum, also im Konzertsaal ausgedehnt hat, aber unser Gehirn gibt sich damit allein nicht zufrieden.
Wenn die Wiedergabe so realistisch ist, dass unser Gehirn glaubt, eine echte Pauke zu hören, dann erwartet es logischerweise, dass sich ein solcher Ton auch in unserem Wohnraum (!!) „rundum“ und damit eben auch nach hinten und zu den Seiten ausdehnt.

Bei einem nur nach vorne abstrahlenden Lautsprecher fehlt uns nun also die Information darüber, wie sich der Schall in unserem Hörraum zur Seite und nach hinten ausgedehnt hätte. Diese Information muss fehlen, weil diese Ausdehnung ja auch gar nicht stattgefunden hat.
Und genau deshalb meldet sich unser Gehirn an dieser Stelle und sagt uns:  „Da stimmt was nicht!“.

Rundumstrahler – die Lösung?

Die Lösung des Problems scheint also recht einfach zu sein. Mit zusätzlichen Chassis zur Seite und nach hinten bekommt ja unser Gehirn nun wieder diese Informationen, die es braucht, um etwas als “natürlich” zu empfinden.
Aber wie „sehen die denn aus“? Oder passender gefragt:
Wie hören die sich denn an?
Haben wir nicht schon kurz hinter den Boxen unsere Wand? Stehen da nicht neben den Boxen noch Schränke oder Regale? Sind dadurch nicht Nischen entstanden?
Es handelt sich zwar “nur” um die Reflektionen, die wir wahrnehmen, aber gut klingen tun die nicht gerade!
In aller Regel sind die dumpf, dröhnend und wummerig.
Einen Lautsprecher in solch eine Nische hineinstrahlen zu lassen, ist also sicher keine so gute Idee. Den Beweis dafür liefern uns die so weit verbreiteten Bassreflexboxen, deren Bassreflexöffnungen i.d.R. nach hinten zeigen. Und eine Bassreflexöffnung ist im Grunde genommen ja nichts anderes, als ein “masseloses Chassis”.
Ich will hier nicht falsch verstanden werden – viele ganz hervorragende Lautsprecher besitzen solche Bassreflexöffnungen. Aber leider wird das bei der Aufstellung nicht immer entsprechend berücksichtigt, weshalb ich diesen Beitrag verfasst habe.

Fazit
Seitlich abstrahlende Chassis sind in der Regel ein Beleg dafür, dass der Entwickler ein sehr natürlich wirkendes Klangbild erreichen will. Zu seiner Zielgruppe gehören die Kunden, die das anerkennen und dazu bereit sind, die Wohnung so einzurichten, dass seine Bemühungen auch zur Geltung kommen.
Sollten Sie bei Ihrer Einrichtung weniger flexibel sein, sind Lautsprecher, die nur nach vorne strahlen sicher die bessere Wahl. Und gibt es die von mir beschriebenen Nischen, dann sollten Sie am besten auch zu einer Box greifen, die noch nicht einmal eine Bassreflexöffnung an der Rückseite hat.

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

1.2.4 Gerade oder angewinkelt?

1.2.4 Gerade oder angewinkelt?

1.2.4 Gerade oder angewinkelt?

Bei der Beantwortung der Frage in der Überschrift zu “1.2.4 Gerade oder angewinkelt?” ,  geht es keineswegs um eine „Weltanschauung“ oder „Geschmacksache“, sondern diese Frage muss Ihnen der Hersteller der Lautsprecher beantworten.
Er legt die Abstimmung seiner Lautsprecher fest und daraus ergibt sich, ob die Boxen parallel zueinander stehen müssen oder eben angewinkelt.
Schauen wir uns zunächst einmal an, mit welch einem „Streuwinkel“ konventionelle Chassis in einem Lautsprecher ihre Schallwellen ausstrahlen.

Abstrahlwinkel

Abstrahlwinkel

Die Zeichnung zeigt in grüner Farbe den ungefähren Abstrahlwinkel eines Bass-Chassis. Der genaue Grad des Winkels ist abhängig von der Frequenz.
Wir sehen deutlich, dass ein Tieftonchassis einen sehr großen Abstrahlwinkel erreicht. Hieraus ergibt sich die Tatsache, dass wir an unserem Hörplatz mit großer Wahrscheinlichkeit im Bassbereich vom Direktschall beider Boxen „getroffen“ werden, und das so ziemlich unabhängig davon, ob sie gerade oder angewinkelt stehen.

Der Abstrahlwinkel des Mitteltöners (blaue Linien) ist schon kleiner und der des Hochtöners (rote Linien) gleicht dem einer Taschenlampe oder eines Spot-Lichtes.
Leicht erkennen wir, dass uns die beiden Hochtöner bei einer parallelen Aufstellung der Lautsprecher mit ihrem Direktschall nicht erreichen können.
Ganz einfach ausgedrückt bedeutet das für uns, dass wir den Tieftonbereich laut, die Mitten etwas leiser und die Höhen deutlich leiser hören.
Das wollen weder wir noch der Entwickler der Lautsprecher, weshalb sich ihm jetzt zwei Lösungsmöglichkeiten anbieten.

Einfach anwinkeln

Die erste ist, dass er für eine “gleich laute” Wiedergabe in allen Bereichen sorgt und uns dann empfiehlt, die Lautsprecher anzuwinkeln. Damit strahlen dann alle Chassis genau in unsere Richtung und alle Bereiche sind gleich laut.

Unterschiedliche Pegel

Die zweite Lösung liegt darin, dass er den Mittenton etwas lauter und den Hochtonbereich noch lauter abstimmt als den Bass. Dadurch strahlt der Hochtöner zwar bei einer geraden Aufstellung immer noch an unseren Ohren vorbei. Da er aber lauter ist, stimmt das Verhältnis zwischen Bass, Mitten und Höhen an unserem Hörplatz dann wieder.

Natürlich kann sich ein Boxenbauer auch für einen Mittelweg entscheiden und seinen Kunden dann „ein leichtes Anwinkeln“ empfehlen, aber wichtig ist – so oder so – dass er es seinen Kunden mitteilt, damit die nicht erst lange herumexperimentieren müssen.

Und was ist nun die “bessere” Lösung?

Die Theorie spricht dafür, dass angewinkelte Lautsprecher leichter zu handhaben sind. Alle Schallanteile erreichen uns auf direktem Wege und die Wohnung hat dadurch eine deutlich kleinere Chance, sich in das Klanggeschehen “einzumischen”.
Wer bereit ist, sich genau in das „Stereodreieck“ zu setzen, der wird bei dieser Lösung auch recht schnell zu einem guten Klangbild und einer ebenso überzeugenden dreidimensionalen Abbildung gelangen.
Der Nachteil dieser Lösung ist, dass manchmal die Raumbeschallung darunter leidet und jeder, der sich nicht am vorgegebenen Hörplatz befindet, den Klang als „dünn“ und „farblos“ empfindet.
Das muss nicht so sein, aber leider ist das manchmal so.
Das Gegenteil kann passieren, wenn der Entwickler sich für die Lösung mit den parallel stehenden Boxen entschieden hat und die Hochtonanteile entsprechend anhebt. Wer hier dann zufällig im Abstrahlwinkel eines Hochtöners sitzt, der hört alles andere als ein ausgewogenes Klangbild, denn die Höhen sind an diesem Platz einfach zu laut.
Außerdem kann es bei parallel aufzustellenden Boxen passieren, dass die Reflektionen von den Seiten- und der Rückwand in einem Raum mit viel Hall auch einen zu hohen Hochtonanteil besitzen.

Die Hersteller legen sich fest und wir suchen uns das passende heraus

Die Tatsache, dass jeder Hersteller so ein klein wenig seinen eigenen Weg geht, schenkt uns als Käufer nicht nur die Qual der Wahl, sondern auch die tolle Möglichkeit, uns einen Lautsprecher auszusuchen, der am besten zu unserem Wohnraum passt.

Leider wird dieser Aspekt in der Praxis viel zu wenig berücksichtigt. Der Glaube daran, dass es in der für uns passenden Preisklasse einen “absoluten Testsieger” gibt, der alle anderen Mitbewerber im hohen Bogen aus dem Rennen wirft, der ist einfach viel zu stark.
Und das Vertrauen in die eigenen Ohren leider viel zu schwach. Dabei müsste man es einfach nur mal versuchen!
Ich weiß, dass Sie es können!

 

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

1.2.3 Das Stereodreieck, nicht immer das Optimum

1.2.3 Das Stereodreieck – nicht immer das Optimum

1.2.3 Das Stereodreieck – nicht immer das Optimum

Die Überschrift dieses Artikels lautet „Das Stereodreieck, nicht immer das Optimum“ und wird damit den einen oder anderen Leser dieser Reihe vermutlich überraschen.
Und doch muss man die Frage stellen dürfen:
Ist das Stereodreieck nun das „Maß aller Dinge“ oder nicht?
Die Antwort lautet:
Für den einen ja – für den anderen nicht.

Für eine korrekte dreidimensionale Abbildung brauchen wir das Stereodreieck

Eines steht allerdings fest:
Wer dreidimensional in das Klanggeschehen hinein hören will, kommt nicht umhin, sich an das Stereodreieck zu halten.
Im Tonstudio sitzt der Tonmeister in so einem Stereodreieck und hat mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar die Boxen zu sich angewinkelt. So kann er am besten hören, ob er die Akteure richtig positioniert hat oder ob er noch etwas nachbessern muss.
Zuhause können wir zwar an der Aufnahme nichts mehr verändern, aber wir können uns darüber freuen, wenn der Tonmeister seine Aufgabe zu unserer Zufriedenheit erfüllt hat.
Das gelingt uns allerdings nur dann, wenn wir uns ebenfalls wieder „genau ins Stereodreieck“ setzen, es also dem Tonmeister gleich tun.

Das gefällt aber nicht jedem gleich gut.
Was dem einen großes Vergnügen bereitet, missfällt einem anderen, weil er sich nicht an einen einzelnen Sitzplatz binden lassen will. Ihm gefällt es vielmehr, wenn er sich „auch mal woanders“ hinsetzen kann und die Musik trotzdem noch gut klingt.
An beiden Vorlieben ist überhaupt nichts auszusetzen, nur sollte man sich über seine Wünsche im Klaren sein, bevor man auf die Suche nach seinem nächsten Lautsprecher geht.
Wer den Markt einmal zielgerichtet prüft, findet folgende Arten an Lösungen:

(Abhör-) Monitore

Monitoraufstellung

Monitoraufstellung

Wie der Name es bereits verrät, finden solche Lautsprecher in der Regel im Tonstudio Verwendung. Allerdings haben sie längst ihre Anhänger auch unter den HiFi-Freaks gefunden.
Bei diesen Lautsprechern ist es zwingende Voraussetzung, dass wir uns genau im Stereodreieck befinden und oft müssen wir die Boxen auch genau auf uns ausrichten, also anwinkeln.
Manchmal reicht es dann leider schon, unsere Kopfposition nur um wenige Zentimeter zu verändern, um die dreidimensionale Abbildung erheblich zu stören.

Mit dieser Art von Lautsprechern macht es leider auch keinen großen Spaß, die Musik außerhalb des Stereodreiecks zu hören. Die Höhen sind weg und vom Klangvolumen ist auch nicht mehr viel übrig geblieben. Sitzt man also z.B. etwas entfernt am Esstisch, klingen diese Boxen ziemlich „kraft- und farblos“ und machen dort deshalb wenig Freude.
Monitor-Lautsprecher sind die idealen Begleiter eines einzelnen Hörers, der sich einen Lieblings-Hörplatz wählt und dort beim Musikhören die Augen schließt, um sich „in das Klanggeschehen hinein versetzen zu lassen“. Sie sind jedoch nicht die erste Wahl, wenn ein kompletter Wohnraum beschallt werden soll.

Wohnungslautsprecher

Wohnraumlautsprecher

Wohnraumlautsprecher

Zu dieser Gruppe gehören wohl die meisten Lautsprecher, die der Markt uns bietet.
Doch beim Hörtest trennt sich schnell die Spreu vom Weizen und es zeigt sich, wieso es sich manchmal lohnt, ein paar Euro mehr auszugeben.

Das grundsätzliche Ziel dieser Boxenbauer ist die Entwicklung eines Allrounders. Allerdings verteilt jeder Entwickler seine Schwerpunkte etwas unterschiedlich, weshalb Sie prüfen sollten, ob ein Lautsprecher zu Ihren Wünschen passt.

Käufer, die sich gerne ins Stereodreieck setzen mögen, sollen bei dieser Lautsprecherart mit einer tollen, dreidimensionalen Darstellung des Klanggeschehens belohnt werden. Wer sich lieber außerhalb des Stereodreiecks bewegen will, soll immer noch ein harmonisches und volles Klangbild genießen können. Manchem Entwickler gelingt es sogar, auch noch eine räumlich wirkende Wiedergabe hinzubekommen, obwohl sich der Hörer außerhalb des Stereodreiecks aufhält. In der Abbildung sehen Sie als Beispiel einen Lautsprecher, der im Stereodreieck (grünes Dreieck) mit einer tollen dreidimensionalen Wiedergabe überzeugt, gleichzeitig aber auch einen großen Teil des Raumes (rot umrandete Fläche)  immer noch mit einer räumlich wirkenden Wiedergabe verwöhnt. Darüber hinaus verliert sich dann der räumliche Eindruck.
Diese Boxenart ist dann ideal, wenn sich mehrere Personen im Raum befinden, die alle „gut Musik hören wollen“ und andererseits einzelne Personen sich zwischendurch immer mal wieder die Zeit dafür nehmen, um am „besten Hörplatz“ die Musiker „beobachten“ zu können.

Raumfüllend wiedergebende Lautsprecher

Raumfüller

Raumfüller

Völlig unabhängig vom Stereodreieck arbeiten Lautsprecher, die sich die raumfüllende Wiedergabe auf die Fahne geschrieben haben.
Der Schwerpunkt liegt hier darauf, im gesamten beschallten Raum eine harmonische „Mischung“ aus Bass, Mitten und Höhen zu erzeugen. Oft arbeitet man dazu mit Rundumstrahlern oder Chassis, die in verschiedene Richtungen abstrahlen und eben nicht nur nach vorne.
Das Ergebnis ist „ein ganzer Raum voller Musik“.

Der Nachteil ist die eingeschränkte, wenn überhaupt vorhandene Ortbarkeit.
Instrumente klingen diffus von „überall“ her. Ihre Größe oder ihre Position zu bestimmen, ist nur bedingt möglich. Nicht einmal im Stereodreieck, denn das gibt es bei diesen Lautsprechern nicht. Die blau umrandete Fläche wird in dem Einrichtungsbeispiel überwiegend vom rechten Lautsprecher versorgt, die rot umrandete Fläche vom linken. Zwar ergibt sich in der Mitte ein Feld, das von beiden Boxen gut erreicht wird, aber selbst dort entsteht keine gute Ortbarkeit und auch keine reale Dreidimensionalität.

Diese Boxen sind dann die erste Wahl, wenn man sich nicht beim Musikhören auf einen bestimmten Sitzplatz fixieren lassen will.

Spezial-Lautsprecher

Manche Forderungen können nur mit Spezial-Kostruktionen erfüllt werden. Das fängt beim Subwoofer an, geht über die Zusatzlautsprecher eines Surroundsound-Systems weiter und endet nicht einmal bei Wandeinbauboxen oder Outdoor-Lautsprechern.
Sie passen nicht zum Thema dieses Berichts und ich habe sie hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Zusammenfassung:
Das Stereodreieck ist die Eintrittskarte zu einer realistischen, dreidimensionalen Abbildung eines musikalischen Geschehens. Diese Eintrittskarte gibt es aber eben nur mit den geeigneten Lautsprechern und meistens auch nur für einen einzelnen Hörer, Weitere Hörer müssen mit den „billigen Plätzen“ vorlieb nehmen. Wer sich damit nicht abfinden will und sich auch nicht „vorschreiben“ lassen will, wo er zu sitzen hat, kommt wohl mit anderen Lautsprecherkonzepten besser zurecht.

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

1.2.2 Abstand der Lautsprecher zueinander

1.2.2. Abstand der Lautsprecher zueinander

1.2.2. Abstand der Lautsprecher zueinander

Im Teil 1.2.2 Abstand der Lautsprecher zueinander, erfahren Sie etwas darüber, wieso es nicht gleichgültig ist, wie weit Sie die Boxen voneinander entfernt aufstellen.

Gibt es für den Abstand der Boxen zueinander eine feste Regel?

Das Stereodreieck

Das Stereodreieck

Wie groß der Abstand zwischen den Lautsprechern sein sollte, wird uns in der Regel vom Hersteller vorgegeben.
Zwar ergibt sich der Abstand (die Linie A) in der Regel einfach dadurch, dass wir den Abstand zwischen unserem Hörplatz und der Linie A (also die Linie B) messen und danach die Länge der Linie A festlegen (A ist gleich B), aber es gibt auch Lautsprecher, die lieber etwas enger zusammenstehen möchten und andere, die dann am natürlichsten abbilden, wenn sie sehr weit voneinander entfernt aufgestellt werden. Das “klassische Stereodreieck”, bei der die Höhe des Dreiecks seiner Grundlinie entspricht, wird dadurch zwar etwas verzerrt, aber am Ende zählt eben doch immer noch das Ergebnis.
Die wichtigste Forderung lautet nun einmal, dass das Klanggeschehen authentisch wiedergegeben wird.

 

In den Abbildungen 1 bis 3 sehen wir voneinander abweichende Boxenaufstellungen, die aber alle zur gleichen Darstellung des musikalischen Geschehens führen.

1_Standard-Abbildung

1_Standard-Abbildung

Zur Abbildung 1:
Wir sehen die Standard-Aufstellung, die hier zu einer Standard-Darstellung führt. Wir hören links die Gitarre, in der Mitte den Bass, dahinter das Schlagzeug und rechts das Saxophon. Die Boxen bilden hierbei nicht die “Torpfosten”, zwischen denen sich das Klangbild abspielt, sondern die Darstellung geht durchaus auch links neben dem linken und rechts neben dem rechten Lautsprecher noch weiter.

2_Extrabreite Boxenaufstellung

2_Extrabreite Boxenaufstellung

 

In der Abbildung rechts stehen die Lautsprecher sehr weit voneinander entfernt. Dadurch bilden sie jetzt die “Torpfosten”, zwischen denen sich alles darstellt. Dennoch ergibt sich die identische Abbildung des musikalischen Geschehens wie in Abbildung 1.

3_Sehr enge Boxenaufstellung

3_Sehr enge Boxenaufstellung

In der dritten Abbildung (links) stehen die Boxen extrem eng zusammen und dennoch wird auch in diesem Beispiel das Klanggeschehen absolut identisch zu den Abbildungen 1 und 2 dargestellt. Trotz unterschiedlicher Aufstellung ist das Ergebnis bei allen drei Varianten immer das selbe.
Dies liegt einfach daran, dass hier die Hersteller unterschiedliche Wege gegangen sind, um das gleiche Ziel zu erreichen.

 

4_Zu wenig Breitenstaffelung

4_Zu wenig Breitenstaffelung

Was geschieht, wenn die Boxen mit zu wenig Abstand zueinander aufgestellt werden, das verdeutlicht die Abbildung 4. Alle Musiker „knubbeln“ sich in der Mitte. Die Gitarre ist nicht mehr links vom linken Lautsprecher, das Saxophon nicht mehr rechts vom rechten Lautsprecher, sondern alles spielt sich in der Mitte zwischen den Boxen ab. Keiner der Musiker hat den Raum, den er braucht, um sein Instrument spielen zu können. Wer eine solche Wiedergabe mag, der sollte sich besser nach guten Mono-Anlagen  und -Aufnahmen umschauen.

 

 

5_Übertriebene Breitenstaffelung

5_Übertriebene Breitenstaffelung

Stehen die Boxen jedoch zu weit auseinander, wird auch das Klangbild auseinander gezogen. Das Schlagzeug ist nun so groß, dass der Drummer drei Meter lange Arme braucht, um an alle Toms und Becken heran zu kommen. Die anderen Instrumente spielen so weit voneinander entfernt, dass die Zusammengehörigkeit verloren geht. Das kann so weit gehen, dass wir das Gefühl bekommen, jeder Musiker würde einen ganz anderen Titel spielen.

Zugegeben – so eine extrem breite Darstellung kann durchaus “beeindruckend” sein – aber auch hier muss man einfach das Ziel der High-Fidelity im Auge behalten und das lautet nicht:  “So beeindruckend wie möglich”, sondern “so realistisch wie möglich”.

Wenn ein Boxenkauf ansteht, sollten Sie sich rechtzeitig darüber informieren, wie die Lautsprecher aufgestellt werden sollten. Zum einen können Sie damit möglicherweise Einrichtungsprobleme auf einfache Art und Weise lösen. Zum anderen ist so etwas aber immer auch eine kleine “psychologische” Angelegenheit. Denn bei allen oben gezeigten Abbildungen werden Sie erkennen, dass wir etwas anderes hören als unser Auge sieht. Und das empfindet jeder ein klein wenig anders. Die zu enge Boxenaufstellung gefällt z.B. kaum jemandem. Und das vertrackte dabei: Schließen wir die Augen, hören wir das Klanggeschehen in voller Breite. Öffnen wir die Augen und sehen, wo die Boxen stehen, “schiebt unser Gehirn” plötzlich auch das Klangbild eng zusammen. Es “beschließt” einfach, dass “von so weit rechts und links gar nichts zu hören sein kann” und packt alles in die Mitte. Schließen wir die Augen – zieht es sich wieder auseinander.
So etwas muss man mögen.

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

1.2.1 Abstand der Lautsprecher von der Wand

1.2.1 Abstand der Lautsprecher von der Wand

1.2.1 Abstand der Lautsprecher von der Wand

Im Teil 1.2.1 Abstand der Lautsprecher von der Wand erfahren Sie, warum die Lautsprecher einen bestimmten Abstand zur Wand benötigen.

Wohnen ist wichtiger als Musik zu hören?

Sagen wir es doch mal – wie es ist:
Beim Einrichten des Wohnzimmers sind verschiedene Situationen zu berücksichtigen. Wo sitzt man, wenn Besuch da ist?  Wo kann man am besten fernsehen? Wo sitzt man mit den Kindern? Wo kommt der Essplatz hin?
Wenn alles seinen Platz in der Planung gefunden hat, kommt Papa mit seiner „hässlichen HiFi-Anlage“. Diese „riesigen Telefonzellen“ müssen auch noch irgendwo hin und überall liegen armdicke Kabel herum!
„Schatz, wenn Sandra in die WG gezogen ist, könntest Du doch Deine Anlage …!“.

Nein – in diesem HiFi-Handbuch löse ich keine Eheprobleme, dafür gibt es andere Bücher.

Dieser Teil der Anlagen-Setup-Reihe befasst sich mit der richtigen Aufstellung von Lautsprechern. In wieweit Sie die Vorgaben umsetzen können/dürfen 🙂 , wird hier nicht berücksichtigt.
Allerdings werde ich Ihnen auch noch Tipps dafür geben, wie man mehrere Interessen bei der Einrichtung unter einen Hut bringen kann. Eine gewisse Flexibilität erfordern sie jedoch auf jeden Fall auch.

Abstand der Lautsprecher zur Wand.

Beim Festlegen des Abstands zwischen der Box und der Wand gibt es zwei Aspekte zu berücksichtigen:

a) Die Beeinflussung von einzelnen Frequenzbereichen (vor allem die Bassanhebung) und
b) Die dreidimensionale Abbildung

a) Die Beeinflussung von einzelnen Frequenzbereichen

Hierzu sollten Sie wissen, dass sich die Bassanteile bei der Wiedergabe grundsätzlich durch eine Wand- und Bodennähe erhöhen.
Um also z.B. aus einer Regalbox das Maximum an Bass „heraus zu kitzeln“, müssten wir sie auf den Boden stellen und dann ganz in die Zimmerecke schieben.
Doch sollten wir bedenken, dass sich die Entwickler von Lautsprechern ja auch den einen oder anderen Gedanken gemacht haben.
Messtechnisch gesehen, stellt ein Abstand von 80cm zwischen der Wand und der Front (!) eines Lautsprechers eine gute Grundposition dar. Schieben wir sie dichter an die Wand oder ziehen wir sie weiter von ihr fort – wird sich im Frequenzverlauf einiges verändern. Das kann zu einer völligen Auslöschung des Bassbereiches führen, aber auch zu einer unerträglichen Anhebung.
Zwar gibt es Lautsprecher, die vom Entwickler für eine wandnahe Aufstellung optimiert wurden, aber leider bezieht sich das in der Regel dann wirklich nur auf den Frequenzverlauf und nicht auch auf unseren zweiten Punkt.

b) Die dreidimensionale Abbildung

Immer wieder erlebe ich es, dass mich Kunden „so ganz komisch ansehen“, wenn ich ihnen etwas von einer dreidimensionalen Abbildung erzähle und über eine „Raumtiefe im Klangbild“ berichte.
Wenn man dann in der Kundenwohnung entdeckt, dass die Boxen praktisch „an der Wand“ stehen, erklärt sich das von selbst.

Denn da dürfen die Boxen einfach nicht stehen.

Das Stereodreieck

Das Stereodreieck

Ich lade Sie hier zu einer Testreihe ein:

Wie weit Ihre Lautsprecher voneinander entfernt aufgestellt werden sollen, gibt der Hersteller in der Regel vor. Das ist in der Zeichnung die Linie A.
Wir messen diese Linie und ziehen dann eine zweite Linie mit der gleichen Länge von der Mitte der Linie A zu unserem Sitzplatz. Das ist dann die Linie B.
Sitzen wir zu weit weg oder zu dicht an den Boxen, korrigieren wir das jetzt. Notfalls stellen wir uns für die Testdauer einen Stuhl dahin.
Ergebnis: Wir sitzen im perfekten Stereodreieck.

Erster Testdurchlauf – Ran an die Wand!

Im ersten Teil des Tests beginnen wir mit einer extrem wandnahen Aufstellung. Die Linie C in meiner Zeichnung wird also so kurz wie möglich gehalten.
Ergebnis:
Wir hören die Musik so, als wäre unsere Wand eine Leinwand, auf der sich das Klanggeschehen zweidimensional, also „flach“ abspielen würde. Instrumente und Stimmen befinden sich in einem sehr kleinen Bereich zwischen und hinter den Boxen. Von räumlicher Tiefe kann kaum eine Rede sein.

Zweiter Testdurchlauf – So soll es sein

Für den zweiten Durchgang ziehen wir die Boxen nun auf die Grundposition, stellen sie also 80 cm von der Wand entfernt auf.
Vorausgesetzt, Ihre Komponenten sind nicht schon mit den Grundanforderungen an eine HiFi-Anlage überfordert, werden Sie nun feststellen können, dass die Instrumente und Stimmen viel weiter nach „hinten“ gerückt sind. Längst ist Ihre Wand kein Hindernis mehr für die akustische Abbildung. Sie “schauen” durch sie hindurch und sehen Musiker, die 2 bis 3 Meter oder noch viel weiter hinter (!) der Wand spielen.

Dritter Testdurchlauf – Jetzt übertreiben wir

Wenn es möglich ist (Linie A und B müssen dabei gleich lang bleiben!), dann rücken Sie jetzt mit den Boxen noch ein Stück von der Wand weg. Übertreiben Sie es ruhig, wenn der Platz vorhanden ist! Es ist ja nur ein Test!
Nun werden Sie feststellen, dass Sie eine räumliche Tiefe geboten bekommen, die Sie sonst nur in einem riesigen Theater erleben können – wenn Sie denn ganz weit hinten sitzen.
Legen Sie mal West-Side-Story auf, schließen Sie die Augen und hören Sie sich eine der Szenen an, in der die Gangs von den Polizisten mit ihren Trillerpfeifen gejagt werden!  Ich verspreche Ihnen eine Gänsehaut.

Natürlich – muss es klingen

Aber lassen Sie sich nicht dazu verlocken, das jetzt als „natürlich“ zu empfinden, nur weil es so beeindruckend ist!
Genau das ist nämlich das Problem an der High-Fidelity.
Manchmal „kann“ sie leider etwas nicht. Das ist dann schade. Aber manches macht sie auch „viel zu gut“. Das lockt uns dann, weil es uns so beeindruckt, aber die Freude währt nicht lange. Unser Gehirn entlarvt das Unnatürliche recht schnell und „irgendwas stört uns dann“.

Geduld führt zum Ziel

Bis wir herausgefunden haben, wo genau die Boxen am besten stehen, kann eine Weile vergehen. Das ist aber kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. So lange es nicht klingt, schieben wir schon freiwillig. Sobald es „recht gut“ klingt, ist es ja auch schon in Ordnung.
Und ich will nicht verschweigen, dass die Punkte a), also die saubere und korrekte Wiedergabe der Frequenzen und b) die dreidimensionale Abbildung, durchaus auch mal unterschiedliche Abstände erfordern können. Nach a) sind dann vielleicht 70 cm optimal, nach b) aber eher 90 cm. Hier gilt es dann einen Kompromiss zu finden, mit dem Sie persönlich am besten leben können.
Und spätestens dabei kann Ihnen überhaupt niemand helfen!
Denn wer könnte besser wissen, was sie bevorzugen, als Sie selbst?

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

1.2 Die Aufstellung der Lautsprecher

1.2 Die Aufstellung der Lautsprecher

1.2 Die Aufstellung der Lautsprecher

In dem Teil – 1.2 Die Aufstellung der Lautsprecher – erfahren Sie, wie wichtig es ist, die Lautsprecher an die richtige Stelle zu stellen.

Man muss es ganz deutlich sagen:
Selbst im besten aller Hörräume wird es dennoch „ganz gruselig“ klingen, wenn die Lautsprecher an der falschen Stelle stehen und im schlechtesten aller Räume lässt sich noch eine Menge retten, wenn denn nur die Boxen an der richtigen Stelle stehen dürfen.
Fragen Sie jetzt aber bitte nicht, was wichtiger ist, die Raumakustik oder die Boxenaufstellung.
Wenn man zwei Schritte braucht, um ein Ziel zu erreichen, ist jeder Schritt von gleicher Bedeutung.

Wer die bisherigen Berichte zum Anlagen-Setup gelesen hat, der weiß bereits, dass eine gute Raumakustik zwar wichtig, doch manchmal schwer zu erreichen ist.
Tatsächlich komme ich aber in der Praxis in weitaus mehr Räume, die von der Akustik her eigentlich ganz gut zu gebrauchen wären, in denen man aber leider erkennen kann, dass mindestens einer der Bewohner „die Dinger am liebsten ganz aus dem Wohnzimmer verbannen würde“.

Und ich werde noch einmal deutlich:
Nein, das wird nicht besser durch teurere Lautsprecher, die an der gleichen schlechten Stelle stehen!

Sie können sich zwischen den folgenden drei Varianten entscheiden:

  • Gut Musik zu hören ist nur ein sekundäres Ziel.
    Tipp:  Es gibt sehr günstige Anlagen, die für eine angenehme „Hintergrundbeschallung“ sorgen.
  • Gut Musik zu hören ist das (!!) primäre Ziel.
    Tipp: Das geht definitiv nur (!!) mit der richtigen Aufstellung. Keine Diskussion!
  • Gut Musik zu hören ist gleichgestellt mit dem Wunsch „schön“ zu wohnen.
    Tipp: Hier gilt es, einen Kompromiss zu finden. Ideen dazu finden Sie in den nächsten Berichten.

Um die Forderung nach einer “richtigen” Boxenaufstellung zu verstehen, will ich es am Beispiel von zwei DIA-Projektoren erläutern.

Stellen Sie sich vor, wir haben zwei Dias, die von einer 3D-Kamera stammen und nur gemeinsam ein 3D-Bild ergeben. Leider haben Sie keinen 3D-Projektor, weshalb Sie einfach zwei einzelne Projektoren verwenden.
Nun wird es für Sie logisch sein, dass sich der korrekte 3D-Eindruck nur dann einstellt, wenn die beiden Projektoren im richtigen Abstand zueinander aufgestellt sind und absolut exakt auf den gleichen Punkt auf der Leinwand ausgerichtet wurden.
Schon eine winzige Verschiebung führt zu “Doppel-” oder “Geisterbildern”. Nur dann, wenn Sie ganz genau ausgerichtet wurden, stellt sich der “Raumeindruck” ein und auch Farben und Konturen wirken tief und echt.

Und ganz genau so verhält es sich auch mit den Lautsprechern. Jeder für sich ist so zu sagen “ein Teil eines akustischen 3D-Projektors” und nur wenn beide zusammenkommen und korrekt ausgerichtet sind, entsteht auch ein realistischer 3D-Raumeindruck.

Natürlich können wir diese Aussagen und Empfehlungen “in den Wind schlagen” und die Boxen einfach “irgendwo hin” strahlen lassen. Immer noch werden sie die gleiche Musik von sich geben, aber mit einer Stereo-Wiedergabe im Wortsinne hat das nichts gemein. Wir könnten ja auch die beiden DIA-Projektoren einfach “irgendwo hin” strahlen lassen und würden genau so immer noch erkennen können, was auf den DIAs abgebildet ist. Nur eben nicht in 3D.
Wem es also völlig genügt, Musik einfach in einen Raum zu strahlen, der kann sich eine Menge Arbeit und Kosten sparen. Und das Lesen dieses HiFi-Handbuchs obendrein. 🙂

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

1.1.4 Bassfallen und andere Gemeinheiten

1.1.4 Bassfallen und andere Gemeinheiten

1.1.4 Bassfallen und andere Gemeinheiten

“Pimp my room” so lautet oftmals die Devise, auf die ich hier im Bericht 1.1.4 Bassfallen und andere Gemeinheiten ein wenig näher eingehen will.

Hat man nämlich erst einmal herausgefunden, in welchem Frequenzbereich einem der Hörraum Probleme bereitet, kann man sich entweder überlegen, mit welcher zusätzlichen Einrichtung (Bücherregal, Teppiche und so weiter) man diesem Problem zu Leibe rückt, oder man vertraut mehr in die schier unüberschaubar große Anzahl an speziellen Akustik-Elementen.
Für wirklich jeden Frequenzbereich und jedes Problem gibt es Speziallösungen.

Bassfallen sind zum Glück eine absolut unblutige Lösung, werden aber meistens mit den gleichen ablehnenden Gefühlen betrachtet. Meistens sind das rohrförmige, halbrunde oder im Profil dreieckige Elemente, die in die Zimmerecken gehören und eben nicht ganz vom Boden bis zur Decke reichen dürfen. Wichtig ist der Hohlraum, in den der Bass (so der Plan) zwar hinein- aber eben nicht wieder herausfinden soll.
Für die höheren Frequenzen nennen wir das ganze dann Helmholtz-Resonatoren (nach Hermann von Helmholtz). Das sind mehr oder weniger “hübsch” geformte Hohlkörper mit Löchern drin, gerne auch “Vogelhäuschen” genannt.

Wandelemente

Wandelemente

Wer nicht dafür sorgen muss, dass Schallenergie “vernichtet” wird, sondern wem es ausreicht, dass die reflektierten Schallwellen nicht wieder auf sich selber treffen, der kann sich mit Diffusoren befassen. Das sind diese “Setzkästen”, bei denen in manche Fächer gar nichts hinein passt. 🙂
Aber es gibt sie auch (wie im Foto von der High-End 2016 zu sehen) als “Wandelemente”.
Doch wir müssen uns bei all diesen Dingen immer eine Tatsache vor Augen führen:

Wir vernichten hier etwas, was unsere Lautsprecher erzeugt haben, unser Raum aber nicht verträgt!

Das ist so, als würden wir uns eine ganze Torte bestellen, dann nur zwei Stücke schaffen und den Rest in den Müll werfen.
Während man die Torte noch an andere weiter reichen könnte, gelingt das aber mit dem “Zuviel” an Schallenergie in unserem Wohnraum natürlich nicht.
Klüger wäre es wohl gewesen, sich von vornherein Lautsprecher zu kaufen, die nur so viel Energie erzeugen, wie der Raum verkraften kann. Das eingesparte Geld hätte man dann wunderbar dafür einsetzen können, dass man zwar kleinere, aber dafür eben “bessere” Boxen kauft. … oder eben auch den besseren Verstärker dazu.
Aber das nur nebenbei und zurück zu den Akustik-Elementen.

Viele von ihnen sehen richtig gut aus und wer sie leiden mag, der hat schnell das Mittel der Wahl gefunden.
Aber zumindest bei den Diffusoren können wir uns denken, dass wir sie auch anderweitig “selber herstellen” können. Jedes Bücher- oder Schallplattenregal ist ein wunderbarer Diffusor.
Hier ist Ihre Kreativität gefragt.
An dieser Kreativität fehlt es vielen Anbietern im High-End-Bereich ganz bestimmt nicht, die uns sündhaft teure Glöckchen, Glasplättchen, Aufkleber und was weiß ich nicht alles anbieten.

Und eines will ich überhaupt nicht leugnen – nämlich dass all diese Dinge Einfluss auf unser Klangerlebnis haben können. Vieles habe ich schon mit überraschendem Ergebnis ausprobiert und eigentlich nur deshalb nicht in mein Programm aufgenommen, weil ich zu feige war.
Doch es gibt weitere Gründe.
Zum einen ist es einfach so, dass viele dieser esoterisch angehauchten Mittelchen erst dann ausprobiert werden sollten, wenn die Kette und der Raum “ausgereizt” sind – es also nichts anderes mehr zu verbessern gibt. Davon ist eine große Zahl an HiFi-Anlagen leider noch weit entfernt.
Zum anderen ist es so, dass ich mich schon manchmal darüber ärgere, wenn ich “ähnliche Dinge” (die aber für ganz andere Zwecke gedacht sind) für 20,- € kaufen kann, während die fast identischen Teile 200,- € kosten, sobald sie denn die HiFi-Freaks als Zielgruppe vor Augen haben.

Spalttechnik

Spalttechnik

Zurück zum Raum.
Was ich toll finde ist, wenn man die Schalloptimierung durch besondere Designobjekte hinbekommt. Gute Freunde von mir haben sich Elemente aus gespaltenem Holz anfertigen lassen. Diese Elemente sind zu allererst eine interessante Wandgestaltung – aber nebenbei auch richtig gute Akustik-Elemente, denn sie verwandeln eine kahle, harte Wand in einen diffusierenden Bereich und sorgen so für eine tolle Akustik.

Wer so gut wie gar kein Geld in diese Maßnahmen stecken will und wem die Optik völlig gleichgültig ist, der greift einfach zu den Methoden von anno dazumal zurück, sprich – er hängt sich die berühmten Eierkartons oder ähnliches an die Wände oder an die Decke.
Da ist dann zwar nichts “exakt berechnet”, aber das will unser Ohr (besser unser Gehirn) auch gar nicht. Wenn die Raumakustik “natürlich” ist, und das ist sie immer, wenn sie so ist wie sie eben in vielen Räume ist, dann ist das schon in Ordnung.

Wer Lust hat, mit solchen Dingen zu experimentieren, muss sich vor Augen führen, dass es auf die „gesunde Mischung“ ankommt. Weder wollen wir den Schall totschlagen, so dass alles wie „eingeschlafene Füße“ klingt, noch wollen wir dem Schall die Chance geben, sich nach jeder Reflektion lauter aufzubauen. Ein Triangel (es heißt „der Triangel!)“ muss frei und auch ein wenig grell schwingen können. Das muss auch mal im Ohr weh tun dürfen.
Ein rollender Bass muss auch mal unseren ganzen Raum füllen. Wenn der Künstler das so gewollt hat.

Wer solche Extreme verhindern will, obwohl sie der Aufnahme entsprechen, der muss sich vor Augen führen, dass er dann auch auf alle anderen Schallereignisse Einfluss nimmt, was im Endeffekt zu einer recht seltsamen Wiedergabe führt.
Also – ganz klar – was aufgenommen wurde  – das muss auch wiedergegeben werden dürfen.

Kann der Raum das im Original nicht verkraften – sollte man nicht nur darüber nachdenken, den Raum mit Spezial-Elementen zu optimieren, sondern vielleicht auch darüber, einfach zu kleineren Lautsprechern zu greifen. Ganz bestimmt werden die Probleme dadurch auch kleiner werden!

Zum Ende dieses Berichts:
Wenn Sie mit Freunden aktiv Musik machen, dann werden Sie feststellen, dass manche Instrumente für den Proberaum in bestimmten Frequenzen einfach zu viel Schallenergie erzeugen. Das kann bei einem Schlagzeug z.B. nur auf eine einzelne Hänge- oder Stand-Tom zutreffen. Dann bleibt einem gar nichts anderes übrig, als den Raum zu optimieren. Doch zunächst einmal wird der Schlagzeuger versuchen, diese eine Tom zu bedämpfen. Erst wenn sie dann nicht mehr so klingt wie sie eigentlich klingen soll, muss er doch daran gehen,  den Raum zu optimieren.
In unseren Wohnzimmern ist das anders. Wir können nicht einzelne Instrumente bedämpfen und wollen uns auch nicht auf eine bestimmte Musik festlegen. Wir wollen alles hören.
Also müssen wir dafür sorgen, dass alle Frequenzen sauber und harmonisch zueinander aufgebaut werden können.

Und doch sollten wir wie der Schlagzeuger beim Instrument, also beim Lautsprecher, beginnen. Testen Sie immer (!) vor einem Kauf, ob die Energie, die von einem Lautsprecher ausgeht – ob die überhaupt in ihren Hörraum passt. Und wenn das nicht der Fall sein sollte, dann sollten Sie vernünftig genug sein, “sich nur ein oder zwei Stücke zu bestellen” und nicht die ganze Torte.
Denn mit der Torte und der Schallenergie verhält es sich absolut gleich:
Ganz ohne ist blöd – aber zu viel macht hinterher Probleme.

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

1.1.1 Raumklang-Spezialisten

1.1.1  Raumklang-Spezialisten

1.1.1  Raumklang-Spezialisten

Manchmal kann man sich als High-Ender „ein Bein ausreißen“ – aber man kriegt das Problem doch alleine nicht gelöst, weshalb ich mich im Bericht 1.1.1 Raumklang-Spezialisten einmal mit diesen Helfern auseinandersetzen möchte.

Ausgangslage:
Der Raum lässt sich einfach nicht optimieren – wieso auch immer.
Der erste Schritt wäre dann wohl, einen guten HiFi-Händler zu bitten, sich das mal vor Ort anzuhören.
Dieser Service sollte eigentlich kostenlos sein – zumindest, wenn es sich um einen örtlich ansässigen Händler handelt.
Der Profi kann zumindest schnell erkennen, ob es „hausgemachte“ Probleme gibt, an die der Kunde selbst noch gar nicht gedacht hatte.

Einer unserer Kunden hatte z.B. mal 8 aufgerollte Teppiche hinter der Couch liegen, die er geerbt hatte.
Diese Rollen waren wunderbare Bassfallen. Nachdem wir sie ins Schlafzimmer geräumt hatten, klang es auch wieder.

Doch irgendwann ist vielleicht auch der Händler mit seinem Latein am Ende und dann helfen nur noch Spezialisten. Nur welche?

„Akustik-Bau“ – diesen Titel tragen fast alle Trockenbauer auf ihren Fahrzeugen, doch für einen echten HiFi-Freak haben sie meistens kein Verständnis.
In HiFi-Zeitschriften und im Internet wird man dann schon eher fündig.
Dann geht es darum heraus zu finden, wer die Zielgruppe dieser Spezialisten ist.

Die meisten Kunden, die diese Hilfe in Anspruch nehmen, brauchen sie bei der Einrichtung eines Heimkinos. Ein Heimkino stellt allerdings andere Ansprüche an die Fähigkeiten und Vorgehensweise dieser Spezialisten als ein Wohnraum mit einer High-End-Anlage.
Heimkino-Spezialisten legen Ihnen oftmals vor Beginn und nach Abschluss Ihrer Maßnahmen jeweils einen Messschrieb vor, wodurch man die Wirksamkeit der Maßnahmen zumindest messtechnisch belegen kann.
Das ist fürs Kino sicher prima – können wir aber beim Musikhören in unseren Wohnzimmern eher nicht gebrauchen!

Auch die Spezialisten, die sich um Aufnahme- oder Regieräume kümmern, denken anders als wir High-Ender.
Doch selbst wenn Sie endlich den Spezialisten für die high-endige Wiedergabe gefunden haben, sollten Sie daran denken, dass der nicht nur zum Messen kommt, sondern zur Beseitigung der festgestellten Probleme auch sicher gleich „Lösungen“ in Form von Akustik-Elementen mitbringt.
Diese Teile sind in der Regel teuer und optisch nicht jedermanns Sache. Bedenken Sie das, bevor (!) Sie ihn zu sich bestellen und informieren Sie sich vorab über das Angebot des Spezialisten.
Wem Preis und Optik der Elemente gleichgültig sind, weil es sich z.B. um einen reinen Hörraum handelt, der kann von diesen Spezialisten sicherlich einiges erwarten.

Doch sollten Sie so oder so – immer an den altbekannten Satz denken:  Anders ist nicht besser.

Spezialist

Spezialist

Ich habe schon Optimierungsmaßnahmen erlebt, nach denen dann im Hochtonbereich gar nichts mehr passierte. Ein Crash-Becken, das eigentlich in den gesamten rechten Bereich hinein „scheppern“ sollte – war auf einmal klein wie die Becken von so einem Aufzieh-Affen.
Riesige Konzertsäle hatten überhaupt keine Luft mehr.
Oder die Basswiedergabe war auf einmal so gedrosselt, dass unter 100 Hz nichts mehr zu hören war oder es gab keinen trockenen Bass mehr nach Art eines „Dupp“ sondern nur noch ein „Dummmhhh“.

Bevor Sie also so einen Spezialisten anfordern, forschen Sie ruhig im Internet mal nach, wie zufrieden die Kunden mit ihm sind oder fragen Sie Ihren HiFi-Händler nach einer guten Adresse.
Wie so oft im Leben gibt es da ein paar wirklich gute Leute und leider auch Trittbrettfahrer, die es einfach nur prächtig verstehen, sich mit ihrem aufwändigen Mess-Equipment eine gewisse Ehrfurcht zu verschaffen.

 

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

1.1. Klangeigenschaften von Räumen

1.1 Klangeigenschaften von Räumen

1.1 Klangeigenschaften von Räumen

Jeder Raum klingt anders. Oder besser gesagt – Töne klingen in jedem Raum anders.
Wir alle hören das.

Und in manchen Räumen klingen Töne nicht so, wie sie eigentlich klingen sollten, oder werden sogar “gestört”. Bei der Beurteilung dieser schädlichen Auswirkungen der Räume auf die Natürlichkeit des Klangs treffen wir auf die Begriffe Hall und Klangfarbe.

A) Der Hall

Es gibt große Säle, alte Wasserspeicher, Tunnel, Höhlen …
In Ihnen hören wir den Hall oder sogar das Echo sehr deutlich. Das ist “lustig” und wir Menschen können es nicht lassen, Sprüche wie „Wie heißt der Bürgermeister von Wesel?“ in den Raum zu rufen und auf den „Esel“ als Echo zu lauschen.

Aber selbst zuhause hören wir die Veränderungen der Raumakustik, wenn wir z.B. mal einen Raum leergeräumt haben, um zu tapezieren. Dann bekommt er diese typische „Waschküchenakustik“. Unsere Stimme hallt von den großen leeren Flächen zurück, wodurch sich der Direktschall mit den fast gleich lauten, reflektierten Schallwellen vermischt.

In Konzertsälen oder Kinos sorgen Spezialisten für die korrekte Akustik und selbst in vielen Büros, Restaurants oder Einkaufsläden erschaffen sie einen angenehmen „Raumsound“, denn sobald da etwas nicht stimmt, ist es vorbei mit unserer Kauflaune, Leistungsfähigkeit oder unserem Appetit. Um so erstaunlicher ist es, dass dieser Punkt bei der Einrichtung unserer Wohnungen so sehr unberücksichtigt bleibt. Oder haben Sie schon mal einen Akustiker engagiert?
Muss man auch nicht!
Denn wir merken und hören selbst, ob wir uns mit der vorhandenen Akustik wohlfühlen.

Unsere Stimme als “Lautsprecher”

Unsere Stimme ist ein “Lautsprecher”, den wir gut kennen. Zwar ist es für uns oft seltsam, unsere aufgenommene Stimme zu hören, weil wir uns selbst ja normalerweise ganz anders – eben „von innen heraus“ hören, aber den Hall unserer Stimme kennen wir sehr gut, selbst wenn er so „kurz“ oder „schnell“ ist, dass man ihn kaum noch messen kann.
Um die Akustik Ihres Raumes zu prüfen, brauchen Sie also einfach nur durch Ihren Raum zu gehen und immer wieder mal laut „Hah!“ zu rufen. Unterstützen können Sie das, indem Sie in die Hände klatschen. Dies sollten Sie vor allem in den Zimmer-Ecken tun, denn dort lauern die so unerwünschten „Knall-Echos“.

Knall-Echo (Schalldruckerhöhung)

Trifft ein Ton auf eine Wand, wird er reflektiert oder geschluckt – je nach Beschaffenheit der Wand und ihrer Oberfläche.
Ist der reflektierte Ton noch laut genug, um auch von der nächsten Wand wieder hörbar reflektiert zu werden, wandert er wieder zur nächsten Wand und wird dabei permanent leiser – bis er nicht mehr zu hören ist. Hierbei folgen die Reflektionen den physikalischen Gesetzen, sprich: „Eingangswinkel gleich Ausgangswinkel“.
Sind die Wände weit genug voneinander entfernt, ist das was wir hören, eine Raumakustik, die wir als „normal“ empfinden, denn die Töne werden kontinuierlich leiser.
Jetzt betrachten wir uns aber eine Zimmerecke mit harten, kahlen Wänden. Hier stehen sich zwei reflektierende Flächen im Winkel von 90° gegenüber. Während es im gesamten Raum eher „dem Zufall“ überlassen ist, ob eine reflektierte Schallwelle wieder genau auf die eigene Schallwelle trifft und ob dabei dann auch noch „Berg auf Berg und Tal auf Tal“ treffen, ist das bei einer stark reflektierenden Zimmer-Ecke nur eine „Frage der Zeit“.

Im Klartext: So viel wir auch die Wellenlängen berechnen und auf welche Entfernung und auf welchen Winkel wir auch im Ergebnis kommen. Dadurch, dass sich der Abstand zwischen den beiden Wänden immer mehr verringert, wird irgendeine Schallwelle (eine Frequenz) genau die passende Situation vorfinden, um den eigenen Schalldruck zu erhöhen.
Das beginnt zunächst bei den tieferen Frequenzen (die Wände sind noch weit voneinander entfernt). Je weiter wir aber in die Zimmerecke hinein kommen, desto dichter stehen sie und umso höher werden die Frequenzen, die sich nun gegenseitig erhöhen. (Berg auf Berg ….)
Deutlich hören wir so ein „Oinkh“-Geräusch, das in der Tonhöhe immer mehr ansteigt und das „kh“ vom „Oinkh“ klingt fast wie ein Knall. Deshalb nennt man es Knall-Echo.
Das mögen wir nicht und das wirkt sich auf die gesamte Musikwiedergabe aus – weshalb wir etwas dagegen unternehmen sollten.

Stehende Wellen (Raummoden)

Wirklich tiefe Frequenzen haben Wellenlängen, die in unsere üblichen Wohnräume nicht ein einziges mal hineinpassen. Bevor sich die Welle aufbauen kann, trifft sie bereits auf ein Hindernis. Wird die Schallwelle reflektiert, wie eben von einer kahlen Wand, treffen Direktschall und Reflektion aufeinander und erhöhen oder senken dabei den Schalldruck.
Da Musik nun einmal nicht aus nur einer einzigen Frequenz besteht (meistens) – löschen sich eben immer einige aus und andere werden lauter.
Unsere Aufgabe lautet also, dafür zu sorgen, dass so wenig Direktschall wie möglich auf eine harte, kahle Wand trifft und in die Richtung reflektiert wird, aus der er gekommen ist. Das gilt natürlich auch für den Fußboden und die Decke.
Andernfalls kommt es in geschlossenen Räumen unweigerlich zu den Raummoden. Damit bezeichnet man feststehende Positionen im Raum, an denen sich die Eigenschwingungen der Luft so stark auswirken, dass wir bestimmte Töne gar nicht mehr, andere dafür aber um so lauter hören.
Es reicht dann oft aus, seine Hörposition um wenige Zentimeter zu verändern, um die extremen Punkte der Raummoden (Knotenpunkte oder Bäuche) zu verlassen.
Da wir gerne unsere Couchen an die Wand rücken und wir damit im direkten Feld der reflektierten Wellen sitzen, kann es uns passieren, dass wir leider genau an unserem Lieblingsplatz gar keinen Bass mehr hören (Knoten) oder vom Dröhnen und Wummern (Bauch) fast „erschlagen werden“.
Auch in diesem Fall werden wir nicht darum herum kommen, etwas dagegen unternehmen zu müssen.
Die sicherste Methode wäre, dafür zu sorgen dass es keine Wände gibt, die parallel zueinander verlaufen oder die Rundungen aufweisen – aber das wird für die meisten von uns wohl nicht zu realisieren sein.

Forderungen zum Thema Hall

Lassen Sie so wenig glatte Wandflächen (Glas …) wie möglich. Hängen Sie Bilder auf – notfalls von der Decke hängend. Sorgen Sie für Einfallswinkel von kleiner oder größer als 90° (Lautsprecher etwas schräg stellen).

Sorgen Sie pro „Fehler“ (also glatte Wand, 90°-Winkel) für einen Ausgleich in Form von dämpfenden oder zerstreuenden Flächen wie Bücher- oder Schallplattenregalen, Vorhängen, Teppichen, großen Blumen, Gemälde oder von mir aus auch speziellen Schallschluck-Elementen.

B) Klangfarben-Veränderungen

Hin und wieder formen wir unsere beiden Hände zu einem Trichter, um jemandem etwas zuzurufen. Das funktioniert zwar recht gut, aber wir wissen auch, dass unsere Stimme dadurch etwas „röhrend“ wirkt. Das können wir verstärken, indem wir tatsächlich durch eine Pappröhre oder ein Kunststoffrohr sprechen.
Aber wir müssen gar nicht in etwas hinein sprechen, um die Klangfarbe unserer Stimme zu verändern, es reicht auch, gegen etwas zu sprechen.
Stellen Sie sich vor eine Glasscheibe oder einen Spiegel und hören Sie, wie sich Ihre Stimme verändert, wie sie härter wirkt. Das ändert sich, wenn Sie gegen eine Holzwand sprechen. Nun klingt Ihre Stimme sehr sonor. Sprechen Sie gegen einen schweren Vorhang, verschwinden die reflektierten Wellen fast gänzlich und eigentlich müssten wir uns jetzt sehr „echt“ hören – aber da wir es nicht gewohnt sind, so gar keine reflektierten Töne hören zu können, empfinden wir das auch wieder als „ungewöhnlich“ und nicht als angenehm. Am natürlichsten ist es, wenn völlig unterschiedliche Flächen vorhanden sind, also ein Gemisch aus Stein, Glas, Holz, Stoff …

Wohntrends

Die Wohnzeitungen haben es uns in den letzten Jahren immer wieder klar gemacht:  Wir fühlen uns am wohlsten in einer großen, möglichst kahlen Loftwohnung mit nur einer Couch, einem kleinen Tisch. Keine Regale, keine Schränke, keine Teppiche, keine Vorhänge, keine Gemälde …
Nun, auch wenn Sie es hier schon ahnen, bin ich nicht so der Anhänger einer solchen Wohnart, auch wenn ich zugeben muss, dass ich sie aus reiner Design-Sicht schon sehr reizvoll finde. Ich komme aber mit solchen Wohnungen oftmals dann in Kontakt, wenn mich die Bewohner zu sich bitten, weil ihre Stereoanlagen einfach nicht klingen wollen.
Mit ein paar lauten „Hahs“ und Händeklatschen hört man dann auch meistens schon die Ursache: Die Raumakustik ist schrecklich!

Man bestätigt mir dann oft, dass es dort nicht gemütlich genug ist, um sich mit Freunden laut zu unterhalten und dass man dabei sehr schnell ermüdet. Die Gäste gehen früher als gewohnt oder man will sich lieber “woanders treffen” – ohne zu wissen, wieso das so ist.

Prioritäten anders gesetzt

Jeder Vorschlag, hier nun möglicherweise den Einrichtungsstil anzupassen, trifft auf Betonwände in den Köpfen der Bewohner. Lieber verzichtet man ganz aufs Musikhören, als an der Wohnung etwas zu verändern.  Teppiche, Vorhänge, Regale, Gemälde, große Blumen, Polstergarnituren – alles völlig undenkbar!

Raum 3

Raum 3

Solche Räume bekommt man also nicht „in den Griff“, ohne die Bewohner auszutauschen.  🙂
Hier muss man sich dann von der Idee trennen, den kompletten Raum mit einer Stereoanlage „akustisch sauber“ beschallen zu können. Stattdessen bietet sich eine Raumbeschallung an, wie man sie aus wirklich großen Räumen wie z.B. Restaurants kennt (viele kleine Lautsprecher im Raum verteilt). Wobei man sich natürlich von allen “stereophilen” Reizen trennen muss.

 

 

 

Oder man erschafft sich an einer günstigen Stelle im Raum eine kleine „Hörinsel“ mit 1-2 Sitzplätzen und kleinen Boxen, die gerade einmal diesen „Inselbereich“ ordentlich beschallen – das dafür aber richtig gut können.

Wer bei einer solchen Wohnart glaubt, mit „Telefonzellen“ als Lautsprecher schon genug Schalldruck in den Raum bringen zu können, um die Gesetze der Physik auszuhebeln, der hat einen langen Kampf vor sich, den er so lange verlieren wird, bis er seine Prioritäten aufs Musikhören verschiebt und den Raum klanglich optimiert. Was aber wohl nur selten geschieht.

 

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt: