1.1.4 Bassfallen und andere Gemeinheiten

1.1.4 Bassfallen und andere Gemeinheiten

1.1.4 Bassfallen und andere Gemeinheiten

“Pimp my room” so lautet oftmals die Devise, auf die ich hier im Bericht 1.1.4 Bassfallen und andere Gemeinheiten ein wenig näher eingehen will.

Hat man nämlich erst einmal herausgefunden, in welchem Frequenzbereich einem der Hörraum Probleme bereitet, kann man sich entweder überlegen, mit welcher zusätzlichen Einrichtung (Bücherregal, Teppiche und so weiter) man diesem Problem zu Leibe rückt, oder man vertraut mehr in die schier unüberschaubar große Anzahl an speziellen Akustik-Elementen.
Für wirklich jeden Frequenzbereich und jedes Problem gibt es Speziallösungen.

Bassfallen sind zum Glück eine absolut unblutige Lösung, werden aber meistens mit den gleichen ablehnenden Gefühlen betrachtet. Meistens sind das rohrförmige, halbrunde oder im Profil dreieckige Elemente, die in die Zimmerecken gehören und eben nicht ganz vom Boden bis zur Decke reichen dürfen. Wichtig ist der Hohlraum, in den der Bass (so der Plan) zwar hinein- aber eben nicht wieder herausfinden soll.
Für die höheren Frequenzen nennen wir das ganze dann Helmholtz-Resonatoren (nach Hermann von Helmholtz). Das sind mehr oder weniger “hübsch” geformte Hohlkörper mit Löchern drin, gerne auch “Vogelhäuschen” genannt.

Wandelemente

Wandelemente

Wer nicht dafür sorgen muss, dass Schallenergie “vernichtet” wird, sondern wem es ausreicht, dass die reflektierten Schallwellen nicht wieder auf sich selber treffen, der kann sich mit Diffusoren befassen. Das sind diese “Setzkästen”, bei denen in manche Fächer gar nichts hinein passt. 🙂
Aber es gibt sie auch (wie im Foto von der High-End 2016 zu sehen) als “Wandelemente”.
Doch wir müssen uns bei all diesen Dingen immer eine Tatsache vor Augen führen:

Wir vernichten hier etwas, was unsere Lautsprecher erzeugt haben, unser Raum aber nicht verträgt!

Das ist so, als würden wir uns eine ganze Torte bestellen, dann nur zwei Stücke schaffen und den Rest in den Müll werfen.
Während man die Torte noch an andere weiter reichen könnte, gelingt das aber mit dem “Zuviel” an Schallenergie in unserem Wohnraum natürlich nicht.
Klüger wäre es wohl gewesen, sich von vornherein Lautsprecher zu kaufen, die nur so viel Energie erzeugen, wie der Raum verkraften kann. Das eingesparte Geld hätte man dann wunderbar dafür einsetzen können, dass man zwar kleinere, aber dafür eben “bessere” Boxen kauft. … oder eben auch den besseren Verstärker dazu.
Aber das nur nebenbei und zurück zu den Akustik-Elementen.

Viele von ihnen sehen richtig gut aus und wer sie leiden mag, der hat schnell das Mittel der Wahl gefunden.
Aber zumindest bei den Diffusoren können wir uns denken, dass wir sie auch anderweitig “selber herstellen” können. Jedes Bücher- oder Schallplattenregal ist ein wunderbarer Diffusor.
Hier ist Ihre Kreativität gefragt.
An dieser Kreativität fehlt es vielen Anbietern im High-End-Bereich ganz bestimmt nicht, die uns sündhaft teure Glöckchen, Glasplättchen, Aufkleber und was weiß ich nicht alles anbieten.

Und eines will ich überhaupt nicht leugnen – nämlich dass all diese Dinge Einfluss auf unser Klangerlebnis haben können. Vieles habe ich schon mit überraschendem Ergebnis ausprobiert und eigentlich nur deshalb nicht in mein Programm aufgenommen, weil ich zu feige war.
Doch es gibt weitere Gründe.
Zum einen ist es einfach so, dass viele dieser esoterisch angehauchten Mittelchen erst dann ausprobiert werden sollten, wenn die Kette und der Raum “ausgereizt” sind – es also nichts anderes mehr zu verbessern gibt. Davon ist eine große Zahl an HiFi-Anlagen leider noch weit entfernt.
Zum anderen ist es so, dass ich mich schon manchmal darüber ärgere, wenn ich “ähnliche Dinge” (die aber für ganz andere Zwecke gedacht sind) für 20,- € kaufen kann, während die fast identischen Teile 200,- € kosten, sobald sie denn die HiFi-Freaks als Zielgruppe vor Augen haben.

Spalttechnik

Spalttechnik

Zurück zum Raum.
Was ich toll finde ist, wenn man die Schalloptimierung durch besondere Designobjekte hinbekommt. Gute Freunde von mir haben sich Elemente aus gespaltenem Holz anfertigen lassen. Diese Elemente sind zu allererst eine interessante Wandgestaltung – aber nebenbei auch richtig gute Akustik-Elemente, denn sie verwandeln eine kahle, harte Wand in einen diffusierenden Bereich und sorgen so für eine tolle Akustik.

Wer so gut wie gar kein Geld in diese Maßnahmen stecken will und wem die Optik völlig gleichgültig ist, der greift einfach zu den Methoden von anno dazumal zurück, sprich – er hängt sich die berühmten Eierkartons oder ähnliches an die Wände oder an die Decke.
Da ist dann zwar nichts “exakt berechnet”, aber das will unser Ohr (besser unser Gehirn) auch gar nicht. Wenn die Raumakustik “natürlich” ist, und das ist sie immer, wenn sie so ist wie sie eben in vielen Räume ist, dann ist das schon in Ordnung.

Wer Lust hat, mit solchen Dingen zu experimentieren, muss sich vor Augen führen, dass es auf die „gesunde Mischung“ ankommt. Weder wollen wir den Schall totschlagen, so dass alles wie „eingeschlafene Füße“ klingt, noch wollen wir dem Schall die Chance geben, sich nach jeder Reflektion lauter aufzubauen. Ein Triangel (es heißt „der Triangel!)“ muss frei und auch ein wenig grell schwingen können. Das muss auch mal im Ohr weh tun dürfen.
Ein rollender Bass muss auch mal unseren ganzen Raum füllen. Wenn der Künstler das so gewollt hat.

Wer solche Extreme verhindern will, obwohl sie der Aufnahme entsprechen, der muss sich vor Augen führen, dass er dann auch auf alle anderen Schallereignisse Einfluss nimmt, was im Endeffekt zu einer recht seltsamen Wiedergabe führt.
Also – ganz klar – was aufgenommen wurde  – das muss auch wiedergegeben werden dürfen.

Kann der Raum das im Original nicht verkraften – sollte man nicht nur darüber nachdenken, den Raum mit Spezial-Elementen zu optimieren, sondern vielleicht auch darüber, einfach zu kleineren Lautsprechern zu greifen. Ganz bestimmt werden die Probleme dadurch auch kleiner werden!

Zum Ende dieses Berichts:
Wenn Sie mit Freunden aktiv Musik machen, dann werden Sie feststellen, dass manche Instrumente für den Proberaum in bestimmten Frequenzen einfach zu viel Schallenergie erzeugen. Das kann bei einem Schlagzeug z.B. nur auf eine einzelne Hänge- oder Stand-Tom zutreffen. Dann bleibt einem gar nichts anderes übrig, als den Raum zu optimieren. Doch zunächst einmal wird der Schlagzeuger versuchen, diese eine Tom zu bedämpfen. Erst wenn sie dann nicht mehr so klingt wie sie eigentlich klingen soll, muss er doch daran gehen,  den Raum zu optimieren.
In unseren Wohnzimmern ist das anders. Wir können nicht einzelne Instrumente bedämpfen und wollen uns auch nicht auf eine bestimmte Musik festlegen. Wir wollen alles hören.
Also müssen wir dafür sorgen, dass alle Frequenzen sauber und harmonisch zueinander aufgebaut werden können.

Und doch sollten wir wie der Schlagzeuger beim Instrument, also beim Lautsprecher, beginnen. Testen Sie immer (!) vor einem Kauf, ob die Energie, die von einem Lautsprecher ausgeht – ob die überhaupt in ihren Hörraum passt. Und wenn das nicht der Fall sein sollte, dann sollten Sie vernünftig genug sein, “sich nur ein oder zwei Stücke zu bestellen” und nicht die ganze Torte.
Denn mit der Torte und der Schallenergie verhält es sich absolut gleich:
Ganz ohne ist blöd – aber zu viel macht hinterher Probleme.

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

1.1.1 Raumklang-Spezialisten

1.1.1  Raumklang-Spezialisten

1.1.1  Raumklang-Spezialisten

Manchmal kann man sich als High-Ender „ein Bein ausreißen“ – aber man kriegt das Problem doch alleine nicht gelöst, weshalb ich mich im Bericht 1.1.1 Raumklang-Spezialisten einmal mit diesen Helfern auseinandersetzen möchte.

Ausgangslage:
Der Raum lässt sich einfach nicht optimieren – wieso auch immer.
Der erste Schritt wäre dann wohl, einen guten HiFi-Händler zu bitten, sich das mal vor Ort anzuhören.
Dieser Service sollte eigentlich kostenlos sein – zumindest, wenn es sich um einen örtlich ansässigen Händler handelt.
Der Profi kann zumindest schnell erkennen, ob es „hausgemachte“ Probleme gibt, an die der Kunde selbst noch gar nicht gedacht hatte.

Einer unserer Kunden hatte z.B. mal 8 aufgerollte Teppiche hinter der Couch liegen, die er geerbt hatte.
Diese Rollen waren wunderbare Bassfallen. Nachdem wir sie ins Schlafzimmer geräumt hatten, klang es auch wieder.

Doch irgendwann ist vielleicht auch der Händler mit seinem Latein am Ende und dann helfen nur noch Spezialisten. Nur welche?

„Akustik-Bau“ – diesen Titel tragen fast alle Trockenbauer auf ihren Fahrzeugen, doch für einen echten HiFi-Freak haben sie meistens kein Verständnis.
In HiFi-Zeitschriften und im Internet wird man dann schon eher fündig.
Dann geht es darum heraus zu finden, wer die Zielgruppe dieser Spezialisten ist.

Die meisten Kunden, die diese Hilfe in Anspruch nehmen, brauchen sie bei der Einrichtung eines Heimkinos. Ein Heimkino stellt allerdings andere Ansprüche an die Fähigkeiten und Vorgehensweise dieser Spezialisten als ein Wohnraum mit einer High-End-Anlage.
Heimkino-Spezialisten legen Ihnen oftmals vor Beginn und nach Abschluss Ihrer Maßnahmen jeweils einen Messschrieb vor, wodurch man die Wirksamkeit der Maßnahmen zumindest messtechnisch belegen kann.
Das ist fürs Kino sicher prima – können wir aber beim Musikhören in unseren Wohnzimmern eher nicht gebrauchen!

Auch die Spezialisten, die sich um Aufnahme- oder Regieräume kümmern, denken anders als wir High-Ender.
Doch selbst wenn Sie endlich den Spezialisten für die high-endige Wiedergabe gefunden haben, sollten Sie daran denken, dass der nicht nur zum Messen kommt, sondern zur Beseitigung der festgestellten Probleme auch sicher gleich „Lösungen“ in Form von Akustik-Elementen mitbringt.
Diese Teile sind in der Regel teuer und optisch nicht jedermanns Sache. Bedenken Sie das, bevor (!) Sie ihn zu sich bestellen und informieren Sie sich vorab über das Angebot des Spezialisten.
Wem Preis und Optik der Elemente gleichgültig sind, weil es sich z.B. um einen reinen Hörraum handelt, der kann von diesen Spezialisten sicherlich einiges erwarten.

Doch sollten Sie so oder so – immer an den altbekannten Satz denken:  Anders ist nicht besser.

Spezialist

Spezialist

Ich habe schon Optimierungsmaßnahmen erlebt, nach denen dann im Hochtonbereich gar nichts mehr passierte. Ein Crash-Becken, das eigentlich in den gesamten rechten Bereich hinein „scheppern“ sollte – war auf einmal klein wie die Becken von so einem Aufzieh-Affen.
Riesige Konzertsäle hatten überhaupt keine Luft mehr.
Oder die Basswiedergabe war auf einmal so gedrosselt, dass unter 100 Hz nichts mehr zu hören war oder es gab keinen trockenen Bass mehr nach Art eines „Dupp“ sondern nur noch ein „Dummmhhh“.

Bevor Sie also so einen Spezialisten anfordern, forschen Sie ruhig im Internet mal nach, wie zufrieden die Kunden mit ihm sind oder fragen Sie Ihren HiFi-Händler nach einer guten Adresse.
Wie so oft im Leben gibt es da ein paar wirklich gute Leute und leider auch Trittbrettfahrer, die es einfach nur prächtig verstehen, sich mit ihrem aufwändigen Mess-Equipment eine gewisse Ehrfurcht zu verschaffen.

 

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1.1. Klangeigenschaften von Räumen

1.1 Klangeigenschaften von Räumen

1.1 Klangeigenschaften von Räumen

Jeder Raum klingt anders. Oder besser gesagt – Töne klingen in jedem Raum anders.
Wir alle hören das.

Und in manchen Räumen klingen Töne nicht so, wie sie eigentlich klingen sollten, oder werden sogar “gestört”. Bei der Beurteilung dieser schädlichen Auswirkungen der Räume auf die Natürlichkeit des Klangs treffen wir auf die Begriffe Hall und Klangfarbe.

A) Der Hall

Es gibt große Säle, alte Wasserspeicher, Tunnel, Höhlen …
In Ihnen hören wir den Hall oder sogar das Echo sehr deutlich. Das ist “lustig” und wir Menschen können es nicht lassen, Sprüche wie „Wie heißt der Bürgermeister von Wesel?“ in den Raum zu rufen und auf den „Esel“ als Echo zu lauschen.

Aber selbst zuhause hören wir die Veränderungen der Raumakustik, wenn wir z.B. mal einen Raum leergeräumt haben, um zu tapezieren. Dann bekommt er diese typische „Waschküchenakustik“. Unsere Stimme hallt von den großen leeren Flächen zurück, wodurch sich der Direktschall mit den fast gleich lauten, reflektierten Schallwellen vermischt.

In Konzertsälen oder Kinos sorgen Spezialisten für die korrekte Akustik und selbst in vielen Büros, Restaurants oder Einkaufsläden erschaffen sie einen angenehmen „Raumsound“, denn sobald da etwas nicht stimmt, ist es vorbei mit unserer Kauflaune, Leistungsfähigkeit oder unserem Appetit. Um so erstaunlicher ist es, dass dieser Punkt bei der Einrichtung unserer Wohnungen so sehr unberücksichtigt bleibt. Oder haben Sie schon mal einen Akustiker engagiert?
Muss man auch nicht!
Denn wir merken und hören selbst, ob wir uns mit der vorhandenen Akustik wohlfühlen.

Unsere Stimme als “Lautsprecher”

Unsere Stimme ist ein “Lautsprecher”, den wir gut kennen. Zwar ist es für uns oft seltsam, unsere aufgenommene Stimme zu hören, weil wir uns selbst ja normalerweise ganz anders – eben „von innen heraus“ hören, aber den Hall unserer Stimme kennen wir sehr gut, selbst wenn er so „kurz“ oder „schnell“ ist, dass man ihn kaum noch messen kann.
Um die Akustik Ihres Raumes zu prüfen, brauchen Sie also einfach nur durch Ihren Raum zu gehen und immer wieder mal laut „Hah!“ zu rufen. Unterstützen können Sie das, indem Sie in die Hände klatschen. Dies sollten Sie vor allem in den Zimmer-Ecken tun, denn dort lauern die so unerwünschten „Knall-Echos“.

Knall-Echo (Schalldruckerhöhung)

Trifft ein Ton auf eine Wand, wird er reflektiert oder geschluckt – je nach Beschaffenheit der Wand und ihrer Oberfläche.
Ist der reflektierte Ton noch laut genug, um auch von der nächsten Wand wieder hörbar reflektiert zu werden, wandert er wieder zur nächsten Wand und wird dabei permanent leiser – bis er nicht mehr zu hören ist. Hierbei folgen die Reflektionen den physikalischen Gesetzen, sprich: „Eingangswinkel gleich Ausgangswinkel“.
Sind die Wände weit genug voneinander entfernt, ist das was wir hören, eine Raumakustik, die wir als „normal“ empfinden, denn die Töne werden kontinuierlich leiser.
Jetzt betrachten wir uns aber eine Zimmerecke mit harten, kahlen Wänden. Hier stehen sich zwei reflektierende Flächen im Winkel von 90° gegenüber. Während es im gesamten Raum eher „dem Zufall“ überlassen ist, ob eine reflektierte Schallwelle wieder genau auf die eigene Schallwelle trifft und ob dabei dann auch noch „Berg auf Berg und Tal auf Tal“ treffen, ist das bei einer stark reflektierenden Zimmer-Ecke nur eine „Frage der Zeit“.

Im Klartext: So viel wir auch die Wellenlängen berechnen und auf welche Entfernung und auf welchen Winkel wir auch im Ergebnis kommen. Dadurch, dass sich der Abstand zwischen den beiden Wänden immer mehr verringert, wird irgendeine Schallwelle (eine Frequenz) genau die passende Situation vorfinden, um den eigenen Schalldruck zu erhöhen.
Das beginnt zunächst bei den tieferen Frequenzen (die Wände sind noch weit voneinander entfernt). Je weiter wir aber in die Zimmerecke hinein kommen, desto dichter stehen sie und umso höher werden die Frequenzen, die sich nun gegenseitig erhöhen. (Berg auf Berg ….)
Deutlich hören wir so ein „Oinkh“-Geräusch, das in der Tonhöhe immer mehr ansteigt und das „kh“ vom „Oinkh“ klingt fast wie ein Knall. Deshalb nennt man es Knall-Echo.
Das mögen wir nicht und das wirkt sich auf die gesamte Musikwiedergabe aus – weshalb wir etwas dagegen unternehmen sollten.

Stehende Wellen (Raummoden)

Wirklich tiefe Frequenzen haben Wellenlängen, die in unsere üblichen Wohnräume nicht ein einziges mal hineinpassen. Bevor sich die Welle aufbauen kann, trifft sie bereits auf ein Hindernis. Wird die Schallwelle reflektiert, wie eben von einer kahlen Wand, treffen Direktschall und Reflektion aufeinander und erhöhen oder senken dabei den Schalldruck.
Da Musik nun einmal nicht aus nur einer einzigen Frequenz besteht (meistens) – löschen sich eben immer einige aus und andere werden lauter.
Unsere Aufgabe lautet also, dafür zu sorgen, dass so wenig Direktschall wie möglich auf eine harte, kahle Wand trifft und in die Richtung reflektiert wird, aus der er gekommen ist. Das gilt natürlich auch für den Fußboden und die Decke.
Andernfalls kommt es in geschlossenen Räumen unweigerlich zu den Raummoden. Damit bezeichnet man feststehende Positionen im Raum, an denen sich die Eigenschwingungen der Luft so stark auswirken, dass wir bestimmte Töne gar nicht mehr, andere dafür aber um so lauter hören.
Es reicht dann oft aus, seine Hörposition um wenige Zentimeter zu verändern, um die extremen Punkte der Raummoden (Knotenpunkte oder Bäuche) zu verlassen.
Da wir gerne unsere Couchen an die Wand rücken und wir damit im direkten Feld der reflektierten Wellen sitzen, kann es uns passieren, dass wir leider genau an unserem Lieblingsplatz gar keinen Bass mehr hören (Knoten) oder vom Dröhnen und Wummern (Bauch) fast „erschlagen werden“.
Auch in diesem Fall werden wir nicht darum herum kommen, etwas dagegen unternehmen zu müssen.
Die sicherste Methode wäre, dafür zu sorgen dass es keine Wände gibt, die parallel zueinander verlaufen oder die Rundungen aufweisen – aber das wird für die meisten von uns wohl nicht zu realisieren sein.

Forderungen zum Thema Hall

Lassen Sie so wenig glatte Wandflächen (Glas …) wie möglich. Hängen Sie Bilder auf – notfalls von der Decke hängend. Sorgen Sie für Einfallswinkel von kleiner oder größer als 90° (Lautsprecher etwas schräg stellen).

Sorgen Sie pro „Fehler“ (also glatte Wand, 90°-Winkel) für einen Ausgleich in Form von dämpfenden oder zerstreuenden Flächen wie Bücher- oder Schallplattenregalen, Vorhängen, Teppichen, großen Blumen, Gemälde oder von mir aus auch speziellen Schallschluck-Elementen.

B) Klangfarben-Veränderungen

Hin und wieder formen wir unsere beiden Hände zu einem Trichter, um jemandem etwas zuzurufen. Das funktioniert zwar recht gut, aber wir wissen auch, dass unsere Stimme dadurch etwas „röhrend“ wirkt. Das können wir verstärken, indem wir tatsächlich durch eine Pappröhre oder ein Kunststoffrohr sprechen.
Aber wir müssen gar nicht in etwas hinein sprechen, um die Klangfarbe unserer Stimme zu verändern, es reicht auch, gegen etwas zu sprechen.
Stellen Sie sich vor eine Glasscheibe oder einen Spiegel und hören Sie, wie sich Ihre Stimme verändert, wie sie härter wirkt. Das ändert sich, wenn Sie gegen eine Holzwand sprechen. Nun klingt Ihre Stimme sehr sonor. Sprechen Sie gegen einen schweren Vorhang, verschwinden die reflektierten Wellen fast gänzlich und eigentlich müssten wir uns jetzt sehr „echt“ hören – aber da wir es nicht gewohnt sind, so gar keine reflektierten Töne hören zu können, empfinden wir das auch wieder als „ungewöhnlich“ und nicht als angenehm. Am natürlichsten ist es, wenn völlig unterschiedliche Flächen vorhanden sind, also ein Gemisch aus Stein, Glas, Holz, Stoff …

Wohntrends

Die Wohnzeitungen haben es uns in den letzten Jahren immer wieder klar gemacht:  Wir fühlen uns am wohlsten in einer großen, möglichst kahlen Loftwohnung mit nur einer Couch, einem kleinen Tisch. Keine Regale, keine Schränke, keine Teppiche, keine Vorhänge, keine Gemälde …
Nun, auch wenn Sie es hier schon ahnen, bin ich nicht so der Anhänger einer solchen Wohnart, auch wenn ich zugeben muss, dass ich sie aus reiner Design-Sicht schon sehr reizvoll finde. Ich komme aber mit solchen Wohnungen oftmals dann in Kontakt, wenn mich die Bewohner zu sich bitten, weil ihre Stereoanlagen einfach nicht klingen wollen.
Mit ein paar lauten „Hahs“ und Händeklatschen hört man dann auch meistens schon die Ursache: Die Raumakustik ist schrecklich!

Man bestätigt mir dann oft, dass es dort nicht gemütlich genug ist, um sich mit Freunden laut zu unterhalten und dass man dabei sehr schnell ermüdet. Die Gäste gehen früher als gewohnt oder man will sich lieber “woanders treffen” – ohne zu wissen, wieso das so ist.

Prioritäten anders gesetzt

Jeder Vorschlag, hier nun möglicherweise den Einrichtungsstil anzupassen, trifft auf Betonwände in den Köpfen der Bewohner. Lieber verzichtet man ganz aufs Musikhören, als an der Wohnung etwas zu verändern.  Teppiche, Vorhänge, Regale, Gemälde, große Blumen, Polstergarnituren – alles völlig undenkbar!

Raum 3

Raum 3

Solche Räume bekommt man also nicht „in den Griff“, ohne die Bewohner auszutauschen.  🙂
Hier muss man sich dann von der Idee trennen, den kompletten Raum mit einer Stereoanlage „akustisch sauber“ beschallen zu können. Stattdessen bietet sich eine Raumbeschallung an, wie man sie aus wirklich großen Räumen wie z.B. Restaurants kennt (viele kleine Lautsprecher im Raum verteilt). Wobei man sich natürlich von allen “stereophilen” Reizen trennen muss.

 

 

 

Oder man erschafft sich an einer günstigen Stelle im Raum eine kleine „Hörinsel“ mit 1-2 Sitzplätzen und kleinen Boxen, die gerade einmal diesen „Inselbereich“ ordentlich beschallen – das dafür aber richtig gut können.

Wer bei einer solchen Wohnart glaubt, mit „Telefonzellen“ als Lautsprecher schon genug Schalldruck in den Raum bringen zu können, um die Gesetze der Physik auszuhebeln, der hat einen langen Kampf vor sich, den er so lange verlieren wird, bis er seine Prioritäten aufs Musikhören verschiebt und den Raum klanglich optimiert. Was aber wohl nur selten geschieht.

 

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

1. Raum

1. Raum

1. Raum

Ob Sie das nun gerne lesen oder nicht – die wichtigste Komponente einer HiFi-Anlage ist der Raum in dem sie aufgestellt ist, denn zwischen Ihren Lautsprechern und Ihrem Raum besteht eine absolute Abhängigkeit!

Und dennoch wird weit mehr als die Hälfte aller Lautsprecher gekauft, obwohl

  • … man sie niemals in seinem Wohnraum gehört hat.
  • … sie in diesem Raum nicht gut klingen, aber man fest daran glaubt, „das noch irgendwie hinzubekommen“.
  • … sie in diesem Raum gar nicht gut klingen können, man sie aber trotzdem haben will, weil „die ja so gut sein sollen“.

Habe ich Sie erwischt?
Sorry, aber das musste jetzt sein.

Leider sind viele Käufer bereit, etliche Tausend Euro mehr für „bessere Lautsprecher“ auszugeben, nur um an Ihrer Einrichtung nichts verändern zu müssen.
Sobald sie merken, dass auch die besseren, teureren Boxen die gleichen Ansprüche stellen, wie die vorherigen, z.B. genau so weit von der Rückwand aufgestellt werden müssen – kommt die Enttäuschung und die führt zu einer Blockade. „Niemals!“  Die Couch etwas von der Wand rücken? „Auf keinen Fall!“.  Sich in das „Stereodreieck“ setzen müssen?  „Ist doch alles Unsinn!“.

“Verlange” ich derartige Dinge bei der Aufstellung eines Lautsprechers, schauen viele Kunden mich an, als hätte ich von Ihnen verlangt, das Rauchen aufgeben zu müssen oder nie wieder ein Glas Wein trinken zu dürfen.

Doch erst die korrekte Aufstellung kann uns zeigen, ob sich der neue Lautsprecher überhaupt in Ihren Raum integrieren lässt. Und oft genug ist das Ergebnis entweder; “Es geht nicht! Es passt nicht! Hier müssen andere Boxen her.” – oder: “Ist nicht das Fotografieren auch ein tolles Hobby?”.

Mit anderen Worten: Wer nicht trainiert, wird im Sport keine Leistung bringen können; wer nicht übt, wird niemals ein Instrument beherrschen; wer nicht bereit ist, seinen Raum auf das Hobby HiFi abzustimmen, der wird niemals hören, wie seine Komponenten klingen könnten, wenn …!

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

 

Das Anlagen-Setup – ein HiFi-Pflichtprogramm

Das Anlagen-Setup – ein HiFi-Pflichtprogramm

Das Anlagen-Setup – ein HiFi-Pflichtprogramm

Das Anlagen-Setup – ein HiFi-Pflichtprogramm – der Wichtigkeit dieses Themas ist die Größe dieses Kapitels mit seinen vielen Unterpunkten geschuldet.

Im PC-Bereich meint man mit „Setup“ das Einrichten einer Hard- oder Software.
In der Dramaturgie steht der Begriff für das Erklären von Rahmenbedingungen, so sagt Wikipedia das jedenfalls und ich kenne keinen Grund, diese Definition nicht auch für das nachfolgende Kapitel zu übernehmen.

In der High-Fidelity macht das kompetent durchgeführte Setup aus „Geräten mit denen man Musik hören kann“ eine richtig gut klingende HiFi-Anlage.

Weisses Männchen als Physiker

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Vorsprung durch Wissen.

In der Wirtschaft und in der Politik sind Informationen ein kostbares Gut. Über sie zu verfügen und aus ihnen die richtigen Schlüsse ziehen zu können, entscheidet darüber, wer „das Rennen macht“ und wer nicht.
Menschen, die über Wissen verfügen, sehen oftmals darin einen so hohen Wert, dass sie es hüten wie Gollum seinen Ring.
Je mehr sie ihr Wissen behüten, umso sicherer sind sich die anderen, dass sie es niemals erlangen werden und sie bewundern die Wissenden, statt sich das Wissen einfach selbst anzueignen.
Nicht immer geht das. Wir können ja nicht alle so lange studieren, bis wir selber für uns als Rechtsanwalt, Architekt, Arzt oder Steuerberater tätig werden können.
Aber sich auf andere zu verlassen, birgt die Gefahr in sich, dass man den falschen “Profi” wählt, oder dieser sich sogar als Scharlatan erweist.

Wissen teilen und erhalten

In meinem Handbuch teile ich mein Wissen mit Ihnen. Ich bin mir bewusst darüber, dass der Wert meines Wissens dadurch sinken wird.
Aber ich bin gespannt darauf, ob sich das wieder ändern wird.

Das Anlagen-Setup – eine Frage Ihrer Kompetenz

Beim Setup einer Stereo-Anlage kann man eine Menge falsch machen und noch viel mehr einfach bleiben lassen, was aber sehr sinnvoll gewesen wäre, um die teure Anschaffung auch genießen zu können.
Und damit sind wir wieder einmal bei den alten Aussagen, dass nicht die Kamera das Foto macht, sondern der Fotograph und dass der Wert eines Gemäldes nicht von der Menge der verwendeten Farbe bestimmt wird.
Der Mensch steht hier im Mittelpunkt und seine Kompetenz entscheidet am Ende über die Klangqualität.

Goldbarren

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Keine Frage des Geldes!

Es fasziniert mich immer wieder, vor einer „preisgünstigen“ HiFi-Anlage zu sitzen, die durch ein gekonntes Setup alles zeigt, was in ihr steckt und es macht mich jedes mal traurig, eine ultra-teure Anlage zu hören, die meilenweit von einer natürlichen Klangwiedergabe entfernt ist. Und dabei könnte doch gerade sie  … wenn man einfach nur … naja, Sie wissen schon.
Mit diesem Bericht möchte ich Ihnen deshalb Fakten an die Hand geben, die Sie am besten schon kennen sollten, bevor Sie die allererste HiFi-Komponente erwerben.

Hören Sie nicht auf Ignoranten

Vielleicht treffen Sie hier und da auf Menschen, die den Inhalt dieses Kapitels oder des ganzen Handbuchs für Humbug halten und mit ihren Argumenten nur die eigene Unfähigkeit beschreiben, Dinge zu akzeptieren, für die es heute noch keine vollständigen wissenschaftlichen Erklärungen gibt.
Wer einfach nur auf alles verbal einschlägt, was er nicht versteht, der verhält sich destruktiv.
Denken Sie nur an Ihre Kindergartenzeit und Ihnen wird ganz bestimmt ein Kind einfallen, dass selber nie malen oder etwas bauen wollte, aber mit Vorliebe den anderen immer alles kaputt gemacht hat. Genau diese Typen sind es, die nicht eher Ruhe geben, bis auch Sie keinen Spaß mehr an der High-Fidelity haben. Einen Ersatz oder eine funktionierende Lösung – können die Ihnen aber nicht bieten.

Miniklavier

Fotolia_64691272 © kai

Es geht um Musik

Gegner der High-Fidelity verlangen oft belegbare und messbare Ergebnisse und halten alles, was nicht belegbar und nicht messbar ist für Unsinn.
Doch wie soll das gehen?
Kann man etwa messen, wie lecker ein Essen schmeckt? Und empfindet es nicht jeder anders?
Kann man belegen, dass eine Geburt stärkere Schmerzen bereitet als sich den Arm zu brechen?
Kann man eine Skala für Liebe, Trauer, Glück oder Zorn erstellen?

Wenn mich das Klangbild einer Anlage nervös macht und es mir keinen Spaß bereitet, über sie Musik zu hören, wie soll ich das jemandem erklären, der das nicht auch selber spürt? Der mir einfach immer nur sagt: “Die spielt die gleiche Musik!”
Wenn ich vor einer richtig guten Anlage sitze und ich meine Tränen nicht unterdrücken kann, weil mich die Qualität der Musikwiedergabe so sehr berührt, wie soll ich das jemandem erklären, der mit einem Messgerät daherkommt und nicht weiß, was er messen soll? Und der mir wieder nur sagen kann:  “Auch die spielt die gleiche Musik!”?
Er hat ja recht. Irgendwie – auf seine Weise.

Physik, Akustik und Musiklehre

Keine Angst – Sie brauchen hier nicht die Schulbank zu drücken. Ich zwinge Sie auch nicht, sich einen Taschenrechner zu holen und komplizierte Formeln auswendig zu lernen.
Wer dennoch Freude daran finden könnte, sich auf wissenschaftlichem Wege diesen Themen zu nähern, dem seien diverse Lehrbücher für Tonmeister empfohlen. Wer die gelesen (und verstanden!) hat, der wird sich vermutlich danach über meine Erklärungsversuche  amüsieren. Alle anderen werden sich wohl über meine (hoffentlich) einfache Ausdrucksweise freuen.

Schallwellen gelangen ins Ohr eines Mannes

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Was ist eigentlich Musik?

Musik ist eine Folge von Tönen
und Töne sind Schall
und Schall ist wellenförmig bewegte Luft.

Töne sind in der Regel verschieden hoch und laut. Wie hoch ein Ton ist, wird von seiner Wellenlänge bestimmt, die wir in Frequenzen messen. Die Maßeinheit für Frequenzen ist Hertz – abgekürzt Hz, was für die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde steht. Tiefe Töne haben niedrige Frequenzen, hohe Töne hohe.
Das gesunde, junge menschliche Ohr ist in der Lage, Frequenzen zwischen etwa 16 Hz und 20.000 Hz zu hören, wobei diese Fähigkeit im Alter abnimmt. (Was aber nichts damit zu tun hat, wie gut wir Musik hören können!)

Klingt jeder Ton mit gleicher Frequenz auch immer gleich?

Dafür, dass Töne mit gleicher Frequenz unterschiedlich klingen können, sorgen seine Obertöne, die auch noch weit über 20.000 Hz liegen. Zwar ist das Vorhandensein von Obertönen längst wissenschaftlich anerkannt, doch gibt es hier im Zusammenhang mit der Erforschung der physikalischen Seite der Musik weite Felder, die noch brach liegen und erst noch erkundet werden müssen. Wie weit hinauf diese Obertöne tatsächlich reichen, ist genau so umstritten wie die Antwort darauf, ob es auch Untertöne gibt, die jedem Ton sein „Fundament“ verleihen.
Die Limitierungen durch diverse digitale Formate haben jedenfalls längst bewiesen, dass selbst das Abschneiden aller Frequenzen oberhalb von 60.000 Hz dafür sorgt, dass wir die Musik danach als „nicht mehr so natürlich“ empfinden.

Doch schauen Sie jetzt bitte nicht in die technischen Daten Ihres Lautsprechers. Denn selbst wenn dort ein Frequenzumfang von „nur“ 20-20.000 Hz abgedruckt ist, heißt das nicht, das er diese Obertöne nicht wiedergeben kann. Er kann es!
Wie das möglich ist, und wie wichtig das fürs Musikhören ist, das können wir derzeit nur vermuten.

Tropfen

Tropfen

Wie sich Schallwellen ausbreiten.

Besonders wichtig für unser Setup ist die Antwort auf die Frage, wie sich Schallwellen ausbreiten und wie sie sich verhalten, wenn sie reflektiert werden.
Dabei stoßen wir nämlich auf die Begriffe „Echo“ und „Hall“.
Wenn Sie in Ihrem Wohnzimmer auf ein echtes Echo treffen, dann herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Schloß!  🙂
Die Regel dürfte es wohl eher sein, dass wir es mit einem Hall zu tun haben, wie wir das z.B. in einem großen, gekachelten Raum deutlich wahrnehmen können, der aber auch in kleineren, “kuscheligeren” Räumen vorhanden ist. Er wird dort von uns nur nicht so wahrgenommen. Die nächsten zwei Begriffe von besonderers großer Bedeutung lauten Abstrahlwinkel und Reflektion.

Zum Abstrahlwinkel

Lassen wir einen Tropfen Milch in unseren Kaffee fallen, breiten sich die so erzeugten Wellen ringförmig zum Rand hin aus.  Genau so verhalten sich grundsätzlich auch Schallwellen.
Doch zur Musikwiedergabe zuhause verwenden wir ja nun einmal keine „echten“ Instrumente, sondern Lautsprecher. Zwar gibt es bei Lautsprechern unterschiedliche Konstruktionen, aber die am meisten verbreitete, das ist wohl der „konventionelle“ Lautsprecher, bei dem so genannte Chassis (schwingfähige Membranen) in einem Holzgehäuse angebracht werden.

Progressive Audio Transformer

Progressive Audio Transformer

Meistens werden sogar mehrere solcher Chassis angebracht. Ein kleines für die hohen Töne, ein großes für die tiefen und eines dazwischen für die mittelhohen Töne. Da diese Membranen nur in zwei Richtungen schwingen können (nach vorne und nach hinten), strahlen sie den Schall auch hauptsächlich in diese beiden Richtungen ab.
Der tatsächliche Abstrahlwinkel ist dabei abhängig von der Tonhöhe. Während Tieftöner sehr „breit gefächert“ abstrahlen (also fast 180°), ist der Abstrahlwinkel bei Hochtönern deutlich kleiner und man kann das am besten damit verdeutlichen, dass man ihnen einen Abstrahlwinkel bescheinigt, der dem einer Taschenlampe gleich kommt.
Dieses Wissen hilft uns später bei der Ausrichtung (Stichwort: Anwinkeln) der Lautsprecher.

Zur Reflektion

Die Reflektion der Schallwellen wird wohl am besten von den Billard-Spielern unter uns verstanden. Das wissenschaftliche Gesetz „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel“ kennen die Billardspieler nur zu gut.
Der zweite Punkt, den wir zum Thema Reflektion beachten müssen, den kennen wir vom Billiardspielen gar nicht, denn er ergibt sich aus der Erkenntnis „Berg auf Berg ergibt einen doppelt hohen Berg und Berg auf Tal löscht sich aus.“.
Hiermit meint man, dass wenn zwei Schallwellen gleicher Frequenz aufeinander treffen, das Ergebnis stark davon abhängig ist, wie sie genau aufeinander treffen (Phase). Überlagern sie sich in identischer Weise, dann liegt der „Berg“ der einen Schallwelle exakt auf dem Berg der zweiten Schallwelle und es kommt zu einer Anhebung der Lautstärke (Schalldruckerhöhung). Überlagern Sie sich jedoch genau umgekehrt (180° phasenverschoben), also so, dass immer ein Berg und ein Tal aufeinander treffen, löschen sie sich gegenseitig aus und wir hören nichts mehr.
Diese Erkenntnis nutzt man z.B. in manchen Werkshallen oder in Flugzeugen. Laufen dort laute Maschinen mit immer der gleichen Frequenz, sendet man die gleiche Frequenz „um 180° phasenverschoben“ auf einen Kopfhörer. Hierdurch treffen Berge auf Täler und Täler auf Berge und schon herrscht für den Träger dieses Kopfhörers Stille.

Nun kann man sich ja aber vorstellen, dass es nicht nur diese beiden Zustände gibt, sondern dass gleiche Wellen auch mal so aufeinander treffen, dass sie nicht exakt Berg auf Berg oder Berg auf Tal erwischen, sondern auch mal irgend etwas dazwischen. Und es stoßen auch nicht immer nur Wellen mit gleichen Frequenzen aufeinander, sondern auch Schallwellen mit unterschiedlichen Frequenzen in den unterschiedlichsten Phasen.
Und das alles wirkt sich auf den Klang aus!

Schallwellen gelangen ins Ohr eines Mannes mit markiertem Gehörzentrum

Fotolia_85261828 © axel kock

Himmel hilf!?

Doch keine Panik! Das menschliche Gehirn ist in diesem Punkt zu außerordentlichen Leistungen fähig!  Es ist sehr gut in der Lage, den reflektierten Schall (der von den Wänden zurückkommt) vom Direktschall (dem aus dem Lautsprecher) zu unterscheiden und die beiden Ereignisse voneinander zu trennen.

Wenn wir gewisse Regeln einhalten!

Um den Direktschall von den Reflektionen unterscheiden zu können, müssen beide Töne mit einem zeitlichen Mindestabstand auf unser Ohr treffen. Stehen wir mitten in einem Raum, treffen die von den Wänden reflektierten Schallwellen so viel später auf unser Ohr, dass es für unser Gehirn ein Kinderspiel ist, sie auseinander zu halten und uns mitzuteilen, wie der Direktschall geklungen hat.
Sitzen wir aber auf einer Couch, die an einer Wand steht (so wie das in den meisten Wohnzimmern sein dürfte), dann ist der zeitliche Abstand zwischen dem Direktschall und dem von der Rückwand reflektierten Schall zu gering. Unser Gehirn vermischt dann beide Ereignisse und macht daraus „ein einziges Klangbild“. Da der reflektierte Schall aber die Klangfarbe von der Rückwand angenommen hat (Ziegelmauer, Leichtbau, Glas …) und unser Gehirn das nicht erkennen kann, erhalten wir im Endeffekt eine unnatürliche Klangfarbe, die uns nur selten Vergnügen bereitet. Außerdem ist auch die Lautstärke des reflektierten Schalls beinahe identisch zum Direktschall und dem Gehirn fehlt damit ein weiteres Kriterium, um den Direktschall sauber von den Reflektionen zu trennen.
Beugen wir uns mal testweise nach vorne und entfernen wir unseren Kopf 80 cm weit von der Rückwand – kann unser Gehirn die beiden Schallereignisse wieder eindeutig voneinander trennen und wir genießen wieder den Direktschall – so wie er vom Lautsprecher abgestrahlt wurde, obwohl der reflektierte Schall nach wie vor vorhanden ist.

Glühbirnen

Fotolia_76477144 © Coloures-pic

Los geht`s

Wenn ich Sie mit meinen einleitenden Ausführungen bisher nicht davon abschrecken konnte weiter zu lesen, dann lade ich Sie jetzt herzlich zu den nachfolgenden Berichten über das Anlagen-Setup ein.

 

Überblick über die Themen:

  1. Der Raum
    1. Klangeigenschaften von Räumen
      1. Raumklang-Spezialisten
      2. Bassfallen und andere Gemeinheiten
    2. Die Aufstellung der Lautsprecher
      1. Abstand der Lautsprecher von der Wand
      2. Abstand der Lautsprecher zueinander
      3. Das Stereodreieck, nicht immer das Optimum
      4. Gerade oder angewinkelt?
      5. Seitlich abstrahlende Chassis?
      6. Sonderkonstruktionen
      7. Darf ein Regal-Lautsprecher im Regal stehen?
      8. Wandlautsprecher, Deckeneinbauten
      9. Spikes oder Pucks?
      10. Raumbeschallung (Café, Restaurant …)
      11. Raum-Einmess-Systeme
    3. Der Sitzplatz
      1. Abstand des Sitzplatzes zur Rückwand
      2. Wie hoch sollte ich sitzen?
      3. Und außerhalb des Stereodreiecks?
    4. Aufstellung der Anlage
      1. Kurze Wege!
      2. Racks, Basen, Spikes, Pucks und Co
      3. Abstand von der Wand
  2. Die Stromversorgung
    1. Die Hauptsicherung,
    2. Die Unterputz-Zuleitungen
    3. Die Erdung
    4. Wandsteckdosen
    5. Stromverteiler, Filter
    6. Stromkabel
    7. Stromstecker und -buchsen
    8. Trennung zwischen Audio und Video!
    9. Die richtige Polung
    10. Die Gerätesicherung
  3. Welcher Lautsprecher passt in welchen Raum?
    1. Große oder kleine Boxen?
    2. Subwoofer?
    3. Flächenstrahler
    4. Hornlautsprecher
    5. Plasma, Ionen und Co.
  4. Welchen Verstärker brauche ich?
    1. Boxen und Amps – auf jeden Pott passt n Deckel
    2. Stereo oder Mehrkanal?
    3. Ist Mono heute ausgemachter Blödsinn?
    4. Vollverstärker oder Vor- und Endstufe trennen?
  5. Verbindungen schaffen
    1. NF-Kabel
    2. Lautsprecherkabel
    3. BiWiring
  6. Jetzt muss man nur noch hören können
    1. Fehler beim Hören
    2. A-/B-Vergleiche
    3. Hören Sie mit dem Bauch
    4. Fragen Sie Ihre Frau
  7. Und schwups – schon klingt es.

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

 

Die HiFi-Hoerschule

Die HiFi-Hörschule

Die HiFi-Hörschule

Hören und beurteilen lernen anhand von Musikbeispielen

Um heraus zu finden, wie gut eine HiFi-Anlage klingt, muss man einfach nur gut hinhören.
Doch haben Sie dabei auch manchmal das Problem, dass Sie nicht so genau wissen, worauf Sie beim Hören achten müssen?
Haben Sie sich deshalb schon mal gewünscht, Ihnen würde jemand anhand von Musikbeispielen verdeutlichen, wie man „richtig hört“ und das Gehörte zu beurteilen ist?

Nun – genau das will ich mit meiner „HiFi-Hörschule“ versuchen.

Zwar gibt es zur Bewertung einer HiFi-Anlage eine Vielzahl von Kriterien die zu beachten sind und einige davon eignen sich überhaupt nicht dafür, sie in einem Bericht zu beschreiben, aber ich bin mir sicher:
Wenn Sie erst einmal den ersten Schritt gemacht haben, dann kommen die anderen ganz von allein.
Denn wie immer ist auch hier das Anfangen das schwierigste.
Also los!

Was Sie zum Mitmachen brauchen.

Da diese HiFi-Hörschule auf Musikbeispielen basiert, brauchen Sie natürlich die besprochenen Musik-Titel. Hierbei ist es egal, ob Sie sie auf CD besitzen, auf LP oder aus dem Netz streamen.
Um Ihnen die Chance einzuräumen, auf alle Titel zugreifen zu können, habe ich mich auf Songs und Veröffentlichungen beschränkt, die auf Qobuz, Tidal und Spotify zum Streamen bereitstehen.
Perfekt wäre es also, wenn Sie einen Streamer wie den Auralic Aries Mini (gerne auch einen Altair) oder den Discovery von ELAC zur Verfügung hätten.

Keine Ursachenforschung!

Diese HiFi-Hörschule ist nicht dazu geeignet, die Ursache dafür zu ermitteln, wenn Sie meine Beschreibungen an Ihrer Anlage nicht nachvollziehen können. Es geht hier auch nicht um die Frage, welche Wiedergabe „richtig“ und welche „falsch“ ist. Es geht nur darum, dass die Aufnahmen sehr unterschiedlich sind. Von Titel zu Titel muss also auch bei Ihnen eine Veränderung zu hören sein. Nur darum geht es hier.

Das Thema: Der Aufnahmeraum

Auf der einen Seite steht der Künstler, auf der anderen die Tontechniker.
Wer als aktueller Star nur mal eben schnell den nächsten Sommerhit produzieren will, dem ist es vermutlich gleichgültig, von welchem Studio sein Titel produziert wird.
Doch ein Künstler mit hohem Anspruch an die Klangqualität, der sucht natürlich schon nach dem „besonderen“ Aufnahmestudio.
Haben sich die beiden gefunden – geht uns High-Endern das Herz auf.

Unterpunkte des Themas „Der Aufnahmeraum“ sind die folgenden Begriffe:

  • Räumlichkeit
  • Ortbarkeit
  • Breitenstaffelung
  • Tiefenstaffelung
  • Vertikale Abbildung
  • Größenabbildung
  • Abstand der Musiker zueinander

Theoretischer Teil – oder: Die Aufnahme

Musik nehmen wir mit einem Mikrofon auf.
Ein (!) Mikrofon – das bedeutet: Mono oder eben nur ein Kanal.
Es bedeutet auch:  Keine Dreidimensionalität.

Um dreidimensional sehen oder hören zu können, brauchen wir zwei Augen, zwei Ohren.
Um Musik dreidimensional aufnehmen zu können, brauchen wir zwei Mikrofone.
Diese beiden Mikrofone so aufzustellen, dass alle Stimmen, alle Instrumente und auch die Rauminformationen so aufgezeichnet werden, dass man beim Abhören glaubt, sich wieder im Aufnahmeraum zu befinden, das ist die „hohe Kunst“ der Tonmeister und -techniker.

In manchen Aufnahmesituationen sind aber auch die größten Könner unter ihnen mit dieser Aufgabe überfordert und dann brauchen auch sie einfach mehr als zwei Mikros.
Deshalb wurde die Mehrspurtechnik entwickelt.
Mit ihr konnte man nun mehr als zwei Mikrofone aufstellen, einzelnen Stimmen und Instrumenten eigene Mikros, also eigene Spuren geben, sie sogar zeitlich nacheinander oder an völlig unterschiedlichen Orten aufzeichnen. Waren sie so wie man sie haben wollte – also fehlerfrei eingespielt, mischte man alle Spuren zu einer Zweikanalaufnahme zusammen.

Einige Tontechniker unterlagen den Reizen der Mehrspurtechnik und so entstanden die berühmten Ping-Pong-Aufnahmen, wie wir sie z.B. von frühen Beatles-Aufnahmen kennen. Zieht man den Stecker vom rechten Kanal ab – ist Paul McCartney verschwunden, zieht man den linken Stecker, macht Ringo eine Pause.

Der nächste technische Schritt lag dann darin, dass man diese einzeln aufgenommenen Spuren am Mischpult dreidimensional „im Raum verschieben“ konnte.
Der Tontechniker von Pink Floyd war z.B. davon so begeistert, dass er bei Grantchester Meadows das Gezwitscher eines Vogels eindrucksvoll – aber völlig unrealistisch – dreidimensional durch den Raum schwirren lässt.

Durch die Mehrspurtechnik gelang es, auch sehr schwierige Aufnahmesituationen zu meistern, z.B. große Orchester aufnehmen und abmischen zu können.
Doch was wird aus der „Rauminformation“, wenn jedes Instrument einzeln, an einem anderen Ort, in einem anderen Raum und zu einer anderen Zeit aufgenommen wurde? Wenn es also unterschiedliche Aufnahmeräume gegeben hat?
Antwort:  Es kommt darauf an.
Entweder, der Tonmeister verzichtet einfach auf „den Raum“, oder er gönnt ihm vielleicht eigene Spuren. Oft erzeugt er ihn aber auch künstlich durch Hall und Echo oder er „ruft ihn ab“. Ein Knopfdruck und wir sind im Concertgebouw in Amsterdam, in der Carnegie Hall in New York – oder wo auch immer.
Für uns zuhause heißt das nichts anderes, als dass unsere Anlage uns im besten Fall mit jedem neuen Titel auch in einen neuen Raum hineinführen sollte.

Praktischer Teil

Titel 1

Kommen wir jetzt zu den Musikbeispielen und beginnen wir mit dem Stück „For the good times“ von Al Green. (Aus dem Album „I`m still in Love with you“. Das Original stammt aus dem Jahr 1972, die Portale präsentieren uns die Neuauflage aus dem Jahr 2013)

Der Titel beginnt mit einem „sehr kleinen“ Schlagzeug, das nur ganz knapp nach links (vom Hörer aus gesehen) aus der Mitte versetzt ist und einer Elektroorgel, die sich den Standplatz mit dem Schlagzeuger zu teilen hat. Einen Hinweis auf den Aufnahmeraum suchen wir vergebens.
Wie der Schlagzeuger seine „Schießbude“ aufgebaut hat, erfahren wir ebenfalls nicht. Die Snare, die Base-Drum und das Hi-Hat scheinen allesamt am gleichen Ort zu stehen. Auch ein „Oben“ und „Unten“ gibt es nicht wirklich. Alles befindet sich etwa einen Meter über dem Fußboden. Das ist zumindest für die Base-Drum zu hoch.
Nach wenigen Sekunden setzen dann links die Streicher ein. Auch hier gibt es keinen Hinweis auf den Aufnahmeraum, der ja jetzt eigentlich „recht groß“ sein müsste.
Wenn Al Green zu singen beginnt, wird es zunehmend „seltsam“, denn er scheint „mitten im Schlagzeug“ zu sitzen. Zu sitzen deshalb – weil auch seine Stimme ihren Ort der Entstehung (Mund genannt) gerade einmal einen Meter über dem Boden zu haben scheint.
Nach etwas mehr als einer Minute setzt dann rechts der Background-Chor ein.
Auch er verfügt wieder über keinen „Raum“, steht aber für einen Background-Chor viel zu weit vorne.
Bei etwa 1:20 gibt es dann ein kleines „Yeah“ der zweiten Stimme, die – wenn man es böse ausdrücken wollte – so wirkt, als säße ein Papagei auf der rechten Schulter von Al Green.
Ab 1:40 zeigt uns dieser „Papagei“ dann aber zum Glück, dass er uns mit einer sehr schönen Stützstimme für Al Green überraschen kann.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden – ich mag diese Aufnahme sehr, jedoch ist sie ein wunderbares Beispiel dafür, dass manche Aufnahmen leider völlig ohne „Rauminformationen“ auskommen müssen. Wenn wir versuchen, in den Raum hinein zu hören, kommen wir zu der Überzeugung, dass hier „das Licht ausgeschaltet“ war – es herrschte einfach völlige Dunkelheit.
Manche sprechen davon, dass man das Gefühl hat, die Musiker würden unter einer Wolldecke spielen und singen.

Räumlichkeit
Es gibt hier keinen Hinweis auf den Aufnahmeraum.

Ortbarkeit
Die Ortbarkeit beschränkt sich auf die vom Tontechniker gewählten Rechts-Links-Informationen. Links die Streicher, rechts der Background-Chor, alles andere ist leicht nach links aus der Mitte versetzt. Und zwar alles am gleichen Platz!

Breitenstaffelung
Die Stereobreite wird durch eine künstliche Positionierung der Streicher und des Chors recht gut ausgenutzt.

Tiefenstaffelung
Die gesamte Aufnahme findet in einem Abstand von ein bis zwei Metern hinter den Boxen statt.
Das kann so nicht stimmen, denn allein die Streicher haben sicherlich einen größeren Platzbedarf gehabt.

Vertikale Abbildung
Streicher und Chor sind etwas höher angesiedelt, alles andere findet auf einer Höhe von etwa einem Meter statt. Sowohl die Base-Drum als auch Al Greens Gesang.

Größenabbildung
Vor allem das Schlagzeug ist viel zu klein.

Abstand der Musiker zueinander
Schlagzeug, Orgel, Gesang und Zweitstimme müssen sich den selben Platz in der Mitte teilen. Die Streicher und der Chor wurden vom Tontechniker nach rechts und links „verschoben“, damit es sich „im Radio schön anhört“.

Gehört mit einem Premium-Account auf Spotify:
Das Beispiel kann problemlos nachvollzogen werden. Durch gewisse Ungenauigkeiten fallen die Fehler aber weniger auf.

Titel 2

Ich wechsle zu folgendem Titel:  „Pretend“ vom Album „Shadows – Songs from Nat King Cole“, gesungen von Hugh Coltman aus dem Jahr 2016.
Dieser Titel wirkt vom ersten Ton an völlig anders, weil er mit einer E-Gitarre auf der linken Seite beginnt, die dreidimensional im Raum zu stehen scheint. Eine E-Gitarre „hat keinen Raum“ – dennoch ist es dem Tontechniker gelungen, uns mit dem Aufziehen der Mikrofone sofort in die Szene hinein zu ziehen und dieser E-Gitarre tatsächlich einen Platz im Raum zuzuweisen.
Das gibt der Aufnahme einen starken Life-Eindruck, der noch dadurch verstärkt wird, dass die Gitarre nicht ganz sauber gespielt wird. Es ist also offenbar nicht die Perfektion, die hier im Vordergrund stand, sondern der Wunsch, dem Hörer das Gefühl zu geben, bei der Aufnahme life dabei zu sein.
Man hört zwar zunächst nichts als diese E-Gitarre – aber der „Raum“ ist bereits da. Man ahnt schon, dass sich in ihm noch mehr Musiker versammelt haben und ist gespannt darauf, was noch wo passieren wird.
Auch der nach wenigen Sekunden einsetzende E-Bass lässt wieder keinen Zweifel daran, dass er sich fast mittig im Raum und zur Gitarre etwas nach hinten versetzt befindet und damit ebenfalls einen Platz zugewiesen bekommen hat. Man kann die Augen schließen und sieht sich förmlich vor einer kleinen Bühne stehen.
Der einsetzende Gesang wird begleitet von einem mächtigen Tritt auf die etwas schlaff gespannte Base-Drum, die dadurch riesig wirkt und eher schlecht zu orten ist.
So ist es in Wirklichkeit auch!
Hi-Hat und Snare werden schön in unterschiedlichen Höhen und wie es sich gehört – nebeneinander (!) abgebildet.
Hugh Coltman steht vor seinem Mikrofon, er steht dort – mittig auf der Bühne und man kann „sehen“, wie er lässig eine Hand in der Tasche hat und mit viel Gefühl diesen alten Song präsentiert.  Auf der rechten Seite „klimpert jemand am Klavier“. Hören Sie sich dieses Klavier an! Wenn das nicht auf einer Holzbühne in einem “Tanzraum” steht – dann kann ich nicht hören.
Man ist mittendrin in einer Party-Szene zu vorgerückter Stunde.
Hier hört man keine „bis zum „Geht-nicht-mehr“ ausgefeilte Studioaufnahme, sondern man ist auf der Feier!
Die Lichtorgeln wechseln langsam ihre Farben und irgendwo dreht sich eine Spiegelkugel. Girlanden ziehen sich um die Bühne.
Man hört nicht einfach nur zu – man ist dort!
Wer hier nicht zwischen sich und Hugh Coltman eng umschlungene Paare verliebt tanzen „sieht“, der sollte sich diesen Titel noch einmal anhören, wenn er in einer anderen Stimmung ist.

Räumlichkeit
Kein Zweifel, wir sind im Garten oder in einer Tenne, einer „Tanzdiele“.

Ortbarkeit
Hier wird das Unmögliche möglich gemacht. Selbst elektronische Musikinstrumente bekommen einen Platz im Raum, als seien sie zu akustischen Instrumenten verzaubert worden. Nur die Stimme ist etwas groß geraten, aber man glaubt sofort, dass das dort „eben so gewesen ist“.

Breitenstaffelung
Sie ist glaubhaft – genau dadurch, dass nicht die maximale Stereobreite ausgenutzt wird. Hierdurch entsteht ein natürlicher Abstand zwischen uns und der Bühne. Wer allerdings genau hinhört, der wird das Gefühl bekommen, dass der Raum selbst rechts, links und nach hinten überhaupt keine Grenzen (Wände) zu haben scheint.

Tiefenstaffelung
Auch hier schöpft die Aufnahme ihre Qualität daraus, dass nichts übertrieben wird. Kleinste Unterschiede werden deutlich. Der Bassist steht weiter weg von uns als Hugh Coltman, aber eben nicht mehrere Meter weit, sondern nur „ein Stück weit“.

Vertikale Abbildung
Die Musik spielt eine Winzigkeit „höher“ als wir es gewohnt sind. Auch das verstärkt den Eindruck, dass auf einer Bühne gespielt wird.

Größenabbildung
Man muss nur die Augen schließen und glaubt, zu jedem Musiker hingehen zu können. Da ist keine Spur von einem kleinen „Mäusekino“ oder „Puppentheater“.
Das Schlagzeug wird auch nicht so weit auseinander gezogen, dass der Schlagzeuger drei Meter lange Arme braucht.

Abstand der Musiker zueinander
Absolut glaubhaft. Niemand nimmt einem anderen den Platz weg, aber man steht auch nicht so weit auseinander, dass man nicht mehr zusammengehören würde. Mir macht es am meisten Spaß, dass die E-Gitarre und der E-Bass so abgebildet werden, wie akustische Instrumente.  Das ist nicht echt – macht aber Spaß!

Gehört mit einem Premium-Account auf Spotify:
Das Beispiel kann mit einer MP3-Datei nur bedingt nachvollzogen werden. Die Stimme wird hier viel zu groß dargestellt. Die Instrumente sind nicht „punktgenau“ zu orten, sondern bedecken große „Flächen“ im Raum. Die Raumtiefe ist nicht wahrnehmbar. Der Life-Eindruck geht verloren, die Aufnahme wirkt hier einfach nur „zermatscht“.

Titel 3

Kommen wir zum nächsten Beispiel für einen eindrucksvoll präsentierten Aufnahmeraum und damit zum neuen Album „Spotlight“ von Rolf Kühn (2016). Hieraus habe ich den Titel „Laura“ ausgesucht.
Der Titel beginnt mit der von Albrecht Mayer gespielten Oboe. Sobald die Mikros „aufgezogen“ werden, befinden wir uns mitten im Aufnahmeraum. Zwar hören wir zunächst eigentlich nur die Oboe, die sich wieder einmal halblinks befindet, aber obwohl im rechten Kanal noch nichts zu hören ist, zweifeln wir keine Sekunde daran, dass auch dort die Mikros „offen“ sind, wir die Luft dort ahnen können und da jemand auf seinen Einsatz wartet.
Verstärkt wird dieser Raumeindruck von einem seltsamen, leisen Geräusch, das genau aus der Mitte kommt und zunächst so klingt, als wären dort sehr weit in der Raumtiefe Trommeln zu hören.
Doch diese Trommeln entpuppen sich immer mehr als Kontrabass, für den sich hier Oliver Potratz verantwortlich zeigt. Nach nicht ganz einer Minute setzt dann auch Rolf Kühn wie vorausgeahnt auf der rechten Seite mit seinem Klarinettenspiel ein.
Über den gesamten Titel hinweg bleibt der abgebildete Raum authentisch und glaubhaft.
Und das auch, obwohl man sich denken kann, dass die Instrumente tatsächlich einzeln im Studio eingespielt wurden.

Räumlichkeit
Es ist „Luft“ vorhanden und man glaubt, sich in einem Raum zu befinden indem diese Musiker gemeinsam spielen. Hinweise auf die Größe des Raums oder die Beschaffenheit der Wände erhalten wir jedoch nicht.

Ortbarkeit
Mit der Stecknadel können wir hier die Austrittsöffnung der Oboe fixieren und fast jede Bewegung dieses Instrumentes nachverfolgen. Und das gilt auch für die Klarinette und den Bass.
Die Tatsache, dass die Blasinstrumente bei wirklich jedem gespielten Ton wie festgemeisselt an ihren Standorten verbleiben und wir nachvollziehen können, wie die Musiker ihre Instrumente bewegen, ist um so beeindruckender, wenn man es auch anders kennt. (siehe MP3)

Breitenstaffelung
Es wurde auf das Maximum verzichtet, was glücklicherweise die Aufnahme natürlicher wirken lässt.

Tiefenstaffelung
Hier spielt man anfangs mit unseren Sinnen und täuscht sie. Der Bass scheint zunächst eine extrem weit hinten gespielte Trommel zu sein. Der Raum scheint also eine große Tiefe aufzuweisen. Erst nach und nach erschließt sich dann die Ursache der „Geräusche“ und wir sehen den Bass greifbar nahe.

Vertikale Abbildung
Fehlerfrei – ohne Tadel.

Größenabbildung
Auch in diesem Punkt ist es den Tontechnikern gelungen, in uns die Illusion zu erzeugen, wir dürften life bei der Aufnahme dabei sein.

Abstand der Musiker zueinander
Auf Grund der recht spärlichen Besetzung besteht keine Gefahr, dass sie zu eng beieinander stehen könnten, aber auch die gewollte Trennung der Instrumente zerreißt das Trio nicht, sondern lässt sie miteinander (!) kommunizieren.

Gehört mit einem Premium-Account auf Spotify:
Das Beispiel kann mit einer MP3-Datei nur bedingt nachvollzogen werden. Die Instrumente werden zerrissen. Die Oboe und die Klarinette scheinen je nach Tonhöhe an völlig unterschiedlichen Orten positioniert gewesen zu sein. Ich habe es nicht geschafft, mir den Titel länger als zwei Minuten anzuhören.

Titel 4

Kommen wir zum nächsten Musikbeispiel und damit zum Titel „Strange Fruit“ von Cassandra Wilsons Album „New Moon Daughter“, das uns auf den Portalen in der Blue-Note-Records-Version aus dem Jahre 2013 angeboten wird. Cassandra Wilson gilt als eine Art Vorzeige-Sängerin, wenn es darum geht, Musiker mit audiophilen Ansprüchen zu nennen.
Das Stück beginnt halblinks mit einem Geräusch, gefolgt vom Kontrabass in der Mitte. Dann setzt links die Trompete ein und rechts ein Saiteninstrument, vermutlich ein Banjo oder eine Mandoline.
Danach beginnt Cassandra Wilson halblinks mit ihrem Gesang.
Tolle Stimme – tolle Musik – absolut gestochen scharfe Ortbarkeit.
Keines der Instrumente lässt irgendeinen Zweifel daran aufkommen, wo genau es sich im Raum befindet.
Doch welche Hinweise erhalte ich auf den Raum?
Um es „höflich“ zu sagen: Nicht viele.
Die Stimme von Cassandra Wilson hat einen Hall und erweckt hier und da den Eindruck, wir könnten einen Raum wahrnehmen – aber das war es auch schon, denn dieser Raum wird von den Instrumenten so nicht bestätigt.
Der Hall, das Echo der Trompete müsste doch irgendwann – irgendwie einmal – wenigstens andeutungsweise – auch in der rechten Raumhälfte zu hören sein. Es ist doch ein lautes Instrument! Das ist aber nicht der Fall.
Auch der Raum auf der linken Seite müsste doch so etwas wie eine Raumhöhe haben, in die sich die Trompetentöne ausdehnen – aber auch hier:  Fehlanzeige! Wir hören einen kleinen Raum um die Trompete, aber nach 30 bis maximal 50 Zentimeter um sie herum ist sie nicht mehr zu hören. Immer wieder kommt ein kleiner Hoffnungs-Schimmer auf – aber er verschwindet so schnell wie er gekommen ist. Es gibt definitiv keinen “Gesamtraum” – es gibt im besten Fall kleine Räume um Cassandras Stimme und um jedes Instrument.

Räumlichkeit
Sie ist leider nicht vorhanden. Auf dieser Aufnahme gibt es keinen Aufnahmeraum, in den man sich „hineindenken“ kann.

Ortbarkeit
Gestochen scharf – mit der Bleistiftspitze können wir auf jedes Instrument tippen und seine Umrisse nachzeichnen.

Breitenstaffelung
Hier wird das Maximum nahezu ausgenutzt, aber dennoch wirkt die Aufnahme nicht künstlich auseinander gezogen.

Tiefenstaffelung
Zwar gibt es Instrumente, die weiter weg stehen als andere, aber über die Tiefe des Aufnahmeraums gibt es keine Informationen.

Vertikale Abbildung
Die korrekte Abbildung der Instrumente und Stimmen in der vertikalen Achse ist gelungen.

Größenabbildung
Jedes einzelne Instrument hat seine glaubhafte – natürliche Größe.

Abstand der Musiker zueinander
Authentisch – damit meine ich – so wie „in Wirklichkeit“.

Gehört mit einem Premium-Account auf Spotify:
Dadurch, dass die MP3-Datei unpräziser abbildet, verschwimmen die Instrumente ein wenig ineinander und wechseln tonhöhen-abhängig schon mal den Standort. Die Ortbarkeit wird dadurch schlechter, der Raumeindruck nimmt jedoch zu. Als MP3-Datei gehört glaubt man fast, dass doch ein realistischer Aufnahmeraum aufgezeichnet wurde.

Titel 5

Zum Abschluss dieses Berichts möchte ich es nicht versäumen, Ihnen noch eine meiner Lieblingsaufnahme zu empfehlen, die zeigt, wie man den Aufnahmeraum vorbildlich darstellen kann. Hierzu nehme ich den Titel „Death Scene“ von Chuck Mangione aus seinem Album „Children of Sanchez“ aus dem Jahre 1978.

Die Geschichte, die man sich zu dieser Musik erzählt lautet, dass Chuck die beiden Musiker Grant Geissman (Gitarre) und  Ron Leonard (Cello) zusammenbrachte und ihnen mitgeteilt haben soll, dass er keine Zeit mehr hätte, ein passendes Stück zu komponieren. Er brachte ihnen lediglich das musikalische Grundthema nahe und bat sie, etwas zur Sterbe-Szene passendes zu improvisieren.
Man erzählt sich, dass der allererste Versuch der beiden Musiker aufgenommen wurde und auf dem Album zu hören ist. Ich kann nicht nachprüfen, ob diese Geschichte wahr ist, aber ich glaube daran.

Geissman beginnt mit seinem Gitarrenspiel. Er sitzt ziemlich mittig und etwa zwei Meter hinter der Lautsprecher-Grundlinie. Er sitzt (!) – „oben/unten“ wird hier realistisch reproduziert.
Es kommt zu keiner Zeit ein Zweifel daran auf, dass wir den Aufnahmeraum hören können, dass wir uns „in ihm“ befinden. Je nachdem, wie er die Gitarre hält und abhängig von der Tonhöhe, schwingen die Töne abwechselnd nach rechts oder links in den Raum hinein und hallen dort von den Wänden und auch vom Fußboden zurück.
Das macht es uns manchmal schwer, die Gitarre zu orten. Aber so ist es auch, wenn wir life dabei sind.
Etwa bei 1:35 erhält Ron Leonard ein Zeichen von Geissman in Form eines sanft gespielten Akkords mit Einzeltönen (Arpeggio) und er setzt mit seinem Cello-Spiel ein. Leonard steht leicht rechts neben und hinter Grant Geissman. Obwohl wir bis zu diesem Zeitpunkt nichts von ihm gehört haben, überrascht es uns nicht, dass da plötzlich noch ein zweiter Musiker zu hören ist. Irgendwie hatten wir ihn schon die ganze Zeit über bemerkt. Während sich die hohen Töne des Cellos vor allem nach rechts oben in den Raum ausdehnen, füllen die tiefen Cello-Töne fast die gesamte linke vordere Raumhälfte aus und wir „sehen“ den Raum, als würde er von den Tönen „ausgeleuchtet“ werden wie von einer Taschenlampe.
Die extrem leisen, mit den Fingernägeln gespielten Gitarrentöne können wir absolut punktgenau orten, weil sie viel zu leise, zu hoch und irgendwie „zu klein“ sind, um sich in den Raum hinein ausdehnen zu können.
Erst ganz zum Schluss werden dann das Orchester und Chucks Stimme mit eingemischt, um uns wieder in die „Filmmusik“ zurück zu holen. Hierbei zerstört man zwar den Raumeindruck, aber genau dadurch, haben wir auch den direkten Vergleich zu dem, was uns noch vor einigen Sekunden so fasziniert hat.

Räumlichkeit
Mit dem Aufziehen der Mikros ist man im Aufnahmeraum. Es ist kein besonderer Raum, keine Kirche, kein Saal. Die beiden Musiker sind einfach in einem „Zimmer“. Und wir mit ihnen gemeinsam!

Ortbarkeit
Schlicht: genial.

Breitenstaffelung
Während sich die Instrumente mit der Raummitte begnügen, zeigen uns die reflektierten Schallwellen, dass es rechts und links noch „weiter geht“.  Die Resonanzen der Instrumente, die sich je nach Tonhöhe in unterschiedliche Richtungen ausbreiten, sind ein klarer Hinweis darauf, dass sie „im Raum stattgefunden haben“ und nicht künstlich hinzugemischt wurden.

Tiefenstaffelung
Ron Leonard ist weiter von uns entfernt als Grant Geissmann. Da das Cello einen höheren Pegel erreicht als die Gitarre, ist auch das für mich ein Beleg dafür, dass man die Aufnahme so perfekt „im Kasten“ haben wollte, dass niemand mehr daran etwas korrigieren musste.

Vertikale Abbildung
Geissmann sitzt, Leonard steht – die Resonanzen sind mal rechts oben, mal links unten. Hier wird nichts „erfunden“, aber was da ist – ist da.

Größenabbildung
Völlig realistisch. Beide Instrumente haben ihre natürliche Größe. Nichts wirkt aufgedunsen oder geschrumpft.

Abstand der Musiker zueinander
Hier gibt es kein PingPong – nicht die Gitarre links und das Cello rechts, hier werden keine Gelüste nach außergewöhnlichen Ereignissen befriedigt. Hier steht ein Cellist hinter und ganz leicht rechts neben einem sitzenden Gitarristen.  Wie sagt man so gerne?  Weniger ist mehr. Und genau das ist hier der Fall!

Gehört mit einem Premium-Account auf Spotify:
Das Beispiel kann nur sehr bedingt mit einer MP3-Datei nachvollzogen werden. Die Instrumente sind einfach viel zu groß und ungenau dargestellt. Die Gitarre „erschlägt“ uns bereits mit ihren ersten Tönen. Der Direktschall und der Diffus-Schall vermischen sich und an manchen Stellen ist es unmöglich zu sagen, wo die Musiker gespielt haben. Ein solches Juwel hört man einfach nicht als MP3-Datei!

Tipp

Vier Augen sehen mehr als zwei Augen und vier Ohren hören mehr als zwei Ohren.
Laden Sie sich einen Freund ein und hören Sie sich die Musikbeispiele mit ihm gemeinsam an.
Diskutieren Sie über die Aussagen in diesem Bericht und über das, was Sie selber wahrnehmen.
Es geht hier nicht darum, mir recht zu geben.
Es geht darum, dass Sie ein Gespür für das Thema bekommen.
Das Hören will geübt sein und Sie werden ganz sicher von Tag zu Tag merken, dass Sie sicherer werden.

Wenn Sie aber das Gefühl haben, irgendwie „völlig auf dem Schlauch zu stehen“ und gar nicht weiter zu kommen, dann melden Sie sich bitte bei mir.
Sollte Ihnen dieser Bericht gefallen haben, würde ich mich über einen Kommentar von Ihnen sehr freuen!

Haben Sie vielen lieben Dank dafür!
Ihr Wolfgang Saul

Die Tonabnehmer-Justage

Die Tonabnehmer-Justage

Die Tonabnehmer-Justage

AUDIOSAUL zeigt Ihnen, wie Sie die Tonabnehmer-Justage zukünftig auch alleine hinbekommen.

Sind Sie auch manchmal so ein richtiges Gewohnheitstier?
Eine meiner starren Gewohnheiten ist die Art und Weise wie ich Tonabnehmer justiere.
Irgendwann, so vor etwa 30 Jahren, stieß ich auf die mittlerweile fast legendäre „Schön-Schablone“ – und bin davon nie wieder abgekommen.

So sah er aus, der Typ 1, den ich immer noch im Einsatz habe.

Schön-Schablone Typ 1

Schön – Schablone Typ 2

Mittlerweile gibt es einen Nachfolger, den Typ 2, der noch ein wenig komfortabler gestaltet ist. Er wurde deshalb erforderlich, weil die 1982 von Herrn Schön auf Film gezogenen Vorlagen von der Druckerei (Standardgraph) nach der Umstellung auf das digitale Zeitalter nicht mehr verwendet werden konnten. Nach einem längeren Telefonat mit Herrn Schön habe ich allerdings jetzt auch den Typ 2 geordert.

Schön-Schablone Typ 2

Es gibt noch eine Welt außerhalb von “Schön”

Können Sie sich vorstellen, welche Kräfte auf einen HiFi-Händler im Laufe von 30 Jahren einwirken, die einen von dieser Schön-Schablone abbringen wollen, um sie durch ihre eigenen Entwicklungen zu ersetzen?
Doch selbst die Androhung der Beendigung jeglicher Partnerschaften hat mich nicht von ihr abbringen können. Sie war günstig, einfach zu bedienen und gut.
Und warum auch hätte ich sie austauschen sollen? Gegen was?

Die Aussagen einiger Tonarm-Hersteller, dass die Schön-Schablone zu falschen Justagen führt, habe ich immer wieder geprüft und hinterfragt –  konnte sie aber bis auf ein paar ganz wenige Ausnahmen nie bestätigen.
Justierte ich zunächst mit der Schön-Schablone und prüfte dann mit der vom Tonarm-Hersteller mitgelieferten Einstellhilfe, waren die Ergebnisse meistens identisch. Ganz genau so, wie wenn ich die Reihenfolge änderte.
In mir erzeugte das den Glauben daran, dass es eben nur eine einzige „mathematische Wahrheit“ geben kann. Und wenn ein Entwickler sich an diese Wahrheit hielt, dann musste das eben immer auch zum gleichen Ergebnis führen  – gleichgültig, welcher Name sich dort auf der Schablone verewigte.

Neben Baerwald, Loefgren, Bauer und Stevenson als Mathematiker und Schön als Physiker und Anbieter einer Einstellhilfe, gab es ja auch noch weitere Produzenten von Einstellhilfen und mindestens noch ein Dutzend „Hobby-Mathematiker“, die kräftig rechneten und zeichneten und mit einer erstaunlichen Vehemenz versuchten, die Welt von sich und ihren „neuen“ Ergebnissen zu überzeugen.

Als ich mir im Jahre 1987 den Ortofon TC3000 Messcomputer zulegte, der damals gewichtige 15.000,- DM kostete, wurde meine Ansicht erneut bestätigt.
Wie ich auch justierte, die besten Ergebnisse spuckte mir der TC3000 aus, wenn ich die Schön-Schablone benutzt hatte.

Manchmal ließ ich mich zu wirklichen Justage-Orgien hinreißen, wenn ich einen Plattenspieler erst dann ausliefern wollte, wenn alle Parameter ihr maximal mögliches Ergebnis ablieferten. Das konnte dann gut und gerne auch mal 3-4 Stunden dauern. Am Ende gab es aber fast immer eine Einstellung, die der mit der Schön-Schablone am nächsten kam.

Einzig den auf der Schablone aufgedruckten Tipp, eine Bleistiftmine mit Tesa auf den Tonabnehmer zu kleben, hielt und halte ich immer noch für undurchführbar.

Bleistiftmine mit Tesa

Teppichband statt Tesa

Mir ist es jedenfalls nie gelungen, die Mine mit Tesa so auf den Tonabnehmer zu kleben, dass sie plan auf die Front gepresst wurde. Bei mir war das immer ein „sehr ungenaues und wackelndes Etwas“, weshalb ich das Tesa durch doppelseitiges Klebeband (Teppichband) ersetzt habe. Ein kleines Stückchen um die Bleistiftmine gewickelt und das Konstrukt dann an den Tonabnehmer geklebt, das war deutlich genauer. Außerdem habe ich mir auch irgendwann einmal einen Metallstift machen lassen und damit die Bleistiftmine ersetzt.

Teppich-Klebeband

Allerdings muss man sagen, dass man sowieso nur bei Tonabnehmern etwas an die Frontseite kleben kann, die vorne auch eine schöne große und gerade Front bieten. Bei „nackten“ (ohne Gehäuse ausgelieferten) Systemen oder solchen mit runden Gehäusen gab es oftmals keine Möglichkeit, die Mine dort anzubringen.

Zum Glück hatten die meisten Tonabnehmer dann aber wenigsten eine gerade Rückseite. Und oft ließ sich dort zwischen, unter oder über den Kontaktstiften eine Stelle finden, an der man die Mine doch noch ankleben konnte.

Da die Schön-Schablone auch im hinteren Bereich noch parallele Linien aufgedruckt hat, ist sie selbst in diesen Fällen noch durchaus zu verwenden.

Hintere Linien

War das nun eine lange Einleitung, um doch einen Wandel anzukündigen?

Nun – der Drucker an meinem TC3000 streikt. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass jetzt der richtige Moment gekommen ist, ihn zu ersetzen. Viel Auswahl bietet der Markt da nicht. An der Software von Herrn Dr. Feickert wird man wohl kaum vorbei kommen. Doch was kann sie?

Dr. Feickert – Ihr Einsatz?

Ich hatte schon in Krefeld auf der AAA-Messe mit Dr. Feickert gesprochen und nach einem erneuten Telefonat war nun ein Paket mit seiner Software und auch gleich mit seiner Einstell-Schablone zu mir unterwegs.

Protractor

Quellenangabe:  Dr. Feickert

Der Protractor

Diese Schablone hört auf den Namen „Protractor Next Generation“.
Für alle, die bei Englisch immer hinter der Säule gesessen haben:
Protractor heißt übersetzt Winkelmesser.
Next Generation müssen Sie selber nachschlagen. 🙂

Das Interessante an diesem Protractor ist, dass er mehrere Justage-Varianten anbietet.
Und dass mir schon von so manchem bestätigt wurde, dass die Genauigkeit, mit der die Schablone gefertigt wird, außerordentlich hoch sein soll.

Doch ist das nun das Ende meiner Schön-Schablonen-Ära oder nicht?

Warten wir es ab!

Zunächst fällt auf, dass der Protractor nicht nur aus einer flachen Scheibe besteht, sondern auch noch einen Aufbau mit einer verschiebbaren Querstange aufweist.
Dieser Aufbau hat den Sinn, die Querstange, an der hinten noch ein kleiner angespitzter Stab befestigt ist, genau auf das Tonarmlager ausrichten zu können. Weil nur so die korrekte Einstellung des Überhangs möglich ist.
Auf diesem Stab gibt es eine Skala und an ihr kann man die Tonarmlänge ablesen. Für die Justage ist dieser Wert eher weniger von Bedeutung.
So einen Aufbau hat die Schön-Schablone jedenfalls nicht. Sie kommt vor allem aus preislichen Gründen mit einer aufgedruckten Linie aus, die „ungefähr“ in Richtung Tonarmlager gedreht werden muss, damit man „ungefähr“ den Überhang einstellen kann.

Ihnen ist das zu viel „ungefähr“?

Mag sein – ist aber nicht wirklich tragisch, denn bei der folgenden Justage ist es sowieso so gut wie unmöglich, z.B. die Kröpfung zu verdrehen, ohne gleichzeitig auch den Überhang mit zu verschieben.
Und deshalb müssen wir eben auch jedes mal wieder von vorne anfangen, wenn wir den Tonabnehmer verschoben oder verdreht haben. Das gilt für jede Schablone!

Manche Headshell- oder Tonabnehmer-Formen lassen diesen Einstellvorgang mehr zu einer Schätzung werden, denn zu einer Messung. Was nutzen einem parallele Linien bei einem runden Tonabnehmer-Gehäuse?
So manches mal habe ich mir dann schon vorgestellt, den Tonabnehmer-Hersteller an einem Nasenring zu meinem Plattenspieler zu ziehen und ihm die Aufgabe zu erteilen, das Dingen doch selber zu justieren.
Ja – manchmal hatte ich solche Gedanken. Hmh.

Deshalb sei mir folgender Hilferuf gegönnt:

Liebe Tonabnehmer-Hersteller!
Wenn Ihr die derzeit stattfindende Rückkehr zum Plattenspieler unterstützen wollt – dann denkt an die Justage Eurer kleinen Lieblinge und an die Menschen, die sie vornehmen müssen. Bohrt doch einfach an passender Stelle ein Loch quer durch das Gehäuse und legt dem Tonabnehmer einen dünnen Stift mit in die Verpackung! Bitte!
Und dann denkt natürlich auch daran, den Nadelträger im System so zu justieren, dass er auch im 90°-Winkel zu der Bohrung steht, weil Ihr Euch das sonst natürlich alles schenken könnt.

 

Doch wie ist das jetzt beim Protractor?

Das Rad neu erfunden hat Herr Dr. Feickert ja sicher nicht, oder?

Nun, er verlangt zunächst einmal von uns eine Entscheidung:
Welchem Mathematik-Druiden wollen wir folgen?

Baerwald, Loefgren oder Stevenson?
Bauer und Schön suchen wir auf dieser Schablone vergebens.

Bei dieser Entscheidung wird der Anwender allerdings von der Bedienungsanleitung allein gelassen.
Offensichtlich geht man davon aus, dass der Besitzer eines Protractors schon wissen wird, welchem Propheten er folgen will.
Ist das so?

Nun – ich bezweifle das.

Wodurch unterscheiden sich diese Theorien – oder sind es gar Philosophien?
Worauf basieren ihre Berechnungen?
Muss ich mir von allen Dreien Bücher kaufen und diese womöglich auch noch in deren Muttersprache lesen?
Und selbst wenn ich dazu in der Lage wäre – weiß ich dann hinterher, wem ich glauben kann?

Wieso gibt es denn überhaupt unterschiedliche Theorien, wenn es doch um Mathematik geht?

Wenn ich drei mal vier rechnen soll, dann gibt es exakt ein einziges richtiges Ergebnis und da sagt mir nicht Baerwald, dass das dann 11,98347 ist, Loefgren ist für 12,156 und Stevenson für eine glatte 12, oder?

Tatsächlich ist das auch alles Unsinn was ich hier schreibe. Die hinter diesen Berechnungen liegende Mathematik ist nämlich bei allen völlig identisch. Erst die Berücksichtigung voneinander abweichender Prioritäten führt zu unterschiedlichen Interpretationen.

Der Grund für die unterschiedlichen Interpretationen liegt zunächst einmal darin, das es ja bei einem Drehtonarm tatsächlich keine richtige Justage gibt – eigentlich ist jede Justage und sei sie noch so mathematisch ausgeklügelt – schlicht und ergreifend falsch! Nur der Tangential-Tonarm bleibt über die gesamte Schallplatte hinweg ohne Spurfehlwinkel.

Tangentialtonarm - Quelle: W.E. Schön

Tangentialtonarme Quellenangabe:  W.E. Schön

 

Ein Tonabnehmer kann nur entweder genau parallel über der Rille stehen (das wäre dann ein Nulldurchgang) oder davon abweichen, dann haben wir es mit einem Spurfehlwinkel zu tun.
Während der Tangential-Tonarm fortlaufend parallel zur Rille (oder eben im 90°-Winkel zur Tangente) steht, bringt es ein Drehtonarm im besten Fall auf zwei Nulldurchgänge. In allen anderen Bereichen weicht er vom Idealwert ab.

Spurfehlwinkel

Spurfehlwinkel – Quellenangabe:  W.E. Schön

Steigen wir an dieser Stelle ein klein wenig tiefer in die Materie ein, um zu verstehen, wieso es zulässig ist, die Mathematik unterschiedlich zu interpretieren.

  • Die Platte dreht sich um ihren Mittelpunkt.
  • Der Tonarm dreht sich um seinen Mittelpunkt.
  • Beide Punkte sind nicht identisch.

Der Versuch, einen Tonabnehmer „einfach vorne an einen geraden Stab“ zu binden, führt zu dem Ergebnis, dass der Tonabnehmer nur ein einziges mal exakt parallel zur Rille verläuft. Vorher und hinterher müssen wir mit erheblichen Abweichungen (Spurfehlwinkeln) leben, die um so größer werden, je weiter sie von diesem Nulldurchgang entfernt sind. Eine Langspielplatte wäre mit einer solchen Konstruktion nicht komplett abspielbar, ohne Schaden zu nehmen.

 

Tonarm ohne Kröpfung

Tonarm ohne Kröpfung – Quellenangabe  W.E. Schön

Durch einen genialen Trick ist es den Mathematikern gelungen, die Anzahl der Nulldurchgänge auf zwei zu erhöhen und damit zu verdoppeln.
Sie machen einfach einen Knick oder einen Bogen in diesen Stab (Tonarm).
Diesen Knick nennt man Kröpfung.

Tonarm mit Kröpfung

Tonarm mit Kröpfung – Quellenangabe: W.E. Schön

Doch die Kröpfung alleine nützt uns noch gar nichts. Erst durch das Verschieben des Tonarms oder des Tonabnehmers zur Plattenmitte hin, erhalten wir diese Geometrie, die uns die beiden Nulldurchgänge beschert.
Der Diamant darf also nicht genau auf die Plattenteller-Mittelachse zeigen, wenn wir den Tonarm nach innen führen, sondern er muss etwas darüber hinausragen. Diesen Wert nennt man Überhang.
Will man also einen Tonabnehmer justieren, geht es um genau diese beiden Werte:

Kröpfung und Überhang.

Führen wir den Tonarm von außen nach innen über eine Schallplatte, ergeben sich die folgenden 5 Bereiche:

1) „Plus-Abweichung außen“ – vor dem äußeren Nulldurchgang.
2) Äußerer Nulldurchgang.
3) „Minus-Abweichung“ – zwischen den beiden Nulldurchgängen
4) Innerer Nulldurchgang
5) „Plus-Abweichung innen“ – hinter dem inneren Nulldurchgang

Baerwald

… optimiert die Plus-Abweichungen, also die vor dem äußeren und die nach dem inneren Nulldurchgang. Er legt die beiden Nulldurchgänge dafür auf 66,0 und 120,9 mm (von der Plattenmitte gemessen).

Loefgren

… optimiert, zumindest in seiner zweiten Publikation, die Minus-Abweichungen, also die zwischen den beiden Nulldurchgängen. Er legt die beiden Nulldurchgänge dafür auf 70,3 und 116,6 mm.

Stevenson

… verschiebt die beiden Nulldurchgänge ein wenig nach innen und zieht sie weiter auseinander, wodurch außen höhere Abweichungen entstehen als zur Plattenmitte hin. Er legt dafür die Nulldurchgänge auf 60,325 und 117,42 mm
Alle drei Theorien gehen mit ihren Lösungsansätzen auf die Fragen ein, ob sich ein Spurfehlwinkel außen stärker oder schwächer auf die Wiedergabe auswirkt als innen und ob das was mit der Geschwindigkeit zu tun hat, mit der der Diamant durch die Rille gleitet.

Nun gut – so viel zur Theorie.

Machen wir uns doch jetzt mal daran, das Ding auch zu benutzen.

Vor mir steht ein Pro-Ject RPM 9.1 Carbon-Laufwerk mit Pro-Ject 9“ Evolution-Tonarm und einem Ortofon Quintet Bronze. Die Quintet-Serie heißt (wohl nicht nur bei mir) die „Lego-Serie“. Jeder der sie sieht, wird sofort wissen, wieso.

Praktisch an ihnen ist, dass die Tonabnehmer der Serie wunderbar glatte Seiten haben, die alle im rechten Winkel zueinander stehen und große Flächen besitzen. Da braucht man fast keine Bleistiftmine, die Justage klappt mit ihnen oft auch so.

Schablone ausrichten

Zunächst gilt es, die Spitze am Ende der verschiebbaren Querstange exakt auf das Tonarmlager auszurichten. Da der Pro-Ject-Arm oben ein Loch hat, das die Mitte des Tonarmlagers markiert, ist die Ausrichtung hier ein Kinderspiel.

Lagermitte festlegen

Step 1 – Überhang messen/einstellen

Ich führe den Tonarm zur mit „Step 1“ markierten (mittleren) Schablone.
Meine Nadel trifft den Stevenson-Punkt exakt.

Step 1

Für Baerwald ist der Überhang ein wenig zu kurz und für Loefgren ist er „viel zu kurz“.

Folgt die Schön-Schablone, mit der ich ja das Bronze justiert habe, also etwa der Stevenson-Theorie? In der Anleitung von Walter Schön finde ich zwar Hinweise und Bezüge auf Baerwald und Loefgren, aber keine auf Stevenson!?

Ich hebe die Stange, die auf das Tonarmlager zeigt an, fixiere sie und kann nun die Schablone so drehen, dass ich zu „Step 2“, der äußeren der drei Schablonen komme.

Step 2

Hier liegen die beiden Punkte nach Loefgren und Stevenson sehr dicht beieinander – zum Baerwald-Punkt gibt es einen recht großen Abstand.
An dieser Stelle kommt meine erste Kritik am Protractor:  Die Linien sind ziemlich „geizig“ gedruckt. Selbst mit diesem „Legostein“ von Tonabnehmer fällt es schwer, nach Parallelen oder rechten Winkeln zu suchen und ich muss doch wieder die Bleistiftmine verwenden.

Beim Quintet kann ich sie problemlos an die Front kleben. Müsste ich die Bleistiftmine an der Rückseite des Tonabnehmers befestigen, würde mich das hier nicht weiter bringen, denn dort gibt es keine Striche mehr auf dieser Schablone, an denen ich etwas ausrichten kann.

Nun gut – die Justage nach der Schön-Schablone liegt irgendwo zwischen Loefgren und Stevenson. Der Baerwald-Punkt ist weit weg und ich möchte jetzt schon mutmaßen, dass Baerwald und Schön wohl auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen sind.

Ich wechsle zur dritten Schablone nahe der Plattenmitte und erlebe jetzt eine kleine Überraschung.

Zunächst hatte ich mich darüber gefreut, dass die drei Punkte ziemlich weit auseinander liegen, was eine Einschätzung und Prüfung vereinfachen sollte, was sich auch bestätigt hat.

Step 3

Jetzt folgt aber die Überraschung:

Hier innen stimmt meine Justage sowohl mit dem Loefgren- als auch mit dem Baerwald-Punkt (!) exakt überein – allerdings nicht mit dem Stevenson-Punkt.
Sollte die Schön-Schablone also doch noch eine ganz eigene – von allen anderen abweichende Geometrie besitzen?

Ich werde unsicher und schnappe mir noch einmal meine Schön-Schablone. Hatte ich wirklich sorgfältig genug gearbeitet? Oder war mir etwa eine Ungenauigkeit durchgerutscht?

Kröpfung? Passt!
Überhang? Passt, oder?
Ich bin mir nicht ganz sicher.
Ich brauche mehr Licht!
Da war doch …

Beim Auspacken des Protactors hatte ich so ein kleines Teil entdeckt mit einem Kettchen und einem Ring dran. Offensichtlich, damit man es am Schlüsselbund oder so befestigen kann. Ich konnte das aber nicht richtig erkennen und dachte mir jetzt, dass es doch ganz praktisch wäre …

… und tatsächlich – es handelt sich um eine kleine Taschenlampe.

Was hier hochtrabend klingt, ist zunächst natürlich Unsinn, denn eine richtige Taschenlampe ist es nicht. Andererseits aber stimmt es doch, denn die Lichtausbeute im Nahbereich ist hervorragend!

Und das Ergebnis meiner Prüfung?

So oft ich mir auch selbst misstraue und es immer wieder überprüfe: Ich hatte nicht oberflächlich und flüchtig gearbeitet. Das Quintet war auf den Punkt genau justiert.

Schaue ich also mal nach, wo denn Herr Schön seine Nulldurchgänge hingelegt hat.

Ich finde:  62,5 und 117,2 mm.
Damit liegt er tatsächlich sehr dicht an der Kurve von Stevenson, die sich nach innen hin noch ein wenig weiter streckt als die Schön-Variante.

Um ganz sicher zu sein, dass ich nicht den Fehler begehe, die Ergebnisse einer einzelnen Kombination als allgemein gültig zu erklären, wechsle ich zu einem anderen Plattenspieler.

Vor mir steht ein AVID Sequel SP mit einem SME-Tonarm und einem Jan Allaerts MC 2.
Auch das Jan Allaerts verfügt über große, gerade Seiten, bereitet also beim Justieren eigentlich keinerlei Probleme.

Step 1 ?

Exakt das gleiche Ergebnis wie auch beim Pro-Ject:  Der Stevenson-Wert stimmt – für alle anderen Theorien ist der Überhang zu kurz eingestellt.
Und ich kürze ab:  Auch bei den beiden anderen Punkten wiederholt sich das Ergebnis vom Pro-Ject-Plattenspieler.

Welche Erkenntnisse lassen sich daraus ziehen?

Zunächst einmal folgendes:

Da der Überhang für Baerwald und Loefgren bei meiner Justage nach Schön nicht stimmte, können die beiden Werte für den äußeren und den inneren Nulldurchgang von mir hier gar nicht beurteilt werden.

Der korrekt eingestellte Überhang ist unabdingbare Voraussetzung dafür, dass die anderen beiden Werte überhaupt geprüft werden können.

Ich beschließe nun folgenden weiteren Arbeitsablauf:

A) Ich werde mir eine Schallplatte mit kritischen Gesangsstellen anhören. Dazu wähle ich Cafe Blue von Patricia Barber. Auf der ersten Seite höre ich mir das erste Stück an (What a Shame) und auf der zweiten Seite natürlich „Too rich for my blood“. Das ist zwar nicht das letzte Stück, aber durch die Passagen, in denen Frau Barber extrem hoch singt, kann man sofort erkennen, ob ein Tonabnehmer korrekt justiert worden ist oder nicht.

B) Ich justiere das Laufwerk komplett nach Stevenson.

C) Ich justiere nach Loefgren

D) Ich justiere nach Baerwald

Wir beginnen mit A) – Justage nach Schön.

Zum Klangergebnis muss ich nicht viel schreiben – würde es mir nicht gefallen und würde es nicht sauber (also frei von störenden Verzerrungen) arbeiten, würde ich mit diesem Laufwerk nicht vorführen.

Nun kommen wir zu B) – Was taugt Stevenson?

Die Berechnungen von Stevenson, die hier auf der Schablone verwendet werden, stammen aus dem Jahre 1966 und sind damit die aktuellsten auf dem Protractor! Ja – Sie haben richtig gelesen!  Die anderen sind noch älter (Loefgren 1938, Baerwald 1941).

Ich korrigiere den Überhang um ein winziges Maß, eigentlich nur, um wirklich ganz korrekt zu arbeiten. Auch beim äußeren Nullpunkt muss ich nur eine Winzigkeit korrigieren. Der innere stimmt damit automatisch – genau so muss es sein. In mir bestätigt sich der Verdacht, dass Schön und Stevenson mit ihren Theorien sehr nahe beieinander liegen müssen.

Ich höre den Song „What a shame” (ganz außen)
Und – ich müsste mir hier etwas aus den Fingern saugen, wenn ich von einem Klangunterschied schreiben wollte, was ich nicht tun möchte.

Too rich for my blood (mehr innen)
Hier sieht es etwas anders aus. Patricia Barber singt tatsächlich „befreiter“ auf, der Raum wird selbstverständlicher abgebildet. Der Unterschied ist nicht gewaltig, aber wer öfter mal Tonabnehmer einstellt, der kennt das Gefühl, nicht ganz zufrieden zu sein und er weiß auch wie es ist, wenn man plötzlich um das Laufwerk einen Zaun bauen möchte, weil man da jetzt niemanden mehr heran lassen will. Das zweite Gefühl beschleicht mich soeben. Irgend etwas in mir sagt, dass ich da jetzt nichts mehr dran tun sollte.

Fazit Stevenson

Spielt man ein äußeres Stück auf der Platte ändert sich zur Justage nach Schön nichts.

Wechseln wir zu D) Baerwald

Ich habe C) übersprungen? Ja, Sie haben Recht. Ich war einfach zu neugierig. Die Justage nach Baerwald wich bei meiner anfänglichen Überprüfung am stärksten von der Schön-Schablone ab und deshalb wollte ich jetzt einfach wissen was passiert.

What a shame
Wieder will es mir nicht gelingen einen Unterschied zu hören. Theoretisch müsste die Wiedergabe mit einer Baerwald-Kurve bei den äußeren Stücken am besten sein. Einen Nulldurchgang bei 120mm bietet sonst keine Schablone!

Doch es tut sich nichts – jedenfalls nicht genug, dass ich es hören könnte.

Too rich for my blood
Ganz anders bei diesem Stück. Hier stellt sich deutlich eine Verschlechterung ein. Patricia Barber hat keinen Mund mehr – das ist fast ein „Maul“! Und ein wenig nervig klingt es auch!

Kann das denn sein?

Stevenson legt den inneren Nullpunkt auf 60 mm, Baerwald auf 66 mm.
Ja,  – und an welcher Stelle liegt nun der Song?

Ich messe nach und stelle fest, dass der Bereich, in dem die Stimme am einfachsten bewertet werden kann, irgendwo zwischen 100 und 110 mm liegt – also weit weg vom inneren Nulldurchgang!

Moment mal! Wo legt Stevenson seinen inneren Nullpunkt hin? Auf 60mm?

Da ist bei mir die Auslaufrille!

Baerwald legt sie auf 66 mm?

Ich messe genau nach:

Die Songs auf dieser Cafe Blue liegen im Bereich zwischen 72 und 146 mm.

Also selbst das größte Maß für den inneren Nulldurchgang bei Loefgren liegt bei rund 70 mm und damit ebenfalls an einer Stelle, an der sich überhaupt keine Musik befindet!

Was nützt mir denn ein Nulldurchgang an einer Stelle, an der überhaupt keine Musik spielt?

Ich verstehe ja, dass das alles irgendwie zusammenhängt und dass ich ja auch den äußeren Nulldurchgang verschiebe, wenn ich den inneren Nulldurchgang weiter nach außen lege,  …
… aber seltsam ist das schon, oder?

Der von mir gehörte Song ist der vorletzte auf der zweiten Seite und ich bin doch davon ausgegangen, dass er zu den „inneren Songs“ gehört. Jetzt höre ich „auf 110 mm“ und muss feststellen, dass er damit fast im Bereich des äußeren (!) Nulldurchgangs liegt!!??

Definitiv liegt bei allen drei Kurven der innere Nulldurchgang im Bereich der Auslaufrille.

Zumindest bei der Cafe Blue.
Was für eine Verschwendung! Oder?

Zugegeben – solche Gedanken drängen sich einem auf und man fragt sich, wieso die Schallplatten nicht anders gepresst werden. Wieso verlegt man die Auslaufrille nicht noch weiter nach innen und verschafft uns somit den Vorteil, auch im Bereich des inneren Nulldurchgangs Musik hören zu können?

Nun, die Antwort ist eigentlich ziemlich einfach:

Es liegt an der Geschwindigkeit!

Genau diese fehlt nämlich im inneren Bereich.
Während der Diamant außen mit einer Geschwindigkeit von etwa 50 cm pro Sekunde durch die Rille gleitet, kommt er zum Ende hin gerade einmal auf 20 cm.

Wer sich heute eine audiophile Schallplatte kauft, bekommt manchmal eine Single-LP mit nur einem Song pro Seite dazu (z.B. Jacintha, Oh Danny Boy). Diese muss mit 45 Umdrehungen gespielt werden.  Hierdurch steigt die Geschwindigkeit des Diamanten in der Einlaufrille auf satte 70 cm pro Sekunde an. Und jeder, der eine solche Scheibe besitzt, wird bestätigen können, dass sie noch einmal deutlich besser klingt als die 33-er Version.

Fazit:  Es gibt bei den meisten Platten in der Mitte der Schallplatte keine Musik mehr, weil die Platte sich dort zu langsam dreht. Selbst ein Nulldurchgang kann da auch nichts mehr retten.

Unter audiophilen Gesichtspunkten wäre es sogar am besten, man würde diesen „Musik-Bereich“ der Schallplatte noch verkleinern. Wenn auf jeder Platte z.B. nur der Bereich zwischen 100 mm und 140 mm genutzt würde, wäre eine Justage um ein Vielfaches einfacher.
Heutige „audiophile“ Pressungen versuchen denn auch, eben dieser Forderung nachzukommen.
Da ist dann eben auf jeder Seite weniger als 20 Minuten Musik – aber die klingt toll.

Und was ist mit den Klassik-Liebhabern? Wie viele Symphonien mag es geben, die länger dauern als 20 Minuten? Man kann doch nicht mitten in einer Symphonie die Schallplatte umdrehen müssen, oder?

Und wenn man die beiden Nulldurchgänge einfach weiter nach außen schiebt?

Ja – das wäre eine Möglichkeit.
Doch Hörtests sprechen dagegen.

So lange die Auslaufrille spätestens bei 70mm beginnt, wirkt sich die Verlagerung der Nulldurchgänge nach außen ausschließlich positiv aus.
Doch wehe, es gibt auf der Schallplatte auch noch weiter zur Mitte hin Musik!

Hier schlagen gleich zwei Argumente zu und machen ein Abspielen unangenehm:
Die niedrige Gleit-Geschwindigkeit der Nadel und der hohe Spurfehlwinkel.

Leichte Spurfehlwinkel verursachen harmonische Verzerrungen. Die sind kaum hörbar oder werden sogar als „musikalisch“ empfunden.
Hier „kratzt und krächzt“ also nichts, sondern es stellen sich Ungenauigkeiten ein, die von manch einem Analogliebhaber geradezu geliebt werden.

Jeder kennt diese Hamilton-Fotos.
Nicht nur die Tatsache, dass da regelmäßig viel junges, nacktes Fleisch zu sehen war,  auch diese weichgezeichneten und ineinander fließenden Farben und Lichter wissen manch einem zu gefallen.

Und genau das kann man auch mit der Justage eines Tonabnehmers hinbekommen – wenn man es denn mag.

Nimmt der Spurfehlwinkel jedoch zu, mag das dann niemand mehr gerne hören und sowohl der Diamant als auch die Schallplatte sind gefährdet.

Aber kommen wir noch einmal zurück zu den mathematischen Fakten.

Betrachten wir einmal die Spannweiten

Bei Baerwald liegen die beiden Nulldurchgänge 54,9 mm auseinander.
Bei Loefgren sind es 46,3 mm und bei Stevenson satte 57,095 mm.

Was sagt uns das?

Nun, ganz einfach – je weiter die beiden Nulldurchgänge voneinander entfernt sind, umso größer ist der mathematische Umfang des gedachten Kreises. Und umso größer ein Kreisumfang ist, umso „flacher“ verläuft die Kurve in einem Kreis-Segment.
Und je flacher seine Kurve verläuft, desto kleiner ist die maximale Abweichung, also der Spurfehlwinkel.

Damit habe ich die Erklärung dafür gefunden, dass es mit der Einstellung nach Stevenson am besten geklungen hat.

Walter Schön hat mir am Telefon bestätigt, dass es seine Absicht ist, auch eine Schallplatte abspielbar zu machen, deren Auslaufrille erst bei 57 oder gar 55 mm beginnt. Mathematisch ist seine Schablone so ausgerichtet, dass die drei maximalen Spurfehlwinkel außen, zwischen den Nulldurchgängen und innen – identisch hoch sind.

„Sobald man sich auf einen einzelnen Punkt konzentriert und diesen optimiert, führt es sofort dazu, dass ein anderer oder gar beide anderen Punkte stärker vom Sollwert abweichen!“ mahnt er.

Zu meiner Überraschung bestätigte er mir weiterhin, dass die korrekte Berechnung seiner Kurve von Baerwald stamme – allerdings sei sie auf absolute Perfektion ausgerichtet und würde daher keine Toleranzen berücksichtigen. Perfektion sei laut Schön in der Praxis jedoch eher selten.
Realistischer sei es, von kleinen Abweichungen, also von Toleranzen auszugehen. Möglicherweise ist der Tonabnehmer eben nicht absolut perfekt und korrekt zusammengebaut.
„Wir kleben Minen an die Gehäuse und brauchen Stunden, um diese korrekt auszurichten, ohne auch nur die Chance zu haben, mit dem Auge feststellen zu können, ob der Nadelträger im Gehäuse überhaupt parallel zu den Seitenwänden eingebaut worden ist!“ so Schön.

Und um eine hierdurch erzeugte Fehljustage nicht gleich zum „Showstopper“ werden zu lassen, hat er sie bei seiner Schablone – bis zu einem gewissen Grad – mit in seine Berechnungen einfließen lassen. Möglicherweise wird es dadurch schwer, einen einzelnen, absolut perfekt und korrekt montierten Tonabnehmer zu absoluten Höchstleistungen zu bringen. Alle anderen jedoch gewinnen dazu.

Nun gut – jetzt bin ich doch gespannt, was passiert, wenn ich das Quintet Bronze nach Loefgren einstelle.

C) Justage nach Loefgren

Zunächst bin ich etwas verwundert. Als der Tonabnehmer nach Stevenson justiert war, schien die Einstellung nach Loefgren „nahe dran“ – nach Baerwald aber weit weg zu sein. Jetzt war der Tonabnehmer nach Baerwald justiert und ich habe mich darauf eingestellt, dass ich das System wieder ziemlich stark verändern müsste – aber dem ist nicht so.

Minimale Veränderungen – so klein, dass sie viele von uns gar nicht vorgenommen hätten, waren erforderlich, um von Baerwald nach Loefgren zu wechseln.

Beim folgenden Hörtest kann ich feststellen, dass ich mich wieder dem Ausgangspunkt, also der Einstellung nach Schön nähere.

Ich stelle mir also die Frage, ob ich jetzt wohl wieder das gleiche erleben werde, wenn ich auf die Justage nach Stevenson zurück gehe. Macht es wieder „klick“ und ich möchte meinen Plattenspieler vor fremden Zugriffen schützen?

Ich probiere es aus, denn so wie es jetzt läuft, möchte ich die Einstellung eh nicht lassen.

Beim folgenden Einstellvorgang wird es dann doch sehr deutlich, wie weit ich mich Schritt für Schritt von meiner Justage nach Schön entfernt hatte. Um mehrere Millimeter muss das System wieder nach hinten und auch die Kröpfung braucht ebenfalls eine ordentliche Korrektur.

Doch mittlerweile habe ich mich an den Protractor gewöhnt und das alles geht mir ziemlich flott von der Hand.

Hörergebnis:  Zack!

Sofort ist es wieder da, dieses Gefühl, dass man jetzt niemanden mehr an den Plattenspieler ranlassen will – nur noch sich selbst! … um Platten aufzulegen.

Der Mund von Patricia Barber ist wieder so klein wie er sein muss, die Raumdarstellung ist überzeugend und es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass diese Platte eine ganz außergewöhnliche Scheibe ist. Nein, man muss die Musik nicht mögen – trotzdem wird man diese Platte lieben!

Jedenfalls mit einer solchen Justage wie dieser hier.

Gesamt-Ergebnis?

Es gibt noch kein Gesamt-Ergebnis!

Jedenfalls kein abschließendes.

Was ich festgestellt habe ist, dass keine einzige Einstellkurve zu einer nachvollziehbaren Klangveränderung im äußeren Schallplattenbereich führt. Hier scheint die hohe Gleitgeschwindigkeit des Diamanten kleinere Spurfehlwinkel ausgleichen zu können. Dadurch, dass die Schallplatten-Hersteller sich hier mit rund 146 mm Durchmesser auch keine gravierenden Abweichungen zueinander erlauben (sonst würden automatische Plattenspieler ja auch gar nicht funktionieren können!),  brauchen wir diesen Aspekt also nicht zu berücksichtigen. Egal für welche Einstellung wir uns entscheiden, außen klingt es immer gut.

Die Differenzen zwischen den Theorien beziehen sich auf die Flächen zur Plattenmitte hin.

Mein hier beschriebener Hörtest kann hierbei gar nicht verwertet werden. Er bezieht sich bei „Too rich for my blood“ auf einen Bereich zwischen 100 und 110 mm und liegt damit mathematisch eher im Mittenbereich einer Schallplatte.
Aber natürlich auch etwa in der Mitte zwischen den beiden Nulldurchgängen!
Eine Kurve, die hier mit großen Abweichungen arbeitet, müsste also mit diesem Song sehr schnell entlarvt werden können.
Und genau deshalb waren auch die Unterschiede so deutlich zu hören.

Auf meiner Aufgabenliste finde ich denn jetzt auch folgende Punkte:

  • Ich werde mir meine Schallplatten einmal nach dem Aspekt anschauen müssen, an welcher Stelle bei ihnen die Auslaufrillen beginnen und mir ein paar Exemplare für einen Hörtest heraussuchen, deren Auslaufrillen sehr weit innen liegen. Denn hier müsste man noch größere Klangunterschiede produzieren können.
  • Ich werde mich in die Software des Herrn Dr. Feickert einarbeiten, um die Frage beantworten zu können, ob sich die Ergebnisse meiner Hörtests auch messtechnisch untermauern lassen.

Für den Protractor habe ich mir von Herrn Dr. Feickert folgende zwei Verbesserungen gewünscht:

  1. Mehr und längere aufgedruckte Linien – auch im Bereich hinter dem System.
  2. Einen Stift, der nicht durch die Querstange fallen kann.

 

Wenn Sie jetzt Spaß daran gefunden haben sollten, sich selbst einmal an eine Einstellschablone zu wagen, dann würde ich mich sehr darüber freuen, wenn Sie sie gleich hier in meinem Shop ordern würden.
Das wäre super!

Dr. Feickert Protractor Next Generation bestellen

Schön-Schablone bestellen

Wer lieber erst einmal kein Geld in eine Schablone investieren will, der kann sich auf http://www.vinylengine.com umsehen. Da gibt es so ziemlich alle Schablonen des Marktes zum Downloaden und Selbstausdrucken.
Aber seien Sie bitte vorsichtig bei der Benutzung der selbstausgedruckten Schablonen, denn so eine Nadel kann leicht am Papier hängenbleiben.

Und wer mehr über die Theorien der o.g. Mathematiker/Physiker erfahren will, der findet ihre Ausarbeitungen unter folgenden Links:

Loefgren:  http://www.helices.org/auDio/turnTable/lofgren.pdf

Baerwald: http://www.helices.org/auDio/turnTable/baerwald.pdf

Bauer: http://www.helices.org/auDio/turnTable/bauer.pdf

Stevenson: http://www.helices.org/auDio/turnTable/stevenson.pdf

Schön: http://www.dos-hifi.de/html/anleitung.html

Ich hoffe, Sie verstehen jetzt ein wenig besser, worum es eigentlich geht, wenn von der Tonabnehmer-Justage gesprochen wird und ich würde mich über einen kleinen Kommentar zu diesem Bericht von Ihnen riesig freuen!

Ihr Wolfgang Saul

Die Tonarm-Montage

Die Tonarm – Montage
oder:  wohin mit dem langen Ding?

Die meisten Analoglaufwerke werden wohl als komplette Plattenspieler gekauft, also inklusive Laufwerk, bereits montiertem Tonarm, Tonabnehmer und Verkabelung.

In diesem Fall sollte man davon ausgehen können, dass der Tonarm an der richtigen Stelle montiert wurde und man selber gar nicht unbedingt wissen muss, wieso er gerade dort und nicht woanders befestigt worden ist.

Laufwerk und Tonarm

Möglicherweise ist das aber bei Ihrem Laufwerk anders. Vielleicht entwickeln Sie Ihren eigenen Plattenspieler oder haben ein Laufwerk gekauft, das noch keine Tonarmbohrung besitzt. Oder Sie möchten einfach nur erfahren, wieso Ihr Tonarm dort montiert worden ist, wo er jetzt sitzt.

Gehen wir der Sache also mal auf den Grund.

Ich will diesen Beitrag mit einem vollständig runden Beispiel-Laufwerk beginnen. Nennen wir es einfach „Gullideckel“. Groß genug, um rundherum einen 12-Zoll-Tonarm montieren zu können. Die Mitte des Gullideckels ist auch die Mitte des Plattentellers.

Gullideckel

Und wo gehört der Tonarm da jetzt genau hin?

Die korrekte Antwort muss bei dieser Laufwerksform lauten:  Völlig gleichgültig, solange der vom Tonarmhersteller vorgeschriebene Abstand zwischen Tonarmlager und Plattentellermitte korrekt eingehalten wird.

Doch was ist der korrekte Abstand und woher weiß ich den?
Vorab:
Da gibt es ein paar Werte, die man ganz schnell durcheinander bringen kann. Deshalb will ich zunächst näher auf die verschiedenen Maße eingehen:

Die tatsächliche Tonarmlänge

Tonarmlänge

Dieser Wert ist einfach die Länge des Tonarmes inklusive Headshell, Tonarmrohr, Lager und hinterer Konstruktion samt Gegengewicht. Für die spätere Justage des Tonarmes ist dieser Wert nicht von Bedeutung. Dennoch sollten wir das Maß kennen und bei der Festlegung des Montagepunktes berücksichtigen.
Wollen wir einen Tonarm nämlich auf einem üblichen „Kistenlaufwerk“ montieren, müssen wir diesen Wert schon deshalb beachten, weil der Arm sonst möglicherweise hinten oder vorne über das Chassis hinausragt, was einfach nicht gut aussehen würde.

Spätestens wenn wir ein Laufwerk mit Haube besitzen, muss der Tonarm so montiert werden, dass er weder vorne noch hinten gegen die Haube stoßen oder beim Zuklappen von ihr eingequetscht werden kann.

Die effektive Tonarmlänge

Dies ist bei der Justage eines Tonarmes das wichtigste Maß. Die effektive Tonarmlänge messen wir zwischen Abtastnadel und Tonarmlager-Mittelpunkt. Da Tonabnehmer unterschiedliche Bauformen besitzen und die Abtastnadel mal weiter vorne, mal weiter hinten im Tonabnehmer sitzt, muss das System verschoben werden können.

Aus geometrischen Gründen (darauf gehe ich später noch ein) darf der Tonabnehmer auf keinen Fall so eingebaut werden, dass die Nadel genau auf die Mittelachse des Plattentellers zeigt, wenn wir den Arm nach innen schwenken, sondern er muss einige Millimeter über die Achse hinausragen (Stichwort: Überhang).

Tonarmlängen

Tonarm-Montage-Abstand

Dies ist das Maß zwischen der Mitte der Plattenteller-Achse und der Mitte des Bohrloches für den Arm. Er ist also das Ergebnis aus der Berechnung: Effektive Tonarmlänge minus Überhang.

Bei den meisten Tonarmen ist die Mitte des Bohrloches auch gleichzeitig die Mitte des Tonarmlagers. Bei hiervon abweichenden Konstruktionen ist man auf eine Schablone angewiesen. Im günstigsten Fall liefert der Tonarm-Hersteller eine solche Bohrschablone gleich mit.

Schwierig wird die korrekte Bohrung auch dann, wenn wir es zum Beispiel mit der SME-Konstruktion zu tun haben. Da die Headshell bei den SME-Tonarmen weder ein Verschieben noch ein Verdrehen des Tonabnehmers zulassen, erfolgt bei ihnen die Justage allein durch das Verschieben des kompletten Tonarms in einer Art „Schlitten“.

SME Tonarm

SME Tonarm

Hierzu muss nicht nur ein rundes Loch in das Chassis gebohrt werden, sondern ein Langloch. Und damit das System korrekt justiert werden kann, darf dieses Langloch nicht einfach zur Plattenteller-Mittelachse zeigen, sondern muss leicht nach außen hin verdreht sein.
Kaufen Sie sich einen gebrauchten SME-Tonarm und müssen Sie das Langloch selber fräsen, achten Sie also unbedingt darauf, dass die für das Tonarm-Modell passenden Bohrschablonen mitgeliefert werden. SME bietet dazu folgende Hilfsmittel an, die jeweils zum verwendeten Tonarm-Modell passen müssen:

SME-Schablone

SME-Schablone zur Festlegung des Montagepunktes.

SME Bohrhilfe

SME Bohrhilfe

 

Zusammenfassung:
Für die Festlegung des korrekten Tonarm-Montage-Punktes brauchen wir nur ein einziges Maß, nämlich den Tonarm-Montage-Abstand. Dieser ergibt sich rechnerisch aus der Formel: Effektive Tonarmlänge minus Überhang. Besondere Tonarmaufbauten, bei denen die Mitte der Bohrung nicht identisch ist mit der Mitte des Tonarmlagers, benötigen eine entsprechende Schablone des Tonarmherstellers.

Aber wo gehört er denn jetzt genau hin, unser Tonarm?

Um den Beitrag nicht zu kompliziert zu machen, will ich von einem „einfachen“ Tonarm-Modell ausgehen, also einem, für den wir ein rundes Loch bohren müssen.

Schauen wir uns unseren Gullideckel noch einmal an und stellen wir uns vor, der Tonarm-Hersteller hätte eine Montage-Schablone mitgeliefert. Die Schablone hat an der einen Seite ein Loch, womit sie über die Plattentellerachse geschoben werden kann. An der anderen Seite hat sie ein kleines Loch, durch das wir eine Bleistiftmine stecken können.

Hier mal eine nicht (!) maßstabsgerechte Beispiel-Schablone:

Schablone

Bei unserem Gullideckel können wir uns jetzt also aussuchen, ob wir die Schablone rund um die Plattentellerachse drehen und so mit der Bleistiftmine einen vollständigen Kreis zeichnen, oder ob wir einfach irgendeine Stelle auswählen und einen einzigen Punkt auf das Chassis zeichnen.

Vielleicht erkennen Sie an dieser Stelle, wieso ich die ungewöhnliche Form als Beispiel-Laufwerk ausgewählt habe. An ihr wird jetzt deutlich, dass es für die Montage und Justage eines Tonarms grundsätzlich völlig gleichgültig ist, an welcher Stelle er montiert wird, solange der Abstand zur Plattenteller-Achse stimmt.

Nachfolgende Skizze: Gleichgültig, wo Sie den Arm auch immer montieren, stimmt der Abstand zur Plattentellerachse, ist er auch an der korrekten Stelle montiert. So einfach ist das.

Gullideckel mit Arm-Varianten

Gullideckel

 

Ist der Arm erst einmal auf unserem Gullideckel montiert, werden wir jedoch feststellen, dass es wenige Montagepunkte gibt, bei denen wir den Arm auch komfortabel und sicher bedienen können.

Sicherlich ist es nicht sonderlich überraschend, wenn sich der übliche Montagepunkt als besonders praktisch erweist, oder?

Tja – und deshalb ist es natürlich auch unsinnig, ein Laufwerk tatsächlich als „Gullideckel“ zu konstruieren. Es sei denn, wir wollten mehrere Tonarme montieren.
Allen anderen Bauformen gemein ist wohl die Tatsache, dass sie eine „schöne“ Vorderseite besitzen.
Daraus ergibt sich automatisch die Tatsache, dass sie auch eine “weniger schöne” rechte, linke und rückwärtige Seite haben.

Selbst runde Laufwerke verfügen in der Regel über eine solche „hübsche“ Vorderseite, meistens mit einem schicken Firmenschild versehen, während der Motor und vor allem die Anschluss-Terminals für die Verkabelung und das Netzteil an der Rückseite angebracht sind. Damit wir sie nicht dauernd sehen müssen.

Ein solches Laufwerk können wir also nicht einfach verdrehen, nur weil wir den Tonarm an einer ungünstigen Stelle montiert haben. Spätestens bei einem „Kistenlaufwerk“ bindet uns zudem unser ästhetisches Empfinden an eine „gerade“ Ausrichtung des Laufwerks.

Hier ein paar Punkte, die wir deshalb besser schon bei der Auswahl des richtigen Montagepunktes zusätzlich zum Montage-Abstand berücksichtigen sollten.

Der Motor

Er sitzt in der Regel hinten links. Da sehen wir wenig von ihm und er ist weit genug vom Tonarm weg. Also achten wir nun auch darauf, dass sich unser Bohrloch wirklich weit genug vom Motor entfernt befindet.

Die Chassis-Fläche

Einige, meist runde Laufwerke, stellen eigene, mehr oder weniger „in der Luft schwebende“ Tonarmbasen zur Verfügung. Für diese Basen gibt es in der Regel exakt festgelegte Montagepunkte. Wir müssen also lediglich den korrekten Tonarm-Montage-Abstand einhalten.

Bei der klassischen „Kistenform“ sollten wir folgende Aspekte berücksichtigen:

Bedienung

Selbst für Linkshänder dürfte es am einfachsten sein, wenn der Tonarm hinten rechts montiert wird und sich die Headshell im Ruhezustand des Tonarms somit vorne rechts befindet.

Wer schon einmal ein Laufwerk mit zwei oder drei Tonarmen bedienen musste, der weiß, wie schwierig es zum Teil ist, wenn ein Tonarm nicht an der klassischen Montagestelle angebracht werden konnte. Es geht ja nicht nur um die Bedienung des Tonarmes, es geht ja auch darum, dass wir sehen wollen, wo wir den Tonarm absetzen. Und gucken tun Rechts- und Linkshänder nun einmal beide gleich. 🙂

Parallelität zum Chassis

Dies ist ein rein ästhetischer Aspekt. Nichts spricht dagegen, wenn der Tonarm in Ruhestellung nicht parallel zur rechten Chassis-Kante steht. Aber ich bin mir sicher, dass sich die meisten von uns nicht mit einem „schief angebrachten“ Tonarm anfreunden können.

Bei einem runden Laufwerk fällt eine geringe Abweichung nicht sofort auf, aber auch da sucht unser Auge fortlaufend nach Parallelen und rechten Winkeln. Selbst wenn wir einen S-förmigen Tonarm montiert haben.

Abstand zum Plattenteller

Hiermit ist nicht der Abstand zur Plattenteller-Achse gemeint, denn der ist ja durch den Tonarm-Montage-Abstand vorgegeben, sondern es ist der Abstand zwischen dem Arm, besonders im Bereich der Headshell zum Plattenteller gemeint. Befindet sich die Headshell im Ruhezustand des Arms zu nah am Plattenteller, kann eine Platte, die uns aus der Hand rutscht, schnell die Nadel beschädigen. Selbst beim Anheben des Tonarms aus der Ruhestellung müssen wir immer wieder befürchten, dass eine unbedachte Handbewegung dazu führt, dass wir die Nadel seitlich gegen den Plattenteller oder die Platte stoßen lassen. Ein beruhigender Abstand zwischen Headshell und Plattenteller ist da eine wirklich feine Angelegenheit.

Abstand zur hinteren Haubenseite

Bevor Sie den Bohrer ansetzen, halten Sie den Tonarm einfach mal so über diesen Bohrpunkt als sei er bereits angebracht und drehen Sie den Arm nach innen zur Plattenmitte hin – so, wie es beim Abspielen einer Platte geschehen wird.

Was uns bei manchem LKW mit dem Schild „ACHTUNG! Heck schwenkt aus!“ mitgeteilt wird, das sollten wir auch beim Tonarm bedenken. Manche Hauben sind auch so geformt, dass sie nach oben hin schräg zulaufen. Wenn Ihr Auge dann den Abstand nach hinten für gut befunden hat während die Haube nach oben aufgeklappt war, kommt nach der Montage das böse Erwachen, wenn die Haube das erste mal zugeklappt wird und hinten gegen den Tonarm stößt.

Abstand zur vorderen Haubenseite

Wer auf Nummer sicher geht und den Arm einfach weit genug nach vorne hin montiert, der sollte sich genau ansehen, wie die vordere Seite der Haube geformt ist. Denn auch hier kann eine Schräge für eine böse Überraschung sorgen. Im Extremfall hatten wir überhaupt nicht daran gedacht, dass die Haube gar nicht bis zur Vorderkante des Chassis reicht. Dann kann es uns passieren, dass die Haube von oben auf die Headshell aufstößt und wir sie damit wohl für immer auf den Dachboden oder in den Keller verbannen müssen.

Abstand zur rechten Haubenseite

Dieser Aspekt ist vor allem dann zu berücksichtigen, wenn Sie vorhaben, die Haube auch während des Abspielens zu schließen. Einige Laufwerke klingen tatsächlich mit geschlossener Haube besser als offen. Dann wäre es natürlich schade, wenn der hintere Ausläufer des Tonarms rechts gegen die Haube schlägt und ein Abspielen der vollständigen Plattenseite damit unmöglich macht.

Resonanzfläche/Befestigungspunkte

Um diesen Aspekt mit berücksichtigen zu wollen, muss man meiner Theorie Glauben schenken, dass der Resonanzkreislauf für den Klang eines Plattenspielers von Bedeutung ist. Der Resonanzkreislauf findet statt zwischen:  Nadel, Tonabnehmer, Tonarm, Tonarmlager, Tonarmfuß, Chassis, Plattentellerlager, Plattenteller, Plattentellerauflage und Schallplatte.

Je ungestörter dieser Resonanzkreislauf stattfinden kann, um so vollendeter wird der Plattenspieler klingen.

Besteht das Chassis aus einer dicken Platte eines einheitlichen Materials, ist es nicht ganz so bedeutend, an welcher Stelle der Tonarm montiert wird. Handelt es sich beim Chassis aber um eine dünne Platte, die mit Haltern an den Seitenwänden montiert ist, dann kann sich der Abstand zu diesen Haltern auf das Klangbild auswirken. Unser Ziel sollte dann sein, eine Stelle zu finden, an der die Resonanzen nicht zu stark durch eine Halterung unterdrückt werden. Andererseits sollte der Arm aber auch nicht auf einer in sich „federnden“ Fläche montiert werden, weil dadurch der Kreislauf ebenfalls gestört wird.

„Mann, ist das kompliziert!“

Nein, eigentlich gar nicht – ich habe es nur kompliziert beschrieben.
Denn all diese Gedanken sollte sich der Laufwerkshersteller schon bei der Entwicklung gemacht haben. Und logischerweise sollte er diese Aufgaben auch schon mehr oder weniger für Sie erledigt haben.

Falls Sie nicht wirklich dabei sind, ein Laufwerk von Grund auf selbst zu entwickeln, sollte der richtige Montagepunkt also schon in etwa vorgegeben sein.
Falls doch, haben Sie jetzt ein paar Aspekte erfahren, die Sie bei Ihrer Entwicklung berücksichtigen können, wenn Sie möchten.

Im nächsten Beitrag geht es um die Tonarm-Geometrie und die richtige Justage.

Elektrischer Abschluss von Tonabnehmern

Elektrischer Abschluss von Tonabnehmern

Elektrischer Abschluss von Tonabnehmern

Vorwort:
Das Thema “elektrischer Abschluss von Tonabnehmern” ist keines, bei dem sich alle einig sind.
Bereits in den 80-er Jahren hatte ich alle „großen“ und „kleinen“ Tonabnehmer-Hersteller angeschrieben, um von ihnen einen fachlich korrekten Bericht zum Thema „elektrischer Abschluss eines Tonabnehmers“ zu bekommen, den ich in meiner kleinen HiFi-Zeitschrift veröffentlichen wollte.
Jedoch kein einziger Hersteller war damals bereit, sich dazu schriftlich zu äußern.
Irgendwie hatte ich in ein Wespennest gestochen und alle forderten mich auf, mich auf der Stelle nicht mehr zu bewegen, in der Hoffnung, die Wespen würden sich wieder beruhigen.
Einzig und allein Klaus Renner, den Herausgeber der Kult-Zeitung „Das Ohr“, konnte ich dafür gewinnen, sich zu diesem Thema zu äußern.

Seitdem hört man sowohl von den Tonabnehmer-Produzenten als auch von den Phonoteil-Entwicklern immer wieder die Aussage, dass es „jetzt aber wirklich völlig gleichgültig geworden sei, wie man ein MC-System elektrisch abschließt, ab sofort hätte es keinerlei klangliche Auswirkungen mehr.“

Und fast 30 Jahre nach meinen ersten Bemühungen muss ich erkennen, dass ich immer noch ein Thema anspreche, bei dem sich die „HiFi-Druiden“ gegenseitig die Zaubersprüche um die Ohren hauen, um einander größtmöglichen Schaden zuzufügen.

Immer mehr glaube ich aber, dass es dabei weder um die fehlende Kunst des Erklärens noch um unterschiedliche Ansichten geht – es scheint viel mehr das Problem vor zu liegen, dass niemand so recht in der Lage ist, die Problematik gänzlich zu beseitigen.

Ein Problem fehlender Standards?
Im Computer-Bereich gibt es das „Open-Source-Problem“. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, alle dürfen auch noch drin rumrühren und keiner sorgt dafür, dass etwas zueinander kompatibel ist.
Dagegen steht die Apple-Philosophie, die darauf achtet, dass alle Dinge miteinander harmonieren. Zumindest in der Theorie.

Braucht die Analog-Szene ebenfalls so eine übergeordnete Stelle? Bei der sowohl die Tonabnehmer- als auch die Phonoteil-Hersteller ihre Neuentwicklungen immer erst freigeben lassen müssen?

Um Himmels Willen nein, bloss nicht!

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, dann ist das doch das Spannende an dieser analogen Sache. Ich kriege einen neuen Tonabnehmer oder ein neues Phonoteil und kann mich Stück für Stück hineinhören. Erst mit einer Grundeinstellung (Leerlauf) beginnen und dann mit verschiedenen Variationen austüfteln, wie es wohl noch besser werden könnte.

Wie viele Überraschungen habe ich da schon erlebt!
Und das soll dann alles vorbei sein?

Sie werden jetzt vielleicht denken:
„Ja, Du weißt ja auch, was Du zu machen hast, aber was ist mit mir?“

Für Sie – schreibe ich gerade diesen Beitrag!
Lesen Sie ihn und danach werden Sie ebenfalls wissen, was zu machen ist. Vielleicht wissen Sie dann immer noch nicht, wieso Sie das tun, aber was zu tun ist, das sage ich Ihnen jetzt.

MM-System (moving-magnet)
Bei einem MM-System brauchen wir uns um den Abschlusswiderstand keine Gedanken zu machen. MM-Eingänge sind grundsätzlich mit 47 KOhm abgeschlossen. Da gibt es für Sie gar nichts zu tun.

Empfindlich reagiert ein MM-System schon mal auf einen völlig falschen Kapazitätswert des angeschlossenen Kabels. Hierbei zählt die vollständige Verkabelung – angefangen von den kleinen Steckschuhen am Tonabnehmer bis hin zu den Cinch-Steckern und alles zwischendurch sowieso. Die Summe aller Kapazitäten ist entscheidend.

Ein Wert von 150pF wird dabei als optimal und gleichzeitig auch maximal betrachtet. Echte Tonarmkabel haben daher in der Regel auch sehr niedrige Kapazitätswerte, denn hinzufügen, was zu wenig ist, das geht durchaus. Liegt die Kapazität des Anschlusskabels aber zu hoch, gibt es keine Abhilfe.

Kann man die Kapazität des Kabels selber messen?
Einfacher als zu messen ist es, in die technischen Daten des Kabels zu schauen. Liegen die bei unter 100 pF/m und ist das Kabel auch nicht länger als 1m, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.
Wenn Sie aber über ein entsprechendes Messgerät verfügen und damit umgehen können, ist das Messen auch keine Zauberei. Denken Sie nur daran, die Schuhe am Tonabnehmer vor der Messung abzuziehen, sonst messen Sie den Tonabnehmer mit!

Sofern das Gesamt-Ergebnis unter 150pF bleibt, werden Sie feststellen, dass auch klanglich alles in Ordnung ist. Wenn man will, kann man diesen Wert exakt anpassen, aber man sollte sich davon nicht zu viel versprechen.

Wenn Sie jedoch ein MM-System betreiben und den Eindruck haben, dass es weit entfernt von seinen klanglichen Fähigkeiten läuft, dann sollten Sie das Kabel mal durchmessen lassen, oder sich die technischen Daten ansehen. Möglicherweise liegt die Kapazität des Kabels ja doch zu hoch und vielleicht steckt hier ja die Ursache für einen nicht so tollen Klang.

MC-System (moving-coil)
Beim MC-System kehren sich die Anforderungen um. Hier spielt der Kapazitätswert keine Rolle. Um so bedeutender wird der korrekte Abschlusswiderstand. Stimmt er nicht, wirkt sich das unter Umständen (bei dem einen Tonabnehmer mehr bei dem nächsten weniger) auf die Lautstärke, sowie auch auf die elektrische Bedämpfung des Nadelträgers und damit eben auch auf das gesamte Klangbild aus.

Wird ein MC-Tonabnehmer mit einem zu niedrigen Wert abgeschlossen, wirkt sein Klangbild „müder“ – aber es gewinnt an räumlicher Tiefe.
Wird ein MC-Tonabnehmer mit einem zu hohen Wert abgeschlossen, klingt es „dünner“, „harscher“ und einfach „nervös“.

Es sei denn, man wählt einen viel zu hohen Abschlusswiderstand.
Der Wert, ab wann dieser Widerstand „viel zu hoch“ ist, der hängt vom eigenen Innenwiderstand des Tonabnehmers ab. Bei manchen Tonabnehmern reichen schon 300 Ohm – bei anderen muss man auf über 2.000 Ohm gehen. Von diesem Wert an verändert sich klanglich überhaupt nichts mehr. Ob wir also 2.000, 20.000 oder die 47.000 Ohm des MM-Eingangs verwenden, ist völlig gleichgültig.

Herbert Schleicher, der mir in den 80-er Jahren das „analoge Laufen“ beigebracht hat, nannte diesen Zustand „Leerlauf“.

Auch wenn ich bis heute nicht in der Lage bin, diesen Zustand fachlich korrekt zu erläutern, kann ich bestätigen, dass ein MC-System im „Leerlauf“ bereits sehr viel von seinen Fähigkeiten zeigen kann. Um eine Zahl zu nennen, würde ich mich darauf festlegen, dass es uns etwa 90% seiner Fähigkeiten zeigt. Und was wichtiger ist: Es gibt uns einen Hinweis darauf, welche klangliche Ausrichtung es von Hause aus mitbekommen hat.

Wenn Sie über ein MC-System gar nichts wissen und herausfinden wollen, wie es „wohl klingen kann“, dann wählen Sie sicherheitshalber einen Abschlusswiderstand höher als 2.000 Ohm und Sie werden es kennenlernen können. Mit diesem Klangbild im Ohr können Sie dann mit verschiedenen Widerstandswerten experimentieren und brauchen einfach nur hinzuhören, wie sich das Klangbild entwickelt. Sie haben dann den richtigen Wert gefunden, wenn es wieder so klingt, wie im Leerlauf, aber doch an Qualität gewonnen hat, wenn also auch die letzten 10% noch hinzugekommen sind.
Wobei Sie da nicht ängstlich sein sollten und ruhig Ihren eigenen Geschmack als Maßstab nehmen dürfen.

Ortofon-Systeme, die bis etwa 1992 gebaut worden sind, dürfen mit höchstens 30 Ohm betrieben werden und fühlen sich so bei 15 bis 20 Ohm richtig wohl. Madrigal-Systeme brauchten zwingend 850 Ohm.

Audio-Technica zeigte es dann anfangs der 90-er Jahre allen anderen und legte seine hochwertigen Tonabnehmer vollständig auf exakt 100 Ohm aus.
Dies war ein genialer Schachzug, denn fast alle in Verstärkern fest integrierte MC-Eingänge sind mit 100 Ohm abgeschlossen. Diese 100 Ohm gelten sozusagen als Standard. Ein Audio-Technica-System passte damit immer und hatte „die halbe Miete schon im Sack“.
Ein MC 30 von Ortofon musste außen vorbleiben, denn mit 100 Ohm klang es gruselig!
… und verändern konnte man das an den Verstärkern eben meistens nicht.

Ortofon setze deshalb zu dieser Zeit verstärkt auf die Nutzung von Übertragern.
Übertrager arbeiten ähnlich wie Transformatoren. Es gibt also einen „Primärstrom“ und einen „Sekundärstrom“, wodurch beide „elektrischen Seiten“ völlig voneinander getrennt werden.
Je nach Ausführung können wir durch Übertrager/Transformatoren den Strom erhöhen (also zum Bespiel von 12V auf 230V) oder absenken (also von 230V auf 12V).

Hat der Übertrager nun in unserem Fall die typische Ausgangsspannung eines MC-Systems von etwa 0,4 mV auf die eines typischen MM-Systems von etwa 5 mV angehoben, kann das MC-System direkt am MM-Eingang des Verstärkers angeschlossen werden und der Abschlusswiderstand spielt keine Rolle mehr.

So richtig genial war diese Vorgehensweise von Ortofon aber nicht, denn erstens wurde der Kunde dadurch gezwungen, noch ein Bauteil mehr einzukaufen und zweitens gab es nicht unerhebliche Preis- und Qualitätsunterschiede zwischen den Übertragern, die der Markt parat gehalten hat.

Fazit:
Sie müssen sich wohl entscheiden, ob Sie denen folgen wollen, die Ihnen sagen, dass das mit dem Abschlusswiderstand bei einem MC-System völliger Blödsinn ist, oder ob Sie Ihre Konstellation zuhause mal darauf prüfen wollen, ob sie elektrisch korrekt angepasst ist.

In den technischen Daten der Tonabnehmer ist meistens ein genauer Wert vorgegeben, den Sie auch einhalten sollten. Ansonsten experimentieren Sie einfach mal ein wenig.

Wie verändert man den Abschlusswiderstand denn überhaupt?

Leider gibt es Phono-Verstärker oder -Eingänge, an denen man gar nichts verändern kann. Das ist jetzt nicht wirklich tragisch und auch kein Beleg für eine schlechte Qualität des Bauteils. Sie sollten dann nur bei der Tonabnehmer-Auswahl darauf achten, dass der empfohlene Abschlusswiderstand  auch zum Phonoeingang passt. Mit 100 Ohm liegen Sie eigentlich fast immer goldrichtig!

Kann man diesen Wert bei Ihrem Phonoteil anpassen, gibt es in der Regel zwei Ausführungen.

Mäuseklavier
Die erste Ausführung verfügt über ein so genanntes „Mäuseklavier“. Das ist ein Bauteil mit mehreren kleinen Schaltern drauf. Hier gibt der Hersteller eine kleine Anleitung dazu, die Ihnen verrät, welcher Schalter in welcher Stellung (on oder off) zu stehen hat, um bestimmte Werte zu erreichen. Diese Lösung hat den Vorteil, dass wir keine zusätzlichen Bauteile einkaufen müssen, aber den Nachteil, dass wir mit den einstellbaren Werten auskommen müssen. Macht das Mäuseklavier hier z.B. den Sprung von 100 direkt auf 500 Ohm, dann sollten wir keinen Tonabnehmer betreiben, der mit 350 Ohm abgeschlossen sein will.

Zweites Paar Eingangsbuchsen
Die zweite Möglichkeit ist ein paralleles Paar Eingangsbuchsen. Also über oder neben den Eingangsbuchsen für das Tonarmkabel gibt es noch ein zweites Paar Buchsen. In diese Buchsen können wir nun Cinch-Stecker hineinstecken, in die wir Widerstände gelötet haben.
Wer experimentieren will, der besorgt sich ein paar Stecker und eine Auswahl an guten Widerständen. Eine brauchbare Reihe wäre 20, 50, 100, 350, 500 und 800 Ohm.
Natürlich sollten es nicht die billigsten Widerstände sein. Und wer es den High-End-Entwicklern gleichtun möchte, der kauft von jeder Sorte 10 oder 20 Stück, um zwei absolut gleiche Widerstände heraus suchen zu können.
Aber ganz ehrlich:  Übertreiben Sie das nicht!
Wenn Sie kein Lötkünstler sind, ergeben sich schon beim Löten deutlich größere Abweichungen als Widerstände Toleranzen haben dürfen. Und ob Sie den Tonabnehmer jetzt mit 100 Ohm abschließen oder mit 99,998 – das dürfte wohl auch niemand hören können.
Also ich bin da jedenfalls draußen!

Azimuth beim Tonarm

Azimuth beim Tonarm

Azimuth beim Tonarm

Der Begriff Azimuth beim Tonarm steht für den „rechten Winkel“, in dem ein Tonabnehmer zur Schallplattenoberfläche stehen sollte, wenn wir uns die Headshell von vorne betrachten.

Azimuth

Die korrekte Azimuth-Einstellung ist aber ein viel tiefer greifendes Thema, als es die Skizze erkennen lässt.

Sind sowohl Laufwerk,Tonarm als auch Tonabnehmer absolut präzise angefertigt worden, bedarf es eigentlich keiner Möglichkeit zur Azimuthverstellung. Jedes beteiligte Bauteil sollte im Lot, bzw. im Wasser stehen und jede Diskussion über falsch oder richtig damit überflüssig sein.

Doch was kann hier nicht alles passieren!?

Laufwerk

Hier lautet die entscheidende Frage, ob das Chassis an der Stelle, an der die Tonarmbasis montiert ist, parallel zur Plattentelleroberfläche verläuft. Und das ist nicht so selbstverständlich wie es einem auf den ersten Blick erscheinen mag!

Sind Tonarm und Plattenteller-Lager auf dem gleichen „Brett“ montiert, sollte man davon ausgehen können, dass sie parallel zueinander stehen.
Aber ist der Plattenteller auch wirklich „flach“ oder ist er ein wenig „schüsselförmig“?

Manche Plattenteller werden mit einer kleinen Erhöhung am Rand versehen. Meistens gehört nun ein Plattengewicht dazu. Legt man die Platte ohne Gewicht auf den Teller, liegt sie lediglich außen am Rand auf dieser Erhöhung auf und man kann bei einer leicht verwellten Platte erkennen, dass hier und da eine Lücke zwischen Rand und Platte besteht.
Kommt nun das Gewicht zum Einsatz, wird die Schallplatte rundherum gegen diesen Rand gedrückt und liegt nun überall fest an. Schneiden wir aber diese Konstruktion gedanklich in der Mitte durch, werden wir feststellen, dass sich die Platte im äußeren Bereich nach oben biegt und dadurch eine leichte Schüsselform angenommen hat.

Andere Plattenteller (z.B. bei früheren Audio Exclusive-Granitlaufwerken) sind komplett schüsselförmig gearbeitet – bis zur Lagermitte hin.
Eine weitere durchaus interessante Variante bot und bietet uns VPI. Hier ist der Plattenteller plan. Um die Mittelachse herum liegt jedoch eine Gummischeibe. Legt man nun eine Schallplatte auf, liegt sie vollständig „hohl“ zum Plattenteller hin und wackelt auf der kleinen Gummischeibe hin und her.
Die Mittelachse hat jedoch ein Außengewinde, dazu gehört ein Puck und eine runde Rändelmutter aus Kunststoff. Dieser Puck ist an der Unterseite schüsselförmig ausgeführt. Wenn wir den Puck auflegen und ihn mit der Kunststoffmutter anziehen, drückt er nur mit seinem äußeren Rand auf die Schallplatte und zwingt sie so zunächst ebenfalls in eine Schüsselform nach unten. Dadurch legt sich selbst eine verwellte Platte außen glatt auf den Plattenteller. Wenn wir den Puck nun weiter anschrauben, bekommt die Schallplatte über eine immer größer werdende Fläche Kontakt zum Plattenteller und liegt dann wieder plan und waagerecht.

Mit einer alten Schallplatte können wir das gut kontrollieren, indem wir immer wieder mit unserem Fingernagel oder einem kleinen Gegenstand auf die Platte klopfen. Klingt es hohl, müssen wir den Puck noch fester anziehen. Erst wenn die gesamte Fläche mit der Musikinformation fest auf dem Plattenteller aufliegt, haben wir den korrekten Drehmoment erreicht. Sobald wir gelernt haben, wie fest wir den Puck anziehen müssen, können wir das auch mit unseren guten Schallplatten machen.

Und wenn der ganze Plattenteller schief steht?

Doch was nutzt die beste Plattenteller-Konstruktion, wenn der Plattenteller nicht parallel zum Chassis steht?
Es gibt da zum Beispiel ein Laufwerk, dessen Holz-Chassis einen „Schnitt“ verpasst bekommen hat. Dieser Schnitt verläuft um das Plattentellerlager herum und soll dazu dienen, die Resonanzen des Lagers und die im Tonarm nicht zueinander finden zu lassen.
Zum einen widerspricht es damit meiner persönlichen Theorie des Resonanzkreislaufs (habe ich an anderer Stelle bereits erläutert) zum anderen passiert aber nach einiger Zeit folgendes:

Diese „Halbinsel“, auf der der Plattenteller samt Lager montiert ist, sackt nach unten ab. Damit steht sie nicht mehr parallel zum Chassis und zur Tonarmbasis. Wie wir dieses Laufwerk auch justieren, entweder steht der Plattenteller im Wasser oder die Tonarmbasis. Beides geht nicht!

Schief stehender Plattenteller und mögliche Ursache

In all diesen Fällen und sicher gibt es da noch einige Gründe für einen schief stehenden Teller mehr, kommen wir nicht umhin, den Azimuth an die Plattenoberfläche anzupassen.

Tonarm

Wird ein Tonarm ohne Azimuth-Verstellmöglichkeit ausgeliefert, der nicht korrekt im Lager sitzt, können wir lange nach einer Abhilfe suchen – eine praktikable Lösung werden wir nicht finden.

Aber auch die Basis, also die Stelle, an der der Tonarm montiert ist, kann ein wenig schief stehen. Manchmal ruht der Arm auf einem „Ausläufer“, der nicht ganz parallel zur Plattenoberfläche verläuft. Bevor wir so eine schiefe Basis mit der Azimuth-Einstellung auszugleichen versuchen, sollten wir aber zunächst prüfen, ob sich die Basis nicht richten lässt, denn jede eigentlich unnötige Azimuth-Abweichung löst nur neue Probleme aus.

Tonabnehmer

Hier gibt es gleich mehrere Stellen, an denen möglicherweise nicht ganz korrekt gearbeitet worden sein kann. Die offensichtlichste Möglichkeit ist, dass der winzig kleine Diamant nicht ganz senkrecht eingebaut worden ist. Die nächste Ungenauigkeit kann sich bei der Fixierung des Nadelträgers ergeben haben.
Aber auch das gesamte „Innengebilde“ aus Nadelträger, Spulen und Magneten kann in sich „schief“ eingebaut worden sein. Jeder, der schon mal mit Magneten „gespielt“ hat, der weiß, dass sie nicht ganz einfach zu handeln sind.

Und dann gibt es noch eine ganz einfach Erklärung für einen optisch „schiefen“ Tonabnehmer:
Weil sich der Hersteller an seine Messergebnisse gehalten und den Tonabnehmer optimiert hat.

Messung über Optik?

Es gibt keine zwei absolut identische Magnete und auch keine zwei absolut identische Spulen. Ganz sicher haben sie alle eng gesteckte Toleranzen einzuhalten, aber völlig identisch sind sie nie.
Mit unseren Augen können wir solche Unterschiede nicht erkennen, auch nicht unter dem Mikroskop. Aber es gibt Messgeräte, die uns viel verraten können.

Doch was genau ist das Ziel solcher Messungen?

Nehmen wir als Beispiel die Endjustage eines MC-Systems.
MC steht hier für Moving-Coil, also für „bewegte Spule“. Dies bedeutet, dass sich auf dem Nadelträger Spulen befinden. Gleitet der Diamant durch die Rille, bewegt sich der Nadelträger und damit bewegen sich die Spulen. Da sich die Spulen innerhalb eines Magnetfeldes befinden, wird eine elektrische Spannung erzeugt.

Das erste Ziel …
eines Tonabnehmer-Entwicklers lautet, eine möglichst hohe Ausgangsspannung zu erhalten. Dies gelingt nur an der Stelle, an der das Magnetfeld am stärksten ist. Er wird also bei der Justage des Nadelträgers versuchen, den Lagerpunkt an der richtigen Position innerhalb des Magnetfeldes zu fixieren.

Das zweite Ziel …
ist, für beide Kanäle den gleichen Pegel zu erreichen. Es ist nicht akzeptabel, wenn ein Kanal lauter ist als der andere.

Das dritte Ziel …
ist die Verhinderung des „Übersprechens“, also die Optimierung der Kanaltrennung.
Was im linken Kanal zu hören ist, das soll auch im linken Kanal bleiben. Ebenso sind unsere Ansprüche an den rechten Kanal.

Es ist leicht zu erkennen, dass die Messergebnisse möglicherweise gegensätzliche Optimierungsmaßnahmen einfordern, die den Hersteller zwingen können, sich entscheiden zu müssen.
Solange er nur das „Opfer“ bringen muss, dass der Nadelträger am Ende ein wenig schief aussieht, wird er es gerne bringen. Händler und Kunden müssen ihm da aber schon ziemlich vertrauen, oder?

Sie werden jetzt vielleicht eine Vorstellung davon bekommen haben, wieso es so große Preisunterschiede bei den Tonabnehmern gibt.

Das untere Ende der Fahnenstange bildet die Bulk-Ware, also Blister-Verpackungen, auf denen 50 oder 100 Tonabnehmer zu finden sind. Die Endkontrolle findet hier beim Kunden statt. Dies bedeutet, dass der Hersteller möglicherweise gar nicht weiß, ob er etwas Funktionierendes oder Ausschuss produziert hat. Der Händler kauft eine “Liefereinheit” und der Preis dafür ist so kalkuliert, dass er einen großen Teil der Ware einfach wegschmeißen kann.

Stellt der Endverbraucher nach dem Kauf fest, dass der Tonabnehmer nicht oder nicht richtig funktioniert, bekommt er eben ein anderes. Wenn er es denn merkt. Ob er ein richtig gut funktionierendes System erworben hat oder eines, das eben geradeso funktioniert, ist Zufall – so wie beim Losekaufen. Die meisten Lose sind Nieten, man kann aber auch Glück haben.

Die zweite Stufe bilden die Tonabnehmer, die einzeln verpackt angeboten werden. Hier ist i.d.R. sichergestellt, dass sie auf ihre Funktion hin geprüft worden sind.

Noch besser sind dann die Tonabnehmer, bei denen die Einhaltung bestimmter Mindestwerte garantiert wird. Oftmals liegen diesen Systemen auch die Mess-Schriebe bei.

Wenn Sie sich jetzt fragen, was denn mit den Tonabnehmern geschieht, die bei der Prüfung durchfallen, dann gehen Sie doch einfach noch einmal ein paar Zeilen zurück und lesen Sie bei „Die zweite Stufe …“ weiter. 🙂

Die vierte Stufe wird dann von den Tonabnehmern gebildet, die so entwickelt und angefertigt worden sind, dass sie ganz besondere Messwerte erreichen.

Sind also die Messwerte das A&O eines Tonabnehmers?

Im Prinzip schon.

Immer wieder wird es einen Tonabnehmer mit schlechten Messwerten geben, der doch einen ganz individuellen Reiz besitzt. Aber das ist dann so wie die Fotos einer Lochbild- oder Lomo-Kamera.

Irgendwie faszinierend, aber qualitativ doch völlig daneben.

Leider muss man aber auch sagen, dass selbst die allerbesten Messwerte keine Garantie für einen tollen Klang sind. So einen teuren Tonabnehmer, den sollte man sich deshalb unbedingt ganz bewusst und sorgfältig auswählen und nur bei dem zugreifen, der den eigenen Geschmack am besten trifft.

Fassen wir zusammen:
Eigentlich sollte von Haus aus alles „im Lot“ und eine Korrektur durch Schiefstellen der Headshell indiskutabel sein. Allerdings gibt es konstruktive Gründe, durch die eine Azimuth-Justage unverzichtbar werden kann.

Dann gibt es noch Fehlstellungen durch eine ungenaue Herstellung und am Ende gibt es eine optische Fehlstellung, durch die aber die maximale Leistung des Tonabnehmers erst gewährleistet wird.

Solche Dinge wie schiefe Plattenteller oder Tonarmbasen können wir ja noch mit dem bloßen Auge erkennen und was dagegen tun, aber wie finde ich denn heraus, ob mein Tonabnehmer aus Versehen oder absichtlich schief hergestellt worden ist?

Hier müssen wir folgende Varianten unterscheiden:

Schiefer Diamant
Ich kenne keinen Tonabnehmer-Hersteller, der seine Diamanten absichtlich schief einbaut, um noch bessere Messwerte zu erhalten. Diamanten werden nicht einzeln, sondern bereits auf dem Nadelträger fertig montiert geordert.

Wer als Hersteller einen Nadelträger mit schief montiertem Diamanten akzeptiert, der hat gar nicht vor, den weltbesten Tonabnehmer zu produzieren.
Die Frage ist ja auch, ob die Nadel schief montiert worden ist, oder ob nicht eher der Hersteller den Nadelträger leicht verdreht montiert hat.
So oder so: Ein System mit schief sitzendem Diamanten gehört vom Endverbraucher nicht „ausgeglichen“ sondern reklamiert!

Schiefer Nadelträger bei Serien-Produkten
Es liegt ein Produktionsfehler vor und das System sollte sofort wieder zurückgeben werden.

Schiefer Nadelträger bei hochwertigen Einzel-Produkten
In diesem Fall sollten wir davon ausgehen, dass die Schiefstellung das Ergebnis einer peniblen Justage ist, auch wenn das jetzt ziemlich dreist wirken mag. Um hierfür eine Bestätigung zu erhalten, sollten wir das System beim Händler durchmessen lassen oder es selbst durchmessen.

Vorsicht vor Sonderangeboten bei Tonabnehmern!

Einerseits ist es natürlich ganz toll, wenn man bei einem teuren Tonabnehmer ein paar Hundert Euro sparen kann und zum Beispiel statt 800,- € nur 500,- € bezahlt hat. Wenn man aber 500,- € für einen Tonabnehmer bezahlt hat, der bereits reklamiert wurde und keine 200,- € Wert ist, dann stimmt das mit der Sparerei nicht mehr so ganz, oder?

Bitte merken:
Wenn ein 800,- €-Tonabnehmer reklamiert werden durfte, dann ist er defekt und selbst ein intaktes 200,- Euro-System klingt im Vergleich deutlich besser!
Könnte man ihn einfach instandsetzen, hätte der Hersteller das schon selbst veranlasst. So ein System klingt nicht gut und im schlimmsten Fall machen Sie sich mit ihm Ihre schönen Platten kaputt!

Am sichersten ist es, Sie kaufen einen Tonabnehmer vor Ort bei einem kompetenten Händler, bei dem der Einbau zum Service dazugehört. Und wenn es irgendwie geht, dann sollte auch eine Messung zum Service dazugehören.

Wieso Händler äußerst ungern messen

Jedes Messergebnis ist ein Resultat aus der Kombination Laufwerk-Tonarm-Tonabnehmer. Der allerbeste Tonabnehmer kann in einem nicht optimal passenden Tonarm keine „Wundermesswerte“ erreichen. Will der Kunde mit diesem Arm aber unbedingt genau diesen einen “Traum-Tonabnehmer kaufen, dann liegt es nicht im Interesse des Händlers, ihm durch entsprechende Messungen zu beweisen, dass das in diesem Fall Unsinn ist.

Kann man Tonabnehmer selber messen?

Grundsätzlich können Sie alle Messgeräte des Marktes auch als Endverbraucher erwerben. Es gibt da keine, die dem Fachhandel vorbehalten sind. Aus Kostengründen werden Sie als Kunde aber wohl darauf verzichten wollen.

Preisgünstig sind Mess-Schallplatten, die der Markt immer noch anbietet und mit denen man die wichtigsten Einstellungen ganz gut nach Gehör beurteilen kann.

Ein Zwischending ist die Software des Herrn Dr. Feickert. Wer häufiger selbst Tonabnehmer justiert und den Händlern an seinem Wohnort nicht vertraut, ist damit gut gerüstet. Hierbei werden fünf verschiedene Headshell-Stellungen durchgemessen (-2°, -1°, 0°, +1°, +2°), um aus allen fünf Messkurven die optimale Azimuth-Einstellung erkennen zu können.

Eine solche Messung ist ideal  – ja fast schon genial — da sie wirklich alle Parameter des Laufwerks, des Tonarms und des Tonabnehmers im Zusammenspiel berücksichtigt – und zwar nicht theoretisch, sondern praktisch!
Für einen Händler ist auch diese Software ein „zweischneidiges Schwert“, denn kaum ein Kunde wird sich darüber freuen, einen optimal justierten – aber schief stehenden Tonabnehmer ausgehändigt zu bekommen, oder?

Sie sollten jetzt in der Lage sein, die Bemühungen des Händlers zu verstehen und in einem Gespräch mit ihm herausfinden können, was tatsächlich hinter seiner “schiefen Azimuth-Einstellung”  stecken könnte.