1.2.3 Das Stereodreieck – nicht immer das Optimum

1.2.3 Das Stereodreieck – nicht immer das Optimum

Die Überschrift dieses Artikels lautet „Das Stereodreieck, nicht immer das Optimum“ und wird damit den einen oder anderen Leser dieser Reihe vermutlich überraschen.
Und doch muss man die Frage stellen dürfen:
Ist das Stereodreieck nun das „Maß aller Dinge“ oder nicht?
Die Antwort lautet:
Für den einen ja – für den anderen nicht.

Für eine korrekte dreidimensionale Abbildung brauchen wir das Stereodreieck

Eines steht allerdings fest:
Wer dreidimensional in das Klanggeschehen hinein hören will, kommt nicht umhin, sich an das Stereodreieck zu halten.
Im Tonstudio sitzt der Tonmeister in so einem Stereodreieck und hat mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar die Boxen zu sich angewinkelt. So kann er am besten hören, ob er die Akteure richtig positioniert hat oder ob er noch etwas nachbessern muss.
Zuhause können wir zwar an der Aufnahme nichts mehr verändern, aber wir können uns darüber freuen, wenn der Tonmeister seine Aufgabe zu unserer Zufriedenheit erfüllt hat.
Das gelingt uns allerdings nur dann, wenn wir uns ebenfalls wieder „genau ins Stereodreieck“ setzen, es also dem Tonmeister gleich tun.

Das gefällt aber nicht jedem gleich gut.
Was dem einen großes Vergnügen bereitet, missfällt einem anderen, weil er sich nicht an einen einzelnen Sitzplatz binden lassen will. Ihm gefällt es vielmehr, wenn er sich „auch mal woanders“ hinsetzen kann und die Musik trotzdem noch gut klingt.
An beiden Vorlieben ist überhaupt nichts auszusetzen, nur sollte man sich über seine Wünsche im Klaren sein, bevor man auf die Suche nach seinem nächsten Lautsprecher geht.
Wer den Markt einmal zielgerichtet prüft, findet folgende Arten an Lösungen:

(Abhör-) Monitore

Monitoraufstellung

Monitoraufstellung

Wie der Name es bereits verrät, finden solche Lautsprecher in der Regel im Tonstudio Verwendung. Allerdings haben sie längst ihre Anhänger auch unter den HiFi-Freaks gefunden.
Bei diesen Lautsprechern ist es zwingende Voraussetzung, dass wir uns genau im Stereodreieck befinden und oft müssen wir die Boxen auch genau auf uns ausrichten, also anwinkeln.
Manchmal reicht es dann leider schon, unsere Kopfposition nur um wenige Zentimeter zu verändern, um die dreidimensionale Abbildung erheblich zu stören.

Mit dieser Art von Lautsprechern macht es leider auch keinen großen Spaß, die Musik außerhalb des Stereodreiecks zu hören. Die Höhen sind weg und vom Klangvolumen ist auch nicht mehr viel übrig geblieben. Sitzt man also z.B. etwas entfernt am Esstisch, klingen diese Boxen ziemlich „kraft- und farblos“ und machen dort deshalb wenig Freude.
Monitor-Lautsprecher sind die idealen Begleiter eines einzelnen Hörers, der sich einen Lieblings-Hörplatz wählt und dort beim Musikhören die Augen schließt, um sich „in das Klanggeschehen hinein versetzen zu lassen“. Sie sind jedoch nicht die erste Wahl, wenn ein kompletter Wohnraum beschallt werden soll.

Wohnungslautsprecher

Wohnraumlautsprecher

Wohnraumlautsprecher

Zu dieser Gruppe gehören wohl die meisten Lautsprecher, die der Markt uns bietet.
Doch beim Hörtest trennt sich schnell die Spreu vom Weizen und es zeigt sich, wieso es sich manchmal lohnt, ein paar Euro mehr auszugeben.

Das grundsätzliche Ziel dieser Boxenbauer ist die Entwicklung eines Allrounders. Allerdings verteilt jeder Entwickler seine Schwerpunkte etwas unterschiedlich, weshalb Sie prüfen sollten, ob ein Lautsprecher zu Ihren Wünschen passt.

Käufer, die sich gerne ins Stereodreieck setzen mögen, sollen bei dieser Lautsprecherart mit einer tollen, dreidimensionalen Darstellung des Klanggeschehens belohnt werden. Wer sich lieber außerhalb des Stereodreiecks bewegen will, soll immer noch ein harmonisches und volles Klangbild genießen können. Manchem Entwickler gelingt es sogar, auch noch eine räumlich wirkende Wiedergabe hinzubekommen, obwohl sich der Hörer außerhalb des Stereodreiecks aufhält. In der Abbildung sehen Sie als Beispiel einen Lautsprecher, der im Stereodreieck (grünes Dreieck) mit einer tollen dreidimensionalen Wiedergabe überzeugt, gleichzeitig aber auch einen großen Teil des Raumes (rot umrandete Fläche)  immer noch mit einer räumlich wirkenden Wiedergabe verwöhnt. Darüber hinaus verliert sich dann der räumliche Eindruck.
Diese Boxenart ist dann ideal, wenn sich mehrere Personen im Raum befinden, die alle „gut Musik hören wollen“ und andererseits einzelne Personen sich zwischendurch immer mal wieder die Zeit dafür nehmen, um am „besten Hörplatz“ die Musiker „beobachten“ zu können.

Raumfüllend wiedergebende Lautsprecher

Raumfüller

Raumfüller

Völlig unabhängig vom Stereodreieck arbeiten Lautsprecher, die sich die raumfüllende Wiedergabe auf die Fahne geschrieben haben.
Der Schwerpunkt liegt hier darauf, im gesamten beschallten Raum eine harmonische „Mischung“ aus Bass, Mitten und Höhen zu erzeugen. Oft arbeitet man dazu mit Rundumstrahlern oder Chassis, die in verschiedene Richtungen abstrahlen und eben nicht nur nach vorne.
Das Ergebnis ist „ein ganzer Raum voller Musik“.

Der Nachteil ist die eingeschränkte, wenn überhaupt vorhandene Ortbarkeit.
Instrumente klingen diffus von „überall“ her. Ihre Größe oder ihre Position zu bestimmen, ist nur bedingt möglich. Nicht einmal im Stereodreieck, denn das gibt es bei diesen Lautsprechern nicht. Die blau umrandete Fläche wird in dem Einrichtungsbeispiel überwiegend vom rechten Lautsprecher versorgt, die rot umrandete Fläche vom linken. Zwar ergibt sich in der Mitte ein Feld, das von beiden Boxen gut erreicht wird, aber selbst dort entsteht keine gute Ortbarkeit und auch keine reale Dreidimensionalität.

Diese Boxen sind dann die erste Wahl, wenn man sich nicht beim Musikhören auf einen bestimmten Sitzplatz fixieren lassen will.

Spezial-Lautsprecher

Manche Forderungen können nur mit Spezial-Kostruktionen erfüllt werden. Das fängt beim Subwoofer an, geht über die Zusatzlautsprecher eines Surroundsound-Systems weiter und endet nicht einmal bei Wandeinbauboxen oder Outdoor-Lautsprechern.
Sie passen nicht zum Thema dieses Berichts und ich habe sie hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Zusammenfassung:
Das Stereodreieck ist die Eintrittskarte zu einer realistischen, dreidimensionalen Abbildung eines musikalischen Geschehens. Diese Eintrittskarte gibt es aber eben nur mit den geeigneten Lautsprechern und meistens auch nur für einen einzelnen Hörer, Weitere Hörer müssen mit den „billigen Plätzen“ vorlieb nehmen. Wer sich damit nicht abfinden will und sich auch nicht „vorschreiben“ lassen will, wo er zu sitzen hat, kommt wohl mit anderen Lautsprecherkonzepten besser zurecht.

In dieser Serie sind schon folgende Beiträge fertiggestellt:

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